Sababurg Mittelalter am Dornröschenschloss

Entlang der Märchenstraße bei Hofgeismar im Weserbergland in Nordhessen liegt der größte Tierpark direkt unterhalb des Märchenschlosses Sababurg. Bereits die Gebrüder Grimm wurden von dieser Gegend in ihren Märchen inspiriert und somit findet die Sababurg als das Dornröschenschloss sich in ihren Märchen wieder. Inspirieren ließ sich dadurch auch das Ehepaar Giebing. Beide haben als Veranstalter in Kooperation mit dem Tierpark am vergangenen Wochenende ihr erstes Mittelalterfest veranstaltet. Thematisch passt das Projekt: Die Sababurg entstammt dem 14. Jh., der Tierpark wurde bereits im 16. Jh. angelegt.

Minimales in Traumumgebung

Umsäumt vom Wald und mehreren Tiergehegen war das Feld, auf dem die Darsteller und Händler ihre Lager und Zelte aufstellten. Immer am Rand entlang konnte der Besucher des Marktes sich von Stand zu Stand und Lager zu Lager bewegen.

Das Programm der Veranstaltung war sehr minimalistisch gehalten. So war sicherlich die Hauptattraktion die Spielmannsgruppe, die Spilleut der Ewigkeit – Furunkulus. Neben diesen gab es noch zwei Ritterlager: die „Freie Ritterschaft von Bram“ und die Gruppe der „Langenberger Mannen“, die mit wenigen Programmpunkten am Tag für die Kurzweil zu sorgen hatten. Die restlichen Lagergruppen, die zum größten Teil Wikinger waren, wie die Gruppen „Odins Wölfe“ sowie „Wotans wilde Waräger“, hatten zwar ihre Zelte aufgeschlagen und waren für alle Fragen der Besucher offen, waren aber sonst nicht aktiv im Programm eingeplant.

Der Veranstalter hat in seiner Auswahl der Händler eine gute und sehr ansprechende Mischung gewählt. Allein, es fehlte manchmal an der richtigen Anzahl – was sich auch an langen Warteschlangen an den Imbissständen zeigte. Kein Handwerk war mehrfach auf dem Markt vertreten. So gab es zum Beispiel nur einen Schmied, einen Bogner und einen Kerzenzieher. Natürlich gab es mehrere Händler, die Schmuck, Kleidung sowie diverse Accessoires aus Holz und anderen Materialien anboten, die annähernd mit dem Mittelalter in Verbindung gebracht werden konnten.

Gute Atmosphäre mit Lücken

So schön das Gelände für einen solche Veranstaltung auch ist und so sehr sich die märchenhafte Atmosphäre gerade am Samstagabend auf die Besucher und Teilnehmer auswirkte – der Markt ist in vielen Bereichen verbesserungsfähig. Die Aufstellung der Lager war am Rand des Marktes sehr weit weg. Sie hätten sich auch noch großzügiger aufstellen können, um ein geschlossenes Bild zu bieten. Auch der dem freigehaltenen Zentrum des Veranstaltungsplatzes fehlte es an einer Unterteilung durch weitere Stände, Lager oder einfach nur Strohballen.

Bei dieser sehr offenen Aufreihung der Stände verliefen sich die gut 6000-8000 Besucher pro Tag regelrecht. Nur zu den spärlichen Programmpunkten und an den Verpflegungsständen merkte man, wie viel tatsächlich los war. Das war nicht gerade förderlich für eine anheimelnde und gemütliche Atmosphäre. Diese kam erst zum Abend auf, als in den Zelten die Kerzen und Lampen aufflackerten, der Weg zum Parkplatz romantisch beleuchtet worden ist und Furunkulus ein Abendkonzert gab.

Dennoch waren Veranstalterpaar und Tierparkleitung zufrieden mit dem, was sie zum ersten Mal gewagt haben. Sie wissen um die Schwachstellen, die im kommenden Jahr nachgebessert werden sollen. Angesichts der Besucherzahlen haben sie dennoch viel richtig gemacht. Die normalen Eintrittspreise für den Park wurden nicht extra angehoben und die Händler und Handwerker waren mit ihrem Verkauf ebenfalls hoch zufrieden. Die Darsteller der einzelnen Lager betonten, wie prädestiniert das Gelände für Märkte ist und signalisierten ihre Bereitschaft für neue Auftritte.

