Geschichtspodcast 19 Staufer-Kaiser erstaunt die Welt

Die öffentliche Geburt zu Jesi: Friedrich mit seiner Mutter Konstanze, Liber ad honorem Augusti, Petrus de Ebulo © Bergerbibliothek, Bern

Mittelalterlich oder freigeistig? Tolerant oder machtlüstern? Antichrist oder Versöhner der Religionen? Friedrich II. von Hohenstaufen (1194 bis 1250) hinterließ große Spuren in Okzident und Orient. Wir folgen ihnen in dieser Episode.

Der Mächtige am Mittelmeer

Man könnte es sich so einfach machen, und den Staufer-Kaiser Friedrich II. als „stupor mundi“, das Staunen der Welt hinstellen. So nannte ihn der englische Chronist Matthaeus Paris in seinem Nachruf kurz nach dem Tod des Kaisers. Oder man stelle ihn als schillernde Herrscherpersönlichkeit hin, dessen Leuchten alle anderen abendländischen Fürsten seiner Zeit in den Schatten stellte. Als einen Mann, der strikt seinem Ziel der Universalherrschaft folgte – und vier Päpsten das Fürchten lehrte. Oder als Universalgenie, der mit Gelehrten über Naturwissenschaft, Mathematik und Philosophie parlierte. Vielleicht auch als einen Kaiser, der wie kein anderer zwischen Okzident und Orient wandelte und Kraft seiner Diplomatie Jerusalem im Heiligen Land für die Christen zurückeroberte. Und sich danach noch immer als Freund seines muslimischen Gegenspielers, des Sultans al-Malik al-Kamil bezeichnen durfte. Man könnte sogar sagen, dass Friedrich der letzte hochmittelalterliche Herrscher war, der – salopp formuliert – den kaiserlichen „Laden“ noch wirklich in Griff hatte. Mit seinem Tod 1250 begann das Interregnum im Reich. Eine Zeit halbgarer Herrschaftsversuche von Friedrichs Söhnen und deren Widersachern. Eine Zeit, die gewissermaßen das europäische Spätmittelalter einläutete.

Es wäre so einfach, und doch würde man Friedrich damit nicht gerecht. Er vereinigt scheinbare Gegensätze in einer Person, lässt sich kaum auf Begriffe wie tolerant, ketzerisch oder genial, oder gar als erster aufgeklärter Mensch des Mittelalters reduzieren, wie es viele Autoren versucht haben. Fakt ist: Friedrich II. hatte eine phänomenale Wirkung auf Anhänger wie Gegner, quer durch die Jahrhunderte. Bislang hat es in Deutschland an einer Ausstellung gemangelt, die den Staufer in all seinen Facetten zeigt, und mit ihm auch die Welt, in der er lebte. Diese Lücke schließt nun die Landesausstellung „Kaiser Friedrich II.“ im Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch (Niedersachsen). Konzipiert hat sie der Museumsdirektor Mamoun Fansa – ein gebürtiger Syrer aus Aleppo – mit Karen Ermete. Die Ausstellung trägt den Untertitel „Welt und Kultur des Mittelmeerraums“. Am 10. Februar dieses Jahres öffnete die Schau ihre Pforten. Sie ist noch bis zum 15. Juni zu sehen. Und der Blick dorthin lohnt sich.

Der kaiserliche Bestsellerautor

Vergliche man die Schau mit einem Körper, dann schlügen in ihm gleich zwei Herzen. Ein Kernstück ist ganz oben auf der Galerie der Ausstellungsräume zu sehen. Dort geht es um das berühmte „Falkenbuch“ des Kaisers. „De arte venandi cum avibus“ heißt das naturwissenschaftliche Werk im Original, zu Deutsch: „Von der Kunst mit Vögeln zu jagen“. Friedrich war ein leidenschaftlicher Jäger vor dem Herrn. Am liebsten eben mit Falken. Er muss sich oft in der Natur und auf der Pirsch herumgetrieben haben. Die Beobachtungen, die der kaiserliche Autor da zusammentrug, kommen einem „Urknall ornithologischen Wissens“ gleich, schreibt der Berliner Historiker Michael Menzel im Begleitbuch zur Ausstellung.

