Tilleda 2008 Königspfalz hinterlässt faden Eindruck

Kaiserlager Tilleda: klasse Location, mangelnde Bespielung. © Ariane Rode / Druzina

Das Jahr 980: Kaiser Otto II., Kaiserin Theophanu und viele Zeitgenossen – das war der Plot für das „Kaiserlager“ in der alten Königspfalz Tilleda. Ariane Rode von der „Druzina“ war dabei – voll enttäuschter Vorfreude. Ein Meinungsbeitrag.

Gut 140 Akteure reisen an

Tilleda am Kyffhäuser in Sachsen-Anhalt: Als zum ersten Mal teilnehmende Darstellerin beim Kaiserlager bot sich mir ein Einblick hinter die Kulissen einer Veranstaltung mit großem Potenzial. Vorab durch die Organisatoren Maic Gronych und Torsten Kreutzfeldt (von „Huginn“ sowie vom Förderverein der Königspfalz Tilleda i. G.; Anm. d. Red.) hervorragend informiert, war das Programm für das Wochenende klar umrissen. Kitguides, vorangegangene Ausrüstungsdiskussionen und die eigentlich erwünschte Belegmappe schürte die Hoffnung auf eine qualitativ hochwertige Veranstaltung. Nach unserer Teilnahme an der Mittelalterveranstaltung bei der Kaiserpfalz Werla 2005 waren die Erwartungen an die Pfalzveranstaltung enorm hoch.

Trotz unbändigen Wetters nahmen etwa 140 Aktive teilweise mehr als 500 Kilometer Anreiseweg für das vergangene Wochenende auf sich, um das Pfalzmuseum und die geplante Geschichte des Aufrufs von Kaiser Otto II im Jahre 980 zum Italienfeldzug zu beleben. Die anpreisenden Worte der Ankündigung „Wir bieten Ihnen Darstellung von Geschichte am Originalschauplatz und keinen ‘Mittelaltermarkt’” bewiesen in der Diskrepanz zur praktischen Ausführung leider deutlich, wie sehr das ursprüngliche Konzept vom Weg abgekommen war.

Mangelhafte Ausrüstung

Eklatante Mängel bei dieser doch eigentlich hochgelobten Veranstaltung waren zu erkennen, welche sich aus einer gemeinsamen Wirkung von Darstellermängeln, fehlendem Hintergrundwissen und Fehlbesetzungen des Programms zusammensetzten. Zwar waren Darsteller aus ganz Deutschland angereist, aber auch eine andere Vorgabe der Veranstalter war nur im Vorfeld erwähnt worden und trotzte jeder Umsetzung: „Jedes einzelne ‘Kostüm’ orientiert sich sorgfältig bis ins kleinste Detail an den Vorgaben der Archäologie.“

Nur wenige Darsteller boten ein in sich stimmiges Bild. Neben seriösen Gruppen wie den „Steppenreitern“ und „Vidforli“ und einigen Einzelpersonen boten die im Living-History-Bereich der Pfalz angesiedelten Gruppen wenig Angriffspunkte und Informationsgehalt. Grundlegendes Geschichtswissen schien einer Vielzahl an Darstellern zu fehlen, was sich nicht zuletzt durch fehlende oder falsche Ausrüstung zeigte. Offensichtliche Mängel wie Maschinennähte, Synthetik, falsche Textilien, Frauen in Männerkleidung, erfundene Schnittmuster und grundlegend falsch recherchierte Ausrüstungsteile waren erkennbar.

Die Darsteller der byzantinischen Gesandtschaft, der Türken und Waräger glänzten durch um die Köpfe geschlungene Pashima-Schals, Polyesterborten, falsche Pluderhosen, Fellen auf den Schultern, Thorshammer sowie diversen falschen Schnitten, die vielleicht auf das ungeübte Auge genug Eindruck machten, aber vor allem im Hinblick auf andere Darsteller eher beschämend wirkten. Trippen und spätmittelalterliche Gugeln, unpassende Holzschuhe bei vielen Darstellern, deplatzierte Schläfenringe in den Ohren und Tuniken von Leonardo Carbone (bei Mittelaltermarkt-Fans beliebter Gewandungsschneider; Anm. d. Red.) waren weitere Bestandteile mangelhafter Ausstattungen. Es fehlte an Selbstkritik und Hinterfragung durch den Einzelnen – damit hätten möglicherweise die Fehler im Vorhinein bei eingehender Prüfung der Teilnehmer und Gruppen verhindert werden können. Alles das, was nicht sein dürfte, hätte vor der Veranstaltung klar sein sollen. Somit fallen im Auge des unwissenden Betrachters leider alle Fehler auf die Pfalz und die Veranstalter zurück.

Rollenspiel sprengt Absprachen

Obwohl das Konzept früh genug besprochen und geplant wurde, entstand nicht zuletzt durch die kurzfristige Einwirkung des Bürgermeisters Manfred Tettenborn ein neues, rollenspielartiges Ambiente. Der angeordnete Besuch des Kaisers Otto II., verkörpert durch Thomas Krause, rutschte trotz dessen Bemühungen in letzter Sekunde um eine glaubwürdige Darstellung der Kaiserfigur, ins Groteske ab. Fehlbesetzungen, fehlende Ausrüstung und ein geringes Personenaufgebot wirkten zusammen und ergaben ein eher mageres Programm, was selbst durch das Engagement der Ungarn und ihrer Pferde (die „Steppenreiter“; Anm. d. Red.) nicht mehr zu retten war.

Die desillusionierende Lage wurde durch Schauspielgruppen in Wanderschuhen, die die Kaiserin Theophanu samt Gefolge in Synthetik mimten, verstärkt. Die ursprünglich angedachte Belegmappe wurde mit keinem Wort erwähnt und ihre Auslage wohl vorsorglich wegen des Rollenspielprogramms verneint.

Die akustische Untermalung bestand aus der sich mit der Beschallungsanlage abwechselnden Gruppe „Potentia Animi“, die bei vielen mit ihrer unmittelalterlichen Optik negativ aufstießen. Musiker mit Rastazöpfen und schwarzer Mitra parodierten über das Gelände, Dudelsackmusik erklang. Wenn die Akustik nachließ, war die Dauerbeschallung mit Marschmusik, Handyklingeltönen und Gruppen wie „Feuerschwanz“ am Sonnabend allgegenwärtig, so dass man sich trotz einer beträchtlichen Entfernung zu den Boxen im Zelt nur schreiend unterhalten konnte. Aufgrund massiver Beschwerden wurde dies zumindest für den Sonntag eingeschränkt.

Höhen und Tiefen

Das hervorragend gelegene Gelände bot einen sehr gepflegten Eindruck, was sich auch bei den nur für Darsteller zur Verfügung gestellten Sanitäranlagen zeigte. Die für das leibliche Wohl und den Besucher gedachte alternative Marktmeile bot ein angenehmes Programm der örtlichen Infrastruktur und versorgte den Besucher mit Kaffee, Kuchen und zur späteren Stunde auch einem genüsslichen Honigwein und Waffeln. Angenehm bei kühlen Temperaturen: Wer fror, konnte sich durchs Baden bei der „Zuberwölfin“ aufwärmen oder sich bei einer Massage entspannen.

Aber die durch den „Marktmittelalter“- und Living-History-Bereich ziehenden Schausteller und Musiker sorgten für Verwirrung des Besuchers, dem die Unterscheidung dieser doch eigentlich unterschiedlich ausgerichteten Bereiche nun schwerer fiel. Die teilweise vorherrschende Intoleranz einiger Händler sorgte zudem für ständiges Befahren des Platzes mit Transportautos, was auch während des Tagesprogramms nicht eingeschränkt wurde.

Die Ankündigung „Durch das Programm führt ‘Herold Heinzi’“ hätte im Vorfeld eigentlich schon misstrauisch genug stimmen müssen,. Was dann kam, entsprach dann leider den Befürchtungen. Der engagierte Herold glänzte durch Marktsprech mit tumben Sprüche und offensichtlichem Unwissen, was die Geschichte anging. Er scheint sonst eher ein Moderator bei „Ritterspielen“ zu sein. Zumindest wirkten so seine Beleidigungen der Ungarn und das Anheizen des Publikums zu mehr Lärm, während eines der Pferde durchging. Auch Sprüche wie „Das geht aber auch mit mehr Geschwindigkeit“, bei nassen Platzverhältnissen und den damit vorsichtig umgehenden Reitern, wirkten deplatziert. Das Auftreten von Gewandeten anderer Epochen auf dem Platz warf unlängst die Frage auf, ob man als gewandeter Besucher den Platz betreten durfte, was eigentlich bei qualitativ hochwertigen Veranstaltungen unüblich ist.

Einzige Highlights boten die Steppenreiter mit Spontaneität und der Marktvogt Thorsten Seifert, der sich vorab mit den Darstellern über deren Konsens zum Rollenspiel abgesprochen hatte, und somit nicht unvorbereitet sein Los antrat. Zu loben sind die sehr ordentlichen Sanitäranlagen und die hervorragende Betreuung der einzelnen Darsteller durch Torsten Kreutzfeldt und Maic Gronych. Auch die Pfalzküche mit Annette Kreutzfeldt und ihren Helferinnen war vorbildlich und konnte zumindest zeitweilig die Stimmung retten. Die Rücksichtslosigkeit einiger Darsteller bei der Essensausgabe verstärkte leider den Eindruck, dass hier die ursprünglich als gemeinsam angedachte Pfalzküche eher einseitig betrachtet wurde.

Potenzial liegt brach

Mit Sätzen wie „Geschichtsvermittlung, authentische Reiterdarstellungen und der Reiz des Geländes sind Pluspunkte, die Tilledas Kaiserlager seit Jahren von kommerziellen Mittelaltermärkten abheben lassen“, lockte die Pfalz zwar immens. Sie konnte aber die Erwartungen leider nur minimal erfüllen. Das Potenzial des Platzes in seiner Besonderheit als archäologische Stätte und der Veranstaltung eben auf dieser Pfalz wurde zugunsten eines eher kommerziellen „Mittelaltermarktes“ nicht ausgeschöpft.

Die Organisation der Veranstaltung unter Einwirkung der lokalen Politik, Archäologie und Infrastruktur bot genügend Konfliktpotenzial und Unstimmigkeiten. Sperrung der Pfalz für Fahrzeuge, keine elektronische Beschallung sowie etwas mehr Eigeninitiative als auch Selbstkritik der Darsteller und Teilhabenden würde viel zu einem besseren Gelingen beitragen. Eine konsequente Qualitätskontrolle vorab und auch während der Veranstaltung hätten so einiges ausmerzen können, was selbst dem ungeübten Besucher ins Auge fiel. Die Vermutung, dass „Mittelaltermärkte“ mit Marktsprech und buntem Durcheinander in der Region eben so, in dieser Form als normal hingenommen werden, liegt nahe und begründet unter Umständen die unterschiedlichen Erwartungen.

