Geschichtspodcast 21 Gladiatoren: Die „Hölle der Antike“

Ludus Nemesis: Retiarius (Alexander Kulisch, links) und Murmillo (Wolfgang Müller) © Marcel Schwarzenberger

Wer will schon in der Haut eines Gladiators stecken? Der Historiker Marcus Junkelmann tut das immer wieder. Auch Living-History-Darsteller reizt die Sache, zum Beispiel die Hamburger Gladiatorenschule Ludus Nemesis.

Das Spiel mit dem Tod

Es gibt eine Grundfrage, die sich viele Anhänger der Living History und der experimentellen Archäologie stellen: Wie fühlt es sich an? Beispielsweise, in einer schweren Rüstung eines römischen Reitersoldaten zu stecken? Oder wie fühlt es sich an, zu Fuß die Alpen mit dem kompletten Marschgepäck eines Legionärs zu überwinden? Oder was geht in einem Menschen vor, der vor einer johlenden Menge in einer Arena als Gladiator um sein Leben kämpfen muss?

Zugegeben, diese Beispiele zielen allesamt auf die römische Epoche. Aber sie ist auch das Schwerpunktthema dieser Podcastepisode. Sie dreht sich um das Leben der Gladiatoren. Wir beginnen mit dem frisch erschienenen Buch: „Gladiatoren – Das Spiel mit dem Tod“. Geschrieben hat es der Münchener Historiker und Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann, der mit der nun vorliegenden Fassung die bereits 2000 erschienene Erstausgabe aktualisiert hat. Damit kommen wir wieder direkt zur nacherlebten Gefühlswelt der Gladiatoren.

Der Praxistest

Junkelmann ist ein Pionier der Living History. In Zusammenarbeit und im Auftrag verschiedener Museen baut er mit Partnern seit Ende der 1980er Jahre vor allem römische Uniformen und eben auch Ausrüstungen von Gladiatoren nach. Sein besonderer Ehrgeiz liegt darin, diese Stücke nicht nur so authentisch wie möglich zusammenzustellen. Junkelmann unterzieht sie allesamt auch immer neuen Praxistests. Die Bücher dazu sind Bestseller geworden. Und auch das Gladiatorenbuch ist vor allem ein fundierter Mix aus historischen Forschungen und praxisorientierten Erkenntnissen.

Seit Jahren tourt Junkelmann mit seiner Gladiatorentruppe „Familia Gladiatoria Pulli Cornicinis“ durch europäische Freilichtmuseen. Spektakulär sind unter anderem ihre Auftritte bei Römerveranstaltungen in Xanten oder im österreichischen Carnuntum. Das macht er inzwischen seit 1997. In dieser Zeit sammelte er mit seiner Gruppe Erfahrungen zur Gladiatur wie kaum ein anderer. Dies und der wissenschaftliche Hintergrund Junkelmanns macht sein Buch zu einem Stück Basisliteratur, der sich mit diesem Zweig der römischen Geschichte befasst.

Historiker in römischen Abgründen

Klar ist aber auch: Junkelmann steckt mittendrin in der Materie. Den vergleichenden Außenblick oder ausführliche kritische Auseinandersetzungen mit dem Gladiatorenwesen darf man bei ihm nicht erwarten. Junkelmann ist Praktiker und konzentriert sich auf seine Aufgaben und deren Vermittlung. Und das finde ich absolut konsequent. Gleichwohl geht auch Junkelmann auf den blutigen Charakter von Gladiatorenspielen ein. Er beginnt sein Buch allerdings mit den etwas verdrehten Klischeebildern, die wir modernen Menschen von den angeblich stets auf den Tod des Gegners bedachten Kämpfen in der Arena haben. Die Forschung hat das etwas zurecht gerückt, und auch Junkelmann sagt von der Gladiatur, dass sie „bei aller Blutigkeit durchaus nicht das Gemetzel war, das sich die meisten Leute vorstellen“.

