Lauenbrück Wo Lanzen brechen und Hexen tanzen

Routiniert lenkte der edle Ritter Hartmann von Aue sein Pferd auf den Turnierplatz. Er hat einen jungen Recken zum Tjost, dem ritterlichen Zweikampf mit der Lanze, herausgefordert. Atemlos verfolgten hunderte Zuschauer, wie die zwei eisenrasselnden Kampfmaschinen aufeinander zu rasten. Hartmanns Lanze zersplitterte am Schild des Gegners, der durch die Wucht zu Boden geschleudert wurde.

Szenen wie diese sind es, die immer wieder Fans des Mittelalters an Orte wie Lauenbrück lockt. Der Wildpark beim niedersächsischen Scheeßel verwandelte sich am letzten Juliwochenende einmal mehr in ein mittelalterliches Heerlager mit angeschlossenem Markt. Bereits zum siebten Mal hatte Parkherr Friedrich-Michael Schiller zum Spectaculum eingeladen. Der lockere Ritterbund des Hartmann von Aue, alias Manfred Angelov, ist in Lauenbrück schon Stammgast.

Fahrende Ritter mit ihren Knappen, Marketenderinnen, Hexen, Falkner, Knechte – sie alle waren dem Ruf gefolgt und boten dem Publikum Einblicke in das Leben von der Wikingerzeit bis ins Hochmittelalter. Die Drachenkinder aus Hannover schickten Kämpfer des Deutschen Ritterordens in die Bresche, Kelle Huntscha aus Berlin präsentierte selbst gefertigte Bogen und Zelte. Irgendwann hatte der gelernte Koch seinen ersten Versuch gestartet, selbst einen Bogen zu bauen. “Ich bin von dieser Welt einfach fasziniert”, sagt er. Nach mehreren Versuchen, erzählte Kelle, tauchten plötzlich Bekannte auf, die auch eine solche Waffe wollten. Von Stund an mauserte sich der Berliner zum professionellen Bogenbauer, Zeltnäher und Schwertkämpfer. Eine Karriere, wie sie viele vom Mittelalter Begeisterte erleben.

Zwischen Met und Schwertkampf sorgte die Band Scherbelhaufen aus Quedlinburg mit Dudelsack und Trommelwirbel für die rechte Stimmung. Ach ihr Leute, lasst Euch sagen, allerhand fahrendes Volk machten den Markt in Lauenbrück so recht zum Erlebnis! Was Wunder, dass auch die Darsteller, die schließlich mehrere Tage im Lager verbrachten, von ihrem Aufenthalt ganz angetan waren. Gefragt, warum er sich bei Sommerhitze in schweres Tuch und mehrere Kilogramm Eisen zwänge, meinte der Ritter Wilhelm von Dornfeld (Marco Steingasser aus Celle) nur: „Seht Ihr die Kinder? Darum!“ Offenen Mundes beobachteten gerade die Jüngsten das Geschehen auf dem Turnierplatz. Rolandreiten, Ringstechen, Sauhatz, dazwischen das Spiel zwischen Hexe und Gaukler, und schließlich der Tjost – diese wunderbare Mischung aus geplantem Vorgang und Improvisation schien so recht nach dem Geschmack der Besucher.

Und das Schönste: In diesem Jahr stehen noch reichlich Termine für mittelalterliches Geschehen an. Empfohlen sei an dieser Stelle schon mal ein Besuch im Bückeburger Schlosspark zum „Mittelalterlich Spectaculum“. Das Programm steigt an den Wochenenden 12./13., 19./20. Und 26./27. Juli.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtsszene“

  • Freilichtmuseum strebt in die „Bundesliga“

    Die Königspfalz Tilleda ist ein Freilichtmuseum am Fuße des Kyffhäusers an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Thüringen. Klein, aber die Anlage hat es in sich: Tilleda ist die einzige vollständig ergrabene Königspfalz Deutschlands.

  • Spektakel für Marktfans

    Gaukler, Magier, Spielleute, Musici und die Darstellung von mittelalterlichen Lebensweisen erwarten die Gäste von Schloss Oelber am Wochenende, 27. und 28. September.

  • Attila und die Hunnen

    Die neue Großausstellung des historischen Museums der Pfalz Speyer entführt in die Zeit der Völkerwanderung. Die Reiternomaden Attilas und seiner Nachfolger eroberten im 4. und 5. Jahrhundert ein riesiges Reich. Sie schoben ganze Völker…

  • Praktikum in Sauerteig

    Brot – dabei mag mancher an einen oft zitierten Bibelspruch denken. Aber es lohnt sich durchaus, auf dieses Lebensmittel konzentrierter zu schauen. Ein Museum tut das. Unter anderem mit antiker Mühlentechnik und Legionärsbrot.

Ihr Kommentar zum Artikel „Wo Lanzen brechen und Hexen tanzen“


Sie sind angemeldet als

abmelden