Es bleibt zu hoffen, dass dies in kommenden Jahren anders wird und das ganze Potenzial der Pfalz ausgeschöpft wird, um eine erstklassige Veranstaltung zu ermöglichen und hochqualitative Darsteller aus ganz Deutschland zu beherbergen. Die Erwartungen an die Pfalz und ihre Besonderheiten sollten miteinander harmonisieren.

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50 Kommentare

  1. Ich habe meine Konsequenz gezogen und werde mich aus den Living History Bereich zurück ziehen. Da es in Deutschland keine Veranstalltung gibt, die das Leben im 9. und 10. Jhr ( Außerhalb des Skandinavischen Bereiches) wiedergibt und aus aktuelem Anlass, der Diskusion das nur Argenturen diesen Bereich ausfüllen können und der Sache in Paderborn werde ich mich in mein Privatleben zurückziehen.

    Ex Pfalzvogt

    23. Juli 2008, 23:07 Uhr • Melden?
    von Thorsten Seifert
    1
  2. @Thorsten Seifert
    Eine solche Entscheidung ist bedauerlich, hat sicher persönliche Gründe. Aber Paderborn hat nun mit diesem Beitrag nicht wirklich etwas zu tun. Wie auch immer, zu Paderborn gibt es an anderer Stelle sicher mehr zu sagen, hier bitte Kommentare zum Gegenstand des Beitrags.

    23. Juli 2008, 23:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    2
  3. Oh was für einer vernichtende Kritik!
    Trotzdem ich ärgere mich, nicht dabei gewesen zu sein!
    Und ich hätte gerne noch ein paar andere Eindrücke, Sichtweisen gelesen.
    Was ich von der Planung mitbekommen habe, war diese sehr engagiert,
    aber auch das diverse Interessen aufeinander prallten.
    Bei so einer Veranstaltung wird das natürlich besonders deutlich,
    da sie eine gewisse Größenordnung überschreitet, welche die kleine „Szene“ (wenn man das überhaupt schon sagen kann?) der mitteleuropäischen 10. Jahrhundert Darsteller einfach sprengt.
    Ich hoffe, dass die Orga nicht die Segel streicht, sondern mit neuen oder verbesserten Konzepten weiter macht.

    24. Juli 2008, 09:07 Uhr • Melden?
    von Sascha Klauss
    3
  4. Entschuldige Ariane,
    wahrscheinlich hast Du mit diesem Artikel alle Bemühungen von Maik Elliger und danach von Maic Gronych und mir, Tilleda zur qualitätsvollsten Veranstaltung in Mitteldeutschland zu machen mit einem Schlag zunichte gemacht. Auch wenn Du mich nicht persönlich treffen wolltest, ist das natürlich ein Kantenbrot, das erst einmal zu essen ist. Da Du selbst Teil dieser Darstellung warst, trifft Dich ein Teil Deiner Kritik natürlich auch selbst.

    Als jemand, der selbst sein Zelt mit der Hand genäht hat, habe ich genauso hohe Qualitätsanforderungen wie Du. Diese sind hochzuhalten, aber wie sind die Umstände ?

    Der Unterschied zur Werla 2005, die ich auch besucht habe, war nicht so groß, wie Du denkst: Auch dort waren Gruppen, die ich auf Deine hier durchgeführte Weise durch die Mangel hätte drehen können. Werla war nicht die einzig mögliche Darstellungsform, dazu gibt es in der Literatur inzwischen deutliche Kritik.
    Und manchmal trügt auch der Augenschein. Handgenähte Metallborten aus der Türkei waren für Dich Polyesterborten ? Hast Du unsere Darsteller mit den von uns recherchierten Darstellungsformen Ottonik überprüft? Kennst Du die Rolle der Frau in der Ottonik (Frauen in Männerkleidung)? Sorry, darfür gibt es Belege. Jeder Acker ist anders und auch der Kritiker begibt sich mitunter auf sehr dünnes Eis.

    Es wäre hier zu begrüßen, die von Dir gefundenen Mängel bei den Gruppen selbst anzusprechen, einige waren Anfänger und wollen sich verbessern.
    Wo sind denn die tollen ottonischen Darsteller in Deutschland? Ich habe gerufen, sie sind größtenteils nicht gekommen. Andere haben wir nicht. Ist es fair mir gegenüber, mich mit den Truppen, die ich am Ende hatte, ins Messer laufen zu lassen? Bewertest Du uns am Ende nicht mit einer Messlatte, die wir auch unter den günstigsten Umständen niemals hätten erreichen können? Natürlich sind Flyertexte anpreisend. Willst Du uns Werbung verübeln?

    Über den Servicebereich diskutier ich nicht mehr. Der war auch klar zu erkennen, auch durch Hinweisschilder.

    Wir haben Experimente gewagt: Rollenspiel, Lagerküche für ca. 160 Darsteller, religiöses Leben.
    Und auch hier hättest Du merken müssen, dass es mir um das Miteinander geht.

    Deine Kritik wie auch die Diskussion mit Prof. Hochbruck zeigt mir, dass ich lokal weiterarbeiten muss. Ich werde nicht mehr bundesweit einladen. Es wird schlechter werden, ja. Wir sind zurückgeworfen worden. Der Regen tat sein Übriges, dass ein Event in dieser Form nicht mehr in Tilleda stattfinden wird. Nichtschuldig, aber die Chance ist denoch vertan. Ich hoffe dennoch, in der Region genug bemühte Leute zu finden. Willkommen in der Provinz!

    Teresa von Ávila brachte zunächst in ihren Briefen Lob an, damit der Tadel nicht so streng und hart beim Gegenüber ankam. Eine Einführung in diese geschickte Rhetorik wäre Dir in Zukunft zu wünschen.

    Wir haben uns viel zu gut verstanden, um daraus eine Stammesfehde zu machen. Ich wünsche mir von Dir, uns konstruktiv bei unserer weiteren Arbeit zu helfen. Die Arbeit des Kritikers ist eine leichte. Du hobst “den Schleyer der Göttin zu Sais – Aber was sahst Du? Du sahst – Wunder des Wunders – Dich selbst.”
    Dein Torsten

    P.S.: Dago, bitte, bitte, mache weiter !

    24. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
  5. Moin,

    bei vielen Sachen muss ich mich dem Bericht leider anschliessen.

    Ein Hinweis fürs Protokoll: In der Pfalzküche waren nicht nur Helferinnen sondern auch viele Helfer vertreten.

    Die Sanitäranlagen waren gut, wurden nur leider grundsätzlich früh zum größten Andrang gereinigt.

    Ansonsten trotz einiger Stilbrüche ein schönes Wochenende.

    Gruss
    Patrick

    24. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
  6. Liebe Ariane, auch von mir noch ein Kommentar zu Deiner Sicht der Veranstaltung.
    Als “Küchenchefin” finde ich es schade, dass Du die Bewertung einer Darstellung nur an den Ausrüstungsgegenständen festmachst. Für mich bedeutet Darstellung auch einen Vorgang. Der hieß in meinem Bereich “Versorgung einer großen Menschengruppe mit 4 kompletten Mahlzeiten unter frühmittelalterlichen Bedingungen”. Dafür wurde mir im Vorfeld viel Skepsis entgegengebracht, weil meines Wissens dieses Experiment bisher noch nie gewagt wurde. Aber es ist uns gelungen, die 160 Darsteller mit ebenen Feuerstellen und einem Lehmbackofen satt zu bekommen. Du wirst in keinem unserer Töpfe etwas entdeckt haben, was nicht einer frühmittelalterlichen Küche entspricht, bis hin zu Falläpfeln von der Streuobstwiese und vor Ort angesetztem Sauerteig und Frischkäse.
    Was mir noch am Herzen liegt, ist die religiöse Darstellung, auch ein Novum: ca. 20 Darsteller, die unter Heidis Leitung Vesper und Komplet singen. Auch das ist Darstellung frühmittelalterlichen Lebens, hochauthentisch, aber nicht mit den Kategorien “Ausrüstungsgegenstände” messbar.
    Deine Annette

    24. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Annette Kreutzfeldt
    6
  7. Die Kritik von Ariane ist im wesentlichen gerechtfertigt, da die Veranstaltung vom Museum angekündigt war unter anderem mit:

    “Etwas Besonderes ! Wir bieten Ihnen Darstellung von Geschichte am Originalschauplatz und keinen “Mittelaltermarkt”. Ausgesuchte Vereine und Einzelpersonen aus ganz Deutschland schlüpfen für Sie in die Rolle von Ottonen, Byzantinern, Slawen, Ungarn usw. Jedes einzelne „Kostüm“ orientiert sich sorgfältig bis ins kleinste Detail an den Vorgaben der Archäologie.”

    Diesem sehr hohen Anspruch wurde die Veranstaltung – und zu dieser gehört neben den Darstellern verschiedener Qualität eben auch die Kommerzmeile und die Musik – keinesfalls gerecht. Es war letzlich und von außen betrachtet nur ein durchschnittlicher Mittelaltermarkt.

    Ich lese es so, dass Ariane hier ein Exempel statuiert hat, das auch im Kontext der aktutellen Qualitätsdiskussionen zu lesen ist und dann Sinn macht. Bitter, sehr bitter und traurig ist freilich, dass das harte “Kantenbrot” nun auch von den Falschen (z.B. Torsten Kreutzfeldt und Maic Gronych) gegessen werden muss, deren persönliche Anstrengungen zu Qualitätsverbesserung und Organisation wahrlich immens waren und denen ich sehr zu danken habe.

    Vor einigen Tagen sagte mir jemand: “Der Kampf um Orte lohnt sich nicht”. Eine pessimistische Ansicht, die ich nicht teilen mag. Es gibt wenig genug Freilichtmuseen – Orte die sich für eine anspruchsvolle Darstellung in einer angenäherten historischen Umwelt eignen. Der “Kampf um den Ort” lohnt sich grundsätzlich.

    Soweit mir die Verhältnisse in Tilleda bekannt wurden, ist das Ziel der Lokalgrößen überwiegend allerdings ein Mittelalterspektakel. Die Verschiebung zu einer anspruchsvollen musealen Darstellung ist hier vermutlich nicht möglich.

    Vielleicht ist eine “Ronneburglösung” hier passend: Mittelalterspektakel und Burgbelebung trennen. Auf dieser Basis werde ich gerne und mit Freuden Torstens weitere Arbeit unterstützen – um so mehr als ich Ariane weitgehend zugestimme.

