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		<title>chronico - Geschichtsmagazin</title>
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		<description>Das Geschichtsmagazin chronico berichtet über Projekte, die historische Lebenswelten in Szene setzen. Fokus: Living History.</description>
		<pubDate>Thu, 24 May 2012 03:23:13 +0200</pubDate>
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		<language>de-de</language>
		<copyright>chronico - Geschichtsmagazin</copyright>
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				<title>Minden 2012: Reenactor-Preis bietet Chancen</title>
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				<pubDate>Tue, 22 May 2012 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>In diesem Jahr wird erstmals ein Reenactor-Preis vergeben. Die Mindener Auszeichnung muss sich erst noch bewähren. Sie wird in der Living-History-Szene womöglich Zweifel wecken. Aber der Preis birgt viel Potenzial.</description>
				<content:encoded><![CDATA[In diesem Jahr wird erstmals ein Reenactor-Preis vergeben. Die Mindener Auszeichnung muss sich erst noch bewähren. Sie wird in der Living-History-Szene womöglich Zweifel wecken. Aber der Preis birgt viel Potenzial.

	<h2>Werbekampagne für eine Stadt</h2>

	<p>Reenactment ist derzeit in der westfälischen Stadt Minden ein geläufiger Begriff. Die Kommune lobt erstmals in Deutschland einen Reenactor-Preis aus. Der ist eingebettet in eine umfassende Tourismuskampagne für die 80.000-Einwohner-Stadt. Viele Aktivitäten dieser Kampagne haben mit Geschichte zu tun.</p>

	<p>Auf historische Begebenheiten beziehen sich zwar viele Besuchermagneten hierzulande; man denke unter anderem an die Landshuter Hochzeit. Neu ist in Minden aber, dass hier eine Kommune bei der Ausgestaltung der historischen Kampagneninhalte konsequent auf Living History setzt. Seriöse Geschichtsdarstellung statt buntem Spektakel. Die Neuauflage einer <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/einige-perlen-und-ganz-viel-stahl/">Reenactment-Messe, die 2011 zum ersten Mal stattfand</a>, Zeitinseln, Stadtführungen – Minden entwickelt sich gerade zu einer Art Hochburg kommunal gesteuerter Living History. Unter Mitwirkung von Fachleuten aus der Szene. Und darin besteht, wie ich hier zeigen will, eine gute Chance für die Qualitätsentwicklung in der Living-History-Szene.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1347-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1347-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Ein Blick auf die Reenactmentmesse in Minden von 2011. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Auf vier Jahre hat Minden seine spezielle Tourismuskampagne angelegt und sich mit dem Konzept erfolgreich um Fördergeld von der EU beworben. Bis 2014 investiert die Stadt gut 784.000 Euro; inklusive einem 20-Prozent-Anteil vom Land Nordrhein-Westfalen.</p>

	<p>Im Zentrum des Geschehens: die Minden Marketing GmbH und ein Datum, das Weltgeschichte schrieb. </p>

	<h2>Minden und Amerika</h2>

	<p>Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges gehörte Minden zum Herrschaftsgebiet von Brandenburg-Preußen. Der Krieg umfasste viele europäische Großmächte und war – wegen der ebenfalls umkämpften Kolonien in Übersee – im Grunde ein Weltkrieg. Das Fürstenhaus zu Hannover, über Georg II auch Inhaber des britischen Throns, verbündete sich mit Preußen zu einer Allianz gegen ein Bündnis, dem unter anderem Frankreich und Sachsen angehörten.</p>

	<p>Am 1. August 1759 kam es bei Minden zu einem blutigen Treffen zwischen einem französisch-sächsischen Heer und den siegreichen Alliierten. Diese Schlacht hatte in der Politik der europäischen Weltmächte derart gewaltige Auswirkungen, dass sogar der Streit zwischen Franzosen und Briten um Kolonien in Nordamerika und Indien beeinflusst wurde – zum Nachteil Frankreichs. Britische Regimenter begehen noch heute den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Minden_Day">Minden Day</a>.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1346-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1346-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>In der Mindener St.-Simeonis-Kirche wird der Ereignisse von 159 gedacht; die Kirche diente damals als Lazarett. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Für touristische Reisewellen nach Minden hatte dieses Kriegsereignis zuvor nicht gesorgt. Napoleonische Schlachten wie Jena-Auerstedt und Leipzig oder das vermutliche Feld der Varusschlacht bei Osnabrück entwickelten da ungleich mehr Zugkraft. Oder anders gesagt: Der Siebenjährige Krieg mag vielen ein Begriff sein; aber wer denkt da gleich an die „Schlacht bei Minden“? Reenactors, die das 18. Jahrhundert für sich entdeckt haben, zum Beispiel. Und das nicht nur in Deutschland.</p>

	<h2>Warum das Ganze?</h2>

	<p>Die Stadt hat mit Weserrenaissance, Dom und Preußen-Museum Schönes zu bieten. Aber die Innenstadt leidet auch – und so etwas ist nie ein gutes Zeichen für die Befindlichkeit einer Kommune – unter einem gewissen Ladenleerstand. So vermeldete das Mindener Tageblatt im Sommer 2011 rund <a href="http://www.mt-online.de/lokales/blickpunkt/innenstadt_entwicklung/4742980_20_Prozent_Leerstand_in_Innenstadt.html">20 Prozent Leerstand bei den Einzelhandelsflächen in der Innenstadt</a>. Tourismus allein ist kein Allheilmittel gegen solche Entwicklungen. Aber die neue Kampagne „Geschichte neu erleben in <span class="caps">NRW</span> – Minden 2011-2014“ kann frischen Wind bringen.</p>

	<p>Mit der Living History als Kernthema sicherte sich Minden auch die EU-Förderung. „Da liegen wir ganz im Zeitgeist“, findet Sander. Gutes Reenactment – und Sander trennt hier deutlich vom Mittelalterspektakel – könne für Begeisterung sorgen.</p>

	<p>Die Mindener haben den Beweis schon angetreten: In den Jahren 2008 und 2009 organisierte ein Team um den Reenactor Udo Brühe bereits erste historische Szenen in der Stadt. Zum 250. Jahrestag der Mindener Schlacht mit groß angelegtem Reenactment kamen rund 400 Akteure und gut 35.000 Zuschauer. Brühe, als Darsteller gewissermaßen im Achtzehnten zu Hause, sprach gezielt auch britische Gruppen an. Die waren elektrisiert: „Der Name der Stadt hat gezogen“, berichtet er. Oder anders gesagt: Das hierzulande sonst wenig bekannte Jahr 1759 zog viele Reenactors magisch an.</p>

	<p>Und damit waren zwei Dinge für die Kampagne festgelegt: zum einen der Leitgedanke, die Mindener Geschichte in Form von Living History auszuleben; zum anderen die enge Zusammenarbeit mit Reenactors. Die Historikerin Stefanie Hahlbohm, zuvor beim Preußen-Museum tätig, wurde eigens als Koordinatorin der Kontakte zwischen Reenactment-Szene und Stadtmarketing engagiert. <a href="http://www.zeit.de/2011/46/Interview-Minden">Der Wochenzeitung Die Zeit gab sie ein Interview</a>, das sich ernsthaft mit dem Reenactment befasst. Auch solche Berichterstattung ist bereits ein Pluspunkt für die Szene.</p>

	<h2>Debatte um Qualität</h2>

	<p>Oktober 2011: Jörg-Friedrich Sander, Chef vom Minden Marketing, hat sich Fachberatung eingeladen. Martin Klöffler von der Agentur <a href="http://www.facing-the-past.com">Facing the Past</a> ist dabei; dazu Karl-Heinz Lange von der <a href="http://www.kgl.info">King’s German Legion</a>, Andreas Kuhnert von der Gruppe <a href="http://www.hortus-lupi.de/" title="Darstellung um 1200">Hortus Lupi</a> und Nils Kagel vom <a href="http://www.kiekeberg-museum.de">Freilichtmuseum am Kiekeberg</a>. Für die Fachmedien sind Udo Brühe und Thorsten Piepenbrink von <a href="http://www.afaktor.de">Afaktor</a> sowie das Geschichtsmagazin chronico (durch mich selbst) vertreten. In späteren Gesprächsrunden kommen weitere Akteure aus der weit verzweigten Living-History-Szene hinzu. Es geht dabei um Meinungen, um die Ausgestaltung von Events – und auch um den Reenactor-Preis.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1345-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1345-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Auf Erkundungstour zu Schauplätzen der Mindener Geschichte (von links): Thorsten Piepenbrink, Andreas Kuhnert, Jörg-Friedrich Sander und Stefanie Hahlbohm. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Kuhnert berichtet vom Museumsdorf Düppel (Berlin), wo er mit seiner früheren Gruppe, der IG Wolf, schon vor 15 Jahren mit Gespür für historische Hintergründe das Hochmittelalter vor Publikum ausbreitete. Kagel arbeitet auf dem Kiekeberg mit professioneller Living History. Auf Fotos vergangener Events in Minden entdeckt er einige kleine Unstimmigkeiten. Töpfe, zum Beispiel, die nicht so recht ins 18. Jahrhundert passten. Was Klöffler zur Frage der Qualitätssicherung bringt. Und Minden will Qualität zeigen. Lange, der schon seit Mitte der 1980er Jahre im Reenactment unterwegs ist, plädiert für einen gewissen Pragmatismus. „Verbesserung passiert ja ständig. Das sollte man auch zulassen.“</p>

	<p>Was Minden plant, könnte viel Dynamik für die Subszene rund ums 18. Jahrhundert bringen. „Vielleicht als Initialzündung für Zweitdarstellungen“, meint der Napoleoniker Lange. Auch Klöffler sieht die Kampagne als möglichen Katalysator für Neuentwicklungen an. Immerhin bereiten Brühe und andere Akteure derzeit ein weiteres, groß angelegtes Reenactment vor: Die Mindener Schlacht soll zum 255. Jahrestag erneut mit möglichst genau recherchierten Szenen und Darstelleraktionen dem Publikum nahe gebracht werden. Damit wird die Kampagne 2014 einen weiteren großen Höhepunkt haben.</p>

	<p>Die Tourismusgesellschaft hat ein Budget, um das sie von manchen Veranstaltern vermutlich beneidet wird. Aber natürlich agiert sie nicht aus purem Idealismus, denn zunächst einmal soll die ganze Show der Stadt dienen: „Wir sind eine Marketinggesellschaft und wir wollen messbare Erfolge“, sagt Sander. Nein, konkrete Zahlen, um wie viel Prozent der Besucherstrom ansteigen soll, nennt er nicht. In Minden soll aber ein gewisser Zug spürbar werden. Zu verschenken hat die Stadt dabei nichts; auch sie setzt vor allem auf den Enthusiasmus vieler Living-History-Akteure. Die Darstellerszene wiederum kann den Werbeeffekt für sich nutzen. Ich meine, sie sollte es sogar.</p>

	<h2>Der Reenactor-Preis</h2>

	<p>Als Minden 2011 die „1. Internationale Reenactment-Messe“ ankündigte, war der Titel etwas irritierend. Ein paar Monate zuvor gab es eine ähnlich gelagerte Messe – die tatsächlich die erste ihrer Art in Deutschland war – in der <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/messe-entwickelt-charme/">Villa Borg im Saarland</a>. Mit der Messe verbinden die Mindener handfeste Absichten; unter anderem soll damit das Image der Stadt als Standort für die Living-History-Szene gefestigt werden.</p>

	<p>In diese Richtung zielt auch der Mindener Reenactor-Preis. Eine derartige Auszeichnung wird nun tatsächlich erstmals hierzulande vergeben. Auslober ist Minden Marketing. Vergeben wird der Preis während der Reenactment-Messe vom 6. bis 7. Oktober 2012. Noch bis zum 20. August können sich Kandidaten selbst bewerben oder von Dritten vorgeschlagen werden.</p>

	<p>Drei Kategorien sind vorgesehen: bester weiblicher oder männlicher Einzeldarsteller, beste Gruppe sowie ein Preis für eine Nachwuchsgruppe. In der ersten Kategorie soll eine Persönlichkeit ausgezeichnet werden, die „mit Leidenschaft und Engagement authentisches Reenactment mit einer wissenschaftlichen Fundierung betreibt“; das besagen die Ausschreibungsunterlagen. Auch Vermittlungskompetenzen müssen vorhanden sein. Ähnliche Ansprüche soll auch die „beste Gruppe“ erfüllen. Belege in Form von Referenzen müssen beigefügt werden. Letzteres ist bei Nachwuchsgruppen nicht zwingend erforderlich. Doch auch diese Kandidaten müssen sich „dennoch durch Wissen und Verbesserungswillen auszeichnen“.</p>

	<p>Auch Akteure aus der Schweiz, Österreich und anderen europäischen Ländern können sich bewerben. Die Gekürten bekommen beim Festakt jeweils eine von einem Mindener Künstler gefertigte Skulptur überreicht. Der Darstellungszeitraum ist beliebig; in Minden werden sowohl antike Szenen gezeigt als auch solche, die um 1900 spielen. An diesem Rahmen darf man sich bei der Bewerbung getrost orientieren.</p>

	<p><a href="http://chronico.de/downloads/public/reenactorpreis-minden-2012.pdf" data-gat="/downloads/public" class="gat">Bewerbungsformular Reenactor-Preis Minden 2012</a></p>

	<h2>Die Zusammensetzung der Jury</h2>

	<p>Es gab Bedenken bei manchen Beratern aus der Szene, was den Sinn oder die Ausgestaltung eines solchen Reenactor-Preises angeht. Wie ließe sich, bei allem guten Willen, ein faires Auswahlverfahren gestalten? Könnte jemand, der Experte für römische Kaiserzeit ist, eine Darstellung rund um 1900 wirklich beurteilen? Wer sollte überhaupt werten? Marketingchef Sander plädierte für Pragmatismus und strebte eine erste Preisverleihung noch für das Jahr 2012 an – Minden will während der Kampagne besondere Höhepunkte vorweisen.</p>

	<p>Wiederum gelang der Stadt ein guter Zug, weil sie erneut auf Kooperation mit der Szene setzte. Kein Stadtangestellter ist Mitglied der Preisjury. Die sechs Mitglieder haben allesamt praktisch mit Geschichte zu tun. Einer der bekanntesten Namen dürfte der des Historikers <strong>Marcus Junkelmann</strong> sein, der in Sachen Living History <a href="http://www.junkelmann.de/">Pionierarbeit</a> geleistet hat. <strong>Martin Klöffler</strong> (Facing the Past) ist ebenfalls dabei. Eine kluge Wahl ist die Besetzung des Freiburger Forschers <strong>Wolfgang Hochbruck</strong>, der sich über Jahre hinweg mit <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/qualitaet-mit-zertifikat-im-geschichtstheater/">dem Qualitätsbegriff für die Living History</a> befasste.</p>

	<p><strong>Werner Best</strong> kommt von der Archäologie-Abteilung des Landesverbandes Westfalen Lippe und ist zudem im Verein <a href="http://www.experimentum-info.de">Experimentum</a> engagiert, der sich mit der Rekonstruktion historischer Lebenswelten beschäftigt. Der anglo-schweizerische Illustrator <strong>Gerry Embleton</strong> hat durch <a href="http://www.gerryembleton.com/illustrations_hist.html">seine Arbeit</a> viel mit Rekonstruktion historischer Fakten zu tun und ist Mitbegründer der <a href="http://www.companie-of-st-george.ch/cms/?q=de/The_Company">Companie of Saynt George</a>, die vorwiegend in der Schweiz vertreten ist. Sie genießt einen guten Ruf als sorgfältig arbeitende Reenactmentgruppe, die sich als Artillerieeinheit des 15. Jahrhunderts präsentiert. <strong>Mark Wallis</strong> schließlich ist Chef der renommierten britischen Geschichtsagentur <a href="http://www.pastpleasures.co.uk/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=89&amp;Itemid=108">Past Pleasures Ltd</a>, die seit 1987 Living-History-Events innerhalb und außerhalb von Museen organisiert.</p>

	<h2>Warum mitmachen?</h2>

	<p>Es ist nicht Aufgabe von Minden Marketing, der Reenactmentszene zu neuen Qualitätsentwicklungen zu verhelfen. Umgekehrt sind Reenactors nicht dazu da, einer Kommune beim Erreichen ihrer Marketingziele zu helfen. Die in Minden schon 2008 begonnene Zusammenarbeit zwischen Stadt und Szene kann nur funktionieren, wenn diese Bedingungen klar sind. Als Kooperation, von der beide Seiten profitieren sollten.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1349-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1349-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="263" /></a>
<figcaption>Zivildarstellung im Rahmen von &#8220;<span class="caps">MINDEN</span>er Leben 1762&#8221;: Im August wird der Jahrestag von Friedrich dem Großen zelebriert. <span class="copy">© Minden Marketing</span></figcaption></figure>


	<p>Minden hätte Geld und mediale Aufmerksamkeit auch in Theaterfestspiele, Altstadtfeste und Ähnliches investieren können. Die Stadt hat sich für das Reenactment entschieden (ohne freilich die anderen touristischen Aktivitäten aus den Augen zu verlieren). Und dies kann ein Beispiel für andere Gemeinden sein – aus der eigenen Geschichte etwas Seriöses zu gestalten.</p>

	<p>Die Bewerbungsrichtlinien für den Preis sind recht vage formuliert; das kann zu Kritik führen. Bei manchen Aktiven geht mittlerweile auch die Befürchtung um, dass sich gute Gruppen oder Einzeldarsteller gar nicht erst bewerben, weil sie eher die Lücken in ihrer Darstellung sehen. Oder womöglich Bedenken haben, dass eine Bewerbung als Profilierungsversuch angesehen wird.</p>

	<p>Solche Sorgen wären nicht ungewöhnlich für die Szene – aber sie sollten niemanden von einer Bewerbung abhalten. Wenn die Jury ihre Arbeit gut macht, wird sie etwaige Lücken richtig einzuordnen wissen. Je besser eine Bewerbung begründet und dokumentiert ist, desto höher die Chancen. Und schließlich ist die Bewerbung auch eine gute Möglichkeit, die eigenen Ziele und Konzepte endlich einmal schlüssig aufzubereiten. Nicht jede Gruppe macht das. Der Preis wäre dann im Grunde nur noch das Sahnehäubchen.</p>

	<p>Allerdings hat die Stadt Minden mit der Auslobung des Preises auch eine hohe Verantwortung übernommen: Ein Preis bekommt nicht nur durch eine kompetente Jury oder ein gutes Konzept seine Würde – sondern auch durch Stetigkeit. Wenn die Kampagne 2014 ausläuft, gibt es danach noch einen Reenactor-Preis? Gesetzt den Fall, er zieht gute und ernsthafte Bewerbungen und, bitteschön, auch viele sachliche Diskussionen nach sich, dann wäre ein abruptes Ende der Preisgeschichte eher ein Schlag ins Kontor. Deshalb sollte Minden Marketing spätestens im Oktober dieses Jahres verlässliche Aussagen treffen.</p>

	<p>Und sonst? Nur so als Gedanke: Selbst wenn theoretisch nur drei Mal der Reenactor-Preis verliehen wird, ließe sich immerhin rund drei Jahre lang gut über dessen Ausgestaltung debattieren. Über Auswahl- und Bewerbungsrichtlinien und über Anforderungen an Darsteller. Nicht zuletzt dürfte auch über die Frage gestritten werden, was denn nun Qualität genau ausmacht. Deshalb ist der Preis eine gute Gelegenheit (und er muss dafür gar nicht zum „Gütesiegel“ hochstilisiert werden).</p>

	<p>Das funktioniert nur, wenn beide Seiten – also Minden Marketing und die Living-History-Szene – die Angelegenheit ernst nehmen.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Buchideen für Rom: Haushalt, Reenactment oder Fiktion?</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/buchideen-fuer-rom-haushalt-reenactment-oder-fiktion/</link>
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				<pubDate>Tue, 08 May 2012 12:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Das Legionärsleben als Experiment; eine mörderische Schlacht; üppiger Waffenschmuck; der ganz normale Alltag oder ein raffiniertes Wegesystem: Literatur über Rom auf dem Prüfstand. Fünf Titel; fünf Konzepte.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das Legionärsleben als Experiment; eine mörderische Schlacht; üppiger Waffenschmuck; der ganz normale Alltag oder ein raffiniertes Wegesystem: Literatur über Rom auf dem Prüfstand. Fünf Titel; fünf Konzepte.

