Ketzerroman Das Geheimnis der Katharer

Eine einsame Klosterruine in den walisischen Bergen, stetiger Blendenwechsel zwischen Mittelalter und Gegenwart, das ewige Spiel um unerfüllte Liebe und ein mysteriöser Gegenstand - das sind die Zutaten mit denen Elizabeth Harris ihren Roman würzt. Eine Geschichte, die ihren Zauber aus geschickter Verflechtung von zwei Zeitebenen zieht.

Es ist beileibe kein historischer Roman, den die Autorin da präsentiert. Und es will auch keiner sein. Ungeniert versetzt sie Anhänger der katharischen Lehre – einer im südfranzösischen Languedoc blühenden Religion – mitten ins Wales des frühen 13. Jahrhunderts. Und absichtlich spielt sie mit der verheißungsvollen Bedeutung des heiligen Steins, den die “Reinen”, wie sich die Katharer nennen, auch gegen den blutigen Kreuzzug der katholischen Kirche und der nordfranzösischen Ritter verteidigen. Der Stein bringt Licht in die mittelalterliche Welt. Und die Brüder des einsamen walisischen Klosters leben Toleranz gegenüber Andersgläubige – eine romantische Verklärung der Gralslegende.

Die Gegenwart: Nina und der heimlich von ihr verehrte Vorgesetzte Mark helfen bei Ausgrabungen eines verfallenen Klosters – glauben sie zumindest. Doch seltsame Grabfunde lassen die Forscher an der Funktion der Anlage zweifeln. Vor allem das Skelett eines Neugeborenen gibt Rätsel auf. Gemeinsam machen sich Nina und Mark zu einer Reise auf, die sie bis in das Languedoc führt und auch ihre Beziehung auf die Probe stellt.

Die Vergangenheit: Gewalt und Tod bricht in das Leben der Adligen Roese ein. Sie wird Mündel des englischen Königs und flieht vor seinen Heiratsplänen. Hilfe sucht sie bei dem bretonischen Ritter Gawyn, der sich selbst in seine Liebe zu ihr und den Krieg gegen die Katharer verstrickt. Und alle Fäden laufen in der Bruderschaft hoch oben in den Bergen von Wales zusammen.

Die Begriffe Mittelalter, Wales und Ruinen lassen den Leser sogleich an geheimnisvolle Begebenheiten und Geistergeschichten denken. Und Harris bedient diese Erwartungen auch prompt. Wer sich darauf einlassen mag, findet in dem Roman einen wunderbaren und spannenden Lesestoff für gemütliche Abende.

Elizabeth Harris; “Der heilige Stein”; 398 Seiten; Deutscher Taschenbuch Verlag; 2003; 9,00 Euro; ISBN 3-423-20628-4

Artikel aus der Rubrik „Medien“

  • Schräge Dichter, minnende Könige

    426 Pergamentblätter, 140 Dichter, davon 137 porträtiert, und 5240 mittelhochdeutsche Strophen. Das ist der Codex Manesse. Wem Zahlenmagie nicht genügt, kann der Liederhandschrift auch lauschen. Eine Ohren-Reise ins Mittelalter.

  • Götterdämmerung in Alexandria

    „Agora – Die Säulen des Himmels“ läuft am 11. März in den Kinos an. In dem Film von Alejandro Amenábar geht es um das spätantike Alexandria, Glaubenskämpfe, um Philosophie. Und um eine historische Figur: Hypatia.

  • Musica Romana auf Spurensuche

    Die griechische und römische Antike steckt voller musikalischer Geschichten. Ob einfache Hirten, Gelehrte oder rauschende Feste – Musik gehörte stets dazu. Nur, wie klangen diese Melodien? Musica Romana hat die Antwort.

  • Der Zauber mittelalterlicher Musik

    Ein Special zu Vertonungen historischer Musik: Das Lochamer Liederbuch aus dem 15. Jahrhundert erwacht zu neuem Leben. Vox Resonat treten als „Spielleute Gottes“ auf. Und es gibt eine Musikreise ums Mittelmeer.

Ihr Kommentar zum Artikel „Das Geheimnis der Katharer“


Sie sind angemeldet als

abmelden