Geschichtspodcast 6 Bücherlust statt Weihnachtsfrust

5 plus 1 historische Büchertipps für den Gabentisch. © chronico

Episode vom 1. Dezember 2006: Wir frönen der Bücherlust; sehen mal nach, was sich auf einer alten Kaiserpfalz so tut; lauschen einem Mix aus Mittelalter- und Weltmusik und galoppieren mit Pferden durch die Menschheitsgeschichte.

Mit Bücherlust gegen Weihnachtsfrust

Eine kleine Einkaufshilfe zum schönsten Fest des Jahres. Fünf Titel zu unterschiedlichen historischen Themen. Fünf Bücher, die jeweils ganz unterschiedlich an die Geschichte herangehen. Fünf Kandidaten stellen wir Ihnen also vor.

Norbert Oller „Reisen im Mittelalter“

Ein wunderschöner Schmöker: Der erste Teil widmet sich den Dingen, mit denen Reisende quer durch die Jahrhunderte rechnen mussten. Den Schwerpunkt legt der Autor auf das Abendland – aber er erlaubt sich Ausblicke auf die byzantinische, islamische, fernöstliche und westindische Welt. Im zweiten Teil des Bandes bietet Ohler eine chronologisch geordnete Auswahl gut dokumentierter Reisen. Die Rede ist hier von Geistlichen, Kriegern, Pilgern, Boten und Königen. Ohler interessiert sich für die Umstände ihrer Reisen und stellt den Überlieferungen sachliche Analysen gegenüber. Das Buch ist liebevoll geschrieben und strotzt vor Faktenreichtum und aktuellen Erkenntnissen.

Verlag Artemis&Winkler; Düsseldorf; 2004; ISBN 3-538-07184-0; 500 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag; 29,90 Euro

Verlagsgruppe Patmos

Nicholas Crane „Der Weltbeschreiber“

Gelehrter, Ketzer, Kosmograph – Wie die Karten des Mercator die Welt veränderten
Mercator war es, der 1569 die erste Weltkarte mit der später so berühmten Mercator-Projektion herausbrachte. Der Kosmograph übertrug die Kugelgestalt der Erde durch seine neue Anordnung der Längen- und Breitengrade auf eine zweidimensionale Karte. Damit legte er erstens den Grundstein für die moderne Kartografie und revolutionierte zweitens so ganz nebenbei das Navigationswesen der Seefahrer. Beides beruht noch heute auf den Grundsätzen von Mercator. Der Geograf Nicholas Crane legt mit seinem Buch eine seit langem überfällige Biografie des Gelehrten vor. Crane beschreibt nicht nur das Leben des Mercator. Seine Biografie trägt zuweilen auch romanhafte Züge. Und auch hier geizt der Autor nicht mit Quellen und zeitgenössischen Zitaten. Natürlich beschreibt er auch die wissenschaftliche Arbeit des Kartografen und beleuchtet die einzelnen Schritte, die Mercator bei seinen Forschungen unternahm.

Droemer Verlag; München; 2005; ISBN 3-426-27224-5; 381 Seiten mit 32 Seiten Farbtafeln; gebunden mit Schutzumschlag; 22,90 Euro

Droemer Verlag

Roland Gschlößl „Im Schmelztiegel der Religionen“

Es ist heutzutage kaum vorstellbar, dass vor rund 2000 Jahren orientalische Religionen mit einer großen Selbstverständlichkeit in Mitteleuropa zelebriert wurden. Und doch scheint es unter der römischen Vorherrschaft eine Auffassung gegeben zu haben, wonach die vielen göttlichen Erscheinungen letztlich nur Formen EINER Gottheit waren. Und das könnte die Durchmischung verschiedener Traditionen erleichtert haben. Dieser Meinung ist jedenfalls der Autor und mit dieser Grundthese setzt er zu einer Reise durch die Provinzen und dem Götterglauben ihrer Bewohner an. Im Gepäck hat er folgende Grundfrage: „Was brachte die Römer dazu, Götter der eroberten Völker anzubeten?“ – und umgekehrt natürlich auch. Das kosmopolitische Klima eines großen politischen Verbunds förderte offenbar den ungebremsten Austausch von Religionen. Für diesen Gedanken trägt Gschlößl jede Menge Beweise in seinem Buch zusammen. Fotos und Rekonstruktionszeichnungen runden das Werk ab.

