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		<title>chronico - Geschichtsmagazin</title>
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		<description>Das Geschichtsmagazin chronico berichtet über Projekte, die historische Lebenswelten in Szene setzen. Fokus: Living History.</description>
		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 09:17:09 +0100</pubDate>
		<ttl>1440</ttl>
		<language>de-de</language>
		<copyright>chronico - Geschichtsmagazin</copyright>
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				<title>Ausstellungsreport: „Steine-Zeit“ im Neandertal</title>
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				<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 19:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Ruth Beusing</dc:creator>
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				<description>Es ist Winter; was ist da besser, als das miese Wetter im Museum zu vergessen. Zumindest ist es dort warm, vielleicht interessant oder auch unterhaltsam – in der Ausstellung „LEGO-Zeitreise“ im Neanderthal-Museum kommt alles zusammen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Es ist Winter; was ist da besser, als das miese Wetter im Museum zu vergessen. Zumindest ist es dort warm, vielleicht interessant oder auch unterhaltsam – in der Ausstellung „LEGO-Zeitreise“ im Neanderthal-Museum kommt alles zusammen.

	<h2>Spielerische Zeitreise</h2>

	<p>Geschichte rekonstruiert aus tausenden Steinen – mehr Symbolik geht kaum. Archäologische und mythologische Highlights wie die Cheops-Pyramide oder der Turmbau zu Babel sind ebenso zu sehen wie ein Lager von Neandertalern. Beliebte Szenen, wie der Limes-Abschnitt mit kleinen <span class="caps">LEGO</span>-Römern oder der Gladiatoren-Arena, aber auch wahre Kunstwerke wie die chinesischen Tonkrieger oder eine detailverliebte Darstellung von Wikinger-Schiffen im Hafen und ein mittelalterliches Turnier werden wunderschön präsentiert. Positiv ist, dass den historischen „Sonderereignissen“ auch Szenen aus dem alltäglichen Leben gegenübergestellt werden.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm846-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm846-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Besucher im „Zeittunnel“ des Museums, der in Etappen die Menschheitsgeschichte zeigt. <span class="copy">© Neanderthal-Museum / R. Rehfeld</span></figcaption></figure>


	<p>Andere Szenen wiederum scheinen für ein Archäologiemuseum ein wenig deplatziert. Kann man die Eisenbahn von der Ost- bist zur Westküste Amerikas noch als Darstellung altamerikanischer Kulturen verstehen und damit auch die Indianer, Tipis und Bisons akzeptieren? Die Skyline von Düsseldorf (der große Nachbar des Städtchens Mettmann, wo das Neanderthal-Museum liegt), den Flughafen oder der dargestellte Windpark lassen sich aber nur bemüht unter dem Motto Zeitreise verbuchen. Auch die Darstellung der Zukunft mit einer Raumstation und Raketen hätte meiner Ansicht nach ruhig fehlen dürfen.</p>

	<h2>Geschichtsvermittlung nicht ohne Klischees</h2>

	<p>Für einen alten <span class="caps">LEGO</span>- und Archäologiefan hat sich der Besuch der Ausstellung in jedem Fall gelohnt. Wie aber steht es mit der Geschichtsvermittlung? Lässt sich diese durch das Nachstellen historischer Szenen durch Spielzeug vermitteln? Sicherlich sind komplexe historische Zusammenhänge so nicht darstellbar. Doch unter dem Aspekt, dass heute <span class="caps">LEGO</span> und Playmobil die Ritterburg, den Bauernhof oder die Zinnsoldaten im Kinderzimmer ersetzen, setzt die Ausstellung ein Zeichen, die Annäherung an die und die Beschäftigung mit der Geschichte weiterhin in diesem stattfinden zu lassen.</p>

	<p>Fehler, so bekennen die Ausstellungsmacher, seien in die Ausstellung eingebaut: So findet man Verkehrsschilder oder Rasenmäher in den Szenarien, die ganz offensichtlich zeitlich nicht passen. Die Suche nach solchen Fehlern macht die Ausstellung noch interessanter.</p>

	<p>Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass einige Fehler für den Laien doch weniger offensichtlich sind. So werden die für die Werbung benutzten <span class="caps">LEGO</span>-Neandertaler-Figuren tatsächlich noch mit einer stacheligen Keule und einem Knochen am Revers ausgestattet – gerade an diesem Museum weiß man es doch besser.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm848-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm848-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="253" /></a>
<figcaption>Figur mit Klischee: Neandertaler mit Keule und Knöchel am Kragen. <span class="copy">© Neanderthal-Museum / Holger Neumann</span></figcaption></figure>


	<p>Wenn man die Historie auf diese Weise auch für Kinder lebendig machen will, dann doch auch, um mit überkommenen Klischees aufzuräumen und neue Erkenntnisse zu vermitteln. Zum Glück konnte ich im entsprechenden Szenario keinen „Keulenträger“ entdecken. </p>

	<p>Auch die offenbar unvermeidbaren Hörnerhelme der <span class="caps">LEGO</span>-Wikinger, die jeglichen archäologischen Beleg vermissen lassen und besonders in der nationalsozialistischen Ikonografie an Bedeutung gewannen, fallen diese Kategorie. Ob die von den Besuchern wirklich als Fehler erkannt werden, bleibt fraglich. Die Ausstellung wäre eine gute Gelegenheit gewesen, mit solchen Mythen aufzuräumen.</p>

	<p>Alles in allem ist die Sonderausstellung besonders für Familien mit Kindern gut geeignet. Denn ein Baubereich für Kinder ist frei zugänglich und sorgt für Abwechslung. An Aktionstagen können Kinder mit Lego-Experten gemeinsam bauen. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März im Neanderthal-Museum zu sehen.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Otto-Ausstellung: Tausend Jahre Kaisertum</title>
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				<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 21:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
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				<description>Museen lieben solche Zahlen: 1100. Geburtstag und 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung Otto des Großen. Magdeburg rüstet zur Landesausstellung. Ein Buch gibt vorab Einblicke in ein kaiserliches Jahrtausend.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Museen lieben solche Zahlen: 1100. Geburtstag und 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung Otto des Großen. Magdeburg rüstet zur Landesausstellung. Ein Buch gibt vorab Einblicke in ein kaiserliches Jahrtausend.

	<h2>Editha bleibt im Schatten</h2>

	<p>Eine der großen archäologischen Sensationsmeldungen der letzten Jahre war das <a href="http://chronico.de/magazin/dossiers/editha-sorgt-fuer-wirbel">Auffinden des Grabes von Editha</a> (gestorben 946; Königin und erste Frau von Otto I.) in Magdeburg. Auch chronico berichtete darüber. Der Nachrichtenwert nahm noch zu, weil es im Zusammenhang mit der Bergung im Magdeburger Dom Verstimmungen mit dem Archäologischen Landesamt in Halle gab. In Magdeburg sprach man von „einer geraubten Identität“, nur weil die Untersuchungen im Labor in Halle durchgeführt wurden. Die Lokalpresse heizte den Konflikt an (<a href="http://www.volksstimme.de/nachrichten/sonderthemen/volksstimme_serie_editha/">siehe entsprechende Artikel in der Magdeburger Volksstimme</a>); überregionale Zeitungen belächelten den Streit.</p>

	<p>Inzwischen ist Editha nach Abschluss der Untersuchungen, die tatsächlich die Identität der Überreste der Königin bestätigten, in ihr Grab im Magdeburger Dom zurückgekehrt. Begraben, vergessen!, könnte fast gedacht werden. Denn nun, wo sich die ottonisch geprägte Landesausstellung von Sachsen-Anhalt im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ankündigt – sie läuft vom 27. August bis zum 9. Dezember 2012 –, ist nur wenig von Editha zu hören. Und das obwohl mit Matthias Puhle dem Museum ein scharfer Kritiker des Landesamtes in Halle vorsteht. Nein, Magdeburg versteht sich heuer wohl mehr als Stadt Ottos und nicht mehr als Editha-Stadt: die Kommune will im nächsten Jahr den 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung und den 1100. Geburtstag Ottos des Großen mit der Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich“ begehen.</p>

	<h2>Von der Antike bis ins Mittelalter</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm828-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm828-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="282" /></a>
<figcaption>Cover zum Tagungsband rund ums Kaisertum. <span class="copy">© Schnell und Steiner</span></figcaption></figure>


	<p>Als Ouvertüre zu dieser Ausstellung liegt seit November dieses Jahres der wissenschaftliche Begleitband „Kaisertum im ersten Jahrtausend“ vor. Ausgewiesene Otto-Kenner wie Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter fungieren als Herausgeber und Mitautoren dieses Aufsatzbandes. Immerhin lautet der Subtitel zur großen Magdeburger Ausstellung „Kaisertum von der Antike bis zum Mittelalter“. Das Buch nimmt den dort behandelten Inhalt gewissermaßen vorweg.</p>

	<p>18 Aufsätze beleuchten die Entwicklung des Kaisertums von den Anfängen bis zur Wiederbelebung unter Karl dem Großen und Otto dem Großen im Mittelalter. Zwar nicht als Gesamtdarstellung, aber als Chor mit mehreren Stimmen kann der Band doch auf 387 Seiten beanspruchen, vielen Fragestellungen in Bezug auf Kaisertum und Mittelalter gerecht zu werden. Ein Anhang mit elf farbigen Abbildungen und Karten, sowie ein Register für das rasche Nachschlagen runden das Buch ab. Das Entstehen des Buches verdanken wir einer Tagung, die zur Vorbereitung auf die Ausstellung vom 6. bis zum 8. Mai 2010 in Magdeburg abgehalten wurde.</p>

	<h2>Caesar, princeps, Kaiser</h2>

	<p>Der 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung von Otto I. ist also ein Anlass, sich über Geschichte und Entwicklung des Kaisertums vielfältige Gedanken zu machen. Frank Bernstein von der Universität Frankfurt stellt zu Beginn klar, dass „Kaiser Augustus“ zwar der Gründervater des Kaisertums war, aber „… Augustus war ‘nur’ ein princeps, ein ‘Kaiser’ war er nicht.”</p>

	<p>Erst durch die Nachfolge entwickelte sich die von Augustus begonnene Herrschaftsform und erhielt durch den von ihm weitergeführten Beinamen „Caesar“ seine heute noch gebräuchliche Bezeichnung. Dies war mitnichten eine neue Monarchieform, sondern Senat und Volk von Rom existierten nach wie vor weiter. Die Republik war zunächst nicht abgeschafft. Aber alle Fäden liefen seit Augustus bei einem Mann zusammen, der dank seiner Legionen der eigentliche Regent war. Diese Mischung aus Stadtrepublik und Militärdiktatur – ein in diesen Dimensionen später kaum noch vorstellbares Reich beherrschend – war über Jahrhunderte auffallend stabil.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm714-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm714-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="236" /></a>
<figcaption>Karolingisches Evangeliar aus Gandersheim <span class="copy">© Kunstsammlungen der Veste Coburg</span></figcaption></figure>


	<p>Wie äußerte sich diese neue und stabile Herrschaftsform baulich und repräsentativ? Das führt Rolf-Michael Schneider von der Universität München weiter aus. Martin Dreher von der Universität Magdeburg führt Bernsteins Artikel mit ständigen Verweisungen auf Theodor Mommsen fort, was nicht verwundert, da er drei Jahre lang Vorsitzender der Mommsen-Gesellschaft war. Wer einen schnellen Zugriff auf Kaiserdefinition und Kaiserbegriff sucht, bitte schön: Martin Dreher macht es mit einer übersichtlichen Darstellung möglich. Fast so schön wie im Schulbuch! Er erklärt sehr klar die unterschiedlichen Bezeichnungen „Princeps“, „Caesar“, „Augustus“ und „Imperator“. Eine Kaiserin gab es im römischen Reich nicht, im Lateinischen ist keine weibliche Form von Caesar gebildet worden.</p>

	<p>Cosima Möller von der Freien Universität Berlin erläutert uns das Kaiserrecht, während Josef Wiesehöfer von der Universität Kiel einen Ausflug in das Weltreich der Perser unternimmt. Den Übergang zum Mittelalter gewährleistet Hartmut Leppin von der Universität Frankfurt mit der Frage: „Kann ein Christ denn Kaiser sein?“ Es entwickelte sich neben dem alten Staatsapparat ein weiterer, der bis in unsere Tage auffallend antike und römische Strukturen aufweist, nämlich die christliche(n) Kirche(n). In dem Moment, als das Kaisertum ab Konstantin I. christlich wurde, hatte es sich mit Moral, Lehre und Politik der christlichen Kirche auseinanderzusetzen. Der Kaiser war in diesem Spannungsverhältnis trotz mehrerer Lösungsmöglichkeiten selten erfolgreich.</p>

	<h2>Das griechische Element</h2>

	<p>Nach einem interessanten Ausflug zum chinesischen Kaisertum durch Hans van Ess von der Universität München gelangen wir nach Byzanz und damit in die Spätantike, die Völkerwanderungszeit und ins frühe Mittelalter. Michael Grünbart von der Universität Münster stellt sich dem byzantinischen Lösungsansatz, in dem das römische Kaisertum eine Möglichkeit fand, für viele weitere Jahrhunderte in christlicher Gestalt zu überleben. Womit es eine unerreichte Stabilität aufwies.</p>

	<p>Am 11. Mai 330 weihte Konstantin I. seine Stadt Konstantinopel ein. Aber lange Zeit war die Stadt nur die Nachahmung von Rom, erst ab 410 überflügelt Konstantins Stadt das alte Zentrum. Justinian machte laut Grünbart „das byzantinische Kaisertum zu dem Kaisertum“. Ab 629 verschwanden sogar die alten lateinischen Bezeichnungen; der Titel „Basileus“ ersetzte den „Imperator“. Die Außensicht irrt nicht völlig, wenn aus dem römischen Kaiser inzwischen ein griechischer Kaiser geworden ist.</p>

	<p>Mit Stephan Freund, inzwischen an der Universität Magdeburg lehrend, kehren wir in den Westen zurück. Hier ist ab 476 nichts mehr von einem Kaiser zu hören. Die Völkerwanderungszeit hatte den Westen Europas bis hin nach Nordafrika völlig neu geordnet. Das hier erst ab 800 (Kaiserkrönung des Karolingers Karl) entstehende westliche oder mittelalterliche Kaisertum stellt laut Freund „keinen Gegensatz zum Königtum“ dar. Und fortan kam niemand mehr am Papst vorbei, der Kaiser werden wollte.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm715-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm715-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="339" /></a>
<figcaption>Erzengel Michael in spätantiker Feldherrentracht auf einem Elfenbeinrelief um 800. Es entstand am Hofe Karls des Großen. <span class="copy">© Grassi Museum für angewandte Kunst Leipzig</span></figcaption></figure>


	<p>Ganz anders stellt dies Matthias Becher, Universität Bonn, dar: Die Karolinger bestimmten den Kaiser und der Papst war im neuen römisch-fränkischen Kaisertum nur ein Instrument Karls des Großen. Ernst-Dieter Hehl, Universität Mainz, widmet sich dem Zweikaiserproblem in einem mittelalterlichen Europa. Er stellt dar, dass das östliche Kaisertum, das weiterhin dem universalen römischen Kaisertum anhing, mehr Probleme mit einem neu entstandenen westlichen Kaisertum  hatte als es umgekehrt der Fall war. Obwohl es ohne weiteres in der Macht einiger westlicher Kaiser gelegen hätte, das griechische Kaisertum als Konkurrenz zu beseitigen, um einen „wahren“ römischen Kaiser wiederherzustellen, taten sie es nicht. Beide Kaiser waren „wahr“. Probleme gab es nur, wenn sich die Interessen überschnitten.</p>

	<p>Der Exkurs von Wolfram Drews, Universität Münster, über den Rückgriff des Islam auf imperiales und universales Denken wirkt improvisiert und fragmentarisch, ist dennoch interessant. Zumal er im Band der einzige Autor ist, der die Imperatoren-Idee im westgotischen Spanien sowie in León und Kastilien zur Sprache brachte. Allerdings erklärt er die Ausrufung von Imperatoren im Doppelkönigreich als Reflex auf die Ausrufung des Kalifats in Córdoba. Was erst im Vergleich mit dem Artikel von Ernst-Dieter Hehl auffällt: Die Imperatoren von León-Kastilien waren dem Kaisertum Karls näher als dem des Basileus’ von Byzanz. Sie beherrschten mehrere regional gelegene Königreiche im Gebiet des alten römischen Reiches, verstanden sich als Beschützer der Kirche und hatten keinen universalen, sondern einen regionalen Anspruch. War es also doch der Papst, der letztendlich einen römisch-mittelalterlichen Kaiser ausmachte?</p>

	<p>Klaus Gereon Beuckers, Universität Kiel, widmet sich dem „imperialen Bauen“. Die Kathedrale von Saint-Denis, Alt-St. Peter in Rom, die Pfalzanlage in Aachen stehen z. B. im Fokus des Artikels. Ein längerer Teil am Schluss widmet sich Magdeburg und dem, was Forscher heute von imperialer Bautätigkeit dort noch rekonstruieren können.</p>

	<h2>Die Rolle der Kalifen</h2>

	<p>Mit der Durchsicht des Bandes komme ich langsam zum Schluss: Ralph-Johannes Lilie, Berlin, beschreibt die herrschaftliche Repräsentation in Byzanz. Jenny Rahel Oesterle, Universität Bochum, eröffnet neue Perspektiven auf das ottonische Kaisertum, in dem sie Vergleiche zum mächtigen ägyptischen Fatimiden-Kalifat (schiitische Ausrichtung des Islam) bemüht. Viel kommt dabei nicht heraus, da Oesterle die Ottonen und Byzanz sowie die Fatimiden zu einer Troika zusammenholt Sie vergisst dabei aber die vierte Geige im islamisch-hispanischen Córdoba, deren Kontakte zu den Ottonen intensiver waren und die ihre Razzien nicht nach Süditalien, sondern nach Südfrankreich, Burgund und an den Genfer See ausgedehnt hatten und damit das Reich selbst bedrohten. War das Kalifat von Córdoba, mit dem Otto sogar Gesandte austauschte, diesem nicht viel näher?</p>

	<p>Und nach der Logik von Wolfram Drews könnte sogar Otto selbst erst im Reflex auf den mächtigen Kalifen Abd ar-Rahman <span class="caps">III</span>. von Córdoba nach dem Kaisertum gegriffen haben. Was nicht zu belegen ist, genauso wenig wie die Deutung in Bezug auf die Imperatoren von León, und damit zeigt sich, wie unvorsichtig mitunter in der Wissenschaft mit Deutungen umgesprungen wird.</p>

	<p>Damit sind wir mitten im Kaisertum von Otto I. Rudolf Schieffer, Universität München, befasst sich mit der zweiten Neugründung des westlichen römischen Kaisertums durch die Ottonen Es war ein an Rom und den Papst gebundenes Kaisertum, das immerhin bis 1806 Bestand hatte. Und da wir gerade vom Papst reden: Stefan Weinfurter, Universität Heidelberg, führt im Schlussartikel alle Denkansätze zusammen und fragt sich: „Welche Ordnung ist die bessere?“ Ich hoffe, dies ist so zu verstehen, dass er imperiale Ordnungsprinzipien nur historisch relevant in Betracht zieht. Immerhin notiert Weinfurter noch in diesem Zusammenhang: „… ich denke, es ist keineswegs ein Thema, das in unserer Zeit keine Rolle mehr spielt.“ Ein skeptisches Augenbrauenheben sei bei dieser unpassend klingenden Schlussbemerkung schon zugestanden. Solche Sätze können missverstanden werden!</p>

	<h2>Wo bleibt der Alltagsbezug?</h2>

	<p>Sieht man einmal davon ab, dass die Sicht auf das Kaisertum im ersten Jahrtausend, fast eine rein männliche ist (von 18 Beiträgen stammen nur zwei von Frauen), auch Königin Editha taucht nur ganz kurz einmal auf – so fehlt mir doch grundlegend die Bedeutung des Kaisertums für den einfachen Menschen, für den Handel und für die Kunst. Imperiales Bauen kann hier nicht alles gewesen sein. Führen wir die Menschheitsgeschichte wieder auf reine Ereignisgeschichte von oben zurück? Das ist eine Sichtweise, die mir neben den kryptischen Bemerkungen von Stefan Weinfurter in diesem Band sehr missfällt.</p>

	<p>Aus Sicht des Geschichtsdarstellers hat der Band also nur sekundäre Bedeutung. Es ist sehr interessant, einmal eine ausführliche Darstellung über das Kaisertum von den Anfängen bis zu Kaiser Otto I. zu bekommen. Um wirkliche Relevanz zu entwickeln, besteht der Band aus zu vielen Fragmenten, was sich bei einem Tagungsband aber kaum vermeiden lässt. Schlimm ist dennoch, dass der Alltagsbezug völlig fehlt.</p>

	<p>Was die Ausstellung betrifft: Diese wird historisch Interessierte wieder in Scharen nach Magdeburg locken; der Geschichtsdarsteller wird sich den Besuch indes gut überlegen. Immerhin gibt es eine attraktive Alternative: Noch bis zum 5. Februar 2012 ist eine Schau über König Konrad I. in Fulda zu sehen. Dort geht es um das frühe 10. Jahrhundert und die Epoche zwischen Karolingern und Ottonen. Reenactors, die an Alltagsleben interessiert sind, werden dort fündig, denn Leben und Sachkultur um 900 wird in Fulda Platz eingeräumt.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Nepal: Trekkingtour in Buddhas Heimat</title>
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				<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 23:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Michael Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Nepal – magische  Landschaften und  Schmelztiegel uralter hinduistischer und buddhistischer Kulturen. Die FotoStory aus dem Himalaya mit Skizzen einer 22-tägigen Trekkingtour im Jahr 2009 im Helambu und Langtang Himal.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Nepal – magische  Landschaften und  Schmelztiegel uralter hinduistischer und buddhistischer Kulturen. Die FotoStory aus dem Himalaya mit Skizzen einer 22-tägigen Trekkingtour im Jahr 2009 im Helambu und Langtang Himal.]]></content:encoded>
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				<title>Pompeji in Halle: Als die Asche vom Himmel fiel</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/als-die-asche-vom-himmel-fiel/</link>
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				<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
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				<description>Erdgeschichtlich – normal; menschlich – ein Drama, archäologisch – ein Glücksfall. Es geht um die verhängnisvolle Melange aus Vulkan, Asche und antiken Städten. Die Pompeji-Ausstellung in Halle macht mit ihrem Konzept Furore.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Erdgeschichtlich – normal; menschlich – ein Drama, archäologisch – ein Glücksfall. Es geht um die verhängnisvolle Melange aus Vulkan, Asche und antiken Städten. Die Pompeji-Ausstellung in Halle macht mit ihrem Konzept Furore.

	<h2>Vulkanologie trifft Archäologie</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm740-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm740-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="350" /></a>
<figcaption>Feuer vom Vesuv: Plakat zur Landesausstellung. <span class="copy">© P. Foglia und J. Lipták</span></figcaption></figure>


	<p>Pompeji ist seit dem 9. Dezember 2011 auch außerhalb Italiens leicht zu erreichen (für Bahnfahrer gibt es sogar ermäßigten Eintritt): Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Sachsen-Anhalt) ist die größte Ausstellung zum Thema der letzten Zeit noch bis zum 8. Juni 2012 zu besichtigen. Mit seinen üblichen Superlativen hat Harald Meller, der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, zur Eröffnung der Schau „Pompeji, Nola, Heculaneum: Katastrophen am Vesuv“ nicht übertrieben.</p>

	<p>Für die schnelle Information hat der Botschafter der Republik Italien, Michele Valensise, diese deutsch-italienische Koproduktion treffend zusammengefasst: Es sei eine Mischung aus Geschichte, Archäologie und Vulkanologie. Der Vesuv spielt als Hauptakteur in allen Ausstellungsräumen die größte Rolle. Im bekannten säulendominierten Foyer des Hauses in Halle flackert Lavaglut an der Lichthofdecke.</p>

	<h2>Klassische und moderne Geschichtsfans</h2>

	<p>Diesmal war Harald Meller nicht der erste Mann am Tatort bzw. in Pompeji. Fürst Franz von Anhalt-Dessau kam als junger Mann auf seiner „Grand Tour“, wie „Interrail“ vor der Erfindung der Eisenbahn hieß, bereits 1766 dort vorbei und bewunderte dort die ersten regulären Ausgrabungen. Sein Besuch hinterließ bei der Errichtung der Dessau-Wörlitzer Parkanlagen in zahlreichen Gebäuden und der Nachahmung des Vesuvs deutliche Spuren (Wer die Ausstellung besucht: Ein Abstecher ins Gartenreich lohnt sich. Der Park in Wörlitz gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf dieser Welt!).</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm742-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm742-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Das ausgegrabene antike Forum von Pompeji. <span class="copy">© Juraj Liptak, <span class="caps">LDA</span> Sachsen-Anhalt</span></figcaption></figure>


	<p>Für die nun frisch gestartete Ausstellung sind zahlreiche Funde aus Italien dem Fürsten nachgefolgt. Aber es geht nicht nur um Pompeji und Herculaneum, nicht nur um die großartigen Wandmalereien und Fundstücke, die einen in der Qualität und Fülle fast sprachlos machen, sondern um die Geschichte der Katastrophen am Vesuv insgesamt. Der Landesarchäologe drückte es in seiner Einführung so aus: „Wir wollten nicht nur sensationelle Fundstücke ausstellen, sondern diese in einen Kontext bringen.“ Dieser Ansatz ist neu.</p>

	<p>Und da man in Halle nicht kleckert, sondern klotzt, kamen als Schirmherren natürlich nur der Staatspräsident von Italien, Giorgio Napolitano, und der Bundespräsident Christian Wulff in Frage. Beide waren freilich heuer nicht vor Ort, sondern ließen sich vertreten. Dafür sprach der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff ein Grußwort. Zahlreiche Landesminister und Landtagsabgeordnete ließen sich durch die Ausstellung führen, das Interesse auf politischer Ebene war also groß.</p>

	<h2>Vom Gladius und dem FC Napoli</h2>

	<p>Aber ich verlasse die Prominenz aus Fürsten, Präsidenten, Ministern und Landesarchäologen nun und widme mich lieber der Ausstellung. Das kann bei so einer Gelegenheit und bei einer so großen Ausstellung natürlich nur ein erster Eindruck sein. Auf einer Fläche von gut 1300 Quadratmetern sind über 500 Exponate und Exponat-Komplexe zu bewundern. Unmöglich, sich an dieser Stelle ausführlich jeder einzelnen Inszenierung zu widmen. Stattdessen beschränke ich mich bei der Betrachtung auf drei Gesichtspunkte: meinen persönlichen Eindruck, die Tauglichkeit für Geschichtsdarsteller und die Bedürfnisse der Kinder: Halle bleibt sich treu. Der erste Eindruck ist schwarz, schwarz, schwarz.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm739-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm739-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Goldarmreif aus dem Haus des Goldenen Armreifs, Pompeji. <span class="copy">© Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei</span></figcaption></figure>


