Burgbelebung Gaukeleien auf Thüringer Runneburg

Starr und still steht die Blide auf dem Burghof und wartet geduldig auf ihren großen Auftritt, um ihre Kraft zu demonstrieren. Seit 1997 steht das "teuflische Werkzeug" wieder - nachgebildet - auf der Runneburg. Die Burg konnte sich, seit ihrer Gründung im Jahre 1168 durch die Landgräfin Jutta Claricia von Thüringen, gegen jeden Angriff behaupten. Das kleine Städtchen Weißensee in Thüringen stand schon häufig im Laufe der Geschichte im Mittelpunkt des Geschehens. Kaiser und Könige kämpften vor ihren Toren oder verweilten in Friedenszeiten in der Burg.

Nun kümmert sich der Runneburgverein seit 1990 um den Erhalt dieser prächtigen Burganlage und kämpft erfolgreich gegen den Verfall. Jedes Jahr im Juli wird auch ein Burgfest veranstaltet und ein herausragendes Programm mit lokalen sowie aus anderen Ländern kommenden Künstlern geboten. Neben dem inzwischen berühmten Steinschleuderschießen mit der Blide, ist dieses Fest ein weit über die regionalen Grenzen hinausgehendes Ereignis und die Popularität nimmt ständig zu. Veranstalter und damit auch verantwortlich für das Gelingen dieses Festes ist der stellvertretende Vereinsvorsitzende Thomas Stolle. Er ist es auch, der einen besonderen Wert darauf legt, diese Veranstaltung als “Burgfest” zu titulieren. Denn es ist ein Volksfest und kein historisch korrekter Markt.

Historische Comedy

Neben den vor allem im Osten bereits bekannten historischen Komödianten Max und Holger – alias Duo “Pampatut” – waren auch “Pill & Pankratz” zu bestaunen, die für angenehme Kurzweil und viel Gelächter sorgten.
Pampatut war in Runneburg das Duo mit dem wohl höchsten Bekanntheitsgrad. Mit ihren gut ausgebildeten Stimmen, ihrem ausgeprägtem Humor und den frechen Sprüchen haben Max und Holger nicht nur den Burginnenhof zum Vibrieren gebracht, sondern auch die Zuschauer. Kaum andere verstehen es so gut, ihr Publikum einzubinden und zum Mitmachen zu motivieren. Man darf sich diese beiden nicht entgehen lassen.
Pill & Pankratz waren auf ihren “Mönchen” als “Reittiere” auf dem gesamten Gelände unterwegs und überall, wo ihre “Reittiere” sie hintrugen, waren sie bereit einen Moment inne zu halten und ein Liedchen zum Besten zu geben. Auch sie waren im Innenhof ein fester Programmpunkt. Wer wollte, brauchte sich also kaum aus diesem fortzubewegen, um bei bester Laune gehalten zu werden. Ausreichend Speis und Getränk standen auch gleich nebenan bereit – ein großer Pluspunkt für die ganze Veranstaltung.
Unvergesslich auch Karsten Wolfewicz, einer der besten und angesehensten Minnesänger der Neuzeit. Leider war es im Innenhof immer etwas laut, so dass nur die angrenzenden Tische etwas von seinem Gesang und seinen Geschichten vernehmen konnten.

Wahnsinnige Rhythmen und orientalische Klänge

Auf der großen Bühne vor der Burg sorgte die Gruppe “Furunkulus” für ein wahres Feuerwerk an Rhythmen und Klängen. Mehrmals am Tag konnte das Publikum zu den sehr üppig angesetzten Terminen gehen. Doch “Furunkulus” boten mehr als bloße Musik zum Anhören. Denn aus dem anfangs sitzend lauschendem Publikum wurde bei jedem Auftritte eine tanzende und begeisterte Menge, die nicht genug bekommen konnte. Die Zugaben waren obligatorisch und trotz der Wärme und des anstrengenden Bühnenprogramms wurde das Publikum nicht enttäuscht.
Als weitere Gruppe trat “Spellbound” auf die Bühne. Sie legte ihren Schwerpunkt eher auf die orientalischen Klänge und bot dadurch ein gutes Kontrastprogramm zu den Furunkeln. Besser hätten die Organisatoren das Musikprogramm kaum mischen können.

Hauen und Stechen mit den “Equites”

Als Heerlager konnte der Thüringische Ritterbund diesmal nicht teilnehmen und hat somit eine große Lücke auf dem Platze hinterlassen. Doch haben die “Rittermannen von Wolkenstein” und die “Ritter der Osterburg zu Weida” versucht, diese Lücke zu füllen. Als Darsteller mittelalterlicher Lebensart waren sie ansehnlich. Doch beim Kampf konnten sie zwar ihre Schaukämpfe eindrucksvoll zeigen, doch den Rahmen für diesen Kampf nicht bieten! Es fehlte eindeutig die ordnende und anleitende Hand eines Herolds.
Ebenfalls auf der großen Bühne hatte die tschechische Fechtgruppe “Equites” ihre Auftritte. Dabei boten sie durchaus auch verschiedene Szenarien und spulten nicht immer wieder das gleiche Programm ab. Natürlich legte es diese Truppe vor allem auf die große Show an. Nicht Geschichte, sondern “Fechttheater” ist ihr Anliegen. Und so konnten sie durch ihre Stunts mit Schwert, Axt und Feuer die Menge zur Bühne locken und Kinderaugen groß werden lassen. Doch sind ihre Auftritte stark geprägt von Hollywood und der Vorstellung der “vier Musketiere”. Dennoch: Das war nicht nur antrainiertes “Hauen und Stechen”, die Show zeugte auch von Können.
Überhaupt die Kinder: Auch an sie dachten die Organisatoren. Ein Holzkarussell, nur mit Körperkraft betrieben, sowie ein Puppenspieler sowie kindgerechte Bogen- und Armbrustschießstände lockten die Kinder an.

Handwerksvolk war auch dabei

Um auch das “mittelalterliche” Bruttosozialprodukt anzukurbeln, waren viele Anbieter von Gewandungen vor Ort. Nicht nur kommerzielle, wie das Hexenkontor, sondern auch jene, die sich eher auf das Darstellen und Weiterführen von traditionellen Handwerkskünsten konzentrieren. Wie zum Beispiel Monika Axt, die mit ihrem Spinnrad Wolle verarbeitete und damit eine traditionelle Erhaltung der Handwerkskunst demonstrierte. Ebenfalls steuerte Rudolf Bode zu Einsichten in überlieferte Traditionen bei, während er in mühsamer Feinarbeit an einem seiner historischen Musikinstrumente schnitzte.

Ein jeder Markt hat sein Ende

Wie bei vielen Festen gab es auch bei diesem einen Auftritt aller Künstler. Hier konnten sie noch mal ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dieser Abschluss des Markttages wurde nochmals durch einen Auftritt der Gruppe Furunkulus abgerundet und gekrönt. Das Abschiednehmen und der Weg zurück in die Gegenwart wurde vielen dadurch schwer gemacht. Man muss es so sagen: Es war ein Fest, wie man sich noch viele wünscht.

Die Autorin

Angela Krogmeier studiert Wirtschaft in Hildesheim und treibt sich seit zwei Jahren begeistert in der Mittelalterszene herum.

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