Aachener Erklärung Aufruf an Living-History-Szene

Die Debatte nach einem Eklat bei einer Ausstellungseröffnung in Paderborn zieht weitere Kreise. Angharad Beyer und Andreas Sturm von “Rete Amicorum” initiierten im Juli 2008 die “Aachener Erklärung” von Akteuren der…

Die Debatte nach einem Eklat bei einer Ausstellungseröffnung in Paderborn zieht weitere Kreise. Angharad Beyer und Andreas Sturm von “Rete Amicorum” initiierten im Juli 2008 die “Aachener Erklärung” von Akteuren der Living-History-Szene. Mit dieser Erklärung distanzieren sich die Unterzeichner von einem Missbrauch “lebendiger Geschichtsdarstellung”. Bis heute haben rund 30 Akteure und Gruppen die Erklärung unterzeichnet, darunter Darsteller verschiedener Epochen wie Antike, Frühmittelalter sowie Hoch- und Spätmittelalter. “Das Ziel der Aachener Erklärung ist es, die Living History für diese Gefahren zu sensibilisieren und ihre Glaubwürdigkeit gegenüber der Gesellschaft zu stärken”, heißt es unter anderem in der Erklärung.

Hintergrund: Im April zeigte ein Darsteller, der mit der bekannten Reenactment-Gruppe Ulfhednar im Rahmen einer merwoingerzeitlichen Ausstellung in Paderborn auftrat, einen SS-Slogan als Tätowierung – öffentlich vor Publikum. Der Vorfall mündete in heftige Diskussionen um mögliche nationalistische Tendenzen innerhalb der Living-History-Szene (chronico berichtete). “Bald kam deshalb in uns der Wunsch auf, ein deutliches Zeichen zu setzen für die Integrität der Mehrheit der deutschen Geschichtsdarsteller, damit Living History als Ganzes nicht durch Einzelne diskreditiert würde”, sagten die Initiatoren. Living History wird unter anderem in Museen immer häufiger eingesetzt. Wer die “Aachener Erklärung” unterzeichne, bekenne sich zu Darstellungen, die frei von religiösen oder weltanschaulichen Einflüssen vor allem bei öffentlichen Auftritten sind. Unterzeichner können sowohl den Link zur Aachener Erklärung als auch ein Logo auf ihre Webseite setzen.

Den Begriff “Living History” wollen die Initiatoren stellvertretend für verwandte Begriffe wie Lebendige Geschichte, Heritage Interpretation / Historische Interpretationen, Archäotechnik und Reenactment verstanden wissen. Der Aufruf richtet sich an Darsteller aller Epochen.

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28 Kommentare

  1. Aachen hat also eine Erklärung mehr…

    Ist das der Ablaßbrief 2.0? Man unterschreibt und ist somit fortan frei von jeder Schuld?

    Blinder Aktionismus. Schade um den Webspace.

    13. Juli 2008, 18:07 Uhr • Melden?
  2. Was soll das bringen? Hat denselben Effekt wie eine Lichterkette, und als Nebeneffekt kann sich plötzlich jeder Unterzeichner “Living History” auf die Fahne schreiben. So wird ein Begriff auch verwaschen. Wer der Unterzeichner kann denn bitte wirklich von sich behaupten, nach dem verlinkten Papier zur wissenschaftlichen Praxis zu arbeiten, wer hat es überhaupt gelesen? “Ich bin gegen Rechts” ist eine modernes, typisch deutsches Reflexäusserung, um sich möglichst schnell aus der Schusslinie zu nehmen. Nur damit wird man der Problematik nicht gerecht, und diese hat auch nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit mangelnder Qualität und Kontrolle.
    Eine “Aachener Erklärung” für den Wunsch nach einem-ebenfalls in der Diskussion stehenden- Kontrollsiegel in Zusammenarbeit mit der Fachwelt wäre sinnvoller.

