Templerroman Wahrheitssuche auf dem Jakobsweg

Die Autorin Ulrike Schweikert begibt sich auf Pilgerpfade: Mit eigenen Eindrücken vermischt, legt sie mit dem Buch „Das Siegel des Templers“ einen flüssig geschriebenen Roman vor. Er führt ins frühe 14. Jahrhundert.

Der Inhalt im Überblick

Im Jahre 1305 begibt sich Juliana von Ehrenberg – junge Tochter eines Ritters – verkleidet als pilgernder Knappe Johannis auf den Jakobsweg. Sie will dort nach ihrem Vater und der Wahrheit über ihn suchen. Ritter Kraft von Ehrenberg wird beschuldigt, einen Templer ermordet zu haben und es scheint zunächst auch alles gegen ihn zu sprechen.

Juliana kann an die Schuld ihres Vaters aber nicht so recht glauben. Dies und der Umstand, dass sie nun gegen ihren eigenen Willen mit dem Weinsberger Ritter, der es anscheinend nur auf die Burg des Vaters abgesehen hat, verheiratet werden soll, bekräftigt sie in ihrer Idee, den Burgherren selbst zurück zu holen.

Begleitet von Bruder Rupert und einigen anderen interessanten Wegabschnittsgefährten begibt sie sich auf den sehr kräfteraubenden, gefährlichen Weg nach Santiago de Compostela. Wie sich herausstellt, ist nicht nur sie unter einem falschen Vorwand auf dem Pilgerpfad. Jeder ihrer Weggefährten scheint sein eigenes Geheimnis zu haben.

Verwickelte Geschichten

Mit dem Roman ist Schweikert ein gelungener Beitrag zum aktuellen Comeback des Pilgerns auf dem Jakobsweg gelungen. Der Roman findet in zwei zeitverschiedenen Handlungssträngen statt. Die gegenwärtige Handlung (markiert durch eine Illustration der Kathedrale Santiagos an den Kapitelanfängen) beschreibt, wie Juliana den Jakobsweg auf der Suche nach ihrem Vater bewältigt. Hierbei lernt sie durch Bruder Bertran viele Geschichten und Sehenswürdigkeiten um den Jakobsweg herum kennen. Die Autorin pilgerte selbst einen Teil des Jakobspfades entlang, was sie zum Schreiben dieses Romans veranlasste. Die Erfahrungen, die sie sammelte spiegeln sich in diesem Teil der Geschichte wieder.

Der zweite Handlungsstrang wird symbolisiert durch eine Illustration einer deutschen Burg an den Kapitelanfängen. Ein Rückblick in Julianas Vergangenheit erzählt von den Ursprüngen und Gründen, warum sie diese Reise angetreten hat. Der Leser erfährt hier von der Geschichte der Templer und auch einige Details über den Orden selbst. In der heimischen Burg werden auch die Zusammenhänge nach und nach deutlich, was es mit der Pilgerreise und somit mit dem Schicksal von Julianas Vater und den Templern auf sich hat.

Der Anhang und der Prolog ergänzen die Informationen im Roman und fassen noch einmal den historisch gut recherchierten Hintergrund zusammen. Den Handlungssträngen ist mit Hilfe der Illustrationen leicht zu folgen. Die Hauptpersonen werden lebendig beschrieben. Schweikert hat wieder ein paar sehr außergewöhnliche und interessante Charaktere geschaffen, die sich gut in das Geschehen fügen und die Geschichte bereichern.

Bei dem breiten Angebot von neuer und alter Literatur über den Jakobsweg und die Templer ist es sicher nicht leicht, etwas Neues zu kreieren. Aber dieser Roman findet sicher seinen wohl verdienten Platz unter all den Templer- und Jakobswegmaterialien. Wichtige Elemente für den am Thema interessierten Leser sind auf jeden Fall enthalten, wie Geheimnisse, Abenteuer und historische Fakten. Er hat aber auch einen allgemein guten Unterhaltungswert.

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