WissenKompakt Parforceritt durch germanische Kultur

Germanische Stämme und römische Legionen sind der Stoff vieler Mythen und gelehrter Bände. Der Wissenschaftler Ernst Künzl legte eine kompakte Faktensammlung vor. Nicht immer unfallfrei, weiß Bettina von Stockfleth.

Kompaktes Wissen aus einem Verlag

Im Jahr 2006 veröffentlichte der Theiss-Verlag die ersten Bände seiner neuen Reihe „WissenKompakt“. Zu den Bänden („Archäologie“, „Das Mittelalter“ und „Die Steinzeit“) gesellte sich im August 2006 der Band „Die Germanen“. Mit Ernst Künzl konnte hierfür ein Autor gewonnen werden, der als ehemaliger Leiter des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz kein Unbekannter in der deutschen Archäologieszene ist.

Künzl ist spezialisiert auf gut verständliche Sachbücher und nimmt sich auch des Themas „Germanen“ mit flotter Schreibe an. Das Buch ist in drei große Themenblöcke gegliedert: Roms Gegner im Norden – Die Welt der Germanen – Völkerwanderung und Germanenreiche. Den vorangestellten Abschnitt „Wege zu den Germanen des Altertums“ kann man mit seinen zweieinhalb Seiten als Einleitung betrachten.

Gute Fakten, kleine Stolpersteine

Als etwas tückisch erweist sich jedoch der Platz sparende Satz, der eine optische Trennung in Kapitel vermissen lässt und das Lesetempo noch forciert. (Mir entgingen gelegentlich Details und ich musste Passagen von besonderem Interesse nochmals nachlesen.)

Inhaltlich ist „Die Germanen“ ein fundiertes Werk, randvoll gepackt mit Informationen. Dass Künzl gelegentlich aus römischer Perspektive berichtet, hängt sicherlich mit seinem beruflichen Schwerpunkt (Römer) sowie der Quellenlage zusammen und ist verzeihlich.

Befremdlich ist dagegen, dass ein so renommierter Autor die Varusschlacht wiederholt mit dem Teutoburger Wald assoziiert (siehe unter anderem auf Seite 36), obgleich er auf Seite 29 selbst – wenn auch äußerst vorsichtig – formuliert: „Es scheint so, dass man […] das Rätsel um die Varusschlacht gelöst hat: Kalkriese (Stadt Bramsche), nördlich von Osnabrück, Niedersachsen.“

Auch die berühmte Moorleiche des „Mädchens von Windeby“ ist seit Anfang 2006 eindeutig als männlicher Jugendlicher identifiziert (siehe Seite 100). Dies hätte Künzl, der sein Vorwort zu „Die Germanen“ im März 2006 verfasste, wenigstens eine Fußnote wert sein sollen und hätte die Drucklegung des Buchs sicher nicht gesprengt.

Abgesehen von diesen beiden Schwachpunkten liefert das Buch jedoch – ganz im Sinne des Verlagsprogramms – wirklich kompaktes Wissen zur Geschichte der germanischen Völker von etwa 100 v. Chr. bis 500 n. Chr. Die Literaturliste ist übersichtlich und führt Quellen auf, die weder allzu schwer zugänglich noch veraltet sind.

Als Einstiegslektüre und „roter Faden“ sollte „Die Germanen“ daher in keinem Bücherschrank fehlen.

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