Sachsenroman Das Geheimnis der Hebamme

1168 wird im Gebiet von Christiansdorf in Sachsen Silber gefunden. Die sächsische Landgewinnungszeit des Hochmittelalters ist der Rahmen, in dem sich die Autorin Sabine Ebert bewegt. Sie macht ihre Sache gut.

Eine Legende als Romanstoff

Im 12. Jahrhundert finden unter Kaiser Barbarossa sehr große Siedlungsbewegungen im Gebiet östlich von Saale und Elbe statt. Die Autorin beschreibt, wie die Besiedlung von Christiansdorf unter dem Meißner Markgraf Otto von Wettin stattgefunden haben könnte. Laut einer Legende entdeckten zwei Salzfuhrleute aus Halle in der Region das erste Silber. Die Folge davon war, dass die Siedlung zur reichen Stadt Freiberg wurde und Markgraf Otto den Beinamen „der Reiche“ erhielt.

Diese Legende baute Ebert in ihren Roman ein. Vermischt mit einem korrekten historischen Rahmen und den zwei sympathischen Hauptfiguren ist ein sehr informativer und mitreißender Roman mit märchenhaft schönem Ende zustande gekommen. Vom Siedlungsgründer ist nur dessen Name bekannt. Das gab Ebert ausreichend schöpferische Freiheit. Die nutzte die Autorin auch, um mit Christian einen echten Freiberger Ritter zu erschaffen. Eine Art „Rob Roy der Sachsen“. Die außerordentlichen Kenntnisse der Hauptfigur Marthes, der jungen Wehmutter, über Kräuter sind Hildegard von Bingens Überlieferungen entnommen.

Dramatische Liebesgeschichten

Die außergewöhnlich talentierte und noch sehr junge Wehmutter Marthe muss fliehen, weil sie dafür verantwortlich gemacht wird, dass der Sohn des Burgherren Wulfhart tot zur Welt kam. Sie kann sich einem Siedlerzug Richtung Meißen anschließen. Der Siedlungsgründer, Ritter Christian, ist sofort von Marthe als Frau und auch von ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten fasziniert.

Christian schätzt ihre Fähigkeiten so sehr, dass er Marthe auch am Hof von Markgraf Otto vorstellt. Dort kann Marthe sofort ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und rettet der Gräfin und ihrem Sohn das Leben. Sie erlangt so die Gunst hochgestellter Persönlichkeiten. Aber sie lernt auch die erschreckende und grausame Willkür einiger Grundherren gegenüber dem einfachen Volk kennen.

Ritter Randolph, Todfeind ihres Herren Christian und Vasall von Otto, vergewaltigt Marthe. Er will sich damit an Christian zu rächen. Aber Marthe schweigt, da sie die Intrige schnell durchschaut und Christian treu ergeben ist. Dass sie in ihn verliebt ist, gesteht sie sich selbst nicht ein, da es für eine solche nicht standesgemäße Liebe wenig Hoffnung gibt. Um sich vor weiteren Übergriffen durch Randolph zu schützen, heiratet sie einen alten Witwer in der Siedlung. Aber Randolphs Rachsucht kennt keine Grenzen. Er lässt sich von Otto zum Vogt der Siedlung ernennen, um nun frei über jeden und alles in der noch jungen Gemeinde verfügen zu können. Das Ende? Das mag sich jeder selbst erlesen.

Die gute Mischung aus Fiktion und Legende mit realem historischen Hintergrund sowie der Vermittlung mittelalterlichen Allgemeinwissens ist meiner Meinung nach gelungen. Ein empfehlenswerter historischer Schmöker – oder Sachsens Antwort auf Rob Roy!

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2 Kommentare

  1. Ich finde es ganz toll wie S. Ebert dieses Buch geschrieben hat. Neulich war ich in Freiberg und habe Vergebens den Stadtteil Christiansdorf gesucht. Ich würde es klasse finden wenn für künftige besucher ein hinweiß gegeben wird.
    Machen Sie weiter so :-)

    30. Mai 2008, 09:05 Uhr • Melden?
    von Kluge
    1
  2. super bücher. ich habe sie verschlungen.

    06. Juni 2010, 23:06 Uhr • Melden?
    von Catrin Koch
    2

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