    15. Juli 2008, 11:07 Uhr • Melden?
  3. Erstmal eine Entschuldigung in Richtung der Betreiber:
    es ist kein Forum und doch wird hier gleich wieder fleißig diskutiert, ich belaße es aber bei einer Antwort auf die Kommentare.

    1.Jens Börner: Ist dir bewußt, dass du mit dieser Herabwürdigung der Friedensbewegung in Dtl. wie auch allen anderen Bewegungen die Lichterketten als Symbol benutzten gerade eine schallende Ohrfeige verpaßt hast? Ich bitte dringend die Definitionen von Lichterketten, Botschaft und Symbol zu lesen, denn weder die Lichterketten noch die Aachener Erklärung werden korrekt aufgefasst.
    Unter dieser Kritik wären Mahnmale, Denkmäler, Grabsteine usw. ebenfalls vollkommen unnütz, außer vielleicht für die Kunst oder die Archäologen kommender Zeiten.
    2.Was denn nun, „Blinder Aktionismus“ oder „Lichterkette“ (also symbolische Botschaft)?
    Aktionismus (übrigens ist das adjektiv blind dabei eine unnütze Übersteigerung, Aktionsimus ist per se „ohne Ziel“ und „ohne Konzept“) widerspricht dem Aufwand und dem Sinn einer Lichterkette völlig, denn diese haben ein Konzept und ein Ziel, wenn dieses wie gesagt auch nur das einer Botschaft ist, also keine greifbare Folge.
    3.Weder ist die Aachener Erklärung ein staatliches Siegel im Sinne eines „Persilscheines“ noch möchte sie es sein noch formuliert sie es irgendwo. Diese Unterstellung ist nichts anderes als das.
    4.Nirgendwo in der Aachener Erklärung findet sich eine Klausel „mit der Unterzeichnung dieser Erklärung wird der Unterzeichner zum Living History Darsteller“ noch wird dies impliziert.
    5.Den Begriff Living History aufzuweichen wäre gleichzusetzen mit der Formulierung „Reenactment aufweichen“. Die Begriffe sind m.W. nicht geschützt und unterliegen keiner Prüfung. Gleiches gilt für „Mensch“ oder „Mitbürger“.
    6.Die Erklärung richtet sich ausdrücklich nicht nur aber auch gegen rechts und ist kein Reflex der explizit rechten Thematik der jüngsten Vorfälle, sondern der Vorgänge im allgemeinen, wie man unter Hintergründe nachlesen kann.
    7.Die Qualitätskontrolle ist in der Tat ein effektives Mittel das es auch in meinen Augen zu fördern gilt. Da es hier aber um wirkliche Resultate geht, um handfestes, muß hier Sorgfalt walten gelassen werden. Darum wird hier noch wenigstens einiges an Zeit vergehen, bevor etwas installiert werden kann.
    Mit dem eingangs gebrachten Beispiel: Hätte man nicht die Lichterketten auf Bürgerinitiative gebildet wäre nach den Anschlägen auf Asylanten in den 90ern das Bild der Deutschen im Ausland durchaus noch um einiges schwerer beschädigt worden. Darum finde ich den Vergleich mit einer Lichterkette sehr passend oder besser noch schmeichelhaft, die Herabwürdigung dieser allerdings eine Frechheit.

    So harte Kritik / teilweise persönliche Angriffe wie sie nicht nur hier sondern in einigen öffentlichen Bereichen an einer so guten Sache, einem so friedlichen und sinnvollen Unternehmen geliefert wird kann ich nicht nachvollziehen. Es gab sinnvolle Einwände, die sich um Mißverständnisse in der Formulierung beliefen, aber dergleichen…
    Zudem schadet es weiter dem Bild des Darstellers, wenn er ließt, dass jemand die Werte der BRD und der Bildung nicht unterzeichnet, weil er die Initiatoren nicht mag oder einen ohnehin oft schwammig gebrauchten Begriff “aufgeweicht” sieht bzw. den Sinn von Lichterketten nicht versteht.

