Schwerter, Brot und Spiele Triumphzug durch die Römerstadt

Legionär der Ermine Street Guard mit Marschgepäck. © Marcel Schwarzenberger

Menschen, deren Outfit um gut 2000 Jahre Jahre in die Vergangenheit führt. Ein Triumphzug, der die Sinne betört. Kinder mit leuchtenden Augen. Antike Nahrung für Geist und Körper. Die Römerspiele zu Xanten.

Aufmüpfige Legionäre

Ein lautes Knacken, das glühende Holz zerplatzt in leuchtende Funken. Rotes Licht spiegelt sich in glänzenden Rüstungen wider. Legionäre helfen sich gegenseitig in ihre Lorica segmentata. Das sind aus mehreren Metallstreifen zusammengesetzte Panzer. Eine nächtliche Streife durch das Lager steht ihnen bevor. Die Soldaten am Lagerfeuer besprechen leise mit ihrem Gruppenführer Tiberius die Einteilung der Nachtwachen. Soldatenalltag in Germanien, nicht anders als in anderen Grenzregionen des römischen Imperiums auch. In das Prasseln des Feuers hinein fragt eine Stimme: „Hat noch jemand Schokolade übrig?“

Verneinendes Gelächter gibt es als Antwort; bei manchem der modernen „Römer“ mischt sich selbst ein leises Bedauern hinein. Für die Darstellergruppe „Flavii“ ist es bereits die zweite Nacht im Archäologischen Park Xanten (APX). Gut 300 Akteure aus mehreren europäischen Ländern folgten am vergangenen Wochenende dem Ruf der APX-Organisatoren und des Landschaftsverbandes Rheinland zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Spektakel „Schwerter, Brot und Spiele“. Auf dem riesigen Gelände haben sie ihre Zelte aufgeschlagen, zwischen denen das ganze Wochenende über rund 23.600 Besucher wandeln. Ein neuer Rekord, der die APX-Leute in Verzückung versetzt – 2005 kamen 15.200 Menschen.

Jetzt ist erst einmal Ruhe eingekehrt in den Park. Sterne leuchten zwischen den Wolken und den korinthischen Säulen des zum Teil wieder aufgebauten Hafentempels auf. Der größte Hunger ist längst gestillt, der Duft gegrillten Fleisches hängt noch in der Luft. Zwischen den einzelnen Lagern streifen Grüppchen umher. Man kennt sich schließlich untereinander. Und was dem einen fehlt, hat eine andere Gruppe mit Sicherheit buchstäblich auf Lager. Frisch gezapftes Bier oder einen Becher Mulsum zum Beispiel – gewürzter Wein wie im alten Rom. Doch manchmal sind moderne Leckereien eben rar. „Macht aber nichts, eher vermissen wir mal nach einigen Tagen ein richtiges Bett oder eine Dusche“, sagt Tiberius, der im wahren Leben Tobias Gabrys heißt und an der Uni Bonn seinen Magister als Historiker macht. Wie die Flavii sind die meisten Gruppen an etlichen Wochenenden im Jahr auf Veranstaltungen wie dieser.

Die Sache mit der Nachtwache ist allerdings ernst gemeint. „Wir versuchen, den Alltag der Legionäre möglichst eng nachzuempfinden“, sagt Gabrys. Die Männer übernehmen abwechselnd eine Schicht, der Weckruf am Morgen gehört zum Ritual. Dann tönen auch aus anderen Lagern Befehle und die durchdringenden Töne des römischen Militärhorns, dem Cornu. Mit klassischem Rollenspiel habe das aber wenig zu tun, betont Gabrys. „Wir sind auch hier Menschen des 21. Jahrhunderts.“ Doch Darstellung habe eben nicht nur mit dem Herzeigen der Ausrüstungen zu tun, sondern auch mit Abläufen. Kaum eine Römergruppe verzichtet auf militärische Übungen. Im Konzept der einzelnen Vereine und Interessengemeinschaften vermischen sie sich mal mehr, mal weniger mit zivilen Elementen. Neben Handwerk, antiker Frisierkunst und Schmuckherstellung ist aber eben der martialische Auftritt von Legionären und ihrer Hilfstruppen, den Auxiliaren, ein Fixpunkt der Szene. Und der Umgang mit Waffen und großem Kriegsgerät will geübt sein. Die 1. Römerkohorte Opladen etwa brachte nicht nur ihre exakt nach römischen Vorbild genähten Lederzelte mit, sondern auch einsatzbereite Nachbildungen antiker Geschütze.