	<h2>Fünf Wege ins Imperium</h2>

	<p>Neulich stand ich wieder in der Geschichtsabteilung meiner Lieblingsbuchhandlung in Hannover. Während ich die Titel überflog, hier wissend nickte, dort kaum ein Gähnen unterdrücken konnte, kam mir ein Gedanke. Immer wieder werfen Verlage Bücher auf den Markt, die einen Überblick bieten sollen. Möglichst das große Ganze; das Mittelalter, die Antike. Ist aber manchmal nicht der bewusst eingegrenzte Bick der bessere? Weil er zu einem speziellen Thema einfach mehr Details bieten kann?</p>

	<p>Flugs sichtete ich daheim meinen Bestand an noch nicht besprochenen Büchern; das alte Rom stach deutlich hervor. Ich griff mir fünf Titel aus der jüngeren Zeit. Eines davon ist von Reenactors geschrieben. Aber auch die anderen Bände haben mit Blick auf die Living History ihren Reiz. Für den interessierten Leser allemal.</p>

	<h3>Der ganz normale Alltag</h3>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1318-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1318-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="267" /></a>
<figcaption>Schöner Überblick mit wenig Tiefgang. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ich beginne mit dem optisch reizvollen Buch „Das Alte Rom – Leben und Alltag“ der US-amerikanischen Historiker Nancy H. und Andrew Ramage (Theiss Verlag). Eine stille Hoffnung, die ich noch beim Erhalt der Verlagsvorschau hegte, musste ich allerdings begraben: Es gibt keine Rekonstruktionen, keine Living History. Gleichwohl drehen sich die schön erzählten Beiträge tatsächlich um alle wichtigen Lebensbereiche eines Römers. Götterkult, Stadt- und Landleben, Kultur, Krieg, Ökonomie oder Haushalt – ich meine, die Autoren haben nichts übersehen.</p>

	<p>Die Eingrenzung des Themas ist klar. Nicht die Chronologie gibt den Takt vor, sondern die einzelnen Bereiche des tatsächlichen Lebens. Und doch zeigen sich auch Nachteile im Buchkonzept. Quetschen Sie mal das Leben sämtlicher Bürgerschichten von den etruskischen Königen bis zum Untergang des Weströmischen Reichs auf nicht ganz 180 Seiten. Eben! Zumal noch das Schicksal wichtiger Antikensammlungen in der Neuzeit behandelt und wenigstens ein minimaler historischer Überblick gegeben werden muss (beides übrigens gut gelöst).</p>

	<h3>Ärgerlicher Patzer</h3>

	<p>Es ist also klar: Trotz Eingrenzung des Themas bleibt dem Autorenpaar nichts anderes übrig als der schnelle Ritt durch die einzelnen Bereiche. Für meinen Geschmack bekommt der glanzvolle, aber seltene Triumph im Abschnitt über die Armee zu viel Platz eingeräumt. Das Leben der Legionäre wird nur angedeutet. Immerhin erfahre ich, dass die Ramages Verfechter der Theorie sind, dass Maskenhelme von Reitern nur in Turnieren, nicht aber im Kampf getragen wurden.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1319-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1319-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Optisch gibt es nichts auszusetzen. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Richtig schön sind etwa der Ausflug in die römische Porträtkunst oder das Kapitel, das Medizinkunst und Grabsitten zusammenfasst. Ärgerlich hingegen der Patzer auf Seite 21: Dort schreiben die Autoren, dass Kaiser Caligula im Jahr 212 n.Chr. per Gesetz das Bürgerrecht auf alle freien männlichen Bewohner des Imperiums ausdehnte. Das Gesetz gab es (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Constitutio_Antoniniana">Constitutio Antoniniana</a>), aber es wurde unter Kaiser Caracalla verabschiedet. Im Anhang mit einem Überblick über die Dynastien sind beide Kaiser korrekt einsortiert.</p>

	<h3>Das verborgene Leben</h3>

	<p>Leider bleibt mir auch der Alltag eines Bauern oder eines einfachen Händlers verborgen; auch wenn ich viel über Wirtschaft und Handelsbeziehungen erfahre. Den ganz feinen Lupenblick haben die Autoren nicht aufgesetzt. Als Gegenbeispiel fällt mir das im April 2012 erschienene Buch <a href="http://www.randomhouse.de/Buch/Vom-Gladiator-zur-Hure-Die-Reise-einer-Muenze-durch-das-Roemische-Reich/Alberto-Angela/e404600.rhd">Vom Gladiator zur Hure – Die Reise einer Münze durch das Römische Reich</a> ein. Der Autor Alberto Angela stand vor dem gleichen Problem wie die Ramages: Beschreibe den Alltag der ganz normalen Römer. Angelo griff zu einem Trick. Er nahm eine echte Münze; eine ganz eng gefasste Zeit (nämlich die trajanische um 117 n.Chr.) und ließ diese Münze einen fiktiven Weg quer durchs Imperium nehmen. Jede Station eine neue Geschichte, die sich zu einem Gesamtbild fügen. Tolle Idee! Allerdings nahm sich Angela auch 600 Seiten Platz. Und mögen die einzelnen Beiträge noch so sehr auf Fakten beruhen; als fiktive Stories sind sie keine harten Rekonstruktionen der Befunde. Nicht jedermanns Sache.</p>

	<p>Doch zurück zum Ramage-Titel: Das Buch ist für Menschen gedacht, die mehr an Kulturgeschichte als an Jahreszahlen Geschmack finden. Dem wird es auch gerecht. Die Aufmachung ist klasse; das Bildmaterial faszinierend. Dabei konzentrierten sich die Buchmacher fast ausschließlich auf den Fundus des British Museum. Auch das hat ja eine gewisse Stringenz.</p>

	<h2>Studenten proben Legionärsleben</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1316-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1316-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="288" /></a>
<figcaption>Dokumentation mehrerer Experimente. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Es wird Zeit für die Praxis. Etwas, das sich auch Studenten sowie Dozenten der Universitäten Augsburg und Regensburg gesagt haben. Beide hoben Forschungsprojekte zur Living History aus der Taufe. Das Ergebnis sind zwei Legionsgruppen, die seit einigen Jahren in der Darstellerszene mitmischen: die <a href="http://web.me.com/christian.koepfer/FAGUA/F.A.G.U.A..html">Legio <span class="caps">XIII</span> Gemina</a>
 und die <a href="http://www.legion-regensburg.de/">Legio <span class="caps">III</span> Italica Antoniniana</a>, Soldaten des historischen Legionslagers von Regensburg darstellend. Im Umkreis der Legio <span class="caps">III</span> gab es schon 2004 einen Marsch in kompletter Ausrüstung über die Alpen nach Trient; mit einer Gruppe um Florian Himmler und Josef Löffl. Die Augsburger Legionäre um Dozent Christian Koepfer traten 2009 in Aktion; im darauffolgenden Jahr unternahmen auch sie einen zweiwöchigen Marsch, der sie von Mertingen nach Hohenschwangau führte.</p>

	<p>Man darf von den Gruppierungen eine wissenschaftliche Herangehensweise erwarten. Sie haben sich denn auch der experimentellen Archäologie verschrieben. Für die Unternehmungen außerhalb des Lehrbetriebs arbeiten die Regensburger mit dem Verein der Freunde der Alten Geschichte <span class="caps">VEFAG</span> zusammen; in Augsburg gründeten die Akteure 2011 das Forschungsprojekt  <span class="caps">FAGUA</span>; Freunde der Alten Geschichte der Universität Augsburg.</p>

	<h3>Die Armee als Experiment</h3>

	<p>Im vorigen Jahr erschien im Wissenschaftsverlag Frank&amp;Timme ein gemeinsames Buch der Legionsprojekte: Himmler, Koepfer und Löffl gaben gemeinsam das Buch „Die römische Armee im Experiment&#8221; heraus. Auf gut 300 Seiten haben die Dozenten, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studenten ihre ganz praktischen Erfahrungen niedergeschrieben.</p>

	<p>Verfasst ist der Sammelband mit 23 Beträgen nach wissenschaftlichen Maßstäben. (<a href="http://www.frank-timme.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/978-3-86596-365-9_Inhaltsverz.pdf">Ein <span class="caps">PDF</span> mit dem Inhaltsverzeichnis gibt es hier</a>.) Dieser Ansatz ist goldrichtig; denn wie viele Projekte aus der Living History werden gern „aus der kalten Hand“ heraus vorgenommen! Von Wissenschaft, gar von klar definierten und wiederholbaren Vorgängen (denn genau das sind wissenschaftliche Experimente) ist oft wenig zu spüren. Was die Akteure tun, wie sie vorgehen und wie sie ihre Projekte auswerten – genau das macht dieses Buch zu einer Schatzkiste. Ich sehe es auch als eine Art Leitfaden für Living-History-Gruppen jeder Couleur.</p>

	<h3>Living History und Wissenschaft</h3>

	<p>Schön zu sehen, wie einzelne Bereiche ineinander greifen. So legt der gelernte Schmied <a href="http://aghistorischeshandwerk.de/Eisen.html">Jürgen Graßler – Mitglied der AG Historisches Handwerk</a> in allen Einzelheiten die Fertigung eines Gladius dar. Die Waffe wird im nächsten Kapitel einem Wirkungstest unterzogen. Die Märsche der beiden Legionsgruppen werden ausführlich beschrieben. Und es wird nicht verschwiegen, dass die an solche Belastungen kaum gewöhnte Teilnehmer schnell an ihre Grenzen stießen. Dass moderne Menschen selten den physischen Ansprüchen gerecht werden, die ein tiefgründiges Reenactment abverlangen kann, ist bei solchen Experimenten immer zu berücksichtigen.</p>

	<p>Man kann sich darüber streiten, ob die Auswirkung von Nässe auf Schildrekonstruktionen oder der Nutzen der römischen Halstücher nun unbedingt eigene Kapitel beanspruchen müssen. Die Zusammenstellung der Themen wirkt zuweilen etwas sehr zufällig; manchmal wünschte man sich weniger Wissenschaftssprache, wenn es um so menschliche Erfahrungen wie Schwielen an den Füßen geht. Und zuweilen wird zwar erwähnt, dass bestimmte Daten erhoben wurden – die sich im Buch aber nicht wiederfinden.</p>

	<p>Ein komplettes Abbild vom alltäglichen Leben eines Legionärs bietet der Band sicher nicht. Dennoch lassen sich in Summe eine Menge guter Fakten aus dem Buch herauslesen. Und es ist eben keine Nebensache, welche Nagelung die Stiefel haben müssen; wie viele Ersatznägel man mitführen muss und wie umfangreich eigentlich eine Tagesration für marschierende Soldaten zu sein hat. Betrachtungen wie diese können eine gute Prüfung von historischen Quellenangaben sein. Und sie sagen viel über die logistischen Leistungen der römischen Armee aus.</p>

	<p>Ich sehe vor allem zwei wichtige Zielgruppen für das Buch: Erstens die Reenactors, die ihre Projekte und ihre Experimente auf eine seriöse Basis stellen wollen – und freilich auch dokumentieren wollen (es muss ja nicht immer gleich ein Buch sein, dessen Veröffentlichung die Autoren im Wissenschaftsbetrieb zuweilen selbst vorfinanzieren müssen). Zweitens, und das ist für mich genauso wichtig, kann der Band auch im Hochschulbetrieb als Inspiration dienen. Living History ist zwar im Kommen; noch aber scheut die klassische Geschichtswissenschaft allzu starke Berührungen mit dem Thema. Doch wenn Praktiker und Wissenschaftler in derartigen Projekten zusammenarbeiten, lassen sich auch neue Qualitätsstandards festlegen. Davon können alle Seiten profitieren. Dies ist eine wichtige Erkenntnis aus dem Buch.</p>

	<h2>Opulent: Römischer Waffenschmuck</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1317-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1317-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="277" /></a>
<figcaption>Schöne Waffenkunde von Künzl. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ein optischer Leckerbissen ist der Band „Unter den goldenen Adlern“ des <a href="http://www.archaeologie-sachbuch.de">Wissenschaftlers und Publizisten Ernst Künzl</a>. Seine Spezialität ist die Archäologie der Römerzeit; bis 2004 war er Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Das <span class="caps">RGZM</span> brachte 2008 gemeinsam mit dem Verlag Schnell+Steiner den Band heraus.</p>

	<p>Künzl hat hier mit gut 150 Seiten ebenfalls einen sehr begrenzten Platz. Wiederum ist Themenbegrenzung das gebot der Stunde. Der Archäologe nimmt sich die römische Waffenkunde vor und präsentiert die wichtigsten Entwicklungen römischen Waffenschmucks. Und hier bereitet der Autor eine herrliche Stofffülle auf, mit der auch Reenactors gut arbeiten können.</p>

	<p>Zeichnerische und reale Rekonstruktionen gehen Hand in Hand. Fotos moderner Living-History-Ausrüstungen und vor allem die berühmten Zeichnungen des jüngst verstorbenen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Connolly">britischen Illustrators Peter Connolly</a> prägen die Ausstattung; ergänzt durch gutes Bildmaterial archäologischer Funde. Text und Bilder sind in diesem Buch vorbildlich miteinander verwoben.</p>

	<h3>Pracht und Drama</h3>

	<p>Künzl listet überlieferte Verzierungen auf und bietet Erläuterungen zu Verarbeitung und Symbolik. Und zeigt, dass die Legionäre mit ihren Waffen nicht nur religiöse, sondern auch politische Aussagen trafen. Zu sehen etwa am sogenannten „Schwert des Tiberius“, in dem Germanicus als Nachfolger des Kaisers beschworen wird.</p>

	<p>Nicht nur die Pracht, auch die dramatische Seite des römischen Heerwesens dringt zum Leser durch. Etwa die Aufarbeitung von Kämpfen um das Jahr 260 n.Chr. im Kastell Neuwied-Niederbieber. Ausgräber fanden im 19. Jahrhundert das Skelett eines Standartenträgers neben seinem Feldzeichen. Eine silberne Phalera, eine Auszeichnung für die Truppe, wies zudem ein Pfeilloch auf.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1321-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1321-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Beispielseite aus dem Künzl-Buch. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Die kultische Bedeutung der Legionsadler, das kleine Einmaleins der römischen Waffen- und Rüstungskunde oder die wichtigsten Unterschiede zwischen Legionären und Auxiliartruppen – für all dies findet Künzl ausreichend Platz. Und zeigt auch, dass die Römer gern von ihren Nachbarn und Feinden lernten. Einzig die lorica segmentata, der Schienenpanzer, ist laut Künzl eine originär römische Entwicklung. Vor allem Einsteiger in die Szene finden im Buch eine gute Darstellung der einzelnen Rüstungsteile. Etwa darüber, wann welche Helmform getragen wurde. Wichtig, um Fehler bei der Zusammenstellung der eigenen Ausrüstung zu vermeiden.</p>

	<h2>Volle Breitseite auf Varus</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1314-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1314-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="328" /></a>
<figcaption>Sticht aus der Varus-Literatur hervor. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p><a href="http://chronico.de/magazin/dossiers/das-varus-moment/">Legio <span class="caps">XVII</span>, Legio <span class="caps">XVIII</span>, Legio <span class="caps">XIX</span>, Castra Vetera (Xanten), Waldgirmes, Kalkriese – natürlich geht es bei diesen Schlagworten um die Varusschlacht im Jahre 9 n.Chr. Zum 2000. Jahrestag</a> erschien eine ganze Legion an Sachbüchern zum Thema. Am meisten beeindruckt hat mich ein eher unscheinbar daherkommendes Buch. Und das hat ganz viel mit dem genialen Konzept zu tun.</p>

	<p>Ich vermute, dass die spezielle Herangehensweise von Hans Dieter Stöver nicht jedem passt, denn der Altertumswissenschaftler, Lehrer und Sachbuchautor mischt fröhlich einen bunten Topf aus verschiedenen Darstellungsformen zusammen. Aber genau darin besteht der Reiz des Buches „Der Sieg über Varus“.</p>

	<h3>Schöner Mix, gutes Konzept</h3>

	<p>Das schönste Konzept schwindet, wenn der Inhalt nicht passt. Vor dieser Prüfung muss Stöver nicht bange sein. Akribisch hat er Quellen zusammengetragen und wissenschaftliche Forschungen ausgewertet. Sein Buch nimmt die Position der Kalkriese-Befürworter ein. Das ist nach dem Stand der Dinge völlig in Ordnung Zudem erlaubt ihm das Verfolgen einer Theorie auch eine schlüssige Darstellung. Das Schöne ist aber, dass Stöver auch Zweifel am Standort der Varusschlacht zulässt.</p>

	<p>Der Autor bedient sich einer einfachen Lösung, um dem Leser die damaligen Verhältnisse eindrücklich vorzustellen: Er nimmt Zuflucht zur Fiktion. Das Sachbuch ist durchsetzt mit 24 romanhaften Szenen, in denen aus Sicht des erfundenen Legionärs Sextus Pedius berichtet wird. Als Optio landet er in den Legionen des Varus, beobachtet politische Entwicklungen und die sich damals ankündigende Stadtentwicklung von Waldgirmes und überlebt schließlich die mörderische Schlacht, um ein paar Jahre später unter Germanicus zurückzukehren.</p>

	<p>Dieser Kunstgriff erlaubt Stöver, die Ereignisse schlüssig zusammenzufassen. Der Leser kann den Schilderungen folgen. Aber auch kritisch prüfen, denn die Szenen sind als Fiktion erkennbar und in den Sachbuchkontext eingebettet. Großartig gelöst.</p>

	<p>Sachliche Darstellungen stellen Varus, Arminius und die Situation der Jahre 7 bis 9 n.Chr. vollständig dar. Stöver beweist einen schönen und klaren Schreibstil. Als drittes Element sind mehrere Interviews eingebettet: mit Armin Becker, der für das Deutsche Archäologische Institut (<span class="caps">DAI</span>) in Waldgirmes forscht; mit dem Archäologen Siegmar von Schnurbein (<span class="caps">DAI</span>); dem Kalkriese-Forscher Wolfgang Schlüter und dem Militärexperten Klaus Reinhardt.</p>

	<p>Diese Mischung ist spannend. Sie erlaubt das Einbinden ganz unterschiedlicher Sichtweisen und macht das Buch schlicht zum Lesevergnügen. Es geht hier im Grunde nur um einen winzigen Ausschnitt aus der breiten Vielfalt an römischen Themen. Aber daraus macht Stöver fast 400 faktenreiche Seiten. Erschienen ist das Buch im Deutschen Taschenbuch Verlag als Broschur. Den Bildteil hätte sich der Verlag allerdings sparen können. Die Motive sind lieblos zusammengestellt; das macht keinen Spaß. Da wären mir einige schwarz-weiße Skizzen und Karten auf dem normalen Papier lieber gewesen. Zudem fehlt dem Buch ein Register. Das sind ärgerliche Details, die unnötig an der Perfektion kratzen.</p>

	<h2>Auf römischen Straßen unterwegs</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1313-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1313-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="281" /></a>
<figcaption>Das Buch über römische Straßen <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>In den bislang vorgestellten Büchern ist zwar von Untergängen die Rede. Immer ging es aber um das Imperium Romanum als lebendigem Organismus. Das Buch „Zwischen Antike und Mittelalter“, erschienen 2011 bei C.H.Beck, macht den Verfall zum zentralen Thema. Das Werk nimmt sich des römischen Straßensystems an. Allerdings geht es Autor Arnold Esch nicht um die glanzvollen Zeiten, als noch die Legionen über die schnurgeraden Straßen schritten. Die Spätantike und das Mittelalter sind die vor allem betrachteten Epochen.</p>

	<p>Esch ist auf gewisse Weise der perfekte Mann für das Projekt. Er ist Professor für mittelalterliche Geschichte und Archäologie. Als Historiker erforschte er unter anderem die italienische Renaissance. Seine Arbeiten in Italien brachten ihn allerdings zwangsläufig mit dem römischen Erbe in Berührung. Den Verfall des römischen Straßennetzes hat er über Jahrzehnte dokumentiert und viele Wanderungen unternommen. Diese Ortsbegehungen finden sich im zweiten Teil des Bandes wieder, in dem Esch eine ausführliche Dokumentation der Überreste der Via Amerina bietet. Wenn man so will, hat der Historiker einen zentralen Teil des Imperiums buchstäblich erlaufen. Eine, wie ich finde, durchaus erwähnenswerte Annäherung an mein Thema.</p>

	<h3>Eine Art Wanderbuch</h3>

	<p>Zwei Dinge nennt Esch zu Beginn seiner Untersuchung: Erstens, kaum überraschend, sind es die Historiker, die im Nachhinein so epochale Wendepunkte wie den Untergang eines Reiches festlegen. Die Zeitgenossen nähmen Brüche indes kaum so strikt wahr. Dennoch werden – und das ist der zweite Punkt – wohl auch die Bürger im spätantiken Italien in ihrem Alltag zumindest eine allmähliche Wandlung der Dinge festgestellt haben. Dass da etwas Großes langsam zu Ende geht, das habe sich unter anderem im Zustand der Straßen gezeigt. Weil Kraft, Organisationswille und Möglichkeiten für den Unterhalt fehlten.</p>

	<p>Der Verfall sagt also viel darüber aus, was den römischen Staat einst ausmachte. Schnurgerade auf weiten Strecken, Hindernisse überwindend und durchbrechend – mit raffinierten architektonischen Mitteln –, das war das alte Rom. Kein Vergleich mit mittelalterlichen Wegen, die kleinräumig geplant waren; Hindernissen schnell ausweichend. Über das alte Rom sagen auch bewundernde Anmerkungen späterer Chronisten viel. Prokop stellte um 540 fest, dass die Via Appia noch immer genutzt werde und ihre Steine „nicht einmal von ihrem Glanz etwas verloren haben“, wie Esch zitiert. Andere Straßen fand Prokop allerdings in desolatem Zustand vor. Rom war nicht mehr Zentrum der Welt – wozu also die alten Straßen noch hegen? Neue und kleinere Machtzentren entstanden in Italien. Massives und auf weite Strecken ausgelegtes Straßenpflaster war aus der Mode gekommen; es könnte ja Konkurrenten oder Feinden ein paar Meilen weiter nützen.</p>

	<p>Esch zeichnet das Schicksal einiger Straßen nach; berichtet über Nachnutzungen und neue Aufgaben. Und er fasst den Stand der wissenschaftlichen Erforschung zusammen. Das geschieht in flüssiger Sprache, kenntnisreich und reich illustriert mit Fotos von den Originalschauplätzen (leider sehr kleinteilig; eine gefällige optische Aufbereitung als Ganzseitenfotos gibt es leider nicht). Als Wanderführer liest sich dann der zweite Teil: Der Autor folgte den Überresten der Via Amerina zwischen Rom und Amelia. Etwas über 50 römische Meilen; mit Karten, Wegweisern und archäologischen wie touristischen Hinweisen. Diese direkte Erfahrbarkeit des Themas macht es reizvoll – und erinnert mich an das Reisehandbuch <a href="http://chronico.de/magazin/medien/55-wege-am-limes/">Wege am Limes – Ausflüge in die Römerzeit</a>.</p>]]></content:encoded>
				<wfw:commentRss>http://chronico.de/magazin/medien/buchideen-fuer-rom-haushalt-reenactment-oder-fiktion/#comments</wfw:commentRss>
							</item>
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				<title>Living History: Friedliche Römer vom Forum Traiani</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/living-history-friedliche-roemer-vom-forum-traiani/</link>
				<comments>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/living-history-friedliche-roemer-vom-forum-traiani/#comments</comments>
				<pubDate>Wed, 02 May 2012 17:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/living-history-friedliche-roemer-vom-forum-traiani/</guid>
				<description>Immer nur Militär? Die professionell arbeitenden Akteure und Händler vom Forum Traiani haben sich auf den zivilen Part konzentriert. Römisches Alltagsleben ist ihr Metier. Torsten Kreutzfeldt hat sie in Halle getroffen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Immer nur Militär? Die professionell arbeitenden Akteure und Händler vom Forum Traiani haben sich auf den zivilen Part konzentriert. Römisches Alltagsleben ist ihr Metier. Torsten Kreutzfeldt hat sie in Halle getroffen.

