Geschichtspodcast 14 Auf Ohrenreise zu den Skythen

Goldener Kamm mit der Darstellung einer Kampfszene aus dem im Dnjeprgebiet gelegenen Solocha-Kurgan (5. bis 4. Jh. v.Chr.). © Staatliche Eremitage St. Petersburg

Gold aus skythischen Gräbern glänzt derzeit in Berlin. Die Kunsthistorikerin Birge Tetzner produziert den Podcast zur Ausstellung und den Audioguide für Besucher. Ein Blick hinter die Kulissen – mit akustischen Leckerbissen.

Neuland für Geschichtsfans

Die Liederhandschrift Codex Manesse, Ägyptens versunkene Schätze, Albert Einstein – das sind einige der Themen, die Birge Tetzner mit ihrem Ein-Frau-Unternehmen audio Konzept für Menschen bearbeitet, die hören wollen. In Ausstellungen, in Hörbüchern und neuerdings auch mit Podcasts. Ihr Skythen-Podcast begleitet die derzeit laufende Ausstellung „Im Zeichen des Goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen“. Die ist noch bis zum 1. Oktober dieses Jahres im Martin Gropius Bau in Berlin zu sehen. Tetzners Podcast ist einer der ersten, der sich komplett einer historischen Ausstellung widmet. Grund genug also für chronico, Birge Tetzner für den Geschichtspodcast ans Mikrofon zu holen.

In dieser Episode unseres Geschichtspodcast sprechen wir mit der Berlinerin über ihre Arbeit mit Archäologen, professionellen Sprechern, Soundeffekten und dem ganz großen Ziel: komplexe Themen, wie die Kultur einer längst vergangenen Zivilisation, für moderne Menschen erlebbar zu machen. Allein durch akustische Methoden. Tetzner zeichnet neben dem Skythen-Podcast auch für den Audioführer zur Ausstellung verantwortlich. Dort bereitet sie als Autorin die Geschichte der Steppenvölker in klar umrissenen Texten auf. Zwölf Podcastfolgen produziert Tetzner zudem, die sie selbst spricht und in denen sie ihre Interviews mit Hermann Parzinger, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und Initiator der Skythenausstellung, aufbereitet.

Das gesamte Skypeinterview mit Birge Tetzner hören Sie in dieser Podcastepisode, begleitet von Ausschnitten aus der aktuellen Folge des Skythen-Podcasts vom 10. August und einem Stück aus dem Audioguide zu diesem Ausstellungsobjekt: dem goldenen Kamm mit einer Kampfszene aus dem im Dnjeprgebiet gelegenen Solocha-Kurgan.

Skythische Kultur in Berlin

Es sind vor allem DAI-Grabungen der vergangenen Jahre, die den Anstoß zu Skythenausstellung gaben. Die Schau ist der Versuch, erstmals sämtliche Aspekte zur Geschichte der eurasischen Steppen vom 8. bis zum 3. vorchristlichen Jahrhundert zusammenzutragen.

Die skythische Kultur der Reiternomaden entstand im südsibirischen Raum, an den Grenzen zu China und zur Mongolei. Sie breitete sich bis ins Karpatenbecken aus; Spuren ihrer Kunst finden sich auch im heutigen Ungarn und Polen – Zeichen früher Handelsbeziehungen zwischen Ost und West.

Darstellungen von Pferden und Hirschen sowie die reiche Gräberkultur prägen die Fundstätten der Völker, die wir unter dem Namen Skythen kennen. Der kurze Reiterbogen ist zu einem Synonym für die überlegene Taktik der Steppenkrieger geworden. Für europäische Zeitgenossen beschrieb der griechische Geschichtsschreiber Herodot die Skythen erstmals im 5. Jahrhundert v.Chr. Am Schwarzen Meer kamen die Griechen mit der ihnen so fremd anmutenden Kultur in engen Kontakt. Auch diese Seite zeichnet die Berliner Ausstellung nach. Mit zehn Themengebieten nähern sich die Ausstellungsmacher den Skythen, flankiert von Fundstücken aus mehreren Ländern.

