Syrien Krieg im Wunderland

2001: Blick über Quala’at Ibn Maan auf die Ruinen und die moderne Stadt Palmyra. © Marcel Schwarzenberger

2001 reiste ich durch Syrien. Viel Geschichte und gastfreundliche Menschen. Zehn Jahre später versinkt das Land im Bürgerkrieg. Mein einstiger Reisebericht, verknüpft mit aktuellen Meldungen – ein Blick ins Paralleluniversum.

Juli 2012: Die Geschichte des Nahen Ostens ist faszinierend. Ich habe es auf diversen Reisen erlebt. So auch im September 2001 in Syrien. Wenige Monate danach schrieb ich einen Reisebericht, der bewusst nicht auf 9/11 abstellte. Bot ihn Redaktionen an, die damals nichts Touristisches aus der Region haben wollten. Dabei war die Lage in Syrien vollkommen ruhig. Angesichts der aktuellen Ereignisse habe ich meinen alten Originalbericht noch einmal hervorgeholt. Und ihn mit den Meldungen aus dem Bürgerkrieg praktisch gegen den Strich gebürstet. Die Schönheiten und die Gastfreundschaft, die ich einst beschrieb – sie sind heute der Gewalt ausgesetzt.

Palmyra: die Wüstenoase

Am Anfang ist es nur ein Brummen. Ein tiefer Ton, der von der fernen Stadt herüber weht. Und schließlich über die Ebene hinweg die Hänge des Bergkegels hinaufrollt, sich an den alten Mauern der Burg bricht. Ein Ton, der immer klarer wird, bis die Stimme des Muezzins die gesamte Festung ausfüllt und die unergründlichen Gänge und Treppen vom Klang des Abendgebetes widerhallen.

2001: Der Autor in den antiken Ruinen von Bosra, die später ebenfalls zum Kriegsschauplatz werden. © Marcel Schwarzenberger

Einst saßen Krieger der Mamluken auf dieser Burg, die die Syrer Quala’at Ibn Maan nennen, und bewachten die Wüste im Zentrum Syriens. Unter ihnen – neben grün schimmernden Dattelhainen – breitete sich ein Ruinenfeld aus, das bis heute den Reisenden vor Ehrfurcht erschauern lässt: Palmyra. Es gibt kaum eine antike Stätte in Syrien, und womöglich, abgesehen von Petra in Jordanien, keine im Nahen Osten, die sich mit der Schönheit Palmyras messen kann. Eine Oase, die an Jahrtausende alten Handelswegen liegt. Palmyra – ein Name, der nach Mythen, Myrrhe und Geheimnissen klingt. Tatsächlich stammt er aus dem Aramäischen und bedeutet Stadt der Palmen.

19. März 2011: Global Voices berichtet über erste Demonstrationen in Syrien. Vor allem der Süden wird von Protestwellen erschüttert. In Damaskus und Aleppo wird die Lage noch lange vergleichsweise ruhig bleiben – dort hat das Assad-Regime seine Hochburgen.

Datteln, Polizisten und zwei Cousins

„Die Datteln sind das Schönste an Palmyra“, meint Gassan ernsthaft. Seine Hand tunkt er immer wieder in die Schale, aus der die goldgelben Früchte leuchten. Zu Beginn der Erntezeit haben sie noch eine dunkelviolette Farbe. „Aber mit jedem Monat werden sie gelber und süßer“, sagt Gassan. Mit seinem Cousin Moutaz betreibt der 25-Jährige einen Laden mit Tabak, allerhand Kleinkram und vor allem Datteln. In dicken Bündeln hängen sie an den Verkaufsgestellen der Cousins. „Bei mir kriegst du die besten Datteln von Palmyra“, prahlt Gassan, dessen Familie selbst Dattelpalmen anbaut, „und die Datteln von Palmyra sind die besten von Syrien.“

Schnarrend tönt libanesische Musik aus einem kleinen Kassettenrekorder. Blitzschnell schnappt sich Gassan einen dicken Palmenzweig und prügelt auf den kleinen Kasten ein, bis der Ton wieder stimmt. Mit breitem Grinsen stopft er sich eine Handvoll Datteln in den Mund. Schmatzend und rauchend erwarten die Cousins die Abendkühle, in der die Menschen ihre Häuser verlassen. Dann ist Hauptgeschäftszeit in der Oasenstadt mit ihren rund 30.000 Einwohnern.

Gassans wache Augen gleiten über die vorüber eilenden Menschen. „Ich kenne mindestens 75 Prozent der Leute hier“, sagt er ernsthaft. Sein Geschäft liegt genau im Schnittpunkt wichtiger Straßen in Palmyra. Gegenüber führt ein Weg zum Ruinenfeld der antiken Stadt, daneben steht das Museum, das archäologische Schätze bewahrt. Ein Stück weiter beginnt der Basar. Immer wieder kommen Bekannte vorbei, bleiben für einen Schwatz und schlürfen den obligatorischen Tee.

Auch ein Beamter der Touristenpolizei lässt sich auf eine Wasserpfeife nieder. Aus der Küstenstadt Tartus stamme er, schnauft der Mann. Das Wüstenklima macht ihm sichtlich zu schaffen. Der Beruf sei nicht gerade ein Traumjob, bekennt er. Quer durch das Land versetze die Regierung die Polizisten. An den touristisch wichtigen Orten haben sie für Ordnung zu sorgen. „Und das für 60 Dollar im Monat.“ Viel zu tun habe er allerdings nicht. „Es kommen nicht so viele Touristen hierher“, sagt er. Und kaum ein Syrer würde es wagen, sich an Fremden zu vergreifen. Heilig ist das Gesetz der Gastfreundschaft.