	<h2>Programm zur Pompeji-Schau</h2>

	<p>Inzwischen ist die Pompeji-Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (chronico-Bericht: <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/als-die-asche-vom-himmel-fiel/">Als die Asche vom Himmel fiel</a>) bis zum 26. August 2012 verlängert. Die Ausstellung selbst ist einen Besuch in Halle wert; zudem läuft noch ein sehenswertes Begleitprogramm. Die Besucherbetreuung um Monika Bode und Sven Koch hat einiges auf die Beine gestellt.</p>

	<p>Römisches Essen, antikes Theater, Gladiatoren – diese und andere Themen wurden und werden in Vorträgen, Aktionen und Führungen aufbereitet. Auch Wochenendaktionen, für Kinder wie für Erwachsene, wurden vorbereitet. Das wollte ich mir näher betrachten. Als Kommentator im Bericht zur Pompeji-Ausstellung meldete sich bei uns Andreas Hopson von der Römergruppe Forum Traiani. Ich beschloss, die Gruppe bei einer Wochenendaktion in Halle zu besuchen.</p>

	<h2>Ein mobiler Marktplatz</h2>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1279-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1279-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Die Akteure vom Forum Traiani im Landesmuseum Halle (von links): Andreas Hopson, Manuela Priess, Carolina Berg, Hans Berg. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>An einem Märzabend fuhr ein vollbeladener Transporter in den Hof des Landesmuseums in Halle ein. Meine Begleiterin, die Archäologin Tomoko Emmerling, Mitarbeiter des Museums und ich luden einen „römischen Hausstand“ aus und trugen diesen in den Vortrags- und Aktionsraum des Hauses. Ich staunte nicht schlecht, als zwei kleine römische Ladenhäuser mit Bildern, Möbeln und Verkaufsauslagen entstanden. „Die römische zivile Welt anschaulich und begreifbar zu gestalten“, ist das Anliegen und der Anspruch von Forum Traiani. Dargestellt wird ein „Marktplatz nach historischem Vorbild aus Rom“ – mit Ausstattungen, die in die Zeit Kaiser Traians passen. In dessen Ära erreichte das Imperium Romanum seine größte Ausdehnung.</p>

	<p>Diese kleine „Kulisse“ entsteht jedes Wochenende aufs Neue. Denn Andreas Hopson und seine Frau Manuela Priess sind Profis. Sie haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Dabei kann es für sie auch bis hinunter nach Spanien (Tarragona) gehen, um dort eine Veranstaltung zu begleiten. Oft werden die beiden dabei von ihren Kindern begleitet. Das „Profi-Dasein“ kann natürlich nicht nur durch die Darstellung und Aktionen in Museen und auf Festen bestritten werden. Forum Traiani betreibt nebenbei auch einen Onlinehandel mit „römischen Produkten“.</p>

	<h2>Römerdarstellung ganz friedlich</h2>

	<p>Schwerbewaffnete Legionäre dominierten im Umfeld des <a href="http://chronico.de/magazin/fotostory/inszenierung-einer-schlacht/">Kalkriese-Jahrestags 2009</a> so manche römische Darstellung. Dass es auch ganz zivil im römischen Reich zugehen kann, darüber haben wir in chronico auch einige Male berichtet – als Beispiel seien die <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/geheimnis-antiker-winzer/">Experimente mit Repliken römischer Amphoren der Wintricher Römergruppe Vigilia Romana Vindriacum</a> genannt. Auch die Darsteller von Forum Traiani gehören zu den friedlichen Zeitgenossen. Andreas zeigt das Mosaiklegen, Manuela führt römische Frisuren vor und zeigt den Kindern das Kränzebinden.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm1278-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1278-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Hausrat eines guten römischen Haushalts. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>„Bei uns macht eigentlich jeder alles“, sagt mir der Mosaikleger. „Nein, du machst mir keine Frisuren“, setzt seine Frau lachend hinzu. Also, bei Forum Traiani macht jeder fast alles. „Natürlich in historischer Kleidung, was dachtest du denn?“, reagierten sie auf meine diesbezügliche Frage. Nun, ich habe bei Museumsaktionen schon so einiges erlebt. Aber die beiden Mitglieder der Gruppe Forum Traiani sind Darsteller durch und durch. Natürlich erfordert der ständige Auf- und Abbau gewisse Kompromisse gerade bei der Konstruktion der beiden Ladenkulissen. Aber diese Kompromisse versucht die Gruppe zu minimieren. Andreas erachtet auch deswegen die <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/zutritt-fuer-akteure-nur-mit-guetesiegel/">Qualitätsdiskussion innerhalb der Darstellerszene</a> für sinnvoll.</p>

	<p>Leises Bedauern klingt mit, wenn er an die bislang vorherrschende Dominanz des Militärs (und die Ausgaben für die Darstellungen in diesem Bereich) nicht nur in der Römerdarstellung denkt. „Obwohl“, meint er, „Nach Hastings fahren würde mir auch als Darsteller gefallen.“ Und im englischen Hastings wird regelmäßig in einem Reenactment die Eroberung Englands im Jahr 1066 durch die Normanne zelebriert.</p>

	<h2>Weitere Aktionen im Landesmuseum</h2>

	<p>Am 5. Mai/6. Mai. Treten Akteure vom <a href="http://www.teamzeitreise.de/">Team.Zeitreise</a> mit Kampfvorführungen als Gladiatoren im Landesmuseum auf. Da ihr Auftritt am 5. Mai mit der „Langen Nacht der Museen“ zusammenfällt, wird es besonders stimmungsvoll, aber wohl auch sehr überlaufen. Ich bin schon sehr gespannt. Am 9. Mai hält Landesarchäologe Harald Meller einen Vortrag über die Archäologie am Vesuv (ab 19 Uhr im Schloss Wörlitz, einem Partnerstandort der Pompeji-Ausstellung). Detaillierte Informationen zum Begleitprogramm bietet das Landesmuseum Halle in einem <span class="caps">PDF</span> – das Dokument ist in unserer Linkleiste oben verlinkt.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Buch über Reiternomaden: Die alte Kultur der Steppenkrieger</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/buch-ueber-reiternomaden-die-alte-kultur-der-steppenkrieger/</link>
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				<pubDate>Wed, 02 May 2012 13:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Michael Kieweg</dc:creator>
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				<description>Das Schöne an Katalogen: Sie informieren auch nach dem Ausstellungsende. Das tut auch der Band „Steppenkrieger“ aus dem Primus-Verlag, der die just beendete Bonner Schau über Reiternomaden faktenreich aufbereitet.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das Schöne an Katalogen: Sie informieren auch nach dem Ausstellungsende. Das tut auch der Band „Steppenkrieger“ aus dem Primus-Verlag, der die just beendete Bonner Schau über Reiternomaden faktenreich aufbereitet.

	<h2>Faszinierende Essays</h2>

	<p>Der großformatige Begleitband zur Ausstellung ist in zwei Versionen erschienen; einmal als broschierte Ausgabe für den Verkauf im Museum und einmal als Hardcover mit Schutzumschlag für den Buchhandel. Beide Ausgaben unterscheiden sich in Inhalt und den inneren Werten nicht. Gezeigt wird die Kultur der innerasiatischen Reiternomaden vom 7. bis 14. Jahrhundert.</p>

	<p>Der Begleitband heißt völlig zu Recht so, denn er ist mehr als nur ein „einfacher“ Katalog zur Ausstellung. Das 416 Seiten starke Buch ist durchgängig vierfarbig gedruckt und enthält eine Unmenge an Fotos und Graphiken. Es ist in zwei Teile unterteilt. Nach den obligatorischen Danksagungen folgt als erster Teil eine Sammlung von Aufsätzen zu den verschiedenen Themen der Ausstellung.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm1264-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm1264-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="247" /></a>
<figcaption>Cover des Katalogs &#8220;Steppenrkieger&#8221;. <span class="copy">© Primus Verlag</span></figcaption></figure>


	<p>Diese reich bebilderten Essays befassen sich, auch über die eigentliche Ausstellung hinausgehend, mit der Geschichte der Mongolen, der Bedeutung des Pferdes in ihrer Kultur, dem Gegensatz von reiternomadischer und sesshafter Kultur, der Archäologie in der Mongolei und vielen anderen Themen. So wird allein schon die Altai-Harfe in diesem Part auf insgesamt 15 Seiten ausführlich behandelt. Dort werden auch Objekte, die in der Ausstellung meiner Meinung nach eher unterstützenden Charakter haben, besprochen. Ein zehnseitiger Aufsatz behandelt zum Beispiel die sogenannten „Diez-Alben“ aus Berlin mit kostbaren Miniaturen aus dem 14. Jahrhundert.</p>

	<p>Dieser knapp 200 Seiten starke Teil ist es, der aus dem Katalog zur Ausstellung einen echten Begleitband macht.</p>

	<h2>Ausführliche Details im Katalog</h2>

	<p>Der zweite Teil des Buches enthält dann den eigentlichen Katalog zur Ausstellung. Hier wird wirklich jedes Objekt ausführlich dargestellt und eingeordnet. Zu jedem Objekt gibt es mindestens ein Farbfoto in hervorragender Qualität.</p>

	<p>Das ausgestellte Skelett eines Reiterkriegers wird im Katalogteil ausführlich besprochen. Der anthropologischen Untersuchung sind hier acht Seiten mit 13 Farbfotos gewidmet. Die anderen Ausstellungstücke werden ähnlich ausführlich beschrieben.</p>

	<p>Den Abschluss des Bandes bildet ein 60 Seiten starker Anhang mit farbigen Karten, Zeitleiste, Literaturhinweisen und einer Liste der naturwissenschaftlichen Analysen und ihrer Ergebnisse. Dort findet der interessierte Bogenbauer in aller Kürze beispielsweise aufgelistet, aus welchen Hölzern die gefundenen Pfeile gefertigt waren.</p>

	<p>Ich kann diesen Band, egal für welche Ausgabe man sich entscheidet, nur jedem wärmstens empfehlen. Die üppige Bebilderung und verständliche Sprache im Aufsatzteil machen diesen Band zu einem Schmöker für den interessierten Laien, ohne dass der wissenschaftliche Anspruch auf der Strecke bleibt. Die klare Gliederung in Aufsatzteil, Katalog und Anhang erleichtert die Orientierung und den Zugriff auf die Informationen, die man gerade sucht.</p>

	<p>Der Fachmann wird hier ebenso bedient. Er findet in dem ausführlichen Katalogteil umfassende Informationen zu jedem ausgestellten Stück. Der Anhang liefert sowohl dem Laien als auch dem Fachmann jede Menge Ansatzpunkte und Hinweise zu vertiefender Recherche.</p>

	<p>Ein Bekannter von mir hat seine Begeisterung mal so ausgedrückt: „Mit dem Buch haben die Ausstellungsmacher sich keinen Gefallen getan. Das ist so gut, dass man sich den Besuch der Ausstellung eigentlich sparen kann.“</p>

	<h3>Nachtrag der Redaktion</h3>

	<p>Die „Gefahr“, dass der Band vom Ausstellungsbesuch abhält, besteht vorerst nicht mehr. Ende April ging die Bonner Ausstellung zu Ende. Die Schau wird aber – wenn auch aus Platzgründen wohl nicht komplett – im nächsten Jahr im <a href="http://www.museum-manching.de">Kelten Römer Museum Manching</a> in Bayern zu sehen sein. Voraussichtlich vom 17. Mai bis 17. November 2013.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Steppenkrieger in Bonn: Zwischen Buttertee und Bogenschmaus</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/zwischen-buttertee-und-bogenschmaus/</link>
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				<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 12:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Michael Kieweg</dc:creator>
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				<description>Seit kurzem läuft die Ausstellung „Steppenkrieger – Reiternomaden des 7. bis 14. Jahrhunderts aus der Mongolei“ im LVR-Landesmuseum in Bonn. Bogenexperte Michael Kieweg über faszinierende Fundobjekte und Rekonstruktionen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Seit kurzem läuft die Ausstellung „Steppenkrieger – Reiternomaden des 7. bis 14. Jahrhunderts aus der Mongolei“ im LVR-Landesmuseum in Bonn. Bogenexperte Michael Kieweg über faszinierende Fundobjekte und Rekonstruktionen.

	<h2>Archäologie und Gegenwart</h2>

	<p>Die Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern thematisch. Der Weg beginnt an einer Jurte. Diese stammt zwar aus der heutigen Zeit, vermittelt aber durch die Verwendung traditioneller Materialien und Einrichtungsgegenstände einen guten Eindruck davon, wie das Leben in so einer mobilen Behausung aus Filz sein kann. Nach einigen Karten, die einen Eindruck von der Lage und Größe der Mongolei vermitteln, folgt ein Videobeitrag über die Bergung eines Skelettes aus einem der Felsspaltengräber.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm921-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm921-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Lebensbild von Dmitrij V. Pozdnjakov mit einem rekonstruierten Kompositbogen in der Vitrine daneben. <span class="copy">© Michael Kieweg</span></figcaption></figure>


	<p>Nach diesem einführenden Teil folgt der Themenkomplex „Pferd und Reiter“. Neben dem Skelett eines Reiters wird hier ein Sattel gezeigt, der in seiner Konstruktion schon so ausgereift ist, dass sich Vergleichsexponate aus späteren Jahrhunderten nur noch in Details von ihm unterscheiden.</p>

	<p>Damit wird gleichzeitig ein grundlegendes Prinzip der Ausstellung sichtbar. Immer wieder werden die Funde aus den Felsspaltengräbern ähnlichen Objekten aus späteren Jahrhunderten gegenübergestellt, die als Leihgaben aus verschiedenen anderen Sammlungen in die Ausstellung integriert wurden. Dabei zeigt sich, wie perfekt die Mongolen ihre Ausrüstung an die Erfordernisse ihrer Lebensweise angepasst haben. Seien es die Lederriemen am Sattel, die versenkt angebracht sind, damit sie beim Reiten nicht an den Beinen scheuern, oder die Reitkleidung mit ihrem speziellen Schnitt.</p>

	<p>Bei der Kleidung ist mir zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, wie außerordentlich selten und optimal geeignet zur Erhaltung organischer Überreste die Bedingungen in mehr als 2000 Metern Höhe in der Mongolei sein müssen. Sowohl der Seiden-Deel als auch der Filz-Deel – eine Art Kaftan – sehen aus, als müsse man nur ein paar kleine Löcher flicken und sie mal gründlich waschen, um sie wieder anziehen zu können.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm918-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm918-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Ein restaurierter mongolischer Seiden-Deel aus dem 11. Jahrhundert. <span class="copy">© Jürgen Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn</span></figcaption></figure>


	<h2>Musik aus der Steppe</h2>

	<p>Die nächste Station auf dem Weg durch die Ausstellung präsentiert Alltagsgegenstände, wie Schalen und Becher, die auf einer Drechselbank aus Holz gefertigt wurden. Auch hier zeigt sich wieder die Anpassung an die nomadische Lebensweise. Keramik wäre schwer und zerbrechlich gewesen. Die filigran gedrechselten Geschirrteile sind leicht und trotzdem robust.</p>

	<p>Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die geborgene und sorgfältig restaurierte Winkelharfe. Dieser Fund ist ein gutes Beispiel dafür, wie die sorgfältige Untersuchung und Restauration zu einer Uminterpretation des gefunden Objektes führen kann. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass es sich bei dem Stück um eine für die Gegend typische Pferdekopfgeige handele. Solch ein Instrument ist zum Vergleich in der Nachbarvitrine ausgestellt. Im Laufe der Arbeiten musste diese Vorstellung revidiert werden und man kam zu dem Schluss, dass es sich eben um eine Winkelharfe handeln müsse, wie sie dann auch von Susanna Schulz rekonstruiert wurde.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm920-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm920-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Michael Schmauder (ganz rechts), Fachreferent für Frühmittelalter am Museum spricht über Einmaligkeit der gefundenen Winkelharfe in der Vitrine. <span class="copy">© Michael Kieweg</span></figcaption></figure>


	<p>Der Fund eines solchen Instrumentes ist für die Gegend und die Zeit einmalig; das Objekt zeigt eindrucksvoll die Klasse der Ausstellung und ist, neben den vielen anderen erstklassigen Stücken,  ein eindrucksvoller Beleg dafür, was erreichbar ist, wenn von Anfang die optimale Behandlung der Funde im Vordergrund steht und über alle Staats- und Institutsgrenzen hinaus schlicht und einfach mit den besten erreichbaren Fachleuten zusammengearbeitet wird.</p>

	<p>Man kann dem Mongolischen Institut der Wissenschaften nicht genug danken, dass es die Funde zur Untersuchung und weiteren Bearbeitung außer Landes gegeben hat und den Bonnern dafür, dass sie ohne institutionelle Eitelkeiten Fachleute von überall her dazu gezogen haben.</p>

	<h2>Vollendete Bogenkunst</h2>

	<p>Wie inzwischen üblich, werden auch in der Bonner Ausstellung die Wandflächen in die Gestaltung einbezogen und zur Bereitstellung von Hintergrundinformationen genutzt. Hier fallen vor allem die großen, farbenprächtigen Lebensbilder von Dmitrij V. Pozdnjakov auf. Sie sind beileibe nicht bloß hübsche Hintergrunddekoration für die Exponate in den Vitrinen, sondern vielmehr eine korrekte Darstellung des derzeitigen Wissensstandes im jeweiligen Thema. Funde und Rekonstruktionen finden sich exakt in den Bildern wieder und diese liefern so einen lebendigen Eindruck vom Leben der Steppennomaden.</p>

	<p>Der letzte Raum der Ausstellung ist dann den Bögen und Pfeilen gewidmet. Das Bild des Reiterkriegers ist für den westlichen Menschen wohl untrennbar mit dieser Waffe verbunden. Reiter, die mit kurzen, stark gekrümmten Bögen, vom Rücken ihrer schnellen Steppenpferde schießen… Was hier an Funden präsentiert wird, hat mir noch für Tage ein glückliches Lächeln ins Gesicht gezaubert.</p>

	<p>Kompositbögen in einem Erhaltungszustand, dass man beinahe damit schießen möchte. Pfeile mit beinahe kompletter Befiederung und erkennbarer Bemalung, die aussehen, als hätte man sie erst vor drei Monaten auf dem Parcours verloren. Dabei sind sie hunderte von Jahren alt.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm922-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm922-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="264" /></a>
<figcaption>Gut erhalten: Ein Köcher mit Pfeilen <span class="copy">© Michael Kieweg</span></figcaption></figure>


	<p>In diesem Bereich kommt für mich das Prinzip der Gegenüberstellung, das in der Ausstellung so oft angewendet wird, besonders gut zur Geltung. Man schaut in der einen Vitrine auf einen hervorragend erhaltenen Bogen nebst Pfeilen aus dem 7.-8. Jahrhundert, betrachtet in der Nachbarvitrine den nicht minder gut erhaltenen zugehörigen Köcher aus Birkenrinde und steht, wenn man sich umdreht, vor der wunderschönen Rekonstruktion eben dieser Pfeile und eben dieses Köchers, die Ulli Stehli gemacht hat.</p>

	<p>Als Bogenbauer könnte ich noch seitenlang von den unglaublich gut erhaltenen Horn-Sehnen-Kompositbögen schwärmen, von der kaum beschädigten Seidensehne auf dem Bogen aus dem Grab von Cagaan Chad, von den aus Birke oder Weide und Bambus zusammengespleißten Pfeilschäften, von erhaltenen Hornspitzen oder der immer noch sichtbaren Originalvergoldung.</p>

	<p>Stattdessen erwähne ich lieber noch, dass in der Ausstellung auch Originalblätter aus den sogenannten „Diez-Alben“ aus der Sammlung der Staatsbibliothek Berlin zu sehen sind. Diese persischen Tuscheblätter aus dem 14. Jahrhundert zeigen beispielsweise Bilder von berittenen Kriegern oder auch Schlachtszenen, auf denen man Ausrüstung und Kleidung in allen Einzelheiten dargestellt findet und sie mit den Funden und den Lebensbildern vergleichen kann.</p>

	<h2>Empfehlung: Anschauen!</h2>

	<p>Ich kann nur jedem, der sich für die Geschichte und Kultur der Mongolen interessiert , einen Besuch der Ausstellung empfehlen. Ebenso ist sie für jeden Bogenbauer und Bogenschützen, der sich für historische Bögen interessiert, speziell für Kompositbögen der Reitervölker, ein Muss. Der Erhaltungszustand der Exponate ist einfach traumhaft.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm919-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm919-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Sorgfältige Fundbearbeitung: Jan Bemmann, Professor für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bonn und Ausstellungskurator, mit einem Lederköcher. <span class="copy">© Johannes Seiler/Uni Bonn</span></figcaption></figure>


	<p>Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm, dass von traditioneller Musik über Bogenbau bis zu Theater und Kino für jedes Interesse und jedes Alter etwas bietet. Auch der aufwendige Katalog zur Ausstellung ist die 19,90 Euro, die er im Museumsshop kostet, mehr als wert und wird in einem späteren Beitrag noch ausführlich rezensiert, wenn ich ihn komplett durchgearbeitet habe.</p>

	<p>Ich war und bin immer noch sehr begeistert von der völlig problemlosen Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Rheinischen Landesmuseums. So war es kein Problem schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Führung (am Eröffnungstag Ende Januar 2012; Anm. die Red.) durch die Ausstellung zu gehen und in Ruhe zu fotografieren. Fragen wurden zu jeder Zeit ausführlich beantwortet und so manches Vorurteil leidenschaftlich zurechtgerückt. Das habe ich auch schon ganz anders erlebt. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. April 2012 in Bonn zu sehen.</p>

	<p>Und mongolischer Buttertee schmeckt wesentlich besser als es sich anhört.</p>]]></content:encoded>
				<wfw:commentRss>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/zwischen-buttertee-und-bogenschmaus/#comments</wfw:commentRss>
							</item>
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				<title>Ausstellungsreport: „Steine-Zeit“ im Neandertal</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/steine-zeit-im-neandertal/</link>
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				<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 19:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Ruth Beusing</dc:creator>
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				<description>Es ist Winter; was ist da besser, als das miese Wetter im Museum zu vergessen. Zumindest ist es dort warm, vielleicht interessant oder auch unterhaltsam – in der Ausstellung „LEGO-Zeitreise“ im Neanderthal-Museum kommt alles zusammen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Es ist Winter; was ist da besser, als das miese Wetter im Museum zu vergessen. Zumindest ist es dort warm, vielleicht interessant oder auch unterhaltsam – in der Ausstellung „LEGO-Zeitreise“ im Neanderthal-Museum kommt alles zusammen.

