Buch über Reiternomaden Die alte Kultur der Steppenkrieger

Cover des Katalogs "Steppenrkieger". © Primus Verlag

Das Schöne an Katalogen: Sie informieren auch nach dem Ausstellungsende. Das tut auch der Band „Steppenkrieger“ aus dem Primus-Verlag, der die just beendete Bonner Schau über Reiternomaden faktenreich aufbereitet.

Faszinierende Essays

Der großformatige Begleitband zur Ausstellung ist in zwei Versionen erschienen; einmal als broschierte Ausgabe für den Verkauf im Museum und einmal als Hardcover mit Schutzumschlag für den Buchhandel. Beide Ausgaben unterscheiden sich in Inhalt und den inneren Werten nicht. Gezeigt wird die Kultur der innerasiatischen Reiternomaden vom 7. bis 14. Jahrhundert.

Der Begleitband heißt völlig zu Recht so, denn er ist mehr als nur ein „einfacher“ Katalog zur Ausstellung. Das 416 Seiten starke Buch ist durchgängig vierfarbig gedruckt und enthält eine Unmenge an Fotos und Graphiken. Es ist in zwei Teile unterteilt. Nach den obligatorischen Danksagungen folgt als erster Teil eine Sammlung von Aufsätzen zu den verschiedenen Themen der Ausstellung.

Cover des Katalogs “Steppenrkieger”. © Primus Verlag

Diese reich bebilderten Essays befassen sich, auch über die eigentliche Ausstellung hinausgehend, mit der Geschichte der Mongolen, der Bedeutung des Pferdes in ihrer Kultur, dem Gegensatz von reiternomadischer und sesshafter Kultur, der Archäologie in der Mongolei und vielen anderen Themen. So wird allein schon die Altai-Harfe in diesem Part auf insgesamt 15 Seiten ausführlich behandelt. Dort werden auch Objekte, die in der Ausstellung meiner Meinung nach eher unterstützenden Charakter haben, besprochen. Ein zehnseitiger Aufsatz behandelt zum Beispiel die sogenannten „Diez-Alben“ aus Berlin mit kostbaren Miniaturen aus dem 14. Jahrhundert.

Dieser knapp 200 Seiten starke Teil ist es, der aus dem Katalog zur Ausstellung einen echten Begleitband macht.

Ausführliche Details im Katalog

Der zweite Teil des Buches enthält dann den eigentlichen Katalog zur Ausstellung. Hier wird wirklich jedes Objekt ausführlich dargestellt und eingeordnet. Zu jedem Objekt gibt es mindestens ein Farbfoto in hervorragender Qualität.

Das ausgestellte Skelett eines Reiterkriegers wird im Katalogteil ausführlich besprochen. Der anthropologischen Untersuchung sind hier acht Seiten mit 13 Farbfotos gewidmet. Die anderen Ausstellungstücke werden ähnlich ausführlich beschrieben.

Den Abschluss des Bandes bildet ein 60 Seiten starker Anhang mit farbigen Karten, Zeitleiste, Literaturhinweisen und einer Liste der naturwissenschaftlichen Analysen und ihrer Ergebnisse. Dort findet der interessierte Bogenbauer in aller Kürze beispielsweise aufgelistet, aus welchen Hölzern die gefundenen Pfeile gefertigt waren.

Ich kann diesen Band, egal für welche Ausgabe man sich entscheidet, nur jedem wärmstens empfehlen. Die üppige Bebilderung und verständliche Sprache im Aufsatzteil machen diesen Band zu einem Schmöker für den interessierten Laien, ohne dass der wissenschaftliche Anspruch auf der Strecke bleibt. Die klare Gliederung in Aufsatzteil, Katalog und Anhang erleichtert die Orientierung und den Zugriff auf die Informationen, die man gerade sucht.

Der Fachmann wird hier ebenso bedient. Er findet in dem ausführlichen Katalogteil umfassende Informationen zu jedem ausgestellten Stück. Der Anhang liefert sowohl dem Laien als auch dem Fachmann jede Menge Ansatzpunkte und Hinweise zu vertiefender Recherche.

Ein Bekannter von mir hat seine Begeisterung mal so ausgedrückt: „Mit dem Buch haben die Ausstellungsmacher sich keinen Gefallen getan. Das ist so gut, dass man sich den Besuch der Ausstellung eigentlich sparen kann.“

Nachtrag der Redaktion

Die „Gefahr“, dass der Band vom Ausstellungsbesuch abhält, besteht vorerst nicht mehr. Ende April ging die Bonner Ausstellung zu Ende. Die Schau wird aber – wenn auch aus Platzgründen wohl nicht komplett – im nächsten Jahr im Kelten Römer Museum Manching in Bayern zu sehen sein. Voraussichtlich vom 17. Mai bis 17. November 2013.

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