„Die Amerikaner und Europäer denken doch, überall im Nahen Osten gibt es Terroristen, also auch hier in Syrien.“ Beinahe nachsichtig schüttelt Abdul den Kopf. Dabei läuft sein Geschäft schleppend, sind doch die Touristen die wichtigsten Kunden des Schmuckhändlers im Basar von Palmyra. In seinem Laden häufen sich glänzender Silberschmuck und kunstvoll verarbeitete Edelsteine. Die schönsten Stücke stammen von den berühmten Aleppiner Silberschmieden. Dennoch zeigt das feine Klingeln der Tür immer seltener an, dass ein potentieller Käufer den Laden betritt. Aber aufgeben und wegziehen? „Niemals“, sagt Abdul energisch. Auch seine Familie besitzt seit Generationen eine Dattelfarm in der Oase, der Bruder betreibt einen Minimarkt. Warum also fortgehen? Es wird auch wieder aufwärts gehen. „Inshallah“, sagt er. So Gott will.

Im Paradies der Archäologen

„Sie staunen immer wieder, wenn sie kommen. Und sie kommen fast jedes Jahr hierher.“ Stolz zeigt Abduh die von Archäologen geborgenen Schätze des Museums. Mit jeder Grabungskampagne wächst die Sammlung. Die Blütezeit Palmyras begann im 4. Jahrhundert vor Christus. Vom 4. bis 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung war die Oase vorwiegend christlich geprägt. Rund 60 Kirchen haben die Wissenschaftler bis heute ausgegraben. „Zuletzt fanden polnische Archäologen im Jahr 2001 eine Kirche“, erzählt Abduh.

Als Angestellter des Kulturministeriums begleitete der ehemalige Archäologiestudent zahlreiche Expeditionen im ganzen Land. Ob Transport oder Sicherheit – Abduh war Mädchen für alles. Für ihn die beste Möglichkeit, seinem Traumberuf nahe zu kommen. Das Studium beendete er nicht. „Geldverdienen zum Leben, das war wichtiger.“ Seit einigen Jahren arbeitet der junge Mann für das Museum in Palmyra. Und hat hier seine Bestimmung gefunden.

Mehr als einen Kilometer ist sie lang, die große Kolonnadenstraße, die mit einer Breite von elf Metern die alte Stadt durchzieht. Auf beiden Seiten erstreckt sich ein viele hundert Meter breites Feld – gespickt mit behauenen Quadern und Säulen. Den Beginn der Prachtstraße markiert eine gewaltige Tempelanlage, geweiht dem Gott Baal. Christlich, muslimisch – je nachdem, welche Religion gerade die Oberhand hatte, wurde das Heiligtum umfunktioniert und entsprechend ausgeschmückt. In der Wüstenstadt hatten die Bewohner schon immer nicht nur Sinn für das Praktische, sondern auch für die schönen Dinge.

So holte sich bereits die reiche aramäische Elite griechische Künstler in ihre Oase. Das Ergebnis, eine Mischung aus hellenischer und orientalischer Kunst, lagert tonnenweise im Museum. Seit den fünfziger Jahren wird in Palmyra im großen Stil gegraben. „Aber bis heute sind erst 25 Prozent des ursprünglichen Areals freigelegt“, sagt Abduh. Er spricht, als komme er selbst nicht aus dem Staunen heraus.

Wächter der toten Steine

„Ich wache über die Ruinen, und Allah wacht über mich.“ Turkeh, der Beduine, fällt wieder in sein Schweigen. Der Schein des Lagerfeuers spiegelt sich in den Augen des 20-Jährigen. Bedächtig zieht er an seiner Argileh, der Wasserpfeife. Der Tabak verbreitet Apfelaroma. Eine Frau, die Turkeh als seine Schwester vorgestellt hat, kommt leise aus der Dunkelheit des Zeltes, reicht den fünf Männern am Feuer frischen Tee. Der Wächter Turkeh hat Besuch bekommen aus der Stadt.

Seit zwei Stunden sitze ich schon bei den Beduinen im steinigen Niemandsland zwischen dem neuen Palmyra, dem Burgberg und der alten römischen Stadtmauer, die die Ruinen im Norden begrenzt. Es war bereits finstere Nacht als ich den steilen Hang zur Mamlukenfestung verließ. Verzaubert von der Stille zwischen den antiken Steinen, die im schwachen Licht meiner Taschenlampe nur schemenhaft aufleuchteten, fand ich bald kaum noch einen Weg. Durch Zufall stolperte ich auf die gut erhaltene Stadtmauer und ging auf ihr entlang. Irgendwann sah ich das Licht des Feuers. Ein Schatten kam auf mich zu, eine Kerosinlampe vor sich her tragend. Turkeh wies mir den Weg von der Mauer, lud mich in sein Zelt ein.