	<h2>Spielerische Zeitreise</h2>

	<p>Geschichte rekonstruiert aus tausenden Steinen – mehr Symbolik geht kaum. Archäologische und mythologische Highlights wie die Cheops-Pyramide oder der Turmbau zu Babel sind ebenso zu sehen wie ein Lager von Neandertalern. Beliebte Szenen, wie der Limes-Abschnitt mit kleinen <span class="caps">LEGO</span>-Römern oder der Gladiatoren-Arena, aber auch wahre Kunstwerke wie die chinesischen Tonkrieger oder eine detailverliebte Darstellung von Wikinger-Schiffen im Hafen und ein mittelalterliches Turnier werden wunderschön präsentiert. Positiv ist, dass den historischen „Sonderereignissen“ auch Szenen aus dem alltäglichen Leben gegenübergestellt werden.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm846-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm846-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Besucher im „Zeittunnel“ des Museums, der in Etappen die Menschheitsgeschichte zeigt. <span class="copy">© Neanderthal-Museum / R. Rehfeld</span></figcaption></figure>


	<p>Andere Szenen wiederum scheinen für ein Archäologiemuseum ein wenig deplatziert. Kann man die Eisenbahn von der Ost- bist zur Westküste Amerikas noch als Darstellung altamerikanischer Kulturen verstehen und damit auch die Indianer, Tipis und Bisons akzeptieren? Die Skyline von Düsseldorf (der große Nachbar des Städtchens Mettmann, wo das Neanderthal-Museum liegt), den Flughafen oder der dargestellte Windpark lassen sich aber nur bemüht unter dem Motto Zeitreise verbuchen. Auch die Darstellung der Zukunft mit einer Raumstation und Raketen hätte meiner Ansicht nach ruhig fehlen dürfen.</p>

	<h2>Geschichtsvermittlung nicht ohne Klischees</h2>

	<p>Für einen alten <span class="caps">LEGO</span>- und Archäologiefan hat sich der Besuch der Ausstellung in jedem Fall gelohnt. Wie aber steht es mit der Geschichtsvermittlung? Lässt sich diese durch das Nachstellen historischer Szenen durch Spielzeug vermitteln? Sicherlich sind komplexe historische Zusammenhänge so nicht darstellbar. Doch unter dem Aspekt, dass heute <span class="caps">LEGO</span> und Playmobil die Ritterburg, den Bauernhof oder die Zinnsoldaten im Kinderzimmer ersetzen, setzt die Ausstellung ein Zeichen, die Annäherung an die und die Beschäftigung mit der Geschichte weiterhin in diesem stattfinden zu lassen.</p>

	<p>Fehler, so bekennen die Ausstellungsmacher, seien in die Ausstellung eingebaut: So findet man Verkehrsschilder oder Rasenmäher in den Szenarien, die ganz offensichtlich zeitlich nicht passen. Die Suche nach solchen Fehlern macht die Ausstellung noch interessanter.</p>

	<p>Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass einige Fehler für den Laien doch weniger offensichtlich sind. So werden die für die Werbung benutzten <span class="caps">LEGO</span>-Neandertaler-Figuren tatsächlich noch mit einer stacheligen Keule und einem Knochen am Revers ausgestattet – gerade an diesem Museum weiß man es doch besser.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm848-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm848-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="253" /></a>
<figcaption>Figur mit Klischee: Neandertaler mit Keule und Knöchel am Kragen. <span class="copy">© Neanderthal-Museum / Holger Neumann</span></figcaption></figure>


	<p>Wenn man die Historie auf diese Weise auch für Kinder lebendig machen will, dann doch auch, um mit überkommenen Klischees aufzuräumen und neue Erkenntnisse zu vermitteln. Zum Glück konnte ich im entsprechenden Szenario keinen „Keulenträger“ entdecken. </p>

	<p>Auch die offenbar unvermeidbaren Hörnerhelme der <span class="caps">LEGO</span>-Wikinger, die jeglichen archäologischen Beleg vermissen lassen und besonders in der nationalsozialistischen Ikonografie an Bedeutung gewannen, fallen diese Kategorie. Ob die von den Besuchern wirklich als Fehler erkannt werden, bleibt fraglich. Die Ausstellung wäre eine gute Gelegenheit gewesen, mit solchen Mythen aufzuräumen.</p>

	<p>Alles in allem ist die Sonderausstellung besonders für Familien mit Kindern gut geeignet. Denn ein Baubereich für Kinder ist frei zugänglich und sorgt für Abwechslung. An Aktionstagen können Kinder mit Lego-Experten gemeinsam bauen. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März im Neanderthal-Museum zu sehen.</p>]]></content:encoded>
				<wfw:commentRss>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/steine-zeit-im-neandertal/#comments</wfw:commentRss>
							</item>
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				<title>Otto-Ausstellung: Tausend Jahre Kaisertum</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/tausend-jahre-kaisertum/</link>
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				<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 21:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
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				<description>Museen lieben solche Zahlen: 1100. Geburtstag und 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung Otto des Großen. Magdeburg rüstet zur Landesausstellung. Ein Buch gibt vorab Einblicke in ein kaiserliches Jahrtausend.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Museen lieben solche Zahlen: 1100. Geburtstag und 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung Otto des Großen. Magdeburg rüstet zur Landesausstellung. Ein Buch gibt vorab Einblicke in ein kaiserliches Jahrtausend.

	<h2>Editha bleibt im Schatten</h2>

	<p>Eine der großen archäologischen Sensationsmeldungen der letzten Jahre war das <a href="http://chronico.de/magazin/dossiers/editha-sorgt-fuer-wirbel">Auffinden des Grabes von Editha</a> (gestorben 946; Königin und erste Frau von Otto I.) in Magdeburg. Auch chronico berichtete darüber. Der Nachrichtenwert nahm noch zu, weil es im Zusammenhang mit der Bergung im Magdeburger Dom Verstimmungen mit dem Archäologischen Landesamt in Halle gab. In Magdeburg sprach man von „einer geraubten Identität“, nur weil die Untersuchungen im Labor in Halle durchgeführt wurden. Die Lokalpresse heizte den Konflikt an (<a href="http://www.volksstimme.de/nachrichten/sonderthemen/volksstimme_serie_editha/">siehe entsprechende Artikel in der Magdeburger Volksstimme</a>); überregionale Zeitungen belächelten den Streit.</p>

	<p>Inzwischen ist Editha nach Abschluss der Untersuchungen, die tatsächlich die Identität der Überreste der Königin bestätigten, in ihr Grab im Magdeburger Dom zurückgekehrt. Begraben, vergessen!, könnte fast gedacht werden. Denn nun, wo sich die ottonisch geprägte Landesausstellung von Sachsen-Anhalt im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ankündigt – sie läuft vom 27. August bis zum 9. Dezember 2012 –, ist nur wenig von Editha zu hören. Und das obwohl mit Matthias Puhle dem Museum ein scharfer Kritiker des Landesamtes in Halle vorsteht. Nein, Magdeburg versteht sich heuer wohl mehr als Stadt Ottos und nicht mehr als Editha-Stadt: die Kommune will im nächsten Jahr den 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung und den 1100. Geburtstag Ottos des Großen mit der Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich“ begehen.</p>

	<h2>Von der Antike bis ins Mittelalter</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm828-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm828-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="282" /></a>
<figcaption>Cover zum Tagungsband rund ums Kaisertum. <span class="copy">© Schnell und Steiner</span></figcaption></figure>


	<p>Als Ouvertüre zu dieser Ausstellung liegt seit November dieses Jahres der wissenschaftliche Begleitband „Kaisertum im ersten Jahrtausend“ vor. Ausgewiesene Otto-Kenner wie Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter fungieren als Herausgeber und Mitautoren dieses Aufsatzbandes. Immerhin lautet der Subtitel zur großen Magdeburger Ausstellung „Kaisertum von der Antike bis zum Mittelalter“. Das Buch nimmt den dort behandelten Inhalt gewissermaßen vorweg.</p>

	<p>18 Aufsätze beleuchten die Entwicklung des Kaisertums von den Anfängen bis zur Wiederbelebung unter Karl dem Großen und Otto dem Großen im Mittelalter. Zwar nicht als Gesamtdarstellung, aber als Chor mit mehreren Stimmen kann der Band doch auf 387 Seiten beanspruchen, vielen Fragestellungen in Bezug auf Kaisertum und Mittelalter gerecht zu werden. Ein Anhang mit elf farbigen Abbildungen und Karten, sowie ein Register für das rasche Nachschlagen runden das Buch ab. Das Entstehen des Buches verdanken wir einer Tagung, die zur Vorbereitung auf die Ausstellung vom 6. bis zum 8. Mai 2010 in Magdeburg abgehalten wurde.</p>

	<h2>Caesar, princeps, Kaiser</h2>

	<p>Der 1050. Jahrestag der Kaiserkrönung von Otto I. ist also ein Anlass, sich über Geschichte und Entwicklung des Kaisertums vielfältige Gedanken zu machen. Frank Bernstein von der Universität Frankfurt stellt zu Beginn klar, dass „Kaiser Augustus“ zwar der Gründervater des Kaisertums war, aber „… Augustus war ‘nur’ ein princeps, ein ‘Kaiser’ war er nicht.”</p>

	<p>Erst durch die Nachfolge entwickelte sich die von Augustus begonnene Herrschaftsform und erhielt durch den von ihm weitergeführten Beinamen „Caesar“ seine heute noch gebräuchliche Bezeichnung. Dies war mitnichten eine neue Monarchieform, sondern Senat und Volk von Rom existierten nach wie vor weiter. Die Republik war zunächst nicht abgeschafft. Aber alle Fäden liefen seit Augustus bei einem Mann zusammen, der dank seiner Legionen der eigentliche Regent war. Diese Mischung aus Stadtrepublik und Militärdiktatur – ein in diesen Dimensionen später kaum noch vorstellbares Reich beherrschend – war über Jahrhunderte auffallend stabil.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm714-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm714-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="236" /></a>
<figcaption>Karolingisches Evangeliar aus Gandersheim <span class="copy">© Kunstsammlungen der Veste Coburg</span></figcaption></figure>


	<p>Wie äußerte sich diese neue und stabile Herrschaftsform baulich und repräsentativ? Das führt Rolf-Michael Schneider von der Universität München weiter aus. Martin Dreher von der Universität Magdeburg führt Bernsteins Artikel mit ständigen Verweisungen auf Theodor Mommsen fort, was nicht verwundert, da er drei Jahre lang Vorsitzender der Mommsen-Gesellschaft war. Wer einen schnellen Zugriff auf Kaiserdefinition und Kaiserbegriff sucht, bitte schön: Martin Dreher macht es mit einer übersichtlichen Darstellung möglich. Fast so schön wie im Schulbuch! Er erklärt sehr klar die unterschiedlichen Bezeichnungen „Princeps“, „Caesar“, „Augustus“ und „Imperator“. Eine Kaiserin gab es im römischen Reich nicht, im Lateinischen ist keine weibliche Form von Caesar gebildet worden.</p>

	<p>Cosima Möller von der Freien Universität Berlin erläutert uns das Kaiserrecht, während Josef Wiesehöfer von der Universität Kiel einen Ausflug in das Weltreich der Perser unternimmt. Den Übergang zum Mittelalter gewährleistet Hartmut Leppin von der Universität Frankfurt mit der Frage: „Kann ein Christ denn Kaiser sein?“ Es entwickelte sich neben dem alten Staatsapparat ein weiterer, der bis in unsere Tage auffallend antike und römische Strukturen aufweist, nämlich die christliche(n) Kirche(n). In dem Moment, als das Kaisertum ab Konstantin I. christlich wurde, hatte es sich mit Moral, Lehre und Politik der christlichen Kirche auseinanderzusetzen. Der Kaiser war in diesem Spannungsverhältnis trotz mehrerer Lösungsmöglichkeiten selten erfolgreich.</p>

	<h2>Das griechische Element</h2>

	<p>Nach einem interessanten Ausflug zum chinesischen Kaisertum durch Hans van Ess von der Universität München gelangen wir nach Byzanz und damit in die Spätantike, die Völkerwanderungszeit und ins frühe Mittelalter. Michael Grünbart von der Universität Münster stellt sich dem byzantinischen Lösungsansatz, in dem das römische Kaisertum eine Möglichkeit fand, für viele weitere Jahrhunderte in christlicher Gestalt zu überleben. Womit es eine unerreichte Stabilität aufwies.</p>

	<p>Am 11. Mai 330 weihte Konstantin I. seine Stadt Konstantinopel ein. Aber lange Zeit war die Stadt nur die Nachahmung von Rom, erst ab 410 überflügelt Konstantins Stadt das alte Zentrum. Justinian machte laut Grünbart „das byzantinische Kaisertum zu dem Kaisertum“. Ab 629 verschwanden sogar die alten lateinischen Bezeichnungen; der Titel „Basileus“ ersetzte den „Imperator“. Die Außensicht irrt nicht völlig, wenn aus dem römischen Kaiser inzwischen ein griechischer Kaiser geworden ist.</p>

	<p>Mit Stephan Freund, inzwischen an der Universität Magdeburg lehrend, kehren wir in den Westen zurück. Hier ist ab 476 nichts mehr von einem Kaiser zu hören. Die Völkerwanderungszeit hatte den Westen Europas bis hin nach Nordafrika völlig neu geordnet. Das hier erst ab 800 (Kaiserkrönung des Karolingers Karl) entstehende westliche oder mittelalterliche Kaisertum stellt laut Freund „keinen Gegensatz zum Königtum“ dar. Und fortan kam niemand mehr am Papst vorbei, der Kaiser werden wollte.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm715-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm715-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="339" /></a>
<figcaption>Erzengel Michael in spätantiker Feldherrentracht auf einem Elfenbeinrelief um 800. Es entstand am Hofe Karls des Großen. <span class="copy">© Grassi Museum für angewandte Kunst Leipzig</span></figcaption></figure>


	<p>Ganz anders stellt dies Matthias Becher, Universität Bonn, dar: Die Karolinger bestimmten den Kaiser und der Papst war im neuen römisch-fränkischen Kaisertum nur ein Instrument Karls des Großen. Ernst-Dieter Hehl, Universität Mainz, widmet sich dem Zweikaiserproblem in einem mittelalterlichen Europa. Er stellt dar, dass das östliche Kaisertum, das weiterhin dem universalen römischen Kaisertum anhing, mehr Probleme mit einem neu entstandenen westlichen Kaisertum  hatte als es umgekehrt der Fall war. Obwohl es ohne weiteres in der Macht einiger westlicher Kaiser gelegen hätte, das griechische Kaisertum als Konkurrenz zu beseitigen, um einen „wahren“ römischen Kaiser wiederherzustellen, taten sie es nicht. Beide Kaiser waren „wahr“. Probleme gab es nur, wenn sich die Interessen überschnitten.</p>

	<p>Der Exkurs von Wolfram Drews, Universität Münster, über den Rückgriff des Islam auf imperiales und universales Denken wirkt improvisiert und fragmentarisch, ist dennoch interessant. Zumal er im Band der einzige Autor ist, der die Imperatoren-Idee im westgotischen Spanien sowie in León und Kastilien zur Sprache brachte. Allerdings erklärt er die Ausrufung von Imperatoren im Doppelkönigreich als Reflex auf die Ausrufung des Kalifats in Córdoba. Was erst im Vergleich mit dem Artikel von Ernst-Dieter Hehl auffällt: Die Imperatoren von León-Kastilien waren dem Kaisertum Karls näher als dem des Basileus’ von Byzanz. Sie beherrschten mehrere regional gelegene Königreiche im Gebiet des alten römischen Reiches, verstanden sich als Beschützer der Kirche und hatten keinen universalen, sondern einen regionalen Anspruch. War es also doch der Papst, der letztendlich einen römisch-mittelalterlichen Kaiser ausmachte?</p>

	<p>Klaus Gereon Beuckers, Universität Kiel, widmet sich dem „imperialen Bauen“. Die Kathedrale von Saint-Denis, Alt-St. Peter in Rom, die Pfalzanlage in Aachen stehen z. B. im Fokus des Artikels. Ein längerer Teil am Schluss widmet sich Magdeburg und dem, was Forscher heute von imperialer Bautätigkeit dort noch rekonstruieren können.</p>

	<h2>Die Rolle der Kalifen</h2>

	<p>Mit der Durchsicht des Bandes komme ich langsam zum Schluss: Ralph-Johannes Lilie, Berlin, beschreibt die herrschaftliche Repräsentation in Byzanz. Jenny Rahel Oesterle, Universität Bochum, eröffnet neue Perspektiven auf das ottonische Kaisertum, in dem sie Vergleiche zum mächtigen ägyptischen Fatimiden-Kalifat (schiitische Ausrichtung des Islam) bemüht. Viel kommt dabei nicht heraus, da Oesterle die Ottonen und Byzanz sowie die Fatimiden zu einer Troika zusammenholt Sie vergisst dabei aber die vierte Geige im islamisch-hispanischen Córdoba, deren Kontakte zu den Ottonen intensiver waren und die ihre Razzien nicht nach Süditalien, sondern nach Südfrankreich, Burgund und an den Genfer See ausgedehnt hatten und damit das Reich selbst bedrohten. War das Kalifat von Córdoba, mit dem Otto sogar Gesandte austauschte, diesem nicht viel näher?</p>

	<p>Und nach der Logik von Wolfram Drews könnte sogar Otto selbst erst im Reflex auf den mächtigen Kalifen Abd ar-Rahman <span class="caps">III</span>. von Córdoba nach dem Kaisertum gegriffen haben. Was nicht zu belegen ist, genauso wenig wie die Deutung in Bezug auf die Imperatoren von León, und damit zeigt sich, wie unvorsichtig mitunter in der Wissenschaft mit Deutungen umgesprungen wird.</p>

	<p>Damit sind wir mitten im Kaisertum von Otto I. Rudolf Schieffer, Universität München, befasst sich mit der zweiten Neugründung des westlichen römischen Kaisertums durch die Ottonen Es war ein an Rom und den Papst gebundenes Kaisertum, das immerhin bis 1806 Bestand hatte. Und da wir gerade vom Papst reden: Stefan Weinfurter, Universität Heidelberg, führt im Schlussartikel alle Denkansätze zusammen und fragt sich: „Welche Ordnung ist die bessere?“ Ich hoffe, dies ist so zu verstehen, dass er imperiale Ordnungsprinzipien nur historisch relevant in Betracht zieht. Immerhin notiert Weinfurter noch in diesem Zusammenhang: „… ich denke, es ist keineswegs ein Thema, das in unserer Zeit keine Rolle mehr spielt.“ Ein skeptisches Augenbrauenheben sei bei dieser unpassend klingenden Schlussbemerkung schon zugestanden. Solche Sätze können missverstanden werden!</p>

	<h2>Wo bleibt der Alltagsbezug?</h2>

	<p>Sieht man einmal davon ab, dass die Sicht auf das Kaisertum im ersten Jahrtausend, fast eine rein männliche ist (von 18 Beiträgen stammen nur zwei von Frauen), auch Königin Editha taucht nur ganz kurz einmal auf – so fehlt mir doch grundlegend die Bedeutung des Kaisertums für den einfachen Menschen, für den Handel und für die Kunst. Imperiales Bauen kann hier nicht alles gewesen sein. Führen wir die Menschheitsgeschichte wieder auf reine Ereignisgeschichte von oben zurück? Das ist eine Sichtweise, die mir neben den kryptischen Bemerkungen von Stefan Weinfurter in diesem Band sehr missfällt.</p>

	<p>Aus Sicht des Geschichtsdarstellers hat der Band also nur sekundäre Bedeutung. Es ist sehr interessant, einmal eine ausführliche Darstellung über das Kaisertum von den Anfängen bis zu Kaiser Otto I. zu bekommen. Um wirkliche Relevanz zu entwickeln, besteht der Band aus zu vielen Fragmenten, was sich bei einem Tagungsband aber kaum vermeiden lässt. Schlimm ist dennoch, dass der Alltagsbezug völlig fehlt.</p>

	<p>Was die Ausstellung betrifft: Diese wird historisch Interessierte wieder in Scharen nach Magdeburg locken; der Geschichtsdarsteller wird sich den Besuch indes gut überlegen. Immerhin gibt es eine attraktive Alternative: Noch bis zum 5. Februar 2012 ist eine Schau über König Konrad I. in Fulda zu sehen. Dort geht es um das frühe 10. Jahrhundert und die Epoche zwischen Karolingern und Ottonen. Reenactors, die an Alltagsleben interessiert sind, werden dort fündig, denn Leben und Sachkultur um 900 wird in Fulda Platz eingeräumt.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Nepal: Trekkingtour in Buddhas Heimat</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/fotostory/trekkingtour-in-buddhas-heimat/</link>
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				<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 23:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Michael Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Nepal – magische  Landschaften und  Schmelztiegel uralter hinduistischer und buddhistischer Kulturen. Die FotoStory aus dem Himalaya mit Skizzen einer 22-tägigen Trekkingtour im Jahr 2009 im Helambu und Langtang Himal.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Nepal – magische  Landschaften und  Schmelztiegel uralter hinduistischer und buddhistischer Kulturen. Die FotoStory aus dem Himalaya mit Skizzen einer 22-tägigen Trekkingtour im Jahr 2009 im Helambu und Langtang Himal.]]></content:encoded>
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							</item>
					<item>
				<title>Pompeji in Halle: Als die Asche vom Himmel fiel</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/als-die-asche-vom-himmel-fiel/</link>
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				<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
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				<description>Erdgeschichtlich – normal; menschlich – ein Drama, archäologisch – ein Glücksfall. Es geht um die verhängnisvolle Melange aus Vulkan, Asche und antiken Städten. Die Pompeji-Ausstellung in Halle macht mit ihrem Konzept Furore.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Erdgeschichtlich – normal; menschlich – ein Drama, archäologisch – ein Glücksfall. Es geht um die verhängnisvolle Melange aus Vulkan, Asche und antiken Städten. Die Pompeji-Ausstellung in Halle macht mit ihrem Konzept Furore.