Wer einen ganzen Tag lang vor Publikum Exerzierübungen oder Märsche durch den riesigen Museumspark hinter sich gebracht hat und auch nachts Wache schiebt, der bekommt eine Ahnung davon, was die antiken Legionäre leisten mussten. Ein Anspruch, den die Flavii mit den anderen Akteuren teilen. Die Interessengemeinschaft hat sich auf die Geschichte der Legio I spezialisiert. Die Truppe revoltierte während des Bataveraufstandes (68/69 n.Chr.) gegen Kaiser Vespasian. Sie trug damals den Beinamen „Germanica“ und war in Bonn stationiert. Wenige Jahre später wurde die Erste Legion mit dem Beinamen „Flavia Minervia“ wieder reaktiviert.

Genau diese Entwicklung zeichnen die Flavii nach (der Name verweist auf die flavische Dynastie: Vespasian, Titus, Domitian). Ihre Ausrüstung entspricht den Vorbildern aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Gabrys allerdings trägt nicht die typische Lorica segmentata, sondern als Unteroffizier einen Schuppenpanzer (Lorica squamata). Seinen Schild zieren rote Flügel, von Blitzen umgeben, auf weißem Grund. Das Motiv – nicht die Farbe, die Gabrys selbst ausgewählt hat – stammt von der berühmten Trajansäule und wurde von Wissenschaftlern der Legio I Flavia Minervia zugeordnet.

Die Flavii haben ihr Lager gemeinsam mit zeitlich auf einer Linie liegenden Akteuren aufgeschlagen: der einundzwanzigsten Legion (Legio XXI Rapax). Die bezog das Bonner Lager, nachdem die Legio I beim Kaiser wegen ihrer Aufmüpfigkeit in Ungnade fiel. Abenteuerliche Geschichten über ihre Legion wissen auch die „Rapax“-Darsteller um Centurio Michael Mäckelmann zu berichten. Schließlich blieb kaum eine Legion während der innenpolitischen Wirren untätig. Als der römische Statthalter der Provinz superior, Saturninus, sich 89 n. Chr. gegen Vespasians Sohn Domitian erhob, schloss sich ihm unter anderem auch die Legio XXI an. „Der Kaiser versetzte die Legion danach nach Pannonien“, erzählt Mäckelmann. Wenige Jahre später rieb sich die Legion im Kampf gegen die gefürchteten Sarmaten auf. Die Truppe wurde nie wieder aufgestellt.

Die Dienstältesten kommen aus England

Schweiß stand am Anfang jeden militärischen Erfolgs. Permanentes Training gilt auch heute als eine der Grundtugenden guter Darsteller. Von den Akteuren im APX ist keine Gruppe länger dabei als die Ermine Street Guard unter ihrem in der Szene schon als Veteran geltenden Centurio Chris Haines. Seit 1972 mischen die Engländer in der Reenactmentszene mit ihren minutiös vorgeführten Drill- und Kampfübungen mit. Ergraute Ex-Soldaten, junge Polizisten – die rund 45 Mann zählende Einheit muss um ihren Nachwuchs keine Bange haben. In Xanten schlägt die Ermine Street Guard, gemeinsam mit dem niederländischen Gemina-Projekt, ebenfalls als kämpfende Legionseinheit aus dem späten ersten Jahrhundert n.Chr. auf.

Den Briten hat es die zwanzigste Legion (Legio XX Valeria Victrix) angetan, die unter anderem am Rhein, später in einem Kastell beim heutigen Chester in England stationiert war. Neben der Schildbemalung verweisen die nach Funden gearbeiteten Legionszeichen, darunter die mit einem Eber geschmückte Standarte, auf den antiken Kampfverband hin. Die Ausrüstung entspricht den damaligen Anforderungen aller römischen Infanteristen. Auf einer Wiese, wo sich vor 1900 Jahren die Wohnquartiere der alten Stadt Colonia Ulpia Traiana erstreckten, zeigen die Briten, was in ihnen steckt.

