Antikenhehlerei Erst Irak, jetzt Ägypten?

Screenshot mit Berichten der Zeit (von links), Zahi Hawass und Spiegel Online. © chronico

Nach dem Krieg verlor der Irak historische Artefakte an den Schwarzmarkt. Eines dieser Objekte wird heute in Mainz an den Irak übergeben. Dieser Akt wird überschattet von verwirrenden Meldungen aus einer neuen Unruhezone: Ägypten.

Irakisches Déjà-vu

Ausländische Archäologen haben Ägypten wegen der Revolten gegen das Regime von Hosni Mubarak fluchtartig verlassen. Und müssen nun die Entwicklung abwarten. Sich permanent Fragen stellend. Darüber zum Beispiel, ob nicht schon unersetzliche Kulturgüter aus pharaonischer Zeit von Gelegenheitsdieben und professionellen Hehlern außer Landes geschafft werden. Oder ob sich womöglich Raubgräber über die Ausgrabungsstätten hermachen, auch wenn die Behörden betonen, dass alles Wichtige abgesichert wurde. Das Ägyptische Museum in Kairo wurde prominentes Opfer von Unruhestiftern, die am Rande des Volksaufstands zur Tat schritten.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass so manchem Archäologen dieser Tage ein Déjà-vu-Gefühl überkommt. Zumindest jenen Wissenschaftlern, die Erfahrung mit den irakischen Verhältnissen haben. Einen wie Michael Müller-Karpe, ein Archäologe mit Spezialisierung auf den Alten Orient. Seit 1974 hatte er mit Ausgrabungen im Irak zu tun. Im Jahr 2003 beklagte er den mangelnden Schutz der irakischen Kulturgüter nach dem Einmarsch der USA. Damals wurde das Irak-Museum in Bagdad geplündert. „Die Schätzungen belaufen sich auf etwa 20.000 gestohlene Objekte“, sagte Müller-Karpe auf Nachfrage von chronico. Das Haus war zentrale Heimstätte für die wichtigsten Fundstücke des Landes bis zurück in die sumerische Epoche. Also durchaus der Bedeutung des Ägyptischen Museums vergleichbar.

Sumerische Axt kehrt heim

Am heutigen Mittwoch, 9. Februar, wohnt Müller-Karpe im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) einer besonderen Zeremonie bei: der Rückgabe eines mutmaßlich aus dem Irak geraubten Kulturguts. Es geht um eine etwa viereinhalbtausend Jahre alte mesopotamische Schaftlochaxt aus Kupfer. Geräte wie dieses wurden von Kriegern genutzt und sind sowohl durch Grabfunde wie auch durch Siegeldarstellungen aus dem Zweistromland nachgewiesen. Das kostbare Stück reicht weit in die Zeit der frühen sumerischen Stadtstaaten wie Ur, Uruk, Nippur oder Kisch zurück. In jener Epoche (um 2500 v. Chr.) entstanden in Ägypten die großen Pyramiden von Gizeh und Sakkara.

Im RGZM bekommt der irakische Botschafter Hussain Mahmood Fadhlalla Al-Khateeb heute also eine altorientalische Axt ausgehändigt. Die Übergabe übernimmt der rheinland-pfälzische Staatssekretär Michael Ebling. Begleitet wird er von Vertretern des Bundeskriminalamtes, des Landeskriminalamtes und der Münchener Generalstaatsanwaltschaft. Aus gutem Grund: Mit der Übergabe der Axt nimmt ein Fall von Kriminalarchäologie ein Ende, bei dem Michael Müller-Karpe als Gutachter mitmischte. Der Archäologe, Mitarbeiter des Mainzer Museums, ist seit Jahren ein streitbarer Gegner der internationalen Antikenhehlerei.

Weil Müller-Karpe sich seit langem mit archäologischen Kulturgütern befasst, die über dubiose Kanäle auf dem Schwarzmarkt landen, und weil er auch ein Experte für altorientalische Streitäxte ist, bekam er 2005 einige Fotos der Kupferaxt auf seinen Schreibtisch in Mainz. Das Stück hatten Polizeibeamte nach einer Razzia bei einem Münchener Antikenhändler sichergestellt.