	<h2>Vulkanologie trifft Archäologie</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm740-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm740-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="350" /></a>
<figcaption>Feuer vom Vesuv: Plakat zur Landesausstellung. <span class="copy">© P. Foglia und J. Lipták</span></figcaption></figure>


	<p>Pompeji ist seit dem 9. Dezember 2011 auch außerhalb Italiens leicht zu erreichen (für Bahnfahrer gibt es sogar ermäßigten Eintritt): Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Sachsen-Anhalt) ist die größte Ausstellung zum Thema der letzten Zeit noch bis zum 8. Juni 2012 zu besichtigen. Mit seinen üblichen Superlativen hat Harald Meller, der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, zur Eröffnung der Schau „Pompeji, Nola, Heculaneum: Katastrophen am Vesuv“ nicht übertrieben.</p>

	<p>Für die schnelle Information hat der Botschafter der Republik Italien, Michele Valensise, diese deutsch-italienische Koproduktion treffend zusammengefasst: Es sei eine Mischung aus Geschichte, Archäologie und Vulkanologie. Der Vesuv spielt als Hauptakteur in allen Ausstellungsräumen die größte Rolle. Im bekannten säulendominierten Foyer des Hauses in Halle flackert Lavaglut an der Lichthofdecke.</p>

	<h2>Klassische und moderne Geschichtsfans</h2>

	<p>Diesmal war Harald Meller nicht der erste Mann am Tatort bzw. in Pompeji. Fürst Franz von Anhalt-Dessau kam als junger Mann auf seiner „Grand Tour“, wie „Interrail“ vor der Erfindung der Eisenbahn hieß, bereits 1766 dort vorbei und bewunderte dort die ersten regulären Ausgrabungen. Sein Besuch hinterließ bei der Errichtung der Dessau-Wörlitzer Parkanlagen in zahlreichen Gebäuden und der Nachahmung des Vesuvs deutliche Spuren (Wer die Ausstellung besucht: Ein Abstecher ins Gartenreich lohnt sich. Der Park in Wörlitz gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf dieser Welt!).</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm742-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm742-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Das ausgegrabene antike Forum von Pompeji. <span class="copy">© Juraj Liptak, <span class="caps">LDA</span> Sachsen-Anhalt</span></figcaption></figure>


	<p>Für die nun frisch gestartete Ausstellung sind zahlreiche Funde aus Italien dem Fürsten nachgefolgt. Aber es geht nicht nur um Pompeji und Herculaneum, nicht nur um die großartigen Wandmalereien und Fundstücke, die einen in der Qualität und Fülle fast sprachlos machen, sondern um die Geschichte der Katastrophen am Vesuv insgesamt. Der Landesarchäologe drückte es in seiner Einführung so aus: „Wir wollten nicht nur sensationelle Fundstücke ausstellen, sondern diese in einen Kontext bringen.“ Dieser Ansatz ist neu.</p>

	<p>Und da man in Halle nicht kleckert, sondern klotzt, kamen als Schirmherren natürlich nur der Staatspräsident von Italien, Giorgio Napolitano, und der Bundespräsident Christian Wulff in Frage. Beide waren freilich heuer nicht vor Ort, sondern ließen sich vertreten. Dafür sprach der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff ein Grußwort. Zahlreiche Landesminister und Landtagsabgeordnete ließen sich durch die Ausstellung führen, das Interesse auf politischer Ebene war also groß.</p>

	<h2>Vom Gladius und dem FC Napoli</h2>

	<p>Aber ich verlasse die Prominenz aus Fürsten, Präsidenten, Ministern und Landesarchäologen nun und widme mich lieber der Ausstellung. Das kann bei so einer Gelegenheit und bei einer so großen Ausstellung natürlich nur ein erster Eindruck sein. Auf einer Fläche von gut 1300 Quadratmetern sind über 500 Exponate und Exponat-Komplexe zu bewundern. Unmöglich, sich an dieser Stelle ausführlich jeder einzelnen Inszenierung zu widmen. Stattdessen beschränke ich mich bei der Betrachtung auf drei Gesichtspunkte: meinen persönlichen Eindruck, die Tauglichkeit für Geschichtsdarsteller und die Bedürfnisse der Kinder: Halle bleibt sich treu. Der erste Eindruck ist schwarz, schwarz, schwarz.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm739-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm739-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Goldarmreif aus dem Haus des Goldenen Armreifs, Pompeji. <span class="copy">© Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei</span></figcaption></figure>


	<p>Darüber flackert der Vulkan. Hat mich dies bei der Dauerausstellung noch sehr gestört, fand ich es bei den Geschehnissen um den Vesuv sehr passend. Oder ich habe mich einfach an die schwarze Grundstimmung gewöhnt. Das Foyer als erster Raum bietet die Gegenüberstellung von großen Ausschnitten von Wandmalereien aus Pompeji und Straßenszenen aus dem Neapel von heute. In den Vitrinen werden Funde von damals Funden gegenübergestellt, die von heute stammen, wenn … ja, wenn gerade jetzt der Vesuv wieder ausgebrochen wäre. Der römische Gladius aus dem antiken Fundgut entspricht einer Pistole von heute, die Beinschienen des Gladiators den Schienbeinschützern des FC Napoli und dem römischen Toilettenset ist ein Rasierpinsel mit Spiegel gegenübergestellt. Ich fand die Idee wunderbar. Auch wenn die italienische Seite, wie mir verraten wurde, die Sache etwas unheimlich fand, als würde damit etwas heraufbeschworen, wenn man Exponate von heute so präpariert, als stammten sie aus dem Fundgut eines modernen Vulkanausbruchs. In der Tat: Der Vesuv kann ständig ausbrechen. Mit dieser Angst leben die Napolitaner von heute. Deshalb muss man nicht abergläubisch werden, aber es ist die Realität.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm738-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm738-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Drama im sogenannten Haus des goldenen Armreifs: Gipsausgüsse einer Frau und eines Kindes. <span class="copy">© P. Foglia, Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei</span></figcaption></figure>


	<h2>Kindertauglichkeit: mangelhaft</h2>

	<p>An einer anderen Stelle der Schau bin ich begeistert von der Präsentation so vieler Gladiatorenhelme, dass doch einige Schritte vonnöten sind, um an dieser Phalanx vorbeizuschreiten. Sehr langsam, versteht sich natürlich. Diesen Abschnitt, mit seinen anschaulichen Darstellungen, einem Trickfilm und prägnanten Erklärungen, halte ich für den kindertauglichsten Teil der Ausstellung „Pompeji“.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm741-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm741-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="285" /></a>
<figcaption>Marmorstatue des Apollon, Haus des Menander, Pompeji. %(copy)© L. Pedicini, Soprintendenza per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei %</figcaption></figure>


	<p>Sehr schön war auch das Korkmodell der Casa del Menandro, aber ansonsten habe ich nichts für die lieben Kleinen entdecken können. Hätte man da sich nicht noch einige schöne Dinge mehr ausdenken können für die Museumsbesucher von morgen? Auf Nachfrage bei der Pressestelle nach einem Audio-Guide für Kinder, der vieles noch rausreißen könnte, erhielt ich eine freundliche, aber negative Nachricht. Auch für die Dauerausstellung gibt es diesen nicht. Dabei finden Kinder die Ausstellungen im Landesmuseum sogar sehr toll, hätten aber gerne zusätzliche Erklärungen, etwas, was Eltern selten so spezialisiert leisten können. Vielleicht kann das Landesmuseum in dieser Hinsicht den Besuchern von Morgen einen Nachschlag genehmigen. Es soll sogar Erwachsene geben, die gerne einen Kinder-Audio-Guide benutzen, weil er oft so schön anschaulich und nicht so wissenschaftlich ist – viele Bekannte von mir halten es so.</p>

	<p>Apropos: Alte Bekannte habe ich natürlich auch in der Ausstellung getroffen. Damit meine ich nicht Freunde aus der Stadt oder einen Archäologen aus dem Landesamt, sondern das Bäckerpaar von einem Wandgemälde in Pompeji. Eine Reproduktion fand sich schon auf Seite 93 meines alten Geschichtsbuchs von 1968. Nun stand ich unverhofft vor dem Original, das lange mein Bild von den Römern geprägt hatte. Vor den Menschen, die Rom sozusagen ein Gesicht gegeben hatten. Ich konnte schwerlich Tränen der Rührung zurückhalten.</p>

	<h2>Living History: Alltagsstücke en masse</h2>

	<p>Der Geschichtsdarsteller kommt in der Ausstellung voll auf seine Kosten. Alltag in Pompeji, wohin man nur schaut. Die Intention, besonders Alltagsgegenstände auszustellen, bildet einen zentralen Bestandteil des Ausstellungskonzeptes.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm743-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm743-498x280.jpg" title="" alt="" width="497" height="280" /></a>
<figcaption>Überreste einer bronzezeitlichen Hütte in Nola. <span class="copy">© Nicola Castaldo</span></figcaption></figure>


	<p>Dafür ist die Landesarchäologe nicht genug zu loben. Hier geht es um die einfachen Dinge im Leben: Ringe, Löffel, Gläser. Und um einen einzelnen Fund doch noch zu erwähnen, nur aus dem Grunde, weil er mir besonders in die Augen fiel: Ein Hobel, ein einfacher römischer Hobel. Dieser erschien mir in diesem Moment kostbarer als das ganze verdammte Kaiserreich, das ohnehin dem Untergang geweiht war.</p>

	<p>Sind die Exponate nun in einem Kontext gestellt? Ich denke, in den meisten Fällen ist es geglückt. Meine Reaktionen zeigen es doch! Der Vesuv dominiert, das ist auch ohne Brille erkennbar. Im Untergang triumphiert auch die Lust und Erotik, der auch ein Teil der Ausstellung gewidmet ist (wen es interessiert!).</p>

	<p>Ich denke, die neue Sonderausstellung in Halle ist zusammen mit den Sensationen aus der ständigen Dauerausstellung im selben Haus wie der Schamanin von Bad Dürrenberg, die Toten von Eulau und die Himmelsscheibe eine Reise, gewisse auch eine weite Anreise wert.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Sachbuch: Homo sapiens auf Entdeckertour</title>
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				<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Christine Raudies</dc:creator>
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				<description>Ein Schatz für Entdeckungsreisende und solche, die es noch werden wollen: „Die großen Entdecker. Von wagemutigen Forschern und abenteuerlustigen Pionieren“ ist ein Buch vor allem für junge Leser. Christine Raudies hat hineingeschaut.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Ein Schatz für Entdeckungsreisende und solche, die es noch werden wollen: „Die großen Entdecker. Von wagemutigen Forschern und abenteuerlustigen Pionieren“ ist ein Buch vor allem für junge Leser. Christine Raudies hat hineingeschaut.

	<h2>Viel zu entdecken</h2>

	<p>Das Buch von Roland Knauer und Kerstin Viering ist im Oktober 2011 in der Reihe mareWissen erschienen. Auf 336 Seiten bietet der sorgfältig lektorierte und liebevoll gestaltete Band mit Illustrationen von Claudia Lieb deutlich mehr als sein Titel erwarten lässt. Denn das Autorenteam liefert eben nicht nur einen historischen Rückblick auf große Namen und einzelne Expeditionen. Das Buch spannt vielmehr einen Bogen von den Wanderungen der Frühmenschen bis zur Eroberung des Weltraumes und der Tiefsee; Ausgangspunkt und roter Faden ist dabei der menschliche Antrieb, die menschliche Lust, zu entdecken. Diese ist für die Autoren zugleich Voraussetzung als auch Motor der menschlichen Entwicklung.</p>

	<p>Das Buch ist gegliedert nach historischen und geographischen Kategorien. Und schon das erste der insgesamt zwölf Kapitel „Aus Afrika bis in die Südsee“ ist eine Entdeckung, die man nicht unbedingt erwarten würde. Knauer und Viering erläutern geologische, geographische, biologische und klimatische Bedingungen und Entwicklungen, die dazu beitrugen, dass sich die Frühmenschen auf den Weg machten. </p>

	<h2>Weiter Bogen und kleine Lücken</h2>

	<p>Über das Reisen im Altertum und im Mittelalter, die Entwicklung von Weltmächten durch den Fernhandel, die Entdeckung Amerikas, die Erforschung Asiens, Expeditionen zum Nord- und Südpol und in die Tiefsee geht es dann weiter bis zu Reisen in das Weltall.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm713-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm713-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="288" /></a>
<figcaption>Cover des Buchs. <span class="copy">© mare Verlag</span></figcaption></figure>


	<p>Das Buch fordert durchaus eine gewisse Lesekondition, denn die Autoren speisen ihre Leser nicht mit Häppchenwissen ab, sondern eröffnen durch schlaue Argumentationsketten und Fragestellungen die Türen zur tieferen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Entdeckerdrang.</p>

	<p>Ergänzt werden die Kapitel durch Karten, die leider etwas klein ausfallen, durch zahlreiche Infokästen zu wissenschaftlichen und historischen Details, zu Entdeckerfreuden und -plagen sowie durch ein Glossar zu Entdeckungsreisenden von Roald Amundsen bis Amerigo Vespucci.</p>

	<p>Dass selbst bei einem so umfangreichen Band das eine oder andere zu kurz kommt, lässt sich bei der Breite des Themas kaum umgehen. So findet die Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die Österreich-Ungarische Expedition der „Admiral Tegetthoff“ keinen Platz, obwohl sie für die Erschließung der Nordpolregion durchaus von Bedeutung war. Auch ließen sich einige Behauptungen und Folgerungen der Autoren diskutieren. Natürlich ist es Arktisurlaubern heute möglich, den Nordpol zu besuchen. Und ob die Berichte des Marco Polo mehr oder weniger in das Reich der Phantasie gehören, ist viel weniger eindeutig geklärt, als die Autoren durch die ausführliche Auflistung der vorhandenen Zweifel den Anschein erwecken.</p>

	<p>Aber auch offene Fragen tun dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Auch weil das Buch nicht nur spannende Erkenntnisse sondern auch viel Denkvergnügen bietet. Und auch das ist für wagemutige Forscher und abenteuerlustige Pioniere schließlich ein Schatz, den es immer wieder zu entdecken gilt.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Sachbücher: Mit Experimenten in die Vergangenheit</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/mit-experimenten-in-die-vergangenheit/</link>
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				<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 16:00:00 +0100</pubDate>
				<dc:creator>Wulf Hein</dc:creator>
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				<description>Zwei Bücher für den „Experimentellen“ hat der Archäotechniker Wulf Hein unter die Lupe genommen. Sie bieten einen Überblick zur Experimentellen Archäologie und widmen sich einer byzantinischen Maschine.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Zwei Bücher für den „Experimentellen“ hat der Archäotechniker Wulf Hein unter die Lupe genommen. Sie bieten einen Überblick zur Experimentellen Archäologie und widmen sich einer byzantinischen Maschine.

	<h2>Umfangreicher Werkzeugkasten</h2>

	<p>Der Name Dirk Vorlauf ist eng mit der Geschichte der Experimentellen Archäologie in Deutschland verbunden. Seit Ende der 1980er Jahre führt der Autor zahlreiche Versuche zu archäologischen Fragestellungen durch und beschäftigt sich auch kritisch mit Methodik und Theorie, so auch im vorliegenden Band, der in der Reihe „Experimentelle Archäologie“ des Landesmuseums „Natur und Mensch“ in Oldenburg erschienen ist.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm619-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm619-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="281" /></a>
<figcaption>Umfangreiche Übersicht des Forschungsfelds. <span class="copy">© Wulf Hein / Isensee-Verlag</span></figcaption></figure>


	<p>Auf den ersten 25 Seiten des Buches mit dem Subtitel „Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Kommerz“ untersucht Vorlauf, wie sich dieser Forschungszweig in den letzten 20 Jahren entwickelt und verändert hat. Er unternimmt ebenso kompetent wie kenntnisreich eine aktuelle Standortbestimmung, die auch Freilichtmuseen und Archäotechnik einbezieht und einen Ausblick in die Zukunft der Experimentellen Archäologie wagt. Dieser Teil ist fast ein wenig knapp geraten, aber der Autor hat seine Energie auf ein anderes, vielleicht noch wichtigeres Projekt gerichtet.</p>

	<p>Den größten Teil des Buches füllt nämlich eine ausführliche Bibliographie zum Thema, die ihresgleichen sucht: über 3500 Titel hat Vorlauf zusammengetragen, die sowohl alphabetisch nach Autorennamen geordnet als auch noch einmal thematisch aufgeführt sind. Damit bietet dieser Band dem interessierten Leser eine umfangreiche Literaturliste aus zehn Sprachräumen, die nicht nur einen Überblick über bereits durchgeführte Versuche ermöglicht, sondern auch den Einstieg in einzelne spezielle Themenbereiche.</p>

	<p>Dies ist besonders für Experimentatoren interessant, die selbst tätig werden wollen und – wie es bei jedem ernstzunehmenden Projekt vorausgesetzt werden muss – mit der Literaturrecherche beginnen: Ihnen hat der Autor einen „vollen Werkzeugkasten“ hingestellt, der in keinem Bücherschrank eines „Experimentellen“ fehlen sollte.</p>

	<h2>Spätantike Steinsäge im Experiment</h2>

	<p>Wasserbetriebene Steinsägen galten bisher als Erfindung der Neuzeit. Mittlerweile liegen jedoch mehrere Befunde vor, die solche Maschinen bereits in antiker Zeit belegen. Seit mehreren Jahren befasst sich ein Forschungsprojekt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (<span class="caps">RGZM</span>) in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut mit den Ursprüngen dieser Technik. Dazu gehören auch Experimente mit einem Nachbau im Maßstab 1:1, die im vorliegenden Band „Die byzantinische Steinsäge von Ephesos“ beschrieben werden.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm618-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm618-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="276" /></a>
<figcaption>In diesem Buch: Die Rekonstruktion einer Steinsäge. <span class="copy">© Wulf Hein / Verlag des <span class="caps">RGZM</span></span></figcaption></figure>


	<p>Bei den insgesamt fünf Versuchen mussten die Forscher diverse Kompromisse eingehen: Beispielsweise wurde der Antrieb der Steinsäge, der im Altertum sicher über ein Wasserrad erfolgte, mittels eines Elektromotors bewerkstelligt; zum Umlenken der Seile dienten moderne Blöcke, und konstruktive Details wurden nach eigenem Gutdünken bzw. historischen Vorbildern gestaltet. Trotzdem lassen sich die Ergebnisse der Rekonstruktion gut mit den archäologischen Befunden in Übereinstimmung bringen und haben viel zum Verständnis der antiken Steinsägen beigetragen.</p>

	<p>Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet und mit vielen Abbildungen versehen, welche vor allem die Originalfunde und -befunde gut illustrieren. Als Techniker hätte ich mir allenfalls noch mehr Detailfotos bzw. -zeichnungen zu den Rekonstruktionsversuchen gewünscht, denn gerade in der Beschreibung der technischen Feinheiten ist oftmals das Verständnis einer Apparatur auch für den Fachfremden angelegt. Freunde der antiken Architektur mit einem Faible für Technikgeschichte kommen mit diesem Buch jedoch voll auf ihre Kosten.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Reenactor-Messe Minden: Einige Perlen und ganz viel Stahl</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/einige-perlen-und-ganz-viel-stahl/</link>
				<comments>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/einige-perlen-und-ganz-viel-stahl/#comments</comments>
				<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/einige-perlen-und-ganz-viel-stahl/</guid>
				<description>Der erste Reenactor-Markt in Minden hat seine wundervollen Momente; hinterlässt aber auch gemischte Eindrücke. Da blieb viel Potenzial ungenutzt. Dennoch bieten nunmehr zwei Messen gute Möglichkeiten für die Living History.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Der erste Reenactor-Markt in Minden hat seine wundervollen Momente; hinterlässt aber auch gemischte Eindrücke. Da blieb viel Potenzial ungenutzt. Dennoch bieten nunmehr zwei Messen gute Möglichkeiten für die Living History.

	<h2>Frisches aus der Burgküche</h2>

	<p>Der Geschmack ist beim ersten Probieren fremd, aber gut: Fein pürierter Kürbis, ein Hauch Honig, etwas Pfeffer – und so manch andere Zutat. Für Nachfragen reicht aber mein Französisch nicht aus, am Stand von Philippe Redien. Es ist Messesamstag beim Historischen Markt vor dem Preußen-Museum in Minden (<span class="caps">NRW</span>). Redien wirbelt am Stand seines Lebensmittelhandels. „La Cour des saveurs“ bringt mittelalterliche Küche auf den Tisch und passt deshalb ganz ausgezeichnet zur „Reenactor-Messe“, wie die Mindener Marketing-Gesellschaft das Spektakel taufte. Es ist die erste Veranstaltung dieser Art im Norden Deutschlands.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm516-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm516-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Besucherandrang im großen Messezelt in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Über 70 Händler, Handwerker und Künstler sind gekommen. In langen Reihen haben sie ihre Stände aufgebaut. Dem Herbstwetter entsprechend in einem Großzelt. Das ist erfreulich. Auf das mit roten Stoffbahnen verhängten Zeltdach klopfen immer wieder Regenschauer. Doch hier bei Philippe Redien ist es ganz gemütlich. Ohne viel Federlesen hat er mich von seiner Kürbisspezialität probieren lassen, deren Name sich mir partout nicht einprägen will.</p>

	<p>Viele Köstlichkeiten stapeln sich auf dem Tisch des Franzosen, der nicht nur auf Messen verkauft und seine Kunden beliefert. Redien betreibt auch die Burgküche auf dem <a href="http://www.chateau-de-cherveux.com/accueil/welcome.htm" title="Poitou-Charentes">Schloss Cherveux</a>. „Bei uns gibt es französische mittelalterliche Spezialitäten“, sagt Redien und verweist unter anderem auf das Rezeptbuch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Le_Viandier">Le Viandier</a>. Die Messe in Minden, findet er, sei eine gute Chance, sich auch in Deutschland bekannter zu machen.</p>

	<h2>Organisatoren aus Frankreich</h2>

	<p>Es gibt in Frankreich die Gesellschaft für Living History; im Original: Association pour l’Histoire Vivante (ApHV). Sie will, so ist es im Selbstverständnis verankert, die französische Living History-Szene fördern, promoten und vernetzen. Bücher und Magazine sind eine Schiene, historische Veranstaltungen die andere. Und dazu zählen auch Märkte.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm512-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm512-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Gute Stoffe gibt es bei einigen Händlern auf der Messe. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Seit mehreren Jahren schon organisiert ApHV historische Märkte. Bekannt ist unter anderem die Messe in Pontois nahe Paris. „Dorthin kommen 200 Händler aus 16 verschiedenen Ländern und mehr als 6.000 Besucher“, listet ApHV-Direktor Christophe Dargère die Bilanz der Vorjahres-Messe auf. Das erste Mal ist die Gesellschaft nun in Deutschland aktiv und richtet die Messe in Minden aus. „Unser Ziel ist es, einen High-Quality-Markt für Reenactment zu kreieren“, sagt Dargère. Die Messe an diesem Oktoberwochenende 2011 ist ein erster Versuch. Ob und wie das Engagement im nächsten Jahr fortgeführt wird – das wird sich zeigen, sobald die Auswertung gelaufen ist.</p>

	<p>Die Gesellschaft fragte also bei ihren Stammpartnern nach, und viele Händler kamen nach Deutschland. Aus Frankreich natürlich, aus den Niederlanden, Großbritannien, Tschechien oder Polen. Auch etliche deutsche Aussteller sind vertreten.</p>

	<p>Warum nach Minden? Die nordrhein-westfälische Stadt hat schon vor Jahren die Geschichte als imagefördernden Aspekt entdeckt. Und die örtliche Marketing-Gesellschaft hatte eine glückliche Entscheidung getroffen, als sie 2008 einige Living History-Akteure als Kooperationspartner für historische Veranstaltung gewann. Im Jahr darauf, 2009, inszenierte die Stadt eines der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges – die <a href="http://www.schlacht-bei-minden.com/index.php">Schlacht bei Minden von 1759</a>. Das Stadtmarketing holte dafür zahlreiche Reenactors zusammen, koordiniert von Udo Brühe vom „Freundeskreis Lebendige Geschichte“ (<span class="caps">FLG</span>). Brühe ist inzwischen auch Herausgeber des Magazins <span class="caps">AFAKTOR</span> und hält nach wie vor Kontakte nach Minden. Als die Franzosen nach Möglichkeiten in Deutschland suchten, kam eines zum anderen und die Reenactor-Messe in Minden ward aus der Taufe gehoben.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm520-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm520-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Front des Preußen-Museums in Minden; einst war das Haus eine Kaserne. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Das Preußen-Museum schließlich ist ein ganz hervorragender Ort; vor seiner Tür liegt der üppig dimensionierte Simeonsplatz. Dort also ließen die Stadt und ApHV das Messezelt aufschlagen. Eine gute Idee: Der Eintritt zur Messe ermöglicht auch den Zutritt in das schön gestaltete Museum, das preußische Geschichte vom Deutschen Orden bis in die Neuzeit hinein aufbereitet. Ein Saal im Museum ist zudem Ort für Teile des Rahmenprogramms: Marcus Junkelmann referiert dort über „Römer im archäologischen Experiment“, Martin Klöffler von der „IG Historischer Alltag“ spricht über Qualität in der Living History und Nils Kagel zeigt, was das Freilichtmuseum am Kiekeberg mit Living History erreicht.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm521-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm521-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Musiker begleiten die Reenactor-Messe in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Französische Artisten, Musiker und eine Greifvogelschau runden das Rahmenprogramm ab. Der Verein Experimentum wiederum hat Nachbauten eines Tretradkrans, eines Wagens und einer Blide auf dem Museumshof aufgebaut. Besuchergruppen werden in die technischen Details eingeführt. Die Messe als Mischung aus Handel, Handwerk und Unterhaltung – mit diesem Konzept sind die Franzosen seit Jahren erfolgreich.</p>

	<h2>Schmale Kost und viele Gewandete</h2>


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<a href="/images/mediathek/cm517-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm517-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Edles Glas nach historischen Vorbildern am Kourgane-Stand. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Die französische Händlerin am Stand von „Kourgane – Reconstitution de verreries historiques“ wiegt skeptisch ihr Haupt. „Es ist okay“, sagt sie. Will heißen: es könnte durchaus noch besser werden mit der Kauffreude der Besucher. Kourgane verkauft Repliken historischer Glaswaren, etliche in Schweden produziert. Bei französischen Messen waren sie schon mehrfach dabei. Als ApHV anfragte, nutzte die Firma die Chance für einen ersten Versuchsballon in Deutschland. Doch noch ist das Messekonzept ungewohnt; viele Besucher schauen nur.</p>