Seine Freunde stellen die üblichen Fragen. Woher und wohin, wollen sie wissen. Und was in Gottes Namen ich woanders noch sehen wolle. „Palmyra ist der schönste Ort der Welt“, sagen sie. Turkeh gießt in hohem Bogen neuen Tee in die winzigen Gläser. Nur selten mischt er sich in das Gespräch ein. Als Jüngster in der Runde hält er sich zurück. Seit vier Jahren, sagt er dann, passt er des Nachts auf die Ruinen auf. Oder auf nachtwandelnde Reisende, denke ich mir, und spare mir die Frage, wie er allein ein so riesiges Areal überschauen wolle. Möglich, dass er sich in dem Gelände, in dem Schall sehr weit trägt, auf sein Gehör verlässt. Jedes Jahr zur Hauptsaison schlägt Turkeh für sechs Monate sein dunkles Zelt vor der römischen Mauer auf. So wie vor ihm sein Vater und davor sein Großvater. Der Job sei ein Familienerbe.

17. Juli 2012: Quantara.de bringt einen Bericht des FAZ-Journalisten Andreas Kilb mit dem bezeichnenden Titel „Palmyra gehört den Räubern“. In der Mamlukenfestung hoch über den Ruinen haben sich demnach Soldaten des Regimes einquartiert, die „auf alles feuern, was sich zwischen den Ruinen bewegt“. Die Menschen leiden seit Monaten in einem immer heftiger werdenden Bürgerkrieg. Und der hat längst auch die historischen Stätten erreicht.

Der az-Zor: Leben am Euphrat

Der altersschwache Bus des staatlichen Unternehmens Karnak rumpelt in den Busbahnhof der Stadt Der az-Zor. Ohne Hektik steigen die Fahrgäste aus, durchweg Einheimische. Studenten auf dem Weg nach Hause, Familien, Soldaten auf Heimaturlaub. Auch zwei alte Beduinenfrauen, die beim Erzählen mit ihren Henna gefärbten Händen wedeln.

Der az-Zor ist Umsteigeplatz in die nördlichen Regionen. 1860 von den Türken am Schnittpunkt der Strecken Aleppo-Bagdad und Damaskus-Mosul gegründet, ist Der az-Zor heute ein typisches syrisches Provinznest mit 200.000 Einwohnern. Die einzigen Sehenswürdigkeiten sind der träge fließende Euphrat und eine Hängebrücke. Die hinterließen die Franzosen, die von 1918 bis 1946 das Land besetzten, nachdem das Osmanische Reich zerschlagen war. „Perle des Euphrats“ nennen unverbesserliche Optimisten die Stadt am Rand der Syrischen Wüste. Auch wenn der Titel etwas daneben zielt – Der az-Zor ist gerade wegen seiner abseitigen Lage ursprünglich und sympathisch. Auch hier brodelt am Abend so richtig das Leben in den Gassen des Suqs. Aber in dem Gewimmel tauchen kaum ein Rucksack und noch seltener die Shorts auf, die sonst den westlichen Touristen kennzeichnen.

In dichten Trauben schieben sich lachende junge Frauen zum Schaufensterbummel durch die engen Straßen. Längst nicht alle tragen ein Kopftuch. Und nicht nur die barhäuptigen haben sich mit Makeup herausgeputzt. Keiner der alten Männer, die vor den Teehäusern bei ihrer Argileh sitzen, macht Anstalten, diesem angeblich unislamischen Spuk ein Ende zu bereiten. Den meisten ist das Backgammon-Spiel wichtiger als die frisch gestylten Mädchen vor ihrer Nase.

4. August 2011: Der Tagesspiegel bringt einen Bericht des Korrespondenten Martin Gehlen. Fokus: Assads Sturm gegen die Rebellen geht unter anderem in Deir az-Zor weiter. Dort gab es im Juli 2011 die größten Anti-Assad-Demonstrationen seit Ausbruch der syrischen Revolte. Wie so viele andere Orte wird auch diese nordostsyrische Stadt zum Kriegsschauplatz.

Alexanders Spuren in Dura Europos

Am nächsten Tag, 90 Kilometer weiter westlich. In einer Staubfahne verschwindet der Minibus, dessen Fahrer mich an einem unglaublich öden Ort abgesetzt hat. Als dunkles Band zieht sich die Straße durch die flache Wüste. Sonst unterbricht nichts die eintönige braune Farbe. Nur ein Hinweisschild klappert leise im heißen Wind. Es zeigt auf winzige Pünktchen am Horizont. „Duro Europos“ hat jemand auf das Schild gemalt. Ich schultere meinen Rucksack und steuere auf die Erhebungen zu.

Kein Bus fährt heute diesen Punkt direkt an. Doch vor 2300 Jahren entstand hier eine hellenische Garnisonsstadt, die sich nur wenig später zu einem lebendigen Handelszentrum am Euphrat entwickelte. Seleukos, ein General von Alexander dem Großen, ließ von Dura Europos aus die Wasserstraße, die durch sein Reich führte, überwachen. Später nisteten sich die Parther ein, bevor die Römer auch dieses Stück Land besetzten.

2001: Toranlage in Dura Europos am Euphrat. © Marcel Schwarzenberger

Von der Blütezeit kündet nur noch das Palmyra-Tor, durch das der Besucher die Stadt betritt. Die massigen Wehrtürme aus gebrannten Ziegeln – das waren die Erhebungen, die ich gesehen hatte. Dahinter erstreckt sich – streng geometrisch ausgerichtet – ein 80 Hektar großes Ruinenfeld. Erdbeben, Kriege und der Zahn der Zeit haben von den meisten Gebäuden wenig mehr als die Grundrisse übrig gelassen.