	<p>Darüber flackert der Vulkan. Hat mich dies bei der Dauerausstellung noch sehr gestört, fand ich es bei den Geschehnissen um den Vesuv sehr passend. Oder ich habe mich einfach an die schwarze Grundstimmung gewöhnt. Das Foyer als erster Raum bietet die Gegenüberstellung von großen Ausschnitten von Wandmalereien aus Pompeji und Straßenszenen aus dem Neapel von heute. In den Vitrinen werden Funde von damals Funden gegenübergestellt, die von heute stammen, wenn … ja, wenn gerade jetzt der Vesuv wieder ausgebrochen wäre. Der römische Gladius aus dem antiken Fundgut entspricht einer Pistole von heute, die Beinschienen des Gladiators den Schienbeinschützern des FC Napoli und dem römischen Toilettenset ist ein Rasierpinsel mit Spiegel gegenübergestellt. Ich fand die Idee wunderbar. Auch wenn die italienische Seite, wie mir verraten wurde, die Sache etwas unheimlich fand, als würde damit etwas heraufbeschworen, wenn man Exponate von heute so präpariert, als stammten sie aus dem Fundgut eines modernen Vulkanausbruchs. In der Tat: Der Vesuv kann ständig ausbrechen. Mit dieser Angst leben die Napolitaner von heute. Deshalb muss man nicht abergläubisch werden, aber es ist die Realität.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm738-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm738-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Drama im sogenannten Haus des goldenen Armreifs: Gipsausgüsse einer Frau und eines Kindes. <span class="copy">© P. Foglia, Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei</span></figcaption></figure>


	<h2>Kindertauglichkeit: mangelhaft</h2>

	<p>An einer anderen Stelle der Schau bin ich begeistert von der Präsentation so vieler Gladiatorenhelme, dass doch einige Schritte vonnöten sind, um an dieser Phalanx vorbeizuschreiten. Sehr langsam, versteht sich natürlich. Diesen Abschnitt, mit seinen anschaulichen Darstellungen, einem Trickfilm und prägnanten Erklärungen, halte ich für den kindertauglichsten Teil der Ausstellung „Pompeji“.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm741-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm741-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="285" /></a>
<figcaption>Marmorstatue des Apollon, Haus des Menander, Pompeji. %(copy)© L. Pedicini, Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei %</figcaption></figure>


	<p>Sehr schön war auch das Korkmodell der Casa del Menandro, aber ansonsten habe ich nichts für die lieben Kleinen entdecken können. Hätte man da sich nicht noch einige schöne Dinge mehr ausdenken können für die Museumsbesucher von morgen? Auf Nachfrage bei der Pressestelle nach einem Audio-Guide für Kinder, der vieles noch rausreißen könnte, erhielt ich eine freundliche, aber negative Nachricht. Auch für die Dauerausstellung gibt es diesen nicht. Dabei finden Kinder die Ausstellungen im Landesmuseum sogar sehr toll, hätten aber gerne zusätzliche Erklärungen, etwas, was Eltern selten so spezialisiert leisten können. Vielleicht kann das Landesmuseum in dieser Hinsicht den Besuchern von Morgen einen Nachschlag genehmigen. Es soll sogar Erwachsene geben, die gerne einen Kinder-Audio-Guide benutzen, weil er oft so schön anschaulich und nicht so wissenschaftlich ist – viele Bekannte von mir halten es so.</p>

	<p>Apropos: Alte Bekannte habe ich natürlich auch in der Ausstellung getroffen. Damit meine ich nicht Freunde aus der Stadt oder einen Archäologen aus dem Landesamt, sondern das Bäckerpaar von einem Wandgemälde in Pompeji. Eine Reproduktion fand sich schon auf Seite 93 meines alten Geschichtsbuchs von 1968. Nun stand ich unverhofft vor dem Original, das lange mein Bild von den Römern geprägt hatte. Vor den Menschen, die Rom sozusagen ein Gesicht gegeben hatten. Ich konnte schwerlich Tränen der Rührung zurückhalten.</p>

	<h2>Living History: Alltagsstücke en masse</h2>

	<p>Der Geschichtsdarsteller kommt in der Ausstellung voll auf seine Kosten. Alltag in Pompeji, wohin man nur schaut. Die Intention, besonders Alltagsgegenstände auszustellen, bildet einen zentralen Bestandteil des Ausstellungskonzeptes.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm743-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm743-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Überreste einer bronzezeitlichen Hütte in Nola. <span class="copy">© Nicola Castaldo</span></figcaption></figure>


	<p>Dafür ist die Landesarchäologe nicht genug zu loben. Hier geht es um die einfachen Dinge im Leben: Ringe, Löffel, Gläser. Und um einen einzelnen Fund doch noch zu erwähnen, nur aus dem Grunde, weil er mir besonders in die Augen fiel: Ein Hobel, ein einfacher römischer Hobel. Dieser erschien mir in diesem Moment kostbarer als das ganze verdammte Kaiserreich, das ohnehin dem Untergang geweiht war.</p>

	<p>Sind die Exponate nun in einem Kontext gestellt? Ich denke, in den meisten Fällen ist es geglückt. Meine Reaktionen zeigen es doch! Der Vesuv dominiert, das ist auch ohne Brille erkennbar. Im Untergang triumphiert auch die Lust und Erotik, der auch ein Teil der Ausstellung gewidmet ist (wen es interessiert!).</p>

	<p>Ich denke, die neue Sonderausstellung in Halle ist zusammen mit den Sensationen aus der ständigen Dauerausstellung im selben Haus wie der Schamanin von Bad Dürrenberg, die Toten von Eulau und die Himmelsscheibe eine Reise, gewisse auch eine weite Anreise wert.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Sachbuch: Homo sapiens auf Entdeckertour</title>
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				<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Christine Raudies</dc:creator>
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				<description>Ein Schatz für Entdeckungsreisende und solche, die es noch werden wollen: „Die großen Entdecker. Von wagemutigen Forschern und abenteuerlustigen Pionieren“ ist ein Buch vor allem für junge Leser. Christine Raudies hat hineingeschaut.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Ein Schatz für Entdeckungsreisende und solche, die es noch werden wollen: „Die großen Entdecker. Von wagemutigen Forschern und abenteuerlustigen Pionieren“ ist ein Buch vor allem für junge Leser. Christine Raudies hat hineingeschaut.

	<h2>Viel zu entdecken</h2>

	<p>Das Buch von Roland Knauer und Kerstin Viering ist im Oktober 2011 in der Reihe mareWissen erschienen. Auf 336 Seiten bietet der sorgfältig lektorierte und liebevoll gestaltete Band mit Illustrationen von Claudia Lieb deutlich mehr als sein Titel erwarten lässt. Denn das Autorenteam liefert eben nicht nur einen historischen Rückblick auf große Namen und einzelne Expeditionen. Das Buch spannt vielmehr einen Bogen von den Wanderungen der Frühmenschen bis zur Eroberung des Weltraumes und der Tiefsee; Ausgangspunkt und roter Faden ist dabei der menschliche Antrieb, die menschliche Lust, zu entdecken. Diese ist für die Autoren zugleich Voraussetzung als auch Motor der menschlichen Entwicklung.</p>

	<p>Das Buch ist gegliedert nach historischen und geographischen Kategorien. Und schon das erste der insgesamt zwölf Kapitel „Aus Afrika bis in die Südsee“ ist eine Entdeckung, die man nicht unbedingt erwarten würde. Knauer und Viering erläutern geologische, geographische, biologische und klimatische Bedingungen und Entwicklungen, die dazu beitrugen, dass sich die Frühmenschen auf den Weg machten. </p>

	<h2>Weiter Bogen und kleine Lücken</h2>

	<p>Über das Reisen im Altertum und im Mittelalter, die Entwicklung von Weltmächten durch den Fernhandel, die Entdeckung Amerikas, die Erforschung Asiens, Expeditionen zum Nord- und Südpol und in die Tiefsee geht es dann weiter bis zu Reisen in das Weltall.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm713-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm713-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="288" /></a>
<figcaption>Cover des Buchs. <span class="copy">© mare Verlag</span></figcaption></figure>


	<p>Das Buch fordert durchaus eine gewisse Lesekondition, denn die Autoren speisen ihre Leser nicht mit Häppchenwissen ab, sondern eröffnen durch schlaue Argumentationsketten und Fragestellungen die Türen zur tieferen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Entdeckerdrang.</p>

	<p>Ergänzt werden die Kapitel durch Karten, die leider etwas klein ausfallen, durch zahlreiche Infokästen zu wissenschaftlichen und historischen Details, zu Entdeckerfreuden und -plagen sowie durch ein Glossar zu Entdeckungsreisenden von Roald Amundsen bis Amerigo Vespucci.</p>

	<p>Dass selbst bei einem so umfangreichen Band das eine oder andere zu kurz kommt, lässt sich bei der Breite des Themas kaum umgehen. So findet die Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die Österreich-Ungarische Expedition der „Admiral Tegetthoff“ keinen Platz, obwohl sie für die Erschließung der Nordpolregion durchaus von Bedeutung war. Auch ließen sich einige Behauptungen und Folgerungen der Autoren diskutieren. Natürlich ist es Arktisurlaubern heute möglich, den Nordpol zu besuchen. Und ob die Berichte des Marco Polo mehr oder weniger in das Reich der Phantasie gehören, ist viel weniger eindeutig geklärt, als die Autoren durch die ausführliche Auflistung der vorhandenen Zweifel den Anschein erwecken.</p>

	<p>Aber auch offene Fragen tun dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Auch weil das Buch nicht nur spannende Erkenntnisse sondern auch viel Denkvergnügen bietet. Und auch das ist für wagemutige Forscher und abenteuerlustige Pioniere schließlich ein Schatz, den es immer wieder zu entdecken gilt.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Sachbücher: Mit Experimenten in die Vergangenheit</title>
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				<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Wulf Hein</dc:creator>
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				<description>Zwei Bücher für den „Experimentellen“ hat der Archäotechniker Wulf Hein unter die Lupe genommen. Sie bieten einen Überblick zur Experimentellen Archäologie und widmen sich einer byzantinischen Maschine.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Zwei Bücher für den „Experimentellen“ hat der Archäotechniker Wulf Hein unter die Lupe genommen. Sie bieten einen Überblick zur Experimentellen Archäologie und widmen sich einer byzantinischen Maschine.

	<h2>Umfangreicher Werkzeugkasten</h2>

	<p>Der Name Dirk Vorlauf ist eng mit der Geschichte der Experimentellen Archäologie in Deutschland verbunden. Seit Ende der 1980er Jahre führt der Autor zahlreiche Versuche zu archäologischen Fragestellungen durch und beschäftigt sich auch kritisch mit Methodik und Theorie, so auch im vorliegenden Band, der in der Reihe „Experimentelle Archäologie“ des Landesmuseums „Natur und Mensch“ in Oldenburg erschienen ist.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm619-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm619-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="281" /></a>
<figcaption>Umfangreiche Übersicht des Forschungsfelds. <span class="copy">© Wulf Hein / Isensee-Verlag</span></figcaption></figure>


	<p>Auf den ersten 25 Seiten des Buches mit dem Subtitel „Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Kommerz“ untersucht Vorlauf, wie sich dieser Forschungszweig in den letzten 20 Jahren entwickelt und verändert hat. Er unternimmt ebenso kompetent wie kenntnisreich eine aktuelle Standortbestimmung, die auch Freilichtmuseen und Archäotechnik einbezieht und einen Ausblick in die Zukunft der Experimentellen Archäologie wagt. Dieser Teil ist fast ein wenig knapp geraten, aber der Autor hat seine Energie auf ein anderes, vielleicht noch wichtigeres Projekt gerichtet.</p>

	<p>Den größten Teil des Buches füllt nämlich eine ausführliche Bibliographie zum Thema, die ihresgleichen sucht: über 3500 Titel hat Vorlauf zusammengetragen, die sowohl alphabetisch nach Autorennamen geordnet als auch noch einmal thematisch aufgeführt sind. Damit bietet dieser Band dem interessierten Leser eine umfangreiche Literaturliste aus zehn Sprachräumen, die nicht nur einen Überblick über bereits durchgeführte Versuche ermöglicht, sondern auch den Einstieg in einzelne spezielle Themenbereiche.</p>

	<p>Dies ist besonders für Experimentatoren interessant, die selbst tätig werden wollen und – wie es bei jedem ernstzunehmenden Projekt vorausgesetzt werden muss – mit der Literaturrecherche beginnen: Ihnen hat der Autor einen „vollen Werkzeugkasten“ hingestellt, der in keinem Bücherschrank eines „Experimentellen“ fehlen sollte.</p>

	<h2>Spätantike Steinsäge im Experiment</h2>

	<p>Wasserbetriebene Steinsägen galten bisher als Erfindung der Neuzeit. Mittlerweile liegen jedoch mehrere Befunde vor, die solche Maschinen bereits in antiker Zeit belegen. Seit mehreren Jahren befasst sich ein Forschungsprojekt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (<span class="caps">RGZM</span>) in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut mit den Ursprüngen dieser Technik. Dazu gehören auch Experimente mit einem Nachbau im Maßstab 1:1, die im vorliegenden Band „Die byzantinische Steinsäge von Ephesos“ beschrieben werden.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm618-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm618-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="276" /></a>
<figcaption>In diesem Buch: Die Rekonstruktion einer Steinsäge. <span class="copy">© Wulf Hein / Verlag des <span class="caps">RGZM</span></span></figcaption></figure>


	<p>Bei den insgesamt fünf Versuchen mussten die Forscher diverse Kompromisse eingehen: Beispielsweise wurde der Antrieb der Steinsäge, der im Altertum sicher über ein Wasserrad erfolgte, mittels eines Elektromotors bewerkstelligt; zum Umlenken der Seile dienten moderne Blöcke, und konstruktive Details wurden nach eigenem Gutdünken bzw. historischen Vorbildern gestaltet. Trotzdem lassen sich die Ergebnisse der Rekonstruktion gut mit den archäologischen Befunden in Übereinstimmung bringen und haben viel zum Verständnis der antiken Steinsägen beigetragen.</p>

	<p>Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet und mit vielen Abbildungen versehen, welche vor allem die Originalfunde und -befunde gut illustrieren. Als Techniker hätte ich mir allenfalls noch mehr Detailfotos bzw. -zeichnungen zu den Rekonstruktionsversuchen gewünscht, denn gerade in der Beschreibung der technischen Feinheiten ist oftmals das Verständnis einer Apparatur auch für den Fachfremden angelegt. Freunde der antiken Architektur mit einem Faible für Technikgeschichte kommen mit diesem Buch jedoch voll auf ihre Kosten.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Reenactor-Messe Minden: Einige Perlen und ganz viel Stahl</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/einige-perlen-und-ganz-viel-stahl/</link>
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				<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Der erste Reenactor-Markt in Minden hat seine wundervollen Momente; hinterlässt aber auch gemischte Eindrücke. Da blieb viel Potenzial ungenutzt. Dennoch bieten nunmehr zwei Messen gute Möglichkeiten für die Living History.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Der erste Reenactor-Markt in Minden hat seine wundervollen Momente; hinterlässt aber auch gemischte Eindrücke. Da blieb viel Potenzial ungenutzt. Dennoch bieten nunmehr zwei Messen gute Möglichkeiten für die Living History.

	<h2>Frisches aus der Burgküche</h2>

	<p>Der Geschmack ist beim ersten Probieren fremd, aber gut: Fein pürierter Kürbis, ein Hauch Honig, etwas Pfeffer – und so manch andere Zutat. Für Nachfragen reicht aber mein Französisch nicht aus, am Stand von Philippe Redien. Es ist Messesamstag beim Historischen Markt vor dem Preußen-Museum in Minden (<span class="caps">NRW</span>). Redien wirbelt am Stand seines Lebensmittelhandels. „La Cour des saveurs“ bringt mittelalterliche Küche auf den Tisch und passt deshalb ganz ausgezeichnet zur „Reenactor-Messe“, wie die Mindener Marketing-Gesellschaft das Spektakel taufte. Es ist die erste Veranstaltung dieser Art im Norden Deutschlands.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm516-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm516-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Besucherandrang im großen Messezelt in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Über 70 Händler, Handwerker und Künstler sind gekommen. In langen Reihen haben sie ihre Stände aufgebaut. Dem Herbstwetter entsprechend in einem Großzelt. Das ist erfreulich. Auf das mit roten Stoffbahnen verhängten Zeltdach klopfen immer wieder Regenschauer. Doch hier bei Philippe Redien ist es ganz gemütlich. Ohne viel Federlesen hat er mich von seiner Kürbisspezialität probieren lassen, deren Name sich mir partout nicht einprägen will.</p>

	<p>Viele Köstlichkeiten stapeln sich auf dem Tisch des Franzosen, der nicht nur auf Messen verkauft und seine Kunden beliefert. Redien betreibt auch die Burgküche auf dem <a href="http://www.chateau-de-cherveux.com/accueil/welcome.htm" title="Poitou-Charentes">Schloss Cherveux</a>. „Bei uns gibt es französische mittelalterliche Spezialitäten“, sagt Redien und verweist unter anderem auf das Rezeptbuch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Le_Viandier">Le Viandier</a>. Die Messe in Minden, findet er, sei eine gute Chance, sich auch in Deutschland bekannter zu machen.</p>

	<h2>Organisatoren aus Frankreich</h2>

	<p>Es gibt in Frankreich die Gesellschaft für Living History; im Original: Association pour l’Histoire Vivante (ApHV). Sie will, so ist es im Selbstverständnis verankert, die französische Living History-Szene fördern, promoten und vernetzen. Bücher und Magazine sind eine Schiene, historische Veranstaltungen die andere. Und dazu zählen auch Märkte.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm512-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm512-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Gute Stoffe gibt es bei einigen Händlern auf der Messe. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Seit mehreren Jahren schon organisiert ApHV historische Märkte. Bekannt ist unter anderem die Messe in Pontois nahe Paris. „Dorthin kommen 200 Händler aus 16 verschiedenen Ländern und mehr als 6.000 Besucher“, listet ApHV-Direktor Christophe Dargère die Bilanz der Vorjahres-Messe auf. Das erste Mal ist die Gesellschaft nun in Deutschland aktiv und richtet die Messe in Minden aus. „Unser Ziel ist es, einen High-Quality-Markt für Reenactment zu kreieren“, sagt Dargère. Die Messe an diesem Oktoberwochenende 2011 ist ein erster Versuch. Ob und wie das Engagement im nächsten Jahr fortgeführt wird – das wird sich zeigen, sobald die Auswertung gelaufen ist.</p>

	<p>Die Gesellschaft fragte also bei ihren Stammpartnern nach, und viele Händler kamen nach Deutschland. Aus Frankreich natürlich, aus den Niederlanden, Großbritannien, Tschechien oder Polen. Auch etliche deutsche Aussteller sind vertreten.</p>

	<p>Warum nach Minden? Die nordrhein-westfälische Stadt hat schon vor Jahren die Geschichte als imagefördernden Aspekt entdeckt. Und die örtliche Marketing-Gesellschaft hatte eine glückliche Entscheidung getroffen, als sie 2008 einige Living History-Akteure als Kooperationspartner für historische Veranstaltung gewann. Im Jahr darauf, 2009, inszenierte die Stadt eines der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges – die <a href="http://www.schlacht-bei-minden.com/index.php">Schlacht bei Minden von 1759</a>. Das Stadtmarketing holte dafür zahlreiche Reenactors zusammen, koordiniert von Udo Brühe vom „Freundeskreis Lebendige Geschichte“ (<span class="caps">FLG</span>). Brühe ist inzwischen auch Herausgeber des Magazins <span class="caps">AFAKTOR</span> und hält nach wie vor Kontakte nach Minden. Als die Franzosen nach Möglichkeiten in Deutschland suchten, kam eines zum anderen und die Reenactor-Messe in Minden ward aus der Taufe gehoben.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm520-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm520-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Front des Preußen-Museums in Minden; einst war das Haus eine Kaserne. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Das Preußen-Museum schließlich ist ein ganz hervorragender Ort; vor seiner Tür liegt der üppig dimensionierte Simeonsplatz. Dort also ließen die Stadt und ApHV das Messezelt aufschlagen. Eine gute Idee: Der Eintritt zur Messe ermöglicht auch den Zutritt in das schön gestaltete Museum, das preußische Geschichte vom Deutschen Orden bis in die Neuzeit hinein aufbereitet. Ein Saal im Museum ist zudem Ort für Teile des Rahmenprogramms: Marcus Junkelmann referiert dort über „Römer im archäologischen Experiment“, Martin Klöffler von der „IG Historischer Alltag“ spricht über Qualität in der Living History und Nils Kagel zeigt, was das Freilichtmuseum am Kiekeberg mit Living History erreicht.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm521-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm521-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Musiker begleiten die Reenactor-Messe in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Französische Artisten, Musiker und eine Greifvogelschau runden das Rahmenprogramm ab. Der Verein Experimentum wiederum hat Nachbauten eines Tretradkrans, eines Wagens und einer Blide auf dem Museumshof aufgebaut. Besuchergruppen werden in die technischen Details eingeführt. Die Messe als Mischung aus Handel, Handwerk und Unterhaltung – mit diesem Konzept sind die Franzosen seit Jahren erfolgreich.</p>

	<h2>Schmale Kost und viele Gewandete</h2>


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<a href="/images/mediathek/cm517-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm517-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Edles Glas nach historischen Vorbildern am Kourgane-Stand. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Die französische Händlerin am Stand von „Kourgane – Reconstitution de verreries historiques“ wiegt skeptisch ihr Haupt. „Es ist okay“, sagt sie. Will heißen: es könnte durchaus noch besser werden mit der Kauffreude der Besucher. Kourgane verkauft Repliken historischer Glaswaren, etliche in Schweden produziert. Bei französischen Messen waren sie schon mehrfach dabei. Als ApHV anfragte, nutzte die Firma die Chance für einen ersten Versuchsballon in Deutschland. Doch noch ist das Messekonzept ungewohnt; viele Besucher schauen nur.</p>

	<p>Gleichwohl ist die Living History-Szene im Publikum gut vertreten. Antike, frühes und hohes Mittelalter, Renaissance oder Napoloenik – aus vielen Subszenen sind Akteure angereist. Viele decken sich mit Alltagsgegenständen, Stoffen und anderem Zubehör für ihre Darstellung ein. Unübersehbar ist auch die Riege der Gothics und der Marktmittelalter-Fans. In fantasievollen Kostümen schreiten sie durch die Gänge. Gewandung ist erlaubt.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm518-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm518-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Haufenweise Stahl: Militaria und Schwerter dominieren in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Am Eingang wird nur die Schärfe der mitgebrachten Waffen überwacht. Stumpfe Schneiden sind aber offensichtlich kein Problem für die Ordner. Und so tummeln sich in den zuweilen sehr schmalen Gängen denn auch Bewaffnete mit ausladendem Metall am Gürtel. Ziemlich rücksichtslos zuweilen. Noch weniger schön: Mutmaßliche Vertreter der braunen Szene, die mit Kapuzenshirts vom ultranational gesinnten Internethandel durch die Gassen gehen. Schade, dass auch auf solche Details nicht am Eingang geachtet wird.</p>

	<p>Gewaltiger Minuspunkt: es mangelt an historischer Küche. Der Stand von Philippe Redien ist der einzige seiner Art. Es gibt noch einiges an Früchten, Gewürzen oder Süßigkeiten. Und natürlich die unvermeidlichen Methändler. Beinahe enttäuschend ist aber die Verpflegung für Besucher. Einzig die „Piraten-Taverne“ – auch sie aus Frankreich – bietet Essen an. In kleiner, interessanter aber nicht eben preiswerter Ausführung. „Eine ordinäre Bratwurst wäre jetzt schön“, seufzt ein Besucher. Wenig Trost bietet die Cafeteria des Museums, wo lediglich ein Automat einige Kleinigkeiten feilbietet. Gastronomisch ist die Messe unbedingt ausbaufähig.</p>

	<h2>Schwerpunkt: Mittelalter</h2>

	<p>Nun darf man gespannt sein, wie sich eine etwaige Neuauflage präsentieren wird. Zu hoffen ist, dass sich dann auch mehr Epochen präsentieren. Die Auftaktveranstaltung ist, vielleicht wegen ihres Versuchscharakters, mit einem eindeutigen Schwerpunkt versehen. Das hohe und späte Mittelalter dominiert in allen Belangen. Dabei war ein Spektrum von Antike bis 1918 angesagt. Zu spüren ist davon nicht viel. Besser gesagt, ich muss nach den zeitlichen Ausreißern suchen.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm514-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm514-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>NP Historical Shows bietet Schuhwerk aus vielen Epochen an. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Antike ist, von einigen römischen Glasrepliken abgesehen, kaum vertreten. Immerhin ist die Hamburger Gladiatorengruppe <a href="http://www.ludus-nemesis.eu/">Ludus Nemesis</a> mit dabei. Im Messezelt kommt mir der Stand der französischen Keramiker Catherine de Casas und José Fernandes etwas verloren vor. Wunderschöne Repliken griechischer, etruskischer und römischer Tonware sind vor ihnen aufgebaut. Doch viele Besucher zieht es zu anderen Punkten. Vor allem Schuhe und wiederum Glas sind es, was ich andererseits von der Neuzeit zu sehen bekomme. Bedauerlich, denn das benachbarte Preußen-Museum böte für Ausstattungen etwa für das 18. und 19. Jahrhundert die perfekte Kulisse.</p>

	<p>Stahl in rauen Mengen, in jeder Größe und zu verschiedenen Preisen. Keine Frage, wer da immer einen Dolch oder ein Schwert braucht, ist bei der Messe gut aufgehoben. Es gibt Dolche für unter 80 Euro oder auch für über 300. In diesem Vergleich kommt der Stand von „Tod’s Stuff“ regelrecht teuer weg. Doch bei dem Briten Leo „Tod“ Todeschini liegt Qualität. So mancher kam eigens wegen seiner Stahlwaren oder Armbrüste nach Minden; er genießt einen ausgezeichneten Ruf.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm511-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm511-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Ziselier Ivan Müller bei der Arbeit. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ich suche lange vergeblich nach Handwerkern, die ihr Gewerbe auch vor Ort ausüben. Diese Lebendigkeit hatte ich mir gewünscht. Ich sehe immerhin Holzarbeiten, ich sehe einen Münzpräger mit schönen Stücken. Und dann ist da noch der Gürtler und Ziselier Ivan Müller aus Prag. Mit feinem Werkzeug treibt er die Form eines alten Segelschiffes – nach einer Vorlage aus Skandinavien – auf eine Metallplatte. Müller verziert historische Ausrüstungsgegenstände und Accessoires in klassischer Technik mit Gravierungen, Radierungen und Ziselierungen.</p>