	<p>Gleichwohl ist die Living History-Szene im Publikum gut vertreten. Antike, frühes und hohes Mittelalter, Renaissance oder Napoloenik – aus vielen Subszenen sind Akteure angereist. Viele decken sich mit Alltagsgegenständen, Stoffen und anderem Zubehör für ihre Darstellung ein. Unübersehbar ist auch die Riege der Gothics und der Marktmittelalter-Fans. In fantasievollen Kostümen schreiten sie durch die Gänge. Gewandung ist erlaubt.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm518-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm518-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Haufenweise Stahl: Militaria und Schwerter dominieren in Minden. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Am Eingang wird nur die Schärfe der mitgebrachten Waffen überwacht. Stumpfe Schneiden sind aber offensichtlich kein Problem für die Ordner. Und so tummeln sich in den zuweilen sehr schmalen Gängen denn auch Bewaffnete mit ausladendem Metall am Gürtel. Ziemlich rücksichtslos zuweilen. Noch weniger schön: Mutmaßliche Vertreter der braunen Szene, die mit Kapuzenshirts vom ultranational gesinnten Internethandel durch die Gassen gehen. Schade, dass auch auf solche Details nicht am Eingang geachtet wird.</p>

	<p>Gewaltiger Minuspunkt: es mangelt an historischer Küche. Der Stand von Philippe Redien ist der einzige seiner Art. Es gibt noch einiges an Früchten, Gewürzen oder Süßigkeiten. Und natürlich die unvermeidlichen Methändler. Beinahe enttäuschend ist aber die Verpflegung für Besucher. Einzig die „Piraten-Taverne“ – auch sie aus Frankreich – bietet Essen an. In kleiner, interessanter aber nicht eben preiswerter Ausführung. „Eine ordinäre Bratwurst wäre jetzt schön“, seufzt ein Besucher. Wenig Trost bietet die Cafeteria des Museums, wo lediglich ein Automat einige Kleinigkeiten feilbietet. Gastronomisch ist die Messe unbedingt ausbaufähig.</p>

	<h2>Schwerpunkt: Mittelalter</h2>

	<p>Nun darf man gespannt sein, wie sich eine etwaige Neuauflage präsentieren wird. Zu hoffen ist, dass sich dann auch mehr Epochen präsentieren. Die Auftaktveranstaltung ist, vielleicht wegen ihres Versuchscharakters, mit einem eindeutigen Schwerpunkt versehen. Das hohe und späte Mittelalter dominiert in allen Belangen. Dabei war ein Spektrum von Antike bis 1918 angesagt. Zu spüren ist davon nicht viel. Besser gesagt, ich muss nach den zeitlichen Ausreißern suchen.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm514-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm514-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>NP Historical Shows bietet Schuhwerk aus vielen Epochen an. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Antike ist, von einigen römischen Glasrepliken abgesehen, kaum vertreten. Immerhin ist die Hamburger Gladiatorengruppe <a href="http://www.ludus-nemesis.eu/">Ludus Nemesis</a> mit dabei. Im Messezelt kommt mir der Stand der französischen Keramiker Catherine de Casas und José Fernandes etwas verloren vor. Wunderschöne Repliken griechischer, etruskischer und römischer Tonware sind vor ihnen aufgebaut. Doch viele Besucher zieht es zu anderen Punkten. Vor allem Schuhe und wiederum Glas sind es, was ich andererseits von der Neuzeit zu sehen bekomme. Bedauerlich, denn das benachbarte Preußen-Museum böte für Ausstattungen etwa für das 18. und 19. Jahrhundert die perfekte Kulisse.</p>

	<p>Stahl in rauen Mengen, in jeder Größe und zu verschiedenen Preisen. Keine Frage, wer da immer einen Dolch oder ein Schwert braucht, ist bei der Messe gut aufgehoben. Es gibt Dolche für unter 80 Euro oder auch für über 300. In diesem Vergleich kommt der Stand von „Tod’s Stuff“ regelrecht teuer weg. Doch bei dem Briten Leo „Tod“ Todeschini liegt Qualität. So mancher kam eigens wegen seiner Stahlwaren oder Armbrüste nach Minden; er genießt einen ausgezeichneten Ruf.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm511-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm511-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Ziselier Ivan Müller bei der Arbeit. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ich suche lange vergeblich nach Handwerkern, die ihr Gewerbe auch vor Ort ausüben. Diese Lebendigkeit hatte ich mir gewünscht. Ich sehe immerhin Holzarbeiten, ich sehe einen Münzpräger mit schönen Stücken. Und dann ist da noch der Gürtler und Ziselier Ivan Müller aus Prag. Mit feinem Werkzeug treibt er die Form eines alten Segelschiffes – nach einer Vorlage aus Skandinavien – auf eine Metallplatte. Müller verziert historische Ausrüstungsgegenstände und Accessoires in klassischer Technik mit Gravierungen, Radierungen und Ziselierungen.</p>

	<p>Vieles für Wikingerfans; von „Walhalla“ aus Polen zum Beispiel. Plattenrüstungen, Bogen und Zubehör, Keramik, Bottiche, Unterwäsche und Gambesons. Die Mittelalterszene kommt auf ihre Kosten. Aber das Richtige kauft, wer informiert ist. Was passt zur Darstellung? Schwert ist nicht gleich Schwert; so manches Stück passt eher in die Larpszene – die auf dem Flyer des Stadtmarketings ausdrücklich als Zielgruppe benannt wurde – oder allenfalls auf den Mittelaltermarkt. Auch viel historisierenden Kitsch wie moderne Drachenfiguren oder Schädel-Nippes gibt es haufenweise.</p>

	<p>Warum nicht auch die Larpszene bedienen. Warum nicht etwas fantasievolle Accessoires oder preiswerte und weniger historisch exakte Waren. Kein Problem, wenn Kunde weiß, was er da kauft. Der erfahrene Reenactor wird zielsicher nach dem suchen, was er braucht. Zu Recht zeigen sich viele auch vom Angebot begeistert. Andere dürften sich indes vom Augenschein und Preislage verführen lassen. Wenn dann einzelne Händler mangels Sprachkenntnissen nur rudimentär beraten, ist der Lerneffekt für Unerfahrene auf dieser Messe geschmälert.</p>

	<h2>Die einzig wahre Messe?</h2>

	<p>Es gab im Vorfeld einige Debatten über die angebliche Einzigartigkeit von „Deutschlands 1. Internationaler Reenactor-Messe“, wie die Minden Marketing GmbH die Veranstaltung auf ihrem Flyer und im Web betitelt. Darüber etwa, ob das Prädikat, <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/messe-entwickelt-charme/">erste internationale Reenactmentmesse zu sein, nicht eher der Veranstaltung im April dieses Jahres in der Villa Borg</a> gebührte. Die Franzosen betiteln ihre Messen übrigens nur mit „historischer Markt“.</p>

	<p>Ein Team um Frank Wiesenberg vom Römischen Vicus und der Museumsleiterin Bettina Birkenhagen holte im April über 30 Händler aus mehren Ländern in die römische Villa. Auch diese Messe diente dem Netzwerken – womöglich noch stärker im Konzept verankert als beim französischen Mitbewerber. Anders als in Minden aber war die Messe in Perl-Borg als reines Living History-Event angelegt. Der Ort sprach dafür, auch die Auswahl der Händler. Keine Waren, wie sie für Mittelaltermarktfans gebräuchlich sind.</p>

	<p>Im Grunde ist die Frage nach der korrekten Bezeichnung eine fast schon akademische (vom Werbeeffekt einmal abgesehen). Für das Gros der Besucher stehen andere Dinge im Vordergrund. Was bekomme ich für mein Geld? Welche Zeiten sind vertreten und wie komme ich zum Messeort? Insofern ist die Wahl von Minden eine sehr gute. Die deutsche Szene dürfte wohl zwei Messen zu unterschiedlichen Jahreszeiten und an so weit auseinander liegenden Orten vertragen. Es ist ein bisschen wie mit den Buchmessen: Man fährt zur geschäftigeren Messe nach Frankfurt oder zur kleineren Schwester nach Leipzig, wo das Rahmenprogramm seine besonderen Reize entfaltet.</p>

	<p>Nicht im Namen, sondern im Ausbau der Konzepte wird künftig die Chance für beide Reenactment-Messen liegen. Die Villa Borg hat ein großartiges Potenzial. Und es ist falsch zu glauben, dass dort nicht auch schon eine epochen-übergreifende Messe stattgefunden hätte – wie es so mancher in den Debatten formuliert hat. Von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter hinein kamen Anbieter ins Saarland. So sehr viel mehr Epochen hatte auch Minden im Grunde nicht zu bieten.</p>

	<p>In Borg der Schwerpunkt Antike; ausgestaltet im Rahmen der rekonstruierten Römervilla – in Minden der Fokus auf Mittelalter und Neuzeit. Daraus ließe sich durchaus etwas machen. Die Mindener Veranstalter bewiesen zwar kein glückliches Händchen mit der Betitelung ihrer Messe. Zumal auch Transparenz gefragt ist, wenn es dort neben guter Living History-Ausrüstung eben auch weniger historisch genaue Angebote gibt. Aber der Zeitpunkt ist gut gewählt. Warum also nicht künftig eine Frühjahrs- und eine Herbstmesse für die Szene? Die jeweils andere Schwerpunkte in Zeitstellung, Händlerauswahl und Rahmenprogramm setzen? Ich sehe darin zunächst einmal eine Chance für die Living History hierzulande.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Geschichtspark Bärnau: Und sie bauten eine Burg</title>
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				<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 22:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Torsten Kreutzfeldt</dc:creator>
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				<description>Er ist ein Mitmach-Museum, der Geschichtspark Bärnau-Tachov in Bayern. Ottonendarsteller und andere Akteure haben die gerade im Entstehen befindliche Anlage in Augenschein genommen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Er ist ein Mitmach-Museum, der Geschichtspark Bärnau-Tachov in Bayern. Ottonendarsteller und andere Akteure haben die gerade im Entstehen befindliche Anlage in Augenschein genommen.

	<h2>Living History ist eingeplant</h2>

	<p>Ganz nahe an der tschechischen Grenze liegt der Geschichtspark Bärnau-Tachov. Über die Autobahn 93 ist er sehr gut von Süden und auch von Norden her erreichbar. Nürnberg liegt etwa 140 km, Leipzig 250 km entfernt. Seit einem Jahr verfolgen wir die Entwicklung des Geländes und konnten zum „Tag des offenen Denkmals“ 2011 dort ein kleines Treffen von Ottonendarstellern abhalten.</p>

	<p>Das 6,5 Hektar große Gelände verdient den Namen Geschichtspark zu Recht. Noch ist vieles im Entstehen. Aber was bereits vorgefunden wird, übertrifft, zumindest was mich anlangt, die Erwartungen.</p>

	<p>„Neue Mittelaltermuseen braucht das Land?“, kommt mir frei nach Ina Deters Lied in den Sinn. Denn ohne große Recherche fallen mir ein: Die <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtsszene/akteure-erobern-turmhuegelburg/">Turmhügelburg bei Lütjenburg</a>, die Häuser in <a href="http://www.schloss-gottorf.de/haithabu/das-museum/haithabu">Haithabu</a>, das <a href="http://www.mittelalterhaus-nienover.de/index.php?s=start">Mittelalterhaus Nienover</a>, die geplante <a href="http://www.karolingischeklosterstadt.com/">Klosterstadt in Meßkirch am Bodensee</a>, der geplante <a href="http://www.tribur.de/blog/?p=15371">karolingische Herrenhof Lauresham in Lorsch</a> und der Geschichtspark Bärnau-Tachov. Bald weiß man als Darsteller nicht mehr, wo man zuerst hinfahren soll. (Pläne für Anlagen in Deutschland gibt es noch mehr. Zu den verwirklichten zählt auch die <a href="http://www.bachritterburg.de/">Bachritterburg in Kanzach</a> / Anmerk. d. Red.)</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm509-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm509-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Living History ist ein wichtiges Element in dem Freilichtmuseum in Bärnau. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Da ist es umso besser, dass die Einrichtungen genau schauen, ob der Darsteller auch in der richtigen Zeit oder Kultur lebt. Die von großen Gruppen oder Gruppennetzwerken seit Jahren verwendeten „Kitguides“ oder Bekleidungsratgeber werden aus diesem Grunde auch von Museen verwendet. Geschichtsdarstellung (Living History oder Reenactment) sollen in diesen neuen Einrichtungen oder Geländen groß geschrieben werden, sind Teil des Konzeptes oder tragen mit zur Errichtung bei (in Meßkirch oder auch teilweise in Bärnau).</p>

	<p>Die für Bärnau entwickelten Bekleidungsführer für den Frühmittelalterbereich liegen mir vor, sollen hier aber nicht Thema sein. Ich möchte damit aber klarstellen, dass ich diese Entwicklung begrüße. Allerdings soll damit der engagierte Darsteller nicht eigener Recherchearbeit enthoben sein. Im Gegenteil!</p>

	<h2>Ottonischer Spaziergang</h2>

	<p>Ich kam mit den Ottonen aus dem Darstellerverbund „Die Ottonenzeit“ nach Bärnau. Einige von uns waren bereits mehrere Male hier. Die Augsburger Sektion plant sogar, sich hier ein eigenes Häuschen zu bauen. Was das heißt, dazu komme ich noch später. Es ist möglich, die Häuser des Parks zu bewohnen, dort zu schlafen oder auf einem zugewiesenen Platz, der leider in einer feuchten Senke liegt, ein Zelt aufzuschlagen. Wir sind als Ottonen in ein slawisches Grenzdorf des 10. Jahrhunderts gezogen. Das ist zumindest nicht so abwegig.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm506-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm506-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist eine großzügig geschnittene Anlage. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist wirklich ein Park. Die einzigen Schilder mit Erklärmaterial befinden sich am Eingang vor dem monumentalen Info- und Dokumentationszentrum, der auch Toiletten und Duschen beherbergt, sowie Kasse und Museumsladen. Letzterer verfügt übrigens über ausgezeichnete Utensilien für die Erstausstattung eines Darstellers, die selbstverständlich alle käuflich zu erwerben sind.</p>

	<p>Nicht nur die Gebäude des Zentrums sind groß, sondern auch das Gelände ringsum. Hier ist laut Stefan Wolters, dem wissenschaftlichen Leiters des Geschichtsparks, Platz für das, was er das „unerlässliche Eventmittelalter“ nennt, also Markt, Musik und Gastronomie. Vom eigentlichen Geschichtspark ist dieser Bereich hübsch abgetrennt durch einen hohen Holzzaun, der rustikal genug aussieht, um das Bild nicht zu stören. Wolters meint, auch das „Eventmittelalter“ gehört dazu, aber wenn man sich von seinem Platz als Darsteller nicht fortbewegt (oder fortbewegen kann), bekommt man davon auch gar nichts mit.</p>

	<p>Da ich schon in meiner „Klamotte“ stecke, bewege ich mich also hinein in den Park. Da er direkt am Ortsrand liegt, befindet sich vorne das Mittelalter, aber schaut man zurück, nunja, da ist das 21. Jahrhundert. Es gibt Besucherstimmen, die den Anblick von Häusern mit Sonnenkollektoren, Scheunen und Kirche als störend empfunden haben. Aber muss man immer zurückschauen im Leben?</p>

	<p>Blenden wir deswegen die Umgebung aus: Was mich sofort vom Gelände eingenommen hat, ist die Geländegestaltung mit Bächen, Wassergräben und zwei kleinen Teichen. Sehr romantisch angelegt ist das alles, ein „Wörlitz“ für Mittelalterinteressierte. Auf dem größeren Teich soll bald ein Einbaum seine Kreise ziehen (das Boot wurde jüngst zu Wasser gelassen; Anmerk. die Red.). Die Wasserläufe trennen die einzelnen Bereiche ab, z. B. bildet der größere Teich die Grenze zwischen der Motte und dem Hochmittelalterbereich, der momentan erst aus einem Haus besteht. Die Motte wiederum ist durch Bach und Wassergräben fein vom Frühmittelalterdorf geschieden.</p>

	<p>Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Ottone einen Blick in das bäuerliche Wohnhaus des 12./13. Jahrhunderts werfen darf. Doch diesen Schritt wage ich einfach, denn die „Bewohner aus meiner Zukunft“ sind nett. Auch dieses Haus ist noch im Bau. Es sind noch Lehmarbeiten auszuführen und vorhandene Risse auszustopfen. Dennoch beeindruckt die Liebe zum Detail bereits. Ich kann an dieser Stelle einstreuen, dass laut Wolters „die Häuser ausnahmslos in Originalmaterial und Originaltechniken errichtet werden, jedoch ca. zu zwei Dritteln mit modernen Werkzeugen (aus Zeit und Effizienzgründen) und zu einem Drittel in Museumsaktionen im Mittelalterkostüm mit Originalgerät“. Hier sind als Mitmach-Möglichkeiten für die Szene!</p>


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<a href="/images/mediathek/cm505-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm505-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="264" /></a>
<figcaption>Die Motte ist eines der jüngsten Bauprojekte in Bärnau. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Da ich das Gelände vom oben überblicken möchte, gehen wir jetzt hinüber zur Turmhügelburg, der Motte. Das ist ein Kletter- und Spielturm für die Militärs unter den Darstellern. Am „Tag des offenen Denkmals“ stand oben auf dem Turm stets ein Akteur in Kettenhemd, Helm und Lanze und hielt tapfer Wache. Die Sonne spiegelte sich gleißend auf seinem Helm und er ließ sich brav fotografieren.</p>

	<p>Vorbild für die Rekonstruktion war der Teppich von Bayeux. Deswegen befinden wir uns in diesem Bereich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Ottonen haben hier also nichts zu suchen. Wir haben zwar in Querfurt und wohl auch Zörbig runde Steintürme in sogenannten Burgwardhauptorten nachgewiesen, aber leider keine Motten. Gehen wir also schnell wieder, bevor uns die Wache entdeckt!</p>

	<p>Wie ich bereits erwähnte, gibt es keine Erklär- und Schautafeln im Gelände selbst. Der Besucher wird aber mit einem ausgezeichneten Übersichtsplan ausgestattet, in dem das Konzept des Parks und die einzelnen Hausrekonstruktionen erklärt werden. Dort steht alles Notwendige und kann direkt vor Ort nachgelesen und verglichen werden. Ich denke, dass dies für ein Freilichtmuseum dieser Art ein guter Weg ist, dass Bild stimmig zu erhalten und den Besucher dennoch mit den wichtigsten Informationen zu versorgen. Darüber hinaus, zum Beispiel zu den Hintergründen der Rekonstruktionen, könnte im Museumshop aber noch eine ausführlichere Publikation angeboten werden. So umsichtig wie ich Stefan Wolters kennengelernt habe, ist die bestimmt schon in Planung.</p>

	<p>Der Bach wird auf einer weiteren kleinen Brücke überschritten. Wir befinden uns jetzt in der „Baugruppe Frühmittelalter“. So könnte ungefähr ein slawisches Dorf im Grenzbereich zwischen Reich und Böhmen vom 8. bis 10. Jahrhundert ausgesehen haben: Flechtwandhaus, Grubenhaus, Pfostenhaus, Blockhaus und ein Lehmofenunterstand sorgen für Vielfalt. Archäologische Fundbelege aus der Umgebung dienten als Vorbilder. Innerhalb des Dorfes kamen wir Besucher aus dem Ottonenreich im etwas komfortableren Blockhaus unter. Angehobener Fußboden, unser Pfostenbett und die Pingsdorfer Ware verbreiteten den im Übersichtsplan angesprochenen Eindruck, dass hier reichere Dorfbewohner gelebt haben.</p>

	<h2>„Ich habe das hier verbrochen&#8230;“</h2>

	<p>Zu dem Konzept des Geschichtsparks gehört, dass im Gelände ständig gebaut und gelebt wird. Dem gingen natürlich zahlreiche Planungen, Genehmigungsverfahren und Bürokratiebewältigung voraus – diese Vorbereitungsphase war 2010 weitgehend abgeschlossen. Seit diesem Frühjahr „wachsen die Häuser wie Pilze aus dem Boden“, wie Wolters beschreibt. Ein bereits entstehender Stamm von Darstellern übernimmt Patenschaft für vorhandene und entstehende Häuser, natürlich passend zu der von ihnen dargestellten Zeit.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm508-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm508-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>So jung das Museum auch ist; es kann in einigen Häusern schon gewohnt werden. <span class="copy">© Torsten Kreutzfeldt</span></figcaption></figure>


	<p>Die Darsteller bauen gemeinsam an noch zu errichtenden Rekonstruktionen, fast so wie in einer mittelalterlichen Dorfgemeinschaft. Die „archäologische Bauaufsicht“ ist durch den Geschichtsparkarchäologen Stefan Wolters gegeben, der sich wiederum nach eigenen Angaben einer freiwilligen „Evaluierung durch einen wissenschaftlichen Beirat unterzieht, der sich aus Landesämtern, Museumsstellen und Universitäten rekrutiert.“</p>

	<p><iframe width="500" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/7RklJlCR5DY?rel=0&hd=1" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

	<p>Wolters, der Park, Team und Darstellergruppen sehr gelassen und kompetent betreut, stellte sich mir den Worten vor: „Hallo, ich bin der, der das hier verbrochen hat.“ Wenn das nicht mal „lebenslänglich“ bedeutet! Bevor das Urteil aber verkündet wird, ihm ganz herzlichen Dank für die Momentaufnahme in dieses sehr hoffnungsvolle Projekt, dem wir sehr viele Besucher wünschen. Der gut besuchte „Tag des offenen Denkmals“, den wir mitgestalten durften, war bereits ein guter Start.</p>]]></content:encoded>
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				<title>Geschichtspodcast 24: Napoleonik-Treffen in Thüringen</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/napoleonik-treffen-in-thueringen/</link>
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				<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Nach ein „paar Tagen“ Pause: Mit zwei Zeitreisen – einmal ins Historische Museum der Pfalz Speyer und zum Reenactment „Jena 1806“ – kommt der Geschichtspodcast zurück. Dazu: Das neue Label Talanton.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Nach ein „paar Tagen“ Pause: Mit zwei Zeitreisen – einmal ins Historische Museum der Pfalz Speyer und zum Reenactment „Jena 1806“ – kommt der Geschichtspodcast zurück. Dazu: Das neue Label Talanton.