    Radi Wilhelm

    24. Juli 2008, 13:07 Uhr • Melden?
    von Radi Wilhelm
    7
  8. “Kampf um Orte”? Ich möchte nicht haarspalterisch wirken, aber solche missionarischen Ausdrücke machen etwaige Debatten auch nicht einfacher.
    Richtig ist sicher, was damit gemeint sein könnte: Orten und Veranstaltungsideen stets auch eine Chance zu geben. Und Tilleda, also Pfalz samt den engagiert dort arbeitenden Menschen, zählt nach meinem Dafürhalten dazu. Richtig ist aber auch: Es gibt unterschiedliche Kulturen, die Inszenierung von Geschichte betreffend. Auch das Publikum wird vieles anderes sehen als Veranstalter oder Akteure. Ergo kann es also keinen einseitigen “Kampf” geben. Das sind Formulierungen, die hier wirklich nicht passen.

    24. Juli 2008, 15:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    8
  9. Marcel, Du störst Dich offenbar an dem Ausdruck “Kampf”. Er lag mir persönlich hier nicht quer, aber ich kann es nachvollziehen.

    Man ersetze ihn gedanklich durch:

    “Gegen massiven Gegenwind lokaler Größen (wie ggf. Bürgermeister Museumleitungen, etablierte Veranstalter oder lokale Händler) versuchen durchzusetzen, an einem Ort (auch) eine anspruchsvolle museale Veranstaltung durchführen zu können.”

    Kurz und etwas provokanter: “Kampf um Orte”. Ich hoffe dass o.g. Formulierung klarstellt, was ich meine.

    Radi

    24. Juli 2008, 16:07 Uhr • Melden?
    von Radi Wilhelm
    9
  10. PS: Mein obiger Kommentar bezieht sich auf die zum Kommerzbereich, der Kleidung einiger Darsteller vorgebrachten Problem.
    Die Veranstaltung als ganzes hat mir sehr gut gefallen. Ein großes Lob auch an die Orga und die Lagerküche.

    Ich hoffe auf Fortsetzung.

    24. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Patrick Kuenzel
    10
  11. Hallo,
    ich bin seit langem Interessierter des Zeitraumes um 1000ad und daher voller Erwartungen nach Tilleda (in zivil) gefahren.
    Und was kam war ein Wechselbad. Neben den üblichen subjektiven Pros&Cons einer solchen Großveranstaltung fielen mir allerdings 2 Dinge dergestalt auf, dass sie Erwähnung finden sollten:
    Samstag nachmittag führte ich ein ausgedehntes Fachgespräch mit einem Wachsoldaten(?) am Torturm, was mich sehr erfreute. Derartige Ansprechpartner hätte es mehr geben sollen.
    Auf der anderen Seite lief mir auch eine Dame nebst Begleiterin über den Weg, die mit Adelsmine (und schichtweise modernem MakeUp) eine wohl östlich angehauchte Adelstracht ausführte. Auf ersten Blick ein toller Anblick, auf zweiten Blick entpuppten sich die Perlen des Kleides aber als Modeschmuck aus Kunstharz und die Goldapplikationen als Zierkordel aus dem Theaterfundus.
    Ich weiß nicht ob die Dame zur Veranstaltung gehörte oder Besucherin war, aber in Erinnerung blieb mir der Fauxpas trotzdem.

    Ansonsten sah ich aber mehr angenehmes als ärgerliches, das Highlight waren definitiv die Steppenreiter!

    24. Juli 2008, 18:07 Uhr • Melden?
    von Dietmar Wenzel
    11
  12. Zu der “Byzantinerin”:

    diese gehörte nicht zum Lagerbereich, weswegen die Orga keinen Einfluss auf ihre Kleidung hatte. Leider.
    So etwas lässt sich wohl wirklich nur vermeiden, wenn man nur wirklich passend gewandete einlässt. Wenn überhaupt.

    25. Juli 2008, 08:07 Uhr • Melden?
  13. Liebe Ariane,
    noch ein Kommentar von mir zu Deiner vernichtenden Kritik:
    Du hast Dich als Darstellerin bewusst außerhalb des Geschehens gestellt und eine schwarze Brille aufgesetzt, um Mängel festzustellen. Durch eine schwarze Brille sieht man zwangsläufig nur noch schwarz. Du konntest das Engagement und den Enthusiasmus der Darsteller (übrigens auch der Theatergruppe in Kostümen, nicht in Gewandung, die im Regen mit viel Spielfreude ihr Stück aufgeführt hat) und die fantastische Stimmung im Lager nicht wahrnehmen und nicht teilen. Du konntest bei der Suche nach Maschinennähten (mein Gott – Maschinennähte) die Menschen unter ihrer zugegebenermaßen nicht immer perfekten Gewandung nicht wahrnehmen. Du konntest die wirklichen Innovationen (die Pfalzküche, die Du lapidar erwähnst, die Gottesdienste und vieles andere) nicht würdigen, geschweige denn genießen. Dass Du mit einem faden Eindruck nach Hause gefahren bist, überrascht mich nicht. Schade für Dich.
    Im übrigen hat der Geldgeber (Gemeinde) immer ein Mitspracherecht, was bestimmte Inhalte angeht. In Privatlagern kann man sämtliche Standards durchsetzen, die einem passen. Dann kann man auch Besucher in „unpassender“ Kleidung abweisen. Man kann aber keine finanzielle Entschädigung erwarten.
    Und hier noch ein prominentes Beispiel für „Frauen in Männerkleidung“: Die spätere Kaiserin Adelheid, Frau von Otto I. auf ihrer Flucht aus Italien, nachzulesen bei Roswitha von Gandersheim.
    Deine Annette

    25. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Annette Kreutzfeldt
    13
  14. “Jedes einzelne ‘Kostüm’ orientiert sich sorgfältig bis ins kleinste Detail an den Vorgaben der Archäologie.”
    (Zitat des O-Tones des Veranstalters zur Ankündigung aus dem Artikel)

    kontra:

    “mein Gott – Maschinennähte”

    Leute, bei der Einstellung ist es kein Wunder, wenn sich Museen bei der Erwähnung von “Livining History” mit Grausen abwenden.

    Paradebeispiel dafür, warum es wirklich sinnvoll wäre, dass sich nicht jeder vor Publikum stellen sollen dürfte.

    25. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
  15. @Jens
    Das setzt aber voraus, dass das Publikum exakt auf einer ganz bestimmten Wellenlinie schwebt. Und genau das würde ich in Frage stellen.

    25. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    15
  16. An Jens Börner:
    Nur zur Klarstellung:
    Wir haben nicht nur unsere Klamotten, sondern sogar unser Zelt komplett per Hand genäht. Wenn wir diese Maßstäbe an eine Veranstaltung legen würden, wäre außer uns kaum jemand auf dem Platz. Aber Anfängern muss man Entwicklungsmöglichkeiten zugestehen. Und die Güte einer Veranstaltung an Maschinennähten zu messen, ohne andere Dinge zu berücksichtigen, ist unfair. Ich bin nicht herumgegangen und habe Grillwürstchen und Zigaretten bei Darstellern bemäkelt. Diejenige wird wissen, wen ich damit meine.

    25. Juli 2008, 11:07 Uhr • Melden?
    von Annette Kreutzfeldt
    16
  17. Hallo,

    Ich sehe im Artikel nicht, dass die Kritik an den Maschinennähten festgemacht würde, aber selbst wenn: dieser Punkt deckt sich nunmal schonmal nicht mit der Ankündigung, Punkt.

    Und was den Punkt “Aber Anfängern muss man Entwicklungsmöglichkeiten zugestehen.” angeht:
    Ja klar, gern, aber nicht vor Publikum.

    Wenn irgendwas im Rahmen der aktuellen Qualisiegeldiskussion ja wohl schon als ein allgemeiner Tenor akzeptiert sein sollte, dann doch, dass man vor Publikum eine gewisse Verantwortung trägt (die sich nicht darauf beschränkt, keine Hakenkreuze wohinzupappen, wo keine drauf gehören, egal aus welcher Motivation!).
    Und wenn ich nicht soweit bin, dann bin ich nicht soweit.
    Und wenn d.h. dass nicht genügend Darsteller zusammenzubekommen sind, isses halt Pech.

    und @Marcel:
    “Das setzt aber voraus, dass das Publikum exakt auf einer ganz bestimmten Wellenlinie schwebt”
    Den Satz verstehe ich nicht- soll das einfach wieder heissen “das Publikums kanns eh nicht unterscheiden?

    Ich war nicht da, ich mach die Zeit nicht, mir kanns eigentlich wurscht sein. Aber gerade weil hier in letzter Zeit dauenrd über Missstände geredet wird, und viele gerne diese Aachener Erklärung unreflektiert anklicken, sollte man mal darüber reden, was so Dinge wie “wissenschaftliches Arbeiten” und co. bedeuten- jedenfalls nicht das, was man da im Text lesen konnte, und was teils sogar absolut unbedarften Betrachter der Bilder der Veranstaltung teilweis emit auffallen dürfte.

    Also hackt nicht auf der Kritikerin rum, sondern überlegt euch lieber mal, warum das so war, wie man das in Zukunft vermeiden kann, und prüft euch alle mal, ob ihr mit dem, was ihr den Leuten unter dem Label, was ihr euch und dei Veranstalter euch geben, so zeigen.

    25. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
  18. Es geht hier immer noch um das Kaiserlager in Tilleda 2008, bitte nicht um ganz allgemeine Qualitätsdebatten.

    Und bitte nicht ständig diese Vermengungen mit ganz anderen Diskussionslinien wie Aachener Erklärung etc. Dies hat hier nichts verloren, dies versteht in diesem Zusammenhang kaum ein Mensch.

    Deshalb Stakkato-Antwort, Jens:
    Deine Sicht der Dinge müsste bedeuten, dass zB in Tilleda das Publikum keine Mischung von Ausrüstung nah am Original und etwas weniger eng angelehnten Stücken oder eben Programmpunkten tolerieren dürfte. Was ich meinte, ist eben: Dies ist eine Behauptung, die stimmen kann, aber nicht muss. Das Publikum kann sehr wohl anderer Meinung sein – aus welchen gründen auch immer. Da jetzt herauszulesen, die Besucher wollen, dass sie “falsch” unterrichtet werden von Darstellern, wäre wirklich sehr kurz gegriffen.

    Im Übrigen sehe ich die Kommentare bislang nicht als “Einhacken” auf die Autorin. Die Vertreter der Orga oder eben auch das Publikum haben ihre Sicht der Dinge, und die darf freilich hier auch wiedergegeben werden.

    25. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    18
  19. Hallo Marcel,
    Lassen wir mal den Rest beiseite: ich verstehe aber nicht, warum ich nicht die Beiträge bei Chronico in einen Bezug setzen soll: ist das nicht gerade das gute daran?
    Wenn mehr Leute die Sachen in Zusammenhang sehen täten, würde sich vlt. mal manche Sichtweise aufklären.

