Oerlinghausen 2003 Die Wikinger kommen!

Es ist schon gute Tradition, dass das Wikingerfest im Freilichtmuseum Oerlinghausen in Nordrhein-Westfalen als Abschluss der Saison der Wikingerveranstaltungen Nordeuropas gefeiert wird. Mehr als 100 Darsteller aus ganz Europa erwartet Museumsdirektor Karl Banghard am Wochenende 20.-21. September 2003. „Damit ist es eines der größten Events dieser Art“, sagt Banghard. Mit museumspädagogischem Anspruch soll die Zeit um das Jahr 1000 belebt werden.

Die Palette der Veranstaltungen reicht von Modenschauen bis zu Kampfvorführungen. Nach guter alter Handwerkskunst werden historisch belegte Kleidungsstücke und Kunstgegenstände hergestellt. Und die Gruppen lassen sich gern über die Schulter schauen und geben Erklärungen. Wer vom Riechen, Fühlen und Sehen nicht genug hat, darf sich frühmittelalterliche Speisen schmecken lassen.
Doch nicht allein die Wikinger sind Thema des Spektakels. So wie die Gegend um Oerlinghausen lediglich zum Randgebiet des wikingischen Einflusses gehörte – und damit Zeuge von der Vermischung vieler Kulturen wurde – wird im Museum auch das Leben der angrenzenden Regionen gezeigt. Ministeriale der salischen Könige werden zu sehen sein, slawische Handwerker zeigen ihre Kunst. Alles in allem soll dieses bunte Bild den damaligen Verhältnissen der gegenseitigen Beeinflussung weitgehend entsprechen. „Wir lassen bei diesen Veranstaltungen nur ausgewählte Darsteller zu, um das hohe historische Niveau zu halten“, sagt Direktor Banghard. Jeweils von 10 bis 18 Uhr können die Besucher das Museumsgelände „stürmen“.
Die Freilichtanlage beherbergt auch ständige Ausstellungen auf seinem 1,5 Hektar großem Gelände. In sechs verschiedenen Baugruppen zeigen die Fachleute das Leben von steinzeitlichen Rentierjägern bis hin zu frühmittelalterlichen Menschen des 8. Jahrhunderts. Schon im Dritten Reich wurde die Anlage als archäologisches Museum genutzt. „Leider fokussierte die Geschichtsdarstellung zu dieser Zeit fast ausschließlich auf ästhetische Gesichtspunkte, zeigte also vor allem idealisierte Nachbildungen“, sagte Banghard. Im Nachkriegsdeutschland wurden derartige Anlagen oft pauschal von der Wissenschaft abgewertet. Also „dümpelte“ auch die Anlage in Oerlinghausen ungeliebt vor sich hin, bedauerte der Archäologe. Erst in den 70er Jahren besann man sich wieder auf die Vorteile der experimentellen Archäologie. Die Feldforscher wurden nicht mehr scheel von der reinen Wissenschaft angesehen. Man arbeitete zusammen, woraus viele kontrollierte Versuche entstanden. Nur so konnte etwa geklärt werden, wie die bei Ausgrabungen gefunden Waffen oder Schmuckgegenstände tatsächlich verwendet wurden – indem sie originalgetreu hergestellt und benutzt wurden. Dieser Vorteile wegen befürwortet Banghard solche Veranstaltungen wie das Wikingerfest. „Und Führungen durch unsere Ausstellungen sind sowieso meist mit Aktionen verbunden“, erklärt der Direktor den pädagogischen Ansatz seines Museums. Die Folge: Vor allem jüngere Menschen kommen jedes Jahr hierher, im Schnitt 37.000 Besucher.

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