Verlag Philipp von Zabern; Mainz; 2006; ISBN 3-8053-3655-1; 144 Seiten mit 80 Abbildungen; gebunden; 24,90 Euro

Zabern Verlag

Jürgen Kaiser „Mittelalter in Deutschland“

Dieser Bildband versteht sich als Reiseführer zu historischen Stätten in der heutigen Bundesrepublik. Kaiser schreibt für Menschen, die gerne mit den Augen reisen. Schöne Bilder und kurze, flüssig zu lesende Texte, stimmen auf seine Spurensuche ein. Es geht von den Kaisern und Königen über den Adel und die Reichsbischöfe bis hin zur Welt der Klöster, Pilger und einfachen Geistlichen. Ansichten alter Städte und Dörfer runden die Sache ab. Jedem Kapitel ist eine Doppelseite mit ausgewählten Ausflugstipps beigestellt – samt Öffnungszeiten, Karte und Internetadresse.

Theiss Verlag; Stuttgart; 2006; ISBN 3-8062-2005-6; 160 Seiten mit 120 farbigen Abbildungen und Karten; gebunden mit Schutzumschlag; bis 31. Januar 2007 Einführungspreis von 34,90 Euro (danach 39,90 Euro)

Theiss Verlag

Holger Richter „Die Hornbogenarmbrust – Geschichte und Technik“

Eine Spezialität für Leute, die Spaß an akribisch vorgelegtem Datenmaterial, einer Fülle von Detailfotos und vor allem am Nachbauen haben. Der Autor widmet sich in seinem Buch der Hornbogenarmbrust, und zwar ganz speziell den Modellen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Richter befasst sich seit rund 20 Jahren mit der Thematik. Die Objekte seiner Studien sind ausschließlich Überreste historischer Waffen, die in Museen zu finden sind. „Wir haben die das nur gemacht?“, fragte sich Richter. Was ihn umtreibt, ist die faszinierende Technik, die in den Schusswaffen steckt. Die Hornbogenarmbrust ist ein Wunderwerk der Komposittechnik. Mehrere Werkstoffe verbanden die alten Meister zu einem Bogen, der einer rein hölzernen Waffe haushoch überlegen war. Und zum Einsatz kamen Streifen von Tierhorn, Leim und Tiersehnen, die so raffiniert zusammengefügt wurden, dass die fertige Waffe eine schier unglaubliche Kraft entwickelte.

Verlag Angelika Hörnig; Ludwigshafen; 2006; ISBN 3-938921-02-1; 192 Seiten mit 115 Abbildungen und 20 Farbtafeln; gebunden; 39,80 Euro

Hörnig Verlag

Kaiserliche Hochzeit in Tilleda

An der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt gelegen, ist die Gemeinde Tilleda der Standort einer Pfalzburg, die vor allem die Ottonen genutzt haben. Im Jahre 972 heiratete die byzantinische Prinzessin Theophano den jungen Otto II. Als Morgengabe bekam sie unter anderem die Pfalz Tilleda. Das Ereignis wird im nächsten Jahr im Freilichtmuseum der Burg gefeiert. Ein Team um den Pfalz-Archäologen Michael Dapper und Torsten Kreutzfeld organisiert mit dem Kaiserlager 2007 eine Reenactmentveranstaltung. Interessenten sollten sich schon jetzt dafür bewerben.
Die Veranstaltung am 21. und 22. Juli 2007 läuft unter dem Titel: „Theophanos Fest“. Dafür suchen die Organisatoren Gruppen und Einzeldarsteller, um sowohl Hofstaat als auch einfache Pfalzbewohner auf den Platz schicken zu können. Genauer: Slawen-Darsteller, entsprechende Handwerker, weiterhin Ungarn, Byzantiner oder Araber. Das Ziel ist also ein Spiegel der Gesellschaft im 10. Jahrhundert. Die Darstellung der Zeit um 1000 bleibt nicht der einzige Programmpunkt beim Kaiserlager. Zusätzlich organisiert Maic Gronych von der Wikingergruppe „huginn“ ein Lager ganz allein für frühmittelalterliches Handwerk. Und auch Anhänger des Hochmittelalters sollen ihren Platz auf dem Burgberg finden. Für alle Akteure gilt: Ihre Ausrüstung sollte musealen Ansprüchen genügen. Ideal sind Bewerber, die ihre Tätigkeit auch dokumentieren können. All das soll die Vermittlung für das Publikum einfacher machen.

Königspfalz Tilleda

Fabula: Auferstanden aus Ruinen

Wechselhafte Musikerbiografien: Aufmerksame Besucher einschlägiger Mittelaltermärkte und Konzerte dürften im vergangenen Jahr so einige Änderungen bei der Gruppe „Cultus Ferox“ wahrgenommen haben. 2005 stiegen Briantanus der Einsiedler und Asmon bei „Cultus Ferox“ aus. Gemeinsam mit zwei weiteren Musikern ließen sie die alte Formation „Fabula Aetatis“ wieder aufleben (die Briantanus 1995 mitbegründete und mit seinen Mitstreitern aber 2002 vorerst auf Eis legte, um dann „Cultus Ferox“ mit aus der Taufe zu heben) – nun aber unter dem Namen „Fabula“.