	<p>Vieles für Wikingerfans; von „Walhalla“ aus Polen zum Beispiel. Plattenrüstungen, Bogen und Zubehör, Keramik, Bottiche, Unterwäsche und Gambesons. Die Mittelalterszene kommt auf ihre Kosten. Aber das Richtige kauft, wer informiert ist. Was passt zur Darstellung? Schwert ist nicht gleich Schwert; so manches Stück passt eher in die Larpszene – die auf dem Flyer des Stadtmarketings ausdrücklich als Zielgruppe benannt wurde – oder allenfalls auf den Mittelaltermarkt. Auch viel historisierenden Kitsch wie moderne Drachenfiguren oder Schädel-Nippes gibt es haufenweise.</p>

	<p>Warum nicht auch die Larpszene bedienen. Warum nicht etwas fantasievolle Accessoires oder preiswerte und weniger historisch exakte Waren. Kein Problem, wenn Kunde weiß, was er da kauft. Der erfahrene Reenactor wird zielsicher nach dem suchen, was er braucht. Zu Recht zeigen sich viele auch vom Angebot begeistert. Andere dürften sich indes vom Augenschein und Preislage verführen lassen. Wenn dann einzelne Händler mangels Sprachkenntnissen nur rudimentär beraten, ist der Lerneffekt für Unerfahrene auf dieser Messe geschmälert.</p>

	<h2>Die einzig wahre Messe?</h2>

	<p>Es gab im Vorfeld einige Debatten über die angebliche Einzigartigkeit von „Deutschlands 1. Internationaler Reenactor-Messe“, wie die Minden Marketing GmbH die Veranstaltung auf ihrem Flyer und im Web betitelt. Darüber etwa, ob das Prädikat, <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/messe-entwickelt-charme/">erste internationale Reenactmentmesse zu sein, nicht eher der Veranstaltung im April dieses Jahres in der Villa Borg</a> gebührte. Die Franzosen betiteln ihre Messen übrigens nur mit „historischer Markt“.</p>

	<p>Ein Team um Frank Wiesenberg vom Römischen Vicus und der Museumsleiterin Bettina Birkenhagen holte im April über 30 Händler aus mehren Ländern in die römische Villa. Auch diese Messe diente dem Netzwerken – womöglich noch stärker im Konzept verankert als beim französischen Mitbewerber. Anders als in Minden aber war die Messe in Perl-Borg als reines Living History-Event angelegt. Der Ort sprach dafür, auch die Auswahl der Händler. Keine Waren, wie sie für Mittelaltermarktfans gebräuchlich sind.</p>

	<p>Im Grunde ist die Frage nach der korrekten Bezeichnung eine fast schon akademische (vom Werbeeffekt einmal abgesehen). Für das Gros der Besucher stehen andere Dinge im Vordergrund. Was bekomme ich für mein Geld? Welche Zeiten sind vertreten und wie komme ich zum Messeort? Insofern ist die Wahl von Minden eine sehr gute. Die deutsche Szene dürfte wohl zwei Messen zu unterschiedlichen Jahreszeiten und an so weit auseinander liegenden Orten vertragen. Es ist ein bisschen wie mit den Buchmessen: Man fährt zur geschäftigeren Messe nach Frankfurt oder zur kleineren Schwester nach Leipzig, wo das Rahmenprogramm seine besonderen Reize entfaltet.</p>

	<p>Nicht im Namen, sondern im Ausbau der Konzepte wird künftig die Chance für beide Reenactment-Messen liegen. Die Villa Borg hat ein großartiges Potenzial. Und es ist falsch zu glauben, dass dort nicht auch schon eine epochen-übergreifende Messe stattgefunden hätte – wie es so mancher in den Debatten formuliert hat. Von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter hinein kamen Anbieter ins Saarland. So sehr viel mehr Epochen hatte auch Minden im Grunde nicht zu bieten.</p>

	<p>In Borg der Schwerpunkt Antike; ausgestaltet im Rahmen der rekonstruierten Römervilla – in Minden der Fokus auf Mittelalter und Neuzeit. Daraus ließe sich durchaus etwas machen. Die Mindener Veranstalter bewiesen zwar kein glückliches Händchen mit der Betitelung ihrer Messe. Zumal auch Transparenz gefragt ist, wenn es dort neben guter Living History-Ausrüstung eben auch weniger historisch genaue Angebote gibt. Aber der Zeitpunkt ist gut gewählt. Warum also nicht künftig eine Frühjahrs- und eine Herbstmesse für die Szene? Die jeweils andere Schwerpunkte in Zeitstellung, Händlerauswahl und Rahmenprogramm setzen? Ich sehe darin zunächst einmal eine Chance für die Living History hierzulande.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Geschichtspark Bärnau: Und sie bauten eine Burg</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/und-sie-bauten-eine-burg/</link>
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				<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 22:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/und-sie-bauten-eine-burg/</guid>
				<description>Er ist ein Mitmach-Museum, der Geschichtspark Bärnau-Tachov in Bayern. Ottonendarsteller und andere Akteure haben die gerade im Entstehen befindliche Anlage in Augenschein genommen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Er ist ein Mitmach-Museum, der Geschichtspark Bärnau-Tachov in Bayern. Ottonendarsteller und andere Akteure haben die gerade im Entstehen befindliche Anlage in Augenschein genommen.

	<h2>Living History ist eingeplant</h2>

	<p>Ganz nahe an der tschechischen Grenze liegt der Geschichtspark Bärnau-Tachov. Über die Autobahn 93 ist er sehr gut von Süden und auch von Norden her erreichbar. Nürnberg liegt etwa 140 km, Leipzig 250 km entfernt. Seit einem Jahr verfolgen wir die Entwicklung des Geländes und konnten zum „Tag des offenen Denkmals“ 2011 dort ein kleines Treffen von Ottonendarstellern abhalten.</p>

	<p>Das 6,5 Hektar große Gelände verdient den Namen Geschichtspark zu Recht. Noch ist vieles im Entstehen. Aber was bereits vorgefunden wird, übertrifft, zumindest was mich anlangt, die Erwartungen.</p>

	<p>„Neue Mittelaltermuseen braucht das Land?“, kommt mir frei nach Ina Deters Lied in den Sinn. Denn ohne große Recherche fallen mir ein: Die <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/akteure-erobern-turmhuegelburg/">Turmhügelburg bei Lütjenburg</a>, die Häuser in <a href="http://www.schloss-gottorf.de/haithabu/das-museum/haithabu">Haithabu</a>, das <a href="http://www.mittelalterhaus-nienover.de/index.php?s=start">Mittelalterhaus Nienover</a>, die geplante <a href="http://www.karolingischeklosterstadt.com/">Klosterstadt in Meßkirch am Bodensee</a>, der geplante <a href="http://www.tribur.de/blog/?p=15371">karolingische Herrenhof Lauresham in Lorsch</a> und der Geschichtspark Bärnau-Tachov. Bald weiß man als Darsteller nicht mehr, wo man zuerst hinfahren soll. (Pläne für Anlagen in Deutschland gibt es noch mehr. Zu den verwirklichten zählt auch die <a href="http://www.bachritterburg.de/">Bachritterburg in Kanzach</a> / Anmerk. d. Red.)</p>


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<a href="/images/mediathek/cm509-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm509-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Living History ist ein wichtiges Element in dem Freilichtmuseum in Bärnau. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Da ist es umso besser, dass die Einrichtungen genau schauen, ob der Darsteller auch in der richtigen Zeit oder Kultur lebt. Die von großen Gruppen oder Gruppennetzwerken seit Jahren verwendeten „Kitguides“ oder Bekleidungsratgeber werden aus diesem Grunde auch von Museen verwendet. Geschichtsdarstellung (Living History oder Reenactment) sollen in diesen neuen Einrichtungen oder Geländen groß geschrieben werden, sind Teil des Konzeptes oder tragen mit zur Errichtung bei (in Meßkirch oder auch teilweise in Bärnau).</p>

	<p>Die für Bärnau entwickelten Bekleidungsführer für den Frühmittelalterbereich liegen mir vor, sollen hier aber nicht Thema sein. Ich möchte damit aber klarstellen, dass ich diese Entwicklung begrüße. Allerdings soll damit der engagierte Darsteller nicht eigener Recherchearbeit enthoben sein. Im Gegenteil!</p>

	<h2>Ottonischer Spaziergang</h2>

	<p>Ich kam mit den Ottonen aus dem Darstellerverbund „Die Ottonenzeit“ nach Bärnau. Einige von uns waren bereits mehrere Male hier. Die Augsburger Sektion plant sogar, sich hier ein eigenes Häuschen zu bauen. Was das heißt, dazu komme ich noch später. Es ist möglich, die Häuser des Parks zu bewohnen, dort zu schlafen oder auf einem zugewiesenen Platz, der leider in einer feuchten Senke liegt, ein Zelt aufzuschlagen. Wir sind als Ottonen in ein slawisches Grenzdorf des 10. Jahrhunderts gezogen. Das ist zumindest nicht so abwegig.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm506-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm506-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist eine großzügig geschnittene Anlage. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist wirklich ein Park. Die einzigen Schilder mit Erklärmaterial befinden sich am Eingang vor dem monumentalen Info- und Dokumentationszentrum, der auch Toiletten und Duschen beherbergt, sowie Kasse und Museumsladen. Letzterer verfügt übrigens über ausgezeichnete Utensilien für die Erstausstattung eines Darstellers, die selbstverständlich alle käuflich zu erwerben sind.</p>

	<p>Nicht nur die Gebäude des Zentrums sind groß, sondern auch das Gelände ringsum. Hier ist laut Stefan Wolters, dem wissenschaftlichen Leiters des Geschichtsparks, Platz für das, was er das „unerlässliche Eventmittelalter“ nennt, also Markt, Musik und Gastronomie. Vom eigentlichen Geschichtspark ist dieser Bereich hübsch abgetrennt durch einen hohen Holzzaun, der rustikal genug aussieht, um das Bild nicht zu stören. Wolters meint, auch das „Eventmittelalter“ gehört dazu, aber wenn man sich von seinem Platz als Darsteller nicht fortbewegt (oder fortbewegen kann), bekommt man davon auch gar nichts mit.</p>

	<p>Da ich schon in meiner „Klamotte“ stecke, bewege ich mich also hinein in den Park. Da er direkt am Ortsrand liegt, befindet sich vorne das Mittelalter, aber schaut man zurück, nunja, da ist das 21. Jahrhundert. Es gibt Besucherstimmen, die den Anblick von Häusern mit Sonnenkollektoren, Scheunen und Kirche als störend empfunden haben. Aber muss man immer zurückschauen im Leben?</p>

	<p>Blenden wir deswegen die Umgebung aus: Was mich sofort vom Gelände eingenommen hat, ist die Geländegestaltung mit Bächen, Wassergräben und zwei kleinen Teichen. Sehr romantisch angelegt ist das alles, ein „Wörlitz“ für Mittelalterinteressierte. Auf dem größeren Teich soll bald ein Einbaum seine Kreise ziehen (das Boot wurde jüngst zu Wasser gelassen; Anmerk. die Red.). Die Wasserläufe trennen die einzelnen Bereiche ab, z. B. bildet der größere Teich die Grenze zwischen der Motte und dem Hochmittelalterbereich, der momentan erst aus einem Haus besteht. Die Motte wiederum ist durch Bach und Wassergräben fein vom Frühmittelalterdorf geschieden.</p>

	<p>Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Ottone einen Blick in das bäuerliche Wohnhaus des 12./13. Jahrhunderts werfen darf. Doch diesen Schritt wage ich einfach, denn die „Bewohner aus meiner Zukunft“ sind nett. Auch dieses Haus ist noch im Bau. Es sind noch Lehmarbeiten auszuführen und vorhandene Risse auszustopfen. Dennoch beeindruckt die Liebe zum Detail bereits. Ich kann an dieser Stelle einstreuen, dass laut Wolters „die Häuser ausnahmslos in Originalmaterial und Originaltechniken errichtet werden, jedoch ca. zu zwei Dritteln mit modernen Werkzeugen (aus Zeit und Effizienzgründen) und zu einem Drittel in Museumsaktionen im Mittelalterkostüm mit Originalgerät“. Hier sind als Mitmach-Möglichkeiten für die Szene!</p>


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<a href="/images/mediathek/cm505-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm505-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="264" /></a>
<figcaption>Die Motte ist eines der jüngsten Bauprojekte in Bärnau. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Da ich das Gelände vom oben überblicken möchte, gehen wir jetzt hinüber zur Turmhügelburg, der Motte. Das ist ein Kletter- und Spielturm für die Militärs unter den Darstellern. Am „Tag des offenen Denkmals“ stand oben auf dem Turm stets ein Akteur in Kettenhemd, Helm und Lanze und hielt tapfer Wache. Die Sonne spiegelte sich gleißend auf seinem Helm und er ließ sich brav fotografieren.</p>

	<p>Vorbild für die Rekonstruktion war der Teppich von Bayeux. Deswegen befinden wir uns in diesem Bereich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Ottonen haben hier also nichts zu suchen. Wir haben zwar in Querfurt und wohl auch Zörbig runde Steintürme in sogenannten Burgwardhauptorten nachgewiesen, aber leider keine Motten. Gehen wir also schnell wieder, bevor uns die Wache entdeckt!</p>

	<p>Wie ich bereits erwähnte, gibt es keine Erklär- und Schautafeln im Gelände selbst. Der Besucher wird aber mit einem ausgezeichneten Übersichtsplan ausgestattet, in dem das Konzept des Parks und die einzelnen Hausrekonstruktionen erklärt werden. Dort steht alles Notwendige und kann direkt vor Ort nachgelesen und verglichen werden. Ich denke, dass dies für ein Freilichtmuseum dieser Art ein guter Weg ist, dass Bild stimmig zu erhalten und den Besucher dennoch mit den wichtigsten Informationen zu versorgen. Darüber hinaus, zum Beispiel zu den Hintergründen der Rekonstruktionen, könnte im Museumshop aber noch eine ausführlichere Publikation angeboten werden. So umsichtig wie ich Stefan Wolters kennengelernt habe, ist die bestimmt schon in Planung.</p>

	<p>Der Bach wird auf einer weiteren kleinen Brücke überschritten. Wir befinden uns jetzt in der „Baugruppe Frühmittelalter“. So könnte ungefähr ein slawisches Dorf im Grenzbereich zwischen Reich und Böhmen vom 8. bis 10. Jahrhundert ausgesehen haben: Flechtwandhaus, Grubenhaus, Pfostenhaus, Blockhaus und ein Lehmofenunterstand sorgen für Vielfalt. Archäologische Fundbelege aus der Umgebung dienten als Vorbilder. Innerhalb des Dorfes kamen wir Besucher aus dem Ottonenreich im etwas komfortableren Blockhaus unter. Angehobener Fußboden, unser Pfostenbett und die Pingsdorfer Ware verbreiteten den im Übersichtsplan angesprochenen Eindruck, dass hier reichere Dorfbewohner gelebt haben.</p>

	<h2>„Ich habe das hier verbrochen&#8230;“</h2>

	<p>Zu dem Konzept des Geschichtsparks gehört, dass im Gelände ständig gebaut und gelebt wird. Dem gingen natürlich zahlreiche Planungen, Genehmigungsverfahren und Bürokratiebewältigung voraus – diese Vorbereitungsphase war 2010 weitgehend abgeschlossen. Seit diesem Frühjahr „wachsen die Häuser wie Pilze aus dem Boden“, wie Wolters beschreibt. Ein bereits entstehender Stamm von Darstellern übernimmt Patenschaft für vorhandene und entstehende Häuser, natürlich passend zu der von ihnen dargestellten Zeit.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm508-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm508-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>So jung das Museum auch ist; es kann in einigen Häusern schon gewohnt werden. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Die Darsteller bauen gemeinsam an noch zu errichtenden Rekonstruktionen, fast so wie in einer mittelalterlichen Dorfgemeinschaft. Die „archäologische Bauaufsicht“ ist durch den Geschichtsparkarchäologen Stefan Wolters gegeben, der sich wiederum nach eigenen Angaben einer freiwilligen „Evaluierung durch einen wissenschaftlichen Beirat unterzieht, der sich aus Landesämtern, Museumsstellen und Universitäten rekrutiert.“</p>

	<p><iframe width="500" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/7RklJlCR5DY?rel=0&hd=1" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

	<p>Wolters, der Park, Team und Darstellergruppen sehr gelassen und kompetent betreut, stellte sich mir den Worten vor: „Hallo, ich bin der, der das hier verbrochen hat.“ Wenn das nicht mal „lebenslänglich“ bedeutet! Bevor das Urteil aber verkündet wird, ihm ganz herzlichen Dank für die Momentaufnahme in dieses sehr hoffnungsvolle Projekt, dem wir sehr viele Besucher wünschen. Der gut besuchte „Tag des offenen Denkmals“, den wir mitgestalten durften, war bereits ein guter Start.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Geschichtspodcast 24: Napoleonik-Treffen in Thüringen</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/napoleonik-treffen-in-thueringen/</link>
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				<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Nach ein „paar Tagen“ Pause: Mit zwei Zeitreisen – einmal ins Historische Museum der Pfalz Speyer und zum Reenactment „Jena 1806“ – kommt der Geschichtspodcast zurück. Dazu: Das neue Label Talanton.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Nach ein „paar Tagen“ Pause: Mit zwei Zeitreisen – einmal ins Historische Museum der Pfalz Speyer und zum Reenactment „Jena 1806“ – kommt der Geschichtspodcast zurück. Dazu: Das neue Label Talanton.

	<h2>Königliche Dynastie in Speyer</h2>


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<a href="/images/mediathek/cm464-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm464-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Salierausstellung in Speyer: Den Anfang bestreitet Nachrichtensprecher Claus Kleber mit Neuigkeiten zur Kaiserkrönung von Heinrich V. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Speyer – alte römische Gründung und damit eine der ältesten Siedlungen in Deutschland. Hier entwickelte sich einst im hohen Mittelalter eine selbstbewusste freie Reichsstadt. Und mit Speyer ist auch die Dynastie der Salier eng verbunden. So mancher ihrer Angehörigen hat in der Krypta im Speyrer Dom seine letzte Ruhestätte gefunden.<br />
Folgerichtig also, dass das Historische Museum der Pfalz Speyer dieser Dynastie eine große Schau widmet: „Die Salier – Macht im Wandel“ Sie ist noch bis 30. Oktober 2011 zu sehen. Und der Blick lohnt sich allemal noch.<br />
Die Ausstellung zeigt die oft doch sehr dramatische Geschichte der Salier, die gut hundert Jahre lang als Könige und Kaiser die Geschicke des Reiches lenkten. Wenn auch zuweilen sehr am politischen Abgrund. Erinnert sei etwa an den Gang nach Canossa von Heinrich IV. Dieser bizarre Part des langwierigen Investiturstreits zwischen deutschen Monarchen und den Päpsten nimmt in Speyer aber nur einen kleinen Raum ein; immerhin gab es dazu 2006 eine eigene Ausstellung in Paderborn.<br />
Die Salierschau in Speyer nimmt sich hingegen mehrere Spezialthemen vor. Ausgewählt nach ihrer Bedeutung für die Epoche. Das Gute an der Idee: Sie wirkt einer oberflächlichen Massenabfertigung entgegen.<br />
Es geht natürlich auch um einzelne Salier; einen Schwerpunkt bildet aber das Trio Heinrich V. – dessen Krönung 1111 wird als Nachrichtenaufmacher im „heute journal“-Stil per Bildschirm präsentiert –, seine Frau Mathilde von England und dem Papst. Hinzu kommen Themenräume zum mittelalterlichen Skriptorium, der Entwicklung von Städten wie Speyer oder Basel, die Rekonstruktion der Burg Sulzbach oder die kirchliche Reformbewegung mit Fokus auf Cluny.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm466-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm466-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Rekonstruktion eines römischen Legionärs um 250 n. Chr. in der Dauerausstellung in Speyer. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ausgewählte Ausstellungsstücke werden optisch ansprechend präsentiert; die Fülle ist angemessen und nicht überbordend. Zuweilen haben es die Gestalter mit der düsteren Krypta-Atmosphäre etwas übertrieben. Grundsätzlich hat mir das Ausstellungsdesign aber gefallen Informative Videos und Audio-Kommentare an diversen Info-Säulen ergänzen das Angebot.<br />
Freilich sind Speyer und das Historische Museum auch über das Ausstellungsende hinaus lohnenswerte Ziele. Die Dauerausstellung kann mit einigen lebensnahen Rekonstruktionen aufwarten (Neandertaler, Kelten, römische Legionäre verschiedener Epochen). Auch die römische Lebenswelt der hiesigen Provinz ist gut mit diversen Szenen nachgebaut. Minuspunkt: die etwas mau ausstaffierte Mannschaftsstube. Riesig ist die Sonderschau zur Geschichte des Weinkelterns; auch die Neuzeit kann sich mit guten Kostümen und bürgerlichen Alltagsgegenständen sehen lassen.</p>

	<h2>Zeitreise ins Jahr 1806</h2>

	<p>Der 14. Oktober 1806: Die für Deutschland und benachbarte Staaten so folgenschwere Doppelschlacht von Jena und Auerstadt hatten Napoleons Truppen gewonnen. Der französische Heerführer konnte sich für einige Jahre in Mitteldeutschland festsetzen.<br />
205 Jahre später wird am historischen Schauplatz bei Jena an diesen dramatischen Moment gedacht. Die Initiatoren von der Arbeitsgemeinschaft „Jena 1806“ erwarten gut 1.000 Darsteller zum großen Reenactment-Treffen. Eine Dimension, die geradezu internationalen Charakter hat – typisch für die Napoleonik-Szene.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm468-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm468-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Auftritt in Dorstadt 2011: André Hermann, als Gemeiner der sächsischen leichten Infanterie, engagiert sich beim Verein Jena 1806. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Vom 14. bis 16. Oktober 2011 wird der Schauplatz im Dreieck zwischen den Örtchen Cospeda, Closewitz und Lützeroda bei Jena zur Geschichtsbühne. Ein großes Biwak bauen die Akteure auf, die aus ganz Europa anreisen. Alltagskleidung des frühen 19. Jahrhunderts, Handwerk, Uniformen jeder Couleur – und aller Seiten – und Exerzitien werden präsentiert. Ein Höhepunkt ist die Gefechtsnachstellung am Samstag, 15. Oktober. Auf französischer Seite führt „Napoleon“ selbst die Truppen ins Feld.<br />
Den Verein „AG Jena 1806“ gibt es bereits seit 1987. Er befasst sich mit der Zeit zwischen 1789 und 1815. Neben der Militärgeschichte – und deren Präsentation in Form von Living History – bemüht sich die AG auch darum, das historische Schlachtfeld als Mahnmal zu erhalten. Und schließlich widmet sich der Verein auch der historischen Erforschung dieser für Europa so wichtigen Epoche. So kriegerisch diese auch war; heute steht Völkerverständigung weit oben auf der Kladde der Napoleonik-Gruppen.</p>

	<h2>Alte Musik vom neuen Label</h2>

	<p>Ein neues Label mit viel historischer Musik: Talanton Records wurde 2010 gegründet. Beheimatet ist das Label auf Schloss Goseck in Sachsen-Anhalt. Dort sitzt das schon seit Jahren renommierte Label Raumklang mit Sebastian Pank an der Spitze, der Talanton aus der Taufe hob. Pank engagierte sich auch beim Leipziger Ensemble Ioculatores. Aus deren Umfeld stammen wiederum wichtige Akteure für das erfolgreiche Festival für mittelalterliche Musik „montalbâne“. Das ist der Humus, aus dem Talanton erwachsen ist.<br />
Zwei Unterschiede zu Raumklang gibt es: Während Pank dort viele Produktionen steuert, haben die Musiker bei Talanton freie Hand. Es sind von ihnen vorproduzierte Programme, die Pank beim neuen Label vermarktet. Der Qualitätsanspruch bleibt aber auch hier in auf gewohnt hohem Level. Zweitens ist Raumklang auf historische Musik festgelegt; Talanton käme hingegen auch für Einspielungen mit Weltmusik oder Jazz in Frage.</p>

	<p>Die ersten Scheiben des neuen Labels zählen freilich zum Genre Alte Musik. Weshalb wir sie auch im Podcast vorstellen.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm467-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm467-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Neuerscheinungen mit historischer Musik beim neuen Label Talanton. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<h3>Ensemble Belladonna</h3>

	<p>Zu hören ist hier ein Live-Mitschnitt vom montalbâne in Freyburg 2006. Titel: „Chanterai d’aquestz Trobadors“ (sinngemäß: „Singen wir von diesen Trobadors“). Das Frauenensemble entführt nach Okzitanien, ins Land der Trobadors. Dort blühte im 12. und 13. Jahrhundert eine Liedkunst mit hochstilisierten Dichtungen und kunstvoll verschlungenen Melodien. Die vorliegende Aufnahme mit dem Ensemble Belladonna zeigt die verschiedenen Facetten der Trobadorkunst.</p>

	<h3><span class="caps">ALTA</span> <span class="caps">MUSICA</span> unter der Leitung von Rainer Böhm</h3>

	<p>„Amours me fait desirer“ (Liebeslieder des späten Mittelalters) ist dieses Album der international bekannten Gruppe betitelt.  Es ist eine strahlend schöne und prachtvolle Liedersammlung mit Stücken u. a. von Oswald von Wolkenstein, Guillaume de Machaut oder Francesco Landini. Das Album bietet starke Stimmen, perfekt gesetzte Instrumente und viel musikalische Abwechslung.</p>

