Geschichtspodcast 7 Götter, Gräber und Barden

Das Booklet bietet zahlreiche Hintergrundinfos zur Edda und den Musikern. © chronico

Die Neujahrsausgabe: Wir lassen diesmal Archäologen zu Wort kommen; besingen mit Poeta Magica die altisländische Edda; gehen einem mysteriösen Schlachtfeld auf den Grund und schwelgen in historischen Terminen.

Werbung für die Wissenschaft

Der Stuttgarter Theiss Verlag hat mit der Reihe „WissenKompakt“ eine äußerst praktische, informative und unterhaltsame Buchreihe herausgegeben. Auf dem Markt sind bereits „Die Germanen“, „Steinzeit“ und die folgenden beiden Bücher, die wir in dieser Podcastepisode vorstellen.

Beginnen wir mit dem Buch „Archäologie“, geschrieben von den Archäologen Marion Benz und Christian Maise. Beide Autoren wissen worüber sie schreiben. Und sie tun es mit sehr spritziger Feder. Sympathisch, fundiert und leidenschaftlich setzen sie sich für die Belange der Archäologie ein. Das Buch ist eine wunderbare Lektüre, die diesen Wissenschaftszweig von staubigen Klischees befreit. Dabei zeigen sie neben all den Vorzügen und Stärken auch die Schwächen und Grenzen auf. Die Autoren stellen die richtigen Fragen und geben Antworten aus vielen Bereichen der Archäologie. Dafür picken sich die Autoren beispielhafte Grabungen und Funde heraus. Was sie mit Hintergrundtexten vertiefen.

Der zweite vorgestellte Band trägt den schlichten Titel „Das Mittelalter“, und wurde von der Münchener Mediävistin Sabine Buttinger geschrieben. Die Art und Weise, wie Buttinger an die Sache angegangen ist, ist einfach verdammt gut. Wie schon der Archäologieband macht auch das Mittelalter-Buch unheimlich viel Spaß beim Lesen. Dabei kommt das Wissen natürlich nicht zu kurz. In diesem Falle achtet die Autorin aber auf zeitlich korrekte Abfolge. Und auch sie greift einzelne Themen in vertiefenden Berichten noch einmal auf. Die Kürze, zu der Buttinger gezwungen ist, nutzt die Autorin als Chance. Kompakte Informationen, gut aufgeschrieben und eingeordnet. Das macht das Buch zu einem Nachschlagewerk für Einsteiger ins Thema, aber auch für Kenner.

Beide Bücher gibt es jeweils zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel.

Theiss Verlag

Poeta Magica zelebriert die Edda

Poeta Magica ist ein Ensemble, für deren Musik die Bezeichnung „mittelalterliche Weltmusik“ wohl ganz besonders gilt. Die 1992 von Holger und Friederike Funke begründete Gruppe mischt für seine Alben – neun sind bisher erschienen – verschiedenste Musikstile: von archaisch bis orientalisch; von nordischen Klängen bis hin zur hochmittelalterlichen Minne. Wir stellen im Podcast das Album „Edda, volume 1“ vor. Die Scheibe ist jetzt frisch auf dem Musikmarkt. Es geht um die altnordische Mythensammlung der Edda, deren Überlieferungen vor allem auf zwei skandinavischen Textsammlungen aus dem 13. Jahrhundert beruhen: der Lieder-Edda (oder Ältere Edda genannt) und der so genannten Prosa-Edda (oder Jüngere Edda) des Isländers Snorri Sturluson.

Poeta Magica hat sich von diesen Mythensammlungen inspirieren lassen und ein wunderbares Album herausgebracht. Die Gruppe nimmt sich alle künstlerischen Freiheiten, derer sie bedarf. Alte Musik, skandinavischer Folk, Balladen, Orchesterharmonien und Jazz – all das findet sich in den Stücken wieder. Poeta Magica ist an sich schon bekannt dafür, ein unglaublich reichhaltiges Instrumentarium einzusetzen. Das Quartett hat sich aber noch Gastmusiker ins Boot geholt, darunter skandinavische Künstler.