„Fabula“ hat nun eine CD vorgelegt, die wir mal als Debütalbum gelten lassen wollen, auch wenn es streng genommen nicht so ist. Das Album „Panta rhei“, in diesem Frühjahr produziert, bietet ganz neue Töne. Das Quartett um Briantanus hat die Weltmusik für sich entdeckt. Was die Truppe damit meint, hat Brian mal für uns zusammengefasst. Weltmusik, sagt er, sieht die Band als etwas an, das von der Natur in ihrer ganzen Mystik, aber auch von alten Völkern inspiriert wird. Heißt: archaische Elemente vermischen die Vier mit modernen Sounds. Und das klingt über das gesamte Album hinweg wirklich gut und unterhaltsam. Er und Asmon hätten als Musiker einfach mal Neues ausprobieren wollen, sagt Brian. Daher also der Ausstieg bei „Cultus Ferox“. Die Scheibe bietet viele harmonische und ruhige Momente, wartet mit einem orientalischem Touch auf – und lässt oft genug dennoch den Rhythmus der Mittelaltermarkt-Musik durchklingen. Mir hat das Zuhören viel Spaß gemacht.

„Fabula“ – das sind:

  • Briantanus (Brian Haase)
  • Asmon (Benjamin Brückner)
  • Stevoklat (Dieter Wilhelm)
  • El Sabio (Jürgen Steinke)

Fabula

Ausstellungsprojekte: Auf dem Pferderücken durch die Geschichte

Zu denen, die es mit ihrer Ausstattung besonders ernst nehmen, gehören die Mitglieder der Reenactmentgruppe „Ulfhednar“. Seit Jahren ist die Truppe unter anderem für ihre Alamannendarstellung bekannt. Sie arbeitet auch mit Häusern wie dem Alamannenmuseum in Ellwangen in Baden-Württemberg zusammen. Chef der Gruppierung ist Arian Ziliox. Wie gut seine Ausstattung ist, das können die Besucher des Focke-Museums in Bremen selbst feststellen. Dort beginnt am Mittwoch, 6. Dezember 2006, die Ausstellung „Pferdeopfer – Reiterkrieger: Fahren und Reiten durch die Jahrtausende.“

Das Focke-Museum nimmt die Besucher mit auf eine Zeitschiene, die vom 3. Jahrtausend vor Christus bis ins Mittelalter reicht. Einige Rekonstruktionen von Arian Ziliox gehören zu den ausgestellten Objekten. Die Schau will zeigen, welche Bedeutung die Pferde in den vergangenen Jahrtausenden hatten. Viele Grabfunde verdeutlichen diese Geschichte. Die Sonderausstellung in Bremen ist bis zum 25. März 2007 geöffnet.

Kurz danach legen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim nach. Vom 22. April bis zum 19. August 2007 zeigt das Mannheimer Museum für Archäologie die Ausstellung : „Pferdestärken – Das Pferd bewegt die Menschheit.“ Die Schau zeigt die Evolution vom Urpferdchen bis zum modernen Tier. Auch geografisch zieht man hier größere Kreise als in Bremen. Während dort der Fokus auf Grabfunde in Europa liegt, erzählen die Mannheimer auch Reitergeschichten aus den asiatischen Steppen. Die Ausstellung „Pferdestärken“ soll den Besuchern die vielfältigen Formen der Fortbewegung zeigen, die die Pferde in den unterschiedlichsten Kulturen ermöglichten. Das Museum versammelt für die Schau mehr als 200 internationale Leihgaben.

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3 Kommentare

  1. Ich kann diese Folge nicht mit meinem Windows Media Player öffnen. Alle anderen Sendungen lassen sich problemlos starten. Ist diese Sendung wirklich MP3? MfG, R. Kutz

    09. Januar 2007, 23:01 Uhr • Melden?
    von Rainer Kutz
    1
  2. Ja, es ist es eine mp3-Datei. Statt den Dateidownload empfehlen wir dir aber das kostenlose und bequeme Abonnement mit einem sog. Podcastcher, zum Beispiel iTunes von Apple.

    10. Januar 2007, 06:01 Uhr • Melden?
    von macx
    2
  3. Habe es auch einfach nochmal geprüft: Diese Folge ließ sich problemlos im WindowsPlayer öffnen. Wie macx sagt, Datei und Format sind in Ordnung. Möglicherweise hängt es manchmal an den Player-Programmen, wogegen wir aber nicht viel machen können. Daher ist das Abo rein technisch die beste Möglichkeit.

    10. Januar 2007, 09:01 Uhr • Melden?

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