Er sieht die Auftritte der zwar gesellschaftlich verachteten, dennoch oft gefeierten Gladiatoren eher als „Kampfsport“. Denn: Bei aller Willkür, die einzelne Exzesse römischer Kaiser durchblicken ließen, unterlagen die Spiele strikten Regeln. Ob als Sklave gezwungen oder als freier Mann nach eigenem Entscheid in einer Gladiatorenschule eingetreten: Gladiatoren waren Profis und kosteten als solche viel Geld. Ein Lanista, also der Leiter einer Gladiatorenschule, hatte wenig Interesse daran, möglichst viele Kämpfer möglichst schnell in der Arena sterben zu sehen. Junkelmann respektiert den Abscheu Vieler über die „Hölle der Antike“, wie etwa das Colosseum in Rom einmal bezeichnet worden ist. Aber der Historiker teilt nicht die Ansicht etlicher Kollegen, diesen Teil der römischen Geschichte gleichsam stiefmütterlich zu behandeln. Für ihn zählt die Gladiatur zum ganz natürlichen Alltag der römischen Bürger. Und wer die römische Seele verstehen will, der muss auch in ihre Abgründe tauchen. Und seien wir ehrlich: Bei heutigen Inszenierungen ziehen Gladiatorenauftritte ebenfalls viele Menschen in ihren Bann.

Wider dem Klischee von Hollywood

Und Junkelmann nutzt auch sein neues Buch dazu, um anderslautende Klischees vor allem in Hollywoodfilmen wie „Gladiator“ zurechtzurücken. Auch deshalb die Neuauflage: Seit der Ersterscheinung vor gut acht Jahren haben sich die Erkenntnisse aus Forschung und eben die Praxistests wesentlich erweitert. Da darf man auch mal wieder ein neues Berichtspaket schnüren. Und das macht Junkelmann denn auch in seiner bewährten Mischung aus detailreichen Hintergrundberichten und ausführlichem Quellenmaterial samt Bebilderung. Allerdings hemmt sein Hang, die Quellen unmittelbar im Text zu bezeichnen, doch manchmal den Lesefluss. Sei es drum: Das Buch ist keine Schmökerliteratur. Es ist vor allem auch eine Sammlung von Indizien und Beweisen für Junkelmanns Sicht der Gladiatur. Denn natürlich kommen seine Interpretationen – zu denen auch der Einsatz von Gladiatorenrüstungen in der Arena gehört – nicht immer gut in der Wissenschaft an. Das mag ein Grund für Junkelmanns akribisches Vorgehen sein.

Der Autor schließt also mit seinem Werk eine Lücke, die er ausgemacht haben will. Er beschreibt sie so: „Es ist auch merkwürdig, dass die in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten so mächtig aufblühende Erforschung der Bewaffnung und Ausrüstung der römischen Armee die Gladiatur völlig links liegen gelassen hat…“ Und das, obwohl es viele Berührungspunkte zwischen beiden Bereichen gebe.

Am Anfang war der Totenkult

Übrigens: Die Ursprünge der Gladiatur verwirbeln in der etruskisch-römischen Frühgeschichte mit schwammigen Überlieferungen von Totenriten. Lange gab es gewisse Vorläufer wie rituelle Zweikämpfe, Menschenopfer oder sportliche Spiele zu Ehren der Toten. Junkelmann steigt auch mit der Suche nach den Anfängen so richtig in sein Buch ein. Er zieht vor allem zeitgenössische literarische Quellen heran, die unter anderem eben auf die Etrusker verweisen. Etliche Quellen stammen aus frühchristlicher Zeit. Die allerdings, und darauf verweist auch Junkelmann, sind vermutlich mit Bedacht eher blutrünstig geschrieben. Die christlichen Autoren hätten durchaus ein Interesse daran, die heidnischen Kampfspiele zu diffamieren, meint Junkelmann. Lange gab es eine enge Beziehung zwischen dem Totenkult und der Gladiatur. Erst in der römischen Kaiserzeit wurde das Duell so richtig zum Unterhaltungssport. Junkelmann tendiert denn auch dazu, die eigentliche Erfindung der Gladiatur den Römern selbst zuzuschreiben.

