Zillo-Sampler Gothic-Magazin goes „Mittelalter“

Zum Glück entdecken immer mehr Bands, dass es noch mehr als Trommel und Dudelsack gibt. Und so erlebt die Szene seit Jahren eine ideenreiche Verzweigung in verschiedenste Spielarten. „Mittelalter“ hat nahezu alle Musikstile erreicht. Sampler-Editionen wie die Miroque-Reihe bekommen jetzt ernsthafte Konkurrenz: die neue Mittelalterreihe „Canti Historici Zillorum“ des Musikmagazins Zillo. Die erste Ausgabe ist frisch auf dem Markt.

Wettbewerb als Chance für Neues

Unter dem Titel „Spielmannstränen“ kommt die erste Zillorum-Scheibe daher. Seit Jahren widmet sich das Gothic-Magazin Zillo der schwarzen Szene und lancierte immer mal wieder Beiträge zu Bands, die auch auf Mittelaltermärkten gut ins Ohr gehen. Diesem Thema widmet sich das Mag künftig stärker. Ein Special zu mittelalterlicher Musik wird bereits die Aprilausgabe schmücken.

„Eine Mittelalter-CD wird als Heftbeileger das Thema musikalisch untermauern“, sagt Geschäftsführer Jörg Grieger. Auf zwei bis drei Ausgaben soll es hernach die Zillorum-Reihe pro Jahr bringen.
Das Feld für gut aufgemachte Alben, die dem Publikum gestandene Bands und Neulinge der Szene nahebringen, ist also bereitet. Miroque legt seit einigen Jahren immer wieder mit kreativen Entdeckungen vor. Zillo muss seine Auswahlkriterien erst noch beweisen. „Spielmannstränen“ ist der Gothicszene klanglich sehr nahe, schwere Gitarrenriffs dominieren.

Höhen und Tiefen, doch nie langweilig

Interessant, aber mit nicht sehr viel Fingerspitzengefühl umgesetzt, sind Musiker-Dopplungen So tauchen Des Teufels Lockvögel mit einem wunderschönen Instrumental auf, das sich auf jedem Markt sehr gut machen würde. Auf der Scheibe ist indes auch Van Langen vertreten – das Alter Ego der Lockvögel (dunkler Mittelalterrock). Das gleiche Personal ist auch in den Gruppen Estampie und Qntal vertreten. In beiden wirken der Soundtüftler Michael Popp und die stimmgewaltige Syrah (Sigrid Hausen) mit. Die 1985 gegründete Formation Estampie pflegt die akustische Gestaltung historischer Dichtungen und ist mit dem wunderschönen Lied „Owe war sint verswunden“ von Walther von der Vogelweide zu hören. Als Qntal legen die Musiker ebenfalls großen Wert auf eine harmonische Vokalmusik – den Hintergrund aber bildet traumhafter Elektropop. Das jeweilige Alter Ego der beiden Gruppierungen hätte sich auch auf nachfolgenden Ausgaben gut gemacht. Oder aber erklärt werden müssen, doch Bandinformationen bietet das CD-Booklet leider nicht.

Den Einstieg des Samplers gestalten Cultus Ferox mit einem gefälligen Elektro-Remix ihres aktuellen Titels „Aufbruch“. Subway to Sally bieten mit dem Song „Schneekönigin“ saftigen Gitarrenrock und eine gut aufgemachte Geschichte rund um den Märchenstoff. Die Band eröffnet auch eine ganze Reihe von Interpreten, die eher dem Mittelalterrock zuzurechnen sind. Dabei auch Die letzte Instanz, eine Dresdener Formation, die seit 1996 am Start ist. Auf ihrer ersten Platte „Brachialromantik“ ließen die Musiker Rock und Violinen gleichermaßen hören. Zuletzt wurde es immer rockiger um die Instanz, die gerade ihre neue CD „Ins Licht“ herausbrachte.

„Ecce mundi gaudium“ von Schelmish ist frisch, frech – und war schon 2004 auf „Miroque X“ zu hören. Mir völlig fremd und ungewohnt klingt „Deus lo vult“ aus dem Debütalbum von Heimataerde. Für meinen Geschmack ein sehr herber Trance-Industrial-Mix mit einem fragwürdigen Text voller Ritterorden-Herrlichkeit („Wir sind das letzte Bollwerk gegen das Böse…“). Nun ja.

Nicht neu, aber immer wieder schön zu hören: Faun und ihr „Tagelied“. Auch Adaro ist schon seit Jahren mit ihrem modern, mit viel Spielwitz aufgemachtem Minnesang unterwegs. Hier vertonen sie mit „Words never spoken“ von 1999 eine Spruchdichtung des Sängers Freidank (13. Jh.).

Fazit

Der Anfang ist gemacht; und er ist sehr vielversprechend. Zillo ist ein langer Atem auf der Suche nach neuen Musikwelten zu wünschen. Die erste Auflage hat gezeigt, dass nicht nur Brachial-Mittelalterrock und Kommerz die Richtung vorgeben. Etwas mehr Experimentierlust tut der Reihe aber sicher gut. Und das verdammt gute Preis-Leistungs-Verhältnis macht wirklich Lust auf Entdeckungen.

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2 Kommentare

  1. Jetzt müsste man nur noch wissen, dass Zillo ein Independent- bzw. Alternative-Magazin ist und nicht repräsentativ für Gothic.

    Goths haben diesem Magazin schon in der Mitte der 90er den Rücken gekehrt. Vielleicht einfach mal auf die Leserbriefe dieser Zeit achten. Über den Inhalt kann man heute doch nur noch lachen. Wo ist denn bitte der Bezug zwischen Gothic Rock und Mittelalterrock-Geqietsche? Diese Stile liegen so weit auseinander wie Black Metal und Country Music.

    Also nochmal zum Mitschreiben: Weder Zillo noch Orkus oder Sonic Seducer sind Gothic-Magazine. Diese Zeitschriften deckten schon immer vollkommen unterschiedliche Genres ab, da nahm Gothic wirklich den geringsten Platz ein.

    17. Januar 2008, 11:01 Uhr • Melden?
    von Au weia.
    1
  2. Das mag sein, was aber die Magazine mit Gothic verbindet ist der Hang zum Alternativen.

    Beides ist abekapselt vom Mainstream und nicht unbedingt massentauglich.

    28. Juni 2010, 02:06 Uhr • Melden?

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