    25. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
  20. Zum Thema Türken,
    die Paschmina Schals, sind keine, sondern nach Vorlage gewebte Ziegenhaarschals aus Persien welche in der alten Technik der Shalwar Gewebe hergestellt wurden. Unsere Pluderhosen sind auch keine – und im Schnitt mehrfach belegt, die Borten, aus Seidengarn oder Baumwoll Seidenmischgarn mit eingewebten Metallfäden nach Mustern auf Teppichen und Gebäuden – da es keine Funde gibt. Brettchenborten wurden nur für Pferde und Kamelgeschirre verwendet und für Zelte. Angewebte Borten oder gewebte Borten sind Standart.
    Was zu bemängeln wäre das die Muster nicht belegt sind, sich aber an Mustern aus dem 13JH orientieren.
    Wir arbeiten mit Stellen der Uni in der Türkei und USA zusammen. Ich denke das man vor einer sehr agressiven Kritik erste einmal überlegen sollte wie weit man sich aus dem Fenster lehnt. Im übrigen hattes Du doch mehr als einmal die Gelegenheit uns persönlich anzusprechen!
    Ich maße mir auch kein Urteil über Ausrüstungsteile an von denen ich nichts verstehe sondern frage im Zweifel erst mal nach!
    Zu den Frauen in Männerkleidung – ich denke auch da greifst Du mich an, ich habe die Rolle meines Mannes übernommen der mit Fieber im Zelt lag. Sonst war kurzfristig niemand bereit diese zu übernehmen.
    Ansonsten finde ich es OK wenn Frauen Männer spielen, sie sollten allerdings dann auch die entsprechende Ausrüstung etc haben und ihre Rolle konsequent durchführen. Das ist zwar ein anderes Thema aber wo sind wir denn – keiner von uns wäre defakto das was er Darstellt, wir wären in der Regel maximal Bauern oder Handwerker und die Darstellung Höhergestellter ist ebenso spekulativ wie eine Frau in der Männerrolle!
    Wo ich Dir zustimme sind die Punkte mit Herold Heinzi und der Reiterei.
    Sicherlich ist vieles Verbesserungswürdig, sicherlich auch was die Darsteller anbelangt, aber sich so an Details fest zu hacken, gibt mir den Eindruck das man Vernichten möchte wo es nur geht. Die Konsequenz ist wie schon oben gesagt das es keine derartige Veranstaltung mehr gibt, das auch Tilleda im großen Konglumerat der Spektakuli untergehen wird.
    Danke dafür das wir nun keine 200km mehr fahren müssen.
    Ob das die Orga auch so sieht bleibt zu bezweifeln.

    25. Juli 2008, 13:07 Uhr • Melden?
    von Inèz Dreyer
    20
  21. @Jens
    Die Kommentare dienen der Besprechung des dazugehörigen Artikels. Sie sind kein Ersatz für ein klassisches Forum. Es mag hier und da Abweichungen geben, und die gab es auch. Aber je mehr, desto aufgeweichter wird die eigentliche Thematik.

    25. Juli 2008, 13:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    21
  22. @Inez Dreyer
    Danke für die persönlichen Eindrücke wiederum aus Darstellersicht.

    Aber eines möchte ich festhalten: Ums “Vernichten” geht es ganz sicher nicht. Es sind harte Kritikpunkte gefallen, ja. Aber dass sich allein deshalb eine Veranstaltung in Wohlgefallen auflösen kann, das halte ich für eine gewagte These. Diese Wirkkraft kann und sollte ein einzelner Meinungsbeitrag auf eine gut durchdachte und angelegte Veranstaltung nicht haben. Das würde mich aus ganz anderen Gründen stutzig machen.

    25. Juli 2008, 13:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    22
  23. Wissenschaftlich arbeiten heißt nicht die Qualität in Maschinennähten zu messen.
    Wer will bei so einer VA wissenschaftlich arbeiten? Kopfschüttel Wird hier Forschung betrieben oder wissenschaftliche Thesen aufgestellt oder diskutiert? Wohl kaum mit dem Familienvater der seine Sippe zu Wochenendausflug ausführt.
    Nein Erkenntnisse die vielleicht eine Wissenschaft hervorgebracht hat sollen weitergegeben werden, für ein Publikum, dieses ist mit dem Thema zumeist nur schwach vertraut, kann also wissenschaftlich überhaupt keine Stellung dazu nehmen.
    Ich finde solche Schlagworte, wie wissenschaftlich sehr überstrapaziert.
    Für Publikum arbeiten heißt didaktisch arbeiten.
    Gerade auf dieser VA wurden, bewusst oder unbewusst Rufe aus der „Wissenschaft“ aufgenommen. Theaterspiel, z.B., dies wurde auch in Paderborn angesprochen, als Mittel der Publikumsarbeit!
    Ein Qualitätsmanagement wurde auch installiert. Zu welcher VA hat man als Teilnehmer schon einen Fragebogen bekommen, um seine Kritik zu üben?
    Hier befindet sich durchaus etwas auf den Weg, aber noch nicht am Ziel, meine Meinung. Ich schüttele über die Szene und dessen Selbstsicht langsam nur noch den Kopf. Solche VAs sind Unterhaltung auf wenn das Niveau hoch sein kann, aber Wissenschaft findet woanders statt, als auf einer VA.

    25. Juli 2008, 13:07 Uhr • Melden?
    von Sascha Klauss
    23
  24. Ich habe mir die Veranstaltung am Sonntag als zahlender Besucher in moderner Kleidung angesehen. Eintritt Euro 6,—.

    Viele Eindrücke kann ich leider nur bestätigen. Aber bei fast allen Kritikpunkten lagen die Ursachen klar zu Tage.

    Die Beschallung und die Moderation des Herolds habe ich als unpassend und reißerisch empfunden. Das Konzept Rollenspiel auf dem Patz hat sich mir nicht erschlossen. Wir sahen die Szene „Kaiser beim Essen“. Dabei wurde ein „Schauspiel“ aufgeführt. Ich stehe soweit auf dem Boden der Tatsachen, dass ich bei schlechtem Wetter abstriche bei Kostümen machen kann. Aber an den Kostümen der Theater-Akteure konnte ich die Diskrepanz zu der Kleidung der Darsteller deutlich erkennen. Das Schauspiel habe ich als unsäglich empfunden. Allgemeinplätze, ein „Deutschbuch aus dem 1950zigern“-Handlungsstrang …..

    Im Kaiserlager sah alles regennass und verlassen aus … Strohballen, neuzeitliches Geschirr, Alexzelte ….
    Im Handwerkerbereich gab es mehr zu entdecken, auch wenn viele Kritikpunkte anzubringen gewesen wären. Aber davon ist bestimmt auch einiges mit dem Wetter zu entschuldigen.

    Von der religiösen Seite habe ich leider nichts gesehen, die Umsetzung hätte mich sehr interessiert.

    Ich bin erklärte Anhängerin von modernen Catering. Und das war hervorragend.

    Mittelaltermarktteil, kann man haben … muss aber nicht. Über Musik kann man auch streiten, besonders ein unmusikalischer Mensch wie ich sollte dazu besser nichts schreiben.

    Jetzt das große ABER:
    Weder die Orga für die Darsteller, noch die Darsteller selbst haben den Herold gebucht. Das Laientheater war auch vom Veranstalter beauftrag, davon gehe ich sicher aus. Es war auch sicher der Wunsch des Veranstalters Buden mit Mittelaltermarkt- und Volksfestartikeln einzuladen. Welche Rolle der Bürgermeister und Archäologie vor Ort gespielt haben, kann ich als Besucher nicht einschätzen. Aber die Kritikpunkte kann ich für mich persönlich fast alle dort festmachen.
    Auch aufs Haus geht das Einlassen kostümierter Besucher. Aber in diesem Punkt hat die Gemeinde zu entscheiden ….

    Die Darsteller-Orga hat versucht etwas auf die Beine zu stellen – aber bei den Umständen ist das kaum möglich.
    Dafür meine Anerkennung und Ermutigung für weitere Arbeit.

    25. Juli 2008, 15:07 Uhr • Melden?
  25. Liebe Leute,
    ich wollte eigentlich nichts mehr dazu sagen: Aber kurz eine Ergänzung zum Eintritt. Der normale Museumseintritt beträgt 3 €, erhöht zur VA 6 €.
    Zu Jens: Wenn es jetzt Mode wird, auf Veranstaltungen rumzuhacken, die man nicht besucht wird, kann ich mit meinem skurillen Humor sicher demnächst auch noch einiges Umwerfendes beitragen. Wo bist Du demnächst ?
    Zum Vernichten: Ich weiß natürlich etwas mehr als die meisten Beteiligten hier und ich habe schon die Befürchtung, dass es wieder mehr in die eine Richtung geht und die andere herunterfällt. Ob es sich bewahrheitet, hängt nicht von mir ab. Ob ich dann mit im Boot bin? Das weiß ich nicht.
    Danke an Sascha und Sylvia für Eure sachliche Sicht der Dinge.
    “Der Mensch war dann erfolgreich, wenn er offen auf die sich ihm bietenden Möglichkeiten zuging und auch mit einer gewissen Risikofreude Neues ausprobierte.” Dr. Sommer, gerade im Vorwort der neuen AiD gelesen.
    In dem Sinne habe ich bei dieser VA gehandelt, die natürlich eher der Geschichtsvermittlung und nicht der wissenschaftlichen Arbeit diente. (Wissenschaft mache ich woanders, sorry)
    Ich brauche jetzt wirklich etwas Ruhe.
    Saludos y Abrazos Torsten

    25. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
  26. An die Journalistin (?) Ariane Rode…

    Ich bin ehrlich gesagt ziemlich verärgert über den Bericht, der in Bildzeitungsqualität verfasst wurde und angebrachte Objektivität vermissen lässt.
    Ich finde deine Art dich journalistisch zum Ausdruck zu bringen sehr unfachmännisch. Ein Journalist wirkt nicht selten an der Meinungsbildung vieler Einzelner mit. Es obliegt seiner (ihrer) Verantwortung, der Objektivität in der Berichterstattung treu zu bleiben. Das ist dir offensichtlich nicht gelungen.

    Die Aussagen der beteiligten Darsteller die darauf hinweisen, wie lausig der Hintergrund der Veranstaltung recherchiert wurde (wie zum Beispiel von Inez Dreyer, Kommentar 20, mit ihrem Hinweis auf die Authentizität ihrer Kleidung, welche du in deinem Bericht als Pashima-Schals, falsche Pluderhosen und Polyesterborten bezeichnet hast) wirft ein trauriges Bild auf die Art der Berichterstattung (und das als Mitdarstellerin, wie du dich selbst „outest“).

