Klasse Features Das Mittelalter als 3D-Strategiespiel

Der fünfte Teil der Siedler Serie entführt uns ins Mittelalter. Dort hat das lustige Wuseln ein Ende und wird von 3D-Siedlern und kampferprobten Recken abgelöst. Die Siedler V - "Das Erbe des Königs" stellt in vielerlei Hinsicht einen Bruch mit dem etablierten Spielsystem dar. Der Fokus hat sich deutlich vom Aufbau- zum Strategieteil verschoben. Mutig sind die Entwickler neue Wege gegangen, haben bekannte Features gestrichen und neues eingebracht. Heraus kam ein guter Mix von Echtzeitstrategie und Aufbausimulation, welche in einer detailreichen, mit viel Atmosphäre gefüllten und fast schon realistisch anmutenden Welt des Mittelalters spielt.

Held wandelt in edler Optik

Zu Beginn des Spiels wird der Held Dario eingeführt, der von seiner sterbenden Mutter über sein Erbe als König aufgeklärt wird. Da Krieg und Tod die Nachbarschaft bedrohen, zieht er aus, sich diesen Gefahren entgegen zu stellen und sein Reich zu gewinnen. Das sind gleich zwei willkommene Neuerungen. Zum einen die Einführung von Helden – Gute wie Böse werden im weiteren Verlauf den Weg unseres Dario kreuzen – sowie die komplette, sich durch das gesamte Spiel ziehende Hintergrundhandlung. Um seine Ziele zu erreichen muss Dario die Bedürfnisse seiner Schützlinge stillen, sein Reich mehren und letztlich eine Streitmacht aufstellen, um dem Bösen zu begegnen.

All das wird in gewohnter Siedler-Manier getan – und doch auch wieder nicht. Kein Bauer sät mehr das Korn, kein Arbeiter transportiert mehr das Brot. Diese schönen Szenen sind Vergangenheit. Dafür wird in den Produktionsstätten mit detailverliebter Optik der Tagesablauf dargestellt. Es ist eine Freude, die Zoom-Funktion zu nutzen.

Neben dem Abbau von Rohstoffen und deren Veredelung sind es die Wünsche des Volkes, die über Werden und Vergehen des Reiches entscheiden. Sind Wege zwischen Arbeitsstätte und Wohnung zu lang oder muss im Freien übernachtet werden? Dann fällt die Moral und damit die Arbeitsleistung. Zudem besteht ein Unterschied, ob man einfache Leute oder geschulte Spezialisten mit der Produktion von Gütern betraut. Das Konzept der Spezialisierung wird mit Wissenschaftlern und mehreren Stufen je Einheit vervollkommnet.

Im Spiel gibt es die Möglichkeit Gebäude zu errichten, Upgrades für diese zu erhalten und seine Bevölkerung auszubilden oder zu spezialisieren. Um zu forschen braucht man die Universität, dort arbeiten Wissenschaftler, die wiederum neue Gebäude entwerfen, die ein noch schnelleres Vorankommen sichern. Aber Vorsicht, da im Spiel eine Bevölkerungsbegrenzung gegeben ist, muss wohl überlegt werden, wann welcher Schritt getan wird.

Ziel ist eine schlagkräftige Wirtschaft

Das Spiel ist wie seine Vorgänger auf einzelne Karten oder Szenarios ausgerichtet, mit dem Zusatz, dass sich diese in die Hintergrundhandlung einfügen. Je Szenario erhält man zudem mehrere kleinere Aufträge, die das Konto oder die Rohstofflager füllen.

Ziel ist es immer, eine Infrastruktur aufzubauen, die die Aufstellung einer schlagkräftigen Armee erlaubt. Ist das geschafft, zieht man gegen den Feind. Dabei stehen einem Schwert- und Lanzenkämpfer, Kanonen und die Kavallerie zur Verfügung. Jede dieser Einheiten kann durch entsprechende Errungenschaften zudem mehrere Upgrades bekommen. Der Gegner handelt nicht immer logisch und zu oft nach dem Motto “mit Masse”.

Für Militärische Operationen ist der Wechsel der Jahreszeiten von Interesse. Zugefrorene Abschnitte ermöglichen das Erreichen von Inseln und den Flanken des Gegners. Aber Vorsicht, auch dieser nutzt diese Wege.

Liebevolle Animation

Die Siedler V – “Das Erbe des Königs” ist der erste Teil der Reihe, der vollständig in 3D realisiert wurde. Alle Gebäude und Personen sind stufenlos zoombar und liebevoll animiert. Vor allem sich im Wind wiegende Bäume und die verschiedenen Wetter- und jahreszeitlichen Effekte steigern das Gefühl, ein Heim für seine Siedler gefunden zu haben. Die soundtechnische Untermalung ist gut gelungen, über die Qualität der Sprachausgabe hingegen lässt sich streiten.

Neben der Kampagne stehen mehrere Ein- und Mehrspielerkarten zur Verfügung. Per Netzwerk oder Internet kann man gegen Freunde antreten oder mit ihnen zusammen siedeln. Dabei kann man auch in den Genuss der Bösen-Helden gelangen.

Die Siedler haben sich verändert, Vertrautes ist verloren gegangen, Neues erschließt sich erst unser Herz. Wer sich darauf einlässt, wird den Suchtfaktor schnell zu spüren bekommen. Und wer am Ende steht, freut sich bereits auf das AddOn und den sicherlich kommenden sechsten Teil.

Der Autor

Chris Walter, 32, arbeitet als IT-Manager in der Softwarebranche. Mit Begeisterung testet sich der Thüringer durch die angesagtesten PC-Spiele.

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1 Kommentare

  1. Ja dieses Spiel ist schonhammermäßig und macht Riesenspaß!
    Doch es hat in meinen Augen nichts mehr mit dem Siedler zu tun, welches wir kennen, gar nichts. Wer also an und für sich gutes altes Siedler “siedeln” will, wird wohl eher enttäuscht sein, wer aber ein super Strategie-spiel spielen will wird aufs höchste entzückt sein!

    20. Februar 2005, 21:02 Uhr • Melden?
    von Rondrian
    1

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