Marschieren in Formation, das Einnehmen von Verteidigungsstellungen wie der Schildkröte, Zweikämpfe oder das Werfen der berüchtigten Lanze (Pilum) – den Jungs sieht man den regelmäßigen Drill an. Bäche von Schweiß rinnen einigen Männern von der Stirn, die vor dem Publikum einige Runden mit komplettem Marschgepäck drehen. Den Helm vor der Brust, Schienenpanzer am Körper, den verhüllten Schild an der Schulter und zusätzlich bepackt mit Pilum, Schwert und Dolch sowie alles, was der Legionär zum Lagern und Überleben braucht. Bis zu 40 Kilogramm Gepäck kamen für den einzelnen Soldaten leicht zusammen. Der Soldat als mobile Kampfmaschine; bereit, notfalls wochenlange Gewaltmärsche ohne täglichem Kontakt zum Tross durchzustehen. Das war eines der Erfolgsrezepte der Militärmacht Rom. Was das letztlich für den Menschen bedeutete, davon ließen aber nicht Archäologen, sondern erst die freiwillig ähnliche Strapazen auf sich nehmenden Reenactors eine Ahnung aufkommen.

Ob Infanterieübungen, Schießvorführungen an Onager oder Scorpio – keine Aktion im APX läuft ohne Moderation. Das Publikum soll erkennen, was es sieht. Groß sind oft die Hemmschwellen, die Akteure in ihren Lagern einfach anzusprechen. Abgeschottete Zeltplätze sind indessen zum Glück die Ausnahme. Allein die Opladener Kohorte umspannte ihre teuren Lederzelte weiträumig mit Seilen. Eine Einladung zum persönlichen Gespräch? Fehlanzeige. Ein Stil, den sich Centurio Klaus Schwab in der nunmehr rund 20-jährigen „Dienstzeit“ seiner Truppe angewöhnt hat. Die Präsentationen seiner Kohorte (Legio VI Victrix) sind gleichwohl perfekt. Unter den anderen deutschen Gruppen in Xanten kann nur noch die Vindeliker-Kohorte unter ihrem heutigen Centurio Markus Neidhardt ähnlich lange Erfahrungen vorweisen.

In Scharen ziehen die Menschen von einem der Gruppenlager zum nächsten, streifen zwischen den großzügig angelegten Aktionsfeldern herum. Es fällt manchmal schwer, auf dem riesigen Areal den Überblick zu behalten, manche Darbietungen laufen gleichzeitig. An beiden Tagen ist die Arena zu den Vorführungen der Gladiatorentruppe des Historikers Marcus Junkelmann proppenvoll. Nichts geht mehr auf den Rängen, so dass die Jungs der Gruppen Legio Prima und Classis Augusta Germanica eigens Wachen an den Zugängen aufstellen müssen. Die Sache machen sie, angetan in ihrer Legionärstracht, richtig gut. Sie bleiben ansprechbar, und so verabredet man sich in ihrem gemeinsamen Lager.

Vom Wandel der Zeiten

Eine lange Gasse führt ins Kommandozelt, in dem die Insignien der dargestellten Einheiten versammelt sind. Stefan Heres spricht gern und fließend über die die Geschichte der Legio I Minervia, „die Bonner Hauslegion“. Es ist die selbe Truppe, die auch die Flavii sich vorgenommen haben, nur eine etwas andere Zeit. Die Legio Prima um ihren Aquilifer (Adlerträger) Stefan Heres tritt bereits mit dem auf Kaisertreue verweisenden Beinamen „Pia fidelis“ auf. Den verpasste ihr Kaiser Domitian nach dem Saturninus-Aufstand.

Nahe Bonn, in Köln also, lagerte um 79 n. Chr. die römische Marine der germanischen Provinz, die Classis Augusta Germanica. Diese Zeit und diese Truppengattung hat sich eine Kölner Interessengemeinschaft um Rene Keuth vorgenommen. Keuth mimt den Centurio, Auxiliare und Handwerker vervollständigen die Gruppe. Robert Columbus etwa kommt mit dem typischen ovalen Schild, dem Kettenhemd, der Stoßlanze (Hasta) und den Hosen eines einheimischen Hilfssoldaten daher, wie er im 1. Jh. in der Rheinflotte gedient haben könnte. In „seiner“ Zeit waren Kniehosen bei den Legionären, die das Bürgerrecht besaßen, noch verpönt. Sie trugen lieber die Tunika, wie etwa die befreundete Gruppe Cohors Arenacum zeigt. Wie sich die Einstellung zur einheimischen Tracht über die Zeit hinweg änderte, zeigen einige Mitglieder der Legio Prima. Obwohl reguläre Legionäre an der Schwelle zum 3. Jahrhundert darstellend, sind auch sie mit langen Hosen, geschlossenen Schuhen und ovalem Schild versehen. Neben der Hasta tragen sie auch das lange Schwert (Spatha). Das typische Kurzschwert Gladius und der so unverwechselbare rechteckige Schild (Scutum) aus der frühen Kaiserzeit hatten nach und nach ausgedient.