	<h3>Ioculatores und Jörg Peukert</h3>

	<p>Es geht um das brandneue Album „Der erlauchte Fürst – Höfische Kultur zur Zeit des Naumburger Meisters“, das passend zur Ausstellung <a href="http://naumburgermeister.eu/index.php?id=ausstellung">Der Naumburger Meister</a> aufgenommen wurde (die Ausstellung ist noch bis 2. November 2011 zu sehen). Im Zentrum des Albumssteht der Hof des Thüringer Landgrafen Heinrich der Erlauchte, der aber der Mitte des 13. Jahrhunderts den Fürstentitel trug. Berühmt wurde er durch seine prächtige Hofhaltung und sein Auftreten als Mäzen, Dichter und Komponist.<br />
Die Talanton-Scheibe bietet einen herrlich arrangierten Querschnitt aus Liedern, Tänzen und Dichtung (souverän gesprochen von Jörg Peukert) rund um diesen Fürsten. Ioculatores bieten das ganze spektakuläre Instrumentarium auf, für das sich diese Gruppe seit langem ins Herz geschlossen habe. Zu schade, dass sich die Gruppe 2009 offiziell von ihrem Publikum verabschiedet hat.<br />
Leider, leider: Das vorliegende Album ist denn auch keine Neuaufnahme; sämtliche Stücke – von den mittelhochdeutschen deklamationen abgesehen – entstammen drei älteren Ioculatores-Alben, die seinerzeit bei Raumklang erschienen. Das sind das geniale Werk „ media vita in morte sumus“ (Mitten im Leben ist um uns der Tod) sowie die ebenso lebendigen „Lieder und Tänze des Mittelalters“ – beide Scheiben wir <a href="http://chronico.de/magazin/medien/hoerspiel-aus-historischer-musik-gezaubert/">ausführlich bei chronico präsentiert</a>. Sodann kommen einige Stücke aus dem <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/himmlische-klaenge-fuer-eine-heilige/">Album zum Elisabeth-Jahr 2007</a>, bei uns im Geschichtspodcast 15 vorgestellt.<br />
Ja, ich hätte mir mehr Neues gewünscht. Gleichwohl hat die Zusammenstellung durchaus auch für mich ihren Reiz. Und wer Ioculatores noch nicht kennt, wird sich mit „Der erlauchte Fürst“ eine fantastische neue Hörwelt erschließen, voller farbiger Inszenierungen mittelalterlicher Musik und Dichtung. Mit dabei: Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Konrad von Würzburg, Thibaut de Champagne und viele mehr. Das „Saltarello Nabugodonosor“ nach Rumslant von Sachsen spielen wir im Podcast auch kurz als Leckerbissen an.</p>

	<p>Bei iTunes ist Talanton derzeit nicht vertreten. Das noch als Nachtrag zu einer Frage, die wir in der Sendung aufgeworfen haben.</p>

	<h2>Das neue chronico</h2>

	<p>Natürlich stellen wir den Podcast-Hörern auch das neue Geschichtsmagazin chronico vor; besser gesagt: den jüngst erfolgten Relaunch. Mit neuen Funktionen, der neuen FotoStory, dem aufgeräumten Archiv, unseren Themen und einer übersichtlicheren Menüstruktur.<br />
Aber das kennen viele unserer Leser ja; weshalb ich mir an dieser Stelle eine längere Erläuterung spare und schlicht auf unseren <a href="http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/">Artikel zum Relaunch</a> verweise.</p>]]></content:encoded>
				<wfw:commentRss>http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/napoleonik-treffen-in-thueringen/#comments</wfw:commentRss>
							</item>
					<item>
				<title>Inkaspuren in Peru: Besuch in Tawantinsuyu</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/fotostory/besuch-in-tawantinsuyu/</link>
				<comments>http://chronico.de/magazin/fotostory/besuch-in-tawantinsuyu/#comments</comments>
				<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 22:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Michael Schwarzenberger</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/fotostory/besuch-in-tawantinsuyu/</guid>
				<description>Von der Wiege des Inkagoldes zum schönsten Berg der Welt – während einer 22-tägigen Trekkingtour begegneten wir in Peru oft den Spuren der Inka. Eine Hommage zum 100. Jahrestag der Wiederentdeckung Machu Picchus durch Hiram Bingham.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Von der Wiege des Inkagoldes zum schönsten Berg der Welt – während einer 22-tägigen Trekkingtour begegneten wir in Peru oft den Spuren der Inka. Eine Hommage zum 100. Jahrestag der Wiederentdeckung Machu Picchus durch Hiram Bingham.]]></content:encoded>
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							</item>
					<item>
				<title>Relaunch: chronico kommt im neuen Design</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/</link>
				<comments>http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/#comments</comments>
				<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 19:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/</guid>
				<description>Das neue Geschichtsmagazin chronico ist da. Ein Jahr Entwicklung liegt hinter den Herausgebern Marcel Schwarzenberger und David Maciejewski. Bessere Übersicht, schnelleres Recherchieren, neue Funktionen. Was bleibt? Freier Zugang für Sie!</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das neue Geschichtsmagazin chronico ist da. Ein Jahr Entwicklung liegt hinter den Herausgebern Marcel Schwarzenberger und David Maciejewski. Bessere Übersicht, schnelleres Recherchieren, neue Funktionen. Was bleibt? Freier Zugang für Sie!

	<h2>Gute Gründe für viel Arbeit</h2>

	<p>Es mag sein, dass eine regelmäßige Sanierung eines Webmagazins zum guten Ton gehört. Als Grund für monatelange Entwicklerarbeit reichte uns das allein nicht aus. David und ich hatten zunächst einmal Lust auf eine ganz neue Version von chronico. Nach fünf Jahren wurde es einfach Zeit, fanden wir. Aber auch das ist nur eine Seite der Medaille.</p>

	<p>Ja, es gab viel Anerkennung für den Magazinauftritt, den wir 2006 ins Netz brachten. Den Lesern war klar, hier geht es um Geschichte. Oder genauer gesagt: Um die Inszenierung historischer Lebenswelten. Living History, museale Veranstaltungen, einschlägige Literatur und Filmkultur standen seit damals im Fokus unserer Redaktionsarbeit (und tun es freilich immer noch). Und dennoch …</p>

	<p>Wir hatten einen alten Claim: „Antike, Mittelalter und Renaissance“. Aufmerksamen Lesern ist kaum entgangen, dass dies schon lange nicht mehr stimmt. Nicht mehr stimmen kann, denn warum sollten wir so interessante Bereiche wie Reformationszeit, Barock, Napoleonik und viele andere mehr ausblenden? Natürlich haben wir den einst abgesteckten Rahmen längst gesprengt. Von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert hinein reicht unser Themenspektrum. Der unzureichende Claim ist weg, geblieben ist „Geschichtsmagazin chronico“. Optisch ist dies durch unser neues Logo erkennbar.</p>

	<p>Die Geschichtskultur bleibt Leitfaden für unser journalistisches Angebot im Magazin. Unter „Geschichtskultur“ verstehen wir die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Geschichte in unserer Gesellschaft. Und das schöne Feld der Living History ist weiterhin unsere Spezialität. Es geht um Projekte von Geschichtsdarstellern, einschlägige Veranstaltungen, aktuelle Diskussionen – und Publikumsarbeit.</p>

	<h2>Internet? Aber richtig!</h2>

	<p>Wir sind offener für neue Themen. Genau so offen sollte auch der neue Webauftritt von chronico sein. Wir waren nicht mehr so recht zufrieden mit unserer vorigen Leserführung gewesen; das Menü war uns zu unübersichtlich, die Optik zuweilen nicht luftig genug. Kurz: David und ich entschlossen uns, chronico eine Runderneuerung zu verpassen. Mit einer eigenen Typografie, sorgfältig arrangierten Text- und Bildfeldern und einer aufgeräumten Struktur. Natürlich wird im Web nicht nur an einem Ort diskutiert; die Anbindung an die wichtigsten sozialen Netzwerke ist uns deshalb sehr wichtig.</p>

	<p>Wir erzählen Geschichten. Dafür wollen wir auch konsequent die Wege beschreiten, die das Internet heute bietet. Warum also Bilder klein publizieren, wenn man sie auch groß anbieten kann? Warum eine kleine Schrift wählen, wenn man großzügig gestalten kann? Im Gegensatz zu Print gibt es im Web kein Platzproblem (abgesehen von kleinen Bildschirmen mobiler Endgeräte). Unkenrufe, dass niemand scrollen mag, um Informationen abzurufen, sind Schnee von gestern. Wir erzählen Geschichten mit den Mitteln, die das Web bietet. Ohne Klickschinderei.</p>

	<p>Das Ergebnis sind, wie wir hoffen, übersichtliche Menüs und Artikel. Und wir haben ein völlig neues Element entwickelt: die FotoStory. Hier stehen Bilder im <span class="caps">XXL</span>-Format im Fokus; verbunden durch einen knappen Erzählstrang. Keine Klicks, nur Scrollen und Genießen. Eine neue Rubrikenaufteilung, neue Übersichten und ein völlig umgearbeitetes Archiv samt knapp gehaltenem Thesaurus vollenden die Modernisierung.</p>

	<p>Und schließlich ist das chronico, wie es im Juli 2011 online ging, ein ganz wichtiger Schritt zu einem weiteren Ziel: unserem neuen Geschichtsnetzwerk. Dessen Entwicklung steht ab sofort auf unserem Programm. Dort schaffen wir Raum für Geschichtsfans, die eigene Geschichten erzählen wollen. Lassen Sie sich überraschen …</p>

	<h2>chronico ist Teamarbeit</h2>

	<p>Artikel, Fotos, Podcast, FotoStory und Film – wir nutzen konsequent, was möglich ist. Dafür haben wir chronico gemacht. Und weil die Geschichtskultur ein faszinierendes Thema ist, die allein in Deutschland hunderttausende Fans jährlich in Museen, bei historischen Events, im Kino und TV oder zwischen Bücherseiten in ihren Bann zieht.</p>

	<p>An diesem verregneten Julitag heute haben wir die wichtigsten Hürden zum Relaunch hinter uns gebracht. Ein Journalist (meine Person) und ein Webentwickler (<a href="https://plus.google.com/102458928073783517690/posts">David Maciejewski</a>) haben gemeinsam Konzept und Struktur das Special-Interest-Magazin chronico vorangetrieben. Der gesamte Unterbau, einschließlich <span class="caps">CMS</span> sind in der eigenen Werkstatt entwickelt worden. Und wir hatten und haben gute Unterstützung bekommen: Der hannoversche Diplom-Dokumentar Daniel Schunk durchforstet akribisch das historische TV-Angebot der Fernsehsender; der Berliner <a href="https://plus.google.com/105538847262295910079/posts">Webentwickler Peter Klein</a> hat unter anderem dem Geschichtspodcast zu einem völlig neu gestalteten Player verholfen. Vielen Dank für technische Mitarbeit auch an <a href="http://radds.de/">Dennis Sterzenbach</a> und <a href="http://blog.hessendscher.de/">Stefan Walter</a>!</p>

	<p>Ein Dankeschön geht an dieser Stelle auch an unsere Gastautoren, die aus ihrer ganz speziellen – und fachlichen – Sicht für unsere Leser Geschichten erzählen und Rezensionen veröffentlichen. Wir freuen uns auch auf die Kommentare unserer Leser: zu den Artikeln, natürlich auch zum neuen Auftritt. Es mag Fragen und Anregungen, vielleicht auch wichtige Hinweise geben. So manche Lücke wird in nächster Zeit noch zu schließen sein. Schließlich braucht ein datenlastiges Magazin auch einen starken Partner bei der Servertechnik &#8211; unser Dank geht an unseren Sponsorpartner <a href="http://www.mittwald.de/">Mittwald</a>.</p>

	<p>Haben Sie viel Spaß im neuen chronico!</p>]]></content:encoded>
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				<title>Neandertaler-Film: Faust im Fellröckchen</title>
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				<pubDate>Sat, 16 Jul 2011 12:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Wulf Hein</dc:creator>
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				<description>Erneut hat sich das Kino der „Steinzeit“ angenommen, wieder ist das Projekt nicht ganz gelungen. Mit dem Epos „Ao – der letzte Neandertaler“ will der französische Naturfilmer Jacques Malaterre das Leben in der Steinzeit einfangen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Erneut hat sich das Kino der „Steinzeit“ angenommen, wieder ist das Projekt nicht ganz gelungen. Mit dem Epos „Ao – der letzte Neandertaler“ will der französische Naturfilmer Jacques Malaterre das Leben in der Steinzeit einfangen.

	<h2>Drama in der Steinzeit</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm131-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm131-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="276" /></a>
<figcaption>Filmplakat zu Ao – der letzte Neandertaler <span class="copy">© Sunfilm Entertainment</span></figcaption></figure>


	<p>Der Plot ist schnell erzählt: Ao wird als Kind von seinem Zwillingsbruder Oa getrennt. Später, als Ao erwachsen ist, wird sein Stamm von modernen Menschen überfallen, die alle seine Angehörigen töten, auch seine Frau und sein neugeborenes Kind. Ao macht sich auf die Suche nach seinem Bruder und trifft dabei auf die Horde Homo sapiens, die schon wieder auf Menschenjagd ist. Er entkommt, und mit ihm die junge hochschwangere Cro-Magnon-Frau Aki. Die beiden tun sich trotz großer gegenseitiger Ablehnung zusammen und erleben manches Abenteuer. Schließlich kehren beide an den Ort von Aos Kindheit zurück und müssen feststellen, dass Ao der letzte Überlebende seiner Art ist.</p>

	<p>Der ambitionierte und bildgewaltige Streifen überzeugt jedoch weder beim ersten noch beim zweiten Hinschauen. Schon wenn es um Kleidung, Mimik und Bewegungen der Protagonisten geht, verfällt auch dieser renommierte Regisseur in dieselben Klischees wie so viele andere vor ihm.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm104-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm104-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Jagdszene aus dem Film „Ao – der letzte Neandertaler“. <span class="copy">© Patrick Glaize-<span class="caps">UGC</span> YM / Sunfilm Entertainment</span></figcaption></figure>


	<p>Warum tragen seine Neandertaler in der eiszeitlichen Kälte Fellröckchen, Moonboots und Pulswärmer, bleiben aber ansonsten fast unbekleidet oder mit Fellfetzen behängt? Wer in solche Flattergewänder gehüllt auf die Jagd ginge, würde schon beim ersten Spurt unweigerlich über einen Zipfel stolpern und mit der großen Nase durch den Schnee pflügen, wenn er nicht vorher bereits erfroren ist. Ein Überleben unter subarktischen Bedingungen ist nur mit anliegender, wärmender Kleidung vorstellbar. Der Neandertaler war – auch trotz fehlender Nähnadeln – durchaus dazu in der Lage, eine solche zweckmäßige Kleidung anzufertigen.</p>

	<p>Die Reihe der wissenschaftlichen Fehler in diesem Film ließe sich endlos fortsetzen, trotz angeblicher akademischer Beratung: Eisbären in Südeuropa, Knochenflöten beim Neandertaler, Ritualmorde nach Maya-Art, Menschenjagden …</p>

	<h2>Unrealistische Handlungen</h2>

	<p>Die Handlungsstränge wirken sehr bemüht und zum großen Teil recht unrealistisch. Und der Film wird dann völlig unglaubwürdig, wenn die ungepflegten, grunzenden Primitivlinge hochphilosophische Gedankengänge äußern, wenn auch nur über die Sprecher im Off.</p>

	<p>Streckenweise wirkt der Streifen wie ein Stummfilm aus den Anfängen des Kintopps, nur in Farbe und noch viel plakativer. Fast unerträglich die misanthropische Polarisierung: Auf der einen Seite steht Ao, Pazifist und Heiliger, der mit den Tieren spricht; eine Mischung aus Franz von Assisi und Goethes Faust, mit einem Totenschädel in der Hand über den Sinn des Lebens grübelnd. Auf der anderen Seite der Homo sapiens sapiens, blutrünstig, grausam, gierig, der nichts als Töten im Sinn hat und Neandertaler mordet wie einst Indianer im Wilden Westen.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm102-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm102-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Im Kino stimmt das Neandertaler-Bild noch nicht; eher schon im Museum der Pfalz Speyer: Rekonstruktion von Marcel Nyffenegger und Beat Künzler. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Natürlich weiß niemand, wie das Verhältnis beider Menschenarten zueinander wirklich war, aber diese platte Schwarz-Weiß-Malerei ist absolut undifferenziert und sagt wesentlich mehr über das seelische Befinden und die Ansichten des Produzenten aus als über die Urgeschichte und ihre Protagonisten. „Ich bin eins mit der Natur!“ kann nur jemand sagen, der eben nicht eins mit der Natur ist, sondern sein Dasein reflektiert.</p>

	<h2>Engagierte Darsteller</h2>

	<p>Dennoch fällt es mir trotz aller genannten Defizite schwer, den Film völlig zu verreißen, denn ich kenne aus meiner eigenen Tätigkeit Dreharbeiten zu prähistorischen Themen nur zu gut, um vor den Darstellern nicht den Hut zu ziehen.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm105-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm105-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="352" /></a>
<figcaption>Zwei Neandertaler auf der Jagd. <span class="copy">© Zeichnung: Wulf Hein</span></figcaption></figure>


	<p>In den Filmspecials wird eine Szene am Set gezeigt, in der man den ganzen Stolz der Schauspieler über ihre Leistung erkennen kann, und das ist authentisch und gerechtfertigt, hilft aber nicht über den faden Gesamteindruck hinweg. Verglichen mit Roland Emmerichs Säbelzahnschmonzette „10.000 B.C.“, der mit dem Paläolithikum so wenig zu tun hat wie Fische mit Radfahren, ist der Film aber noch ganz ansehnlich. Andere Werke wie Jean-Jacques Annauds „Am Anfang war das Feuer“ sind unter Prähistorikern auch ziemlich umstritten, kommen aber längst nicht so pathetisch und moralisierend daher.</p>

	<p>Kurzum: Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ein wissenschaftlich einigermaßen korrekter, spannender und unterhaltsamer Steinzeitfilm gedreht wird. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt … aus?</p>]]></content:encoded>
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				<title>Villa Borg: Messe in römischer Villa</title>
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				<pubDate>Sat, 28 May 2011 21:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Das Saarland war einst tiefste römische Provinz. Die Villa Borg und die Internationale Reenactmentmesse IRM, mit ihrem Fokus auf römische Antike, passen schon aus diesem Grund hervorragend zusammen. Und wir besuchen ein berühmtes Mosaik.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das Saarland war einst tiefste römische Provinz. Die Villa Borg und die Internationale Reenactmentmesse IRM, mit ihrem Fokus auf römische Antike, passen schon aus diesem Grund hervorragend zusammen. Und wir besuchen ein berühmtes Mosaik.]]></content:encoded>
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				<title>Varusjahr 2009: Inszenierung einer Schlacht</title>
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				<pubDate>Sat, 28 May 2011 16:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>2000 Jahre Varusschlacht: Für hunderte Darsteller war dieser Jahrestag ein Riesenereignis im Archäologiepark Kalkriese. chronico hat den Event begleitet und war auch bei den Vorbereitungen der Germandendarsteller dabei. Eine Bildreise.</description>
				<content:encoded><![CDATA[2000 Jahre Varusschlacht: Für hunderte Darsteller war dieser Jahrestag ein Riesenereignis im Archäologiepark Kalkriese. chronico hat den Event begleitet und war auch bei den Vorbereitungen der Germandendarsteller dabei. Eine Bildreise.]]></content:encoded>
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				<title>Dorstadt 2011: Jahrtausende für ein Rittergut</title>
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				<pubDate>Sat, 07 May 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>2009 gewann Living History hierzulande neue Facetten: In Kalkriese, Minden, Soest oder Dorstadt zogen Reenactors die Fäden, um regionale Geschichte in Szene zu setzen. „Tempus – Zeit erleben“ geht in die zweite Runde.</description>
				<content:encoded><![CDATA[2009 gewann Living History hierzulande neue Facetten: In Kalkriese, Minden, Soest oder Dorstadt zogen Reenactors die Fäden, um regionale Geschichte in Szene zu setzen. „Tempus – Zeit erleben“ geht in die zweite Runde.

	<h2>Was 2011 zu erwarten ist</h2>

	<p>Wenige Wochen noch, dann erlebt das alte Rittergut Dorstadt im Wolfenbütteler Land (Niedersachsen) seine zweite „Tempus“-Völkerwanderung: Vom 2. bis 5. Juni 2011 ist die Multiperiod-Veranstaltung die Bühne für rund 800 Akteure der europäischen Living-History-Szene. Nach dem Auftakt 2009 also kommt nun der zweite Aufschlag für das Team um Cheforganisator Claus Meiritz und den Gutsherrn Konstantin von Löbbecke. Für viele Teilnehmer wird es ein Wiedersehen in der idyllischen Anlage, die selbst Spuren aus verschiedenen Epochen birgt. Aber auch neue Gesichter und neue Ansätze wird es geben.</p>

	<h3>Öffentlichkeit mit Einschränkung</h3>

	<p>Manche Änderung betrifft auch die Akteure selbst. Und die haben mit dem Grundtenor der Veranstaltung zu tun: Eine möglichst gute Sicht auf historische Zusammenhänge soll dem Besucher geboten werden. Wer kein Akteur ist, kommt in Kleidung des 21. Jahrhunderts. Zudem sollen die Zeitinseln – in denen höchst unterschiedliche Epochen gespiegelt werden – diesmal noch besser voneinander zu unterscheiden sein. Die Organisatoren wollen die Ausschilderung verbessern, die Darsteller sollen während der Öffnungszeiten möglichst an ihren Zeitinseln bleiben. Eine Ansage, die während der Vorbereitung durchaus auch für Verwirrung sorgte. So weitläufig das Gelände auch ist; Begegnungen von Vertretern unterschiedlicher Zeiten sind wohl kaum ganz auszuschließen. Immerhin boten solche Zusammentreffen im Jahr 2009 durchaus reizvolle Anblicke. Doch Meiritz und seinem Team kommt es auf Klarheit an. Das Publikum soll wissen, was es in welchem Areal zu erwarten hat.</p>

	<p>Nun ist es aber so, dass derartige Treffen auch die Neugier der Aktiven aufeinander wecken. Über Entwicklungen wird da zu reden sein, über Erfahrungen oder es geht schlicht um das Auffrischen von Bekanntschaften. Auch das wird bedacht, weshalb „Tempus“ nicht durchgehend für Besucher offensteht (siehe Kasten). Der Donnerstag, Sonnabend und Sonntag gehören dem Publikum. Freitag, 3. Juni, ist aber ein interner Tag ohne Öffentlichkeit. Als Fachmesse, wo die Durchmischung und das Netzwerken zum Programm gehört. Bleibt zu hoffen, dass das von den Besuchern auch vorab so eingeplant wird.</p>

	<h3>Wanderwege durch die Zeit</h3>

	<p>Drei große Themenbereiche teilen das Rittergut in Flächen für „Ur- und Frühgeschichte“ (inklusive Antike), „Mittelalter“ und „Neuzeit“. Eine Vereinfachung, die zunächst nur der Grundorientierung dient. Für die feinen Verästelungen in die einzelnen Zeitinseln dient eine besondere Form der Besucherführung: das Konzept der „ZeitWanderwege“. </p>

	<p>Zum Beispiel das Mittelalter. Wie für die übrigen Zeitinseln, gibt es auch hier Koordinatoren, die die Präsentation und die Auftritte der einzelnen Gruppen vorbereitet. Zwei gewichtige Themen haben sie ausgearbeitet. Nummer eins widmet sich „Aufstieg und Niedergang des Adels“ und bietet einen Überblick über die Art und Weise, wie sich die Kriegerelite vom 11. bis zum 15. Jahrhundert entwickelte.</p>

	<p>Das zweite Thema „Stadtfreiheit und Fürstenmacht“ umreißt die Umbrüche, die das späte Mittelalter erlebte – als die Bürger in ihren Städten selbstbewusster wurden. „Diese Themen werden von landesgeschichtlichen Aspekten durchdrungen“, sagt der Zeitinselkoordinator Rainer Kasties. Der Historiker und seine Mitstreiter haben dafür in der niedersächsischen Geschichte recherchiert, um für Besucher nachvollziehbare Bezüge zwischen den Gruppenauftritten und der ganz lokalen Vergangenheit herzustellen. Etwa, wenn es um das wechselhafte Verhältnis der Städter und den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg geht.</p>

	<p>Da werden der Lüneburger Erbfolgekrieg (1371-88) und die Zeit der großen Fehden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts thematisiert. Allein die rund 100 Handwerker und Händler des Verbundes <a href="http://www.tohopesate.de">Vruntlike Tohopesate</a> werden ihre Insel zu einer regelrechten „Stadt des Mittelalters“ machen. </p>

	<h3>Feine Verästelungen in der Zeit</h3>

	<p>Der Schleifischer <a href="http://www.historischerfischer.de">Jörg Nadler</a>, der Archäotechniker <a href="http://www.archaeo-technik.de">Wulf Hein</a> und <a href="http://archaeoforum.de">Steve Lenz</a> dürften die mit Abstand „ältesten“ Vertreter eine vergangenen Ära sein: Ihr Bereich wird das weite Feld der Steinzeit sein. Neu ist diesmal, dass auch die Bronzezeit vertreten ist. Weiter geht es über antike Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen (Stichwort: „Die Römer am Harz“) bis ins Mittelalter hinein.</p>

	<p>Gruppen, die sich um Reformation und Dreißigjährigen Krieg kümmern, schlagen die Brücke zur Neuzeit. Die wird diesmal mit einem besonderen Leckerbissen bestückt. Die Insel „Residenzstadt Wolfenbüttel – Höfische Jagdkultur im Zeitalter der Aufklärung“ wird mit ihren über 30 Teilnehmern einen angenehm zivilen Gegenpol zu den oft militärischen Auftritten in anderen Inseln liefern.</p>

	<p>Der Koordinator der „Jagdkultur“ Udo Brühe ist ein Spezialist für das 18. Jahrhundert. Vor zwei Jahren organisierte er das Living-History-Event „Schlacht bei Minden 1759“ mit. Inzwischen ist Brühe auch Herausgeber des neuen Printmagazins <a href="http://afaktor.de"><span class="caps">AFAKTOR</span></a> (gemeinsam mit Thorsten Piepenbrink). Der Fokus in der Zeitinsel soll auf dem höfisch-zeremoniellen Aspekt der Jagd liegen, auch das Jagdhandwerk der Zeit um 1750 soll vorgestellt werden – freilich mit den passenden Gerätschaften und Ausrüstungen sowie Kleidern.</p>

	<p>Kaum Tische, Displays oder gar Vitrinen – alles Vorzeigbare wird von den Akteuren genutzt oder getragen. Eine Präsentationsform, die sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch über die anderen Zeitinseln erstrecken wird. Es wird gearbeitet, musiziert, exerziert oder gekocht. Für die Besucher können sich die Dinge auf diese Weise ohnehin auf praktische Weise schließen. Die Akteure setzen vor allem auf Rekonstruktionen, und selten auf Erläuterungstafeln. Dorstadt ist eben keine Vitrinenschau wie in einem Museum. Wer etwas genauer wissen will, muss fragen. Und genau die Interaktivität macht auch den Reiz solcher Events aus. Der Reigen der Epochen wird sodann von der Napoleonischen Ära, der Gründerzeit und der „Stunde Null“, also der Nachkriegszeit, beschlossen.</p>

	<h3>Wenn Darsteller die Fäden ziehen</h3>

	<p>Es gibt hierzulande wohl kaum eine Region, die nicht irgendwann aus ihrer eigenen Geschichte etwas Prunkvolles zu machen versuchte. Vergangenheit, die meist in karnevaleske oder theatralische Spektakel fließt, in Stadtfeste und Marketingkampagnen. Was durchaus in bunten, schönen Programmen münden kann.</p>