    Als Journalistin sowie als mittelalterliche Darstellerin einer authentischen Gruppe aus Niedersachsen, die durch “Zufall” im Kaiserlager in Tilleda gelandet ist, hat mich die Veranstaltung stark beeindruckt. Auch wenn nicht alles “perfekt” gewesen ist und sich lehrreiche Situationen für Veranstalter und Darsteller ergeben haben.

    Das Museum mag eine Darstellung entsprechend der Geschichte und keinen mittelalterlichen Markt im kommerziellen Sinne beworben haben. Doch ist es schwer, die Bedürfnisse der Touristen mit der vollständigen Umsetzung authentischer Art zu vereinen und eine derartige Veranstaltung auch noch finanziert zu bekommen. Einfacher sollte es sein, unter den Veranstaltern und Verantwortlichen ein einheitliches Werbekonzept zu erstellen.

    Es hätte sicherlich besser selektiert werden sollen. Ein Softeisstand macht sich wahrlich nicht gut auf einer Veranstaltung die Abstand von kommerzieller Volksverdummung im Kostüm eines Mittelaltermarktes nehmen möchte.
    Doch was die geschichtlichen Darstellungen im gesonderten Lagerbereich und zu einem großen Teil auch im Handwerkerlager anbelangt maße ich mir an zu behaupten, dass die Auflagen der Veranstalter den gegebenen Umständen (z.B. Darstellerausfall, Improvisationsmassnahmen) so streng wie möglich gewesen sind, um einen geschichtlich lehrreichen Effekt zu erwirken. Für, soweit mir bekannt ist, die erste Veranstaltung in Tilleda mit dem Hintergrund, eine authentisch wertvolle Darstellung des Mittelalters aufzubauen, muss ich den Veranstaltern ein großes Lob aussprechen.

    Als „am Rande“ beteiligte und durch Zufall ins Lager hineingeratene Darstellerin kann ich mit Sicherheit sagen, dass sich viele Verbesserungsmöglichkeiten aufgetan haben – die Veranstaltung jedoch mit Sicherheit nicht ihr Thema verfehlt hat.
    Es gilt eher, den Kommerzbereich, das Handwerkerlager und den Lagerbereich als getrennte Gebiete zu sehen. Dann nämlich konnte der geschichtlich interessierte Besucher vom Kaiserlager 2008 Einblicke in historische Begebenheiten erhalten.

    Wie Dietmar Wenzel, Kommentar 11, anmerkt ist nicht immer zu erkennen, wer als Darsteller zum Lager gehört und wer als Tourist auf dem Gelände verweilt. Konsequenterweise, um derartige Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden, dürften die Besucher nur noch in „ziviler“ Kleidung Einlass finden.

    Vom Lagerbereich her weiß ich, dass die Veranstalter den Spontanausfall einiger Akteure durch den Einsatz von geeigneten „Unbeteiligten“ auszugleichen versuchten. Alles im Interesse von Publikum und möglichst reibungsloser Versorgung der Darsteller.

    Was die Maschinennähte betrifft, die du ansprichst… ich bezweifele, dass die Mehrzahl der Stoffe aus denen die Gewänder der Darsteller gefertigt wurden, handgewebt sind. Verzeih meine Ironie. Sicher ist es an dem, dass einige Gewänder maschinengenäht sind. Doch solange entsprechende Darsteller Nadel und Faden in die Hand nehmen und dem interessierten Besucher das Nähen von Hand demonstrieren können sollten maschinengenähte Gewänder verzeihbar sein.
    Viele Darsteller sind berufstätige Familienmütter und –väter, denen nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht. Da gibt es vielleicht vorerst nur ein handgenähtes Gewand und zwei maschinengenähte Wechselgewänder im Gepäck. Diese dann allerdings auch aus authentischen Leinen oder Schurwolle.

    Und zu der Darstellung von Frauen in Männerkleidung muss ich fragen: Was genau bemängelst du? Dass eine Frau Männerkleidung trägt? Vielleicht ist sie ja in ihrer Darstellung gar ein Mann? Hast Du recherchiert, ob jene Frauen überhaupt eine Frau darstellen wollten?

    Das soll es von mir gewesen sein – vorerst. Es sei denn ich fühle mich ein weiteres Mal genötigt, meine Meinung kund zu tun.
    Spätestens jedoch nächstes Jahr in Tilleda, so hoffe ich, sehen wir uns wieder. Denn dann wird die Veranstaltung noch ein bissl besser. Und im Jahr darauf noch ein bissl, und dann noch ein bissl… Denn bestimmt jeder aktive Teilnehmer vom Kaiserlager 2008 in Tilleda hat ein wenig dazu gelernt und weiß es im nächsten Jahr umzusetzen.

    25. Juli 2008, 19:07 Uhr • Melden?
    von Geli Fink
    26
  27. @Geli Fink
    Die Autorin hat einen Meinungsbeitrag aus Teilnehmersicht geschrieben, das sei nochmals betont. Es ist ausdrücklich kein Magazinbeitrag nach streng journalistischen Gesichtspunkten.

    Der erste Versuch, den stark Mittelaltermarkt-geprägten Charakter zugunsten einer mehr der historischen Genauigkeit verpflichteten Veranstaltung zu wandeln, ist Tilleda 2008 nicht gewesen. Es hat schon eine Reihe sehr engagierter Versuche gegeben, einen haben wir im Kasten zum Artikel verlinkt.

    25. Juli 2008, 19:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    27
  28. Auch wenn der Artikel nur als Meinungsäusserung aus Teilnehmersicht zu sehen ist, wenn ich so harsche Kritik meine veröffentlichen zu müssen anstatt meine Möglichkeit als Teilnehmer zu nutzen und sie konstruktiv den entsprechenden Leuten direkt zu sagen heißt das noch lange nicht daß ich sowas schlampig recherchiert bringen kann oder falsche Tatsachen präsentieren. Gerade Behauptungen wie “maschinengenähte Borten und nicht a- Pluderhosen…” hätte man durchaus auch mal direkt bei der Veranstaltung ansprechen können.
    Natürlich kann man vieles verbessern, das kann man bei jeder solchen Veranstaltung, die Frage ist doch eher wie spreche ich Dinge an die ich für Verbesserungswürdig halte. So wie es hier gemacht wurde halte ich persönlich es für ziemlich daneben. Es war sehr aggressiv, sehr negativ, keinerlei konstruktiver Ansatz dabei….
    Ich kann mich nur anschließen, etwas Übung in Recherche und Rhetorik wäre nicht schlecht, dazu noch ein wenig mehr Fairness in dem man die Leute direkt anspricht…

    Ich war das erste Mal auf einem derartigen Event, hab unheimlich viel gelernt an diesem Wochenende und wirklich bewundert was da geleistet wurde. Natürlich kann man etwas verbessern, mal abgesehen vom Wetter das wirklich etwas besser koordiniert werden hätte können gibt es einiges, aber alles in allem fand ich es sehr gelungen und werde wenn ich darf nächstes Mal auch wieder dabei sein um zu helfen es noch besser zu machen.

    25. Juli 2008, 20:07 Uhr • Melden?
    von Antonia Pointinger
    28
  29. Tja, hier geht es ja heiß her. Vorab erst einmal: Ich bin kein Szenemitglied und kenne mich auch in Sachen Authentizität nicht so genau aus. Aber nachdem ich den Artikel und einige der Beiträge gelesen habe, finde ich doch, dass vielleicht auch einmal die Meinung eines Zuschauers interessant sein könnte.
    Ich bin dieses Jahr zum dritten Mal auf der Kaiserpfalz gewesen, um das Wochenende dort zu genießen. Und ich kann nur sagen, dass es sich trotz des Wetters für mich gelohnt hat. Ich war am Sonntag dort und kam direkt dazu als der Kaiser gerade das Lager abschritt, um sich für seinen Feldzug zu rüsten. Im Gegensatz zu den Jahren davor fand ich dies eine sehr gute Idee, um den Zuschauern die Handwerker zu erklären und aufzuzeigen. Es wurde erfrischend improvisiert als einige der angebotenen Gegenstände eigentlich einige Jahre jünger waren als der Kaiser selbst. Direkt danach fand dann das Bogenschießen statt, was für mich auch interessant und informativ gestaltet war. Die ungarischen Reiter waren auch wieder gut. Die Verbesserungen waren auch von Jahr zu Jahr spürbar.
    Im Großen und Ganzen kann ich freilich nicht einschätzen, wie gut alle Dinge letztendlich wirklich zusammen passen. Aber wenn kostümierte Besucher kommen wollen, na dann lasst sie doch. Es passt vielleicht nicht in die Zeit, aber wollt ihr ihnen deshalb den Zutritt verweigern? Ihr wisst doch, wie es „richtig“ aussehen müsste. Kann man denn dann nicht über solchen Kleinigkeiten stehen?
    Ich finde es schade, dass das Kaiserlager solch harte Kritik einstecken muss. Nicht, weil ich sie für unwahr halte, sondern weil man als Autor auch einfach mal an die Konsequenzen denken muss. Das liest auch der Veranstalter, das lesen zum Teil (wie ich) auch Besucher oder auch Menschen, die vielleicht nächstes Jahr gerne gekommen wären. Kommen die jetzt noch? Ihr wollt Authentizität? Gut, und richtig! Ich bin auch gar nicht dafür, dass Ansprüche herabgesetzt werden sollten. Aber ihr dürft nicht vergessen, dass ihr dafür auch Orte und Veranstalter braucht. Und die könnt ihr auf solchen Wegen nicht gewinnen.
    Ich kann abschließen nur noch einmal sagen: Ich hatte trotz Regen einen schönen Tag auf der Kaiserpfalz und ich finde, dass die Qualität in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist. Und das ist doch wohl auch ein Grund weiterzumachen, oder?

