Gefunden Silberschatz der Welfen

20 Silberbarren aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen beinahe unter den Auktionshammer. Im Sommer 2005 versteigerte das Welfenhaus auf der Marienburg historische Gegenstände. Die Barren wurden vor dem Verkauf gerettet und heute der Öffentlichkeit präsentiert.

Europaweit einzigartig

„Ich bin richtig glücklich“, meinte der archäologische Leiter des Niedersächsischen Landesmuseums, Martin Schmidt. „Mit den Barren haben wir eine der größten Silbersammlungen dieser Art in Europa“, sagte er auf der heutigen Pressekonferenz im Museum.

Der kostbare Fund entstammt der jahrhundertealten Münzsammlung des Welfenhauses, zu der mehr als 40.000 Einzelstücke gehören. Den Leckerbissen für Numismatiker verkauften die Welfen 1983 an die Deutsche Bank, die die Stücke seither in ihrem Niedersächsischen Münzkabinett am hannoverschen Georgsplatz aufbewahrt. Der Sammlung fehlten aber wichtige Bestandteile – eben jene 20 Silberbarren. Der Zufallsfund vom vergangenen Jahr machte die Sammlung des Münzkabinetts erstmals vollständig.

Die Barren kamen jedoch nicht zum Georgsplatz, sondern sind ab sofort als Dauerleihgabe im Landesmuseum Hannover zu sehen. Die Stücke stellen ein wichtiges Stück Mittelalterarchäologie dar, betonte Schmidt.

Rettung vor umstrittener Auktion

Verschollen waren die Silberbarren seit dem Zweiten Weltkrieg. Damals befand sich die Münzsammlung noch komplett in den Händen der Welfen. Gegen Kriegsende flüchtete die Adelsfamilie mit ihrem Hab und Gut von Schloss Blankenburg im Ostharz auf die Marienburg bei Hannover. Im Gepäck dürfte sich auch eine unscheinbare Eisenkiste befunden haben, in der die Barren in aller Eile verpackt wurden.

„Diese Kiste haben wir im Frühsommer 2005 gefunden, aber zunächst nicht beachtet, weil der Schlüssel fehlte“, sagte Mauritz von Reden, Vertreter des Welfenhauses. Von Reden und die Söhne von Prinz August von Hannover bereiteten damals eine umfangreiche Auktion mit wertvollen Stücken des Familienbesitzes vor. Der Millionenerlös wird derzeit in eine Renovierung der Marienburg gesteckt. Die Auktion ist innerhalb der Familie umstritten, viele Kritiker befürchteten einen Ausverkauf historisch wertvoller Gegenstände in alle Welt.

Kurz vor der Auktion wurde die Kiste schließlich geöffnet. Bevor sie aber tatsächlich versteigert wurden, nahm der Landesnumismatiker Reiner Cunz die 20 Silberbarren unter die Lupe. Anhand der Prägestempel sowie der Form erkannte er sie als Teil des Münzschatzes der Welfen. Unter anderem fanden sich Prägestempel der Städte Hannover, Braunschweig und Göttingen – allesamt aus dem 14. Jahrhundert stammend. Die Stücke wurden gesichert.

650 Jahre alte „Schecks“

Die Barren, teilweise in mehrere handliche Stücke zerschlagen, waren im Spätmittelalter ein beliebtes Zahlungsmittel für Großgeschäfte. Ein solcher Barren entsprach mindestens dem Gegenwert von drei Silbermark – und damit dem Kaufpreis für ein ansehnliches Stück Land.

Das Silber, meinte Archäologe Schmidt, stammt aus den Silberminen im Harz. Um den Zugang zu ihnen – und um die Herrschaft der nahe gelegenen Kaiserpfalz Goslar – stritten schon der Welfenherzog Heinrich der Löwe und Kaiser Friedrich Barbarossa. Der Zugang zum Silber bedeutete die Kontrolle des Metallkreislaufs.

Die Barrenform war vor allem bei umfangreichen Geschäften wichtig. Hauptzahlungsmittel war im 14. Jahrhundert der Pfennig. Um die Zählung großer Pfennigbeträge und damit Betrugsmöglichkeiten zu vermeiden, dienten die Barren gewissermaßen als „Scheck“. Die geeichten und mit Kontrollstempeln versehenen Stücke waren in vielen Regionen anerkannt, dafür sorgte die in den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts gegründete so genannte Barrenunion. Dieser Union gehörten viele Städte im alten Herzogtum Sachsen an, die das Münzrecht besaßen. In den seltensten Fällen blieben diese Barren aber erhalten, wenn sich das Münzwesen weiterentwickelte. „Sie wurden meist eingeschmolzen. Deshalb ist der Fund dieser Stücke ein unglaublicher Glücksfall“, sagte Schmidt.

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