Die Fachwelt lässt keinen Zweifel daran, dass Friedrich das Falkenbuch tatsächlich selbst konzipierte und schrieb. Er scheint es auf Drängen eines seiner engsten wissenschaftlichen Berater getan zu haben: den Astronomen und Aristoteles-Übersetzer Michael Scotus. Gelehrte wie er gehörten wie selbstverständlich zum kaiserlichen Hof. Auch der berühmte Mathematiker Leonardo Fibonacci, der mithalf, die arabischen Ziffern in Europa publik zu machen, stand dem Kaiser nahe. Und der schmückte sich nicht nur mit klingenden Namen, sondern las die einschlägigen Werke auch selbst und diskutierte mit Experten vieler Gebiete. Und in der Jagdkunst machte Friedrich kaum einer etwas vor. Sein Buch ist praktisch ein Loblied auf die empirische Forschung, wobei Friedrich sich auch nicht scheut, Koryphäen wie Aristoteles zu kritisieren.

Das Falkenbuch bietet also eine prächtige Gelegenheit, den Kaiser als neugierigen Forscher kennen zu lernen. Dafür geben die Ausstellungsmacher ordentlich Raum. Und spannen folgerichtig einen Bogen vom kaiserlichen Naturbeobachter zu Konrad Lorenz, dem maßgeblichen Verhaltensforscher des 20. Jahrhunderts. Das Original des Falkenbuchs verschwand übrigens schon zu Lebzeiten Friedrichs in einem seiner Kämpfe gegen die lombardischen Städte. Manfred, des Kaisers Sohn, ließ das Buch später neu anfertigen. Es lagert – Ironie der Geschichte – heute im Vatikan. Und von dort hatte selbst der rührige Museumsdirektor Fansa das Werk nicht bekommen können. Das Stück ist als Faksimile zu sehen, ebenso der normannische Prachtmantel des Kaisers, der seine Lagerstätte in Wien nicht verlassen darf. Viele Originalseiten des Falkenbuchs sind elektronisch aufbereitet zu sehen, Besucher können unter anderem in einer elektronischen Variante „blättern“.

Geier über Castel del Monte

Rund 180 Objekte von zahlreichen Leihgebern sind auf den beiden Ausstellungsebenen zu bewundern. Und es gibt eine – ob absichtlich oder nicht – sehr delikate Szene, die den naturwissenschaftlichen Part mit dem zweiten Herzstück der Schau verbindet. Viele präparierte Vögel säumen die Galerie. Sie stammen meist aus dem museumseigenen Fundus. Das Oldenburger Haus ist ja bekannt dafür, Naturkunde und Geschichte möglichst oft zu verbinden. Geht der Besucher nun an eine bestimmte Ecke der Galerie, sieht er unter sich einen Geier sitzen. Es ist just genau die Stelle, die den besten Blick zur unteren Etage auf ein fein gearbeitetes Modell des Staufer-Schlosses Castel del Monte bietet. Der Geiervogel sieht gewissermaßen gierig auf das Schloss, das zu Friedrichs schönsten Gebäuden zählt. Verpasst man gedanklich dem Vogelkörper noch ein päpstliches Wappen; die Anspielung auf den Zwist zwischen Kaiser und Vatikan wäre perfekt.

So oder so, das Bauprogramm Friedrichs ist Ausdruck kaiserlichen Machtanspruchs und bekommt damit einen Sonderplatz in der Ausstellung reserviert. Modelle, Infotafeln mit erfreulich knapp gehaltenen Texten, ein Bildschirm, der interaktive Reisen durch das staufische Architekturverständnis erlaubt, und kurze Videos machen diesen Teil bereits zu einer Erlebnistour. Neben der apulischen „Krone“ Castel del Monte geht es dort unter anderem auch um das Kastell in der italienischen Stadt Lucera. Und damit wären wir bei einem besonderen Charakteristikum des Kaisers angelangt: seinen Beziehungen zum Islam.