    25. Juli 2008, 20:07 Uhr • Melden?
    von Anna Günther
    29
  30. So dramatisch schlecht wie im Bericht geschildert war das Kaiserlager in Tilleda nun wirklich nicht!
    Ich habe schon viele solcher Veranstaltungen besucht, an einigen sogar mit einer Reenactmentgruppe teilgenommen, und fand es ebenso spannend wie verdienstvoll, dass sich jemand einmal der für die Nachgestaltung doch recht schwierigen Ottonenzeit angenommen hat. Vor allem die Kampfvorführungen fand ich hochinteressant.
    Selbst als Besucher, der sich in Geschichte auskennt, war ich beeindruckt von der Intensität, mit der sich viele Aktive mit dieser Zeit auseinandersetzen. Und da sollte man großzügig genug sein, um nicht das Haar in der Suppe zu suchen. Zumal, wie ich gehört habe, das Lager in diesem Jahr ehrenamtlich von Leuten organisiert wurde, die in die Bresche gesprungen sind, weil sich die bisherigen Veranstalter zurückgezogen haben.
    Und mal ehrlich: Wer weiß schon hundertprozentig genau, wie es vor mehr als tausend Jahren gewesen war?
    Solche Dinge brauchen Zeit, um zu wachsen. Und man sollte der Saat Gelegenheit dazu geben. Es wäre wirklich schade – und das nicht nur für Tilleda selbst -, sollte dies wegen der harschen Kritik das letzte Ottonenlager auf der Kaiserpfalz gewesen sein.
    Sabine Ebert

    25. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von Sabine Ebert
    30
  31. @Marcel Schwarzenberger
    Bedauerlich, dass ein auf der Titelseite des Online-Magazines Chronico verlinkter Beitrag (zwischen lauter journalistischen Artikeln) nicht als Meinungsbeitrag hervorgehoben wird. Es wäre doch besser bereits auf der Titelseite im Eingangssatz zu erwähnen, dass es sich um die Schilderung subjektiver Wahrnehmung des Erlebten handelt.
    Ironischerweise ist genau das Wort „Meinungsbeitrag“ jenes, welches der Kürzung auf der Titelseite vor dem Link „mehr“ zum Opfer fiel. Und selbst auf der Seite mit dem Beitrag selbst überliest es sich sehr schnell. Ein einführender Absatz zum Stellenwert des Beitrages würde vielen Missverständnissen vorbeugen können.

    Unter dem Gesichtspunkt, dass der Journalistenehre entsprechend eine Trennung von Information und eigener Meinung erfolgt kann ich dir nur zustimmen, dass Ariane Rode keinen Magazinbeitrag im journalistischen Sinne verfasst hat.
    Ich wage jedoch zu behaupten, dass das zahlreiche Leser nicht davon abhält, sich in ihrer Wahrnehmung über die Qualität der Veranstaltung beeinflussen zu lassen. Zumal, wer sich nicht durch die bisher gesammelten Kommentare liest auch nicht auf die Richtigstellung der Falschaussagen von Ariane Rode stößt.

    Traurig in diesem Zusammenhang ist, dass jemand der für Museen im In- und Ausland tätig ist und meines Erachtens in einer derart gesellschaftlichen Stellung (zumindest lese ich aus den Details der Autorin eine gewisse „Bedeutsamkeit“ heraus) so gedankenlos (?) Mühen, Einsatz, Nerven und Leistung von Beteiligten in Misskredit bringt, indem negative Begebenheiten als derart anstößig geschildert werden.

    Ein konstruktiver Vorschlag meinerseits: Es wäre sinnvoll auf der Artikelseite vor den Kommentar von Thorsten Seifert eine Anmerkung von administrativer Seite zu setzen, welche ausdrücklich auf den Sachverhalt hinweist, dass es sich bei dem Bericht von Ariane Rode um eine subjektive Meinungsdarstellung handelt, welche Fehlinterpretationen zu diversen Aussagen enthält, deren Richtigstellung in verschiedenen der folgenden Kommentare zu finden sind. (Beispiel Borten, Pluderhosen und Co.)

    25. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von Geli Fink
    31
  32. ein persönliches Zwischenfazit von mir, so wie ich die Dinge sehe:
    Zunächst finde ich es sehr spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind. Sprich: Wir würde man herangehen, um eine solche Königspfalz, die als Museum dient, Workshops bietet, archäologisch noch immer aufgearbeitet wird und eben auch diverse Events bietet, zu beleben.

    Wir haben die Gemeinde Tilleda, wir haben die Archäologie, einen Förderverein und Aktive, die sich beteiligen wollen. (und das Land nicht zu vergessen, dass die Pfalz ja unterhält. Das sind auf Veranstalterseite sehr viele Interessen, die aufeinander treffen. Und das macht das Kaiserlager Tilleda gewissermaßen auch beispielhaft.

    Keinesfalls sollte nachgelassen werden, dafür ist der Ort einfach zu spannend. Tatsache ist auch, dass sich Events nach ihren Vorgaben messen lassen müssen. Insofern ist der Beitrag ja auch zu verstehen. Und natürlich stehen den Wünschen die realistischen Bedingungen gegenüber.

    Und letztlich: Was will man eigentlich erreichen? Das hat etwas mit Erfolgszielen zu tun – und wie die Beteiligten Erfolg einschätzen. Das muss man immer zugrunde legen.

    Insofern sehe ich die meisten Beiträge hier als sehr wertvolle Meinungen, die durchaus eine Fortsetzung wünschenswert halten.

    25. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    32
  33. .. leider muss man bei der Historischen Darstekllung puristisch nach dem Haar in der Suppe suchen..

    Je mehr Abstriche man mach, umso mehr löst man Fragezeichen beim Publikum aus. Es sei also der Auftrag an die Akteure und an den Veranstalter ein maximum an Leistung zu bringen, um ben diese Irritionen auszuschliessen, umsomehr, wenn man es in der Werbung ankündigt.

    Und um noch sicher zu sein gilt es die Besucher miit Moderationen, Führungen und Mitmachprogrammen einzubinden. Ein Rollenspiel verdammt die Besucher zu Komsumenten. Etwas, was sie jeden Tag haben können, wenn sie vor der Kiste sitzen und da haben sie den Vorteil, dass sie umschalten können.

    Es gibt eine Szene für das 10./11. Jahrhundert aber es gilt sie zu aktivieren und eben mit solchen an isch schönen Plätzen wie der Tilleda zu motivieren. Wenn ich hier aber die Kritik lese, scheint das Gegenteil geschafft worden zu sein und die Tilleda hat sich kein Gefallen getan nicht EINZIG auf Living History und der in 20 Jahren erabeiteten Formen der Publikumsarbeit
    zu bauen, sondern WIEDER ein Mischkonzept zu fahren.

    By the way.. Living History im öffentlichen Raum vor Publikum ist kein Kostümfest..
    Und ich weiss nicht welchen Bezug so manche Darstellung, die da wohl präsentiert worden ist, zu einer Königspfalz und der Wirtschaft- und Lebensweise haben könnte.

    Das ist das was ich mir erlauben kann zu schreiben, ohne die Veranstaltung besucht zu haben.
    Ich mag noch mein Stimmungslage meiner selbst nach aufmerksamem Lesen der Beiträge als “betrübt” beschreiben..

    Ein solcher Platz und ein solches Konzept??

    25. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von C.Meiritz
    33
  34. Guten Abend allerseits,

    Frau Fink, ich finde Ihre Art jemanden der Falschaussage zu bezichtigen, ziemlich erdreistend.

    Um wie Sie es so schön sagen: „Zumal, wer sich nicht durch die bisher gesammelten Kommentare liest auch nicht auf die Richtigstellung der Falschaussagen von Ariane Rode stößt.“

    Auf Anfrage kann ich jedem Interessierten, Bilder die die Aussagen des Artikels untermauern, zukommen lassen!
    Sehr gerne bin ich dann auch bereit, diesbezüglich über die Authentizität gezeigter Gegenstände zu diskutieren, denke aber, diese Kommentarliste ist nicht der richtige Ort.

    Meine E-Mail Adresse kann auf Nachfrage bei Herrn Schwarzenberger (sofern er so nett sein möge) angefragt werden.

    Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

    Stefan Schmidt

    25. Juli 2008, 23:07 Uhr • Melden?
    von Stefan Schmidt
    34
  35. Dieser Bericht über Tilleda 2008 ist mir denn doch zu harsch. Wo, bitte, war das Groteske, wo die Fehlbesetzungen? Wenn so hart und pauschal geurteilt wird, dann erwarte ich konstuktive Kritik! Persönliche Angriffe auf einzelne Darsteller und Gruppen führen zwangsläufig zur Polemisierung. Die Autorin hat die Trennung von Markt- und Darstellerbereich unterschlagen. Dieser war elementar für das Konzept und durch Infotafeln ausgewiesen.
    Herold und Musikgruppe fanden meinen Beifall ebenfalls nicht; zur Unterhaltung des Publikums haben sie trotzdem erheblich beigetragen. Die Hoffnung der Autorin auf ein anderes Konzept wird sich erfüllen. Sie hat der Organisation einen Bärendienst erwiesen.
    Heidi Hübner-Weiß

    26. Juli 2008, 08:07 Uhr • Melden?
  36. @Stefan Schmidt
    Ich bitte einfach einmal die Aussage aus dem Bericht bezüglich der Schals, Borten und Pluderhosen mit der Aussage der “beschuldigten” Darstellerin Inez Dreyer, Kommentar 20, abzugleichen.

    26. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Geli Fink
    36
  37. @Frau Fink
    Ich lese keinen Namen in dem Bericht, Sie anscheinend schon. Jedoch würde ich mal überdenken wer sich da selbst als “Beschuldigte” darstellt und ob dies nicht einfach hineininterpretiert wird!

    Für eine Sinnvolle Diskussion stehe ich wie ich schon schrieb gerne per E-Mail zur Verfügung.

    26. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
    von Stefan Schmidt
    37
  38. Ich finde es unheimlich schade daß eine Veranstaltung bei der so viele Menschen wirklich viel Zeit und Mühe investiert haben so einfach verrissen wird. Auch wenn keine Namen genannt wurden und sich hier jetzt heftigst gestritten wird, der Schaden ist gemacht. Kaum jemand wird sich alle Kommentare durchlesen, die meisten werden sich nach dem Artikel ihre Meinung bilden und eben auch den Entschluß ob sie nächstes Mal nach Tilleda fahren oder nicht. Wenn das die Intention des Artikels war herzlichen Glückwunsch, das dürfte gelungen sein.
    Sollte es jedoch wirklich ein Meinungsbild sein mit dem die Verfasserin gehofft hat etwas zu bewirken im positiven Sinne, ist dies gründlich daneben gegangen, die Kritik ist einfach zu plump, zu pauschal, ohne Verbesserungsvorschläge, konstruktive Kritik bewegt etwas, ein riesen Prügel erschlägt nur alles.

    Als Teilnehmerin die durchaus die Möglichkeit gehabt hätte die Mißstände schon am Samstag direkt dort anzusprechen und ggfs etwas daran zu ändern muß auch die Verfasserin sich an die Nase fassen und sich fragen lassen wie viel sie denn zu den, von ihr so harsch kritisierten Zuständen, durch nichts tun beigetragen hat. Im Nachhinein aus der Sicherheit des Computers zu schießen ist relativ feige und ziemlich sinnlos, direkt vor Ort Kritik und Verbesserungsvorschläge anzubringen kostet möglicherweise etwas mehr Mut, bringt dafür auch direkt etwas. Schade für die vertane Chance, vielleicht lernen alle etwas daraus.

