Archäobotanik Des Kaisers Kräutergarten

Karl der Große verbrachte gewiss mehr Zeit auf Feldzügen als im Garten. Aber er hinterließ auch Vorschriften, die für Medizin und Küche bedeutend waren. Ein Autorenteam ging auf Spurensuche.

Verordnung mit kulinarischen Folgen

Schon beim ersten Aufschlagen überzeugt das Buch durch die ruhige und angenehme Gestaltung. Die Beschreibung der einzelnen Pflanzen macht den Hauptanteil aus. Sehr stimmige, aber auch zur Identifikation der Pflanzen geeignete Fotos und in einigen Fällen Darstellungen der Pflanzen aus Handschriften lockern den informativen Textteil auf. Über 100 Kräuter, Gemüse und Bäume werden besprochen. Auf eine Übersicht der schlichten Fakten folgt eine botanische Beschreibung. Die Archäobotanik und die historische Nutzung und Bedeutung wird über die Verwendung im Karlsgarten hinaus dargestellt.

Die Nutzung im Mittelalter gemäß Schriftquellen wird ebenso behandelt wie der römerzeitliche Gebrauch. Ein weiterer Abschnitt zu jeder Art informiert die heutige Verwendung und Nutzung – nicht ohne Gefahrenhinweise bei falscher Anwendung der Kräuter. Die unterhaltsam und fachlich fundiert gehaltenen Texte machen die Auflistung der Pflanzen zu mehr als einem Nachschlagewerk – der Vergleich zu einem spannenden Magazin passt besser.

Die Einleitung zu den Pflanzenbeschreibungen bietet ein Kapitel zur „Capitulare des villes“, der Landgüterverordnung Karls des Großen. Auf 35 Seiten findet sich eine Beschreibung und Einordnung der Karlsverordnung sowie der Kontext zu anderen erhaltenen historischen Schriften.

Wer vom Lesen Hunger bekommen hat, findet in einem kleinen Rezeptteil Anregungen für die verschiedensten Gerichte unter Verwendung der zum Teil eher unbekannten, beschriebenen Pflanzen. Bei der Rezeptauswahl finden moderne, kreative Gerichte ebenso Beachtung wie die regionale Küche.

Eine Vorstellung des Karlsgartens in Aachen bildet den Abschluss. Die beiden Gärten werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Freundeskreises Botanischer Garten Aachen e. V. gepflegt und betreut. Gezeigt werden alle in der „Capitulare des villes“, aufgezeichneten Pflanzen; ein Plan erleichtert die Orientierung. Der Garten bietet eine attraktive Anlaufstelle bei einer Besichtigungstour in Aachen.

In den Anhängen finden sich ein Register der vorgestellten Pflanzen mit Speziesnennung sowie ausführliche Literaturangaben.

Einfach ein schönes Buch!

Mit den schönen Bildern, der ansprechenden Aufmachung und den zugänglich präsentierten Fakten nimmt man das Buch immer wieder gern in die Hand. Es bietet für den einschlägig interessierten Leser genauso viele Anreize wie für den Hobbygärtner. Oder vielleicht sollte ich sagen, ein „Anfüttern“ an den eher unbekannten Bereich der Archäobotanik ist in vollem Umfang gelungen. Wer ein schönes Geschenk für liebe Schwiegereltern mit Garten sucht, ist hier genauso gut beraten wie Geschichts- und Botanikinteressierte.

Einziger Kritikpunkt sind die fehlenden Beschreibungen zu den Abbildungen aus historischen Handschriften, die so nur einen dekorativen Charakter haben.

Zu den Herausgebern

Karl Josef Strank ist Biologe an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und Geschäftsführer des Freundeskreises Botanischer Garten Aachen e.V. Jutta Meurers-Balke ist Leiterin des Labors für Archäobotanik des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln und untersucht Pflanzenfunde aus Ausgrabungen

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4 Kommentare

  1. Ich möchte noch einen weiteren Kritikpunkt anbringen, und zwar den zu den Rezepten im Buch.
    Wer hier Rezepte aus der Zeit Karls des Großen oder wenigstens allgemein aus dem Mittelalter, meinetwegen auch modernem Geschack angepaßt, erwartet, wird wohl enttäuscht werden, sind doch die meisten Rezepte wirklich modern und teilweise sogar mit neuweltlichen Zutaten.

    Ich sehe das anders als Sylvia eher als “Bug” denn als “Feature”.

    18. Juli 2008, 11:07 Uhr • Melden?
    von Hilmar Becker
    1
  2. Die ersten Gedanken sind manchmal die besten. Ich glaube, ich mache jetzt in Archäoonomastik.
    Wir Archäoonomastiker beschäftigen uns mit der Namens(er)forschung archäologischer Fundstücke und stehen dabei auf dem Standpunkt, dass sich die gebräuchlichen Benennungen in einem sozialen Prozess verändern. Der authentische Name bleibt aus unserer Sicht zumeist ein gut gehütetes Geheimnis der Geschichte.
    Um nicht der Scharlatanerie anheim zu fallen, waren wir auch schon hier: http://www.dpma.de/docs/service/formulare/marke/w7005.pdf.

    Was nun alles nicht den Karlsgarten als solchen betrifft.

    Immer wieder eine Freude, danke Sylvia.

    Sebastian

    18. Juli 2008, 14:07 Uhr • Melden?
    von Sebastian
    2
  3. Auch ich muss mich der Kritik an diesem Buch anschließen. Keine Frage, die Darlegungen zu den einzelnen Pflanzen des Capitulare sind interessant, informativ und stimmig, auch wenn ich mir manches konkreter herausgestellt gewünscht hätte (beispielsweise dass unsere rote Möhre und auch unsere Kohl- und Steckrüben neuzeitliche Züchtungen und damit für den mittelalterlichen Kochtopf nicht geeignet sind.) Die Rezepte hingegen sind durchweg Gegenwartsrezepte. Hier wurde die Chance vertan, gesunde Rezepte ohne Brühwürfel und Ketchup aufzuzeigen.
    Schwer enttäuscht haben mich dagegen die Abbildungen. Dem Augenschein nach handelt es sich um spätmittelalterliche Buchmalereien, die offenkundig nicht zur Karolingerzeit passen. Herauskriegen lässt sich das ohne eigene Recherchen nicht, da es keine Bildunterschriften gibt, geschweige denn, welchem Kodex diese entnommen wurden. Der Bildnachweis im Anhang führt in dieser Hinsicht nicht weiter. Diesen Mindeststandard hätte ich von einem Buch mit wissenschaftlichem Anspruch erwartet.

    29. Juli 2008, 10:07 Uhr • Melden?
    von Annette Kreutzfeldt
    3
  4. Na denn:
    Hier wurde von Frau Crumbach ein Buch in den höchsten Tönen gelobt, was es nicht einmal verdient hätte in den tiefsten erwähnt zu werden. Wo blieb bei Ihrer Buchkritik die Ihnen sonst eigene Genauigkeit in Recherche und Begutachtung? Es ist ein Kochbuch mehr mit modernen Rezepten, das es sich nicht lohnt zu kaufen.

    19. August 2008, 12:08 Uhr • Melden?
    von Guenther Krause
    4

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