Antike Thermen Plaudereien eines balneators

Rekonstruierte Badeanlage im Archäologischen Park Xanten. © Tempelmeister / pixelio.de

Wie sah er wohl aus, der typische Tag im Leben eines römischen Bademeisters? Über Langeweile kann Cornelius, unser fiktiver balneator in den antiken Trierer Thermen nicht klagen. Dies ist seine Geschichte.

Lucrecias Auftritt

Beim Jupiter, was war dies heute für ein Tag! Wir sind im fünften Regierungsjahr von Caesar Caracalla (215 nach Christus). Ich arbeite hier in Augusta Treverorum (Trier) in den Thermen. Um 7 Uhr morgens fachte ich im Heizraum das Feuer an, damit die Räume und das Wasser bei Öffnung des Bades die richtige Temperatur erreicht haben. Zur fünften Stunde (10.30 Uhr) öffnete ich dann wie immer die Thermen und die ersten Frauen erschienen. Da waren schon hübsche darunter.

Eine der wohlhabenden Gäste erschien mit ihrer Dienerin, die ihr aber auch jede Kleinigkeit hinterhertrug. Nachdem Lucrecia, so hieß die junge Frau, den Eintritt von einem As bezahlt hatte, steuerte sie den Umkleideraum (apodyterium) an. In ihrer vornehmen, mit Fransen verzierten palla, den zierlichen Sandalen und dem Geschmeide schien sie mir die Badekönigin zu sein. Nach dem Ausziehen der Kleidung betrat sie zunächst das Warmbad (tepidarium). Die Dienerin trug die notwendigen Badeutensilien wie Bronzegriffschale, Schaber und Ölfläschchen. Hier setzte sie sich auf eine Bank. Die Dienerin ließ nun das Olivenöl langsam auf ihren Körper tropfen und massierte es gleichmäßig ein. Mit dem Schaber entfernte sie dann den Ölfilm inklusive Schmutz und Schweiß der Haut.

Als nächstes folgte das Heißbad (caldarium). Es war die schiere Wohltat in die Wanne mit 40 Grad heißem Wasser zu steigen. Entspannung pur! Fast 80 Grad Lufttemperatur herrschte hier. Zwei weitere große Becken mit heißem Wasser waren ebenfalls stark frequentiert. Zum Abschluss erfrischte sich Lucrecia im Becken des Kaltbades (frigidarium). Nach dem Bade nahm sie Kosmetikbehandlungen in einem Extraraum in Anspruch. Störende Härchen entfernte eine Bedienstete mithilfe einer Pinzette. Eine Friseuse kämmte nun die Haare und verpasste ihr eine modische Lockenpracht.

Zum Abschluss trug Lucrecia Rouge auf ihre Wangen auf und verteilte etwas Parfüm hinter Ohren und im Nacken. Erfrischt kehrte sie samt Dienerin zur Garderobe zurück und kleidete sich an. Doch, oh Schreck, wo war ihr Schmuck? Er war verschwunden. Großes Geschrei hub an, die Dame beschuldigte Mitarbeiter der Thermen des Diebstahls. Ungeheuerlich! Ich lege meine Hand in den Heizraum des Bades für meine Kollegen. Sie ist schließlich selbst schuld und leichtsinnig gewesen. Sie hätte ja die Pretiosen in das abschließbare Fach (loculus) legen können. Nun dieser Ärger! Die Polizei im Haus! Schließlich stellte es sich heraus, dass ein anderer weiblicher Gast den Schmuck an sich genommen hatte. Gut, dass die noch nicht das Bad verlassen hatte! Sie wurde der Polizei übergeben und die vornehme Dame bekam ihren Schmuck wieder.

Herren im Schwitzbad

Nachdem nun endlich etwas Ruhe in die Therme eingekehrt war, erfolgte zur achten Stunde (12.45 Uhr) die Glocke (tintinabulum) für die Badezeit der Männer. Wie jeden Tag betrat zu Anfang Lucius mit seinen Freunden samt Bediensteten das Bad. In der Sporthalle (palaestra) versammelten sie sich im leichten Kittel und spielten mit Ausdauer Schlagball. Die Schläge des Balls an der Wand, dazu das Rufen und Lachen der Spieler hallte laut wider.