Das Buch „Spiel mit dem Tod“ ist eine minutiöse Betrachtung der Spektakel. Zunächst nimmt sich Junkelmann das gesellschaftliche Umfeld vor. Viel Platz nimmt die Untersuchung von Ausrüstung und Gladiatorengattungen ein. Letztere sind mit archäologischen Funden, aber auch mit Fotografien der junkelmannschen Rekonstruktionen versehen. Und schließlich seziert der Autor die einzelnen Phasen der Kämpfe. Ausführlich geht er auch auf andere Praktiker ein, die Gladiatur als Experiment unternehmen, vor allem auf die italienische Gruppe „Ars Dimicandi“ unter Dario Battaglia. Deutsche Zuschauer kennen die Truppe vor allem wegen ihrer dramaturgisch durchdachten Inszenierungen bei „Brot und Spiele“ in Trier. Junkelmann selbst bevorzugt eher kommentierte sowie nicht choreographierte Kämpfe. Sehr schön lesen sich die Erfahrungsberichte seiner Kombattanten, darunter Gymnasiallehrer, Studenten oder Manager. Es bleibt das Fazit: Wer tiefer in die Gladiatur einsteigen will, braucht viel Literatur. Aber um Junkelmann kommt man schlicht nicht herum.

Ludus Nemesis – die Hamburger Gladiatorenschule

Marcus Junkelmann und seine Truppe sind freilich nicht die einzigen Darsteller im Gladiatorenmetier. Nach und nach haben sich in den vergangenen Jahren einige Gruppen in verschiedenen Ländern etabliert, die mit durchaus unterschiedlichen Philosophien an die Sache gehen. Aber eines ist ihnen gemeinsam: Egal, ob die Show oder eher die experimentelle Archäologie im Vordergrund stehen, es gibt Grenzen des Darstellbaren. Die modernen Gladiatoren stellen Kämpfe nach, aber es sind keine „Spiele“ mit dem Tod. Schon deshalb achten seriöse Akteure darauf, dass ihre Ausrüstung auch den historischen Originalen entspricht. Denn so düster die Gladiatorenkämpfe uns auch erscheinen mögen, die Römer legten Wert auf Ausgeglichenheit, sprich: Ein gewisses Maß an Chancengleichheit und damit Sicherheit für die Kombattanten. Dem fügen die heutigen Darsteller je nach Bedarf noch weiche oder gepolsterte Waffenspitzen hinzu.

Nach dieser Manier operieren also die meisten Darsteller. Die Unterschiede bestehen darin, welche Aufgaben sich die Gruppen selbst stellen. Die einen sehen es mehr als historisierenden Sport, andere bestreiten vor allem Auftritte vor Publikum, und den junkelmannschen Forschungsdrang haben wir schon angesprochen. Gruppen gibt es unter anderem in Italien und Ungarn, aber auch vermehrt in Deutschland. Die jüngst frisch öffentlich aufgetretenen Gruppierungen sind die Gladiatoren der Bonner Legio Prima und Ludus Nemesis mit ihrer Hamburger Zentrale. Und diese norddeutsche Gladiatorenschule stellen wir in diesem Kapitel näher vor.

Kommentierte Zweikämpfe

Ludus Nemesis ist schon einige Jahre am Start. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Gruppe aber Ende April dieses Jahres zur Hamburger Museumsnacht im Harburger Helms-Museum. Diesem Auftritt ging einige Zeit der Vorbereitung voraus. Die Hamburger Gründerin Svenja Grosser suchte nach Mitstreitern. Sie fand sie unter anderem in Wolfgang und Isabella Müller aus dem Saarland. Beide sind ebenfalls seit Jahren in der Römerszene dabei. Aktuell neben der Gladiatur auch mit einem Projekt rund um eine römische Weintaverne im Saarland – der Taberna Vinaria. Der Vierte im Bunde beim Museumsauftritt war Alexander Kulisch aus Mecklenburg-Vorpommern.