Das RGZM kooperierte damals bereits mit dem Bundeskriminalamt. „Der Händler konnte keine amtlichen Papiere für das Stück vorweisen“, berichtete der Archäologe. Ohne Dokumente aber, die bei Antiken legaler Herkunft verpflichtend sind, lag der Verdacht der Hehlerei nahe. Die Axt kam zunächst in die Asservatenkammer der Polizei und nach juristischem Prozedere schließlich zur Begutachtung ins RGZM.

Tausendfacher Raub im Irak

Müller-Karpe untersuchte die Kupferaxt. Verarbeitung, Form und Verzierung ließen keinen Zweifel: „Es ist mesopotamisch, drittes Jahrtausend vor Christus“, sagte er. In seinen Datenbanken fand sich kein Hinweis darauf, dass das Objekt aus einer der bekannten Sammlungen stammt. Die Axt, da ist sich der Archäologe sicher, kann demnach nur aus dem Irak selbst stammen. Blieb die Frage, ob aus einer der nach dem Irakkrieg geplünderten Sammlungen oder aus einer Raubgrabung. Letzteres kam in den vergangenen Jahren im Irak häufig vor.

Müller-Karpe, der sich zuletzt 2004 in das krisengeschüttelte Land wagte, weiß das von Satellitenaufnahmen. „Wichtige archäologische Stätten sehen aus wie Mondlandschaften“, sagte er. Spuren gründlicher Plünderung seien allenthalben zu entdecken.

Die Münchener Axt jedoch scheint tatsächlich einmal katalogisiert und einer Sammlung beigefügt worden zu sein. Müller-Karpe hat Hinweise auf eine Inventarnummer auf der Klinge gefunden. Exakt an einer Stelle, die Wissenschaftler für eine solche Markierung nutzen würden, habe jemand etwas „brutal weggekratzt“. Für den Archäologen klar ein Vertuschungsversuch. Auch mit Infrarot ließ sich das, was da verschwunden war, nicht mehr rekonstruieren. „Aber das Stück ist ganz klar aus einem Museum oder einer Privatsammlung geraubt worden.“ Nach internationaler Rechtslage zur Kulturgutrückführung gehört die Axt dem Irak.

Die Rückgabe heile zwar nicht die Wunden im Irak, betont Prof. Falko Daim, Generaldirektor des RGZM, bei der Feierlichkeit im Museum. Aber sie sei mehr als ein Symbol. Es gehe auch um mehr Verantwortungsbewusstsein im Antikenhandel.

Fahnder und Beutekunst

Welchen Ausmaß die Plünderungen im Irak längst angenommen haben, dokumentierte auch das Deutsche Archäologische Institut. Immer wieder tauchen archäologische Fundstücke auf dem internationalen Antikenmarkt auf. Von den gut 20.000 aus dem Irak-Museum verschwundenen Objekten aber sei bislang gut die Hälfte noch nicht wieder gefunden, sagte Müller-Karpe. Im Irak seien oft organisierte Banden am Werk gewesen. Die verhökerten ihre Ware an Sammler, die um den Wert der Stücke wissen – und sie unter Verschluss halten. Auch in Deutschland finden sich immer wieder Objekte an, die aus dem irakischen Nationalmuseum stammen. Zuletzt gelang der Polizei im Dezember 2010 in Krefeld ein Schlag gegen Hehler.

Die Axt, die in Mainz heute übergeben wird, war das einzige Stück mutmaßlicher Beutekunst, das Müller-Karpe zuletzt unter Verschluss hatte. Aber in etlichen Aktenordnern hat er Hinweise auf weitere Objekte gesammelt. „Und fast jede Woche gibt es einen Anruf von der Polizei, ob das ein oder andere Objekt aus dem Irak stammen könnte.“

Könnte nun in Ägypten ein ähnlicher Sog aus mangelnder Sicherheitslage und ausufernden Diebstählen sowie Raubgrabungen anheben? In dessen Folge sich die Fahnder auch um illegal erworbene Objekte aus pharaonischer Zeit kümmern müssten? Freilich sind die Dimensionen zum Glück mit dem Irak kaum vergleichbar – dort stürzte das Land nach dem gewaltsamen Sturz des Diktators durch einmarschierende ausländische Truppen flächendeckend in ein Chaos. Müller-Karpe wagt jedenfalls keine Prognose, wie sich die Situation am Nil entwickelt, seit das ägyptische Volk gegen das autoritäre Mubarak-Regime protestiert. „Überhaupt nicht absehbar“ sei das zurzeit.