    26. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Antonia Pointinger
    38
  39. Nachdem hier viel polemisch getextet wird, meine – unbedeutende – Meinung zum Artikel und dem Wochenende in Kurzform:
    1. Tilleda ist meines Wissens die einzige ottonische Veranstaltung in ganz Deutschland – soll unsere einzige Darstellungsmöglichkeit aufgrund einer einzigen polemischen, destruktiven Meinung ruiniert werden???
    2. In den drei Jahren, die ich nun in Tilleda teilnehme, ist eine ständige und massive Verbesserung des Programms und der Darsteller zu beobachten (einzelne Ausnahmen gibt es immer wieder).
    3. Von Jahr zu Jahr ist zu beobachten, dass konstruktive Kritiken der Teilnehmer nach bestem Vermögen von der Orga umgesetzt werden und so o. g. Leistungssteigerung ermöglicht wird.
    4. Das Experiment des kontinuierlichen Rollenspiels fand ich sehr gelungen. Es hatte jeder (!!!) die Möglichkeit, zur Qualität der Veranstaltung beizutragen (bedauerlich, wenn nicht jeder diese Chance genutzt hat!)
    Ich bitte die Orga und den Veranstalter inständig, auf diesem Weg weiter zu gehen und auch in den nächsten Jahren zu beweisen, dass sie aus den (immer weniger werdenden) Fehlern lernt. Tilleda hat das Potential aufgrund des Geländes und der Qualitäten der Orga, eine herausragende Ausnahmestellung unter den vielen MA-Veranstaltungen zu erlangen. Der Weg mag ein bisserl holprig sein, aber er ist zu schaffen.
    Kerstin Uhl

    27. Juli 2008, 00:07 Uhr • Melden?
    von Kerstin Uhl
    39
  40. Mein Eindruck ist, dass sich Standpunkte und Argumente langsam wiederholen. Ich schlage nochmals vor, bei dem zweiten Meinungsbeitrag, den es zu Tilleda inzwischen gibt, eigene Erlebnisse und Eindrücke wiederzugeben. Das wäre dann eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Event – und für Querleser und Nichtkenner der Veranstaltung sicher gewinnbringender.

    Am besten also in diesem Beitrag

    27. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    40
  41. Hallo!
    Voller Vorfreude reiste ich am Freitag nach Tilleda um an meiner ersten Museumsveranstaltung teilzunehmen. Leider wurden meine Erwartung nicht erfühlt. Für mich sehr positiv waren, der herzliche Empfang der Orga, die Handwerkergasse und trotz meiner vorherrigen Skepsis, die Lagerküche und damit die Verpflegung sovieler Menschen.
    Die negative Seite wird ja ausreichend im Artikel beschrieben und stimmt mit meiner Meinung überein.
    Tilleda hat nach meines Erachtens ein unheimliches Potential für Living History, was aber leider durch die Lokalpolitik und dem Archäologen kaputt gemacht wird.
    Ich hoffe das Maic und Torsten jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und ihre Bemühungen in Tilleda einstellen.
    Macht doch bitte Veranstaltungen, wo kein Touri-Mittelaltermarkt mitstattfindet. Die Pfalz ist ein Museumsort und dort sollten auch dem entsprechende Veranstaltungen stattfinden. Ich persönlich gehe in ein Museum um etwas zu lernen und auf einen Mittelaltermarkt um mich bespassen zu lassen. Dies habe ich auch von einigen Zuschauern gehört, welche auf der Pfalz waren und die enttäuscht nacht Hause gingen, weil sie nur auf einen Mittelaltermarkt besuchten. Man sieht hieraus, daß die tolle Handwerkergasse usw. durch die Kommerzmeile, der Beschallung und des Dudelsackterros nicht zur Geltung kam.
    Schade finde ich auch, daß die Verfasserin des Artikels von einigen so angefeindet wird. In meinen Augen wurde nur offen (zwar hart, aber ehrlich) Kritik an einer Veranstaltung geübt, aus der mehr gemacht werden muß.

    27. Juli 2008, 11:07 Uhr • Melden?
    von Denny Amelang
    41
  42. Dass es einzelne Gruppen und Leute bei den Darstellern gab, dagegen konnte die Orga leider wenig machen, hätte sie nicht ein halb leeres Lager haben wollen. Im Vorfeld haben sie alles getan, leider haben einige gute Gruppen recht kurzfristig abgesagt.
    Generell ist es aber meine Meinung, dass bei Veranstaltungen wie dieser es für die Vermittlung von Geschichte nicht so wichtig ist, ob eine Gugel jetzt zwei Zentimeter zu lang ist oder ob ein Fell über den Schultern jetzt gekürschnert ist oder nicht. Es geht bei Geschichtsdidaktik um die Herstellung eines Kontakts zwischen modernem Menschen und dem historischen Stoff. Wenn die Darstellung zu ca.80-90% den wissenschaftlichen Vorgaben entspricht, klappt dieser Kontakt schon, alles andere ist ein guter und wünschenswerter Bonus. (Ja ich werde an dieser Stelle verrissen, schon klar) Bsp.:Menschen haben sich Felle über die Schultern gelegt, wenn es ihnen kalt war. Diese Erkenntnis ist wichtig, ob die Mehrzahl der Funde oder historischen Beschreibungen jetzt das Fell auf die ein oder andere Weise bearbeitet zeigen, ist Sache der Wissenschaft und der experimentellen Archäologie und nicht solch einer Veranstaltung.
    Und ich denke, dass man den Besuchern durchaus zutrauen solte, dass sie Piercings aus Titan und moderne Brillen als moderne accessoirs erkennen können, die zur Persönlichkeit des Darstellers gehören und nicht zur dargestellten Zeit. Die ganze LH Szene sollte sich mal fragen, was sie eigentlich will (das hat sich Thorsten Seifert wohl auch gefragt und seine Kosequenzen gezogen, “persönliche” Gründe kann ich in seinem Kommentar nicht erkennen (siehe die ersten beiden posts))
    Ein wenig mehr gesunder Menschenverstand und Sinn für Realität anstatt fachlichem Fanatismus würde der gesamten Szene gut tun, sonst wird es kontraproduktiv und am Ende werden nur noch Gruppen übrigbleiben können, die das professionell betreiben, bei denen nur noch Leute mit genug Geld und Zeit, am Besten noch ohne körperliche Beeinträchtigungen und natürlich mit “normalen”, ungefärbten Haaren und ohne Piercigs etc. mitmachen können (siehe Qualitätsstandards- und Agenturendiskussion, ohne das Fass hier aufmachen zu wollen)

    Und noch ne kleine Polemik am Ende (ich will ja nicht aus der Reihe tanzen):
    Wer in nicht nachgewiesenen Jurten sitzt sollte nicht mit “A” Steinen werfen.
    Man kann sich die Regeln der Authentizität immer so aufstellen, dass sie für sich selbst gelten und andere ausschließt. Wir sind alle unauthentisch und betreiben ein Hobby. Jeder macht auf Basis seines Wissens, seiner Zeit und seines Geldbeutels das Möglichste. Konstruktive Kritik und Hilfe sind erwünscht, Aburteilungen und Hohn über das Internet (vor allem, wenn man dort war) ist einfach nur daneben und ich finde es schade, so etwas in einem Magazin wie dem Chronico lesen zu müssen.

    27. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
    von Marco Baier
    42
  43. Sorry, hab was vergessen. In Sachen Rollenspiel etc. gebe ich der Autorin größtenteils Recht. Dieses Konzept geht so nicht auf. Wer nicht den ganzen Tag auf dem Gelände ist, der kann dem Programm nicht folgen. Bessere Beschilderung der einzelnen Orte, Stände und Lager, einen groben Ablaufplan in Printform und einige Erklärbären hatten die einzelnen szenischen Rollendarstellungen gut umrahmt.

    Und bitte, bitte: Keine Musik aus den Boxen und wenn schon live, dann ohne das übliche Dudelsackzeugs. Auch solche Bands gibt es.
    Gelände für Autos sperren, es gibt auch andere Transportmöglichkeiten vom Tor bis zum Stand.
    Aber das wurde ja alles schon gesagt.

    27. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
    von Marco Baier
    43
  44. Was man für diese Zeit auch bedenken sollte ist ein Mangel an guten Darstellern, die in einem vorherigen Komentar genannte Zahl von 200 ist, meines Wissens viel zu hoch gegriffen, es dürften für die Ottonenzeit kaum 50 sein, die die Zeit direkt und geziehlt machen. In dder Karolinger Zeit sieht es noch schlechter aus, da dürfte die Zahl von 20 kaum überschritten werden.
    Das man da Probleme hat ein Großveranstaltung mit guten Leuten zu Bestücken ist dann auch in einem anderen Licht zu sehen, da man nicht wie im sehr stark besetzten Zeiten wie 13. 14. und 15. Jhr aussieben kann (leider). Ich finde es eh sehr seltsam das das heimische Späte Frühmittelalter ein Schattendarsein führt, während es Zeitgleiche Wikinger wie Sand am Meer gibt.
    An der Beleglage liegt es devinitiv nicht, wie ich aus eigener Erfahrung weis.
    Was mein Einduck war ist das bei der VA zwei Vorstellungen kolidiert sind, zum einem die Gemeinde die ein “Spektakulum” haben wollte wie es es schon 1000 fach gibt. Auf der anderen Seite die Orga Darsteller und Handwerker, die in die Autentische Richtung wollte , aber bei Darstellern nicht die große Auswahl hatte.
    Die Orga hat eigendlich Versucht gemacht aus dem gegebene was zu machen, wurde aber von andere Seite Torpediert.
    Auf den Marktbereich hätte man wirklich verzichten können, da er nur aus ein paar Ständen bestand. Auch Lautsprecheranlagen sind woanderst nicht üblich.
    Es wurde in Tilleda die Chance vergeben das einheimische späte Frühmittelalter zu etablieren und einen Ort zu schaffen der Korekt Belebt werden kann.
    Naja soll man halt dem Besucher auf künftigen Veranstalltungen vorführen das es in Deutschland nur Wikinger und Waräger zu der Zeit gab (sarkastisch gemeint).

    27. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
    von Thorsten Seifert
    44
  45. Zunächst einmal, möchte ich im Gegensatz zu dem Artikel, einen Lob an das Orga-Team und die Veranstalter aussprechen.

    Ich gehöre zu den Gästen, die Anlässlich einer Feier das an dem Wochenende vorher dort statt fand, in Tilleda waren und einfach länger geblieben oder noch einmal angereist sind um am Kaiserlager teil zu nehmen.

    Es war das erst mal, das ich die Freude hatte, bei einem solch großen Mittelalterlager teil zu nehmen, wofür ich mich auch beim Orga-Team bedanken möchte, dass sie auch Amateuren die Möglichkeit geboten haben, Teilzunehmen, zu beobachten, dazu zu lernen und auch ein klein wenig mit zu wirken.

