Söldnergeschichte Iny Lorentz’ endloser Frauenreigen

Sie kanns nicht lassen: Erneut schickt Iny Lorentz, Autorin der „Wanderhure“, eine junge Heldin durch das mittelalterliche Abendland. Amüsant, ja –, aber das Buch ist ein Dschungel aus Namen und Fakten, vermischt mit bekannten Handlungssträngen

Vom Edelfräulein zur Söldnerin

Die stolze Caterina von Eldenberg lebt im 14. Jahrhundert in Süddeutschland. Ihre Mutter gehörte einem alten deutschen Adelsgeschlecht an, ihr Vater führt in Italien eine Söldnerkompanie an und entstammt gleichfalls einem adligen Hause. Als Caterinas Mutter stirbt, bricht für die Heldin eine Welt zusammen.

So versucht der Kaufmann Trefflich eine Heirat der Jungfer mit seinem Sohn zu erzwingen. Er nimmt das junge Edelfräulein sogar gefangen und wirft sie in eine Grube. Caterina widersetzt sich dem Plan mit aller Kraft und kann fliehen. Sie nimmt einen beschwerlichen Weg auf sich, um zu ihrem Vater zu gelangen. Sie weiß, dass sie in Deutschland schutzlos dem Kaufmann ausgeliefert wäre und erhofft sich von ihrem Bruder und Vater in Italien den nötigen Schutz.

Doch als sie die viel gerühmte „Eiserne Kompanie“ ihres Vaters endlich erreicht, steht diese führerlos da. Caterinas Vater und Bruder sind erst kurz vor ihrer Ankunft einer Mordintrige zum Opfer gefallen. Die junge Frau ist völlig erschöpft und steht noch unter Schock als die Herren einiger italienischer Stadtstaaten ihre Lage auszunutzen beginnen. Jeder will die Söldnertruppe für sich, die Caterina gerade eben geerbt hat. Sie schafft es jedoch, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Absichten der anderen zu durchschauen. Kurzerhand übernimmt sie selbst die Führung der Kompanie.

Ein alter Vertrauter ihres Vaters unterrichtet Caterina in Kriegsführung, und hilft ihr, die politischen Verstrickungen zu durchschauen. Dass die Kompanie unter der Führung einer Frau nicht als ernste Bedrohung gesehen wird, verhilft Caterina zu ihren ersten Siegen. Aber ihre für damalige Verhältnisse seltsame Rolle (historisch auch eher fragwürdig) erschwert ihr auch das Unterfangen, den Rang und guten Namen der Kompanie zu erhalten. Dennoch schlüpft sie schnell und so umfassend in die Rolle ihres Vaters, dass sie sogar dessen Mätresse als eigene Geliebte übernimmt. Erst zum Ende des Romans findet sie zu sich – und zu ihrer großen Liebe.

Vernebelter Blick auf die Handlung

Immer wieder beschreibt die Autorin in langen Passagen die Hintergründe der vielen verschiedenen Personen und deren Intentionen. Durch die vielen kleinen Stadtstaaten, Unklarheiten und Intrigen unter den Herrschaften, fällt es schwer, die Übersicht zu behalten. Die Figuren bleiben undurchsichtig.

Ich habe es als sehr anstrengend empfunden, zu verfolgen, wer mit Mailand und dessen Verbündeten sympathisiert und somit für ein vereintes Italien kämpft. Und wer dagegen steht. Die wenig geläufigen italienischen Titel und Namen vernebeln dem ein oder anderen Leser sicher zusätzlich den Durchblick im Figurenreigen.

Die Geschichte Italiens bleibt im Hintergrund. Es gibt in diesem Roman keine größeren historischen Ereignisse, welche die Handlungen der Personen wesentlich beeinflussen. Lediglich der Handlungsrahmen ist in manchen Punkten durch die reale Geschichte vorgegeben.

Fazit

Die Geschichte der Caterina von Eldenberg (italienisch: Monte Elde) ist wieder die einer sehr mutigen und rebellischen Frau, die mit den Grenzen und Gesetzen ihrer Zeit in Konflikt gerät. Schon wie Lorentz’ frühere Romanfigur aus den „Wanderhure“-Büchern geht auch Caterina als heroische Siegerin aus dem Geschehen hervor. Auch die Liebe, die unter ungewöhnlichen Umständen entsteht, und auf Umwegen zu ihrem glücklichen Ende findet, fehlt in diesem Roman nicht. Alles schon einmal da gewesen.

Allgemein finde ich „Die Löwin“ unterhaltsam, zwischendurch aber etwas zäh. Der historische Rahmen ist besser dem Anhang zu entnehmen, wo die wichtigsten Fakten auf drei Seiten aufgelistet sind.

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