	<p>Aber funktionieren auch Konzepte, bei denen weniger Folklore und Kommerz bestimmend sind, dafür Geschichte mehr Gewicht bekommt? Sprich: Wie viel Kraft entwickelt Living History, um historische Orte zu bespielen und ein größeres Publikum zu begeistern? Wenn die Akteure selbst die Fäden ziehen und nicht Museen, Touristikverbände oder Kommunen?</p>

	<p>Den Bürgern von Minden in Nordrhein-Westfalen ging es in dieser Frage nicht anders. 2009 beschloss man dort, eines der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges neu zu inszenieren – die <a href="http://www.schlacht-bei-minden.com/index.php">Schlacht bei Minden von 1759</a>. Der 250. Jahrestag bot sich geradezu für einen klassischen Mix aus Märkten, Feuershows und Budenzauber an. Es kam anders: Das Stadtmarketing holte für einen gewichtigen Teil des Jahrestagsprogramms zahlreiche Reenactors zusammen, koordiniert von Udo Brühe vom „Freundeskreis Lebendige Geschichte“ (<span class="caps">FLG</span>). Das Mindener Stadtmarketing verkauft die Veranstaltung noch immer als großen Erfolg.</p>

	<p>Überhaupt erreichte diese Entwicklung 2009 eine ganz neue Dimension: Der 2000. Jahrestag der Varusschlacht wurde in Kalkriese mit einem großartigen Reenactment gewürdigt – bei dem wiederum Akteure aus der Living-History-Szene die konzeptionelle Verantwortung übernahmen. Ebenso bei der <a href="http://chronico.de/erleben/menschenorte/0000517/">Soester Fehde</a> im gleichen Jahr, wo Dietrich Pott mit dem „Reichsaufgebot“ zentrale Teile der Veranstaltung koordinierte. Das Stadtmarketing war begeistert; in diesem Jahr gibt es in Soest eine weitere Veranstaltung – allerdings diesmal mehr mit eigenen Kräften.</p>

	<p>Gute Living History und regionale Geschichte miteinander zu verbinden – das ist gewissermaßen ein Roter Faden bei Claus Meiritz, der seit vielen Jahren in der Szene unterwegs ist. 2005 sammelte er erstmals einige hundert Darsteller, um mittelalterliches Leben zu präsentieren. In Norddeutschland, dessen Veranstaltungskalender eher von klassischen Mittelaltermärkten geprägt war, stellte „Kaiserpfalz Werla – Leben vor 1000 Jahren“ ein Novum dar. Schon 2006 folgte in Kooperation mit der Stadt Goslar das „Abenteuer Mittelalter“, bei dem der Teilnehmerkreis noch einmal erweitert wurde. Das Netzwerk aus Organisatoren und Akteuren wuchs; Meiritz knüpfte schließlich Kontakte zum Dorstädter Gutsbesitzer Konstantin von Löbbecke. „Tempus – Zeit erleben“ war geboren. Auch das war 2009.</p>

	<p>Meiritz und von Löbbecke hoben die Tempus gemeinnützige GmbH aus der Taufe. Aus dem Stand heraus entwickelte die Multiperiod-Veranstaltung eine gewaltige Sogwirkung in der Darstellerszene; über 700 Akteure kamen zur ersten Auflage. Die Organisatoren nahmen eine sechsstellige Summe in die Hand. Die Besucherzahl blieb indes mit nicht ganz 10.000 Menschen etwas unter der erhofften Größenordnung.</p>

	<p>Gleichwohl legten es die Initiatoren auf Beständigkeit an. Im Grunde begann für Meiritz das Organisieren der Neuauflage schon kurz nach Dorstadt 2009. Er band die regionale Touristik ein; Tempus fand zudem in der Curt Mast Jägermeister Stiftung einen Finanzier auf Jahre hinaus. Nach der Ausgabe 2011 fördert die Stiftung auch 2013 und 2015 weitere Veranstaltungen. Für ein Projekt wie „Tempus – Zeit erleben“ ist eine derart gute Aussicht Gold wert. Es kann sich in Ruhe entwickeln. Welchen Reiz ein solches Event entwickeln kann, hat die Erstauflage bereits deutlich gezeigt.</p>

	<h2>Dorstadt 2009 – eine Rückschau</h2>

	<p>Im Zentrum des Geschehens standen damals regionale Gruppen, die als <a href="http://www.braunschweiger-feldkorps.de">Herzoglich Braunschweigisches Feldkorps</a> (<span class="caps">HBF</span>)und <a href="http://www.leibbataillon.de/">Braunschweigisches Leibbataillon von 1815</a> jene Truppen zu rekonstruieren versuchen, die gegen Napoleon zu Felde zogen. Auf dieser Basis entwickelte sich ein ganz lokaler Bezug zur Umgebung Dorstadts. Weitere Napoleoniker zogen mit und gestalteten mit Reenactment-Elementen eines der Herzstücke von Tempus 2009.</p>

	<p>Ich traf damals auf meinem Rundgang Albert Rauhe, den zweiten Vorsitzenden vom <span class="caps">HBF</span>. Aus dem Stegreif trug er mir die Geschichte des Feldkorps vor. „Mich fasziniert diese Militärgeschichte“, sagte er. Die Darstellergruppe des <span class="caps">HBF</span> gibt es seit 1991. Wenig später am Weinstand <a href="http://cavpona-vrsi.cms4people.de/index.html">Caupona Ursi</a> von Jürgen Koitek und Jens Jungebloed: Mit ihren Uniformen der <a href="http://www.kingsgermanlegion.info/">Kings German Legion</a> – ebenfalls die Zeit der napoleonischen Kriege – wirkten Jochen Röttger und Lars Walther im römisch-germanischen Lager wie Exoten. Ein prachtvoller Widerspruch, der zum Fragen und Nachbohren regelrecht einlud. Das Ambiente lobten beide Darsteller in höchsten Tönen.</p>

	<p>Tatsächlich bot das Rittergut mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten sowie den Teichen und Weiden einen Standort, der wie geschaffen für „Tempus“ ist. Jede Zeitinsel hatte ihre Nische. Sie bot auch Germanendarstellern wie Marco Grün genügend Raum, um die Ausrüstung weitab von anderen Akteuren den Fotografen zu präsentieren. Seine Ausstattung passte zur germanischen Miliz aus dem Kölner Raum. Auch die Replik eines Helms aus dem Gallischen, der aus der Zeitenwende stammte, gehörte dazu. Gemeinsam mit „Germanen“ wie Werner Pollak (<a href="http://www.germanorum.de">Cohors I Germanorum</a>) und Ulrike Hindersmann (<a href="http://www.chasuari.de">IG Chasuari</a>) war Grün wenige Wochen später auch in Kalkriese dabei.</p>

	<p>Die Geschichte Münchbergs im Dreißigjährigen Krieg hat es Thomas Hegenberger angetan. „Vor elf Jahren haben wir dann den Verein gegründet“, sagte der Vorsitzende vom <a href="http://www.tsv-mechtshausen.de">Hortus Bellicus</a>. Gemeinsam mit <a href="http://www.horns-leibregiment.de">Horns Grünes Leibregiment</a> sorgten die Landsknechte auf ihrem Stück Hof vor dem Gutshaus für eine prächtige Kulisse aus Uniformen, flatternden Fahnen und viel Getöse – die Akteure hatten Haubitzen dabei. Auch an der Veste Coburg präsentierte der Verein immer mal wieder Militärtechnik des 17. Jahrhunderts. Dorstadt war für Vereinsmitglied Peter Engerisser eine perfekte Gelegenheit, mal in andere Epochen zu schnuppern. „Überhaupt gewinnt das Konzept Zeitstrahl an Popularität“, meinte er.</p>

	<h3>Von Steinzeit bis 1945</h3>

	<p>Den Zeitreigen führte auch 2009 die Steinzeit-Insel an, mit Wulf Hein und Steve Lenz besetzt. Lenz zeigte sich in selbstgefertigter Bekleidung als Rentierjäger, wie er vor gut 17.000 Jahren ausgesehen haben könnte. Wer für wen das exotischere Bild abgab, war freilich eine Frage der Perspektive. Während Römer oder auch Mittelaltergruppen wie das <a href="http://www.ffc1066.de">Franco-flämische Kontingent</a> oder eben das Bündnis „Vruntlike Tohopesate“ dem Besucher vielerorts begegnen, sind Darsteller für die 1940er Jahre eher selten hierzulande. Erst langsam setzt sich in der deutschen Szenelandschaft die Erkenntnis durch, dass auch Weltkriege und Nachkriegszeit ein Thema für ernste, sachliche und gut gemachte Living History sein können – fernab von Kriegsgeschrei und Gewaltverherrlichung. In Dorstadt, wie auch in 2011, waren bei der ersten Auflage etliche Akteure bei der Ausgestaltung der Zeitinsel „Stunde Null – die Besatzungszeit“ dabei.</p>

	<p>Udo Kuhlmann von der <span class="caps">BAAR</span> (Brotherhood of Airborne and Army Reenactors) zum Beispiel. „Ich habe die Uniform der 502. Airborne an“, erläuterte er. Mit Helm und Waffe saß er an einer Mauer und beobachtete das Reenactment der Napoleoniker auf der großen Weide. Darsteller russischer und amerikanischer Einheiten vervollständigten das Bild. Mittendrin auch Dietrich Pott, der in Dorstadt mal nicht im Spätmittelalter mitmischte. Er inszenierte eine Spielszene, in der er selbst als Schwarzhändler mit authentischen Waren auftrat. „Heimkehrer“ und „Militärpolizisten“ agierten in einer typischen Szene, wie sie in den Monaten nach Kriegsende wohl typisch gewesen sein mag.</p>

	<p>Kann man Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich heute guten Gewissens nachstellen? „Ja, mit den richtigen Leuten und auf seriöse Weise“, sagte Mike Grünwald, einer der „Heimkehrer“. Aber er schränkte auch ein: „Uns geht es dabei nicht um Nachstellung von Gefechten.“ Krieg sei nicht wirklich darstellbar, sagte Volker Griesser, einer der „Militärpolizisten“. Aber Szenen aus der Besatzungszeit, wie etwa das Thema Schwarzmarkt, ließen sich durchaus präsentieren. „Aber das muss in den richtigen Kontext gestellt werden.“ Wiederum also geht es dann um Kommentierung von Aktionen und das Eingehen auf Fragen der Besucher. In Dorstadt gab es auch ältere Besucher, die die Besatzungszeit selbst erlebt hatten. „Die haben das, was wir hier tun, durchweg positiv gesehen“, berichtete Dietrich Pott. </p>]]></content:encoded>
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							</item>
					<item>
				<title>IRM 2011: Messe entwickelt Charme</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/messe-entwickelt-charme/</link>
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				<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 01:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Der Auftakt der Internationalen Reenactmentmesse in der Villa Borg kann getrost als gelungen bezeichnet werden. Er macht neugierig, wie sich die Dinge wohl weiter entwickeln werden. Ein Hausbesuch im Saarland.
</description>
				<content:encoded><![CDATA[Der Auftakt der Internationalen Reenactmentmesse in der Villa Borg kann getrost als gelungen bezeichnet werden. Er macht neugierig, wie sich die Dinge wohl weiter entwickeln werden. Ein Hausbesuch im Saarland.


	<h2>Auftakt in römischer Villa</h2>

	<p>Schon am Eingang ahne ich: Dies wird nicht einfach ein Rundgang über ein Messegelände mit etwas über 30 Ausstellern, die alle irgendwie mit Geschichte und historischem Handwerk zu tun haben. Mit Menschen, die sich „Living History“ auf die Fahnen geschrieben haben.</p>

	<p>Mich erwartet die erste Auflage der Internationalen Reenactmentmesse (<span class="caps">IRM</span>) in der Villa-Borg, nahe der Grenze zwischen Saarland und Luxemburg. Das erste Aprilwochenende startet mit bestem Wetter. Und schon der prächtige Toreingang zum Archäologiepark – wie der große Rest der Villa eine Rekonstruktion der antiken Anlage – zwingt einem den Gedanken auf: Hier müssten doch Inhalt und Ambiente eine harmonische Verbindung eingehen.</p>

	<p>Im Torhaus begrüßen mich freundliche Museumsmitarbeiter. Man werde die Leiterin, Bettina Birkenhagen, sogleich informieren. Nein danke, merci – vorerst geht es mir um den eigenen Eindruck. Immerhin ist es ein Experiment, das Birkenhagen und Frank Wiesenberg da gestartet haben. Wiesenberg, Mitbegründer vom „Römischen Vicus“, musste das Team der Villa Borg von seiner Idee einer neuen Reenactmentmesse nicht lange überzeugen. Ohnehin setzt der Archäologiepark auch auf Living History, um seine rekonstruierten Räume zu beleben. Neu ist nun aber die Leistungsschau, bei der die „Römerei“ zwar ein Schwerpunkt, beileibe aber nicht das einzige Thema ist. Von der Steinzeit bis ins Frühmittelalter reichen die Angebote der Aussteller. Dieses Miteinander soll nun also aus dem Stand heraus unter einen Hut gebracht werden. Mit Option auf mehr, in kommenden Jahren. Es ist ein Testlauf.</p>

	<h2>Ein gastliches Zelt</h2>

	<p>Weit öffnet sich der Vorplatz zwischen Tor und Herrenhaus. Malerisch gruppieren sich die Gebäude um Ziergarten und Teich. Zelte stehen auf dem Platz. Im größten Zelt residiert eine Gruppe, wie man sie sich als Empfangskomitee für den frisch eingetretenen Besucher nur wünschen kann: die Arbeitsgemeinschaft Historisches Handwerk.</p>

	<p>Glasperlen sind das Metier von <a href="http://perlenreplikate.de/">Maria Baumann</a> ; Jürgen „Schorsch“ <a href="http://schorsch-der-schmied.de/">Graßler</a> ist Schmied, Sattlerarbeiten sind Sache von Oliver „Aulus“ <a href="http://aulus-ledermanufaktur.de">Aumüller</a>, Beinschnitzereien und Handmühlen die von <a href="http://archaeopedi.de">Florian Peteranderl</a> und <a href="http://www.die-fibelschmiede.de/">Christian Frey</a> fertigt Schmuck aus Bronze, Silber und Gold. Auch die Museumsleiterin des Römer- und Bajuwaren-Museums Kipfenberg, <a href="http://buntetuche.de">Juliane Schwartz</a>, gehört dazu – mit textilen Angeboten. In Kipfenberg haben sie sich kennengelernt.</p>

	<p>Sie befassen sich mit dem Ende der Völkerwanderungszeit und bajuwarischen Zeugnissen. Und weil man sich mit den unterschiedlichen Handwerkskünsten hervorragend ergänzt, lag die gemeinsame Anreise zur Villa Borg nahe. „Die Arbeitsgemeinschaft haben wir dann für diesen Anlass ins Leben gerufen“, berichtet Graßler. Jeder brachte seine besten Stücke mit. Oft Einzelanfertigungen, von den Käufern eigens für die <span class="caps">IRM</span> ausliehen. Rasch ist ein Tisch mit repräsentativen Stücken aufgebaut: eine Ledergarnitur nach Funden aus dem Reihengräberfeld in Altenerding (um 600), eine Glasperlenkette, wie sie in einem Grab von Straubing-Bajuwarenstraße gefunden wurde, ein reich verziertes Salzfässchen aus Horn (Eining/Altmühltal) und schließlich zur Zeit passende Klingen.</p>

	<p>Doch im Grunde sind die AG-Mitglieder so in ihrem Handwerk vertieft, dass sie auch Gegenstände aus anderen Zeiten nachbauen. „Da sind wir flexibel“, sagt Peteranderl. Man komme ja aus der Living History, und da seien gründliche Recherchen neunmal die Basis aller Dinge. Was auch auf viele Besucher zutrifft. Die Messe richtet sich auch an Darsteller, die konkrete Wünsche haben, sowie an Museumsvertreter. Und die kommen auch. „Wir haben ein sehr interessiertes Publikum“, sagt Frey.</p>

	<h2>Fachpublikum und knifflige Fragen</h2>

	<p>Interessiertes Publikum also. Das sieht auch jeder Aussteller so, den ich frage. Um Kontakte, um Austausch – sicher auch um den einen oder anderen Auftrag für die Aussteller – ging es den Organisatoren auch. „Ich habe hier sehr gute Gespräche gehabt“, meint Markus Gruner, ein Bronzegießer, der sich unter anderem bei den <a href="http://www.foederati.eu/">Foederati</a> engagiert. Für seinen Schmuck hätten sich auch andere Darsteller interessiert, berichtet er.</p>

	<p>„Die <span class="caps">IRM</span> ist exzellent besetzt“, findet Michael Kieweg (Eifelpfeil), der seinen Stand im malerisch ausgestalteten großen Saal mit historischen Bögen und Zubehör bestückt hat. Auch ein geflochtener Schild skythischer Machart, mit Rohhaut überzogen, ist dabei. Mittels Beschusstest hat er dessen Funktion geprüft. „Diese Schilde boten guten Schutz vor Pfeilen mit Bronzespitzen.“ Es sind solche praktischen Erfahrungen, mit denen Living History (wie auch Archäotechnik oder experimentelle Archäologie) das Wissen um historische Lebenswelten bereichern kann.</p>

	<p>Unter den Besuchern seien erfreulich viele Leute, „die Ahnung haben“, sagt Kieweg. Und die auch seine Leidenschaft für knifflige Aufgaben teilen. Für die Rekonstruktionsversuche böotischer Bögen etwa. „Es gibt keine Fundbelege dafür.“ Kieweg legt Wert auf den Hinweis, dass seine Bögen vor allem Versuche sind, dem Original möglichst nahe zu kommen. Er hat Abbildungen und Materialbeschreibungen genutzt. Zudem kann er auf seine Erfahrungen als Bogenbauer und traditioneller Bogenschütze setzen. „Das ist handgreifliche Geschichte“, schwärmt Kieweg. Warum sehen die Bögen auf Abbildungen so aus? Wie funktionieren sie? Das sind Fragen, denen er nachgeht.</p>

	<h2>Viele Wege zur Ausrüstung</h2>

	<p>Für einen tiefen Blick in die römische Welt sorgt unter anderem Christian Koepfer. Der Augsburger Historiker steckt selber mittendrin in Rekonstruktionsprojekten, etwa mit den „Uni-Legionären“ der <a href="http://ckoepfer.de/">Legio <span class="caps">XIII</span> Gemina</a>. In der Villa Borg betreut er den Stand der Firma Historical Reproductions (<span class="caps">GDFB</span>), deren Zentrale in Indien ist. Dort lässt sie auch produzieren; kostengünstiger als in Europa.</p>

	<p>Kosten für Material und Herstellung – auch das ist ein Thema, mit dem sich Darsteller auseinandersetzen müssen. Ein voll ausgerüsteter Legionär kann mit allem Drum und Dran gut den Gegenwert eines Kleinwagens am Leibe tragen. „Viele Dinge müssen einfach auch bezahlbar sein“, findet Koepfer. Allerdings sollten Form und Anmutung von Legionärshelmen oder Gladiatorenausrüstungen dennoch stimmen. Koepfer gibt der Firma die Muster vor und greift dabei auf antike Vorlagen zurück. Auf den Augsburger Helm, Typ Weisenau, zum Beispiel. Was diesem Fund an Bestandteilen fehlt, ergänzt Koepfer durch Vergleiche mit anderen Helmfunden. Nietenform, Ohrenschutz – all das fügt sich zu einem Ganzen, das Koepfer „als eine mögliche Nachbildung“ bezeichnet. Nach seinen Vorgaben wird in Indien gefertigt.</p>

	<p>Einen anderen Weg beschreiten Ira und Erik König, die sich vor Jahren mit Aurificina Treverica selbständig machten. Sie sind antiken Herstellungstechniken auf der Spur. So authentisch wie nur möglich sind Schmuck, Waffen und Alltagsgegenstände, die sie selbst fertigen. „Aber die Stücke erzählen auch eine Geschichte“, sagt Ira König. Etwa der Ring mit einer Karneolgemme. Zu sehen ist darauf eine Mars-Darstellung, die dem Träger wohl Schutz bieten sollte. Genützt hatte es dem römischen Offizier, dessen Ring die Restauratorin nachbildete, kaum: „Das Original stammt aus Kalkriese.“ Der Soldat kam demnach vermutlich bei der Varusschlacht ums Leben.</p>

	<p>Für Erik König begann der Weg als historischer Handwerker mit einer Notlage. Anfang der Neunziger gehörte er der Gruppe Legio VI Victrix an. Damals war die Living History erst im Kommen. „Es gab kaum Ausstatter“, berichtet König. Also machte er sich selbst an die Herstellung einer Messerscheide. Die tauschierte Hülle hat er auch in der Villa Borg dabei. Seit damals arbeitet sich der gelernte Stuckateur immer tiefer in die alten Techniken hinein. „Nach und nach kamen dann Anfragen von anderen“, sagt er.</p>

	<p>Inzwischen fertigt Erik König aufwendige Rekonstruktionen antiker Waffen. Beschläge aus Silber, alte Muster – alles möglichst nah am Original. Das hat freilich seinen Preis. Und trotzdem wachse der Markt, sagt König. Darsteller, private Sammler und Museen legen Wert auf solche Stücke. Seine Kunden müssen zuweilen ein Jahr auf das Ergebnis warten. „Bei Darstellern geht es dann um den perfekten Auftritt.“ Für Einsteiger und für Reenactments, bei denen die Ausrüstung in Mitleidenschaft gezogen wird, seien preiswertere Nachbildungen deshalb willkommen. Insofern ergänzen sich Angebote, wie sie König und Koepfer auf der Messe bereithalten, durchaus.</p>

	<h2>In jedem Saal eine andere Welt</h2>

	<p>In Badehaus, Sälen und Fluren der Villa bieten sich Zeugnisse etlicher Kulturen dem Auge des Betrachters dar: Keramik-Rekonstruktionen von Steinzeit bis Eisenzeit, vorgeschichtliche Werkzeuge, Wolle und Leder, Schmuck, Waffen, Schuhe. Und die Auslagen von Eporedia.</p>

	<p>Eporedia ist ein noch junger Zusammenschluss von Handwerkern und Akteuren, die sich der keltischen Kultur verschrieben haben. Drechselarbeiten, Bronzeguss, Textilarbeiten und Töpferkunst zeigen die Mitglieder aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Stefanie Mathy ist Keramikerin, die ihre keltischen Töpferwaren nach historischen Verfahren im Brennofen herstellt. „Wir machen auch Auftragsarbeiten, um so unsere Darstellung zu finanzieren“, sagt sie.</p>

	<p>Der Belgier Michel Cauché ist ein Fan keltischer Metallkunst. „Da ist alles so schön rund und geschwungen“, schwärmt er. Die Pferdeskulptur aus dem Fürstengrab von Hochdorf hat es ihm besonders angetan. Er hat sie als Kettenanhänger nachgebildet und stellt eine Variante von fast armlanger Größe aus. Karin Wolmeringer präsentiert sich in selbstgemachter Kleidung aus der Latènezeit. Es ist die Rekonstruktion von Funden aus Breungenborn-Baumholder. Passend dazu: eine Gewandfibel – hergestellt von Christian Frey.</p>

	<p>Vergleichsweise „jung“ ist das Angebot von Andreas Helfert (Reenactment-Bedarf). „Zuhause“ ist er als Darsteller gewissermaßen bei den Merowingern des 6. Jahrhunderts. Auch das wikingerzeitliche Haithabu (um 1000) ist ihm ans Herz gewachsen. Der gelernte Sattler stellt aber auch frühmittelalterliche Wendeschuhe her. Einige seiner Stücke hat er in der Villa Borg dabei. Darunter einen fränkischen Rundschild, mit rotem Leder bezogen. Gut einen Monat hat er daran gearbeitet. Den Buckel fertigte der Schmied Jürgen Graßler. Schildrohlinge auch aus anderen Kulturkreisen lehnen an seinem Tisch. Für Helfert sind die Kontakte zur Römerszene interessant, die er in Perl-Borg knüpfen kann. „Ich denke gerade über eine Germanendarstellung nach“, sagt er. </p>

	<h2>Zwischenbilanz</h2>

	<p>Die Herren in ihren Shirts mit der Aufschrift „Castra Asciburgium“ sind kaum zu übersehen. Eine Römergruppe, keine Frage. Tatsächlich sind diese Besucher Vertreter einer frisch gegründeten <a href="http://www.castra-asciburgium.de/">Römergruppe aus Moers</a>. Sie durchstreifen in zivil, wenn auch als Gruppe erkennbar, die Villa. Andere Besucher haben sich historische Gewandung gehüllt. Ob Aussteller oder Publikum – für beide Seiten ist die Messe eine Gelegenheit zum Sehen und Gesehenwerden.</p>

	<p>Insgesamt kamen an diesem Wochenende rund 600 Besucher in die Villa. „Für eine Veranstaltung, die zum ersten Mal stattfand, ist diese Zahl nicht schlecht“, sagt Museumsleiterin Birkenhagen. Zwar sind es zu den Römertagen (jedes Jahr im August) auch mal bis zu 4000 Menschen. Aber wiederum steht auch für Birkenhagen bei der <span class="caps">IRM</span> nicht Masse im Vordergrund. „Natürlich gab es auch neues Publikum für die Villa Borg, viele Besucher reisten wegen der Messe an.“ Doch es gehe ihr auch um die Sache selbst, um ein Podium für gute Living History.</p>

	<p>Man habe viele Geschichtsdarsteller für die <span class="caps">IRM</span> begeistern können, bilanziert Frank Wiesenberg. Gut möglich, dass sich nicht alle Musemsleute – die andere wichtige Zielgruppe der <span class="caps">IRM</span> – auch als solche geoutet haben. „Aber wir wissen von fünf Museumsdelegationen“, sagt er. Natürlich sei das ausbaufähig. „Aber für das erste Mal sind wir zufrieden.“ Wiesenberg selbst war auch als Aussteller dabei, mit Stücken der <a href="http://www.romanglassmakers.co.uk/">Roman Glassmakers</a> aus England (Mark Taylor und David Hill). </p>

	<h2>Und in der Zukunft?</h2>

	<p>Das Experiment ist gelungen. Vom Fleck weg eine Veranstaltung auf die Beine zustellen, die von Besuchern und Ausstellern gleichermaßen gelobt wird – Wiesenberg und Birkenhagen haben wohl kaum damit gerechnet. Immerhin gibt es starke Konkurrenz: Ähnlich aufgebaute Messen in England oder in <a href="http://www.marches-histoire.fr/espace.php?menu=31&amp;type=artisan">Frankreich</a> zum Beispiel. Dort sind die Ausstellungen so gut etabliert, dass weit über 100 Aussteller zu sehen sind. Mehr Epochen, mehr Händler, mehr Auswahl – das macht die Anreise auch für jene lohnenswert, die möglichst viel verkaufen wollen.</p>