Transmongolia – die Musik zur Ausstellung

Ein Großteil der Hintergrundmusik im Audioguide stammt aus dem Tonstudio des Berliner Komponisten Rupert Schellenberger, mit dem Tetzner auch für das Hörspiel zum Codex Manesse zusammenarbeitete. Der Autorin lag aber auch daran, dem akustischen Begleiter durch die Ausstellung einen authentischen Rahmen zu verleihen. Den passenden Sound liefert somit auch das Ensemble Transmongolia um den mongolischen Musiker und Sänger Hosoo. Traditioneller Kehlkopfgesang und Klänge althergebrachter Instrumente wie der Pferdekopfgeige verleihen der Musik des Ensembles einen unverwechselbaren Ton. Transmongolia experimentiert auch mit modernen Sounds und Didgeridoos.

Die Musikbeispiele in diesem Geschichtspodcast stammen vom Transmongolia-Album „Gesang des Himmels“. Mit freundlicher Genehmigung von Hosoo & Transmongolia. Die Ausschnitte aus dem Skythen-Podcast und dem Audioführer zur Ausstellung mit freundlicher Genehmigung von audio Konzept.

Praxishandbuch für Bogenfans

Einen Buchtipp haben wir in dieser Podcastfolge auch noch für Sie: das frisch im Verlag Angelika Hörnig erschienene Buch „Bogenschießen – Ausrüstung und Zubehör selbst gemacht“. Das 224 Seiten umfassende Werk richtet sich an Fans traditionellen Bogenschießens. Eine Jahrtausende alte Kunst, die freilich auch die Skythen perfekt beherrschten.

Das Buch ist keineswegs allein den überlieferten Techniken vergangener Kulturen gewidmet. Das traditionelle Bogenschießen hat viele Einflüsse und erfuhr auch in den vergangenen gut 100 Jahren etliche Entwicklungen. Gemeinsam ist sämtlichen Spielarten die völlige Abwesenheit von moderner Spitzentechnik, wie sie im Bogensport verwendet wird. Viele Anhänger interessieren sich inzwischen dafür, wie sie selbst Bogen, Pfeile, Köcher und Zubehör herstellen können. Für sie ist das Praxishandbuch eine wahre Fundgrube.

Materialkunde, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, gutes Bildmaterial und vor allem eine erstklassige Autorenriege prägen den Band. Die Autoren sind Experten auf ihrem Gebiet, die ihre Kunst oft autodidaktisch über die Jahre hinweg gepflegt haben. Darunter auch Volker Alles, Chefredakteur des Szenemagazin „Traditionell Bogenschießen“, das ebenfalls im Verlag Angelika Hörnig erscheint.

Volkmar Hübschmann (Herausgeber); Bogenschießen – Ausrüstung und Zubehör selbst gemacht; Verlag Angelika Hörnig; Ludwigshafen; 2007; ISBN 978-3-938921-03-6; 224 Seiten mit 560 Fotos; gebunden; 39,80 Euro.

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2 Kommentare

  1. Ich kann den geschichtspodcast nicht mehr mit itunes bekommen. Es wird eine Fehlermeldung produziert.
    Den Podcast 14 kann ich aber auch online nicht hören, ebenso Nr. 9. Bei den anderen ging es.

    18. November 2007, 20:11 Uhr • Melden?
    von Hediger
    1
  2. Danke für die Pannenmeldung: Tatsächlich hat der externe Serveranbieter, über den viele unsere Episoden laufen, vor 2 Wochen eine technische Panne. Dabei sind viele Podcastdateien verschiedener Podcaster durcheinander geraten. Nicht alles ist wieder zurechtgerückt worden. Und ich habe soeben erst durch Nachfragen davon erfahren. Insgesamt waren 4 Episoden vom Geschichtspodcast betroffen, darunter auch diese hier. Alles ist nun wieder bereinigt. Für die zwischenzeitliche Verwirrung bitte ich um Entschuldigung. Und bei dem Serveranbeiter werd ich mal ein ernstes Wort los.

    18. November 2007, 21:11 Uhr • Melden?

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