Ruine Traum von der „eigenen“ Burg

Eine Burg bespielen – davon träumen viele Fans des Mittelalters. Die Realität lässt indes wenig Raum für Träume. Doch nicht jedem Engagement bleibt der Preis verwehrt – wie ein Projekt in Oberfranken zeigt. Bereits zum fünften Mal organisierten die Burgfreunde Lichtenberg e.V. auf der gleichnamigen Ruine ihr Burgfest. Der Standort blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die historischen Überreste zu bewahren ist denn auch das Ziel des Vereins. Und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Tausende kommen jährlich

„Unser Idealziel ist es, die Burgruine ganzjährig mit Leben zu füllen“, sagt Stefan Eckardt vom Vorstand der Burgfreunde. Die Chancen stehen gut, seit zwei Jahren wird das, was von der einst so stolzen Markgrafenburg übrig ist, saniert. 2006 soll die Prozedur abgeschlossen sein. Rund 1,3 Millionen Euro stecken das Land Bayern, die Oberfrankenstiftung, der Landkreis Hof und schließlich die direkt benachbarte Stadt Lichtenberg in das Vorhaben. Letzterer gehört das Objekt. „Gott sei Dank hat man die überregionale Bedeutung der Burg erkannt“, sagt Eckardt.

Schon in karolingischer Zeit soll der Burghügel bewohnt gewesen sein, mindestens 1000 Jahre hat der Festungsbau auf dem Buckel, der so manches wegstecken musste. Um 1430 wüteten die reformerischen Hussiten im katholischen Franken. Ein verheerender Brand schließlich besiegelte 1682 das Ende der Burg. Sie wurde nie wieder aufgebaut.

Seither verfielen Mauern, Kasematten und Reste des Bergfrieds immer mehr. Was den Lichtenbergern nicht schmeckte. Mit der Gründung des Vereins der Burgfreunde kam eine Trendwende. Der Ort war als idealer Platz für historische Veranstaltungen entdeckt. Die räumliche Nähe zur Gemeinde Lichtenberg – mit der für diese Events nötigen Infrastruktur – tat ein Übriges. Die Burgfeste ziehen Jahr für Jahr Tausende Besucher zur Burg. Rund 5000 kamen allein in diesem September – freier Eintritt für Gewandete inklusive.

Der Clou: Viele kommen zum Zug

Das Konzept für das Burgfest hat einen gewissen Charme. Es geht bei den Lagern und angebotenen Programmen weniger um möglichst authentische Geschichtsvermittlung als vielmehr um ein lockeres Heranführen an einen historischen Standort. Der Verein setzt bei Akteuren und Marktbeschickern auf eine Mischung aus lokaler und überregionaler Herkunft. Stammgast ist die umtriebige Musiktruppe „Wolfenmond“ beim Burgfest – unterstützt wird von der einheimischen Gruppe „Musica Illbaris“. Lokale Handwerker und Darsteller aus Bayreuth, Nürnberg oder Cronach runden das Angebot ab.
Die Verankerung des Spektakels vor Ort zieht sich bis ins Rahmenprogramm. Der örtliche Kindergartenverein veranstaltet Lesungen bei Kerzenlicht im Burgturm, Bauern aus Lichtenberg und Umgebung bestücken den Markt. Damit haben alle Seiten etwas von dem Event.

Doch bei dem Burgfest soll es nicht alleine bleiben. Langfristig soll ein Nutzungskonzept die Burgbelebung sicherstellen. Dieses müssen die Burgfreunde noch vorlegen. Das Konzept mit Leben zu erfüllen und um die anfallenden Bewirtschaftungskosten für die Burgruine zu decken – dafür sollen die Einnahmen aus den Veranstaltungen dienen. „Hier sind viele Ideen im Gespräch“, erklärt Eckardt. Die Palette reicht von Konzerten, kleineren Festen bis zu Mittelaltermärkten. „Jeden Monat ein Event – das wäre schon toll“, umreißt Eckardt den Traum der Burgfreunde. Eine brandneu aufgemachte Website ist bereits der weitere Schritt zur Verwirklichung.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtsszene“

  • Thesen, Antithesen und die Kanzlerin

    Anonyme Anzeige, Betrugsvorwürfe und der ewige Zweifel. Kalkriese trägt schwer an der selbst auferlegten Bürde, der mögliche Ort der Varusschlacht zu sein. Wissenschaftler und Ministerium kommen zu Wort.

  • Inszenierung eines Untergangs

    Wenn Jahrestage sich runden, bekommt das erinnerte Ereignis einen besonderen Touch. Was auch für Waterloo zutrifft. Inklusive der Einordnung als Großereignis, Besuchermagnet und Zielscheibe für Medienschelte.

  • Hölleninstrument der Spielleute

    Historische Instrumente: Sie bieten Stoff für Legenden, Musikgeschichten – und treffen noch heute die Menschen ins musikalische Herz. Die neue chronico-Serie läutet Dudelsack-Fachmann Ralf Gehler ein.

  • Zeitlose Musik am „Sonnentempel“

    Das Schloss Goseck in Sachsen-Anhalt hat schon einiges erlebt: Benediktiner, Pfalzgrafen, Weltkriegsflüchtlinge und Verfall. Seit 1998 wird aber in den mittelalterlichen Mauern am äußerst lebendigen Klang alter Musik gefeilt.

1 Kommentare

  1. Ich finde es toll das unsere STADT! hier präsentiert wird mit dem glanz des Mittelalters!

    Wir sind aber eine STADT und keine Gemeinde um das mal klarzustellen!

    Wir sind sogar die älteste STADTim Landkreis Hof!

    Ja wir haben nur ca. 1200 Einwohner sind aber trotzdem eine STADT!!!

    VIELE GRÜßE

    Der BETTELMANN

    25. September 2006, 09:09 Uhr • Melden?

Ihr Kommentar zum Artikel „Traum von der „eigenen“ Burg“


Sie sind angemeldet als

abmelden