	<p>Keine Frage, die <span class="caps">IRM</span> schließt eine Lücke für die Living-History-Szene in Deutschland. Vorerst ist sie zeitlich eher begrenzt. Klar ist, im April 2012 wird es eine weitere Ausgabe geben; erneut in der Villa Borg. Das Ambiente entfaltet einfach einen großartigen Charme. Die Fläche reicht auch für weitere Aussteller, um noch andere Kulturen ins Boot zu holen. Genau das ist auch geplant. „Wir werden den Zeitrahmen moderat aufbohren“, sagt Wiesenberg. Noch mehr Frühmittelalter ist unter anderem im Gespräch.</p>

	<p>Nach der Auswertung der <span class="caps">IRM</span> 2011 geht es an die Konzeption der Messe 2012. Die Entscheidung, weiter in der Villa Borg zu bleiben, halte ich für richtig. Eine Größenordnung wie in Frankreich oder England dürfte dort kaum zu entwickeln sein. Aber der Archäologiepark bietet genügend Freiraum, damit sich die Messe langsam und dafür qualitätsvoll entwickelt. Ein Vorschlag, um Raumkapazitäten sachte zu erweitern: Nur wenige Autominuten entfernt sind die Überreste der römischen Villa in Nennig. Dort gibt es ein kleines Museum mit einem grandiosen Mosaik; ansonsten nur wenige Überreste. Die aber bilden reizvolle Nischen, die sich prächtig für Stände eignen würden…</p>

	<p>Der Grillabend am Samstag – für Aussteller und Publikum geöffnet – ist eine gute Idee. Unbedingt beibehalten! Auch die Vorträge von Frank Wiesenberg über römische Glasrepliken und Edgar Comes von der Römergruppe <a href="http://www.milites-bedenses.de/">Milites Bedenses</a> (römische Kochkunst inklusive Kostproben) bereicherten das Angebot. Ähnliche Fachbeiträge sollte es wieder geben.</p>

	<p>Kaum ein Aussteller lehnte bei Anfrage eine noch weitergehende Themenvielfalt ab. Die Frage, ob etwa Napoleoniker oder Barock-Darsteller in eine römische Villa passen, steht für mich weniger im Vordergrund. Hätte ich die Wahl zwischen riesigen, unpersönlichen Messehallen (wie etwa für die Reenactmentmesse in Frankreich) oder der gemütlicheren Römervilla, ich wählte Letztere. Genau diese charmante Mischung aus Inhalt und Umgebung machen den Reiz der <span class="caps">IRM</span> aus.</p>

	<p>Es wird wohl darauf ankommen, wie die Szene nun reagiert. Dass es für Zuschauer reizvoll ist, wenn sie an einem Tag neuzeitliche und antike Inszenierungen zu Gesicht bekommen, hat unter anderem „Tempus – Zeit erleben“ im niedersächsischen Dorstadt längst bewiesen. Und auch, dass so etwas mit hoher Qualität funktionieren kann. Was spricht also dagegen, eine Art eisenzeitlichen Ausstellerkern zu entwickeln, und diesem jährlich wechselnde Epochen zur Seite zu stellen? Damit ergäben sich viele neue Möglichkeiten. Etwa mit Handwerksvorführungen oder Modenschauen. Auch Musik darf gern bei der <span class="caps">IRM</span> ein stärkeres Thema werden. Und wenn die Gastronomen der Villa Borg mitspielen, kann auch stets ein neuer Schwerpunkt bei der historischen Küche gesetzt werden.</p>

	<p>Die <span class="caps">IRM</span> hat ein neues Tor voller Möglichkeiten aufgestoßen. Man darf gespannt sein auf die Dinge, die da kommen.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Historischer Roman: Drama am Abgrund</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/drama-am-abgrund/</link>
				<comments>http://chronico.de/magazin/medien/drama-am-abgrund/#comments</comments>
				<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 22:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt </dc:creator>
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				<description>In der noch jungen Romanreihe des Archäologieverlags Philipp von Zabern darf man gut recherchierte Bücher erwarten. Wir nehmen den frisch veröffentlichten historischen Roman über Otto den Großen unter die Lupe.</description>
				<content:encoded><![CDATA[In der noch jungen Romanreihe des Archäologieverlags Philipp von Zabern darf man gut recherchierte Bücher erwarten. Wir nehmen den frisch veröffentlichten historischen Roman über Otto den Großen unter die Lupe.

	<h2>Skeptischer Blick</h2>

	<p>Für chronico bin ich in eine Zeit zurückgereist, in der ich mich ohnehin seit über zehn Jahren hobbymäßig aufhalte: in die Ottonenzeit, die Zeit der Herrschaft der Sachsenherrscher Heinrich I., Otto I. bis <span class="caps">III</span>. und Heinrich II. Als das Buch von Robert Gordian auf meinem Schreibtisch landete, war ich skeptisch. Ein Roman über Otto I., genannt der Große?</p>

	<p>Warum soll ich eine Fiktion über einen Herrscher lesen, über den es bereits so gute Sachbücher gibt, der in weniger guten Dokumentarfilmen und in vielen Internetquellen hinreichend beleuchtet wird? Ausstellungskataloge von vergangenen und künftigen Ausstellungen habe ich gar nicht mitgerechnet. Wir werden sehen, ob sich die Lektüre gelohnt hat.</p>

	<p>Gordian hat sich für seinen neuesten historischen Roman Otto I. (912 bis 973) ausgesucht, aber wer einen Roman von Ottos Geburt in Wallhausen bis zu seinem Sterbetag in Memleben erwartet, der wird enttäuscht werden. Wir steigen erst bei Ottos Krönung zum König des ostfränkischen Reiches 936 in Aachen ein und erleben die schweren Jahre seiner Herrschaftskonsolidierung bis zum Jahr 939 mit. Jahre, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Althoff">Gerd Althoff</a>  und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_Keller">Hagen Keller</a> in „Heinrich I. und Otto der Große“ (2. Aufl. 1994) folgendermaßen charakterisierten: „In den ersten Jahren seiner Regierung und noch einmal zu Beginn der 50er Jahre stürzten Erhebungen gegen den König das Reich in eine schwere Krise“.</p>

	<h2>Stürmischer Anfang mit offenem Ende</h2>

	<p>Otto, der um seine mangelnden militärischen Fähigkeiten weiß, beseitigt darum mit größerem Einsatz von List alle Widerstände. Am Ende sind drei Gegner um die Herrschaft tot, die Herzöge Eberhard, Giselbert und Ottos Halbbruder Thankmar. Otto hat die Bayern unterworfen und nur sein Bruder Heinrich kann ihm den Thron noch streitig machen, aber das Finale dieser Geschichte findet erst 941 statt.</p>

	<p>Der Roman endet aber bereits 939 und damit bleibt alles offen. Und ich blieb als Leser an dieser Stelle ratlos zurück. Auch etwas verstimmt, das gebe ich gerne zu.</p>

	<p>Dabei hatte mir Gordians Otto durchaus gefallen und ich fühlte mich ausgezeichnet unterhalten. Die Spannung hielt sich natürlich in Grenzen, denn die Geschehnisse sind im Großen und Ganzen bekannt. Schon beim Aachener Krönungsfest fällt Otto verbal über seine Umgebung her und wie in einem Theaterstück strichen die meisten Hauptakteure vorbei und werden von ihm im Gespräch mit Königin Editha hinter ihren Rücken verrissen. Otto wirkt dabei wie eine Mischung aus Hexe, Macbeth und König. Gordian schildert ihn als einen Mann mit Verstand und scharfer Zunge, der aber äußerlich gar nicht königlich wirkt.</p>

	<p>„Anscheinend sind wir als Königspaar etwas missraten“, lässt er ihn im Roman zu seiner Königin sagen, „von mir sagt man, ich sähe aus wie ein als König verkleideter Spaßmacher“. Der König kann tatsächlich Spaß machen: Bierkannen kickt er wütend durchs Zelt und gegen das Knie seines Feldherrn Hermann Billung; seinem Schreiber wirft er das Tintenfass um und seine Gegner führt er mit erfundenen Geschichten über das Ausmaß einer Schlacht hinter das Licht. König Otto hat es laut Gordian faustdick hinter den Ohren. In Wahrheit weiß natürlich niemand mehr, wie Otto wirklich aussah und ob er beim Bierkannenkicken Berühmtheit erlangte.</p>

	<h2>Starke Frauen, Schurken und Helden</h2>

	<p><a href="http://chronico.de/erleben/wissenschaft/0000543/">Seine Frau Editha, deren Grabauffindung vor kurzem für archäologischen Wirbel</a> und zu einen handfesten Streit zwischen den Städten Halle und Magdeburg geführt hatte, ist im ersten Teil des Romans ständige (macht-)politische Beraterin und Mahnerin. Sie verschwindet im zweiten Teil allerdings etwas aus der Handlung.</p>

	<p>Das macht nichts, denn an Frauengestalten herrscht in Gordians Roman dennoch kein Mangel, gibt doch die Ottonenzeit einiges her: Da ist Mathilde, Ottos dominante Mutter, die lieber ihren hübschen Sohn Heinrich auf dem Thron gesehen hätte, sodann Petrissa, gefangene Slawin und Mutter von Ottos illegitimen Sohn Wilhelm, und schließlich Ottos Schwester Gerberga, die ihrem Bruder, was Machthunger betrifft, in nichts nachsteht, ihre Ziele aber auf andere Weise erreichen muss. Mit der Verführung von Ludwig, dem jugendlichen westfränkischen König, erreicht sie tatsächlich ihr Ziel und wird Königin im Reich der Karolinger.</p>

	<p>Die „finsteren Schurken“ dieses Dramas sind Ottos Bruder Thankmar, Herzog Eberhard und Herzog Giselbert. Alle erheben sich nacheinander und miteinander gegen den König und finden den Tod dabei. Ottos Bruder Heinrich, der bei allen Aufständen munter dabei ist, einmal ausgenommen. Dieser dritte Sohn von Ottos Vater und Vorgänger Heinrich I. ist die eigentliche Hauptperson des Romans für mich.</p>

	<p>Von seinen Ansprüchen auf den Thron oder zumindest auf die Herzogswürde in Sachsen überzeugt und darin von seiner Mutter Mathilde stets bestärkt und heimlich unterstützt, rebelliert Heinrich gegen seinen königlichen Bruder Otto und scheitert stets erbärmlich, bis seine Machtbasis so schmal und seine Möglichkeiten so beschränkt geworden sind, dass nur noch eine Verzweiflungstat helfen kann. Aber die kommt in Gordians Roman nicht mehr vor, ebenso wenig wie die Wandlung des kleinen Bruders vom Feind zum besten Verbündeten des Königs.</p>

	<p>Kommen wir von den „Schurken“ zu den „Helden“ des Romans. Die treuesten Verbündeten Ottos sind knorrige und grausame Grafen wie Hermann Billung, Gero, Udo und Konrad Kurzbold. Sie sind Ottos Paladine, wenn sie auch nicht immer uneigennützig handeln, und mit ihren Grausamkeiten den Unwillen der Königin erregen. Kurzbolds Homosexualität wird zum Glück nur kurz gestreift, ich hätte sie ganz weggelassen. Aus den Quellen erschließt sich das ohnehin nicht. Udo und Konrad gelingt es als Finale des Romans, mit List und schnellem Handeln den Aufständen ein vorläufiges Ende zu setzen.</p>

	<h2>Geschliffene Dialoge in spröder Kulisse</h2>

	<p>Stilistisch ist Gordian ein konservativer Erzähler. Seine Stärke sind die guten und lebendigen Dialoge, die mir sehr viel Spaß gemacht haben. Nicht nur das abrupte Ende, sondern auch die im Stil von Filmszenen wechselnden Handlungsstränge vervollständigten den Eindruck eines Romanfragments.</p>

	<p>Der Theaterbühne, die mit lebendigen Dialogen und stimmigen Bildern aufwarten konnte, fehlten am Ende leider die Schauspieler, die den Figuren Leben verleihen konnten. Die Figuren erstarben, bevor sie sich richtig entwickelt hatten. Der Zuschauer bzw. Leser fragt sich immer noch, wo der letzte Akt dieses Stücks abgeblieben ist.</p>

	<p>Noch einige Äußerlichkeiten: Ehrlich gesagt, wäre ich schon vom Titel abgeschreckt gewesen: „Abgründe der Macht“. Handelt es sich um eine Abhandlung über Politik? Ist August der Starke oder Kurt Biedenkopf gemeint? Was Autor oder Verlag da geritten hat; ich habe keinen blassen Schimmer. Und wenn es heißt: „Roman über einen Sachsenkönig“, dann hätte ich es besser „Roman über <span class="caps">DEN</span> Sachsenkönig“ genannt.</p>

	<p>Das Umschlagbild mit einem Teil eines Gemäldes eines italienischen Meisters aus dem frühen 16. Jahrhundert ist noch unpassender als der Titel, zumal es eine Menge Abbildungen aus ottonischen Buchmalereien für eine passendere Gestaltung gegeben hätte. Vielleicht kann das der Umschlaggestalterin Katja Holst bei Gelegenheit mitgeteilt werden. Ein Buch ist ein Produkt und muss verkauft werden, doch muss die Verpackung und Benennung zum Produkt passen. Sonst fällt die Kaufentscheidung unter Umständen negativ aus.</p>

	<p>Schade, aber dieser Roman ist ein Schnellschuss, was um so bedauerlicher ist, weil Umsetzung und Potential des Stoffes mehr hätten zulassen können. Weder das Bierkannenkicken, noch ein Gürteltrinkhorn (auf welchen Mittelaltermarkt waren wir denn?) fand ich schlimm, sondern dass ich als Leser mit diesem Romanfragment und diesen Scherenschnittfiguren abgespeist wurde. Das Lesen hat sich gelohnt, aber nicht wirklich erfreut. Drum kurz und knapp: Herr Gordian, das können Sie besser! </p>]]></content:encoded>
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				<title>Vermittlungsarbeit: Gütesiegel für Zeitreisende</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/guetesiegel-fuer-zeitreisende/</link>
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				<pubDate>Sat, 26 Feb 2011 00:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Braucht es verbindliche Qualitätsstandards für Living History in Museen? Wer soll sie aufstellen; wem nützen sie? Die Frage nach dem „Gütesiegel“ hat schon viele Gemüter erhitzt. Antworten könnte eine neue Tagung bringen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Braucht es verbindliche Qualitätsstandards für Living History in Museen? Wer soll sie aufstellen; wem nützen sie? Die Frage nach dem „Gütesiegel“ hat schon viele Gemüter erhitzt. Antworten könnte eine neue Tagung bringen.

	<h2>Runder Tisch wird anberaumt</h2>

	<p>Um Qualitätsmanagement ging es schon 2008 bei einer <a href="http://chronico.de/erleben/wissenschaft/0000472">Tagung im Freilichtmuseum Kiekeberg</a> sowie 2009 beim 2. Waldkircher Museumsgespräch und der Tagung „Vermittlung von Vergangenheit“ im <span class="caps">LVR</span>-Landesmuseum Bonn. <a href="http://chronico.de/erleben/wissenschaft/0000516/">Museumsvertreter, Museumspädagogen, Agenturen und Akteure der Szene nahmen daran teil</a>. Schlagworte wie Geschichts- und Museumstheater hatten einige Teilnehmer geprägt. Ein wissenschaftliches Fundament dafür erarbeitete eine Forschergruppe um den Freiburger Universitäts-Professor Wolfgang Hochbruck.</p>

	<p>Hochbruck ist auch die treibende Kraft hinter der jetzt geplanten Tagung „Museumsgespräch zum Qualitätsmanagement in der Living History Presentation“. Sie findet am Sonntag, 27. März 2011 im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach statt. Jeder Interessierte kann an der Tagung teilnehmen (Anmeldedaten siehe Kasten). Vorschläge für Vorträge und Workshops nehmen die Organisatoren Hochbruck und der Leiter der Museumspädagogik in Gutach, Thomas Hafen, noch entgegen. Mitte März soll das Programm stehen.</p>

	<h2>Harte Überzeugungsarbeit</h2>

	<p>Ideen, Anmerkungen, „Best Practice“-Beispiele – die Tagungen und Symposien der vergangenen Jahre haben bereits viel Material produziert. Dazu beigetragen hat auch die Freiburger Forschergruppe &#8220;Historische Lebenswelten in populären Wissenskulturen der Gegenwart&#8221;. Von 2007 bis Oktober 2010 forschten Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen zu Themen wie „Geschichtsvermittlung“ und „Museumstheater“. Ein Augenmerk lag dabei auf der Inszenierung historischer Lebenswelten; sprich: in der Ausgestaltung von Living History. Sie sollte wissenschaftlichen Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft, dem Qualitätsanspruch des Publikums und dem Vermittlungsauftrag der Museen entsprechen. So jedenfalls lautete eine Zielvorgabe der Freiburger.</p>

	<p>Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (<span class="caps">DFG</span>) fördert die Freiburger Gruppe. Deren Mitglieder haben ihre Erkenntnisse inzwischen auch in Büchern unter anderem beim Verlag transcript veröffentlicht – eine Auswahl stellen wir bei chronico demnächst vor.</p>

	<p>Allerdings musste diese spezielle Forschungsarbeit einen Dämpfer hinnehmen. Der <span class="caps">DFG</span> strich im vorigen Herbst einen Teil der Fördermittel; Hochbruck und andere Mitglieder mussten aus dem Projekt aussteigen. Der Rest der Gruppe habe mit dem Qualitätsmanagement-Vorhaben nichts mehr zu tun, sagte Hochbruck. „Aber ich bleibe an der Diskussion dran“, betonte er. Die nun anstehende Tagung zeugt davon.</p>

	<p>Hochbruck hat mit seinem Vorstoß zu einem verbindlichen Regelwerk viel Kritik seitens der Living-History-Szene einstecken müssen. Zu zersplittert mutet vielen „die Szene“ an, und zu vielfältig die Einsatzgebiete der Akteure, als dass ein Gremium allumfassende Standards aufstellen könnte. Wie sollte beispielsweise ein Experte für die Hansezeit die Darstellungsqualität von „Kelten“ und „Germanen“ beurteilen? Oder: Könnten die selben Fortbildungsrichtlinien sowohl für Archäotechniker mit Schwerpunkt Bronzezeit gelten wie für Museumspädagogen in einem Industriemuseum? So mancher befürchtet auch, dass Regeln zu sehr im Theoretischen verhaftet blieben. Einfach deshalb, weil die Praxis von großer Heterogenität geprägt ist.</p>

	<p>Und tatsächlich hat sich bislang noch keine Institution gefunden, die Standards oder Ausbildungsrichtlinien für sämtliche Aspekte der Living History auf den Markt gebracht hätte. Auch wenn man schlicht den Bereich der Museen betrachtet – und darauf konzentriert sich Hochbruck ja vorerst – bleibt das Bild zersplittert: Da gibt es Organisationen wie <span class="caps">EXAR</span> und Exarc für die Arbeit in archäologischen Freilichtmuseen und die experimentelle Archäologie oder den Bundesverband der Museumspädagogik.</p>

	<h2>Standards gesucht</h2>

	<p>Living History boomt nach wie vor; von diesem Ansatz kann Hochbruck getrost ausgehen. Auch die Museen öffnen sich zunehmend den Möglichkeiten des Museumstheaters; also dem szenischen Spiel. „Die Zukunft der museumspädagogischen Aufbereitung gehört den performativen Formen“, meint der Professor. Entsprechend berechtigt sei auch nach wie vor die Frage, wie Museumsarbeit und Living History zueinander passen. Oder welche Rollen Reenactment und <span class="caps">LARP</span> übernehmen können. </p>

	<p>Das szenische Spiel der kostümierten wie nicht-kostümierten Führung im Museum; das ist eben das Museumstheater. Mit Erläuterungen in der ersten oder dritten Person. Darunter fällt also vieles, was landläufig unter „Museumspädagogik“ verstanden wird. Hochbruck: „Bisher gibt es keine verbindlichen Qualitätsstandards für Museumstheater.“</p>

	<h2>Verbindliche Ausbildung</h2>

	<p>Nach der Bonner Tagung „Vermittlung von Vergangenheit“ fasste Hochbruck einen zentralen Ansatz so zusammen: Weil Museen nicht ausschließlich über eigenes Personal verfügen, das alle unter „Living History“ zu verstehenden Bereiche übernehmen kann, müsse es im Grunde verbindliche Qualitätsstandards geben, die von den extern Angeworbenen erfüllt werden. Das schließt didaktische Kenntnisse und authentische Ausrüstung gleichermaßen ein. Für den Professor ist dabei auch klar, dass solche Qualitäten auch „nicht für einen Kasten Bier und eine Bratwurst“ zu haben sind. Der Grad der Professionalisierung werde wohl zunehmen, glaubt er. (Allerdings ist auch die Honorierung von Akteuren für sich genommen schon eine unendliche Geschichte…)</p>

	<p>Freilich können Qualitätsstandards ebenso gut auch auf Living-History-Events ausgeweitet werden, die außerhalb der Museen stattfinden. Teils, weil es ja auch dort um Vermittlungsarbeit mit dem Publikum geht – vor allem, wenn seitens der Veranstalter mit dem Label „authentisch“ geworben wird – und teils, weil dort die selben Akteure auflaufen, die sich um Aufträge in Museen bemühen. Das Stichwort vom „Gütesiegel Living History“ zirkuliert bereits <a href="http://chronico.de/erleben/menschenorte/0000387/">seit einigen Jahren in der Szene</a>.</p>

	<p>Nach wie vor wirbt Hochbruck dafür, dass eine unabhängige Qualitätssicherheitsinstanz über das Aufstellen und Einhalten von Anforderungsprofilen wacht. Aus den Reihen der Aktiven und der Fachwissenschaft sowie aus Theater- und Museumslandschaft sollten sich Vertreter an einer solchen Geschichtsagentur beteiligen. Einen solchen Vorschlag hatte 2009 während der Tagung <a href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2699">Staging the Past</a> in Freiburg auch <a href="http://bit.ly/fxS5ya">Mark Wallis</a> gemacht. Er ist einer der zentralen Vertreter der englischen Living-History-Szene und bemängelt unter anderem das Fehlen einer Ausbildungseinrichtung für „costumed interpreters“.</p>

	<p>Oder anders gesagt: Verbindliche Spielregeln für das „richtige“ Museumstheater könnten die Klammer sein, die viele Aspekte der Living History abdeckt. Ein Qualitätsmesser also, den Akteure jeglicher Couleur für sich nutzen können – auch wenn sie gar nicht überwiegend für Museen tätig sind. Ein wichtiger Schritt dürfte die Überzeugungsarbeit sein, dass gestandene Darsteller sich überhaupt für den Begriff „Museumstheater“ erwärmen.</p>

	<h2>Update 15. März 2011</h2>

	<p>Die Entwicklung beobachten wir natürlich weiter. Viele wichtige Hinweise sind bereits in den Kommentaren geleistet worden. chronico hat zudem bei Museen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nachgefragt, wie sie die Thematik für sich bewerten. Bei Bedarf bauen wir diese ganz speziellen Sichtweisen hier in den Beitrag ein. Den Beginn macht heute das <a href="http://www.augustaraurica.ch/menu/index.php">Schweizer Museum zur Erforschung der römischen Stadt Augusta Raurica</a>. Das Statement spiegelt die Ansicht der Autorin Margit Scheiblecher wider:</p>

	<h3>Margit Scheiblecher, Leiterin Events Augusta Raurica</h3>

	<p>&#8220;Im Vermittlungsangebot von Augusta Raurica, das sind Ausstellungen, Workshops und Führungen, setzen wir Living History nicht ein. Wohl aber an den Jahresevents ‘Römerfest’ und  ‘Internationaler Museumstag’. Die Römergruppen, welche bei uns auftreten, werden von uns geprüft; d.h. reine Fantasiedarstellungen, wie ich sie z.B. an Mittelalterfesten in Deutschland erlebt habe, sind bei uns in Augusta Raurica nicht möglich.</p>

	<p>Wir unterstützen viele Gruppen mit wissenschaftlichen Publikationen, Hinweisen auf Originaltexte antiker Autoren und wichtigen Abbildungen auf Steindenkmälern, Mosaiken oder Wandmalereien, die für eine spezifischen Darstellung von größter Bedeutung sind.</p>

	<p>In diesem Jahr führen wir das 16. Römerfest durch. Viele der historischen Darsteller waren von Anfang an dabei, viele sind neu dazu gekommen und wurden vor und während des Festes von Archäologen und Archäologinnen aus Augusta Raurica geprüft. Sie tragen also unser internes Gütesiegel. Neben dieser wissenschaftlichen Überprüfung ist es natürlich ebenso wichtig, dass diese ‘Zeitreisenden’, wie sie von Ihnen genannt werden, auch bei unserem Publikum gut ankommen und sich in den großen Kreis der historischen Darsteller harmonisch einfügen. Ich denke, viele Museen werden die Problematik mit dem Gütesiegel ähnlich sehen und regeln.</p>

	<p>Möglicherweise profitieren private Veranstalter von zertifizierten Darstellern. Solche Veranstaltungen sind in der Regel aber auch unpersönlicher als von Museen getragene Events und sprechen wahrscheinlich auch nicht das gleiche Publikum an. Was mir persönlich immer wieder auffällt ist das Verhalten der ‘Zeitreisenden’ selbst: Sie ziehen in der Regel Museen als Eventveranstalter den privaten Veranstaltern vor. Daraus schließe ich, dass es für viele Römergruppen bereits ein Gütesiegel ist, wenn sie an einem Museumsevent mitmachen.&#8221;</p>]]></content:encoded>
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				<title>Reenactmentmesse: Laufsteg für historisches Handwerk</title>
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				<pubDate>Thu, 17 Feb 2011 00:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Zum ersten Mal findet in Deutschland die Internationale Reenactmentmesse statt. Die IRM im April wird von Aktiven der Szene in der römischen Villa Borg organisiert. Für Living-History-Darsteller, Museen und Geschichtsinteressierte.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Zum ersten Mal findet in Deutschland die Internationale Reenactmentmesse statt. Die IRM im April wird von Aktiven der Szene in der römischen Villa Borg organisiert. Für Living-History-Darsteller, Museen und Geschichtsinteressierte.