    15. Juli 2008, 15:07 Uhr • Melden?
    von Tobias Gabrys
    3
  4. Hallo Tobias,

    Ja, dessen bin ich mir bewusst. Ich halte weder von dem einen noch dem anderen was, weil weder das eine noch das andere nachweisslich etwas bringt, ausser immensen Kerzenverbrauch…

    Und nein, von Mahnmalen sprach ich nicht, ich bitte sorgsam zu lesen, und nichts hineinzuinterpretieren. Ein Mahnmal erinnert an Opfer, an Verfehlungen, an Menschen. Das mit dieser geschichte in Verbindung zu bringen, ist doch deutlich überzogen.

    Zu Punkt 3:
    De fakto gibt es keine Erkennbare Prüfung, ob hinter der “Unterzeichnung” mehr als nur eine bloße Absichtserklärung steckt. Insofern birgt es sehr wohl das Risiko eines “Persilscheines”. Von einem staatlichen Siegel war nie die Rede.

    Was deinen Punkte 4 udn 5 angeht, beziehe ich mich direkt auf ein Zitat aus dem Artikel “Den Begriff “Living History” wollen die Initiatoren stellvertretend für verwandte Begriffe wie Lebendige Geschichte, Heritage Interpretation / Historische Interpretationen, Archäotechnik und Reenactment verstanden wissen”.
    Das ist sehr allumfassend, und letztenendes erklärt jemand, der eine Erklärung der “Living History” Gruppen unterzeichnet damit, eine solche zu sein.
    Dass der Begriff nicht geschützt ist, das ist vielleicht eben genau das Problem, hier verweise ich auf die Ursprünge der Geschichte, dass Dinge falsch interpretiert und angewandt wurden, und auf die aktuelle Diskussion zum “Gütesiegel”.

    Zu 6: Das stimmt nicht. Die Erklärung ist direkte Antwort auf aktuelle Ereignisse. Was auch jeder der Teilnehmer der Paderborner Veranstaltung wissen dürfte.

    zu 7:
    Das ist wohl eine Glaubensfrage. Dass Du es eine Frechheit nennst, ist deine Meinung. Ich behalte mir meine genauso vor.

    Gegen den letzten Absatz verwehre ich mich aber vehement und weise deutlich daraufhin, dass diese Art der Reaktion exakt die Gefahr ist, die von so etwas ausgeht: “bist du nicht für uns, bist du gegen uns”.
    Eine etewas differenzierte Sichtweise täte Dir seht gut, und vielen weiteren auch, wenn sie sich mit der Sache befassen.

    15. Juli 2008, 16:07 Uhr • Melden?
  5. „Entgegen meiner Absichtserklärung sehe ich mich gezwungen doch zu Antworten. Sollte der Wunsch bestehen dies Fortzusetzen gibt es sicherlich geeignetere Plätze:

    Ja, dessen bin ich mir bewusst. Ich halte weder von dem einen noch dem anderen was, weil weder das eine noch das andere nachweisslich etwas bringt, ausser immensen Kerzenverbrauch…
    Und nein, von Mahnmalen sprach ich nicht, ich bitte sorgsam zu lesen, und nichts hineinzuinterpretieren. Ein Mahnmal erinnert an Opfer, an Verfehlungen, an Menschen. Das mit dieser geschichte in Verbindung zu bringen, ist doch deutlich überzogen.“

    Über diese beiden Absätze würde ich noch einmal nachdenken.
    Wenn jemand ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust aufstellt oder jemand sich mit tausenden Anderen die Zeit und die Anreise nimmt um Still ein, zugegeben temporär eingeschränktes Zeichen zu setzen gegen die Mörder an Asylanten, so ist darin für mich absolut kein Unterschied, was auch der Grund für den bei mir zu findenden Absatz ist. Beides sind Zeichen und Mahnungen, Symbole und Botschaften eben. Das eine ist nur Material, das andere Handelnd.

