Sachbuch Homo sapiens auf Entdeckertour

Cover des Buchs. © mare Verlag

Ein Schatz für Entdeckungsreisende und solche, die es noch werden wollen: „Die großen Entdecker. Von wagemutigen Forschern und abenteuerlustigen Pionieren“ ist ein Buch vor allem für junge Leser. Christine Raudies hat hineingeschaut.

Viel zu entdecken

Das Buch von Roland Knauer und Kerstin Viering ist im Oktober 2011 in der Reihe mareWissen erschienen. Auf 336 Seiten bietet der sorgfältig lektorierte und liebevoll gestaltete Band mit Illustrationen von Claudia Lieb deutlich mehr als sein Titel erwarten lässt. Denn das Autorenteam liefert eben nicht nur einen historischen Rückblick auf große Namen und einzelne Expeditionen. Das Buch spannt vielmehr einen Bogen von den Wanderungen der Frühmenschen bis zur Eroberung des Weltraumes und der Tiefsee; Ausgangspunkt und roter Faden ist dabei der menschliche Antrieb, die menschliche Lust, zu entdecken. Diese ist für die Autoren zugleich Voraussetzung als auch Motor der menschlichen Entwicklung.

Das Buch ist gegliedert nach historischen und geographischen Kategorien. Und schon das erste der insgesamt zwölf Kapitel „Aus Afrika bis in die Südsee“ ist eine Entdeckung, die man nicht unbedingt erwarten würde. Knauer und Viering erläutern geologische, geographische, biologische und klimatische Bedingungen und Entwicklungen, die dazu beitrugen, dass sich die Frühmenschen auf den Weg machten.

Weiter Bogen und kleine Lücken

Über das Reisen im Altertum und im Mittelalter, die Entwicklung von Weltmächten durch den Fernhandel, die Entdeckung Amerikas, die Erforschung Asiens, Expeditionen zum Nord- und Südpol und in die Tiefsee geht es dann weiter bis zu Reisen in das Weltall.

Cover des Buchs. © mare Verlag

Das Buch fordert durchaus eine gewisse Lesekondition, denn die Autoren speisen ihre Leser nicht mit Häppchenwissen ab, sondern eröffnen durch schlaue Argumentationsketten und Fragestellungen die Türen zur tieferen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Entdeckerdrang.

Ergänzt werden die Kapitel durch Karten, die leider etwas klein ausfallen, durch zahlreiche Infokästen zu wissenschaftlichen und historischen Details, zu Entdeckerfreuden und -plagen sowie durch ein Glossar zu Entdeckungsreisenden von Roald Amundsen bis Amerigo Vespucci.

Dass selbst bei einem so umfangreichen Band das eine oder andere zu kurz kommt, lässt sich bei der Breite des Themas kaum umgehen. So findet die Entdeckung von Franz-Josef-Land durch die Österreich-Ungarische Expedition der „Admiral Tegetthoff“ keinen Platz, obwohl sie für die Erschließung der Nordpolregion durchaus von Bedeutung war. Auch ließen sich einige Behauptungen und Folgerungen der Autoren diskutieren. Natürlich ist es Arktisurlaubern heute möglich, den Nordpol zu besuchen. Und ob die Berichte des Marco Polo mehr oder weniger in das Reich der Phantasie gehören, ist viel weniger eindeutig geklärt, als die Autoren durch die ausführliche Auflistung der vorhandenen Zweifel den Anschein erwecken.

Aber auch offene Fragen tun dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Auch weil das Buch nicht nur spannende Erkenntnisse sondern auch viel Denkvergnügen bietet. Und auch das ist für wagemutige Forscher und abenteuerlustige Pioniere schließlich ein Schatz, den es immer wieder zu entdecken gilt.

Artikel aus der Rubrik „Medien“

  • Fechtstunde nach Talhoffer

    Es gibt wenige Bücher, die in der Mittelalterszene Wellen schlagen. Die Reihe des Verlags Philipp von Zabern „Mittelalterliche Kampfweisen“ hat das Zeug dazu. Sie nimmt Talhoffers Fechtbuch auseinander. Band eins ist jetzt erschienen.

  • Rockmusik der Antike

    Das neue Album von Musica Romana ist ein starkes Stück antiker Musik. Wissenschaftlich fundiert, aber lebendig arrangiert. „Pugnate“ setzt römische Gladiatorenspiele auf kraftvolle Weise akustisch in Szene.

  • Der lange Krieg der Römer

    Mit einem angeblichen Brudermord begann das römische Jahrtausend. Die Weltmacht hatte es stets mit mächtigen Gegnern zu tun – innen wie außen. Das Buch „Rom und seine Feinde“ gibt beiden Seiten ein Gesicht.

  • Roter Faden durch die Reichsgeschichte

    Der Erfolg rechtfertigte den Aufwand: Über 400.000 Menschen sahen die Ausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“. Die Kataloge stehen diesem Anspruch keinesfalls nach.

Ihr Kommentar zum Artikel „Homo sapiens auf Entdeckertour“

Jetzt anmelden mit Facebook Twitter

oder