Friedrich II. und der Islam

Seit seiner Königskrönung trug Friedrich das Kreuzzugsgelübde mit sich herum. Er frischte es zu seiner Salbung zum Kaiser 1220 noch einmal auf. So berühmt wie katastrophal war der misslungene erste Versuch seines Kreuzzugs im Spätsommer 1227. Es starb wegen einer Seuche ein großer Teil seines in Brindisi auf die Überfahrt wartenden Heeres. Es starb einer seiner wichtigsten Unterstützer in Deutschland, der thüringische Landgraf Ludwig – der die später heilig gesprochene Elisabeth als Witwe zurück ließ. Und es starb jeder Bonus, den Friedrich beim Vatikan noch haben konnte. Papst Gregor IX., damals gerade einmal ein paar Monate im Amt, belegte Friedrich mit dem Kirchenbann. Das war der Startschuss zu jahrzehntelangen Kriegen vor allem um das friederizianische Königreich Sizilien.

In dieser Situation machte sich der Kaiser 1228 dennoch endgültig auf, traf in Palästina auf eine ihm nützliche Gemengelage aus zerstrittenen muslimischen Fürsten – allesamt Erben des großen Sultans Salah ad-Din, der 1187 Jerusalem erobert hatte. Just diese heilige Stadt bekam Friedrich durch pures Verhandlungsgeschick zurück. Am 17. März 1229 zog er dort mit seinem kleinen Heer, das nicht einen Kampf ausfocht, ein. Geholfen haben mögen ihm dabei seine engen Beziehungen zu muslimischen Gelehrten, seine Kenntnisse der arabischen Sprache und nicht zuletzt sein beglaubigter Respekt vor der islamischen Religion.

Verbürgt sind muslimische Krieger in der kaiserlichen Leibgarde. Sie alle stammten aus Sizilien, wo Friedrich in einer Mischung aus normannischer, griechischer und arabischer Kultur aufwuchs, oder eben aus Lucera. Kurzsichtig wäre nun aber, Friedrich als überaus toleranten Fürsten hinzustellen, der nichts weiter als ein Freund der Muslime sein wollte. Die islamische Gemeinde von Lucera entstand aus einer Deportationswelle, die Friedrich selbst anordnete. Er brauchte Ruhe in Sizilien und zwang die unabhängigen Muslime unter seiner Herrschaft. Viele kamen samt Familien aufs Festland. Dort immerhin wies ihnen der Kaiser eine eigene Stadt mit eigener Gerichtsbarkeit, muslimischen Schulen und Moscheen zu. Und gewährte kaiserlichen Schutz.

Die Sarazenen Luceras zählten hernach zu den treuesten Untertanen des Kaisers. Ebenso hart, aber auch respektvoll mag Friedrich mit dem Sultan al-Kamil verhandelt haben. Den er später sogar warnte, als der französische König Ludwig der Heilige zum bewaffneten Kreuzzug aufbrach. Viele Informationstafeln und Schauobjekte widmen sich diesem Teil von Friedrichs Leben. Die Museumsleute nähern sich dem Kaiser durchaus mit Sympathie, nie aber anbiedernd. Zwar bleiben die großen kritischen Töne aus – etwa zu seinem kompromisslosen Umgang mit christlichen Häretikern oder wirklichen oder angeblichen Gegnern am eigenen Hof –, allein die unterschiedlichen Sichtweisen auf Friedrich zeigen die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit. Und es wird auch aufgeräumt mit romantischen Vorstellungen von einer wilden Jugend als Straßenjunge in Palermo.

