Workshop Wikinger und Franken in trauter Gemeinsamkeit

Kleiner Franke mit Wurfaxt. © Schlechte Saat

Die Wikingergruppe Die Schlechte Saat (Alfeld/Niedersachsen) hat sich in einer eigenen Siedlung eingerichtet: mit originalem Langhaus, Wohnhütten, jeder Menge Enthusiasmus und vor allem mit Gleichgesinnten. Bericht von einem Workshop.

Ein gastlicher Ort

Kleiner Franke hat den Wurf raus: Die Franziska liegt locker in der Hand, der Merowinger-Fan visiert den Holzschild an und gibt ordentlich Schwung. Die schwere Klinge bleibt im Holz stecken, der Griff bricht ab. „Genau, wie es sein sollte“, freut sich der Franke, alias Holger Frauendienst. Er gehört der niedersächsischen Darstellergruppe „Postea Imperio“ an, die sich dem Frühmittelalter verschrieben hat. Franken, Sachsen und Germanen aus der Zeit zwischen 550 bis 900 gehören zum Repertoire der Gruppe. Fertig seien sie noch längst nicht mit ihrer Ausrüstung, sagt Frauendienst. Man traf beim Quedlinburger Kaiserfrühling mit den Wikingern der Schlechten Saat zusammen. Bald folgte eine Einladung zum gemeinsamen Workshop-Wochenende auf dem Freigelände bei Alfeld.
„Wir tauschen uns vor allem bei handwerklichen Fähigkeiten aus“, meint Sonja Fricke, die von den Alfeldern nur Ymme genannt wird. Sie gehört zu den Mitgliedern, die 2002 die Schlechte Saat aus der Taufe hoben. Gut ein Jahr später begannen die 25 Wikinger mit dem Bau ihres Dorfes. Inzwischen hat die Anlage beinahe ihr endgültiges Aussehen bekommen. Hier gibt es nichts, was die Truppe nicht selber gebaut hätte – Thingplatz, Badehaus und Schmiede inklusive. Seither kommen immer wieder Alfelder Bürger vorbei und schauen, was „ihre“ Wikinger so treiben. Und es kommen eben befreundete Gruppen wie „Postea Imperio“.

Kampfkunst weicht der Muse

Sich gegenseitig über die Schultern schauen – das ist das Credo, mit dem die Alfelder ihr Gelände auch für andere öffnen. Experimente wie etwa der richtige Sitz einer Franziska-Klinge auf dem Axtstiel, die korrekte Spannung eines Bogens und überhaupt Waffenkunde. Das Spezialgebiet von Angus, alias Andreas Monden, dem Waffenmeister der Schlechten Saat. Schaukampfeinlagen, die die Gruppen auf den historischen Events ja häufig bieten, wollen schließlich geübt sein.
Dabei geht es im Alfelder Wikingerdorf keinesfalls nur martialisch zu. Ein Schmied, spezialisiert auf Repliken aus dem 11. Jahrhundert, führte einfache Techniken vor. Auch Alltagsgegenstände wie Schuhe oder Stoffe stellen immer mehr Darsteller selbst her. Der Webstuhl steht denn auch im Wikingerdorf kaum für lange Zeit still; Frauengruppen raunen sich im Langhaus die Geheimnisse des Naalbinding zu (für Laien: eine Art Stricken).
Gekommen waren Mitglieder vom hannoverschen Mac Carrock-Clan, von den „Jorvikern“ (Wikingerdarstellung) und aus Hildesheim von „ferrum ferox“. Letztere feilen immer wieder auch an ihrem Konzept für Schaukampfeinsätze. Und Diana „Rotkehlchen“ de Steren verpasst der Gruppe, wo immer sie aufschlägt, eine sanfte musikalische Note. Sie forsche halt für ihr Leben gern in mittelalterlichen Noten, sagt sie. Und sie bietet mittelalterliche Tanzkurse an. Als Regen den Aufenthalt im Freien ungenießbar macht, jeder sich aus dem großen Kessel über dem Lagerfeuer bedient hat, kam Dianas Stunde. Gemütliches Murmeln erfüllt das Langhaus mit den Nischen an beiden Seiten und dem großen Sitz des Jarls dem Eingang gegenüber – da greift sie nach ihrer Laute. Alte skandinavische Weisen setzen sich in den Ohren der Lauschenden fest. Die Musik, die völlige Abwesenheit moderner Gerätschaften und Kleider, sowie die urige Einrichtung machen das Idyll komplett. Eine zweitägige Tauchfahrt in die Vergangenheit findet ihr stimmungsvolles Ende. „Das wiederholen wir“, sagt Ymme mit Bestimmtheit.

