Fachmagazin Zehn Jahre „Traditionell Bogenschießen“

Das Magazin Traditionell Bogenschießen gibt es seit zehn Jahren. © chronico

Seit wie viel zehntausend Jahren gibt es die Kunst des Bogenschießens? Der Frage kann man in der Gelehrtenstube nachgehen. Oder aber dem Geheimnis der uralten Waffe durch eigenes Erleben nachspüren. „Traditionell Bogenschießen“ hilft dabei.

Die alte Kunst

Das traditionelle Bogenschießen ist gewissermaßen die Kunst des reduzierten Werkzeugs. Es gibt nur dich und die blanke Waffe, keine Visiereinrichtung, kaum hochmodernen Werkstoff. Nur das, was Jahrtausende alte Erfahrungen überlieferten. Keine Kultur kam ohne Pfeil und Bogen aus – im Alltag nicht und nicht im Krieg. Bis in die Neuzeit hinein.

Seit gut 30 Jahren existiert in Deutschland eine Bogensportbewegung, die den alten Künsten auf der Spur ist und mit olympischen Bogenschützen wenig gemein hat. Langbogen, asiatische Reflexbogen – mit vielfältigem Gerät bestreiten die Bogenschützen Jagdparcoure und Turniere. Lebendes Wild kommt dabei nicht zu Schaden. Das Ziel sind künstliche 3D-Tiere und schlichte Zielscheiben. Und manchmal steht die Kunst des Bogenbaus im Vordergrund; vor allem wenn es um die Rekonstruktion authentischer Ausrüstungen geht. Zu bestaunen sind die Ergebnisse dann bei historischen Events mit Reenactmentgruppen. Das Magazin „Traditionell Bogenschießen“ begleitet diese besondere Bogensportgemeinschaft inzwischen seit zehn Jahren.

Ein Konzept geht auf

Für die Anfänge des Magazins muss man indes noch weiter zurückgehen. Herausgeberin und Verlegerin Angelika Hörnig nahm vor 20 Jahren in einem Urlaub in Griechenland ihren ersten Bogen zur Hand. Sie war augenblicks fasziniert und trat daheim in einen Verein ein und widmete sich in den nächsten Jahren ganz dem Langbogen.

Die speziellen Interessen der Traditionellen passten immer weniger in die moderne Bogensportszene. Die Folge: es gab keine eigene Plattform für den Austausch von Techniken, Handwerkszeug oder Turnierterminen. Und es fehlte an einem Medium, „wo altes und neues Wissen gesammelt und weitergereicht werden kann“, erinnert sich Hörnig. Dem Bedürfnis folgte die Vision. Ein eigenes Special-Interest-Magazin musste her – das erste im deutschsprachigen Raum.

Im Juli 1996 erschien die erste Ausgabe von „Traditionell Bogenschießen“ – mit 40 Seiten in Schwarz-Weiß. Schon damals war aber das Grundkonzept festgelegt: Turnierberichte, meist von Teilnehmern selbst verfasst, Bauanleitungen, passende historische Themen. Und viel Raum für die Präsentation von Terminen und Vereinen. Das ist bis heute so geblieben. Heute sind es allerdings knapp 100 farbig bedruckte Seiten. Vier Hefte erscheinen pro Jahr in Hörnigs Verlag in Ludwigshafen.

Bücher und Expertenwissen

Die Lesergemeinde hat TB – so das eingängige Kürzel des Magazins – längst als Diskussionsforum und Austauschplattform von Expertenwissen angenommen. Und die deutsche Szene ist nicht der einzige Lesestoff, die Redaktion publiziert Beiträge über internationalen Entwicklung und lässt Fachleute aus aller Welt zu Wort kommen.

Ergänzt wird das Magazin durch die Herausgabe von Büchern Material rund um den traditionellen Bogensport im TB-Shop. In diesem Jahr erscheint unter anderem ein Band zur Schlacht in Agincourt – eine der berühmtesten Schlachten im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England. Die englischen Bogenschützen hatten einen entscheidenden Anteil daran. Auch ein Klassiker aus den 1920er Jahren erschien jüngst als Faksimile-Ausgabe: „Bogenschießen“ von E. Mylius (siehe Besprechung in diesem Dossier).

Solche Faksimiles erscheinen in der eigens konzipierten Buchreihe „Arcofact“. „Damit wollen wir vergriffene, historische Texte über das Bogenschießen den Lesern wieder zugänglich machen“, sagt Hörnig. Schließlich seien die Inhalte noch immer so aktuell wie zur Zeit ihrer Erstveröffentlichung, meint die Verlegerin. Auch die Begeisterung für das traditionelle Bogenschießen hält weiter an. Grund genug also für das TB-Team, gelassen auf die nächsten zehn Jahre zuzusteuen.

Artikel aus der Rubrik „Medien“

  • Reiseführer der etwas anderen Art

    Drei Jahre mit dem Onlinemedium Mittelalter-Spectaculum.de liegen hinter uns. Die Experimentierphase ist vorbei, und wir haben viel Gutes übernommen: Herzlich Willkommen bei chronico - Magazin für Geschichte! Unsere Pressemitteilung zum Start.…

  • Römische Metamorphosen

    Kompetente Sachbücher, die den Einstieg in die Living-History-Szene erleichtern, sind Mangelware. Mit „Römer selbst erleben!“ gibt der Theiss Verlag vor allem Zivildarstellern einen vorzeigbaren Leitfaden in die Hand.

  • Der lange Krieg der Römer

    Mit einem angeblichen Brudermord begann das römische Jahrtausend. Die Weltmacht hatte es stets mit mächtigen Gegnern zu tun – innen wie außen. Das Buch „Rom und seine Feinde“ gibt beiden Seiten ein Gesicht.

  • Drei Arten Melancholie

    Raumklang schickt Musiker gern für Aufnahmen in Kirchen. Daher kommt das gewisse Etwas, das den Alben des Labels für Alte Musik eigen ist: ein Nachhall, der die Melodien sanft umgibt. Eine musikalische Reise in schwindelnde Höhen.

1 Kommentare

  1. Da klicken Sie einfach mal auf den Link zum Magazin “Traditionell Bogenschießen” hier auf der Seite (grauer Kasten). Dort gibt es umfangreiche Adressverzeichnisse oder direkte Tipps im Forum.

    06. September 2006, 19:09 Uhr • Melden?

Ihr Kommentar zum Artikel „Zehn Jahre „Traditionell Bogenschießen““


Sie sind angemeldet als

abmelden