Fazit

Der Versuch verlief sehr gut und wenn die Werbung sich im kommenden Jahr nicht nur auf den regionalen Bereich beschränkt, kann sich der Markt unter Umständen einer noch höheren Besucherzahl erfreuen. Neben den bereits genannten Schwachpunkten wären ein größeres Lager und mehr Künstler wünschenswert. Man kann gespannt sein, wie gut sich dieser Markt etablieren wird. Die Voraussetzungen sind gegeben.

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5 Kommentare

  1. Odin zum Gruße,
    ja, auch wir (Clan MacCarrock) waren auf der Veranstaltung und haben uns prächtig amüsiert. Die Schwächen, die der Artikel auch aufzeigt, haben wir ähnlich gesehen und auch gleich im persönlichen Gespräch an den Veranstalter weitergegeben. Jener war im Übrigen selber vom Erfolg überrascht…
    Im nächsten Jahr soll alles etwas anders laufen, aber für den ersten Versuch war’s nicht übel. Zeit zum Üben hat er ja auch noch, so z.B. im Mai, wo ein viertägiges Event auf Burg Polle bei Höxter geplant ist.
    Ich werde mit meiner Frau teilnehmen und freue mich schon auf viele umgesetzte Ideen…

    08. September 2005, 09:09 Uhr • Melden?
    von
    1
  2. Dieser Markt war sehr schön und die Zuschauer waren überaus nett.Wir die freie Ritterschaft Bram haben wesendlich mehr gemacht wie das Programm auswies.Daher waren keine grosse Lücken vorhanden.Vielen Dank an die Besucher des Marktes Sababurg.
    Gehabet euch wohl

    09. September 2005, 23:09 Uhr • Melden?
    von wolkenstein
    2
  3. Thor mit Euch ! Für den ersten Markt war die Veranstaltung eigentlich wirklich schön. Die Lokation war nahezu unschlagbar (wo bitte gibt´s denn abends echtes Wolfsgeheul auf ´nem Markt?), Wald ringsum, die Burg… Wenn das nächste Mal mehr Händler und Gruppen kommen kann sich hier was entwickeln. Großartig war der Verzicht auf höhere Eintrittspreise, der Familien mit etwas kleinerer Geldbörse auch die Möglichkeit ließ, sich ein wenig im MA umzusehen. Tolle Idee, in einem, übrigens sonst auch sehr schönen, Tierpark einen Markt zu veranstalten. Heimische Wildtiere direkt neben Wikingern und Rittern. Tolle Sache!! Wotans wilde Waräger sind jedenfalls wieder gerne mit dabei!

    19. September 2005, 13:09 Uhr • Melden?
    von Ulf Thorsson "S
    3
  4. Kommerzielle Gedanke überwiegt und untergräbt politisch den eigentlichen Sinn und Zweck mittelalterlichen Re-enactments…

    Guter Einfall oder einfach nur “schnell nen guten Euro”?

    Unabhängig von den Darstellern, Ausstellern oder Marketendern, die wohl jeder für sich das höchstmögliche dargeboten hatten, wird wohl der kleine, unschöne Geschmack des Desorganisierten bleiben. Der Veranstalter hat wohl jenseits des historisch geschmackvollen nur die seinerseits verständliche kommerzielle Blickrichtung vor Augen gehabt. Ohne Fachkenntnis und vorheriges, ausreichendes researchment. Kompliment auf jeden Fall für das Wagnis des Machens eins solchen “Spektakulums“in dieser Region. Um zukünftig etabliert und beständig zu bleiben, sollte der Veranstalter sich (allein aus publikumsorientierter Sicht) an entsprechende ortsansässige Institutionen, Vereine, freie Bunde oder Interessengemeinschaften halten!!), welche sich auf die entsprechende Darstellung und dem dazugehörigem Programm spezialisiert haben. Ansonsten laufen die Region und die dortigen akiven Gruppen Gefahr, durch kommerziellen Unsachverstand bleibenden öffentlichen Schaden zu nehmen.

    Thorald, Freiherr von Calden
    alias Torsten Haferbeck

    19. September 2005, 23:09 Uhr • Melden?
    von Thorald
    4
  5. Nachtrag zum Artikel “Kommerzielle Gedanke…”

    ich warne zudem ausdrücklich davor, bei Bewerbung solcher Events in Aktion dargestellte Personen oder Ritterschaften zu verwenden, welche letztendlich nicht auf dem entsprechenden Spektakulum zu sehen oder anzutreffen sind. Dies fällt anere und mich unter den Begriff “Volksverarschung”!!!!

    19. September 2005, 23:09 Uhr • Melden?
    von Thorald
    5

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