Auch der Mainzer Museumschef Daim kommt heute auf Ägypten zu sprechen: “Welchen Stellenwert die kulturelle Hinterlassenschaft für die Bevölkerung hat, haben demonstrierende Ägypter in Kairo erst vor kurzem gezeigt, als sie mit einer Menschenkette ihr Nationalmuseum vor Plünderern schützten.“

Tatort Ägypten

Kairo, in den ersten Tagen der Proteste: Die Zentrale von Mubaraks Partei NDP steht in Flammen – gleich nebenan liegt das Ägyptische Museum. Zwei Tage lang drohten die Flammen überzugreifen. Letztendlich war aber nicht Feuer die eigentliche Gefahr für „Ägyptens Schatzkammer“. Einige Sicherheitsleute des Museums sollen das Chaos für Plündereien genutzt haben. Über eine Feuerleiter drangen weitere Unruhestifter in das obere Geschoss ein – und wüteten in der Abteilung, die Stücke aus dem Grab des Tutanchamun beherbergt.

Ein gutes Dutzend Vitrinen wurde zertrümmert und über 70 Ausstellungsstücke trugen Schäden davon, darunter auch zwei Mumien. Bürger Kairos bildeten spontan schützende Menschenketten um das Museum; inzwischen bewachen Elitesoldaten das Haus, wie Spiegel Online berichtete.

Das ist eine Entwicklung, die jemanden in Wallung bringt, der seit vielen Jahren als der starke Mann am Nil in Sachen Geschichte gilt: der Archäologe Zahi Hawass, der mit seinem Markenzeichen – einem Schlapphut wie Indiana Jones – häufig in TV-Dokumentationen über das alte Ägypten auftritt. Und der wenige Tage vor den am 25. Januar beginnenden Unruhen in Kairo einmal mehr medienwirksam die „Rückgabe“ der Nofretete-Büste aus dem Neuen Museum zu Berlin einforderte. Weder Bundesregierung noch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind darauf eingegangen.

Altertümerverwaltung bekommt mehr Macht

Zahi Hawass, bislang Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, ist inzwischen aufgestiegen. Er steht seit wenigen Tagen dem neu geschaffenen Ministerium für Altertumsgüter vor. Aus Sicht von Hawass ist nun das Ansehen, das die historischen Kulturschätze und die archäologische Arbeit im ägyptischen Politikbetrieb genießen, auf ein zuvor unerreichtes Niveau gestiegen. Bislang war die Altertümerverwaltung dem Kulturministerium unterstellt.

Wie sich die Berufung in eine neue Regierung, die den Druck vom bedrängten Präsidenten Mubarak nehmen soll, auf Hawass’ Reputation beim ägyptischen Volk auswirken wird – das muss sich erst noch zeigen. Aber nun kann sich Hawass noch intensiver dem Schutz der ägyptischen Kulturschätze widmen. Eine Mission, die, so darf man getrost annehmen, diesem Archäologen eine Herzensangelegenheit ist. Wenn auch die ersten Verlautbarungen des frischgebackenen Ministers zuweilen widersprüchlich anmuten – und die Frage aufwerfen: Wie schlimm waren jüngste Angriffe auf archäologische Stätten nun wirklich?

Minister widerspricht Schreckensmeldungen

Am 4. Februar 2011 veröffentlichte Minister Hawass auf seiner Internetpräsenz einen Report über das Befinden der Antiken. Das macht er schon seit Beginn der Revolten in Ägypten – über ausländische Dienstleister sogar während der Abschaltung des Internets durch das Mubarak-Regime.

Bei diesen Reports scheint manches von der Selbstinszenierung durch, die Hawass seit jeher liebt. Etwa in der atemlos anmutenden Beschreibung der Informationszentrale, die Hawass in seinem Kairoer Büro einrichten ließ. In 24-Stunden-Schichten sammeln seine Mitarbeiter dort Informationen von den archäologischen Stätten im Land. „Ich hoffe, dass alle Welt diese Berichte liest und nicht Gerüchten Glauben schenkt“, schreibt Hawass. Eines dieser angeblichen Gerüchte besage etwa, dass Sakkara ein Opfer von Plünderern wurde. „Stimmt nicht“, kommentiert der Minister.