    Als meine Wenigkeit mit einem selbst genähten (Maschinen naht) Gewand dort auftauchte, machte mich das Orga-Team sofort darauf aufmerksam, das mein Gewand nicht Zeitgemäß (900-1000) ist und ich mich bitte doch umziehen oder komplett in Zivil mich dort auf halten soll.

    Die anwesenden Darsteller, ein jeder bemüht ein schönes authentisches Gesamtbild darzustellen, waren bereit auch Gewänder und Zubehör zu verleihen, damit auch „Anfänger“ wie ich daran teilnehmen konnten.

    Soweit ich mit bekommen habe, sind auch viele Darsteller und Händler nicht angereist, auf Grund des schlechten Wetters, was sehr schade ist und hoffentlich im nächsten Jahr anders.

    Natürlich war nicht alles 100% authentisch, aber um dies erreichen zu können, muss man entweder eine Zeitreise antreten, oder Jahrelange Erfahrung sammeln und ein eingespieltes Team mit Darstellern und Händlern haben.

    Vielleicht wäre es auch eine Verbesserung fürs nächste Jahr, wenn man auf solch einem Lager, einen Bereich einrichtet, das nicht authentisch ist, wo auch ein Softeisverkäufer dann seinen Stand aufbauen kann, ohne das Gesamtbild vom Mittelalterlager zu beeinflussen.

    Wenn man in ruhigen gemütlichen Augen blicken mit den Darstellern beisammen saß und sich unterhielt, kamen immer mehr Verbesserungsvorschläge für das folgende Jahr zusammen.

    Was kann man ändern, wie kann man es besser gestalten und worauf sollte man verstärkt achten.

    Viele der Darsteller haben Vorstellungen und Pläne wie man alles authentischer gestalten kann, doch ist es meist eine Frage der Kosten und Zeit, ob man dies alles so umsetzen kann.

    Die Diskussion über die Stoffe ist ebenfalls ein Thema gewesen.
    In Europa wurde verstärkt Leinen verwendet, im Orient hingegen Baumwolle und Seide.
    Aber auch damals gab es schon den Import Export durch wandernde Händler, warum sollte also jemand der selbst als Händler auf solche einem Markt ist, nicht Baumwolle aus dem Orient tragen dürfen? Vielleicht war es ein Tauschgeschäft? Leinen eingetauscht gegen Baumwolle?

    „Die Darsteller der byzantinischen Gesandtschaft, der Türken und Waräger glänzten durch um die Köpfe geschlungene Pashima-Schals, Polyesterborten, falsche Pluderhosen, Fellen auf den Schultern, Thorshammer sowie diversen falschen Schnitten, die vielleicht auf das ungeübte Auge genug Eindruck machten, aber vor allem im Hinblick auf andere Darsteller eher beschämend wirkten. „

    Es mag durchaus sein, das auch diese Gruppe nicht 100% authentisches Material verwendet hat, dennoch war deren Erscheinungsbild im großen und ganzen gut dargestellt.
    Ich persönlich war begeistert von dem Hintergrundwissen einer nicht türkischen Gruppe die Türken (Byzantiner) darstellten. Details aus dem Zeitalter, die vielen „Nachkommen“ völlig fremd sind, waren dieser Truppe bekannt.

    Im allgemeinen wurde auch am Lager darauf geachtet, dass zum Beispiel keine Zigaretten geraucht werden durften, keine Flaschen oder Marmeladengläser und ähnliches auf den Tischen standen.

    Ich bezweifle ernsthaft, das die Autorin des Berichts, sich die mühe gemacht hat und sich mit den Darstellern unterhalten hat.
    Die Sicht eines Gastes? Nun, darüber lässt sich doch streiten.

    Viele Gäste sind begeistert, da sie so was selten sehen oder nicht kannten, sehr wenige haben das Hintergrundwissen nicht, um auf so kleine Details zu achten und diese so zu kritisieren.

    Gäste nur in Zivil Einlass gewähren?
    Nun, da wäre ich entschieden dagegen, denn auch ich gehöre zu jenen, die vor einigen Jahren in Jeans und Shirt auf einem Mittelaltermarkt ankam und vor Ort Gewänder eingekauft hat um beim nächsten mal, angemessen gekleidet ein Markt besuchen zu können.

    Ob die Gäste in Larp Outfit, Jens oder Gewänder späteren Zeitalters auftauchen ist völlig unwichtig.

    Die Darsteller kann man dennoch von den Gästen unterscheiden, da die Darsteller sich hauptsächlich entweder am Hauptlager aufhielten, vor Ihren Zelten ihrem Handwerk nachgingen oder ihre Verkaufsstände haben.

    Für mich war das Kaiserlager in Tilleda ein lebendig gewordenes Museum, welches ich nächstes Jahr wieder besuchen möchte und ein Teil davon sein will.

    Den Veranstalter wünsche ich, das die Finanziellen Mitteln gegeben sind um auch 2009 das Kaiserlager wieder aufzubauen.

    Von einigen Teilnehmern weiß ich, das sie jetzt schon die Vorbereitungen für nächstes Jahr treffen, um alles ein wenig besser und schöner vor allem authentischer mitgestalten zu können.

    Ich hoffe, das der Bericht von dieser Autorin, die Gäste und Neugierige nicht davon abhält, ihre eigene Meinung zu bilden, in dem sie das Kaiserlager 2009 besuchen.

    27. Juli 2008, 15:07 Uhr • Melden?
    von Ilayda G.
    45
  46. Ich denke, Marcel hat recht, die Argumente sind jetzt hinreichend ausgetauscht worden. Ich werde jetzt hier ein Schlusswort wagen. Das steht mir auch zu.

    Die Kritik ist sehr hilfreich, wenn auch nicht die Form, wie sie vorgetragen wurde. Für mich war das sehr schockierend. Zumal eine eigene Sicht der Dinge als ultimative Wahrheit genommen wird. Es handelt sich hier aber um Rekonstruktion und nicht um Mathematik.
    Ich glaube, da muss jemand noch sehr viel lernen. Dennoch: Herzlichen Dank und Hut ab vor dieser ehrlichen Kritik.

    Angesichts dessen ging es hier noch sehr besonnen zu. Und meine Bitte ist, daraus sachliche, aber keine persönlichen Konsequenzen zu ziehen. Für die, die dabei waren, steht auch noch der Feedbackbogen zur Verfügung. Gebt den auch bitte an die Mitglieder Eurer Gruppen weiter.

    Ich werde die Gemeinde, wie auch die Fachbetreuung im Arch. Landesamt Sachsen-Anhalt über diese Kritik und die Diskussion informieren. Ein erstes Stimmungsbild kann ich hier schon abgeben: Kopfschütteln.

    Trotzdem habe ich mich über die exemplarische Diskussion einer Veranstaltung sehr gefreut und es wäre hier nicht so angeregt diskutiert worden, wäre von der Autorin ein aalglatter journalistisch einwandfreier Artikel abgeliefert worden. Nein, gerade weil sie hier scheinbar gnadenlos auf uns losgegangen ist, konnten wir uns hier über einige Dinge bewusst werden.

    Letztendlich möchte ich auch die Gemeinde Tilleda in Schutz nehmen, die uns alle hat kommen lassen und uns diese Veranstaltung ermöglicht hat. Die Gemeinde hat uns einige Freiheiten gelassen. Dafür herzlichen Dank. Vielleicht sollte man sich aber in Zukunft auf genaue Zielvorgaben einigen. Besonders auf die Vermittlung möchte ich größeres Augenmerk legen. Ohne eine besondere Vermittlung begreift nämlich niemand, warum wir auf handgenähtes Wert legen.

    Doch zu den Maschinennähten möchte ich denjenigen bitten, die die Hausrekos in Haithabu kennen, dort einmal genau nachzufragen, wie diese gebaut worden sind. Vielleicht wird das ja ein echter Augenöffner.
    Herzlichen Dank noch einmal an alle, die in der Orga. mitgearbeitet haben und an alle (!) Darsteller.

    Und bedanken möchte ich mich besonders bei jemanden, dem ich in der Vergangenheit großes Unrecht angetan habe (ja, ich bin nicht immer lieb) und der mir trotzdem guten Rat und einige Klarstellungen hat zukommen lassen.
    Euer Torsten Kreutzfeldt

    27. Juli 2008, 16:07 Uhr • Melden?
    von Torsten Kreutzfeldt
    46
  47. Hallo zusammen!

    a… Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren hier wurde zum großen Schlag ausgeholt.

    Wer Reenactment zu 100% haben will, dem bleibt oft nur der “kleine” Rahmen für die Ausübung seines Hobbys, leider zeigt das die Realität. Kommerz zählt was ich bedauere mehr als alles andere und mal ehrlich, ohne das tägliche einerlei könnte die Masse der Darsteller sich das besondere und Hochwertige nicht leisten.

    b.. Wegen der “Anfänger”, ich möchte sie nicht ausschließen ! Bevor meine Arbeit bezüglich der Gewänder und Ausrüstung begann, hatte auch ich 08/15 Zeug und ich wette das hatten wir alle.
    Der Tag kommt, an dem man sich festgelegt ob Marktfan oder Reenactor mit liebe zu Geschichte und Detail.
    Entwicklung hat mit Erfahrung zu tun und da besonders mit positiven Eindrücken. Dürfen die Neulinge nur auf gängige Märkte, werden sie gute Darstellung nie erfahren. Ich denke, Spielraum zum lernen muss sein ob für Darsteller oder Veranstalter.
    Grüße

    Sven

    02. September 2008, 13:09 Uhr • Melden?
    von s.kielmann
    47
  48. …hallo, ariane rode…wenn wir euch so enttäuscht haben, ist es besser, ihr sucht euch ein feld und spielt “living history”…aber die leute möchten keine hölzernen“recken“sehen, die den ganzen tag farblos durch die gegend stolzieren mit geschorenem haupte (hätten damals nicht mal eine waffe tragen dürfen) MfG

    13. Juli 2009, 20:07 Uhr • Melden?
    von tom
    48
  49. Hallo “tom”,

    gratuliere,
    nach über einem Jahr wahrgenommen.

    Liebe Grüße
    “Stefan Schmidt”

    14. Juli 2009, 01:07 Uhr • Melden?
    von Stefan Schmidt
    49
  50. @tom

    Es überrascht mich mittlerweile nimmer (gerade nach 2008), auf welch niedrigstem Niveau Konflikte im LH-Sektor ausgefochten werden. Wenn´s aber hinter die Darstellung gegen das Aussehen einer Person geht, dann wird´s arg.

    Ich habe noch kein Hobby vor diesem erlebt, das so viele asoziale Egomanen anzieht.

    14. Juli 2009, 08:07 Uhr • Melden?

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