Wissenschaft im Mittelalter

Die genannten Schwerpunkte wären unvollständig ohne Ausblicke auf die Situation rund ums Mittelmeer insgesamt. Auf die Kunst der Kartographie etwa, die wiederum auf enge Kontakte zwischen Orient und Okzident auf der iberischen Halbinsel anspielt. Dazu passend gibt es viele Karten zu sehen. Auch wissenschaftliche Werke, astronomische Instrumente und unglaublich schöne Stücke sizilianischer Handwerkskunst sind zu bewundern. Darunter eine Kostbarkeit aus dem Kuwaiter Museum für islamische Kunst, auf die Museumsdirektor Fansa besonders stolz ist. Er spricht davon im Interview mit chronico, das als kompletter Mitschnitt im Geschichtspodcast zu hören ist.

Alles in allem ist die Schau eine rasante Fahrt durch eine Zeit, die sich im Grunde auf die Jahrzehnte zwischen 1180 und 1250 eingrenzen lässt. Die eine Welt zeigt, die vom Umgang verschiedener Kulturen miteinander geprägt ist. In deren Mitte ein schillernder Kaiser in einer Machtfülle sitzt, wie sie vor und nach ihm kaum ein christlicher Monarch vorweisen kann. Entsprechend universell war auch seine Herrschaftsidee. Friedrich verstand seine Macht als direkt von Gott gegeben. Ihm allein schulde er Rechenschaft. Also nicht Gottes Stellvertreter, dem Papst. Womit ein wichtiger Grund für die Feindschaft des Vatikans genannt wäre. Und auch ein Grund ist für die Romantisierung als unabhängiger Freigeist des Mittelalters in späteren Jahrhunderten. Was daran stimmt, lässt sich mit einem Besuch gut erfahren.

Interview mit Mamoun Fansa als Audio-Mitschnitt

Zum Ausstellungsauftakt sprach chronico mit dem Oldenburger Museumsdirektor Mamoun Fansa. Der syrische Wissenschaftler steht – wie Friedrich II. – selbst gewissermaßen zwischen zwei Welten: Seiner muslimisch geprägten Heimat und dem abendländischen Deutschland. Auch aus dieser Mittlerposition heraus ist seine Idee für die Ausstellung zu verstehen, verrät er uns. Und freilich aus dem naturkundlichen Ansatz des Museums. Das „Falkenbuch“ nimmt daher ganz natürlich eine zentrale Stelle im Konzept ein. Professor Fansa spricht auch über Schwierigkeiten, an Wunschobjekte für die Ausstellung heranzukommen und die Sichtweise, die Menschen in Syrien auf die Kreuzzüge und die Person Friedrichs II. heute haben. Das Interview in voller Länge hören Sie im Podcast.

Buchtipps zu Kaiser Friedrich II.

Natürlich ist zunächst das Begleitbuch zur Ausstellung zu nennen. „Kaiser Friedrich II.“ ist jetzt im Verlag Philipp von Zabern erschienen. In klassischer Manier geben renommierte Autoren – zusätzlich zum informativen Katalogteil – in 23 Essays einen Rundblick durch die friederizianische Welt. So befasst sich der Staufer-Biograf Wolfgang Stürner unter anderem mit der Aufschlüsselung von Friedrichs Herrschaftsidee. Wesentliche Stationen der Ausstellung werden in dem farbenprächtigen Band aufgegriffen und umfassend ausgearbeitet. So auch Architektur und Burgenbau der Stauferzeit. Klaus van Eickels räumt mit einigen verträumten Klischees über Friedrich auf. So etwa mit der Legende, der junge Friedrich sei in Palermo von reichen Bürgern christlicher und muslimischer Konfession versorgt worden, weil der Hof angeblich zu arm war. Tatsächlich war Friedrich als Junge ein Spielball in der Hand der Mächtigen, die nach dem frühen Tod der kaiserlichen Eltern nach mehr Einfluss gierten. Aber dass der Hof den Erben ohne Aufsicht durch die Gassen streifen ließen, scheint van Eickels mehr als übertrieben. Er bekräftigt in seinem Aufsatz jene Aussagen, die er schon 2006 als Herausgeber einer Sammlung von zeitgenössischen Urkunden traf. Auch sonst wird im Buch kritisch mit der neuzeitlichen Einschätzung des Kaisers als toleranter Genius umgegangen. In teils wissenschaftlicher, teils sehr lebendiger Sprache werfen die Autoren neues Licht in auf den Kaiser. Übrigens sind weder Buch noch die Ausstellung als Versuch zu einer lückenlosen Biografie zu verstehen. Der Kaiser in seiner hochmittelalterlichen Welt, so muss man den Ansatz eher verstehen. Und die Umsetzung gelingt den Fachautoren sehr gut. Die Musikwissenschaftlerin Annette Otterstedt legt einen äußerst stürmisch geschriebenen Beitrag vor. Mit Leidenschaft geht sie darin mit der Forschungsgeschichte zu mittelalterlicher Musik um. Sie mahnt regelrecht zur Vorsicht beim Umgang mit Untersuchungen zur historischen Musizierpraxis. Gleichwohl ist ihr Essay einer mit etlichen Aha-Effekten. Und die haben auch mit Friedrich zu tun. Der Kaiser selbst stand der Dicht- und Sangeskunst nahe. Und über den staufischen Hof, so die Theorie der Autorin, gelangte einst al-Oud, die arabische Laute, nach Europa. Und nicht, wie oft gesagt, über Spanien.

