Altes Japan Die Weisheit des Samurai

Als großer Krieger wurde er im alten Japan berühmt, noch heute sind Romane über Miyamoto Musashi Bestseller. Als Teenager nahm der Samurai an der Schlacht von Sekigahara teil, in der 1600 über die Zukunft des Shogunats entschieden wurde. Musashi kämpfte auf der Verliererseite. Als Ronin - herrenloser Krieger - zog er seither durch das Land und wurde zum besten Kämpfer seiner Zeit. Sein Leben ist Legende, doch was machte ihn dazu? Wie dachte er? Welche Methoden wandte er an? Musashi schrieb seinen Weg nieder. Das "Buch der fünf Ringe" gibt seine Lehren preis.

Wir schreiben das Jahr 1645. In wenigen Wochen wird sich der alte Samurai Musashi in eine Höhle zurückziehen und meditierend sterben. Noch aber schreibt der Krieger, der nach eigenen Bekunden im Alter von 13 Jahren seinen ersten Kampf auf Leben und Tod bestritt, an seinem Lebenswerk. Schon zu seiner Geburt um 1584 scheint ihm der Weg des Schwerts mitgegeben worden zu sein, schon der Vater war ein bekannter Kampfkünstler.
Das hier vorliegende Buch ist eine Übersetzung in zeitgemäßer Sprache. Allein, diese Transkription dürfte dem Ansinnen Musashis entgegengekommen sein. Sein Werk war von einer klaren Sprache geprägt. Genau das hat die Übersetzung auch konserviert. Nicht Schwulst oder Mystizismus, sondern Geradlinigkeit wollte er ausdrücken. Sein Weg war schlichte Einfachheit. Bei aller Kunstfertigkeit hatte Musashi nur ein Ziel: den Sieg. Unmissverständlich macht der Krieger deutlich, um was es ihm geht. Nicht darum, möglichst viele Siege zu verzeichnen, sondern seinen Kampfstil, also seinen Weg, zu perfektionieren.
Musashi verschwendet wenig Gedanken auf Dinge wie Treue und Loyalität, dies war als Ronin seine Sache nicht. Er will die wahre Kampfkunst vermitteln. “Zu viele Lehrer gibt es, die aus Gewinnsucht lehren und einen Hang zur Selbstdarstellung haben”, klagt er. Und so legt er in aller Klarheit seine Methoden dar: Schrittfolgen, Angriffstaktiken, Ausweichmanöver und vergleicht den Zweikampf stets mit der Begegnung großer Armeen. Also doch “nur” ein Handbuch für Krieger?
Wer zwischen den Zeilen liest, mag durchaus mehr für sich gewinnen. Zum einen stellt das Buch sicherlich eine gute Quelle dar, die neben dem berühmten “Hagakure” einen Einblick in die Denkweise der Samurai bietet. Zum anderen weist Musashi auf etwas für ihn sehr Wichtiges hin. “Nur durch Übung ist das Ziel zu erreichen”, wird er nicht müde zu betonen. Das Ziel vor Augen, muss jeder das gerade zur Verfügung stehende Mittel nutzen, solange es eben praktisch ist und nicht der persönlichen Ehre widerspricht. Stärken und Schwächen sollte ein jeder von sich und den anderen analysieren, zu jeder Zeit, an jedem Abschnitt des Wegs. “Und immer die Kontrolle über die Schritte des anderen behalten.” Klingt das nicht wie ein Handbuch für Manager? Fast aggressiv modern? Mit dieser Einschätzung würde man der Zeit Musashis nicht gerecht werden.
Der Samurai predigt auch den steten Erwerb von Wissen, das Abwägen von Nutzen oder Schaden und die Gelassenheit in allen Situationen. Das Fernziel ist die Loslösung von jedem kriegerischen Perfektionismus, die “Leere”, also das Dasein als freier und friedlicher Geist. Viel lässt sich also aus den Lehren interpretieren. Wie immer, gibt nur der eigene Anschein die Möglichkeit dazu. Eine Kurzbiografie und ein Beitrag zur Geschichte der Samurai runden das Werk ab.

Miyamoto Musashi; Das Buch der fünf Ringe; Piper Verlag; 2003; 158 Seiten; 12,90 EUR; ISBN 3-492-04526-X

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