Kelten-DVD Dokumentation folgt den keltischen Spuren

Als um 400 v.Chr. die ersten Keltenstämme durch Europa zogen, begann für den Alpen-Adria-Raum eine wechselvolle Geschichte. Einige Stämme ließen sich hier dauerhaft nieder und gründeten starke Keltenreiche. Der Konflikt mit Rom ließ nicht lange auf sich warten. Der Theiss Verlag brachte ein Filmdokumentation heraus, die sich der Entwicklung bis in die frühchristliche Zeit widmet.

Wissenschaft und Unterhaltung

Eine Stunde nimmt die Doku den Zuschauer mit auf eine Zeitreise. Daneben finden sich einige Kurzfilme und weitere Extras auf der im Februar erschienenen DVD. Die Filmemacher engagierten gleich mehrere Reenactment-Gruppen, um Roms Soldaten, Kelten und Gladiatoren wiedererstehen zu lassen. Heraus kam eine stellenweise etwas trockene, doch insgesamt sehr sehenswerte filmische Aufbereitung der Ereignisse.

Die Kelten des Alpen-Adria-Raumes waren die ersten, die mit den Römern in Kontakt kamen und es dauerhaft blieben. Sie hatten mit denen in Gallien wenig zu tun. Und auf dem Gebiet des heutigen Österreich gründeten die Noriker ein stabiles Reich. Gold und Eisen machte diesen Stamm zum begehrten Handelspartner Roms, so lange es auf Bündnispartner bauen musste. Die stete Wechselbeziehung formte eine Kultur, die bis zur Adriaküste strahlte. Es macht also Sinn, diesem keltischen Gebiet eine abgeschlossene Darstellung zu widmen. Aktuelle archäologische Grabungen und Ausstellungen sowie Interviews mit Forschern untermauern die Aussagen und bilden zugleich den für gute Dokus so wichtigen wissenschaftlichen Rahmen.

Reenactment bleibt unterfordert

Etwas mehr Mut zum Detail bei den zahlreichen Schauspielszenen hätten dem Film gutgetan. Die Macher ließen die Darsteller in historisch nachempfundenen Kleidern etwas zu oft durch den Wald stapfen. Die Qualität der Darstellungen hätte einen genaueren Blick auf die Ausrüstung vertragen. Dennoch: Die Wahl der Gruppen ist exquisit. So wurden unter anderem auch die römischen Soldaten in verschiedenen Uniformen (meist kaiserzeitlich) präsentiert. Das ist gut für die Optik und zeigt dem Zuschauer die belegte Vielfalt damaligen Lebens.

Der Wechsel der Einstellungen – Schauspielszenen, Interviews, Landschaftsaufnahmen, archäologische Funde und Fundstätten von den Alpen bis nach Kroatien – bringt Abwechslung. Die Trickeffekte allerdings kommen ein wenig altbacken daher (Rom in Flammen nach dem Einfall der Kelten). Auch die Tontechnik ließ bei den Interviews zu wünschen übrig.

Großartig ist der zielsichere Einsatz von 3-D-Rekonstruktionen alter Bauten. Die sind detailgetreu und liebevoll aufbereitet und sind eine wichtige Ergänzung zu den Bildern heute anzutreffender Ruinen. Klasse!

Porträt eines Schmelztiegels

Der Inhalt kommt sehr ansprechend aufbereitet daher und bietet ein tiefes Verständnis für der Entwicklungen. Die Region zwischen Alpen und Adria wird zu Recht als Schmelztiegel der Kulturen dargestellt. Noch zur Zeit Caesars, als er Gallien eroberte, waren die Noriker Bündnispartner Roms. Doch dann war es für das aufsteigende Weltreich günstiger, die wichtigen Eisenbergwerke und Goldquellen selbst zu besitzen. Was dann kam, war Eroberung und Eingliederung als römische Provinz.

Die Romanisierung der Kelten begann. Die Abfolge war eine typische für alle Provinzen, und das kommt im Film gut herüber: Aus den Lager der Besatzertruppen wurden Städte, denen Neugründungen folgten. Dann folgte die gründliche römische Verwaltung und ein „Göttertausch“ – die Römer tolerierten den lokalen Glauben und nahmen selbst einige keltische Gottheiten in ihren Götterhimmel auf. Dafür mussten auch die Kelten die neuen Mischformen akzeptieren und letztlich dem Kaiser huldigen. Frauen waren übrigens der Teil der keltischen Bevölkerung, der am längsten die alten Traditionen wahrte. Wie – das zeigt die Doku recht gut. Die Spätantike und das frühe Christentum kam in der Region schließlich zu einer homogenen Bevölkerung, in der römische und keltische Wurzeln gemeinsam zu etwas Neuem verschmolzen.

Die Abfolge ist in einer animierten Zeitleiste gut zu verfolgen. Speziell für den Schulunterricht bieten die Extras einige Arbeitsblätter. Die Kurzfilme über archäologische Stätten und Rekonstruktionsversuche sind gut gemeint, aber zu kurz geraten.

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