Auch der Bericht eines Reporters von „National Geographic“, der über Plünderungen in Memphis schrieb, sei falsch. Den Bericht mit dem Titel „Egypt Treasures Looted, but Public Strikes Back“ („Ägyptische Schätze geplündert, aber das Volk schlägt zurück“; Übers. d. Red.) nahm „National Geographic“ vorerst von seiner Website. Dem stehen aber nun Aussagen einer Kennerin der archäologischen Szene in Ägypten entgegen: Wahaa el-Saddik, bis Ende 2010 Generaldirektorin am Ägyptischen Museum, bestätigte wiederum Nachrichten von Plünderungen. Das schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 3. Februar.

Im Interview mit der Zeitung betonte el-Saddik, sie habe von Verantwortlichen der Magazine in Memphis einen verzweifelten Anruf bekommen, dass Plünderer vor Ort wüteten. „Ich verständigte sofort das Militär, doch das Haus wurde in großen Teilen ausgeraubt“, berichtete die Archäologin der HAZ. Sie blieb damit – im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Vorgesetzten Hawass – bei den Aussagen, die sie wenige Tage zuvor auch der Wochenzeitung Die Zeit gegenüber machte.

Auch andere, angeblich fehlerhafte Berichte verwirft Hawass in seinem Report vom 5. Februar als übertrieben. Zudem seien die beim Angriff auf das Ägyptische Museum beschädigten beiden Mumien keine königlichen Mumien, sondern nur die Schädel von unbekannten Toten aus der Spätzeit, die vorübergehend im Museum lagerten.

Und Hawass wiederholt, was er schon zwei Tage zuvor schrieb. Die ägyptischen Monumente seien sicher. Lediglich aus einem Magazin im Osten des Sinai seien 288 Objekte zwar zunächst gestohlen – aber kurz darauf wieder zurückgebracht worden. Ob pharaonisches Erbe, Moscheen, Synagogen oder Klöster – es gehe ihnen gut. Betont Hawass in diesen Tagen gebetsmühlenartig. Zumindest die Aussagen der Ex-Museumschefin el-Saddik lassen daran Zweifel aufkommen.

Auch die altägyptische Nekropole Sakkara scheint doch nicht so gut durch die Unruhen gekommen zu sein, wie es Hawass betonte. Die US-amerikanische Kulturjournalistin Lee Rosenbaum veröffentlichte am 4. Februar in ihrem Blog CultureGrrl den Bericht eines französischen Ägyptologen. Die französische archäologische Mission arbeitet in Sakkara. Der Augenzeuge berichtete von ersten Raubgrabungen und Zerstörungen in Sakkara und Abusir – Tage, bevor die Sicherheitskräfte dann tatsächlich das Gelände unter Kontrolle bekamen. Dieser „detaillierte Report erzählt eine andere Geschichte“ als die Meldungen von Hawass, schrieb Rosenbaum.

Archäologen auf dem Rückzug

Auch die internationale Riege der Archäologen zieht vorerst andere Schlüsse als Hawass. Das Deutsche Archäologische Institut stellte seine Grabungen erst einmal ein und zog die deutschen Wissenschaftler und studentischen Mitarbeiter ab. Etliche Kampagnen standen für dieses Jahr auf dem Programm des Instituts, das seit gut einem Jahrhundert Grabungen im Land betreut. Sein Büro in Kairo hat das DAI wegen der Unruhen geschlossen. „Die Grabungshäuser sind mit Ausnahme von Luxor nicht mehr besetzt“, teilte das Institut Anfang Februar mit. Polizei, Antikendienst oder private Initiativen von Bürgern hätten die Sicherung aber weitgehend übernommen, vermeldete das DAI auf seiner Facebookseite.

Ägyptologen aus etlichen deutschen Universitäten legten ihre Forschungsarbeiten im Land auf Eis. Betroffen ist das auch das Museum in Mainz. „Wir hatten vier Restauratoren im Ägyptischen Museum“, berichtete Archäologe Müller-Karpe. Die seien inzwischen ausgereist. Und sie brachten böse Kunde aus dem Kairoer Nationalmuseum mit. Bei den Übergriffen auf das Museum sei es zum einen um Vandalismus gegangen, sagte Müller-Karpe. „Aber es wurden wohl auch gezielt Kleinobjekte geklaut“. Dinge, die sich womöglich auf dem Schwarzmarkt wiederfinden.

