Tolstafanz Klammer zwischen Orient und Okzident

Ihre letzte Scheibe ist schon seit 2000 auf dem Markt. Und doch ist auf „Magrouna“ das zu hören, womit Tolstafanz noch heute Furore macht. Auf Märkten kommt ihr Live-Performance außerordentlich gut an. Die fünf Musiker aus vier Ländern bieten einen Musikmix aus abendländischen und orientalischen Traditionen. Seit diesem Jahr tritt Tolstafanz in einer neuen Besetzung auf, die die arabische Ecke noch ein wenig mehr verstärkt.

Neben den beiden Deutschen Ranulf, alias Bandleader Ralph Weyers, und der Berlinerin Anna, sorgen Attilla (Türkei), Abu Sherif (Ägypten) und Davoud (Persien) für einen rasanten Sound. Natürlich stehen auch bei Tolstafanz die Sackpfeifen im Vordergrund.

Doch Ranulf wartet gern mit einer historischen Korrektur auf. Die Schotten hätten das Instrument zwar perfektioniert. „Das Original ist aber die arabische Magrouna.“ Wobei auch der Titel der bislang erhältlichen CD der Truppe erklärt wäre.

Der Begriff „Tolstafanz“ selbst soll einer Geschichte entstammen, wonach damit ein mystisch-anachronistisches Wesen der frühen Mehrstimmigkeit beschrieben wurde. Was so kompliziert klingt, umreißt die Band dennoch hervorragend: Wenn Abu Sherif auf seine Tablas eindrischt, der Perser Davoud immer neue Percussion-Instrumente hervorzaubert und der Rest auf Sackpfeifen dröhnt – dann kommt immer eine harmonisch-mitreißende Musik heraus.

Es ist wie nach der Wanderung vagabundierender Barden durch die damals bekannte Welt: Aus allen bereisten Gebieten nahmen sie Tonsequenzen, Rhythmen und fremde Instrumente mit – gleichsam als musikalische Souvenirs, die zu Hause zu neuen Stücken verschmolzen wurden. So gesehen, wurde die Musik schon früh zu einem der ersten Boten für Völkerverständigung. In dieser Tradition stehen auch Tolstafanz. Auf ihre neue CD darf man gespannt sein.

Artikel aus der Rubrik „Medien“

  • Völker Germaniens unter der Lupe

    Varusschlacht, Schlacht im Teutoburger Wald – es gibt einige Namen für das Ereignis im Jahre 9 nach Christus. Dessen Jahrestag steht bevor, entsprechend groß ist die Bücherflut zum Thema. „Die Germanen“ stellen wir hier vor.

  • Liturgische Improvisationen

    Hinsetzen, genießen: Es ist nicht allein wegen der mittelalterlichen Liturgien, die das ensemble nu:n schwelgerisch zu Gehör bringt. Es geht auch darum, wie sie es tun. Auf dem Album „Salutare“ verschmilzt Historisches mit Experimentellem.…

  • Reiseführer der etwas anderen Art

    Drei Jahre mit dem Onlinemedium Mittelalter-Spectaculum.de liegen hinter uns. Die Experimentierphase ist vorbei, und wir haben viel Gutes übernommen: Herzlich Willkommen bei chronico - Magazin für Geschichte! Unsere Pressemitteilung zum Start.…

  • Zeitreisen in unsere Vergangenheit

    Weg von kostümierten Heimatforschern oder volkstümelnden „Germanen“ – hin zur seriösen Inszenierung von Geschichte: Die experimentelle Archäologie hat sich gewandelt. Wie sehr, zeigt das Buch „Lebendige Vergangenheit.“

Ihr Kommentar zum Artikel „Klammer zwischen Orient und Okzident“


Sie sind angemeldet als

abmelden