Ich habe mich zur Museumsnacht im Helms-Museum umgesehen und mehrere Auftritte der Gladiatoren im Foyer angeschaut. Viel Platz gab es leider nicht, und der Andrang war groß. Dennoch gelang es dem Quartett ausgezeichnet, einen Eindruck von der Technik der verschiedenen Gladiatorengattungen zu vermitteln. Mit Ausnahme von Isabella Müller traten alle in Waffen gegeneinander an, auch Svenja Grosser. Und das ist durchaus nicht geschichtswidrig, denn Gladiatrices, also weibliche Gladiatoren, hat es tatsächlich gegeben. In welcher Zahl und mit welcher Alltäglichkeit, darüber gehen die Meinungen auseinander. Geschichtsklitterung betreibt Ludus Nemesis aber nicht. Dafür sorgen auch bei dieser Gruppe die Kommentare zum Auftritt. Kein Kampf ohne Erläuterungen der Schutzausrüstungen und Abläufe. Auch hier wieder, wie bei Junkelmann: Der Kampf gegen die hartnäckigen Klischees gehört zur Vermittlung. Genau das zeichnet auch Ludus Nemesis aus. Deren Mitglieder übrigens einen Großteil ihrer Ausrüstung selbst herstellen.

Gladiatoren zwischen Recherche und Alltag

Ich habe mich zwischen zwei Auftritten mit Ludus Nemesis unterhalten. Das Interview gibt es in voller Länge in dieser Podcastepisode zu hören. Wolfgang Müller berichtete nachher noch, wie nervös er und seine Mitstreiter vor ihren Kämpfen waren. So nüchtern die museale Umgebung auch sein mag, so bunt und modern das Publikum: Nachdem er seinen gut viereinhalb Kilogramm schweren Helm aufsetzte, gab es nur noch ihn und den jeweiligen Gegner. Die Zuschauer wurden zu einer gesichtslosen Masse, das Sichtfeld durch die Sehschlitze seines Helms war zusätzlich eingegrenzt. Und dann war da noch die passende Musik im Hintergrund. Die Gruppe Musica Romana war mit zwei Mitgliedern vertreten: Susanna Rühling und Albin Paulus präsentierten ein Instrumentarium, wie es auch die historischen römischen Zuschauer in den Arenen gehört haben könnten. Das Zusammenspiel passt: Getreu historischen Vorbildern begleitete Musica Romana auch die Gladiatoren um Marcus Junkelmann bei deren Auftritten in der rekonstruierten Arena im Archäologischen Park Xanten.

Im Gespräch erzählen mir die Gladiatoren von Ludus Nemesis, wie sie zu ihrem ungewöhnlichen Hobby gekommen sind. Wir klären den Ursprung des Namens, die Ausrüstungen der einzelnen Akteure und die Gladiatorentypen, die aufeinander treffen. Und danach kennt jeder Unterschied zwischen Provocator, Retiarius und Murmillo. Versprochen.

Übrigens: Ludus Nemesis suchen noch interessierte Mitstreiter. Auch das klären wir im Interview. Ergänzt sei aber noch etwas, das Wolfgang Müller mir später schrieb. Und das setze ich am besten als Zitat hier hinein: „Wir legen bei Interessenten an unserer Gruppe auch sehr viel Wert auf absolute Zuverlässigkeit, Teamgeist und Seriosität. Also Schlägertypen, sowie Leute die nur kämpfen und sich nicht mit dem Bau der Ausrüstung beschäftigen wollen, sowie sich nicht mit dem Gedanken eines Auftritts als Gladiator in der Öffentlichkeit tragen, sind bei uns fehl am Platz. Da wir schon sehr viel selbst hergestellt haben, ist natürlich auch ein gewisses Erfahrungspotential vorhanden, welches wir gerne weitergeben. Bei uns wird keiner im Stich gelassen!“

Und wenn wir schon bei Mitgliederwerbung sind: Auch Musica Romana suchen Menschen, die bei Auftritten der Gruppe mitwirken. Und zwar als Tänzer. Für antike Tänze, versteht sich, die auf Überlieferungen beruhen, nicht auf modernen Choreografien. Tatsächlich traten auch in den Kampfpausen oft Musiker und Tänzer vor dem römischen Publikum auf.

Ludus Nemesis ist in diesem Jahr unter anderem am 1. Juni zum Grabungsfest in Wareswald im Nordsaarland zu sehen.

Die Musik zum Abschluss …

… kommt wieder aus dem Podsafe Music Network. Diesmal das Stück “The One Who Got Away” von Charo Sofia

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4 Kommentare

  1. SuperRTL zeigt am 7. Juni die Dokumentation »Colosseum – Kampf der Gladiatoren« (siehe chronico-Fernsehtipp ). Die BBC-Dokumentation gibt dabei völlig neue Einblicke in das Leben der Gladiatoren.