	<h2>Königliche Dynastie in Speyer</h2>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm464-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm464-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Salierausstellung in Speyer: Den Anfang bestreitet Nachrichtensprecher Claus Kleber mit Neuigkeiten zur Kaiserkrönung von Heinrich V. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Speyer – alte römische Gründung und damit eine der ältesten Siedlungen in Deutschland. Hier entwickelte sich einst im hohen Mittelalter eine selbstbewusste freie Reichsstadt. Und mit Speyer ist auch die Dynastie der Salier eng verbunden. So mancher ihrer Angehörigen hat in der Krypta im Speyrer Dom seine letzte Ruhestätte gefunden.<br />
Folgerichtig also, dass das Historische Museum der Pfalz Speyer dieser Dynastie eine große Schau widmet: „Die Salier – Macht im Wandel“ Sie ist noch bis 30. Oktober 2011 zu sehen. Und der Blick lohnt sich allemal noch.<br />
Die Ausstellung zeigt die oft doch sehr dramatische Geschichte der Salier, die gut hundert Jahre lang als Könige und Kaiser die Geschicke des Reiches lenkten. Wenn auch zuweilen sehr am politischen Abgrund. Erinnert sei etwa an den Gang nach Canossa von Heinrich IV. Dieser bizarre Part des langwierigen Investiturstreits zwischen deutschen Monarchen und den Päpsten nimmt in Speyer aber nur einen kleinen Raum ein; immerhin gab es dazu 2006 eine eigene Ausstellung in Paderborn.<br />
Die Salierschau in Speyer nimmt sich hingegen mehrere Spezialthemen vor. Ausgewählt nach ihrer Bedeutung für die Epoche. Das Gute an der Idee: Sie wirkt einer oberflächlichen Massenabfertigung entgegen.<br />
Es geht natürlich auch um einzelne Salier; einen Schwerpunkt bildet aber das Trio Heinrich V. – dessen Krönung 1111 wird als Nachrichtenaufmacher im „heute journal“-Stil per Bildschirm präsentiert –, seine Frau Mathilde von England und dem Papst. Hinzu kommen Themenräume zum mittelalterlichen Skriptorium, der Entwicklung von Städten wie Speyer oder Basel, die Rekonstruktion der Burg Sulzbach oder die kirchliche Reformbewegung mit Fokus auf Cluny.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm466-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm466-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Rekonstruktion eines römischen Legionärs um 250 n. Chr. in der Dauerausstellung in Speyer. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Ausgewählte Ausstellungsstücke werden optisch ansprechend präsentiert; die Fülle ist angemessen und nicht überbordend. Zuweilen haben es die Gestalter mit der düsteren Krypta-Atmosphäre etwas übertrieben. Grundsätzlich hat mir das Ausstellungsdesign aber gefallen Informative Videos und Audio-Kommentare an diversen Info-Säulen ergänzen das Angebot.<br />
Freilich sind Speyer und das Historische Museum auch über das Ausstellungsende hinaus lohnenswerte Ziele. Die Dauerausstellung kann mit einigen lebensnahen Rekonstruktionen aufwarten (Neandertaler, Kelten, römische Legionäre verschiedener Epochen). Auch die römische Lebenswelt der hiesigen Provinz ist gut mit diversen Szenen nachgebaut. Minuspunkt: die etwas mau ausstaffierte Mannschaftsstube. Riesig ist die Sonderschau zur Geschichte des Weinkelterns; auch die Neuzeit kann sich mit guten Kostümen und bürgerlichen Alltagsgegenständen sehen lassen.</p>

	<h2>Zeitreise ins Jahr 1806</h2>

	<p>Der 14. Oktober 1806: Die für Deutschland und benachbarte Staaten so folgenschwere Doppelschlacht von Jena und Auerstadt hatten Napoleons Truppen gewonnen. Der französische Heerführer konnte sich für einige Jahre in Mitteldeutschland festsetzen.<br />
205 Jahre später wird am historischen Schauplatz bei Jena an diesen dramatischen Moment gedacht. Die Initiatoren von der Arbeitsgemeinschaft „Jena 1806“ erwarten gut 1.000 Darsteller zum großen Reenactment-Treffen. Eine Dimension, die geradezu internationalen Charakter hat – typisch für die Napoleonik-Szene.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm468-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm468-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="296" /></a>
<figcaption>Auftritt in Dorstadt 2011: André Hermann, als Gemeiner der sächsischen leichten Infanterie, engagiert sich beim Verein Jena 1806. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Vom 14. bis 16. Oktober 2011 wird der Schauplatz im Dreieck zwischen den Örtchen Cospeda, Closewitz und Lützeroda bei Jena zur Geschichtsbühne. Ein großes Biwak bauen die Akteure auf, die aus ganz Europa anreisen. Alltagskleidung des frühen 19. Jahrhunderts, Handwerk, Uniformen jeder Couleur – und aller Seiten – und Exerzitien werden präsentiert. Ein Höhepunkt ist die Gefechtsnachstellung am Samstag, 15. Oktober. Auf französischer Seite führt „Napoleon“ selbst die Truppen ins Feld.<br />
Den Verein „AG Jena 1806“ gibt es bereits seit 1987. Er befasst sich mit der Zeit zwischen 1789 und 1815. Neben der Militärgeschichte – und deren Präsentation in Form von Living History – bemüht sich die AG auch darum, das historische Schlachtfeld als Mahnmal zu erhalten. Und schließlich widmet sich der Verein auch der historischen Erforschung dieser für Europa so wichtigen Epoche. So kriegerisch diese auch war; heute steht Völkerverständigung weit oben auf der Kladde der Napoleonik-Gruppen.</p>

	<h2>Alte Musik vom neuen Label</h2>

	<p>Ein neues Label mit viel historischer Musik: Talanton Records wurde 2010 gegründet. Beheimatet ist das Label auf Schloss Goseck in Sachsen-Anhalt. Dort sitzt das schon seit Jahren renommierte Label Raumklang mit Sebastian Pank an der Spitze, der Talanton aus der Taufe hob. Pank engagierte sich auch beim Leipziger Ensemble Ioculatores. Aus deren Umfeld stammen wiederum wichtige Akteure für das erfolgreiche Festival für mittelalterliche Musik „montalbâne“. Das ist der Humus, aus dem Talanton erwachsen ist.<br />
Zwei Unterschiede zu Raumklang gibt es: Während Pank dort viele Produktionen steuert, haben die Musiker bei Talanton freie Hand. Es sind von ihnen vorproduzierte Programme, die Pank beim neuen Label vermarktet. Der Qualitätsanspruch bleibt aber auch hier in auf gewohnt hohem Level. Zweitens ist Raumklang auf historische Musik festgelegt; Talanton käme hingegen auch für Einspielungen mit Weltmusik oder Jazz in Frage.</p>

	<p>Die ersten Scheiben des neuen Labels zählen freilich zum Genre Alte Musik. Weshalb wir sie auch im Podcast vorstellen.</p>


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<a href="/images/mediathek/cm467-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm467-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Neuerscheinungen mit historischer Musik beim neuen Label Talanton. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<h3>Ensemble Belladonna</h3>

	<p>Zu hören ist hier ein Live-Mitschnitt vom montalbâne in Freyburg 2006. Titel: „Chanterai d’aquestz Trobadors“ (sinngemäß: „Singen wir von diesen Trobadors“). Das Frauenensemble entführt nach Okzitanien, ins Land der Trobadors. Dort blühte im 12. und 13. Jahrhundert eine Liedkunst mit hochstilisierten Dichtungen und kunstvoll verschlungenen Melodien. Die vorliegende Aufnahme mit dem Ensemble Belladonna zeigt die verschiedenen Facetten der Trobadorkunst.</p>

	<h3><span class="caps">ALTA</span> <span class="caps">MUSICA</span> unter der Leitung von Rainer Böhm</h3>

	<p>„Amours me fait desirer“ (Liebeslieder des späten Mittelalters) ist dieses Album der international bekannten Gruppe betitelt.  Es ist eine strahlend schöne und prachtvolle Liedersammlung mit Stücken u. a. von Oswald von Wolkenstein, Guillaume de Machaut oder Francesco Landini. Das Album bietet starke Stimmen, perfekt gesetzte Instrumente und viel musikalische Abwechslung.</p>

	<h3>Ioculatores und Jörg Peukert</h3>

	<p>Es geht um das brandneue Album „Der erlauchte Fürst – Höfische Kultur zur Zeit des Naumburger Meisters“, das passend zur Ausstellung <a href="http://naumburgermeister.eu/index.php?id=ausstellung">Der Naumburger Meister</a> aufgenommen wurde (die Ausstellung ist noch bis 2. November 2011 zu sehen). Im Zentrum des Albumssteht der Hof des Thüringer Landgrafen Heinrich der Erlauchte, der aber der Mitte des 13. Jahrhunderts den Fürstentitel trug. Berühmt wurde er durch seine prächtige Hofhaltung und sein Auftreten als Mäzen, Dichter und Komponist.<br />
Die Talanton-Scheibe bietet einen herrlich arrangierten Querschnitt aus Liedern, Tänzen und Dichtung (souverän gesprochen von Jörg Peukert) rund um diesen Fürsten. Ioculatores bieten das ganze spektakuläre Instrumentarium auf, für das sich diese Gruppe seit langem ins Herz geschlossen habe. Zu schade, dass sich die Gruppe 2009 offiziell von ihrem Publikum verabschiedet hat.<br />
Leider, leider: Das vorliegende Album ist denn auch keine Neuaufnahme; sämtliche Stücke – von den mittelhochdeutschen deklamationen abgesehen – entstammen drei älteren Ioculatores-Alben, die seinerzeit bei Raumklang erschienen. Das sind das geniale Werk „ media vita in morte sumus“ (Mitten im Leben ist um uns der Tod) sowie die ebenso lebendigen „Lieder und Tänze des Mittelalters“ – beide Scheiben wir <a href="http://chronico.de/magazin/medien/hoerspiel-aus-historischer-musik-gezaubert/">ausführlich bei chronico präsentiert</a>. Sodann kommen einige Stücke aus dem <a href="http://chronico.de/magazin/geschichtspodcast/himmlische-klaenge-fuer-eine-heilige/">Album zum Elisabeth-Jahr 2007</a>, bei uns im Geschichtspodcast 15 vorgestellt.<br />
Ja, ich hätte mir mehr Neues gewünscht. Gleichwohl hat die Zusammenstellung durchaus auch für mich ihren Reiz. Und wer Ioculatores noch nicht kennt, wird sich mit „Der erlauchte Fürst“ eine fantastische neue Hörwelt erschließen, voller farbiger Inszenierungen mittelalterlicher Musik und Dichtung. Mit dabei: Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Konrad von Würzburg, Thibaut de Champagne und viele mehr. Das „Saltarello Nabugodonosor“ nach Rumslant von Sachsen spielen wir im Podcast auch kurz als Leckerbissen an.</p>

	<p>Bei iTunes ist Talanton derzeit nicht vertreten. Das noch als Nachtrag zu einer Frage, die wir in der Sendung aufgeworfen haben.</p>

	<h2>Das neue chronico</h2>

	<p>Natürlich stellen wir den Podcast-Hörern auch das neue Geschichtsmagazin chronico vor; besser gesagt: den jüngst erfolgten Relaunch. Mit neuen Funktionen, der neuen FotoStory, dem aufgeräumten Archiv, unseren Themen und einer übersichtlicheren Menüstruktur.<br />
Aber das kennen viele unserer Leser ja; weshalb ich mir an dieser Stelle eine längere Erläuterung spare und schlicht auf unseren <a href="http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/">Artikel zum Relaunch</a> verweise.</p>]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Inkaspuren in Peru: Besuch in Tawantinsuyu</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/fotostory/besuch-in-tawantinsuyu/</link>
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				<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 22:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Michael Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Von der Wiege des Inkagoldes zum schönsten Berg der Welt – während einer 22-tägigen Trekkingtour begegneten wir in Peru oft den Spuren der Inka. Eine Hommage zum 100. Jahrestag der Wiederentdeckung Machu Picchus durch Hiram Bingham.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Von der Wiege des Inkagoldes zum schönsten Berg der Welt – während einer 22-tägigen Trekkingtour begegneten wir in Peru oft den Spuren der Inka. Eine Hommage zum 100. Jahrestag der Wiederentdeckung Machu Picchus durch Hiram Bingham.]]></content:encoded>
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							</item>
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				<title>Relaunch: chronico kommt im neuen Design</title>
				<link>http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/</link>
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				<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 19:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
				<guid>http://chronico.de/magazin/medien/chronico-kommt-im-neuen-design/</guid>
				<description>Das neue Geschichtsmagazin chronico ist da. Ein Jahr Entwicklung liegt hinter den Herausgebern Marcel Schwarzenberger und David Maciejewski. Bessere Übersicht, schnelleres Recherchieren, neue Funktionen. Was bleibt? Freier Zugang für Sie!</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das neue Geschichtsmagazin chronico ist da. Ein Jahr Entwicklung liegt hinter den Herausgebern Marcel Schwarzenberger und David Maciejewski. Bessere Übersicht, schnelleres Recherchieren, neue Funktionen. Was bleibt? Freier Zugang für Sie!

	<h2>Gute Gründe für viel Arbeit</h2>

	<p>Es mag sein, dass eine regelmäßige Sanierung eines Webmagazins zum guten Ton gehört. Als Grund für monatelange Entwicklerarbeit reichte uns das allein nicht aus. David und ich hatten zunächst einmal Lust auf eine ganz neue Version von chronico. Nach fünf Jahren wurde es einfach Zeit, fanden wir. Aber auch das ist nur eine Seite der Medaille.</p>

	<p>Ja, es gab viel Anerkennung für den Magazinauftritt, den wir 2006 ins Netz brachten. Den Lesern war klar, hier geht es um Geschichte. Oder genauer gesagt: Um die Inszenierung historischer Lebenswelten. Living History, museale Veranstaltungen, einschlägige Literatur und Filmkultur standen seit damals im Fokus unserer Redaktionsarbeit (und tun es freilich immer noch). Und dennoch …</p>

	<p>Wir hatten einen alten Claim: „Antike, Mittelalter und Renaissance“. Aufmerksamen Lesern ist kaum entgangen, dass dies schon lange nicht mehr stimmt. Nicht mehr stimmen kann, denn warum sollten wir so interessante Bereiche wie Reformationszeit, Barock, Napoleonik und viele andere mehr ausblenden? Natürlich haben wir den einst abgesteckten Rahmen längst gesprengt. Von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert hinein reicht unser Themenspektrum. Der unzureichende Claim ist weg, geblieben ist „Geschichtsmagazin chronico“. Optisch ist dies durch unser neues Logo erkennbar.</p>

	<p>Die Geschichtskultur bleibt Leitfaden für unser journalistisches Angebot im Magazin. Unter „Geschichtskultur“ verstehen wir die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Geschichte in unserer Gesellschaft. Und das schöne Feld der Living History ist weiterhin unsere Spezialität. Es geht um Projekte von Geschichtsdarstellern, einschlägige Veranstaltungen, aktuelle Diskussionen – und Publikumsarbeit.</p>

	<h2>Internet? Aber richtig!</h2>

	<p>Wir sind offener für neue Themen. Genau so offen sollte auch der neue Webauftritt von chronico sein. Wir waren nicht mehr so recht zufrieden mit unserer vorigen Leserführung gewesen; das Menü war uns zu unübersichtlich, die Optik zuweilen nicht luftig genug. Kurz: David und ich entschlossen uns, chronico eine Runderneuerung zu verpassen. Mit einer eigenen Typografie, sorgfältig arrangierten Text- und Bildfeldern und einer aufgeräumten Struktur. Natürlich wird im Web nicht nur an einem Ort diskutiert; die Anbindung an die wichtigsten sozialen Netzwerke ist uns deshalb sehr wichtig.</p>

	<p>Wir erzählen Geschichten. Dafür wollen wir auch konsequent die Wege beschreiten, die das Internet heute bietet. Warum also Bilder klein publizieren, wenn man sie auch groß anbieten kann? Warum eine kleine Schrift wählen, wenn man großzügig gestalten kann? Im Gegensatz zu Print gibt es im Web kein Platzproblem (abgesehen von kleinen Bildschirmen mobiler Endgeräte). Unkenrufe, dass niemand scrollen mag, um Informationen abzurufen, sind Schnee von gestern. Wir erzählen Geschichten mit den Mitteln, die das Web bietet. Ohne Klickschinderei.</p>

	<p>Das Ergebnis sind, wie wir hoffen, übersichtliche Menüs und Artikel. Und wir haben ein völlig neues Element entwickelt: die FotoStory. Hier stehen Bilder im <span class="caps">XXL</span>-Format im Fokus; verbunden durch einen knappen Erzählstrang. Keine Klicks, nur Scrollen und Genießen. Eine neue Rubrikenaufteilung, neue Übersichten und ein völlig umgearbeitetes Archiv samt knapp gehaltenem Thesaurus vollenden die Modernisierung.</p>

	<p>Und schließlich ist das chronico, wie es im Juli 2011 online ging, ein ganz wichtiger Schritt zu einem weiteren Ziel: unserem neuen Geschichtsnetzwerk. Dessen Entwicklung steht ab sofort auf unserem Programm. Dort schaffen wir Raum für Geschichtsfans, die eigene Geschichten erzählen wollen. Lassen Sie sich überraschen …</p>

	<h2>chronico ist Teamarbeit</h2>

	<p>Artikel, Fotos, Podcast, FotoStory und Film – wir nutzen konsequent, was möglich ist. Dafür haben wir chronico gemacht. Und weil die Geschichtskultur ein faszinierendes Thema ist, die allein in Deutschland hunderttausende Fans jährlich in Museen, bei historischen Events, im Kino und TV oder zwischen Bücherseiten in ihren Bann zieht.</p>

	<p>An diesem verregneten Julitag heute haben wir die wichtigsten Hürden zum Relaunch hinter uns gebracht. Ein Journalist (meine Person) und ein Webentwickler (<a href="https://plus.google.com/102458928073783517690/posts">David Maciejewski</a>) haben gemeinsam Konzept und Struktur das Special-Interest-Magazin chronico vorangetrieben. Der gesamte Unterbau, einschließlich <span class="caps">CMS</span> sind in der eigenen Werkstatt entwickelt worden. Und wir hatten und haben gute Unterstützung bekommen: Der hannoversche Diplom-Dokumentar Daniel Schunk durchforstet akribisch das historische TV-Angebot der Fernsehsender; der Berliner <a href="https://plus.google.com/105538847262295910079/posts">Webentwickler Peter Klein</a> hat unter anderem dem Geschichtspodcast zu einem völlig neu gestalteten Player verholfen. Vielen Dank für technische Mitarbeit auch an <a href="http://radds.de/">Dennis Sterzenbach</a> und <a href="http://blog.hessendscher.de/">Stefan Walter</a>!</p>

	<p>Ein Dankeschön geht an dieser Stelle auch an unsere Gastautoren, die aus ihrer ganz speziellen – und fachlichen – Sicht für unsere Leser Geschichten erzählen und Rezensionen veröffentlichen. Wir freuen uns auch auf die Kommentare unserer Leser: zu den Artikeln, natürlich auch zum neuen Auftritt. Es mag Fragen und Anregungen, vielleicht auch wichtige Hinweise geben. So manche Lücke wird in nächster Zeit noch zu schließen sein. Schließlich braucht ein datenlastiges Magazin auch einen starken Partner bei der Servertechnik &#8211; unser Dank geht an unseren Sponsorpartner <a href="http://www.mittwald.de/">Mittwald</a>.</p>

	<p>Haben Sie viel Spaß im neuen chronico!</p>]]></content:encoded>
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				<title>Neandertaler-Film: Faust im Fellröckchen</title>
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				<pubDate>Sat, 16 Jul 2011 12:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Wulf Hein</dc:creator>
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				<description>Erneut hat sich das Kino der „Steinzeit“ angenommen, wieder ist das Projekt nicht ganz gelungen. Mit dem Epos „Ao – der letzte Neandertaler“ will der französische Naturfilmer Jacques Malaterre das Leben in der Steinzeit einfangen.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Erneut hat sich das Kino der „Steinzeit“ angenommen, wieder ist das Projekt nicht ganz gelungen. Mit dem Epos „Ao – der letzte Neandertaler“ will der französische Naturfilmer Jacques Malaterre das Leben in der Steinzeit einfangen.