Ein Abhang führt zum Euphrat hinunter. Von hier oben erschließt sich der eigentliche Reichtum dieser Region. Sattes Grün, so weit das Auge reicht. An seinen Flanken ermöglicht der Fluss die Bewirtschaftung ertragreicher Felder. Hier beginnt es, das sagenhaft fruchtbare Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Und dennoch verlor sich die Geschichte von Dura Europos irgendwann im ewigen Sand der Wüste.

29. Juni 2012: Die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen (UNHCR) publiziert Zahlen über syrische Flüchtlinge. Sie fliehen in alle Nachbarländer; auch in den Irak. Dabei spielt unter anderem die Straße von Deir az-Zor zur Grenzstadt Abu Kamal und weiter nach Kaim auf der irakischen Seite eine Rolle. Diese Straße führt an Dura Europos vorbei – und war schon wenige Jahre nach meinem Besuch eine wichtige Route: Nach dem Irakkrieg 2003 zogen hier irakische Flüchtlinge in die entgegengesetzte Richtung. Nun suchen Syrer im Nachbarland Schutz, am 29. November 2011 berichtet auch die taz darüber.

Ein Zankapfel namens Aleppo

Wie anders die Entwicklung von Aleppo, der großen Handelsmetropole. Die Hethiter eroberten sie im 19. Jahrhundert vor Christus, die Hellenen fühlten sich hier zu Hause und auch die Römer. Muslime, Byzantiner und Kreuzritter stritten um die Stadt. Eroberer kamen und gingen, sie alle hinterließen ihre Spuren auf der Zitadelle im Herzen der Altstadt, die heute zum Weltkulturerbe gehört. Johlende Hochzeitsgesellschaften umrunden beinahe jede Nacht den Burgberg in hupenden Autokolonnen. Und oben in der Festungsanlage graben noch immer die Archäologen, geben ausländische Gruppen Open-Air-Konzerte.

Aleppo verwirrt und begeistert. In den Suqs – die zu den größten und schönsten des Orients gehören – muss sich der Besucher beherzt an Eselhintern und Menschenmassen vorbeidrücken. Die Auslagen quellen über vor prachtvollen Stoffen und glänzendem Silberschmuck. Der Duft der Gewürze und der Gestank des Abfalls, der erst am Abend zusammengekehrt wird, vermischen sich zu einem undurchdringlichen Dunst. Das Geschrei der Händler, die Farben und Gerüche – der Kopf wird schwer von den Eindrücken. In diesen dunklen, durch Gestein oder Stoffdächer von der grellen Sonne abgeschirmten Gassen umschmeichelt der Orient nicht den Gast, er hämmert auf ihn ein.

Unterwegs im Christenviertel

Wie betäubt stolpere ich in eine ruhige Seitengasse. Eine hohe, aus regelmäßig behauenen Quadern gefügte Mauer weist mir den Weg. Nur hin und wieder huschen Gestalten in wehenden Gewändern über das Kopfsteinpflaster. Palmen stehen in großen Töpfen an den Ecken, die Türen sind vollkommen mit Kupferplatten belegt und reich verziert. Die meisten Häuser dieses Viertels sind saniert und glänzen wie zur Zeit der Mamluken, als das Djudaide-Viertel – das „Viertelchen“, wie es die Aleppiner nennen – errichtet wurde. Hier ließen sich die meist wohlhabenden Familien der armenischen und maronitischen Christen nieder. Bis heute leben zehntausende Armenier in Aleppo, die meisten in diesem Viertel.

2001: Idyllische Ruhe über den Dächern von Aleppo. © Marcel Schwarzenberger

Im Gegensatz zu den Suqs herrscht hier fast schon Stille. Aus den Innenhöfen ist das Plätschern von Brunnenwasser zu hören. In besonders prächtigen Häusern laden Restaurants in eine wahrhaft märchenhafte Atmosphäre ein. Fast scheint es, als würde die Ruhe nur zu den Gebetszeiten von den Glocken der Kirchen gestört. Syrisch-katholisch, maronitisch oder griechisch-orthodox – es gibt kaum einen orientalisch-christlichen Ritus, der nicht im „Viertelchen“ eine Bleibe gefunden hat. 30 Prozent der Aleppiner sind Christen. Bei aller Reserviertheit, die Christen und Moslems voreinander einhalten, hier leben sie in guter Nachbarschaft. Und gerade die Jüngeren scheren sich kaum um Religion, wenn sie sich abends in den zahlreichen Cafés und Teestuben rund um die Zitadelle treffen. An den dicht gedrängten Tischen, durch die sich flinke Jungen mit Kohlenbecken zwängen, um die Wasserpfeifen neu zu bestücken, tragen die Gäste muslimische Gebetsketten oder christliche Kreuze gleichermaßen zur Schau.

29. August 2011: In der „Zeit“ beschreibt der Student Muhammad als Gastautor die Entwicklungen in Aleppo. Und notiert unter anderem, wie sehr das Regime versucht, die verschiedenen Konfessionen gegeneinander auszuspielen. Weil angeblich nur die Regierung die Minderheiten schützen könne vor der muslimischen Mehrheit. Tatsächlich ist es in der Stadt mit der starken christlichen Gemeinschaft lange sehr ruhig geblieben. Aber die Proteste nehmen auch hier zu; auch Christen beteiligen sich an der Revolte gegen Assad.