	<h2>Messe schließt Lücke</h2>

	<p>Es ist nicht so, dass Cheforganisator und Initiator Frank Wiesenberg in der Living-History-Szene unterbeschäftigt wäre. Vor gut zehn Jahren begründete er den „Römischen Vicus“ mit. In dem lockeren Verbund haben sich etliche Händler und Handwerker zusammengefunden, die sich ganz oder zum Teil der römischen Kultur verschrieben haben.</p>

	<p>Als Gegengewicht zur sonst so stark vertretenen Militärdarstellung sind die Mitglieder jedes Jahr auf vielen Events zu sehen. Wiesenberg ist etwa als Glashändler, Wachstafelmacher oder Bronzegießer dabei. Seit gut 15 Jahren inzwischen schon. Und doch: „Es gibt etwas, das fehlt hierzulande“, meint er. „Es braucht einen Marktüberblick darüber, wer was in welcher Qualität herstellen kann.“</p>

	<p>Um das fehlende „Etwas“ besser zu verstehen, mag folgendes Bild herhalten: Gute Living History lebt von zwei Elementen, auf die jeder Akteur bauen muss – Hardware und Software gewissermaßen. Letzteres meint Dinge wie persönliche Bildung, didaktische Fähigkeiten, Recherche und die Lust auf Vermittlungsarbeit. Immerhin geht es um stimmige Geschichtsbilder (auch wenn dieser Begriff an sich schon Probleme aufwirft, aber das ist eine andere Geschichte). Die dafür nötige Hardware ist die Ausrüstung des Akteurs. Sei es als gewandeter Darsteller, als Archäotechniker oder als Museumspädagoge, der Material und Ausstattung benötigt. Und schließlich setzen Geschichtsmuseen gern auf die Präsentation von originalgetreuen Replikaten oder Anschauungsmaterial.</p>

	<p>Kurz gesagt, Frank Wiesenberg und seinen Mitstreitern geht es bei der <span class="caps">IRM</span> um die Präsentation von hochwertiger Hardware für die Szene. Die Idee ist nicht neu. „In England gibt es schon lange derartige Verkaufsmessen“, sagt Wiesenberg. Den <a href="http://www.reenactorsmarket.co.uk/">Reenactors Market</a> zum Beispiel.</p>

	<p>Nun ist in Deutschland das Bild des Händlers auf historischen Events vor allem durch die Mittelaltermärkte geprägt. Derartige Veranstaltungen haben mit Living History im engeren Sinn wenig gemein. Auch die Reenactmentmesse – obwohl als Verkaufsveranstaltung eindeutig ausgewiesen – hat mit diesen Märkten nichts zu tun. Auf der <span class="caps">IRM</span> stellt nur aus, wer sich auch ausdrücklich um die gehobenen Ansprüche der Living-History-Szene bemüht. „Es gibt also eine Qualitätsprüfung“, betont Wiesenberg. Seine Erfahrung, Kontakte zu Museen und Wissenschaftlern und die Referenzen der Bewerber spielen bei der Auswahl also eine Rolle.</p>

	<h2><span class="caps">IRM</span> als gemeinsame Bühne</h2>

	<p>Natürlich existieren längst Kontakte zwischen Darstellern, Händlern und Handwerkern. Mancher Akteur vereint jede dieser „Rollen“ in seiner Arbeit. Immerhin gilt es auch als Qualitätsmerkmal, zumindest Teile seiner Ausrüstung selbst in Handarbeit hergestellt zu haben. Aber längst nicht alles lässt sich mangels Zeit, Ressourcen oder Know how selbst herstellen.</p>

	<p>Gruppen teilen sich zuweilen die Fertigung von Ausrüstung. Jedes Mitglied macht das, was es am besten kann und tauscht seine Produkte mit anderen. Vieles jedoch wird angekauft. Das ist der Markt, von dem Wiesenberg spricht. Dort tummeln sich Hersteller und Händler, deren Adressen durch Mund-zu-Mund-Propaganda in der Szene gehandelt werden. Mit der <span class="caps">IRM</span> soll nun erstmals im deutschsprachigen Raum ein Podium geschaffen werden, auf dem sich Anbieter, Kunden und Neugierige begegnen können.</p>

	<h2>Schwerpunkt Eisenzeit und Vorgeschichte</h2>

	<p>„Von der Steinzeit bis zur römischen Spätantike“ – so lautet der Untertitel der ersten Auflage der Reenactmentmesse am 2. und 3. April 2011. Weil die erste Messe zunächst auch ein Testlauf ist, liegt es nahe, sich vorerst auf bestimmte Epochen zu beschränken. Auch aus logistischen und organisatorischen Gründen grenzen die Organisatoren das Darstellungsspektrum erst einmal ein.</p>

	<p>Immerhin passen die – bislang zahlenmäßig am stärksten vertretenen – eisenzeitlichen Aussteller ganz hervorragend in das Ambiente des Messestandorts – die römische Villa Borg im saarländischen Perl-Borg. Dort dauert seit 1987 auf einem Grabungsareal die archäologische Erforschung eines antiken Anwesens an. Etliche Teile der Villenanlage wurden inzwischen rekonstruiert und als Museum aufgebaut. Heute präsentiert sich die Anlage so, wie das Gut im 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert ausgesehen haben mag.</p>

	<p>Die Villa selbst ist seit Jahren beliebter Standort für Living-History-Events wie die Römertage. Die Ausstellungsräume und die Freiflächen werden für die <span class="caps">IRM</span> als Ausstellungsfläche hergerichtet. Für Besucher ein schönes Plus: Für einen geringen Aufschlag auf den normalen Museumseintritt bekommen sie die Villa Borg und die Messestände als Gesamtpaket. Das Museum wiederum könnte sich durch die Kooperation mit der <span class="caps">IRM</span> neue Besuchergruppen erschließen – und etabliert sich auch als Mittler zu anderen Museen. Denn auch auf deren Vertreter setzen die Macher.</p>

	<h2>Wer stellt aus?</h2>

	<p>Auch die Aussteller sehen durchaus die Vorteile einer Messe. Die Reenactmentszene sei manchmal doch recht schlecht vernetzt, meint <a href="http://www.eifelpfeil.com/">Michael Kieweg</a>, der in der Eifel Ausrüstung für traditionelle Bogenschützen fertigt. Zur <span class="caps">IRM</span> will er Bögen skythischer und böotischer Bauart sowie Zubehör präsentieren. „Die <span class="caps">IRM</span> ist auch eine Gelegenheit, aus der Einzelkämpferecke herauszukommen“, sagt Kieweg, den Wiesenberg wegen <a href="http://chronico.de/erleben/wissenschaft/0000557/">seiner praktischen Erfahrung mit historischen Bögen</a> angesprochen hatte. Also weg von etwaigem Konkurrenzdenken, hin zu mehr Vernetzung.</p>

	<p>„Ich wünsche mir vor allem fachkundiges Publikum aus der Darstellerszene und Leute von Museen, Ausstellungsmacher, Veranstalter von Events jenseits üblichen Marktmittelalterbreis“, umreißt Kieweg seine Vorstellungen. <a href="http://www.litus-saxonicum.de/">Markus Gruner</a> (Bronze, Emailliervorführung) hat Replikate aus der Römischen Kaiserzeit dabei; <a href="http://www.roemische-keramik.de/">Anneclaer Bours-Bergau</a> präsentiert römische Keramik; Christian Frey (<a href="http://www.die-fibelschmiede.de/">Die Fibelschmiede</a>) nimmt teil und auch <a href="http://www.replik-online.de/">Aurificina Treverica</a>. Aus Frankreich hat sich die Keltengruppe <a href="http://eporedia-keltenhandwerk.blogspot.com/">Eporedia</a> angekündigt, die ebenfalls mit Handwerkstechniken aufwartet. </p>

	<p>Die bislang gut 20 Aussteller liegen zeitlich in ihrer Mehrheit nah beieinander. Prähistorisch und steinzeitlich orientierte Handwerker werden noch gesucht. Auch Anbieter im Lederhandel, Handweber, Naturtextilhändler sowie keltische und germanische Handwerker haben gute Chancen. <a href="http://www.reenactmentmesse.de/p_anmeldung.htm">Bewerbungsschluss ist der 1. März</a>.</p>

	<h2>Ein Abend in der Villa Borg</h2>

	<p>Für den Sonnabend, 2. April, haben sich die Organisatoren noch einige Extras ausgedacht. Zum Messegetümmel und dem normalen Museumsbetrieb wird es am Abend noch einen Vortrag geben. Frank Wiesenberg spricht dann ab 18.30 Uhr über „römische Glasrepliken aus der Ichendorfer Glashütte“. </p>

	<p>Der Vortrag wiederum leitet den gemütlichen Teil der Messe ein. Wenn es langsam dunkelt, der Messebetrieb für den Tag beendet ist – dann gibt es Lagerromantik. Wie bei klassischen Living-History-Events auch, sammeln sich Akteure und Besucher um Feuer und brutzelnde Pfannen. „Mit einem gemeinsamen Grillabend wollen wir die neue Saison für die Darsteller einläuten“, umschreibt es Wiesenberg.</p>

	<p>Das Besondere: Zwar schließt die Villa Borg ab 18 Uhr. Doch wer schon im Museum ist, soll auch bleiben können. Und in einer lockeren Abendrunde mit Ausstellern, Fachbesuchern und Geschichtsfans ins Plaudern kommen.</p>

	<h2>Zukunftsvision: viele Epochen</h2>

	<p>Um Masse geht es Wiesenberg nicht vordergründig. Wichtig ist, dass die <span class="caps">IRM</span> 2011 vor allem qualitativ ein Erfolg wird. Lieber weniger, dafür gute Aussteller – mit diesem Anspruch geht er in die erste Runde der <span class="caps">IRM</span>. Immerhin wird die Szene selbst auch kritisch auf diesen Auftakt blicken. Das und eine gute Publikumsmischung werden für weitere Termine den Ausschlag geben. Egal, was am ersten Aprilwochenende in der Villa Borg über die Bühne geht – eine gründliche Analyse sollten die Initiatoren unbedingt einplanen. Womöglich ist dann auch das vorerst sehr zurückhaltend ausgestattete Begleitprogramm eine Stellschraube, die bewegt werden muss.</p>

	<p>„Die <span class="caps">IRM</span> soll keine Eintagsfliege bleiben“, sagt Wiesenberg jedenfalls. Womöglich wird es also bereits im nächsten Jahr eine Neuauflage geben. Ob wieder in der Villa Borg oder an anderem Ort, sei dahingestellt. Klar scheint aber dies zu sein: „Später wollen wir auch möglichst viele andere Epochen einbeziehen.“, sagt Wiesenberg. Der jetzt noch eng gefasste Darstellungszeitraum soll also aufgebohrt werden. Bis in die Ära der Napoleoniker oder Preußendarsteller etwa. </p>

	<p>Auch dafür gilt es, die nötigen Kontakte zu knüpfen. Womöglich auch Kooperationen mit anderen Veranstaltungen zu suchen, die es in der deutschsprachigen Szene gibt. Sei es bei den stark organisierten süddeutschen Spätmittelalter-Akteuren oder bei einer so gut vernetzten Veranstaltung wie „Tempus – Zeit erleben“ in Niedersachsen. An dieser Multiperiod-Veranstaltung, die im Juni ihre zweite Aufführung erlebt, hat auch Frank Wiesenberg teilgenommen.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Antikenhehlerei: Erst Irak, jetzt Ägypten?</title>
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				<pubDate>Wed, 09 Feb 2011 11:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Nach dem Krieg verlor der Irak historische Artefakte an den Schwarzmarkt. Eines dieser Objekte wird heute in Mainz an den Irak übergeben. Dieser Akt wird überschattet von verwirrenden Meldungen aus einer neuen Unruhezone: Ägypten.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Nach dem Krieg verlor der Irak historische Artefakte an den Schwarzmarkt. Eines dieser Objekte wird heute in Mainz an den Irak übergeben. Dieser Akt wird überschattet von verwirrenden Meldungen aus einer neuen Unruhezone: Ägypten.

	<h2>Irakisches Déjà-vu</h2>

	<p>Ausländische Archäologen haben Ägypten wegen der Revolten gegen das Regime von Hosni Mubarak fluchtartig verlassen. Und müssen nun die Entwicklung abwarten. Sich permanent Fragen stellend. Darüber zum Beispiel, ob nicht schon unersetzliche Kulturgüter aus pharaonischer Zeit von Gelegenheitsdieben und professionellen Hehlern außer Landes geschafft werden. Oder ob sich womöglich Raubgräber über die Ausgrabungsstätten hermachen, auch wenn die Behörden betonen, dass alles Wichtige abgesichert wurde. Das Ägyptische Museum in Kairo wurde prominentes Opfer von Unruhestiftern, die am Rande des Volksaufstands zur Tat schritten.</p>

	<p>Es ist nicht unwahrscheinlich, dass so manchem Archäologen dieser Tage ein Déjà-vu-Gefühl überkommt. Zumindest jenen Wissenschaftlern, die Erfahrung mit den irakischen Verhältnissen haben. Einen wie Michael Müller-Karpe, ein Archäologe mit Spezialisierung auf den Alten Orient. Seit 1974 hatte er mit Ausgrabungen im Irak zu tun. Im Jahr <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,245783,00.html">2003 beklagte er den mangelnden Schutz der irakischen Kulturgüter</a> nach dem Einmarsch der <span class="caps">USA</span>. Damals wurde das Irak-Museum in Bagdad geplündert. „Die Schätzungen belaufen sich auf etwa 20.000 gestohlene Objekte“, sagte Müller-Karpe auf Nachfrage von chronico. Das Haus war zentrale Heimstätte für die wichtigsten Fundstücke des Landes bis zurück in die sumerische Epoche. Also durchaus der Bedeutung des Ägyptischen Museums vergleichbar.</p>

	<h2>Sumerische Axt kehrt heim</h2>

	<p>Am heutigen Mittwoch, 9. Februar, wohnt Müller-Karpe im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (<span class="caps">RGZM</span>) einer besonderen Zeremonie bei: der Rückgabe eines mutmaßlich aus dem Irak geraubten Kulturguts. Es geht um eine etwa viereinhalbtausend Jahre alte mesopotamische Schaftlochaxt aus Kupfer. Geräte wie dieses wurden von Kriegern genutzt und sind sowohl durch Grabfunde wie auch durch Siegeldarstellungen aus dem Zweistromland nachgewiesen. Das kostbare Stück reicht weit in die Zeit der frühen sumerischen Stadtstaaten wie Ur, Uruk, Nippur oder Kisch zurück. In jener Epoche (um 2500 v. Chr.) entstanden in Ägypten die großen Pyramiden von Gizeh und Sakkara.</p>

	<p>Im <span class="caps">RGZM</span> bekommt der irakische Botschafter Hussain Mahmood Fadhlalla Al-Khateeb heute also eine altorientalische Axt ausgehändigt. Die Übergabe übernimmt der rheinland-pfälzische Staatssekretär Michael Ebling. Begleitet wird er von Vertretern des Bundeskriminalamtes, des Landeskriminalamtes und der Münchener Generalstaatsanwaltschaft. Aus gutem Grund: Mit der Übergabe der Axt nimmt ein Fall von Kriminalarchäologie ein Ende, bei dem Michael Müller-Karpe als Gutachter mitmischte. Der Archäologe, Mitarbeiter des Mainzer Museums, ist seit Jahren ein <a href="http://bit.ly/eJpROc">streitbarer Gegner der internationalen Antikenhehlerei</a>. </p>

	<p>Weil Müller-Karpe sich seit langem mit archäologischen Kulturgütern befasst, die über dubiose Kanäle auf dem Schwarzmarkt landen, und weil er auch ein Experte für altorientalische Streitäxte ist, bekam er 2005 einige Fotos der Kupferaxt auf seinen Schreibtisch in Mainz. Das Stück hatten Polizeibeamte nach einer Razzia bei einem Münchener Antikenhändler sichergestellt.</p>

	<p>Das <span class="caps">RGZM</span> kooperierte damals bereits mit dem Bundeskriminalamt. „Der Händler konnte keine amtlichen Papiere für das Stück vorweisen“, berichtete der Archäologe. Ohne Dokumente aber, die bei Antiken legaler Herkunft verpflichtend sind, lag der Verdacht der Hehlerei nahe. Die Axt kam zunächst in die Asservatenkammer der Polizei und nach juristischem Prozedere schließlich zur Begutachtung ins <span class="caps">RGZM</span>.</p>

	<h2>Tausendfacher Raub im Irak</h2>

	<p>Müller-Karpe untersuchte die Kupferaxt. Verarbeitung, Form und Verzierung ließen keinen Zweifel: „Es ist mesopotamisch, drittes Jahrtausend vor Christus“, sagte er. In seinen Datenbanken fand sich kein Hinweis darauf, dass das Objekt aus einer der bekannten Sammlungen stammt. Die Axt, da ist sich der Archäologe sicher, kann demnach nur aus dem Irak selbst stammen. Blieb die Frage, ob aus einer der nach dem Irakkrieg geplünderten Sammlungen oder aus einer Raubgrabung. Letzteres kam in den vergangenen Jahren im Irak häufig vor.</p>

	<p>Müller-Karpe, der sich zuletzt 2004 in das krisengeschüttelte Land wagte, weiß das von Satellitenaufnahmen. „Wichtige archäologische Stätten sehen aus wie Mondlandschaften“, sagte er. Spuren gründlicher Plünderung seien allenthalben zu entdecken.</p>

	<p>Die Münchener Axt jedoch scheint tatsächlich einmal katalogisiert und einer Sammlung beigefügt worden zu sein. Müller-Karpe hat Hinweise auf eine Inventarnummer auf der Klinge gefunden. Exakt an einer Stelle, die Wissenschaftler für eine solche Markierung nutzen würden, habe jemand etwas „brutal weggekratzt“. Für den Archäologen klar ein Vertuschungsversuch. Auch mit Infrarot ließ sich das, was da verschwunden war, nicht mehr rekonstruieren. „Aber das Stück ist ganz klar aus einem Museum oder einer Privatsammlung geraubt worden.“ Nach internationaler Rechtslage zur Kulturgutrückführung gehört die Axt dem Irak.</p>

	<p>Die Rückgabe heile zwar nicht die Wunden im Irak, betont Prof. Falko Daim, Generaldirektor des <span class="caps">RGZM</span>, bei der Feierlichkeit im Museum. Aber sie sei mehr als ein Symbol. Es gehe auch um mehr Verantwortungsbewusstsein im Antikenhandel.</p>

	<h2>Fahnder und Beutekunst</h2>

	<p>Welchen Ausmaß die Plünderungen im Irak längst angenommen haben, <a href="http://bit.ly/fPqSG8" title="DAI">dokumentierte auch das Deutsche Archäologische Institut</a>. Immer wieder tauchen archäologische Fundstücke auf dem internationalen Antikenmarkt auf. Von den gut 20.000 aus dem Irak-Museum verschwundenen Objekten aber sei bislang gut die Hälfte noch nicht wieder gefunden, sagte Müller-Karpe. Im Irak seien oft organisierte Banden am Werk gewesen. Die verhökerten ihre Ware an Sammler, die um den Wert der Stücke wissen – und sie unter Verschluss halten. Auch in Deutschland finden sich immer wieder Objekte an, die aus dem irakischen Nationalmuseum stammen. Zuletzt gelang der Polizei im Dezember 2010 <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736187,00.html">in Krefeld ein Schlag gegen Hehler</a>.</p>

	<p>Die Axt, die in Mainz heute übergeben wird, war das einzige Stück mutmaßlicher Beutekunst, das Müller-Karpe zuletzt unter Verschluss hatte. Aber in etlichen Aktenordnern hat er Hinweise auf weitere Objekte gesammelt. „Und fast jede Woche gibt es einen Anruf von der Polizei, ob das ein oder andere Objekt aus dem Irak stammen könnte.“</p>

	<p>Könnte nun in Ägypten ein ähnlicher Sog aus mangelnder Sicherheitslage und ausufernden Diebstählen sowie Raubgrabungen anheben? In dessen Folge sich die Fahnder auch um illegal erworbene Objekte aus pharaonischer Zeit kümmern müssten? Freilich sind die Dimensionen zum Glück mit dem Irak kaum vergleichbar – dort stürzte das Land nach dem gewaltsamen Sturz des Diktators durch einmarschierende ausländische Truppen flächendeckend in ein Chaos. Müller-Karpe wagt jedenfalls keine Prognose, wie sich die Situation am Nil entwickelt, seit das ägyptische Volk gegen das autoritäre Mubarak-Regime protestiert. „Überhaupt nicht absehbar“ sei das zurzeit.</p>

	<p>Auch der Mainzer Museumschef Daim kommt heute auf Ägypten zu sprechen: &#8220;Welchen Stellenwert die kulturelle Hinterlassenschaft für die Bevölkerung hat, haben demonstrierende Ägypter in Kairo erst vor kurzem gezeigt, als sie mit einer Menschenkette ihr Nationalmuseum vor Plünderern schützten.“</p>

	<h2>Tatort Ägypten</h2>

	<p>Kairo, in den ersten Tagen der Proteste: Die Zentrale von Mubaraks Partei <span class="caps">NDP</span> steht in Flammen – gleich nebenan liegt das Ägyptische Museum. Zwei Tage lang drohten die Flammen überzugreifen. Letztendlich war aber nicht Feuer die eigentliche Gefahr für „Ägyptens Schatzkammer“. Einige Sicherheitsleute des Museums sollen das Chaos für Plündereien genutzt haben. Über eine Feuerleiter drangen weitere Unruhestifter in das obere Geschoss ein – und wüteten in der Abteilung, die Stücke aus dem Grab des Tutanchamun beherbergt.</p>

	<p>Ein gutes Dutzend Vitrinen wurde zertrümmert und über 70 Ausstellungsstücke trugen Schäden davon, darunter auch zwei Mumien. Bürger Kairos bildeten spontan schützende Menschenketten um das Museum; inzwischen bewachen Elitesoldaten das Haus, wie <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,742733,00.html">Spiegel Online</a> berichtete.</p>

	<p>Das ist eine Entwicklung, die jemanden in Wallung bringt, der seit vielen Jahren als der starke Mann am Nil in Sachen Geschichte gilt: der Archäologe Zahi Hawass, der mit seinem Markenzeichen – einem Schlapphut wie Indiana Jones – häufig in TV-Dokumentationen über das alte Ägypten auftritt. Und der wenige Tage vor den am 25. Januar beginnenden Unruhen in Kairo einmal mehr medienwirksam die „Rückgabe“ der Nofretete-Büste aus dem Neuen Museum zu Berlin einforderte. Weder Bundesregierung noch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind darauf eingegangen.</p>

	<h2>Altertümerverwaltung bekommt mehr Macht</h2>

	<p>Zahi Hawass, bislang Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, ist inzwischen aufgestiegen. Er steht seit wenigen Tagen dem neu geschaffenen Ministerium für Altertumsgüter vor. Aus Sicht von Hawass ist nun das Ansehen, das die historischen Kulturschätze und die archäologische Arbeit im ägyptischen Politikbetrieb genießen, auf ein zuvor unerreichtes Niveau gestiegen. Bislang war die Altertümerverwaltung dem Kulturministerium unterstellt.</p>

	<p>Wie sich die Berufung in eine neue Regierung, die den Druck vom bedrängten Präsidenten Mubarak nehmen soll, auf Hawass’ Reputation beim ägyptischen Volk auswirken wird – das muss sich erst noch zeigen. Aber nun kann sich Hawass noch intensiver dem Schutz der ägyptischen Kulturschätze widmen. Eine Mission, die, so darf man getrost annehmen, diesem Archäologen eine Herzensangelegenheit ist. Wenn auch die ersten Verlautbarungen des frischgebackenen Ministers zuweilen widersprüchlich anmuten – und die Frage aufwerfen: Wie schlimm waren jüngste Angriffe auf archäologische Stätten nun wirklich?</p>

	<h2>Minister widerspricht Schreckensmeldungen</h2>

	<p>Am 4. Februar 2011 veröffentlichte Minister Hawass auf seiner Internetpräsenz einen <a href="http://www.drhawass.com/blog/state-egyptian-antiquities-4-february-2011-0">Report über das Befinden der Antiken</a>. Das macht er schon seit Beginn der Revolten in Ägypten – über ausländische Dienstleister sogar während der Abschaltung des Internets durch das Mubarak-Regime.</p>

	<p>Bei diesen Reports scheint manches von der <a href="http://www.zeit.de/wissen/2011-01/zahi-hawass-portraet">Selbstinszenierung durch, die Hawass seit jeher liebt</a>. Etwa in der atemlos anmutenden Beschreibung der Informationszentrale, die Hawass in seinem Kairoer Büro einrichten ließ. In 24-Stunden-Schichten sammeln seine Mitarbeiter dort Informationen von den archäologischen Stätten im Land. „Ich hoffe, dass alle Welt diese Berichte liest und nicht Gerüchten Glauben schenkt“, schreibt Hawass. Eines dieser angeblichen Gerüchte besage etwa, dass Sakkara ein Opfer von Plünderern wurde. „Stimmt nicht“, kommentiert der Minister.</p>

	<p>Auch der Bericht eines Reporters von „National Geographic“, der über Plünderungen in Memphis schrieb, sei falsch. Den Bericht mit dem Titel „Egypt Treasures Looted, but Public Strikes Back“ („Ägyptische Schätze geplündert, aber das Volk schlägt zurück“; Übers. d. Red.) nahm „National Geographic“ vorerst von seiner Website. Dem stehen aber nun Aussagen einer Kennerin der archäologischen Szene in Ägypten entgegen: Wahaa el-Saddik, bis Ende 2010 Generaldirektorin am Ägyptischen Museum, bestätigte wiederum Nachrichten von Plünderungen. Das schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 3. Februar.</p>

	<p>Im Interview mit der Zeitung betonte el-Saddik, sie habe von Verantwortlichen der Magazine in Memphis einen verzweifelten Anruf bekommen, dass Plünderer vor Ort wüteten. „Ich verständigte sofort das Militär, doch das Haus wurde in großen Teilen ausgeraubt“, berichtete die Archäologin der <span class="caps">HAZ</span>. Sie blieb damit – im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Vorgesetzten Hawass – bei den Aussagen, die sie wenige Tage zuvor auch der Wochenzeitung <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/interview-el-saddik">Die Zeit</a> gegenüber machte. </p>

	<p>Auch andere, angeblich fehlerhafte Berichte verwirft Hawass in seinem <a href="http://www.drhawass.com/blog/sphinx-sad">Report vom 5. Februar</a> als übertrieben. Zudem seien die beim Angriff auf das Ägyptische Museum beschädigten beiden Mumien keine königlichen Mumien, sondern nur die Schädel von unbekannten Toten aus der Spätzeit, die vorübergehend im Museum lagerten.</p>

	<p>Und Hawass wiederholt, <a href="http://www.drhawass.com/blog/february-2-2011-state-egyptian-antiquities">was er schon zwei Tage zuvor schrieb</a>. Die ägyptischen Monumente seien sicher. Lediglich aus einem Magazin im Osten des Sinai seien 288 Objekte zwar zunächst gestohlen – aber kurz darauf wieder zurückgebracht worden. Ob pharaonisches Erbe, Moscheen, Synagogen oder Klöster – es gehe ihnen gut. Betont Hawass in diesen Tagen gebetsmühlenartig. Zumindest die Aussagen der Ex-Museumschefin el-Saddik lassen daran Zweifel aufkommen.</p>

