Springe Vereine planen eine Sachsensiedlung

Hunderte Jahre alt sind die Eichen, die schwer im Wind rauschen. Auf einer Lichtung ducken sich die strohgedeckten Langhäuser der Sachsen. An rauchenden Feuern und in den kleinen Werkstätten gehen die Männer und Frauen ihrer Arbeit nach. Und der Wald rund um die frühmittelalterliche Siedlung wimmelt vor Wisenten, Wölfen und Hirschen. So zumindest sieht der Traum einiger norddeutscher Vereine aus. Im Wisentgehege nahe dem niedersächsischen Springe wollen sie ein frühmittelalterliches Dorf originalgetreu errichten.

Das Projekt stellten die Teilnehmer am vergangenen Wochenende erstmals der Öffentlichkeit vor. Mit einigen Dutzend Zelten bauten sie ein provisorisches Dorf mitten im Hirschgehege auf. Provisorisch zwar, aber die Ausrüstung der Freizeithistoriker zeigte bereits den hohen Anspruch der Teilnehmer. “So genau wie möglich wollen wir das einfache frühmittelalterliche Leben nachstellen”, machte der Braunschweiger Maic Gronych klar.

Mehrere Gruppen – ein Ziel

Am Vorhaben beteiligt sind unter anderem der niedersächsische Verein “Huginn”, der sich der Darstellung der Nordmänner verschrieben hat, und die Gruppe “Accomanni Frisiae”. Diese Gruppe aus Leer stellt frühmittelalterliche Friesen dar. Beide gehen mit durchaus wissenschaftlichem Anspruch vor.
Mit dem gemeinsamen “Verein zur Förderung der experimentellen Archäologie” wollen die Gruppen die Siedlung in dem Springer Wildpark aufbauen. Mit Parkmanagement und Stadtverwaltung laufen zurzeit die letzten Verhandlungen, damit der Verein ein Grundstück im Gehege übernehmen kann. “Ich bin sicher, dass das auch klappt”, meinte Gronych.
Die passende “Location” zum Projekt sei zunächst das Wichtigste, so der Vereinssprecher. Und im Wisentgehege passe einfach alles. Mit den hier untergebrachten Tieren und dem urwüchsigen Wald werde ein historisch fast perfektes Umfeld geboten. “Es ist wie damals”, schwärmte Gronych. Denn die neue Siedlung soll eine Struktur aufweisen, wie sie für die Zeit zwischen 600 und 1000 typisch war. Ist mit dem Grundstück erst einmal alles geklärt, könne der Bau bereits 2005 beginnen.

Darstellung des bäuerlichen Alltags

Zunächst ist der Bau von zehn Häusern geplant. Neben umfangreichen Eigenleistungen der Vereinsmitglieder und Freunde sollen vor allem Sponsoren das Projekt finanzieren. Neben den Langhäusern sollen auch Erdhütten gebaut werden. “Beide Hausformen sind für die Zeit typisch”, so Gronych.
Natürlich wird die Siedlung auch belebt. Regelmäßig wird der Verein mit befreundeten Gruppen für einen zeitgemäßen Alltag sorgen. Der Schwerpunkt liegt dabei zwar bei den frühmittelalterlichen Sachsen. “Allerdings sind Ausrüstung und Lebensumstände auch für Nordmänner oder Friesen ähnlich”, erklärte Gronych. Und intensive Kontakte zwischen den einzelnen germanischen Stämmen sind ja belegt. Damit können die verschiedenen Gruppen auch ohne Umstände gemeinsam an dem Projekt arbeiten. Außerdem sollen Archäologen das ehrgeizige Projekt begleiten. “Zum Glück gibt es ja innerhalb der Wissenschaft nicht mehr diese Ablehnung gegenüber experimenteller Archäologie wie früher.”

Leben wie damals

“Themenparks wie unser Projekt sind im Kommen”, ist Gronych sicher. Freilichtmuseen also, die sich keinem breiten Spektrum, sondern einer ganz speziellen Zeit und Kultur widmet. Workshops und Feldversuche sind im Konzept enthalten. Versuche etwa, wie originalgetreue Töpferwaren hergestellt – und genutzt werden können.
Daneben können sich die Vereinsmitglieder auch besondere Angebote für Besucher vorstellen. Für einige Tagen könnten diese beispielsweise im Dorf wohnen und arbeiten. Bei allem Engagement für die Geschichte ist eine wichtige Vorgabe klar: “Langfristig soll sich das Projekt selbst tragen”, so Gronych. Auch daher mache die gemeinsame Projektarbeit mit dem Wisentgehege Sinn. Urwüchsige Tiere und eine historische Siedlung – damit könne man voneinander profitieren.

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