Zahi Hawass ist unterdessen darum bemüht, zu zeigen, dass er die Lage in Museen und Ausgrabungsstätten fest im Griff hat. Er legte am 6. Februar noch einmal mit einem Bericht nach. Darin notiert er, dass einige Aussagen der ehemaligen Kairoer Museumschefin el-Saddik unwahr seien. Sie habe „keinerlei Basis“ für ihre Behauptung, die Anlagen in Memphis hätten unter den Unruhen gelitten, sagte Hawass. El-Saddik hält sich seit kurzem in Deutschland auf. „Sie ist gar nicht in der Lage, die Zusammenhänge richtig einzuschätzen“, betonte Hawass.

Update am 11. Februar / Twitter

Junger Mann berichtet, dass er im ägyptischen Museum gefoltert wurde. Dort hat die Staatssicherheit anscheinend ihr Büro aufgeschlagenless than a minute ago via bitly

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Update 13. Februar / Twitter

Es war beinahe zu erwarten: Nach dem Rücktritt von Mubarak am 11. Februar gerät auch die von ihm zuletzt eingesetzte Regierung in Bedrängnis. So vermutlich nun auch Antiken-Minister Zahi Hawass. Über Twitter kommen nun auch ägyptische Fachleute zu Wort – hier die Nachrichten einer Archäologin. Sie werfen wiederum ein neues Licht auf die Situation innerhalb der Altertümerverwaltung während der vergangenen 18 Tage.

Very important read abt the 9 masterpieces that are now confirmed to have been stolen from the Cairo Museum http://bit.ly/f7uUA7less than a minute ago via web

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Das war noch am Abend, 12. Februar. Folgende Tweets stammen von heute.

Getting news that Zahi Hawass, newly appointed minister of antiquities, is packing his stuff and leaving office. Waiting for confirmation.less than a minute ago via web

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He should b held accountable for the 8 (or more) masterpieces that have been stolen from the museum. He had insisted that nothing was stolenless than a minute ago via web

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Archaeologists need to act now to cleanse this institution from the rampant corruption and Zahi Hawass’s dictatorshipless than a minute ago via web

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Update 15. Februar

Mit Beginn dieser Woche mehren sich die Hinweise, dass Hawass-Kritiker nun gezielt gegen den Chef der Antikenverwaltung und Noch-Minister für Altertumsgüter vorgehen. Die Kritik kommt vor allem von jungen ägyptischen Archäologen, die sich vom straffen Kontrollsystem unter Hawass ausgegrenzt fühlen.

Der “Boston Globe” veröffentlichte gestern auf seiner Internetpräsenz einen Report über Proteste. Glaubt man der Einschätzung des Reporters, ist eine regelrechte Demontage von Zahi Hawass im Gange. Es geht um seinen Umgang mit Informationen während der Unruhen, sein zögerndes Eingeständnis, dass es doch Diebstähle von Antiken gab – und um geringe Gehälter für Archäologen trotz enormer Einnahmen der Antikenverwaltung (unter anderem aus Drehlizenzen für ausländische TV-Teams).

Wiederum machen via Twitter etliche Meldungen über Proteste und Aufrufe gegen Hawass die Runde.

Around 200 protesting at Supreme Council Antiquities:the building is closed,Zahi inside?? #Egyptless than a minute ago via Twitter for BlackBerry®

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Archaeologists demanding proper wages, contracts and end of corruption, end of zahi #Jan25less than a minute ago via TweetDeck

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Bei dem Protest fallen jetzt auch immer wieder Fragen wie diese: Was brachte Hawass dazu, in den ersten Tagen des Aufstands immer wieder so sicher zu betonen, dass nichts verschwunden sei? Eine Frage, die auch diese ägyptische Twitterin heute umtreibt:

we cud hv stopped smuggling stolen pieces through monitoring borders &airports! Nw it s too late! Why did Hawas lie?!! #jan25less than a minute ago via Mobile Web

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Update 16. Februar

Die Proteste gegen Zahi Hawass in Ägypten gehen weiter. Den Kritikern gab gestern unter anderem die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Beitrag Wut auf Ägyptens Indiana Jones eine Stimme.

Heute meldete sich Hawass in seinem Blog wieder selbst zu Wort. Auf die Proteste selbst reagiert er darin nicht, sondern beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Situationsbeschreibung vom Zustand der Antiken im Ägyptischen Museum. Und dass es vor allem an der wirren Informationslage gelegen habe, dass er zunächst darauf bestanden habe, nichts sei gestohlen.

