Strategiespiel Empire Earth 2 überzeugt nicht restlos

Mit der Fortsetzung ihres Erfolges von Empire Earth lassen uns die Entwickler von Mad Doc Software mehrere Jahrtausende Menschheitsgeschichte des Kampfes erleben. Beginnend 2300 vor Christus mit den Koreanern bis in die Zukunft des Jahres 2070 auf ein Schlachtfeld der Amerikaner durchlebt man 15 Epochen - das Mittelalter inklusive. Neuerungen wie Bevölkerungsmanager und Schlachtplaner haben Einzug gehalten. Die Spielmacher haben an Bewährtem festgehalten und etliches Neues eingeflochten.

Ausgetüftelte Funktionen

Das Echtzeit-Strategie-Spiel bedient den etablierten Standard des Genres – und etwas mehr. Mehrere Ressourcen müssen abgebaut, Forschung betrieben und Fertigungsstätten für Land- Luft- und Seestreitkräfte errichtet werden. Bei den Ressourcen gibt es neben den etablierten (Gold, Holz etc.) auch Epochen-spezifische Rohstoffe wie z.B. Uran. Das Einsammeln wird durch den neuen Bevölkerungsmanager stark vereinfacht. Hier teilt man seinen Bürgern verschiedenen Aufgaben zu, ohne diese auf der Karte anklicken zu müssen.

Neu ist die Einteilung der Landflächen in Territorien, die durch Linien begrenzt sind. Jedes Territorium kann nur eine bestimmte Summe von Einheiten unterhalten und auch der Bau von Gebäuden ist begrenzt. Um z.B. die Punktzahl bei der Forschung zu erhöhen, ist es notwendig Hochschulen in neuen Territorien zu errichten. Andauernde Expansion ist daher das einzige Mittel, um gegen den Computer zu bestehen.

Unterstützung gibt es bei diesen Mehrfronten-Aktionen in Form einer Bild-in-Bild Funktion. Eine Kamera kann auf einen bestimmten Kartenausschnitt gerichtet werden und blendet dieses Bild unten rechts ein. Hilfreich sind auch die Automatikbefehle, die Einheiten zugeordnet werden können – Erkunde, Verteidige, Vernichte usw. Reichen die eigenen Bemühungen nicht aus, kann um Verbündete geworben werden. Mit diesen ist es dann möglich, sein Vorgehen abzustimmen.

Die Pausen retten

Im Einzelspielermodus stehen ein Endlosspiel (Scharmützel), zwei Szenarien und drei Kampagnen zur Verfügung. Die Kampagnen schildern einen Teil der Geschichte der Koreaner, Deutschen und US-Amerikaner. Vor jeder Schlacht gibt es eine Einstimmung zur Zielsetzung und geschichtlichen Einordnung. So erlebt man Wendepunkte des Aufstiegs oder Falls einer Nation. Eine direkte Story ist aber nicht vorhanden.

Je nach Epoche und Karte schickt man die verschiedensten Einheiten in die Schlacht. Es stehen in Summe mehrere hundert Typen parat. Ab dieser Stelle spätestens beginnt das Gewusel und die Pausenfunktion (Shift-Pausetaste) wird zum besten Freund. Es ist sehr schwierig, unter Echtzeit etwas anderes als “Haudrauf” zu spielen. Benutzt man ständig die Pausenfunktion, lassen sich detaillierte Pläne umsetzen – all das aber von Unterbrechung zu Unterbrechung.

Gute Effekte

Die Grafik ist auf dem aktuellen Stand. Alles läuft in 3-D. Wettereffekte, die sich auch auf die Bewegungsfähigkeit der Einheiten auswirken, runden das Ganze ab. Per Zoom kann man die Einheiten aus der Nähe agieren sehen, nicht so schön wie bei der Konkurrenz, aber zahlreich und schnell. Mit den Wolkeneffekten haben es die Entwickler etwas übertrieben, ab und an sucht man selbst seine Einheiten.

Der Sound klingt gut und passt sich thematisch wunderbar ein. Auch für die sprachliche Untermalung kann es nur Lob geben. Sowohl der Sprecher wie auch die Sprüche während des Spielgeschehens erfreuen die Ohren.

Das Spiel verlangt nach viel Hardware (siehe Systemvoraussetzungen). Wer die nicht aufbringt, ringt bald mit der Maus, um den Cursor zu positionieren, von sinnvoller Befehlsvergabe ganz zu schweigen.

Zum Mehrspielermodus ist anzumerken, dass er Spaß macht. Ob allein oder im Team, gegen andere menschlichen Gegner anzutreten, ist halt was anderes. Die vielen verschiedenen Spielarten oder Kampfbedingungen lassen jede Menge Freiraum und schaffen Freude.

Fazit

Insgesamt ist Empire Earth 2 ein gutes Echtzeit-Strategie-Spiel, das zu fesseln weiß. Wer die Geschichte Preußens nicht kennt, schon immer mal was über die Koreaner wissen wollte oder ein paar Infos zu den US-Amerikanern und ihren Kriegen sucht, bekommt gute Anregungen und Stichwörter. Tiefer gehen die Infos aber nicht, es ist halt kein “Historyline” (1993).

Die Schauplätze der Kampagnen hätten zeitlich dichter aneinander liegen können – die Geschichte gibt‘s her. Und es wäre auch schön gewesen, wenn sich die Ergebnisse eines Schauplatzes auf das nächste Szenario ausgewirkt hätten (Übernahme von Truppen oder Bauten).

Mit dem Grafikstil muss man sich anfreunden, aber Linien und Farben kommen klar heraus. Einheiten sind immer proportional vergrößert dargestellt. Wie Riesen stehen diese neben den Gebäuden. Übertroffen wird dies noch von den Anführern, die verschiedene Boni bringen und je nach Szenario verfügbar werden.

Um die Vielzahl der Einheiten, Anführer, Forschungsmöglichkeiten und Kronen mit ihren Besonderheiten kennen und nutzen zu lernen, bedarf es Zeit und Muße. Wer die nicht hat, wandelt mit Masse durch die Epochen – so der Computer ihn lässt.

Dem Ressourcen-System, welches durch den Bevölkerungsmanager in seiner Bedienung stark vereinfacht wurde, fehlt etwas Schwung. Bevor man hier tiefer einsteigen kann und Systematik in den Städtebau und Ressourcenabbau steckt, ist der Gegner meist schon da. Dann heißt es Truppen bauen und standhalten. Schafft man das, ist es nicht mehr weit bis zum Gegenstoß. Oft ist der Sieg dann nicht mehr fern. Zum Städtebau kehrt man in einer solchen Phase nur selten noch einmal zurück.

Der Autor

Chris Walter, 32, arbeitet als IT-Manager in der Softwarebranche. Mit Begeisterung testet sich der Thüringer durch die angesagtesten PC-Spiele.

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