In den Bergen der Kreuzritter

Vor 800 Jahren aber, mitten in den Wirren der Kreuzzüge, schlugen sich Christen und Moslems in diesem Land die Köpfe ein. Verbissen unterhielten die Europäer damals ein Netz von Burgen in der Nähe der Küste. Doch die dicken Mauern hatten ihnen auf Dauer wenig genützt. Saladin, der Ayyubiden-Herrscher war im ausgehenden 12. Jahrhundert der große Gegenspieler der Ritter aus dem Abendland.

Eine 1188 von ihm eroberte Burg wurde gar nach ihm benannt. Quala’at Salah ad-Din, die Saladinburg, thront eine gute Autostunde westlich der Hafenstadt Lattakia auf einem steilen Bergrücken. Die Lage ist atemberaubend. Künstliche Gräben und tiefe Schluchten umgeben die Anlage. Die Felsen sind von einem üppigen Grün bedeckt. Bis an diese Küstenregion reicht die Wüste nicht heran.

Am Fuß der Mauer kämpfe ich mit dornigem Gestrüpp. Es ist dicht und hält jeden Eindringling besser ab, als es tausend grimmige Krieger könnten. Nach einigen Stunden gebe ich den Versuch auf, die Burg von außen zu umrunden. Auf der Suche nach einem Weg war ich bis auf den dunklen Grund der Schlucht geklettert. Ein ausgetrocknetes Flussbett führt hier entlang, angefüllt mit riesigen rundgeschliffenen Steinen. Es geht immer weiter abwärts ins Nirgendwo. Enttäuscht und mit zerkratzten Beinen mache ich mich auf den Weg zurück ins Tal auf der anderen Seite des Burgbergs.

Ein Gastwirt amüsiert sich

An einer der vielen Wegkehren verführt ein mit Efeu bewachsener Zaun und der Hinweis „Restaurant Hahwal-udyan“ zur Rast. Es ist das kleine Reich von Sihad Ali, einem quirligen Gastwirt. Er führt mich zu einer Quelle, deren klares Wasser mitten durch seinen Hof sprudelt.

Eine kleine Hütte mit Küche und eine Terrasse mit Strohdach; das Restaurant besticht durch Einfachheit. Glucksend trägt Sihad das Essen auf. Er amüsiert sich über mein missratenes Abenteuer. „Ihr Europäer mit euren Ideen.“ Er gluckst immer noch und steckt einen Bekannten an, der einzige weitere Gast. Er stellt sich als Hassan der Köhler vor und streckt mir grinsend seine schwarzen Arme entgegen.

Hassans Anwesenheit erklärt die kreisrunden rußigen Flecke, die ich im Walddickicht an der Schlucht gesehen habe. Ob ich in Syrien schon mal eine Argileh geraucht habe, fragt mich der große Mann, während er seine Hände unter den Wasserstrahl der Quelle hält. Ja, sage ich. „Dann hat dein Tabak wahrscheinlich auf meiner Kohle geschmort“, meint Hassan. Als wären wir nun für ewig verbunden schiebt er mich grinsend zum Tisch. Sihad hat Hackfleisch zubereitet und reicht dazu ein Mischung aus Reis und Hirse. Frisches Fladenbrot stapelt sich zwischen den Tellern. Als Dip gibt es Joghurt aus Schafsmilch. „Bleibe doch ein Weilchen hier“, sagt der Wirt, als er mich heißhungrig zulangen sieht. Auf seiner Terrasse, sagt er, würden oft Wanderer übernachten. Doch ich will weiter.

4. Mai 2012: Der Archäologe Rainer Schreg (RGZM) berichtet in seinem Blog über Zerstörungen und Raubgrabungen im Krak des Chevaliers. Er verweist auf Meldungen, die auf immense Gefährdungen von archäologischen Stätten aufmerksam machen. Im Web kursiert dieses Video vom 15. März 2012: Es zeigt Bombeneinschläge im Ruinenfeld der antiken Stadt Apameia:

Misyaf, Homs und Hama

Im Zickzackkurs geht es nach Süden. So viel zu sehen, zu entdecken. Apamea, die hellenistisch geprägte Stadt, in deren Ruinen heute die Einsamkeit wohnt. Die legendäre Burg Misyaf, wo der „Alte vom Berge“ hauste, der mit seinen Assassinen Angst und Schrecken verbreitete. Die Glaubensgemeinschaft der Ismaeliten existiert noch immer, seit vier Jahren lässt sie die alte Burg sanieren. Die berühmteste Kreuzritterburg, der Krak des Chevaliers, überwältigt durch schiere Größe. In ihren Gängen brauchten die Ritter nicht einmal vom Pferd zu steigen. Den Arabern ist die 1271 eroberte Festung ein Symbol des Widerstandes gegen die christlichen Invasoren. Heute drehen hier die Syrer Filme über Sultan Saladin – mit Sets, die ihnen weißrussische Techniker bauen.