Poeta Magica

Kampf ums wahre Schlachtfeld

2009 jährt sich ein Ereignis zum 2000. Male, das nicht nur die moderne Reenactmentszene tief bewegt, sondern damals ein Wendepunkt in der Geschichte des Römischen Reiches war: Die Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus. Es gab danach freilich noch etliche weitere Kämpfe zwischen Römern und Germanen, aber letztlich bedeutete diese Schlacht das Ende des römischen Engagements in Niedergermanien, das Imperium zog sich an den Rhein zurück und errichtete später den Limes. Der Rest ist Geschichte.

Der 2000. Jahrestag wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Zunächst einmal gärt es zurzeit wieder in der wissenschaftlichen Welt. Offiziell gilt Kalkriese im niedersächsischen Osnabrücker Land als der wahrscheinlichste Ort für die Varusschlacht. Es gibt indes rund 500 andere Vorschläge. Den mageren geografischen Auskünften antiker Autoren wie Tacitus können eben zig Varianten entnommen werden. Und so hält der Streit unter den Forschern weiter an, und wird seit einigen Wochen wieder kräftig angeheizt. Im Zentrum stehen die Münzfunde von Kalkriese und die antiken Texte, die die Schlacht beschreiben. Das stellen wir im Podcast vor.

In diesem Jahr beginnen zudem die Arbeiten zum Nachbau eines römischen Kriegsschiffes als archäologisches Experiment. Die Schiffsbauer – die vom Westfälischen Römermuseum in Haltern koordiniert werden – nehmen es mit der Authentizität sehr genau. Die Rekonstruktion wird nach Funden aus dem 1. Jahrhundert gebaut. Das Schiff soll voll funktionstüchtig sein und kommt ab 2008 zum Einsatz. Und das bringt uns zum dritten Grund, warum wir uns jetzt des Themas annehmen. Finanziert wird der rund 230.000 Euro teure Schiffsnachbau von der kürzlich gegründeten Projektgemeinschaft „2000 Jahre Varussschlacht – Imperium. Konflikt. Mythos“. Und die hat bereits mit ersten Vorbereitungen für eine Sonderausstellung begonnen, die 2009 das derzeit verfügbare Wissen an allen drei Originalschauplätzen zeigen soll. Projektpartner sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Landkreis Osnabrück, die Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH (die den Museumspark Kalkriese betreibt), der Landesverband Lippe und der Kreis Lippe
Viertens: 2000 Jahre Varusschlacht – es liegt ja wohl auf der Hand, dass dieser Termin die Reenactmentszene geradezu elektrisiert. In diversen Foren wird schon jetzt über eine großangelegte Reenactment-Veranstaltung diskutiert. Ob dieses nun in Kalkriese oder anderswo stattfindet, ist noch unklar. Ebenso, ob es sich um eine streng abgegrenzte Darstellung rund um das Jahr 9 oder zumindest das 1. Jahrhundert handelt – oder ob eine römische Zeitschiene organisiert wird. Erste Ideen werden derzeit beispielsweise im englischsprachigen Forum „RomanArmy.com“ besprochen. Und auch Germanendarsteller, darunter Akteure der deutschen Alamannengruppe „Ulfinger“, sammeln schon jetzt Meinungen und Pläne in der Szene.

Wer aus der Szene selbst Gedanken, Ideen und Pläne hat, kann uns das gerne mitteilen. Wir sammeln diese Informationen und leiten diese an Interessierte weiter. Auch dazu mehr Anfang Januar im Magazinbeitrag auf chronico.de.