  • Mamoun Fansa und Karen Ermete (Hrsg.); Kaiser Friedrich II. (1194-1250) – Welt und Kultur des Mittelmeerraums; Februar 2008; Verlag Philipp von Zabern; Mainz; ISBN 978-3-8053-3886-8

Der zweite Band zur Ausstellung aus dem Zabern-Verlag widmet sich voll und ganz dem Falkenbuch. Auf 140 Seiten beschreiben mehrere Experten die Geschichte der Beizjagd bis in die Neuzeit. Natürlich rücken sie das Werk „Von der Kunst mit Vögeln zu jagen“ in den Mittelpunkt. Seine Geschichte, seine vogelkundlichen Aussagen und die mittelalterliche Buchkunst als solche werden auf reich bebilderten Seiten dargestellt.

  • Mamoun Fansa (Hrsg.); Von der Kunst mit Vögeln zu jagen – Das Falkenbuch Friedrichs II., Kulturgeschichte und Ornithologie; Februar 2008; Verlag Philipp von Zabern; Mainz; ISBN 978-3-8053-3886-8

Nicht ungenannt bleiben darf die als Standardwerk geltende Biografie von Wolfgang Stürner. 1997 und 2000 erschienen von ihm im Primus-Verlag die beiden Bände zu „Friedrich II.“. Der schmalere erste Teil befasst sich mit der Epoche zwischen Geburt 1194 und der Kaiserkrönung 1220. Der rund 650 Seiten starke zweite Band beschreibt Friedrichs Zeit als Kaiser bis zu seinem Tod 1250. Stürners Werk ist das in der Fachwelt wohl meistzitierte, wenn es um Friedrich II. geht. Nicht immer unumstritten, denn Stürner erweist sich dankenswerterweise als meinungsfreudig. Akribisch wühlte er sich durch Primär- und Sekundärliteratur, um sein Opus zusammenzustellen. Der Autor nimmt sich Zeit, den Kaiser, sein Umfeld, seine Gegner und vor allem die jeweiligen politischen Situationen darzustellen. Als Ersteinstieg für Interessierte in die Materie ist das Buch weniger geeignet. Es ist ein wissenschaftliches Werk. Aber eben eines, dessen Fülle bislang seinesgleichen sucht.