	<p>Auch die altägyptische Nekropole Sakkara scheint doch nicht so gut durch die Unruhen gekommen zu sein, wie es Hawass betonte. Die US-amerikanische Kulturjournalistin Lee Rosenbaum veröffentlichte am 4. Februar in ihrem Blog <a href="http://www.artsjournal.com/culturegrrl/2011/02/news_flash_detailed_report_abo_1.html">CultureGrrl</a> den Bericht eines französischen Ägyptologen. Die französische archäologische Mission arbeitet in Sakkara. Der Augenzeuge berichtete von ersten Raubgrabungen und Zerstörungen in Sakkara und Abusir – Tage, bevor die Sicherheitskräfte dann tatsächlich das Gelände unter Kontrolle bekamen. Dieser „detaillierte Report erzählt eine andere Geschichte“ als die Meldungen von Hawass, schrieb Rosenbaum.</p>

	<h2>Archäologen auf dem Rückzug</h2>

	<p>Auch die internationale Riege der Archäologen zieht vorerst andere Schlüsse als Hawass. Das Deutsche Archäologische Institut stellte seine Grabungen erst einmal ein und zog die deutschen Wissenschaftler und studentischen Mitarbeiter ab. Etliche Kampagnen standen für dieses Jahr auf dem Programm des Instituts, das seit gut einem Jahrhundert Grabungen im Land betreut. Sein Büro in Kairo hat das <span class="caps">DAI</span> wegen der Unruhen geschlossen. „Die Grabungshäuser sind mit Ausnahme von Luxor nicht mehr besetzt“, teilte das Institut Anfang Februar mit. Polizei, Antikendienst oder private Initiativen von Bürgern hätten die Sicherung aber weitgehend übernommen, vermeldete das <span class="caps">DAI</span> auf seiner Facebookseite.</p>

	<p>Ägyptologen aus etlichen deutschen Universitäten <a href="http://www.zeit.de/wissen/2011-02/aegypten-forscher">legten ihre Forschungsarbeiten im Land auf Eis</a>. Betroffen ist das auch das Museum in Mainz. „Wir hatten vier Restauratoren im Ägyptischen Museum“, berichtete Archäologe Müller-Karpe. Die seien inzwischen ausgereist. Und sie brachten böse Kunde aus dem Kairoer Nationalmuseum mit. Bei den Übergriffen auf das Museum sei es zum einen um Vandalismus gegangen, sagte Müller-Karpe. „Aber es wurden wohl auch gezielt Kleinobjekte geklaut“. Dinge, die sich womöglich auf dem Schwarzmarkt wiederfinden.</p>

	<p>Zahi Hawass ist unterdessen darum bemüht, zu zeigen, dass er die Lage in Museen und Ausgrabungsstätten fest im Griff hat. Er legte am 6. Februar noch einmal <a href="http://www.drhawass.com/blog/uninformed-statements-and-clarifications">mit einem Bericht nach</a>. Darin notiert er, dass einige Aussagen der ehemaligen Kairoer Museumschefin el-Saddik unwahr seien. Sie habe „keinerlei Basis“ für ihre Behauptung, die Anlagen in Memphis hätten unter den Unruhen gelitten, sagte Hawass. El-Saddik hält sich seit kurzem in Deutschland auf. „Sie ist gar nicht in der Lage, die Zusammenhänge richtig einzuschätzen“, betonte Hawass.</p>

	<h3>Update am 11. Februar / Twitter</h3>

	<p><!-- https://twitter.com/gawhary/status/35980151850270720 --> <style type='text/css'>.bbpBox35980151850270720 {background:url(http://a3.twimg.com/a/1296843226/images/themes/theme1/bg.png) #C0DEED;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox35980151850270720'><p class='bbpTweet'>Junger Mann berichtet, dass er im ägyptischen Museum gefoltert wurde. Dort hat die Staatssicherheit anscheinend ihr Büro aufgeschlagen<span class='timestamp'><a title='Fri Feb 11 08:35:11 +0000 2011' href='https://twitter.com/gawhary/status/35980151850270720'>less than a minute ago</a> via <a href="http://bit.ly" rel="nofollow">bitly</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/Gawhary'><img src='http://a0.twimg.com/profile_images/1202354751/El-Gawhary_Portr_t_SW_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/Gawhary'>Karim El-Gawhary</a></strong><br/>Gawhary</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<h3>Update 13. Februar / Twitter</h3>

	<p>Es war beinahe zu erwarten: Nach dem Rücktritt von Mubarak am 11. Februar gerät auch die von ihm zuletzt eingesetzte Regierung in Bedrängnis. So vermutlich nun auch Antiken-Minister Zahi Hawass. Über Twitter kommen nun auch ägyptische Fachleute zu Wort &#8211; hier die Nachrichten einer Archäologin. Sie werfen wiederum ein neues Licht auf die Situation innerhalb der Altertümerverwaltung während der vergangenen 18 Tage.</p>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/36542022231928832 --> <style type='text/css'>.bbpBox36542022231928830 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox36542022231928830'><p class='bbpTweet'>Very important read abt the 9 masterpieces that are now confirmed to have been stolen from the Cairo Museum <a href="http://bit.ly/f7uUA7" rel="nofollow">http://bit.ly/f7uUA7</a><span class='timestamp'><a title='Sat Feb 12 21:47:51 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/36542022231928832'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Das war noch am Abend, 12. Februar. Folgende Tweets stammen von heute.</p>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/36715316922945536 --> <style type='text/css'>.bbpBox36715316922945540 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox36715316922945540'><p class='bbpTweet'>Getting news that Zahi Hawass, newly appointed minister of antiquities, is packing his stuff and leaving office. Waiting for confirmation.<span class='timestamp'><a title='Sun Feb 13 09:16:28 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/36715316922945536'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/36715653633290240 --> <style type='text/css'>.bbpBox36715653633290240 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox36715653633290240'><p class='bbpTweet'>He should b held accountable for the 8 (or more) masterpieces that have been stolen from the museum. He had insisted that nothing was stolen<span class='timestamp'><a title='Sun Feb 13 09:17:48 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/36715653633290240'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/36716106420985856 --> <style type='text/css'>.bbpBox36716106420985860 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox36716106420985860'><p class='bbpTweet'>Archaeologists need to act now to cleanse this institution from the rampant corruption and Zahi Hawass&#8217;s dictatorship<span class='timestamp'><a title='Sun Feb 13 09:19:36 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/36716106420985856'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<h3>Update 15. Februar</h3>

	<p>Mit Beginn dieser Woche mehren sich die Hinweise, dass Hawass-Kritiker nun gezielt gegen den Chef der Antikenverwaltung und Noch-Minister für Altertumsgüter vorgehen. Die Kritik kommt vor allem von jungen ägyptischen Archäologen, die sich vom straffen Kontrollsystem unter Hawass ausgegrenzt fühlen.</p>

	<p>Der &#8220;Boston Globe&#8221; veröffentlichte gestern auf seiner Internetpräsenz einen <a href="http://bit.ly/e1mdjC">Report über Proteste</a>. Glaubt man der Einschätzung des Reporters, ist eine regelrechte Demontage von Zahi Hawass im Gange. Es geht um seinen Umgang mit Informationen während der Unruhen, sein zögerndes Eingeständnis, dass es doch Diebstähle von Antiken gab &#8211; und um geringe Gehälter für Archäologen trotz enormer Einnahmen der Antikenverwaltung (unter anderem aus Drehlizenzen für ausländische TV-Teams).</p>

	<p>Wiederum machen via Twitter etliche Meldungen über Proteste und Aufrufe gegen Hawass die Runde.</p>

	<p><!-- https://twitter.com/fracicardi/status/37097388833247232 --> <style type='text/css'>.bbpBox37097388833247230 {background:url(http://a3.twimg.com/a/1296755102/images/themes/theme1/bg.png) #828687;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox37097388833247230'><p class='bbpTweet'>Around 200 protesting at Supreme Council Antiquities:the building is closed,Zahi inside?? <a href="http://twitter.com/search?q=%23Egypt" title="#Egypt" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#Egypt</a><span class='timestamp'><a title='Mon Feb 14 10:34:41 +0000 2011' href='https://twitter.com/fracicardi/status/37097388833247232'>less than a minute ago</a> via <a href="http://blackberry.com/twitter" rel="nofollow">Twitter for BlackBerry®</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/FraCicardi'><img src='http://a0.twimg.com/profile_images/1120559429/explanada_mezquitas_comprimido_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/FraCicardi'>Francesca Cicardi</a></strong><br/>FraCicardi</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/37151780051623936 --> <style type='text/css'>.bbpBox37151780051623940 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox37151780051623940'><p class='bbpTweet'>Archaeologists demanding proper wages, contracts and end of corruption, end of zahi <a href="http://twitter.com/search?q=%23Jan25" title="#Jan25" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#Jan25</a><span class='timestamp'><a title='Mon Feb 14 14:10:49 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/37151780051623936'>less than a minute ago</a> via <a href="http://www.tweetdeck.com" rel="nofollow">TweetDeck</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Bei dem Protest fallen jetzt auch immer wieder Fragen wie diese: Was brachte Hawass dazu, in den ersten Tagen des Aufstands immer wieder so sicher zu betonen, dass nichts verschwunden sei? Eine Frage, die auch diese ägyptische Twitterin heute umtreibt:</p>

	<p><!-- https://twitter.com/maswad/status/37560356440117248 --> <style type='text/css'>.bbpBox37560356440117250 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/175415568/ad07ac2d9c1dbf3a6c767eee0dc9388fec83ec1c_m.jpg) #f5f6fa;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox37560356440117250'><p class='bbpTweet'>we cud hv stopped smuggling stolen pieces through monitoring borders &amp;airports! Nw it s too late! Why did Hawas lie?!! <a href="http://twitter.com/search?q=%23jan25" title="#jan25" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#jan25</a><span class='timestamp'><a title='Tue Feb 15 17:14:21 +0000 2011' href='https://twitter.com/maswad/status/37560356440117248'>less than a minute ago</a> via <a href="http://mobile.twitter.com" rel="nofollow">Mobile Web</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/MAswad'><img src='http://a1.twimg.com/profile_images/1176000126/ad07ac2d9c1dbf3a6c767eee0dc9388fec83ec1c_msmall_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/MAswad'>Maha Al Aswad</a></strong><br/>MAswad</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<h2>Update 16. Februar</h2>

	<p>Die Proteste gegen Zahi Hawass in Ägypten gehen weiter. Den Kritikern gab gestern unter anderem die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Beitrag  <a href="http://bit.ly/fNUUeA">Wut auf Ägyptens Indiana Jones</a> eine Stimme.</p>

	<p>Heute meldete sich Hawass in seinem Blog wieder selbst zu Wort. Auf die Proteste selbst reagiert er darin nicht, sondern beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Situationsbeschreibung vom Zustand der Antiken im Ägyptischen Museum. Und dass es vor allem an der wirren Informationslage gelegen habe, dass er zunächst darauf bestanden habe, nichts sei gestohlen.</p>

	<p>Den Link zu seinem Blog gab Hawass via Twitter herum; auch dort ist keine zusätzliche Notiz zu lesen:</p>

	<p><!-- https://twitter.com/zahihawass/status/37855881597173760 --> <style type='text/css'>.bbpBox37855881597173760 {background:url(http://a1.twimg.com/profile_background_images/4579124/zahitwitter.jpg) #000000;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox37855881597173760'><p class='bbpTweet'><a href="http://www.drhawass.com/blog/update-current-state-antiquities" rel="nofollow">http://www.drhawass.com/blog/update-current-state-antiquities</a> <a href="http://fb.me/CvSnT7rH" rel="nofollow">http://fb.me/CvSnT7rH</a><span class='timestamp'><a title='Wed Feb 16 12:48:40 +0000 2011' href='https://twitter.com/zahihawass/status/37855881597173760'>less than a minute ago</a> via <a href="http://www.facebook.com/twitter" rel="nofollow">Facebook</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/ZahiHawass'><img src='http://a1.twimg.com/profile_images/79684280/G3SS4179_th_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/ZahiHawass'>Zahi Hawass</a></strong><br/>ZahiHawass</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<h3>Update 21. Februar</h3>

	<p>Trotz anhaltender Proteste seitens der jungen ägyptischen Wissenschaftselite bleibt Hawass im Amt. Mit gewohnter Durchsetzungskraft &#8211; und dem unvermeidlich anmutenden Hang zur Inszenierung vor ausländischen Fernsehteams &#8211; konzentriert sich der Chef der Altertümerverwaltung um die Neuordnung im Ägyptischen Museum.</p>

	<p>Die Nachrichten auf seinem Blog erscheinen mittlerweile nur noch alle paar Tage. Zuletzt verkündete Hawass das <a href="http://www.drhawass.com/blog/further-updates-state-egyptian-antiquities">Wiederauffinden eines der verschwundenen Artefakte</a>. Ein 16-jähriges Mädchen habe die kleine Statuette aus dem 14. Jahrhundert v.Chr. auf dem Tahrir-Platz gefunden.</p>

	<p>Inzwischen scheint sich der Alltag in Museen und archäologischen Stätten zu normalisieren. Sie sollen nun wieder für Besucher offen stehen.</p>

	<p><!-- https://twitter.com/woodenbeirut/status/39564560822173696 --> <style type='text/css'>.bbpBox39564560822173700 {background:url(http://a3.twimg.com/a/1297708673/images/themes/theme1/bg.png) #C0DEED;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox39564560822173700'><p class='bbpTweet'><a href="http://twitter.com/search?q=%23Egypt" title="#Egypt" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#Egypt</a> reopens museums and tourists sites. They had been closed since the revolution started in January <a href="http://bbc.in/dINug0" rel="nofollow">http://bbc.in/dINug0</a><span class='timestamp'><a title='Mon Feb 21 05:58:21 +0000 2011' href='https://twitter.com/woodenbeirut/status/39564560822173696'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/woodenbeirut'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/441412950/n5313809_34010990_6372_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/woodenbeirut'>Josh Wood</a></strong><br/>woodenbeirut</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Aber: Noch immer steht eine komplette Analyse und eine exakte Verlustmeldung aus. Und eine glaubhafte Übersicht, was wirklich in den ersten Tagen der Revolte an Orten wie Memphis geschah &#8211; und welche Objekte womöglich in die Hände von Antikenhehlern und Raubgräbern geraten sind.</p>

	<h3>Update 5, März: &#8220;Ägyptens Schätze in Gefahr&#8221;</h3>

	<p>Nun gab es also doch Plünderungen während der Frühphase der ägyptischen Revolte. Oder besser: Zahi Hawass räumt sie jetzt nicht nur öffentlich ein &#8211; er sorgt sich neuerdings lautstark um das historische Erbe Ägyptens.</p>

	<p>Nach einigen Tagen ohne neue Einträge veröffentlichte Hawass am 3. März auf seinem <a href="http://www.drhawass.com/blog/status-egyptian-antiquities-today-3-march-2011">Blog eine übel klingende Liste</a>. Darin führt Ägyptens führender Antikenschützer etliche Stätten auf, die &#8220;seit Mubaraks Sturz&#8221; geplündert worden seien &#8211; darunter Gräber, Museumsmagazine, Stätten wie Sakkara und Gizeh. Und immer weiter breite sich die Plünderungswelle aus. Hawass warnt: &#8220;Unsere Antiken sind in ernsthafter Gefahr!&#8221;</p>

	<p>Der radikale Stimmungswechsel bei Zahi Hawass bedarf einer tieferen Erklärung; irgendwann in naher Zukunft. Bizarr mutet er zumindest vor dem Hintergrund der Personalie &#8220;Zahi Hawass&#8221; an. Der erst kürzlich gekürte Antikenminister ist offenbar die seit Wochen anhaltenden Angriffe auf seine Person leid. Am 4. März kündigte er seinen Rücktritt als Antikenminister an, schrieb die <a href="http://artsbeat.blogs.nytimes.com/2011/03/03/egyptian-antiquities-chief-resigns/">New York Times</a>.</p>

	<p>Auch &#8220;Spiegel online&#8221; warf gestern einen <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,749091,00.html">Blick auf den Archäologen</a>. Dem Bericht zufolge mag Hawass nicht mehr unter der neuen Regierung arbeiten. Wir erinnern uns &#8211; Hawass wurde noch von Mubarak zum Antikenminister ernannt. Seither ließen Kritiker, darunter viele ägyptische Archäologen, den Mann kaum noch in Ruhe. Sogar Verwicklungen in den Antikenschmuggel warf man ihm vor, wie &#8220;Archäologie online&#8221; in seiner <a href="http://bit.ly/ejsjZV">Zusammenfassung der Ereignisse</a> am 4. März schreibt.</p>

	<p>Hawass wies laut &#8220;Spiegel&#8221; alle Kritik von sich. Was bleibt, ist seine Liste mit gut zwei Dutzend historischen Stätten, die geplündert worden sein sollen. Und es bleibt ein Geschmäckle, was der Mann, der lange vehement größere Gefahren für ägyptische Antiken abgestritten hatte (vom offensichtlichen Raubzug im Ägyptischen Museum abgesehen), mit dieser Liste bezweckt. Die Gleichzeitigkeit mit seiner Rücktrittsankündigung sieht nach Methode aus. Unklar ist bislang, ob Hawass zwar als Minister abtritt, aber dennoch weiter Chef der Antikenverwaltung bleibt.</p>

	<p>Vorläufiges Fazit dieses Reports: Es braucht eine unabhängige Kommission, die den tatsächlichen Sachstand von Plünderungen und etwaigen Raubgrabungen feststellt und katalogisiert.</p>

	<h3>Update 16. März &#8211; Listen mit Diebesgut</h3>

	<p><!-- https://twitter.com/norashalaby/status/48092789875019776 --> <style type='text/css'>.bbpBox48092789875019780 {background:url(http://a3.twimg.com/profile_background_images/70038856/leatherf.jpg) #ffffff;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox48092789875019780'><p class='bbpTweet'>RT @<a class="tweet-url username" href="http://twitter.com/Bennu" rel="nofollow">Bennu</a> 2 looting lists compared: the Official list &amp; the Unofficial leaked report: <a href="http://bit.ly/ewkyHU" rel="nofollow">http://bit.ly/ewkyHU</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23egypt" title="#egypt" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#egypt</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23museum" title="#museum" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#museum</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23hawass" title="#hawass" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#hawass</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23jan25" title="#jan25" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#jan25</a><span class='timestamp'><a title='Wed Mar 16 18:46:29 +0000 2011' href='https://twitter.com/norashalaby/status/48092789875019776'>less than a minute ago</a> via web</span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/norashalaby'><img src='http://a3.twimg.com/profile_images/121210305/2848682160_85156f27f3_o1_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/norashalaby'>Nora Shalaby</a></strong><br/>norashalaby</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Es existieren &#8211; zumindest für den Bestand im Ägyptischen Museum Kairo &#8211; inzwischen sogar zwei Listen mit Raubgut; eine offizielle und eine inoffizielle. Eine kleine <a href="http://www.talkingpyramids.com/two-looting-lists-official-unofficial/">Dokumentation diese Listen mit Raubgut</a> bietet das Blog &#8220;Talking Pyramids&#8221;.</p>

	<p>Nach wie vor gilt: Wo bleibt eine unabhängige Bestätigung dieser Listen? Und: Trotz allem sollten Behörden und Sammler die Augen offenhalten. Wer weiß, was bislang schon auf dem Schwarzmarkt gelandet ist. Obige Listen können durchaus korrekt sein. Und, wer weiß, womöglich noch immer nicht die endgültige Aufschlüsselung von ägyptischem Raubgut.</p>

	<h3>Update 20. März &#8211; Geraubte Statuen aus Luxor</h3>

	<p><!-- https://twitter.com/bennu/status/49542830594596865 --> <style type='text/css'>.bbpBox49542830594596860 {background:url(http://a2.twimg.com/profile_background_images/2598935/780blank.jpg) #000000;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox49542830594596860'><p class='bbpTweet'>Gang leader hides ancient Egyptian statues stolen last night &#8211; need to replace the ex-antiquities minister is critical: <a href="http://bit.ly/i7VJzz" rel="nofollow">http://bit.ly/i7VJzz</a><span class='timestamp'><a title='Sun Mar 20 18:48:25 +0000 2011' href='https://twitter.com/bennu/status/49542830594596865'>less than a minute ago</a> via <a href="http://bit.ly" rel="nofollow">bitly</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/Bennu'><img src='http://a0.twimg.com/profile_images/53009172/BennuTwitter_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/Bennu'>Talking Pyramids</a></strong><br/>Bennu</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<h3>Update 25. April &#8211; Götterdämmerung</h3>

	<p>Die Nachrichten, die über Zahi Hawass im Umlauf sind, und solche, die von ihm selber ausgehen, bleiben verwirrend. Hawass kündigte kürzlich an, nun doch wieder den Posten des Antikenministers zu übernehmen und wurde am 6. April vereidigt.</p>

	<p>In dieser alten neuen Funktion bläst er zur Jagd auf gestohlene Altertümer, die in den vergangenen Wochen und Monaten verschwunden waren. Dabei setzt Hawass unter anderem auf &#8220;Geld gegen Rückgabe&#8221;.</p>

	<p><!-- https://twitter.com/bennu/status/61882839842557952 --> <style type='text/css'>.bbpBox61882839842557952 {background:url(http://a2.twimg.com/profile_background_images/2598935/780blank.jpg) #000000;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox61882839842557952'><p class='bbpTweet'>Zahi Hawass is offering payments of between LE5,000 and LE50,000 to anyone returning stolen antiquities: <a href="http://bit.ly/hy7Iu3" rel="nofollow">http://bit.ly/hy7Iu3</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23egypt" title="#egypt" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#egypt</a> <a href="http://twitter.com/search?q=%23jan25" title="#jan25" class="tweet-url hashtag" rel="nofollow">#jan25</a><span class='timestamp'><a title='Sat Apr 23 20:03:13 +0000 2011' href='https://twitter.com/bennu/status/61882839842557952'>less than a minute ago</a> via <a href="http://bit.ly" rel="nofollow">bitly</a> <a href='http://twitter.com/intent/favorite?tweet_id=61882839842557952'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/favorite.png' /> Favorite</a> <a href='http://twitter.com/intent/retweet?tweet_id=61882839842557952'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/retweet.png' /> Retweet</a> <a href='http://twitter.com/intent/tweet?in_reply_to=61882839842557952'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/reply.png' /> Reply</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/Bennu'><img src='http://a0.twimg.com/profile_images/53009172/BennuTwitter_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/Bennu'>Talking Pyramids</a></strong><br/>Bennu</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Dann machte Hawass Negativschlagzeilen, weil er seinen Namen für eine neue <a href="http://www.artzulu.com/project/zahi-hawass">Modelinie</a> hergab. Die New York Times fasste die Vorwürfe wegen eines angeblichen &#8220;Ausverkaufs von Geschichte&#8221; am 18. April in ihrer <a href="http://www.nytimes.com/2011/04/19/arts/design/egyptian-antiquities-official-defends-fashion-line.html">Onlineausgabe zusammen</a> .</p>

	<p>Just in diesem Moment hat Hawass aber ganz andere Sorgen; ihm steht das Wasser nun auch juristisch bis zum Hals:</p>

	<p><!-- https://twitter.com/richaj2/status/61982051892596737 --> <style type='text/css'>.bbpBox61982051892596737 {background:url(http://a1.twimg.com/profile_background_images/220202779/beyonce_sexy_dl.jpg) #c1ebe7;padding:20px;} p.bbpTweet{background:#fff;padding:10px 12px 10px 12px;margin:0;min-height:48px;color:#000;font-size:18px !important;line-height:22px;<del>moz-border-radius:5px;-webkit-border-radius:5px} p.bbpTweet span.metadata{display:block;width:100%;clear:both;margin-top:8px;padding-top:12px;height:40px;border-top:1px solid #fff;border-top:1px solid #e6e6e6} p.bbpTweet span.metadata span.author{line-height:19px} p.bbpTweet span.metadata span.author img{float:left;margin:0 7px 0 0px;width:38px;height:38px} p.bbpTweet a:hover{text-decoration:underline}p.bbpTweet span.timestamp{font-size:12px;display:block}</style> <div class='bbpBox61982051892596737'><p class='bbpTweet'>Egypt antiquities chief faces jail time Middle East Al Jazeera English: Zahi Hawass Egypt&#8217;s ebullient minister f&#8230; <a href="http://bit.ly/i57k8w" rel="nofollow">http://bit.ly/i57k8w</a><span class='timestamp'><a title='Sun Apr 24 02:37:27 +0000 2011' href='https://twitter.com/richaj2/status/61982051892596737'>less than a minute ago</a> via <a href="http://twitterfeed.com" rel="nofollow">twitterfeed</a> <a href='http://twitter.com/intent/favorite?tweet_id=61982051892596737'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/favorite.png' /> Favorite</a> <a href='http://twitter.com/intent/retweet?tweet_id=61982051892596737'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/retweet.png' /> Retweet</a> <a href='http://twitter.com/intent/tweet?in_reply_to=61982051892596737'><img src='http://si0.twimg.com/images/dev/cms/intents/icons/reply.png' /> Reply</a></span><span class='metadata'><span class='author'><a href='http://twitter.com/richaj2'><img src='http://a1.twimg.com/profile_images/1215301333/Photo_4_normal.jpg' /></a><strong><a href='http://twitter.com/richaj2'>Francisco Aponte jr</a></strong><br/>richaj2</span></span></p></div> <!</del>- end of tweet --></p>

	<p>Zwar wurde Hawass verurteilt &#8211; wegen der möglicherweise unrechtmäßigen Auflösung eines Pachtvertrags -, aber durch ist die Sache noch nicht. &#8220;Der Standard&#8221; schreibt, dass Hawass Berufung einlegte. <a href="http://derstandard.at/1303291074709/Antikenminister-des-Anstosses">Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig</a>.</p>

	<p><a href="http://www.drhawass.com/blog/decision-court-case-against-me">Hawass nahm in seinem Blog Stellung zum Gerichtsurteil</a> und macht vorerst weiter wie bisher. Als Antikenminister und Herr über die ägyptischen Altertümer. Sein jüngster Eintrag im Blog vom 21. April beschreibt <a href="http://www.drhawass.com/blog/meeting-grand-egyptian-museum-team">Planungen für das Große Ägyptische Museum</a> .</p>]]></content:encoded>
				<wfw:commentRss>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/erst-irak-jetzt-aegypten/#comments</wfw:commentRss>
							</item>
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