Acht Rechtlosigkeit für Verurteilte

Die Acht ist ein weltliches Rechtsmittel, das frühmittelalterlichen Rechtsvorstellungen abgeleitet ist. Bis zum Spätmittelalter ist damit die Rechtlosigkeit gemeint, die einen Verurteilten aus der Friedensgemeinschaft ausschließt – meist wegen schwerer, ehrloser Verbrechen (Totschlag, Brandstiftung, Notzucht). Diese Rechtlosigkeit barg für den Betroffenen die stete Gefahr, ungesühnt erschlagen zu werden. Jedermann hatte das Recht dazu.

Seit karolingischer Zeit konnte das Königsgericht die Acht für das ganze Reich aussprechen. Grafengerichte konnten ebenfalls Urteile fällen, die allerdings nur für ihren Zuständigkeitsbereich galten. Schon die Weigerung eines Angeklagten, vor ein Gericht zu erscheinen, konnte die Acht nach sich ziehen. Prominentes Opfer dieser Rechtsprechung: Der Welfenherzog Heinrich der Löwe, der 1179/80 trotz dreimaliger Ladung des Gerichts, sich der Anklage wegen Landfriedensbruch zu erwehren, nicht erschien.

Seit dem 13. Jahrhundert führten königliche Landgerichte so genannte Achtbücher, um die Vollstreckung der Urteile zu kontrollieren. Ein Achtspruch wegen Landfriedensbruch wurde oft auch in Landesverweisung umgewandelt, die den Verurteilten untersagte, in bestimmten Gebieten zu erscheinen. Die Acht ist strikt vom Kirchenbann (siehe Bann) zu unterscheiden).

Literatur: Wilhelm Volkert; Adel bis Zunft, Ein Lexikon des Mittelalters; C.H.Beck; München; 1991

Artikel aus der Rubrik „Chronik“

  • Plaudereien eines balneators

    Wie sah er wohl aus, der typische Tag im Leben eines römischen Bademeisters? Über Langeweile kann Cornelius, unser fiktiver balneator in den antiken Trierer Thermen nicht klagen. Dies ist seine Geschichte.

  • Auf Kreuzfahrerspuren in Israel

    Eine Reise, die 2009 durch Israel und Jordanien führte. Hinein in die Geschichte, zu touristischen Juwelen und aktuellen Themen des Nahen Ostens. Dieser Bericht folgt den Spuren eines gewissen Friedrichs II.

  • Politik und Kriegführung im 15. Jahrhundert

    Vor 600 Jahren begann ein Jahrhundert der Wandlungen: Entdeckungen, die Geburt neuer Reiche – und die Rückkehr der Infanterie. Marcel Bieger geht dem 15. auf den Grund.

  • Roland - ein europäischer Mythos

    Das größte Heiligtum Dubrovniks, des ehemaligen Stadtstaates an der Ostadria, war die Freiheit. Non bene pro toto libertas venditur auro, „Freiheit kann um kein Gold dieser Welt verkauft werden“, steht an der Mauer der Festung Lovrjenac.…

Ihr Kommentar zum Artikel „Rechtlosigkeit für Verurteilte“


Sie sind angemeldet als

abmelden