Weltkulturerbe Quedlinburgs Schlossberg droht der Abrutsch

Kaum eine Stadt in Deutschland bietet so viel Mittelalter auf engstem Raum wie Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Der Schlossberg gehört mit seinen Gebäuden seit 1994 gar zum Unesco-Weltkulturerbe. Doch dieses Erbe ist in Gefahr. Wie Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre in Magdeburg mitteilte, könnten Teile der Stützmauer des Schlossbergs abrutschen.

Um die unmittelbare Gefahr zu bannen, will das Land noch im September rund 200.000 Euro für eine erste Absicherung bereit stellen. Dies sei so schnell möglich, weil es sich bei dem Geld um Fördermittel handele, die von einigen Kommunen nicht abgerufen wurden. Allerdings seien mindestens 15 Millionen Euro nötig, um ein Abrutschen der Sandsteinfelsen dauerhaft zu verhindern. Sachsen-Anhalt sei sich seiner Verantwortung für das Unesco-Weltkulturerbe bewusst, sagte Daehre. Das Land allein sei jedoch mit der Aufgabe überfordert. Die ganze Nation sei hier gefordert.

„Der Schlossberg rutscht schon seit langem“, sagte Oliver Schlegel, Kreisarchäologe beim Landkreis Quedlinburg. Die Sandsteinkuppe sei vermutlich schon zu ottonischen Zeiten verwittert gewesen. „Und seitdem sind die Bauten stetig erweitert worden.“ Das enorme Gewicht dieser Gebäude tue ein Übriges, um den Zustand des Berges zu destabilisieren. Die Stadt geht seit Jahren gegen den drohenden Verfall an, doch letztlich fehlt es ihr an eigenen Mitteln für den großen Wurf.

Alle Aufmerksamkeit gilt der Stützmauer am Berg. Doch die nötigen Betonmassen und das Verfahren selbst sei sehr teuer, sagte Schlegel. „Daher ist die Aufforderung des Bauministers ein wichtiges öffentliches Signal.“

Quedlinburgs Innenstadt ist reich mit Zeugnissen des Mittelalters bestückt. Die komplette Altstadt mit mehr als 1200 Fachwerkhäusern, die Stiftskirche mit dem Domschatz und schließlich der Schlossberg gehören als Ensemble zum Weltkulturerbe. Schon die Ottonen unterhielten im 9./10. Jahrhundert eine Kaiserpfalz. Damit gilt Quedlinburg als eine der wichtigsten Städte des frühen Kaiserreiches.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtsszene“

  • Kurzurlaub unter Wikingern

    Man kann die Wikinger der „Schlechten Saat“ nicht lang allein lassen. Nicht, dass sie ihr Dorf in Niedersachsen nicht in Schuss halten würden. Im Gegenteil: Es passiert ständig etwas. chronico kehrt zur Siedlung zurück.

  • Den alten Künsten auf der Spur

    Was immer Archäologen finden, diese Frage taucht garantiert auf: Wie haben sie es damals gemacht? Die Archäotechnik kann einige Antworten liefern. Aber was bedeutet sie tatsächlich für die Altertumswissenschaft?

  • Auf römischen Spuren am Teutoburger Wald

    Römer in Ostwestfalen Lippe – das klingt nach Hermannsdenkmal und Varusschlacht. Erinnerungen, die in der Gemeinde Augustdorf mit Leben erfüllt werden. Ein Blick hinter die Kulissen.

  • Zeitlose Musik am „Sonnentempel“

    Das Schloss Goseck in Sachsen-Anhalt hat schon einiges erlebt: Benediktiner, Pfalzgrafen, Weltkriegsflüchtlinge und Verfall. Seit 1998 wird aber in den mittelalterlichen Mauern am äußerst lebendigen Klang alter Musik gefeilt.

Ihr Kommentar zum Artikel „Quedlinburgs Schlossberg droht der Abrutsch“


Sie sind angemeldet als

abmelden