Kelten Salz macht Bergwerk Hallstatt berühmt

Von Marcel Schwarzenberger
publiziert am 25. Februar 2006 in Geschichtsszene

Salz war der Stoff, dem eisenzeitliche Händler der Hallstattkultur ihre Erfolge verdankten. Das Salz kam aus einem der ältesten – und weltweit bekanntesten – Salzbergwerke. Das weiße Gold wurde für kostbare Stoffe, Elfenbein und Bernstein eingetauscht. Ende des 13. Jhs. kam es im heute österreichischen Salzkammergut zum „Salzkrieg“ zwischen Albrecht I. und dem Erzbischof von Salzburg. Das Salz hat seine Spuren in der mitteleuropäischen Geschichte hinterlassen. Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover zeichnet diese Spuren in einer Sonderausstellung nach.

Funde aus sieben Jahrtausenden

Albrechts Witwe Elisabeth reorganisierte um 1311 den Hallstätter Salzbergbau. Abbau und Sudwesen wurden unter ihrer Herrschaft zum Staatsbetrieb – und das blieb bis 1998 so. In der neuzeitlichen Phase des Bergwerks fanden die Bergleute immer wieder Spuren prähistorischer Kollegen. Das Salz hatte die Hinterlassenschaften so frisch konserviert, als wären sie erst kürzlich abgelegt worden.
Die Sonderausstellung widmet sich in ihrem ersten Teil eben jenen Funden: ein Tragesack aus Rinderhaut (13. Jh. v.Chr.), Bronzepickel, Essgeschirr – manchmal noch mit den Resten längst vergangener Mahlzeiten. Das Salz bewahrte wertvolle Funde aus sieben Jahrtausenden. Das allein schon brachte die archäologische Fundstätte das Gütesiegel des Unesco-Welterbes ein. Die Objekte werden in der Ausstellung mit Rekonstruktionen der prähistorischen Bedingungen im Bergwerk in Verbindung gebracht.

Reiche Salzbergleute

Die Kultur der älteren Eisenzeit Mitteleuropas (8. bis 5. Jh. v.Chr.) hat ihren Namen „Hallstattkultur“ aus gutem Grund: Nahe des Bergwerks fanden Forscher 1846 das Hallstätter Gräberfeld mit vermutlich über 5000 Gräbern. Bis heute ist der Ort noch nicht vollständig untersucht.

Diese Grabstätte ist Thema im zweiten Teil der hannoverschen Ausstellung. Von dem, was wissenschaftliche Erforschungen bislang ergaben, fanden einige wichtige Stücke den Weg nach Hannover. Und sie bezeugen ein scheinbar widersprüchliches Bild vom Leben vor über 2500 Jahren.

Wohl weisen die Knochen vieler Bestatteter die Erschütterungen lebenslanger schwerer Arbeit unter Tage auf. Zu Hunderten wühlten sich Generationen von Bergleuten durch die salzigen Tiefen. Doch keine Sklaven und keine ausgebeuteten Abhängigen holten das Salz. Die Grabbeigaben sind vielmehr geradezu prächtig. Neben Prunkgeschirr, kostbaren Waffen und Schmuck wurden auch Elfenbeinschnitzereien und Gold mitgegeben.

Was diese Funde letztendlich für die eisenzeitliche Struktur bedeuten – daran arbeiten die Wissenschaftler noch. Doch schon jetzt sprechen die archäologischen Tatsachen eine deutliche Sprache zur damaligen Gesellschaft. Salz war tatsächlich „weißes Gold“ – und das auch für die Bergleute selbst.

Nicht alles ist keltisch

Etwas irreführend ist indes der Titel der Ausstellung. Wissenschaftlich gesichert ist die Existenz der Kelten vor dem 7. vorchristlichen Jahrhundert nicht. Und viele der in Hannover präsentierten Fundstücke sind noch wesentlich älter. Erst mit der jüngeren Hallstattkultur (ab ca. 640 v.Chr.) und schließlich mit der nachfolgenden „Latènezeit“ (ab ca. 480 v.Chr.) kann von keltischen Gesellschaften gesprochen werden. Trotz aller Nachforschungen gelten die Anfänge der Keltenzeit bislang als diffus.

Der Ausstellung nimmt das indes keineswegs den Reiz. Zu groß bleibt dennoch der Einfluss Hallstatts nicht nur auf die Kelten. Ganz Mitteleuropa wurde von dieser Kultur nachhaltig beeinflusst. Erst in römischer Zeit ließ die wirtschaftliche Bedeutung des Salzbergbaus spürbar nach. Sie trieb erst im 11. Jh. wieder neue Blüten.

Hinweis
Die Ausstellung „Das weiße Gold der Kelten“ ist noch bis zum 30. Juli 2006 im Niedersächsischen Landesmuseum zu sehen. Am 23. Juni feiert das Haus ein großes Kelten-Kinderfest.

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