Fischzüge und römische Küchengeheimnisse

Das antike Zivilleben findet freilich auch bei den Xantener Römerspielen seinen Niederschlag. Die meisten Gruppen schwören nicht nur auf harten Drill, sondern auch auf das Erleben römischen Alltags. Die liebevoll restaurierte Herberge der alten Colonia entführt in antike Badefreuden und gönnt im Café den Erholungsuchenden einen Blick auf den römischen Kräutergarten. Modenschauen, Brettspiele, Aktionen für Kinder und Handwerkerstände vervollständigen das Bild.

Keine Frage, auch das Essen spielt eine große Rolle. Gleich am Eingang bringt der Verein „Projekte zur lebendigen Geschichte“ germanisches Flair in den ansonsten römisch geprägten Museumspark. Der Schleswiger Fischer Jörg Nadler breitet wahre Schätze an Repliken antiker Fischereikunst aus. Neben Netzen, Angelhaken und Harpunen hält Nadler ein mehrere Meter langes Gestell aus Korbgeflecht hoch. Vorn eine breite Öffnung, dahinter eine Art Schlauch, der immer schmaler wird. „Eine Buhnenreuse, mit der Fischer seit Jahrtausenden an der Nordsee arbeiten“, erklärt der Berufsfischer, der sich längst einen Namen als historischer Darsteller gemacht hat. „Nur wenige können heute noch so etwas fertigen.“ Seine Reuse hat der Niederländer Jan Voss gebaut. Solche Geräte kamen unter anderem bei den Chauken zum Einsatz. Bis zu 60 Meter lang konnten die ineinander gesteckten Korbteile sein. Eine Technik, die in Schleswig-Holstein noch bis ins 20. Jahrhundert hinein angewandt wurde.

Neben Nadlers Stand unterhält der Verein unter anderem auch eine Fischbraterei. Verführerischer Duft fein gewürzter Filets zieht verlockend in die Nase. Der Gemeinschaftsstand des Vereins hält weitere kulinarische Erlebnisse bereit. So bietet der Thüringer Thomas Groß in seiner germanischen Tracht auch leichte römische Küche an. Schnell gemachte Salate nach dem Buch des römischen Hofkochs Apicius zum Beispiel.

Auf Apicius, oder besser auf das ihm zugeschriebene Kochbuch, hält auch Edgar Comes große Stücke. Prüfend schnuppert er am Topf über dem Lagerfeuer des Vereins „Milites Bedenses“, den Soldaten im Bitburger Land. Die Truppe mit ihrer Zentrale im rheinland-pfälzischen Bitburg lebt ihr Geschichtsinteresse gleichfalls im 1. Jahrhundert aus. Der Legio XXII Primigenia widmet sich der gut 60 Mitglieder zählende Verein. In Comes, einem Vermessungsingenieur mit Faible für Archäologie, hat die Gruppe nicht nur einen gestandenen Aquilifer, sondern auch einen passionierten Koch. Wenn Comes den Kochlöffel schwingt, stehen Legionäre und die Frauen des Vereins Schlange.

In einem zweiten Leben hätte der Bitburger seine Leidenschaft vermutlich zum Beruf gemacht. Nun aber ist er froh, dass die römische Küche ihn nur in seiner Freizeit beschäftigt. „Macht so auch mehr Spaß“, sagt Comes und rührt noch einmal kräftig im Kessel, in dem Puls köchelt. In Kurzform zählt Comes die wichtigsten Zutaten auf: Gerstengraupen, weich gekocht („Kannst auch Weizen oder anderes Getreide nehmen.“) Dazu angebratene Stücke von Rind, Schwein oder Hammel („Und immer ordentlich Olivenöl!“) Dazu Gemüse der Saison geben und alles gut eine halbe Stunde köcheln lassen. Das Wasser läuft schon im Mund zusammen, hungrige Legionäre rücken mit ihren Näpfen noch dichter ans Feuer. Die erste Würze geben Zutaten wie Weinraute, Liebstöckel und Oregano. Sparsam mit Salz, Pfeffer und Koriander nachwürzen („Freilich gabs das alles auch damals schon – wer es sich leisten konnte.“) Zum Schluss gibt Comes etwas Honig und Weinessig dazu. „Natürlich nahm man in Rom auch noch die berühmte Fischsoße, Garum, dazu.“ Dessen Zubereitung gilt heutzutage als wenig appetitlich. Aber südostasiatische Fischsoßen, fertig in Flaschen abgefüllt, tun es auch. Das Ergebnis ist umwerfend lecker. Sein Wissen um antike Kochkunst gibt Comes übrigens nicht nur auf Veranstaltungen wie in Xanten weiter, sondern auch in Kochseminaren in Bitburg oder Trier.