Den Link zu seinem Blog gab Hawass via Twitter herum; auch dort ist keine zusätzliche Notiz zu lesen:

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Update 21. Februar

Trotz anhaltender Proteste seitens der jungen ägyptischen Wissenschaftselite bleibt Hawass im Amt. Mit gewohnter Durchsetzungskraft – und dem unvermeidlich anmutenden Hang zur Inszenierung vor ausländischen Fernsehteams – konzentriert sich der Chef der Altertümerverwaltung um die Neuordnung im Ägyptischen Museum.

Die Nachrichten auf seinem Blog erscheinen mittlerweile nur noch alle paar Tage. Zuletzt verkündete Hawass das Wiederauffinden eines der verschwundenen Artefakte. Ein 16-jähriges Mädchen habe die kleine Statuette aus dem 14. Jahrhundert v.Chr. auf dem Tahrir-Platz gefunden.

Inzwischen scheint sich der Alltag in Museen und archäologischen Stätten zu normalisieren. Sie sollen nun wieder für Besucher offen stehen.

#Egypt reopens museums and tourists sites. They had been closed since the revolution started in January http://bbc.in/dINug0less than a minute ago via web

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Aber: Noch immer steht eine komplette Analyse und eine exakte Verlustmeldung aus. Und eine glaubhafte Übersicht, was wirklich in den ersten Tagen der Revolte an Orten wie Memphis geschah – und welche Objekte womöglich in die Hände von Antikenhehlern und Raubgräbern geraten sind.

Update 5, März: “Ägyptens Schätze in Gefahr”

Nun gab es also doch Plünderungen während der Frühphase der ägyptischen Revolte. Oder besser: Zahi Hawass räumt sie jetzt nicht nur öffentlich ein – er sorgt sich neuerdings lautstark um das historische Erbe Ägyptens.

Nach einigen Tagen ohne neue Einträge veröffentlichte Hawass am 3. März auf seinem Blog eine übel klingende Liste. Darin führt Ägyptens führender Antikenschützer etliche Stätten auf, die “seit Mubaraks Sturz” geplündert worden seien – darunter Gräber, Museumsmagazine, Stätten wie Sakkara und Gizeh. Und immer weiter breite sich die Plünderungswelle aus. Hawass warnt: “Unsere Antiken sind in ernsthafter Gefahr!”

Der radikale Stimmungswechsel bei Zahi Hawass bedarf einer tieferen Erklärung; irgendwann in naher Zukunft. Bizarr mutet er zumindest vor dem Hintergrund der Personalie “Zahi Hawass” an. Der erst kürzlich gekürte Antikenminister ist offenbar die seit Wochen anhaltenden Angriffe auf seine Person leid. Am 4. März kündigte er seinen Rücktritt als Antikenminister an, schrieb die New York Times.

Auch “Spiegel online” warf gestern einen Blick auf den Archäologen. Dem Bericht zufolge mag Hawass nicht mehr unter der neuen Regierung arbeiten. Wir erinnern uns – Hawass wurde noch von Mubarak zum Antikenminister ernannt. Seither ließen Kritiker, darunter viele ägyptische Archäologen, den Mann kaum noch in Ruhe. Sogar Verwicklungen in den Antikenschmuggel warf man ihm vor, wie “Archäologie online” in seiner Zusammenfassung der Ereignisse am 4. März schreibt.

Hawass wies laut “Spiegel” alle Kritik von sich. Was bleibt, ist seine Liste mit gut zwei Dutzend historischen Stätten, die geplündert worden sein sollen. Und es bleibt ein Geschmäckle, was der Mann, der lange vehement größere Gefahren für ägyptische Antiken abgestritten hatte (vom offensichtlichen Raubzug im Ägyptischen Museum abgesehen), mit dieser Liste bezweckt. Die Gleichzeitigkeit mit seiner Rücktrittsankündigung sieht nach Methode aus. Unklar ist bislang, ob Hawass zwar als Minister abtritt, aber dennoch weiter Chef der Antikenverwaltung bleibt.

Vorläufiges Fazit dieses Reports: Es braucht eine unabhängige Kommission, die den tatsächlichen Sachstand von Plünderungen und etwaigen Raubgrabungen feststellt und katalogisiert.

Update 16. März – Listen mit Diebesgut

RT @Bennu 2 looting lists compared: the Official list & the Unofficial leaked report: http://bit.ly/ewkyHU #egypt #museum #hawass #jan25less than a minute ago via web

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Es existieren – zumindest für den Bestand im Ägyptischen Museum Kairo – inzwischen sogar zwei Listen mit Raubgut; eine offizielle und eine inoffizielle. Eine kleine Dokumentation diese Listen mit Raubgut bietet das Blog “Talking Pyramids”.

