Islam Die Geschichte der Araber

Was hat uns die islamische Philosophie gegeben? In welchem Umfeld entwickelten die Araber ihre Kultur? Und wie hängt diese Kultur mit der unsrigen zusammen? Diesen und vielen weiteren Fragen gehen zwei brandneue Bände der Beck’schen Reihe "Wissen" nach. "Islamische Philosophie" und "Die Araber" sind gleichermaßen ein willkommener Einstieg in komplexe Themen und ein aktueller Beitrag zur gegenwärtigen Situation im Nahen Osten. Denn beide Bände zeigen die Hintergründe sowohl in kultureller als auch in politischer Sicht.

Islamische Philosophie

Mit Ulrich Rudolph von der Universität Zürich hat sich ein profunder Kenner dieser Materie angenommen. Und den Forscher kann der Leser aus dem manchmal recht wissenschaftlich geschriebenen Text leicht erkennen. Aber wie könnte ein so komplexes Thema wie die Philosophie auch mit dürren Worten auf den vorgeschriebenen 119 Seiten erklärt werden? Dennoch ist Rudolph ein sehr bemerkenswerter Versuch gelungen. Das Bändchen ersetzt sicher nicht eine gründliche Lektüre – die es aus dem Bereich des Islam bisher kaum gibt. Aber es bietet eine unschätzbare Skizze der Entwicklung in der arabischen Welt.
Wichtigste Einsicht: Die islamische Philosophie ist im christlichen Abendland bisher vor allem wohlwollend als Übermittler antiker Autoren behandelt worden. Griechische und lateinische Philosophen, allen voran Aristoteles, wären kaum im hohen Mittelalter so bekannt geworden, hätte es die rege Übersetzertätigkeit frühislamischer Schulen von Bagdad bis Toledo nicht gegeben. Das Bild ist nicht neu – aber äußerst unvollständig, wie Rudolph meint.
Im Gegensatz zu früheren Forschern sieht der Autor in der Zeit nach 1200 keinen Niedergang in der islamischen Philosophie, sondern durchaus eine Weiterentwicklung zu neuen Blüten. Nur sei diese Zeit eben kaum untersucht und bisher von abendländischen Autoren gewissermaßen unterschlagen worden. Diese Lücke versucht Rudolph nun zu schließen. Und so kann der Leser verfolgen, welche Prozesse das Denken des Aristoteles in der muslimischen Welt auslöste und wie bis in die Gegenwart hinein das freie Denken einen Konsens mit der dogmatischen Religion suchte.
Ulrich Rudolph; Islamische Philosophie – Von den Anfängen bis zur Gegenwart”; C.H.Beck; München; 2004; 119 Seiten; 7,90 Euro; ISBN 3-406-50852-9

Die Araber

Die “Al-‘Arab” – so nennen sie sich selbst – sind ein altes Volk. Schon der Assyrerkönig Salmanassar III. erwähnt sie um 853 v.Chr. in dem Bericht über einen seiner Kriege. Araber ist, wer Arabisch spricht, schreibt der Göttinger Islamforscher Heinz Halm lapidar. Doch wie kam es dazu, dass heute rund 280 Millionen Menschen vom äußersten Westen Nordafrikas bis weit in den mittleren Osten hinein Arabisch sprechen? Dies, berichtet Halm, hängt mit der rasanten Ausbreitung des Islam seit dem 7. Jh. zusammen.
In kurzen, sehr flüssig zu lesenden Kapiteln spannt der Autor seinen Bogen von den frühesten Zeugnissen arabischer Kultur bis in die Gegenwart der zweiten Intifada und des noch immer nicht beendeten Kriegs im Irak. Araber, das waren die reichen Nabatäer in der versunkenen Wüstenstadt Petra. Und das waren die Überbringer einer Religion, die so furchtbar neu gar nicht war. Wie im Christentum auch, berief sich der Prophet Mohammed durchaus ebenfalls auf kultische Elemente, die schon vorher bekannt waren. Doch die Toleranz gegenüber anderen Religionen sowie die Botschaft von einer Gleichheit vor Gott bildete einen kräftigen Katalysator für die rasche Verbreitung.
Halm räumt auch auf mit dem Klischee der glaubenstrunkenen Massen, die nach der Überlieferung mit Feuer und Schwert die Welt überrannten. Eine gewaltsame Bekehrung sei kaum versucht worden, schreibt der Autor. Schließlich bedeutete die Besteuerung der Ungläubigen eine wichtige Säule zur Finanzierung des Riesenstaates. Schließlich bereitet Halm in übersichtlichen Kapiteln die frühe Zersplitterung der islamischen “Einheitsfront” in verschiedene Kalifate und religiöse Richtungen auf. Und wie nebenbei erklärt er auch, warum verschiedene irakische Städte bis heute den Schiiten so heilig sind. Genau das macht diesen Band zu solch einer hervorragend aktuellen Lektüre.
Heinz Halm; Die Araber – Von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart; C.H.Beck; 2004; 128 Seiten; 7,90 Euro; ISBN 3-406-50843-X

Artikel aus der Rubrik „Medien“

  • Sigismund – Rex et Imperator

    Sigismunds Herrschaft strahlte mitten in einer der krisenreichsten Zeiten des Spätmittelalters großen Glanz aus. Der politisch gewiefte Luxemburger galt als Exzentriker. Das Buch „Sigismundus – Rex et Imperator“ schaut in die prächtigen…

  • Fechtstunde nach Talhoffer

    Es gibt wenige Bücher, die in der Mittelalterszene Wellen schlagen. Die Reihe des Verlags Philipp von Zabern „Mittelalterliche Kampfweisen“ hat das Zeug dazu. Sie nimmt Talhoffers Fechtbuch auseinander. Band eins ist jetzt erschienen.

  • Liturgische Improvisationen

    Hinsetzen, genießen: Es ist nicht allein wegen der mittelalterlichen Liturgien, die das ensemble nu:n schwelgerisch zu Gehör bringt. Es geht auch darum, wie sie es tun. Auf dem Album „Salutare“ verschmilzt Historisches mit Experimentellem.…

  • Ritterorden im Mittelalter

    Endlich ein Übersichtswerk, das sich der Entwicklung der abendländischen Ritterorden vollständig annimmt. Verfasst von Fachautoren, die mit wissenschaftlicher Gründlichkeit die Organisationen von Templer, Johanniter und Co. untersuchten.…

Ihr Kommentar zum Artikel „Die Geschichte der Araber“


Sie sind angemeldet als

abmelden