Tipp Eine Burg für viele Herren

Die Burg aus dem 12. Jh. liegt 15 Kilometer südöstlich von Hildesheim bei Silium auf einer bewaldeten Anhöhe, hoch über dem Nettetal. Das Gelände steht offen und kann ganzjährig besichtigt werden. Den 1814 sanierten und 1858 zum Aussichtsturm umgebauten Turm sollte man auf jeden Fall besteigen. Besonders lohnenswert ist der gekennzeichnete Rundweg, der an einem Lehrpfad für uralte riesige Bäume entlang zu Burg führt.

Die Burg wird 1172 das erste Mal urkundlich als Besitztum von Ludolf II. erwähnt. Davor gibt es keine Aufzeichnungen. Gebaut wurde sie wahrscheinlich an dieser Stelle aus strategischen Gründen. Die Handelswege “Frankfurter Straße” und die Route Hildesheim-Goslar treffen sich hier. Außerdem war sie durch die umgebenden Steilhänge nur schwer einnehmbar.
Die Burg wechselte sehr häufig die Besitzer, die meiste Zeit war sie aber im Besitz des Bistums Hildesheim, wie auch heute wieder. Unter anderem war sie 1174 im Besitz der Grafen von Wöltingerode, die ihren Wohnsitz hierher verlegten. Ihr ehemaliger Wohnsitz, Burg Wöltingerode bei Goslar, wurde zu dieser Zeit als Kloster von Zisterzienserinnen genutzt, welche dort pikanterweise eine Schnapsbrennerei aufbauten, die auch heute noch besichtigt werden kann. In der Vorweihnachtszeit lohnt sich ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt des Klostergutes, wo eigene Erzeugnisse probiert und gekauft werden können.
Auch wurde die Burg zeitweise zu Raubritterburg. Als Besitzer wurden unter anderem verzeichnet: Aschwin von Saldern, 1412 die Ritter von Wallmoden und später dann die von Bortfeld.
Immer wieder wurde die Burg verpfändet, wieder ausgelöst, verkauft, fiel durch geschichtliche Ereignisse einfach in ein anderes Hoheitsgebiet und wechselte aus anderen Gründen die Besitzer. Sie wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Sie wurde sogar schon zum Abriss freigegeben, wobei Steine der Burg für den Bau von anderen Gebäuden in der Umgebung verwendet wurden. Die ehemalige Zugbrücke wurde durch eine Bogenbrücke ersetzt. Neuere Gebäude wurden dazu gebaut, wie beispielsweise die Hubertuskirche und eine Jagdhütte. Johann Friedrich Antonius von Bocholtz ließ die Pestsäule erneuern und mit einer Inschrift versehen.
Zu sehen sind heute noch die Hubertuskirche, das heutige Pfarrheim- und Pfarrhaus, ein Mauerrest der alten Burgkirche, die Vorburg und der Bergfried.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtsszene“

  • Attila und die Hunnen

    Die neue Großausstellung des historischen Museums der Pfalz Speyer entführt in die Zeit der Völkerwanderung. Die Reiternomaden Attilas und seiner Nachfolger eroberten im 4. und 5. Jahrhundert ein riesiges Reich. Sie schoben ganze Völker…

  • Den alten Künsten auf der Spur

    Was immer Archäologen finden, diese Frage taucht garantiert auf: Wie haben sie es damals gemacht? Die Archäotechnik kann einige Antworten liefern. Aber was bedeutet sie tatsächlich für die Altertumswissenschaft?

  • Imperium Romanum – damals und heute

    Wie können wir in „Post-Germanien“ römische Spuren lebendig werden lassen? Gastautor Marcel Bieger streift durch Geschichte und die moderne Szene der Römerdarsteller sowie Rom-Events.

  • Germanenkrieger formieren sich

    Unbeeindruckt vom Streit um Kalkriese als Ort der Varusschlacht bereitet sich die historische Darstellerszene auf den 2000. Jahrestag vor. Im Netzwerk „Comitatus“ sammeln sich erstmals ambitionierte Germanenakteure.

Ihr Kommentar zum Artikel „Eine Burg für viele Herren“


Sie sind angemeldet als

abmelden