Für den passenden Wein sorgt bei den Bitburgern der befreundete Verein „Vigilia Romana Vindriacum“ aus Wintrich. Die Gemeinde ist nicht weit von Bitburg entfernt, liegt am Weinbaugebiet an der Mosel und pflegt eine lange Passionsspiel-Tradition. Komponenten, die beinahe notgedrungen zu einer römischen Darstellergruppe führten. Eine römische Kelteranlage ließ sich bereits in Wintrich nachweisen. Tatsächlich entstand der Verein aus der Leidenschaft für Passionsspiele. „Wir legen aber auf archäologische Korrektheit unserer Ausstattung großen Wert“, betont der Vorsitzende Wolfgang Friedrich. Die Wintricher haben sich ebenfalls der Legio XXII zugewandt. Die militärische Ausstaffierung verbinden sie mit zivilen Dingen, wie Handwerk und eben der Erforschung antiken Weinanbaus. Demnächst startet der Verein ein Experiment mit originalgetreu nachgebauten Weinamphoren, von dem im chronico-Magazin noch zu lesen sein wird. Natürlich hat die Truppe auch selbst angesetzten Mulsum dabei. Wovon nicht nur die Bitburger, sondern auch andere Akteure und Besucher kosten dürfen.

Die Pompa zur Arena

Hörnerblasen, Offiziere brüllen Befehle, genagelte Legionärsstiefel stampfen über die Wege – die Römerspiele bewegen sich am Sonntag auf ihren Höhepunkt zu. Ein zweites Mal treten in der Arena die Gladiatoren gegeneinander an, begleitet vom Ensemble Musica Romana. Doch vorher steht noch die Pompa an. Eine Art Triumphzug mit berückenden Bildern.

Fast alle Legionäre, dazu Frauen in römischer Tracht, formieren sich am Lager der Flavii zum Marsch quer durch den APX, bevor der gesamte Zug im Rund eintrifft. Fast 150 Menschen nehmen teil. Hagen Pätzold, Barocktrompeter von Beruf und bei Musica Romana der Cornu-Bläser, übernimmt die Spitze. Pfeifend, trommelnd und singend folgen ihm die anderen Mitglieder des auf griechisch-römische Musik spezialiserten Ensembles.

In langen Reihen nehmen die Vertreter von fast 40 Gruppierungen Aufstellung. Die Legionäre, darunter die große Truppe der Ermine Street Guard, packen Schild und Pilum und brechen immer wieder in Kriegsgeschrei aus. Junkelmanns Gladiatoren schwingen ihre Waffen. Senatoren und edle Damen schreiten würdevoll voran. Lorbeerkränze, Schmuck und Waffengerassel betäuben Auge und Ohr. Am Ende schreitet eine Gruppe Germanen, die mit diesem Bild kokettiert. „Seht nur, wir treiben die Römer vor uns her“, witzelt einer. Gelächter aus den Reihen der Legionäre. Die gutmütigen Wortgefechte gehören einfach dazu. Das Publikum ist amüsiert: Kameras klicken, Kinderaugen leuchten auf, die Menge begleitet den Zug zur Arena. Aufgeregtes Gemurmel wogt durch die dicht besetzten Ränge, als die Pompa endlich ihre Runden im Amphitheater dreht.

Was bleibt am Ende? Bewegende Bilder und wer den abziehenden Besucherstrom beobachtet, bemerkt auch das: Einen Vater, der seinen kleinen Sohn an der Hand zum Parkplatz führt. Der Bub, ein hölzernes Schwert in der Hand, schaut plötzlich zum Vater auf. „Weißt du was, Papa?“, sagt das Kind. „Ich glaube, so etwas Schönes wie heute habe ich noch nie erlebt!“

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2 Kommentare

  1. Xanten war nicht übel, schade nur, dass Sie scheinbar die Reitershow der Timetrotter übersehen haben!
    zB. Waffenwirkung aus der Bewegung an Kohlköpfen oder Segmentata…

    21. Juni 2007, 13:06 Uhr • Melden?
  2. Nicht übersehen: Ich hätte manchmal gern an zwei Stellen zugleich sein mögen. Das funktioniert eben nicht. Natürlich gab es eine Unmenge weiterer hervorragender Projekte. Auch ein noch so hartnäckiger Autor stößt irgendwann an Grenzen…

    21. Juni 2007, 16:06 Uhr • Melden?

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