    17. Mai 2008, 19:05 Uhr • Melden?
    von Daniel Schunk
    chronico
    1
  2. Ich habe die DVD dieser Sendung und muß sagen, daß sie mich sehr enttäuscht hat, denn die Ausrüstung ist total unauthentisch und auch sonst ist nicht alles korrekt. Und das ist bedauerlich, insbesondere wo die BBC dahintersteckt. Die beste Doku über Gladiatoren ist natürlich die von Marcus Junkelmann, die meines Wissens aber leider noch nie im TV gezeigt wurde, sondern nur über seine Website als VHS oder DVD erhältlich ist.

    18. Mai 2008, 19:05 Uhr • Melden?
    von Medusa
    2
  3. Ich habe inzwischen auch die Neuauflage des Junkelmann durchgelesen und möchte meine Rezension hiermit publik machen, die hoffentlich eine hilfreiche Ergänzung zu dem Bericht von Marcel ist:

    ****************

    Schon die erste Auflage unter dem Titel „Das Spiel mit dem Tod – So kämpften Roms Gladiatoren“ aus dem Jahre 2000 avancierte schnell zu einem Standardwerk unter Wissenschaftlern sowie historischen Darstellern von Gladiatoren. Und das auch zurecht! Akribisch legt Junkelmann die Ursprünge der Gladiatur und die Zuordnung zu den einzelnen Gattungen da, wobei er immer wieder auf frühere Werke anderer Autoren zu diesem Thema verweist und deren Beweisführung folgt bzw. sie widerlegt. Detailliert werden auch die einzelnen Rüstungsteile beschrieben, und insbesondere die Helme werden sehr ausführlich klassifiziert. Auch die Waffen, übersichtlich geordnet, werden genauestens beschrieben. Gespickt ist das ganze mit vielen Fotos und detaillierten Bildunterschriften. In den Texten sind immer wieder Verweise zu den Fotos, auch wenn es sich um Abbildungen weiter vorne oder weiter hinten im Buch handelt. Bekannt geworden ist dieses Buch auch durch den Katalog gladiatorischer Rüstungsteile im Anhang. Thematisch geordnet sind die originalen Fundstücke, die zumeist aus Pompeii stammen, und die technischen Daten wie Material, Abmessungen etc. sind akribisch aufgeführt. Abgerundet wird das ganze durch die Erfahrungsberichte der Mitglieder der Familia Gladiatoria Pulli Cornicinis.

    Die Neuauflage mit dem etwas griffigeren Titel „Gladiatoren – Das Spiel mit dem Tod“ basiert im wesentlichen auf der Ausgabe von 2000. Die neuen Erkenntnisse befinden sich im hinteren Teil des Buches, es sind aber in den ursprünglichen Texten Verweise auf die neuen Erkenntnisse eingebaut, so dass der Leser sich entscheiden kann, ob er das Buch von vorne bis hinten durchlesen oder bei jedem Thema lieber gleich auch die Ergänzung lesen möchte. Erweitert wurde das Buch auch durch hervorragende Umzeichnungen der pompeianischen Gladiatorengraffitis sowie viele Fotos von Kampfszenen der „Junkelmann’schen“ Gladiatoren. Auch das Inhaltsverzeichnis wurde ausführlicher gestaltet und die Liste mit den Gladiatorennamen erweitert. Ebenso wurde die Bibliographie um die neusten Werke erweitert und auch neue Mitglieder der Gladiatorengruppe kommen mit ihrem Erfahrungsbericht zu Wort.

    Ein Manko bleibt allerdings das weiterhin fehlende Register für Sachwörter, Orts- und Personennamen.

    Dieses Werk mag für den Einsteiger in die Materie „Gladiatur“ sicherlich zu ausführlich sein, wer sich eingehender aber mit diesem Thema beschäftigen möchte, kommt um den „Junkelmann“ nicht herum.

    02. Juni 2008, 21:06 Uhr • Melden?
    von Medusa
    3
  4. Vielen Dank, Medusa, für diese Einschätzung aus Sicht einer Aktiven!

    04. Juni 2008, 20:06 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    4

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