Konzert Faun auf der Suche nach dem Licht

Irgendwann schließt sich der Kreis dann doch. Es ist eben nicht leicht, sich der Anziehungskraft der Lieder zu entziehen. Faun sind sicher keine schillernde Band mit ausgetüftelter Bühnenshow. Das haben die fünf Musiker auch gar nicht nötig. Im Georgengarten (Hannover) gewannen Faun gestern mit der magischen Wirkung ihrer Musik die Herzen. Und das Schöne: Heute Abend, 22. Juni, stehen sie um 20.30 Uhr wieder beim Herrenhäuser Ritterspektakel auf der Bühne. Hingehen und genießen!

Es beginnt wie so oft bei diesen Konzerten auf offenem Gelände: mit viel Platz zwischen Bühne und Publikum. Doch mit der sanften Kraft ihrer Lieder beginnen die sympathischen Musiker um den blonden Sänger Oliver Sa Tyr ein feines Netz zu spinnen, das die Sinne umgarnt. Melancholische Lieder, deren Ursprünge in spanischen Klöstern verborgen sind, Balladen aus keltischer Tradition, Vertonungen von Werken aus der Hand eines Walther von der Vogelweide und dazwischen immer wieder schwingende Arrangements zu selbst geschriebenen Stücken – Faun setzt auf Vielfalt.
Die Band greift überlieferte Traditionen auf und vermischt sie mit sanften elektronischen Soundeffekten. Mal orientalisch, mal druckvoll oder fast purer Gesang (wunderbare Stimmen: Elisabeth Pawelke und Fiona Rüggeberg) – immer dichter webt Faun den Klangteppich. Immer kleiner wird der freie Raum zwischen Band und Publikum, Paare wiegen sich im Takt, die ersten Tänzer können die Füße nicht mehr still halten. Der Kreis hat sich geschlossen, eine fast intime Atmosphäre umgibt Musiker und Zuhörer. Es ist einfach schön.

“Licht” haben Faun ihr aktuelles Album getauft. Wer die Konzerte verpasst oder sich wieder in die Klangwelt versetzen will, dem sei diese Scheibe empfohlen. Hier wird auch die Qualität von Faun als Studioband deutlich. Fein arrangierte Stücke ziehen einen Spannungsbogen von Anfang bis zum Ende. Kein Dudelsackeinerlei, kein anstrengendes Trommelgedröhn, und doch nie langweilig. Die Musiker von Faun schöpfen ihre Stoffe aus archaischen Religionen, keltischen Traditionen und der eigenen Phantasie. Doch Vorsicht: “Licht” ist von Melancholie getränkt.
“Andro” ist das wohl bekannteste Stück auf der Scheibe und wird gern auf Konzerten gespielt. Den Kreistanz keltischen Ursprungs präsentiert Faun als schwungvolle Hymne mit rauschhaften Percussians. Mit “Unda” und “Isis” trauen sich Faun auf das Feld der selbst geschriebenen Texte. Beide sind sie wunderschön anzuhören. Und “Cernunnos” ist ein klassisches Erzählstück um den Gehörnten Gott, vorgetragen von Christian von Aster. Mit “Egil Saga”, einer mystisch angehauchten Vertonung einer altisländischen Geschichte, zeigt Faun erneut, warum die Band auch in der Gothicszene so beliebt ist. Nicht von ungefähr wird die Gruppe immer wieder zum Leipziger Wave Gotik Treffen gebucht. Zwei Videomitschnitte von Live-Auftritten vervollständigen schließlich das Repertoire auf dem Album “Licht”.

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