Weitere Gäste erschienen, so dass sich das Bad schnell mit 30 Personen füllte. Einige Männer übten sich draußen im Hof im Diskus- und Speerwurf. Lucius betrat nach einer Stunde das caldarium, von außen von der Sonne beschienen. An der einen Seite lagen drei Wannen in den Apsiden. Hier ließ sich Lucius zunächst nieder und genoss das angenehm heiße Bad. Erst danach wies er seinen Sklaven an, seinen Körper mit Öl zu massieren und mit dem Strigilis (gekrümmtes Schabeisen) den Ölfilm abzuschaben. Dies erfolgte im Nachbarraum. Nach dem Besuch des Warmbades (tepidarium) traf er seine Freunde im Schwitzbad (sudatorium), die bereits den Weinkrug kreisen ließen. Es vergeht hier kein Tag, an dem nicht dem Alkohol zugesprochen wird.

Fliegende Händler preisen laut ihre Waren an, seien es Pasteten oder Wein aus Spanien. Schon war lautes Reden und Lachen zu hören. Gerade erzählte Lucius: „Wusstet ihr schon? Caligula badete immer in kaltem und warmen Parfüm!“ „Das könnte mir auch gefallen“, rief einer. Schon ertönte lautes Gelächter. Mit jeder neuen Runde schwoll der Lärm an. Noch dazu das Keuchen der Hanteln schwingenden Gäste, das Schreien der Händler. Erst vor einigen Tagen musste ich zwei Streithähne, die sich schon in die Haare gekriegt hatten, auseinander bringen. Besäufnisse und Fressorgien hat es auch schon zu Genüge gegeben.

Da frage ich mich wirklich: Wann arbeiten diese feinen Herrschaften eigentlich mal? Ich muss hier im Grunde ununterbrochen schuften, für warme Räume und die Wasserzufuhr sorgen. Den Göttern sei Dank habe ich meine Mitarbeiter, die die notwendigen Reparaturen vornehmen. Erst vor einer Woche hatte eine Leitung ein Leck.

Prachtvolle Thermen

Wie schön unsere Therme ausgestattet ist, habe ich noch gar nicht erzählt. Den Innenbereich schmücken Marmorsäulen und Mosaikböden. Marmorstatuen von Venus, Isis, den Dioskuren sowie Athleten wie Faustkämpfer und Diskuswerfer zieren die Sporthalle. Einige Baderäume sind mit farbigen Malereien versehen. Außerdem gibt es eine Bibliothek mit den wichtigsten griechischen und römischen Autoren. Arztpraxen schließen sich an. Denn fast täglich müssen Verletzte behandelt werden. Manche rutschen auf dem glatten Boden aus oder erleiden einen Herzanfall.

Das Außengelände besteht aus Gartenanlagen und der palaestra, dem Sportplatz. Hier vergnügen sich Frauen und Kinder beim Ball- und Reifenspiel. Männer tragen Faustkämpfe aus oder üben sich im Hanteltraining. Einmal im Jahr besucht auch der Kaiser die Therme. Also, hier wird es nie langweilig! Hic numquam fatigus est!

Artikel aus der Rubrik „Chronik“

  • Auf den Spuren des Decimus Iunius Brutus

    Unterwegs in Sachen „lebendige Geschichte“: Torsten Kreutzfeldt, der sich als Darsteller den frühmittelalterlichen Stadtbewohnern in Zentralspanien widmet, reiste nach Iberien.

  • Roland - ein europäischer Mythos

    Das größte Heiligtum Dubrovniks, des ehemaligen Stadtstaates an der Ostadria, war die Freiheit. Non bene pro toto libertas venditur auro, „Freiheit kann um kein Gold dieser Welt verkauft werden“, steht an der Mauer der Festung Lovrjenac.…

  • Die älteste Stadt

    „Vor Rom stand Trier eintausend und dreihundert Jahre“ behauptet eine mittelalterliche Handschrift am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt. Die These ist gewagt, doch das damit verbundene Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Konstantin…

  • Plaudereien eines balneators

    Wie sah er wohl aus, der typische Tag im Leben eines römischen Bademeisters? Über Langeweile kann Cornelius, unser fiktiver balneator in den antiken Trierer Thermen nicht klagen. Dies ist seine Geschichte.

Ihr Kommentar zum Artikel „Plaudereien eines balneators“


Sie sind angemeldet als

abmelden