Nach wie vor gilt: Wo bleibt eine unabhängige Bestätigung dieser Listen? Und: Trotz allem sollten Behörden und Sammler die Augen offenhalten. Wer weiß, was bislang schon auf dem Schwarzmarkt gelandet ist. Obige Listen können durchaus korrekt sein. Und, wer weiß, womöglich noch immer nicht die endgültige Aufschlüsselung von ägyptischem Raubgut.

Update 20. März – Geraubte Statuen aus Luxor

Gang leader hides ancient Egyptian statues stolen last night – need to replace the ex-antiquities minister is critical: http://bit.ly/i7VJzzless than a minute ago via bitly

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Update 25. April – Götterdämmerung

Die Nachrichten, die über Zahi Hawass im Umlauf sind, und solche, die von ihm selber ausgehen, bleiben verwirrend. Hawass kündigte kürzlich an, nun doch wieder den Posten des Antikenministers zu übernehmen und wurde am 6. April vereidigt.

In dieser alten neuen Funktion bläst er zur Jagd auf gestohlene Altertümer, die in den vergangenen Wochen und Monaten verschwunden waren. Dabei setzt Hawass unter anderem auf “Geld gegen Rückgabe”.

Zahi Hawass is offering payments of between LE5,000 and LE50,000 to anyone returning stolen antiquities: http://bit.ly/hy7Iu3 #egypt #jan25less than a minute ago via bitly Favorite Retweet Reply

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Dann machte Hawass Negativschlagzeilen, weil er seinen Namen für eine neue Modelinie hergab. Die New York Times fasste die Vorwürfe wegen eines angeblichen “Ausverkaufs von Geschichte” am 18. April in ihrer Onlineausgabe zusammen .

Just in diesem Moment hat Hawass aber ganz andere Sorgen; ihm steht das Wasser nun auch juristisch bis zum Hals:

Egypt antiquities chief faces jail time Middle East Al Jazeera English: Zahi Hawass Egypt’s ebullient minister f… http://bit.ly/i57k8wless than a minute ago via twitterfeed Favorite Retweet Reply

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Zwar wurde Hawass verurteilt – wegen der möglicherweise unrechtmäßigen Auflösung eines Pachtvertrags -, aber durch ist die Sache noch nicht. “Der Standard” schreibt, dass Hawass Berufung einlegte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Hawass nahm in seinem Blog Stellung zum Gerichtsurteil und macht vorerst weiter wie bisher. Als Antikenminister und Herr über die ägyptischen Altertümer. Sein jüngster Eintrag im Blog vom 21. April beschreibt Planungen für das Große Ägyptische Museum .

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3 Kommentare

  1. Natürlich hoffe ich, dass Zahi Hawass recht behält. Es bleibt aber vorerst dabei, dass die Informationslage alles andere als eindeutig ist.

    Ich freue mich über Hinweise von Ägypten-Besuchern, die jetzt oder demnächst (allen Hürden zum Trotz) historische Stätten im Land besuchen – und uns hier gern einen Kurzüberblick geben. Wie geht es den Standorten?

    Update 17:13 Uhr am 9.2.2011:
    Der Text entstand bereits vor der Zeremonie im RGZM zur Axt-Übergabe. Inzwischen gab es aus Mainz noch einige Stimmen. Dem Artikel beigefügt sind jetzt noch Aussagen von RGZM-Direktor Daim (der u.a. ebenfalls Bezug auf Ägypten nimmt) sowie ein Foto der Übergabe.

    09. Februar 2011, 12:02 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    1
  2. Erstmals räumte Zahi Hawass gestern ein, dass Kulturschätze wohl doch auch gestohlen (und nicht “nur” beschädigt) seien. Hier eine Auflistung und Fotos der Antiken aus dem Ägyptischen Museum

    13. Februar 2011, 10:02 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    2
  3. Ist ja jetzt schon ein paar Tage her, aber sollte man in der heutige Zeit nicht annehmen, dass die Diebe nicht mehr wirklich verborgen bleiben und gerade flüchtende Staatsoberhäupter und Regierungstreue so publik sind, dass man sie überall kriegen und bestrafen könnte – wenn man denn will…

    14. März 2011, 13:03 Uhr • Melden?

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