Hama, die streng religiöse Stadt, in der die Schaufeln riesiger Wasserräder, der Norias, zuweilen ins Trockene ragen. Wie viele Flüsse führt auch der Orontes immer weniger Wasser. Anhaltende Dürre und intensive Bewässerung hinterlassen Spuren.

Homs, das in Syrien für zwei Dinge berühmt ist: schöne Frauen und die sprichwörtliche Dummheit der Männer. Keiner weiß mehr warum, aber seit Jahrhunderten reißt das ganze Land seine Witze über die Homsianer.

2001: Die Kanisa az-Zunnar in Homs gilt als eine der ältesten christlichen Kirchen Syriens. Der Legende nach birgt sie einen Gürtel der Jungfrau Maria; sie heißt deshalb “Kirche des Gürtels”. © Marcel Schwarzenberger

Und überall, wo es öffentliches Leben gibt, hämmern die überdimensionalen Bilder des Landesvaters und Präsidenten Bashar al-Assad und seines 2000 verstorbenen Vaters Hafiz den Syrern immer wieder ein, dass die allgewaltige Baath-Partei überall die Hauptrolle spielt. Ihre forschenden Augen ruhen in Schulen, Fabriken, Busbahnhöfen, Kasernen und in Straßenzügen auf den Menschen.

Die Eindrücke verwischen. Doch es gibt einen Ort, der Ruhe und Besinnung verspricht.

1. August 2011: Die britische Zeitung „The Guardian“ publiziert einen Report über die Protesthochburg Hama. Panzer der Armee rückten dort ein. Der Bericht verknüpft die aktuellen Ereignisse mit denen aus dem Jahr 1982. Auch damals war Hama Hochburg von Anti-Assad-Protesten; gegen Bashars Vater Hafiz. Der hatte einst das Bonmot ausgegeben, dass es „mit 90 Prozent der Syrer … keine Probleme (gebe). Für die übrigen seien die Gefängnisse reserviert.“ (Zitat aus „Tages des Zorns“ von Michael Lüders, C.H.Beck 2011, Seite 165) Anfang der 1980er Jahre wagten die Muslimbrüder den Aufstand und wurden in Hama eingekesselt. Das Regime schoss mit Artillerie; je nach Quelle starben über 20.000 Menschen – keineswegs „nur“ Islamisten. Damals gab es kein Internet; die Welt nahm kaum Notiz. Heute ist das anders.

Deir Mar Musa: im Kloster

Die Hitze flimmert über den kleinen Garten am unteren Ende der Schlucht. An beiden Seiten gehen die Felsen in eine flache Wüstenebene über. Kunstvolle Bewässerung und der Einsatz der Mönche lassen an diesem Fleckchen aber viele Kräuter, Gemüse und Olivenbäume gedeihen. Seit Stunden pflücken wir die kleinen dunklen Früchte. Abseits kaut ein Maultier geduldig an dornigen Büscheln. Bruder Simon reicht mir den Lederbeutel mit frischem Brunnenwasser. „Ce bon?“, fragt er mich lächelnd. Ich nicke, und Simon lässt eine Reihe freundlicher französischer Worte folgen. Er weiß, dass ich ihn nicht verstehe, aber er spricht nun mal kein Englisch. Es macht nichts, Simon zeigt mit einfachen Gesten, welche Oliven reif sind, und wie ich sie zu pflücken habe. Zu der Arbeit habe ich mich freiwillig gemeldet. Besser als der riesige Abwasch nach dem Frühstück.

Den zweiten Tag schon bin ich im Kloster Deir Mar Musa, gut 80 Kilometer nördlich von Damaskus. Der Fahrer eines Karnakbusses hat mich beim benachbarten Dorf Nebek abgesetzt. Nach zähen Verhandlungen brachte mich ein Taxifahrer bis zum Rand der Schlucht. Von dort führt ein schmaler Saumpfad zum Kloster hinauf. Der erste, dem ich dort begegnete, war Albert, ein junger Christ aus Nebek, der im Kloster arbeitet. Ein linkisch wirkender Junge, der mir kichernd durch die niedrige Öffnung in der Mauer half, die zum Hauptgebäude führt. Er brachte mich zu Bruder Butros. Mit seinem schwarzen Rauschebart und den dunklen Augen wirkt der Aleppiner Butros Abo wie ein Asket, doch blitzt unvermittelt ein belustigter Glanz in seinen Augen, wenn er mit Besuchern spricht. Und die kommen aus der ganzen Welt in das Kloster. Auch mir weist Butros ein einfaches Zimmer zu. Ich kann so lange bleiben wie ich will.

Eine stille und heilige Oase

Vor einem halben Jahr kam der pensionierte Lehrer Simon aus dem Libanon hierher – und blieb. Der Deutsche Jens Petzold machte vor sechs Jahren bei seiner Wanderung durch den Nahen Osten hier Rast. „Ich war auf der Suche“, erzählt er. Wonach? Ein unbestimmtes Lächeln. Unwichtig, denn er fand seine Bestimmung. Jens verließ den Berg nicht mehr, weihte vor drei Jahren sein Leben der Klostergemeinschaft. Wie diese beiden kommen viele Menschen nach Mar Musa, um Abgeschiedenheit und vielleicht sich selbst zu finden.