  • Wolfgang Stürner; Friedrich II.; Band 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194 – 1220; Band 2: Der Kaiser 1220 – 1250; 2. überarbeitete Aufl. 2003, 2 Bände (nur geschlossen beziehbar); Primus-Verlag; Darmstadt; ISBN 978-3-89678-483-4

Schon angesprochen ist ein Buch des Forschers Klaus van Eickels, das er gemeinsam mit Tania Brüsch 2006 bei Patmos herausgab. Kaiser Friedrichs Leben und Persönlichkeit wird darin in Quellen des Mittelalters beschrieben. Auch hier reicht die Palette von Geburt bis zum Tod. Saftig sind darin zum Beispiel die Pamphlete, die sich Friedrich und Papst Gregor IX. gegenseitig um die Ohren schlugen. Friedrichs Kanzlei war letztlich ein Hort der rechtsgelehrten und diplomatischen Schreibkunst. Dort wie im Vatikan entstanden flammende Brandreden gegen die jeweils andere Seite. Daran und an den Werken zeitgenössischer Chronisten lässt das Buch den Leser teilhaben. Fantastisch!

  • Klaus van Eickels, Tania Brüsch (Hrsg.); Kaiser Friedrich II. – Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters; Patmos; Januar 2006; Düsseldorf; ISBN 978-3-491-69134-6

Schließlich noch zwei Bücher, die es derzeit wohl nur im Antiquariat gibt. Da ist zum einen das Buch des italienischen Wissenschaftlers Francesco Gabrieli: „Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht“, in den 1970ern bei dtv erschienen. Sie sind bis heute das Beste, was es an Zusammenstellungen zeitgenössischer muslimischer Quellen zum Thema Kreuzzüge gibt. Freilich befasst sich das Buch mit Kommentaren vom Ersten Kreuzzug bis zum endgültigen Fall Akkons 1291. Aufschlussreich für den Kreuzzugsgedanken, der auch Friedrich bewegte, ist es allemal. Und ihm ist ein eigenes Kapitel gewidmet, samt oft kolportierten Anekdoten zu seinem Umgang mit dem Islam.

  • Francesco Gabrieli (Hrsg.); Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht; dtv; München; 1975; ISBN 3-423-04172-2 (Hinweis für Sammler: In deutscher Erstauflage erschien das Werk 1973 im Zürcher Artemis Verlag)

Des Kaisers Fahrt ins Heilige Land schrieb der französische Autor Pierre Boulle in einer Art unterhaltsam geschriebenen Dokumentation auf. Das Buch „Der denkwürdige Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen“ erschien 1970. Beinahe minutiös folgt der Autor, aus dessen Feder auch Bücher wie „Die Brücke am Kwai“ und „Planet der Affen“ stammen, seinem kaiserlichen Helden. Ohne ihn zu vergöttern. Und übrigens ohne allzu viel selbst zu interpretieren. Für interessierte Laien mag dies ein guter Einstieg sein.

  • Pierre Boulle; Der denkwürdige Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen; Christian Wegner Verlag; 1970; Hamburg; ISBN 3-8032-0136-5

Zu guter Letzt noch ein klassischer Roman. „Federico“ von Waldtraut Lewin, bereits 1984 in der DDR und zuletzt 2006 als Neuauflage bei dtv erschienen. Das ist mal ein Geschichtsroman, den zu lesen ich wärmstens empfehlen kann! Die Autorin spielt mit beurkundeten Lebensstationen und Klischees, aber auch mit der Höllenfahrt eines Dante, das die Farben nur so sprühen. Phantasie und Historie spielen so gut miteinander, dass Lewin dem Leser beides ermöglicht: gute Unterhaltung und den Lerneffekt.

  • Waldtraut Lewin; Federico; dtv; München; 2006; ISBN 978-3-423-20880-2

Der Podcast zur Ausstellung als Gastbeitrag

Unseren Geschichtspodcast schließen wir wieder mit einem Gastbeitrag von audio Konzept der Berlinerin Birge Tetzner ab. Wie zuvor schon etwa für die Skythenausstellung 2007 in Berlin hat Tetzner auch diesmal wieder eine kleine Serie von Podcasts produziert. Diesmal also zur Friedrich-Ausstellung in Oldenburg. Die komplette erste Folge hören Sie in unserem Geschichtspodcast – mit freundlicher Genehmigung von audio Konzept. Bis zu drei Folgen sind vorerst geplant. (Auch diesen Link gibt es oben in unserer Liste.)

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