	<h2>Drama in der Steinzeit</h2>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm131-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm131-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="276" /></a>
<figcaption>Filmplakat zu Ao – der letzte Neandertaler <span class="copy">© Sunfilm Entertainment</span></figcaption></figure>


	<p>Der Plot ist schnell erzählt: Ao wird als Kind von seinem Zwillingsbruder Oa getrennt. Später, als Ao erwachsen ist, wird sein Stamm von modernen Menschen überfallen, die alle seine Angehörigen töten, auch seine Frau und sein neugeborenes Kind. Ao macht sich auf die Suche nach seinem Bruder und trifft dabei auf die Horde Homo sapiens, die schon wieder auf Menschenjagd ist. Er entkommt, und mit ihm die junge hochschwangere Cro-Magnon-Frau Aki. Die beiden tun sich trotz großer gegenseitiger Ablehnung zusammen und erleben manches Abenteuer. Schließlich kehren beide an den Ort von Aos Kindheit zurück und müssen feststellen, dass Ao der letzte Überlebende seiner Art ist.</p>

	<p>Der ambitionierte und bildgewaltige Streifen überzeugt jedoch weder beim ersten noch beim zweiten Hinschauen. Schon wenn es um Kleidung, Mimik und Bewegungen der Protagonisten geht, verfällt auch dieser renommierte Regisseur in dieselben Klischees wie so viele andere vor ihm.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm104-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm104-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Jagdszene aus dem Film „Ao – der letzte Neandertaler“. <span class="copy">© Patrick Glaize-<span class="caps">UGC</span> YM / Sunfilm Entertainment</span></figcaption></figure>


	<p>Warum tragen seine Neandertaler in der eiszeitlichen Kälte Fellröckchen, Moonboots und Pulswärmer, bleiben aber ansonsten fast unbekleidet oder mit Fellfetzen behängt? Wer in solche Flattergewänder gehüllt auf die Jagd ginge, würde schon beim ersten Spurt unweigerlich über einen Zipfel stolpern und mit der großen Nase durch den Schnee pflügen, wenn er nicht vorher bereits erfroren ist. Ein Überleben unter subarktischen Bedingungen ist nur mit anliegender, wärmender Kleidung vorstellbar. Der Neandertaler war – auch trotz fehlender Nähnadeln – durchaus dazu in der Lage, eine solche zweckmäßige Kleidung anzufertigen.</p>

	<p>Die Reihe der wissenschaftlichen Fehler in diesem Film ließe sich endlos fortsetzen, trotz angeblicher akademischer Beratung: Eisbären in Südeuropa, Knochenflöten beim Neandertaler, Ritualmorde nach Maya-Art, Menschenjagden …</p>

	<h2>Unrealistische Handlungen</h2>

	<p>Die Handlungsstränge wirken sehr bemüht und zum großen Teil recht unrealistisch. Und der Film wird dann völlig unglaubwürdig, wenn die ungepflegten, grunzenden Primitivlinge hochphilosophische Gedankengänge äußern, wenn auch nur über die Sprecher im Off.</p>

	<p>Streckenweise wirkt der Streifen wie ein Stummfilm aus den Anfängen des Kintopps, nur in Farbe und noch viel plakativer. Fast unerträglich die misanthropische Polarisierung: Auf der einen Seite steht Ao, Pazifist und Heiliger, der mit den Tieren spricht; eine Mischung aus Franz von Assisi und Goethes Faust, mit einem Totenschädel in der Hand über den Sinn des Lebens grübelnd. Auf der anderen Seite der Homo sapiens sapiens, blutrünstig, grausam, gierig, der nichts als Töten im Sinn hat und Neandertaler mordet wie einst Indianer im Wilden Westen.</p>


<figure class="img">
<a href="/images/mediathek/cm102-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm102-498x280.jpg" title="" alt="" width="498" height="280" /></a>
<figcaption>Im Kino stimmt das Neandertaler-Bild noch nicht; eher schon im Museum der Pfalz Speyer: Rekonstruktion von Marcel Nyffenegger und Beat Künzler. <span class="copy">© Marcel Schwarzenberger</span></figcaption></figure>


	<p>Natürlich weiß niemand, wie das Verhältnis beider Menschenarten zueinander wirklich war, aber diese platte Schwarz-Weiß-Malerei ist absolut undifferenziert und sagt wesentlich mehr über das seelische Befinden und die Ansichten des Produzenten aus als über die Urgeschichte und ihre Protagonisten. „Ich bin eins mit der Natur!“ kann nur jemand sagen, der eben nicht eins mit der Natur ist, sondern sein Dasein reflektiert.</p>

	<h2>Engagierte Darsteller</h2>

	<p>Dennoch fällt es mir trotz aller genannten Defizite schwer, den Film völlig zu verreißen, denn ich kenne aus meiner eigenen Tätigkeit Dreharbeiten zu prähistorischen Themen nur zu gut, um vor den Darstellern nicht den Hut zu ziehen.</p>


<figure class="imgL">
<a href="/images/mediathek/cm105-preview.jpg"><img src="/images/mediathek/cm105-198x352.jpg" title="" alt="" width="198" height="352" /></a>
<figcaption>Zwei Neandertaler auf der Jagd. <span class="copy">© Zeichnung: Wulf Hein</span></figcaption></figure>


	<p>In den Filmspecials wird eine Szene am Set gezeigt, in der man den ganzen Stolz der Schauspieler über ihre Leistung erkennen kann, und das ist authentisch und gerechtfertigt, hilft aber nicht über den faden Gesamteindruck hinweg. Verglichen mit Roland Emmerichs Säbelzahnschmonzette „10.000 B.C.“, der mit dem Paläolithikum so wenig zu tun hat wie Fische mit Radfahren, ist der Film aber noch ganz ansehnlich. Andere Werke wie Jean-Jacques Annauds „Am Anfang war das Feuer“ sind unter Prähistorikern auch ziemlich umstritten, kommen aber längst nicht so pathetisch und moralisierend daher.</p>

	<p>Kurzum: Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ein wissenschaftlich einigermaßen korrekter, spannender und unterhaltsamer Steinzeitfilm gedreht wird. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt … aus?</p>]]></content:encoded>
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				<title>Villa Borg: Messe in römischer Villa</title>
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				<pubDate>Sat, 28 May 2011 21:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>Das Saarland war einst tiefste römische Provinz. Die Villa Borg und die Internationale Reenactmentmesse IRM, mit ihrem Fokus auf römische Antike, passen schon aus diesem Grund hervorragend zusammen. Und wir besuchen ein berühmtes Mosaik.</description>
				<content:encoded><![CDATA[Das Saarland war einst tiefste römische Provinz. Die Villa Borg und die Internationale Reenactmentmesse IRM, mit ihrem Fokus auf römische Antike, passen schon aus diesem Grund hervorragend zusammen. Und wir besuchen ein berühmtes Mosaik.]]></content:encoded>
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				<title>Varusjahr 2009: Inszenierung einer Schlacht</title>
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				<pubDate>Sat, 28 May 2011 16:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>2000 Jahre Varusschlacht: Für hunderte Darsteller war dieser Jahrestag ein Riesenereignis im Archäologiepark Kalkriese. chronico hat den Event begleitet und war auch bei den Vorbereitungen der Germandendarsteller dabei. Eine Bildreise.</description>
				<content:encoded><![CDATA[2000 Jahre Varusschlacht: Für hunderte Darsteller war dieser Jahrestag ein Riesenereignis im Archäologiepark Kalkriese. chronico hat den Event begleitet und war auch bei den Vorbereitungen der Germandendarsteller dabei. Eine Bildreise.]]></content:encoded>
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				<title>Dorstadt 2011: Jahrtausende für ein Rittergut</title>
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				<pubDate>Sat, 07 May 2011 11:00:00 +0200</pubDate>
				<dc:creator>Marcel Schwarzenberger</dc:creator>
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				<description>2009 gewann Living History hierzulande neue Facetten: In Kalkriese, Minden, Soest oder Dorstadt zogen Reenactors die Fäden, um regionale Geschichte in Szene zu setzen. „Tempus – Zeit erleben“ geht in die zweite Runde.</description>
				<content:encoded><![CDATA[2009 gewann Living History hierzulande neue Facetten: In Kalkriese, Minden, Soest oder Dorstadt zogen Reenactors die Fäden, um regionale Geschichte in Szene zu setzen. „Tempus – Zeit erleben“ geht in die zweite Runde.

	<h2>Was 2011 zu erwarten ist</h2>

	<p>Wenige Wochen noch, dann erlebt das alte Rittergut Dorstadt im Wolfenbütteler Land (Niedersachsen) seine zweite „Tempus“-Völkerwanderung: Vom 2. bis 5. Juni 2011 ist die Multiperiod-Veranstaltung die Bühne für rund 800 Akteure der europäischen Living-History-Szene. Nach dem Auftakt 2009 also kommt nun der zweite Aufschlag für das Team um Cheforganisator Claus Meiritz und den Gutsherrn Konstantin von Löbbecke. Für viele Teilnehmer wird es ein Wiedersehen in der idyllischen Anlage, die selbst Spuren aus verschiedenen Epochen birgt. Aber auch neue Gesichter und neue Ansätze wird es geben.</p>

	<h3>Öffentlichkeit mit Einschränkung</h3>

	<p>Manche Änderung betrifft auch die Akteure selbst. Und die haben mit dem Grundtenor der Veranstaltung zu tun: Eine möglichst gute Sicht auf historische Zusammenhänge soll dem Besucher geboten werden. Wer kein Akteur ist, kommt in Kleidung des 21. Jahrhunderts. Zudem sollen die Zeitinseln – in denen höchst unterschiedliche Epochen gespiegelt werden – diesmal noch besser voneinander zu unterscheiden sein. Die Organisatoren wollen die Ausschilderung verbessern, die Darsteller sollen während der Öffnungszeiten möglichst an ihren Zeitinseln bleiben. Eine Ansage, die während der Vorbereitung durchaus auch für Verwirrung sorgte. So weitläufig das Gelände auch ist; Begegnungen von Vertretern unterschiedlicher Zeiten sind wohl kaum ganz auszuschließen. Immerhin boten solche Zusammentreffen im Jahr 2009 durchaus reizvolle Anblicke. Doch Meiritz und seinem Team kommt es auf Klarheit an. Das Publikum soll wissen, was es in welchem Areal zu erwarten hat.</p>

	<p>Nun ist es aber so, dass derartige Treffen auch die Neugier der Aktiven aufeinander wecken. Über Entwicklungen wird da zu reden sein, über Erfahrungen oder es geht schlicht um das Auffrischen von Bekanntschaften. Auch das wird bedacht, weshalb „Tempus“ nicht durchgehend für Besucher offensteht (siehe Kasten). Der Donnerstag, Sonnabend und Sonntag gehören dem Publikum. Freitag, 3. Juni, ist aber ein interner Tag ohne Öffentlichkeit. Als Fachmesse, wo die Durchmischung und das Netzwerken zum Programm gehört. Bleibt zu hoffen, dass das von den Besuchern auch vorab so eingeplant wird.</p>

	<h3>Wanderwege durch die Zeit</h3>

	<p>Drei große Themenbereiche teilen das Rittergut in Flächen für „Ur- und Frühgeschichte“ (inklusive Antike), „Mittelalter“ und „Neuzeit“. Eine Vereinfachung, die zunächst nur der Grundorientierung dient. Für die feinen Verästelungen in die einzelnen Zeitinseln dient eine besondere Form der Besucherführung: das Konzept der „ZeitWanderwege“. </p>

	<p>Zum Beispiel das Mittelalter. Wie für die übrigen Zeitinseln, gibt es auch hier Koordinatoren, die die Präsentation und die Auftritte der einzelnen Gruppen vorbereitet. Zwei gewichtige Themen haben sie ausgearbeitet. Nummer eins widmet sich „Aufstieg und Niedergang des Adels“ und bietet einen Überblick über die Art und Weise, wie sich die Kriegerelite vom 11. bis zum 15. Jahrhundert entwickelte.</p>

	<p>Das zweite Thema „Stadtfreiheit und Fürstenmacht“ umreißt die Umbrüche, die das späte Mittelalter erlebte – als die Bürger in ihren Städten selbstbewusster wurden. „Diese Themen werden von landesgeschichtlichen Aspekten durchdrungen“, sagt der Zeitinselkoordinator Rainer Kasties. Der Historiker und seine Mitstreiter haben dafür in der niedersächsischen Geschichte recherchiert, um für Besucher nachvollziehbare Bezüge zwischen den Gruppenauftritten und der ganz lokalen Vergangenheit herzustellen. Etwa, wenn es um das wechselhafte Verhältnis der Städter und den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg geht.</p>

	<p>Da werden der Lüneburger Erbfolgekrieg (1371-88) und die Zeit der großen Fehden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts thematisiert. Allein die rund 100 Handwerker und Händler des Verbundes <a href="http://www.tohopesate.de">Vruntlike Tohopesate</a> werden ihre Insel zu einer regelrechten „Stadt des Mittelalters“ machen. </p>

	<h3>Feine Verästelungen in der Zeit</h3>

	<p>Der Schleifischer <a href="http://www.historischerfischer.de">Jörg Nadler</a>, der Archäotechniker <a href="http://www.archaeo-technik.de">Wulf Hein</a> und <a href="http://archaeoforum.de">Steve Lenz</a> dürften die mit Abstand „ältesten“ Vertreter eine vergangenen Ära sein: Ihr Bereich wird das weite Feld der Steinzeit sein. Neu ist diesmal, dass auch die Bronzezeit vertreten ist. Weiter geht es über antike Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen (Stichwort: „Die Römer am Harz“) bis ins Mittelalter hinein.</p>

	<p>Gruppen, die sich um Reformation und Dreißigjährigen Krieg kümmern, schlagen die Brücke zur Neuzeit. Die wird diesmal mit einem besonderen Leckerbissen bestückt. Die Insel „Residenzstadt Wolfenbüttel – Höfische Jagdkultur im Zeitalter der Aufklärung“ wird mit ihren über 30 Teilnehmern einen angenehm zivilen Gegenpol zu den oft militärischen Auftritten in anderen Inseln liefern.</p>

	<p>Der Koordinator der „Jagdkultur“ Udo Brühe ist ein Spezialist für das 18. Jahrhundert. Vor zwei Jahren organisierte er das Living-History-Event „Schlacht bei Minden 1759“ mit. Inzwischen ist Brühe auch Herausgeber des neuen Printmagazins <a href="http://afaktor.de"><span class="caps">AFAKTOR</span></a> (gemeinsam mit Thorsten Piepenbrink). Der Fokus in der Zeitinsel soll auf dem höfisch-zeremoniellen Aspekt der Jagd liegen, auch das Jagdhandwerk der Zeit um 1750 soll vorgestellt werden – freilich mit den passenden Gerätschaften und Ausrüstungen sowie Kleidern.</p>

	<p>Kaum Tische, Displays oder gar Vitrinen – alles Vorzeigbare wird von den Akteuren genutzt oder getragen. Eine Präsentationsform, die sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch über die anderen Zeitinseln erstrecken wird. Es wird gearbeitet, musiziert, exerziert oder gekocht. Für die Besucher können sich die Dinge auf diese Weise ohnehin auf praktische Weise schließen. Die Akteure setzen vor allem auf Rekonstruktionen, und selten auf Erläuterungstafeln. Dorstadt ist eben keine Vitrinenschau wie in einem Museum. Wer etwas genauer wissen will, muss fragen. Und genau die Interaktivität macht auch den Reiz solcher Events aus. Der Reigen der Epochen wird sodann von der Napoleonischen Ära, der Gründerzeit und der „Stunde Null“, also der Nachkriegszeit, beschlossen.</p>

	<h3>Wenn Darsteller die Fäden ziehen</h3>

	<p>Es gibt hierzulande wohl kaum eine Region, die nicht irgendwann aus ihrer eigenen Geschichte etwas Prunkvolles zu machen versuchte. Vergangenheit, die meist in karnevaleske oder theatralische Spektakel fließt, in Stadtfeste und Marketingkampagnen. Was durchaus in bunten, schönen Programmen münden kann.</p>

	<p>Aber funktionieren auch Konzepte, bei denen weniger Folklore und Kommerz bestimmend sind, dafür Geschichte mehr Gewicht bekommt? Sprich: Wie viel Kraft entwickelt Living History, um historische Orte zu bespielen und ein größeres Publikum zu begeistern? Wenn die Akteure selbst die Fäden ziehen und nicht Museen, Touristikverbände oder Kommunen?</p>

	<p>Den Bürgern von Minden in Nordrhein-Westfalen ging es in dieser Frage nicht anders. 2009 beschloss man dort, eines der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Krieges neu zu inszenieren – die <a href="http://www.schlacht-bei-minden.com/index.php">Schlacht bei Minden von 1759</a>. Der 250. Jahrestag bot sich geradezu für einen klassischen Mix aus Märkten, Feuershows und Budenzauber an. Es kam anders: Das Stadtmarketing holte für einen gewichtigen Teil des Jahrestagsprogramms zahlreiche Reenactors zusammen, koordiniert von Udo Brühe vom „Freundeskreis Lebendige Geschichte“ (<span class="caps">FLG</span>). Das Mindener Stadtmarketing verkauft die Veranstaltung noch immer als großen Erfolg.</p>

	<p>Überhaupt erreichte diese Entwicklung 2009 eine ganz neue Dimension: Der 2000. Jahrestag der Varusschlacht wurde in Kalkriese mit einem großartigen Reenactment gewürdigt – bei dem wiederum Akteure aus der Living-History-Szene die konzeptionelle Verantwortung übernahmen. Ebenso bei der <a href="http://chronico.de/erleben/menschenorte/0000517/">Soester Fehde</a> im gleichen Jahr, wo Dietrich Pott mit dem „Reichsaufgebot“ zentrale Teile der Veranstaltung koordinierte. Das Stadtmarketing war begeistert; in diesem Jahr gibt es in Soest eine weitere Veranstaltung – allerdings diesmal mehr mit eigenen Kräften.</p>

	<p>Gute Living History und regionale Geschichte miteinander zu verbinden – das ist gewissermaßen ein Roter Faden bei Claus Meiritz, der seit vielen Jahren in der Szene unterwegs ist. 2005 sammelte er erstmals einige hundert Darsteller, um mittelalterliches Leben zu präsentieren. In Norddeutschland, dessen Veranstaltungskalender eher von klassischen Mittelaltermärkten geprägt war, stellte „Kaiserpfalz Werla – Leben vor 1000 Jahren“ ein Novum dar. Schon 2006 folgte in Kooperation mit der Stadt Goslar das „Abenteuer Mittelalter“, bei dem der Teilnehmerkreis noch einmal erweitert wurde. Das Netzwerk aus Organisatoren und Akteuren wuchs; Meiritz knüpfte schließlich Kontakte zum Dorstädter Gutsbesitzer Konstantin von Löbbecke. „Tempus – Zeit erleben“ war geboren. Auch das war 2009.</p>

	<p>Meiritz und von Löbbecke hoben die Tempus gemeinnützige GmbH aus der Taufe. Aus dem Stand heraus entwickelte die Multiperiod-Veranstaltung eine gewaltige Sogwirkung in der Darstellerszene; über 700 Akteure kamen zur ersten Auflage. Die Organisatoren nahmen eine sechsstellige Summe in die Hand. Die Besucherzahl blieb indes mit nicht ganz 10.000 Menschen etwas unter der erhofften Größenordnung.</p>

	<p>Gleichwohl legten es die Initiatoren auf Beständigkeit an. Im Grunde begann für Meiritz das Organisieren der Neuauflage schon kurz nach Dorstadt 2009. Er band die regionale Touristik ein; Tempus fand zudem in der Curt Mast Jägermeister Stiftung einen Finanzier auf Jahre hinaus. Nach der Ausgabe 2011 fördert die Stiftung auch 2013 und 2015 weitere Veranstaltungen. Für ein Projekt wie „Tempus – Zeit erleben“ ist eine derart gute Aussicht Gold wert. Es kann sich in Ruhe entwickeln. Welchen Reiz ein solches Event entwickeln kann, hat die Erstauflage bereits deutlich gezeigt.</p>

	<h2>Dorstadt 2009 – eine Rückschau</h2>

	<p>Im Zentrum des Geschehens standen damals regionale Gruppen, die als <a href="http://www.braunschweiger-feldkorps.de">Herzoglich Braunschweigisches Feldkorps</a> (<span class="caps">HBF</span>)und <a href="http://www.leibbataillon.de/">Braunschweigisches Leibbataillon von 1815</a> jene Truppen zu rekonstruieren versuchen, die gegen Napoleon zu Felde zogen. Auf dieser Basis entwickelte sich ein ganz lokaler Bezug zur Umgebung Dorstadts. Weitere Napoleoniker zogen mit und gestalteten mit Reenactment-Elementen eines der Herzstücke von Tempus 2009.</p>

	<p>Ich traf damals auf meinem Rundgang Albert Rauhe, den zweiten Vorsitzenden vom <span class="caps">HBF</span>. Aus dem Stegreif trug er mir die Geschichte des Feldkorps vor. „Mich fasziniert diese Militärgeschichte“, sagte er. Die Darstellergruppe des <span class="caps">HBF</span> gibt es seit 1991. Wenig später am Weinstand <a href="http://cavpona-vrsi.cms4people.de/index.html">Caupona Ursi</a> von Jürgen Koitek und Jens Jungebloed: Mit ihren Uniformen der <a href="http://www.kingsgermanlegion.info/">Kings German Legion</a> – ebenfalls die Zeit der napoleonischen Kriege – wirkten Jochen Röttger und Lars Walther im römisch-germanischen Lager wie Exoten. Ein prachtvoller Widerspruch, der zum Fragen und Nachbohren regelrecht einlud. Das Ambiente lobten beide Darsteller in höchsten Tönen.</p>

	<p>Tatsächlich bot das Rittergut mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten sowie den Teichen und Weiden einen Standort, der wie geschaffen für „Tempus“ ist. Jede Zeitinsel hatte ihre Nische. Sie bot auch Germanendarstellern wie Marco Grün genügend Raum, um die Ausrüstung weitab von anderen Akteuren den Fotografen zu präsentieren. Seine Ausstattung passte zur germanischen Miliz aus dem Kölner Raum. Auch die Replik eines Helms aus dem Gallischen, der aus der Zeitenwende stammte, gehörte dazu. Gemeinsam mit „Germanen“ wie Werner Pollak (<a href="http://www.germanorum.de">Cohors I Germanorum</a>) und Ulrike Hindersmann (<a href="http://www.chasuari.de">IG Chasuari</a>) war Grün wenige Wochen später auch in Kalkriese dabei.</p>

	<p>Die Geschichte Münchbergs im Dreißigjährigen Krieg hat es Thomas Hegenberger angetan. „Vor elf Jahren haben wir dann den Verein gegründet“, sagte der Vorsitzende vom <a href="http://www.tsv-mechtshausen.de">Hortus Bellicus</a>. Gemeinsam mit <a href="http://www.horns-leibregiment.de">Horns Grünes Leibregiment</a> sorgten die Landsknechte auf ihrem Stück Hof vor dem Gutshaus für eine prächtige Kulisse aus Uniformen, flatternden Fahnen und viel Getöse – die Akteure hatten Haubitzen dabei. Auch an der Veste Coburg präsentierte der Verein immer mal wieder Militärtechnik des 17. Jahrhunderts. Dorstadt war für Vereinsmitglied Peter Engerisser eine perfekte Gelegenheit, mal in andere Epochen zu schnuppern. „Überhaupt gewinnt das Konzept Zeitstrahl an Popularität“, meinte er.</p>

	<h3>Von Steinzeit bis 1945</h3>

	<p>Den Zeitreigen führte auch 2009 die Steinzeit-Insel an, mit Wulf Hein und Steve Lenz besetzt. Lenz zeigte sich in selbstgefertigter Bekleidung als Rentierjäger, wie er vor gut 17.000 Jahren ausgesehen haben könnte. Wer für wen das exotischere Bild abgab, war freilich eine Frage der Perspektive. Während Römer oder auch Mittelaltergruppen wie das <a href="http://www.ffc1066.de">Franco-flämische Kontingent</a> oder eben das Bündnis „Vruntlike Tohopesate“ dem Besucher vielerorts begegnen, sind Darsteller für die 1940er Jahre eher selten hierzulande. Erst langsam setzt sich in der deutschen Szenelandschaft die Erkenntnis durch, dass auch Weltkriege und Nachkriegszeit ein Thema für ernste, sachliche und gut gemachte Living History sein können – fernab von Kriegsgeschrei und Gewaltverherrlichung. In Dorstadt, wie auch in 2011, waren bei der ersten Auflage etliche Akteure bei der Ausgestaltung der Zeitinsel „Stunde Null – die Besatzungszeit“ dabei.</p>

	<p>Udo Kuhlmann von der <span class="caps">BAAR</span> (Brotherhood of Airborne and Army Reenactors) zum Beispiel. „Ich habe die Uniform der 502. Airborne an“, erläuterte er. Mit Helm und Waffe saß er an einer Mauer und beobachtete das Reenactment der Napoleoniker auf der großen Weide. Darsteller russischer und amerikanischer Einheiten vervollständigten das Bild. Mittendrin auch Dietrich Pott, der in Dorstadt mal nicht im Spätmittelalter mitmischte. Er inszenierte eine Spielszene, in der er selbst als Schwarzhändler mit authentischen Waren auftrat. „Heimkehrer“ und „Militärpolizisten“ agierten in einer typischen Szene, wie sie in den Monaten nach Kriegsende wohl typisch gewesen sein mag.</p>

	<p>Kann man Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich heute guten Gewissens nachstellen? „Ja, mit den richtigen Leuten und auf seriöse Weise“, sagte Mike Grünwald, einer der „Heimkehrer“. Aber er schränkte auch ein: „Uns geht es dabei nicht um Nachstellung von Gefechten.“ Krieg sei nicht wirklich darstellbar, sagte Volker Griesser, einer der „Militärpolizisten“. Aber Szenen aus der Besatzungszeit, wie etwa das Thema Schwarzmarkt, ließen sich durchaus präsentieren. „Aber das muss in den richtigen Kontext gestellt werden.“ Wiederum also geht es dann um Kommentierung von Aktionen und das Eingehen auf Fragen der Besucher. In Dorstadt gab es auch ältere Besucher, die die Besatzungszeit selbst erlebt hatten. „Die haben das, was wir hier tun, durchweg positiv gesehen“, berichtete Dietrich Pott. </p>]]></content:encoded>
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