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3 Kommentare

  1. Seid gegrüßt Schreiberlinge und Hüter der neuen Internetkemenate Chronico!
    Hoch zu loben ist Eure gute Recherche, wie immer, und Euer guter Geschmack! Eine wunderbare, neue Seite im Entstehen!
    Schön wäre es natürlich, wenn wir bald auch wieder im alten Bilderarchiv stöbern könnten.
    Nur zu! Macht weiter so!!
    Es grüßt herzlich
    Riana

    16. Juli 2006, 22:07 Uhr • Melden?
    von Riana
    1
  2. Das Bildarchiv dreht noch ein Paar Extrarunden bis es online geht.

    17. Juli 2006, 08:07 Uhr • Melden?
    von macx
    2
  3. Grüß Gott,

    als gebürtiger Franke, aber auch Merowing- und Wikinger in Re-enactment, muß ich Euch doch in aller Freundschaft sagen, bevor Ihr Eure Weisheiten an die Öffentlichkeit, beziehungsweise ans WEB bringt, solltet Ihr erst mal Geschichte studieren. Ihr trennt die Wikinger und Franken von den Germanen. Wie traurig! Die germanischen Stämme lassen sich im wesentlichen in drei Gruppen einteilen, in die Nord, West und Ostgermanen. Zu den Nord-Germanen zählten die skandinavischen Stämme. Aus ihnen gingen später die Wikinger (vi-king bedeutet handeln!) und damit die späteren Nationen der Dänen, Schweden, Norweger und Isländer hervor. Zu den West-Germanen zählten die
    Sueben, Chauken, Angeln, Warnen, Friesen, und Sachsen
    Zu den Rheinwesergermanischen Stämme zählten die Cherusker, Bataver, Brukterer, Chatten, Ubier, Usipeter, Angrivarier, Tenkterer, Sugambre
    Zu den Ost-Germanen zählten die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden. Und den Wikingern den Namen “schlechte Saat” zu geben” finde ich auch nicht toll. Diese waren ein sehr fleißiges, intellegentes, künstlerisches und sauberes Volk. Vorallem große Händler! Die hatten ja sogar Ohrenstäbchen! Die Ausgrabungen bestätigen auch, dass sie zum größten Teil sich von Getreide, Gemüse und Fisch ernährt haben. Was man bei uns heute noch “arme Leute Küche” nennt” Nicht wie die alten Rittersleut, alles fressen was kreucht und fleucht.
    Die wunderschöne Wikingerkleidung und den Schmuck was wir heute wieder mit Liebe handanfertigen und mit Stolz tragen, so was würde ich niemals von “schlechte Saat” nennen.
    Die Wikinger waren nicht weniger wild wie die kühnen Franken oder all die anderen Germanenstämme, als man sie christianisiert hat!!!
    Und warum haben die Wikinger geraubt? Weil sie als eine der letzten Heiden überall vertrieben wurden und sie nur unfruchtbares Land hatten. Nicht die Franken, sondern der Franken König Karl der Große hat beauftragt, Irminsul umzuhauen die ja in Sachsen stand, welche allen Germanen heilig war auch den Franken und immer noch ist! Symbolisch, unser Maibaum!

    Da die Wikinger schnelle Seefahrer waren, fingen sie an die Klöster auszurauben, dafür bekamen sie dann wieder Land von scandinavischen Königen.

    Sie haben ja auch nur das Gold gestohlen, was die Katholische Kirche durch Christianisierung schon vorher anderen durch Blutbad gestohlen hatten. So kommt eins zum anderen, aber bevor man negativ ist, sollte man erst mal die Ursache kennen.
    Wenn man Unrichtigkeiten verbreitet wird es wieder falsch gelernt. Befasst euch mal intensive mit unserer germanischen Geschichte und Natur-Religion und der Eda, es ist eine wunderschöne Kultur. Da gibt es zich gute Webseiten oder Bücher, eigentlich müßtet ihr es ja in der Schule gelernt haben, vielleicht heute nicht mehr. Seid stolz ein Germane zu sein, wenn auch nur im Re-enactment. Ich wünsche euch viel Gluck und Freude in den alten Zeiten zu leben. Versucht so viel wie möglich neue Mitgliedr zu werben und gebt euer Handwerk und Wissen mit Stolz weiter. Viele Grüße aus Down Under.

    Heil den alten Germanen

    12. April 2014, 08:04 Uhr • Melden?
    von Max
    3

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