Manche bleiben nur einige Monate, wie Marie, ein 16-jähriges Mädchen aus einem christlichen Dorf bei Homs. Ziyad, ein 27-jähriger Ingenieur aus Damaskus, verbringt seine Ferien hier. Auch der Kunststudent Wisam nutzt die Semesterpause, schaut für ein paar Tage aus seinem Heimatdorf Nebek im benachbarten Kloster vorbei. „Obwohl Leute von überallher kommen“, erzählt er, „herrscht hier eine wunderbare Ruhe. Ich liebe diesen Ort.“ Immer ist er mit seiner alten Fotokamera in den Felsen der Schlucht unterwegs. Still wohnt er den abendlichen Gottesdiensten in der Kirche bei. Wisam ist Moslem.

„Auch für Moslems sind diese Berge heilig“, meint Bruder Jens. Nicht selten hat die kleine Gemeinschaft aus wenigen Mönchen und zwei Nonnen Besuch aus den muslimischen Gemeinden umliegender Dörfer. „Für sie ist es wie ein netter Sonntagsausflug“, sagt Jens. Und für die Mönche willkommene Gelegenheit, mit Moslems ins Gespräch zu kommen. Ein Austausch zwischen den Religionen, das ist es, was die Gemeinschaft neben dem spirituellen Leben erreichen will. Mit offenen Briefen mischen sich die Mönche um Fra Paolo, einem italienischen Jesuitenpater, in religiöse Diskussionen ein. Manchmal ist Pater Paolo Dall’Oglio mit ausländischen Bischöfen unterwegs, um islamische Würdenträger zu treffen.

Jahrhundertelang stand das vor rund 1400 Jahren erbaute Kloster leer. Es ist St. Moses geweiht, der Legende nach Sohn eines äthiopischen Königs, der in Syrien missionierte. Prächtige Fresken aus dem 11. und 12. Jahrhundert schmücken das Kircheninnere. Erst 1991 wurde das Kloster wieder in Betrieb genommen und saniert. Mit den Spenden, die Freunde des Klosters und Touristen hinterlassen, unterstützt die Gemeinschaft auch viele Familien in Nebek.

Das letzte Frühstück. Fröhlich schnatternd sitzen Mönche, Nonnen, die Helfer aus Nebek und einige Besucher um den Tisch. Wie üblich auf der Terrasse, von der der Blick durch die Schlucht weit hinaus in die Wüste gleitet. Der letzte Halt in diesem Land, Damaskus, ruft. Wisam will mich begleiten, er hat genug von der Stille. Wir haben gerade den letzten Bissen geschluckt, da zeigt Bruder Butros auf uns. Gottergeben schlurfen Wisam und ich in die Küche, in der die anderen schon das Geschirr stapeln, das nun abgewaschen werden will. Danach schleppen wir unsere Rucksäcke hinunter zum Pickup des Klosters, der uns nach Nebek bringt.

Die Schlucht versinkt im Staub, den der Wagen aufwirbelt. Zurück bleiben Stille und die fröhliche Offenheit, die jeden Besucher auf dem Berg umfängt. Ein Bus trägt uns wenig später dem Lärm und Hektik der Metropole Damaskus entgegen.

29. Mai 2012: Bruder Jens Petzold, inzwischen im Irak im Einsatz, schreibt einen offenen Brief gegen die Gewalt in Syrien, der auf der Webseite des Klosters Mar Musa publiziert wird. Er appelliert an die Gemeinsamkeiten der Syrer – wie die auch auf dem Klosterberg gelebte Gastfreundschaft. Für die kleine Gemeinschaft der Mönche und Nonnen auf dem Klosterberg gehört Einmischung in die politischen Ereignisse seit Beginn dazu. Nur wenige Tage nach dem 11. September 2001 setzte sie sich für interreligiösen Dialog ein. Wie wichtig dieser Dialog für Deir Mar Musa ist, zeigt auch dieses Video der Filmemacherin Yasmin Fedda von 2011 (da herrscht schon mehr Besucherbetrieb als noch 2001, aber einige bekannte Gesichte sind noch da):

Damaskus: ein Studentenleben

Universität Damaskus, Fakultät der Schönen Künste. In der Cafeteria wird geraucht, geschwatzt und gekichert wie in jeder anderen Universität der Welt auch. Hab ich anderes erwartet? In einer Ecke liegen Computerausdrucke mit Spottbildern über Osama bin Laden. Wisam hat mir die Ateliers seiner Fakultät gezeigt. Eine Reihe nüchterner Räume, vollgestellt mit Skulpturentwürfen aus Gips und Ton. Die Einrichtung, die Werkzeuge, vieles wirkt provisorisch. „Eigentlich haben wir ja fast nichts, womit wir arbeiten können“, sagt Wisam. So brütet Syriens junge Elite in Hörsälen und Cafeterias und träumt von gut ausgestatteten Universitäten im Westen. Und vom, wie viele meinen, freiheitlichem Leben dort, fern der Allmacht der Baath-Partei. „Und die meisten wollen am liebsten nach Amerika“, meint der Schauspielstudent Yazan, ein Freund von Wisam.

Am Tag ziehen wir durch die Altstadt. In den Suqs, der großartigen Omayyaden-Moschee und den zahllosen winzigen Gässchen scheinen die Geschichten aus Tausend und einer Nacht und aus der Bibel gleichermaßen lebendig zu werden. Am Abend treffen sich die Studenten in der „Tornado Bar“ und anderen Kneipen am Rande der Altstadt. Eingelegte Oliven und Salzcracker zu U2 und Madonna. Hier denken sich die jungen Syrer tausend Wege aus, wie sie ihr Land verlassen können. Und ich daran, wann ich sie wohl wiedersehe, diese orientalische Zauberwelt.

