Mongolen Neuigkeiten von Dschingis Khan

1220, irgendwo in den mongolischen Steppen: Dschingis Khan ruft mit Karakorum seine Hauptstadt aus. Eine Stadt aus Stein, ein Handelszentrum, der Mittelpunkt eines Weltreichs - all das geschaffen von Nomaden. 1576 ist die Stadt nur noch ein bedeutungsloser Flecken, der zum letzten Mal in den Chroniken erwähnt wird. Dann bleibt nur noch Staub, in dem heute die Archäologen graben. Was sie zu Tage fördern, das ist Teil eines Bildbandes aus dem Theiss Verlag.

Spannende Reise in die Vergangenheit

Temporeich, gehaltvoll, unterhaltend und doch wissenschaftlich fundiert – so lässt sich das Buch gut und gerne umschreiben. Vier Autoren – darunter zwei deutsche Fernsehjournalisten, eine mongolische Kollegin und der deutsche Ausgrabungsleiter in Karakorum, Hans-Georg Hüttel, – starteten gemeinsam den Versuch, ein geschlossenes Bild vom mittelalterlichen Mongolenreich abzuliefern. Entstanden ist das Werk als Begleitband zu einer zweiteiligen ZDF-Dokumentation.

Das Ergebnis ist aber alles andere als ein aufgepeppter Abklatsch der TV-Bilder. Natürlich beherrschen die Autoren einen gefälligen und flotten Erzählstil. Doch Einsteigern wird gerade das die Lektüre und damit auch das Verständnis für die Zusammenhänge erleichtern. Und so passt die Sprache auch zum Beginn des Buches, wo wir aus Sicht des mittelalterlichen Abendlandes etwas von der Begegnung der Christen und Muslime mit dem asiatischen Steppenvolk erfahren.

Wenig wussten die Europäer von den Mongolen, die da unaufhaltsam vorwärts drängten. Bis es 1241 zur Katastrophe von Liegnitz kam, als ein vereinigtes Heer aus Söldnern, Polen, Deutschrittern, Templern und Johannitern hoffnungslos aufgerieben wurden. Der Taktik der Reiterheere hatten die schwerfälligen Ritter wenig entgegenzusetzen. Die hochmittelalterliche Minnewelt traf auf asiatische Kampf- und Reitkunst sowie enorme Disziplin in der Schlacht. Die Dramatik der Ereignisse ist beim Lesen gut zu spüren.

Der Khan und seine Stadt

Es folgt ein Rundblick über die Ursprünge des später erst so genannten Dschingis Khan und dessen Familienverhältnisse. Die Autoren bedienen sich ausgiebig in den zeitgenössischen Quellen, vor allem der “Geheimen Geschichte der Mongolen”. Das bringt Farbe in den Text, allerdings birgt die hemmungslose Verwendung dieser Quelle eine Gefahr: Der Leser kann kaum zwischen gesicherten Fakten und bloßem Nacherzählen unterscheiden. Eine saubere Kennzeichnung wäre hier angebracht gewesen. Andererseits sind die “Geheime Geschichte” sowie die Berichte des Wilhelm von Rubruk und des persischen Ministers der mongolischen Il-Khane, Raschid ad-Din, wichtige Quellen für Historiker.

Wohltuend sachlich geht es im Kapitel über die archäologischen Grabungen in Karakorum zu. Der Archäologe Hüttel begann mit seinem Team 1999 die Arbeiten im Zentrum der mongolischen Steppe. Durch ihn erfahren wir von der Suche vieler Forscher nach dem wahren Standort der alten Hauptstadt. Noch immer ist nicht ganz klar, welche Gebäude die Wissenschaftler bislang eigentlich ausgegraben haben. Ist es schon der Palast von Dschingis Khans Sohn Ögödei oder “nur” ein buddhistischer Tempel, wie die Fundlage zu erweisen scheint?

Der Autor seziert die jahrelangen Arbeiten und legt seine Argumente und Thesen dar. Damit präsentiert das Buch neben bekannten Fakten zur allgemeinen Geschichte der Mongolen auch aktuelles wissenschaftliches Material. In diesem Kapitel finden wir ebenfalls zeitgenössische Zitate wieder, die den einen oder anderen Fund in der Stadt erklären könnten – sauber vom restlichen Text getrennt diesmal.

Die Suche nach der Wahrheit

Nach den Eroberungen und den Ausgrabungen wenden sich die Autoren dem Bild zu, dass die mongolische Herrschaft über das Riesenreich bis heute hinterlassen haben. Was steckt wirklich hinter der sagenhaften friedlichen Periode innerhalb der Reichsgrenzen – der “Pax mongolica”? Wie funktionierte das Militärwesen? Was geschah beim Zerfall des Vielvölkerstaates? Diese Fragen greifen die Autoren auf, und hinterfragen Legenden und Chroniken auch auf kritische Weise.

Und schließlich liefert die mongolische Journalistin Khasbagana Ariunchimeg ein anschauliches Bild vom Leben der Nomaden in der Steppe. Den historischen Fakten fügt sie einen Blick auf die heutigen Mongolen hinzu, die noch immer vielfach mit ihren Herden ein einfaches Leben führen. Abgerundet wird das Werk durch Kurzporträts ausgewählter Mongolenherrscher und eine detaillierte Zeittafel.

Fazit

Das Buch wendet sich an Einsteiger, die eine Sache gern aus vielen Blickwinkeln betrachtet wissen möchten. Es ist reich illustriert und bietet Hintergrundinformationen und gutes Kartenmaterial. In übersichtlichen Kapiteln bietet das Werk eine gute Hinführung zum aktuellen Wissensstand.

TV-Tipp Der ZDF-Zweiteiler “Die Mongolen” wird jeweils um 19.30 Uhr am Sonntag, 29. Mai, sowie am Sonntag 5. Juni, in der Reihe “ZDF-Expedition” ausgestrahlt.

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