Selber in der Geschichte schwelgen

Bevorstehende Termine, das ist auch das Stichwort zu unserem letzten Kapitel für heute. Und das nutzen wir mal ganz egoistisch in eigener Sache. Seit einigen Wochen sind wir dabei, die bereits jetzt feststehenden Termin für 2007 in den chronico-Terminkalender einzutragen. Eine Aufgabe, die eigentlich nie richtig beendet ist. Aber nicht nur, weil es pro Jahr mehrere tausend historische Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Sondern weil wir unseren Kalender laufend aktualisieren. Und das ist das Schöne am Internet: Es gibt keinen Redaktionsschluss.
Wir haben schon jetzt im Januar eine ganze Menge zusammengetragen. Aber schauen Sie ruhig öfter vorbei, es tut sich dort eigentlich ständig etwas.
Was können Sie eigentlich im chronico-Kalender finden? Grundsätzlich Termine aus den 3 eben genannten Ländern. Und ebenso grundsätzlich Termine rund um Antike, Mittelalter und Renaissance. Von der Reenactment-Veranstaltung über Ausstellungen, Mittelaltermärkte, Stadtfeste, Festivals bis hin zu öffentlichen Vorlesungen an Universitäten und Tagungen. Aber wir schauen auch sehr gern über den Tellerrand. Und so darf es auch mal eine interessante Stadtführung sein, das Konzert für Alte Musik oder eine Theateraufführung. In diesem Jahr würde die Heilige Elisabeth von Thüringen ihren 800. Geburtstag feiern. Hessen und Thüringen tun es jedenfalls, und so gibt es neben Sonderausstellungen und Filmprojekten eben auch ein Theaterschauspiel über diese Frau. Auch das ist in unserem Kalender zu finden.
Die Einträge im Kalender beruhen übrigens auf Informationen der Veranstalter. Ungeprüft landen sie deshalb aber nicht bei uns. Natürlich gehen wir den Hinweisen nach und geben die Texte erst nach einer Eigenrecherche frei. Allerdings: Über Änderungen oder Ausfälle können auch wir nur dann informieren, wenn wir selbst davon wissen. Deshalb unser Tipp für Sie: Zu (fast) jedem Eintrag haben wir deshalb auch einen Link für Sie, damit Sie sichergehen können.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtspodcast“

  • Düstere Faune und Römisches erleben

    Streit um Kalkriese eskaliert; Xanten baut Hort für römische Schätze; Auferstehung einer antiken Luxusvilla in Carnuntum; Arbeiten wie die Römer in der Saalburg; Kulturtipps; „Totem“ von Faun.

  • Gladiatoren: Die „Hölle der Antike“

    Wer will schon in der Haut eines Gladiators stecken? Der Historiker Marcus Junkelmann tut das immer wieder. Auch Living-History-Darsteller reizt die Sache, zum Beispiel die Hamburger Gladiatorenschule Ludus Nemesis.

  • Grenzgänge: Roms schnelle Schiffe

    Die Themen der Novemberausgabe: Leipziger erforschen mittelalterliche Musikwelt; Mit einem römischen Schiff auf Patrouille; Bilderbuchkarriere römischer Soldaten; Tiroler wecken römische Provinzstadt auf; Von der Steinzeit zu den Wikingern…

  • Geheimnis antiker Winzer

    Unsere Themen: Mit der Römergruppe Vigilia Romana Vindriacum auf der Mosel. Das Internetmagazin „Huscarl“ gewährt Einblicke in Österreichs Mittelalterszene. Und: Das alte Europa neu gesehen.

4 Kommentare

  1. jaevla bra

    12. Januar 2007, 16:01 Uhr • Melden?
  2. Mal ein grosses Lob.

    Ich bin seit langem Fan Eurer Podcasts und fiebere jeder neuen Ausgabe entgegen. “Weiter so” und vielen Dank für die Kurzweil

    31. Januar 2007, 20:01 Uhr • Melden?
    von Jens Hildebrandt
    2
  3. Herzliche Grüße an Euch und vielen Dank für die Podcast Option.Ich lade mir seit kurzem alle Titel auf meinen MP3 Player und bin schon immer gespannt was mich erwartet!
    Weiter so, tolle Sache!
    lg
    Thomas

    11. Juni 2007, 23:06 Uhr • Melden?
    von Thomas Beham
    3
  4. Hallo Thomas! besten Dank fürs Lob. Wir sehen immer zu, dass wir spannende Themen finden und sind freilich auch immer offen für Hörer- oder Leseranregungen!

    12. Juni 2007, 18:06 Uhr • Melden?

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