18. Juli 2012: Der arabische Sender Al Jazeera publiziert eine Analyse über die Bombenanschläge in Damaskus an diesem Tag. Mehrere Regierungsmitglieder, darunter der Verteidigungsminister, der Innenminister und ein Schwager Assads, kamen dabei ums Leben. Der Bürgerkrieg tobt nun auch in Damaskus.

Update: 25. Juli 2012

Die Filmemacherin Yasmin Fedda macht mich darauf aufmerksam, dass das Kloster Deir Mar Musa ebenfalls längst keine Oase des Friedens mehr ist. Pater Paolo Dall’Oglio sei vor gut einem Monat des Landes verwiesen worden. Ich fand dazu diesen Beitrag vom 8. Juli 2012 im Portal DayPress. Demnach hat der Pater, und mit ihm die Klostergemeinschaft, lautstark Assads hartes Vorgehen kritisiert. Zudem habe er berichtet, dass im Februar dieses Jahres maskierte Bewaffnete den Klosterberg gestürmt und nach verborgenen Waffen gesucht hätten. Natürlich fanden sie nichts; zerstörten Inventar und zogen wieder ab. Verletzt worden sei bei der Aktion niemand.

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7 Kommentare

  1. Guten Tag!
    Ich war 9 Jahre später, 2010, drei Monate in Syrien. Wir haben eine Grabungskampagne in al-Andarin (in der nähe von Hama) bestritten.
    Mich hat der Bericht sehr berührt, transportiert er doch die selben Emotionen die ich empfunden habe als wir durch Syrien gereist sind.
    Jeden Tag in den Medien zu lesen und hören wie diese Welt zerbricht ist schrecklich. Wir haben viele Freunde dort gefunden und immer schwingt die Sorge mit einige von ihnen beim Abschied damals das letzte mal gesehen zu haben.
    Danke für diesen Bericht.

    Theodor Rosentreter

    20. Juli 2012, 13:07 Uhr • Melden?
    von Theodor Rosentreter
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  2. Merci für das Feedback! Drei Monate Grabungen? Da wüsste ich auch jemanden, der das gern getan hätte ;-)
    al-Andarin: Was gab / gibt es dort? Läuft das über Deutsches Arch. Institut? Beim DAI habe ich leider keine Infos zur Lage der Außenstelle Damaskus bekommen. Ich nehme mal an, die ist geschlossen.

    20. Juli 2012, 14:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
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  3. ah, ich vermute, es geht um diese Kampagne der Uni Heidelberg ?

    20. Juli 2012, 14:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
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  4. Ja ganz genau. Wobei die verlinkte Website die älteren Kampagnen zum Thema hat. Neuer: Uni Heidelberg

    Mit dem DAI direkt hatten wir nichts zu tun haben aber regen Kontakt gehabt um Schwierigkeiten vor Ort zu meistern.
    Soweit ich weiß waren die Referenten des DAI Damaskus bereits seit längerem aus Syrien abgezogen worden. Ob nun die restlichen Mitarbeiter noch weiter arbeiten wage ich zu bezweifeln.

    20. Juli 2012, 19:07 Uhr • Melden?
    von Theodor Rosentreter
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  5. Offener ist da schon euer Hinweis, dass wegen der unsicheren Lage seit 2011 keine Grabungskampagne läuft.
    Da muss doch das Archäologenherz bluten. Hoffe, dass das Ruinenfeld nicht auch noch von Raubgrabungen etc. betroffen ist / wird. Von solchen fatalen Spuren zeugt ja auch der oben verlinkte Bericht des Heritage Global Fund – in der Maiausgabe war al-Andarin nicht erwähnt, soweit ich gesehen habe.

    20. Juli 2012, 20:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
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  6. Wir haben 2011 tatsächlich bis kurz vor Abreise och alles bereitgehalten.
    Nach 3 Jahren Pause war der Wiederaufbau der Infrastruktur die größte Herausforderung die wir meistern mussten. Das ist jetzt alles zunichte gemacht.
    Raubgrabungen gab es in al-Andarin bereits vorher die haben sich vor allem auf die Nekropole beschränkt. Auch mutwillige Zerstörungen an den erhaltenen Strukturen haben stattgefunden.
    Es gab wohl auch im Rahmen der aktuellen Entwicklungen bereits Plünderungen aber insgesamt ist der Ort aufgrund seiner abgeschiedenen Lage eher sicher.

    Die Liste des HGF ist sehr bedrückend … viele Orte die dort genannt werden habe ich ja noch vor 2 Jahren besucht.

    21. Juli 2012, 16:07 Uhr • Melden?
    von Theodor Rosentreter
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  7. Update: Soeben noch einen Absatz angefügt. Ich hatte mit der Filmemacherin Yasmin Fedda Kontakt aufgenommen, die das im Artikel eingebundene Video vom Kloster Mar Musa gedreht hatte. Sie ist derzeit wieder mit diesem Thema befasst – und informierte mich über Ausweisung Pater Paolos.

    Zudem habe ich zwei neue Links oben eingefügt.

    25. Juli 2012, 00:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
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