    „Zu Punkt 3:
    De fakto gibt es keine Erkennbare Prüfung, ob hinter der “Unterzeichnung” mehr als nur eine bloße Absichtserklärung steckt. Insofern birgt es sehr wohl das Risiko eines “Persilscheines”. Von einem staatlichen Siegel war nie die Rede.“
    Das es keine Überprüfung gibt wurde bereits klar herausgestellt. Aber wie gesagt gibt es keinen Passus der einen „Persilschein“, außer bei den per se Dekonstruierenden impliziert. Es bleibt also eine Unterstellung in Richtung der betroffenen Personen.

    Zur Living History: nochmal: ich habe nirgendwo in der Erklärung, neben dem Begriff Living History selbst, einen Abschnitt gefunden, der aussagt, dass Unterzeichner mit ihrer Unterschrift in irgendeine Riege aufgenommen werden. Jeder kann dort unterschreiben, auch solche die mit Darstellung, unter welchem Begriff auch immer, nichts zu tun haben, aber die in der Erklärung genannten Werte als Bestandteil der Living History vertreten und vertreten sehen wollen.
    Die Erklärung, das wiederum steht darin, will letztlich nur ein Zeichen setzen, welches die Botschaft aussendet: Darsteller wenden sich gegen den Transport von persönlicher Ideologie. Alles andere ist, um es mit deinen Worten zu sagen, hineininterpretiert.
    Das man die Initiatoren mehr oder wenigr nötigt jedes einzelne Wort zu definieren oder gegen eigene Definitionen zu verteidigen bringt allerdings in der Tat keinen Fortschritt, weder symbolisch noch sonstwie.

    Zu 6. Wo wir bei Interpretationen sind: Ich schrieb „sie richtet sich nicht den explizit Rechten Hintergrund“. Zur Erläuterung: es ist keine Kampagne gegen „nur“ rechtes Gesinnungsgut, wie es sich in der Diskussion um Ulfhednar darstelt. Ich schrieb weiter: „sondern der Vorgänge allgemein“. Es ist also eine Reaktion auf den Transport von Ideologie (wie auch immer sie bei Ulfhednar nun aussieht) und der darauffolgenden Behandlung in den Medien, Foren und Veranstaltungen. Auch dies ist dem Text zu entnehmen.
    Dies und nichts anderes steht dort und dies und nichts anderes ist zutreffend. Nirgendwo in der Erklärung und der Erläuterung sehe ich einen Verweis auf eine rein rechte Thematik.

    Das Qualitätskontrolle nicht von jetzt auf gleich installiert werden kann ist eine Glaubensfrage?
    Momentan gibt es starke Befürchtungen darüber, wer kontrolliert wen, und da soll eine schnelle Lösung die Lösung aller Probleme sein?
    Oder meinst du, dass Lichterketten als ein Reflex unserer Gesellschaft als eine Hochschätzung der demokratisch-freieheitlichen Grundordnung und der humantären Werte zu sehen sind und unserem Ansehen im Ausland im Kontext der Ereignisse zumindest ein Pflaster reichte?

    15. Juli 2008, 16:07 Uhr • Melden?
    von Tobias Gabrys
    5
  6. @Tobias
    Eine Entschuldigung ist nicht nötig! Richtig ist, diese Kommentare dienen vorrangig dem Kommentieren der Artikel, aber auch für wichtige Ergänzungen oder Hinweise. Und so mancher Gedanke muss vielleicht einfach mal ausgesprochen, respektive geschrieben werden, solange er zur Sache gehört. Auch dafür ist chronico da.
    Schaun wir mal, wohin uns das hier führt.

    15. Juli 2008, 16:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    6
  7. Lieber Tobias,
    ich hoffe, die Autoren der Erklärung teilen Deine Ansicht nicht.
    Es kann ja wohl nicht sein, dass man nur irgendwo “Grundgesetz” reinschreiben muss, um alle Leute, die (mit Argumenten, die man teilen kann oder auch nicht, die aber durchaus diskutabel sind) die Erklärung nicht unterschreiben wollen, dann zu beschuldigen, sie schaden dem Ansehen aller Darsteller (und seien womöglich gegen das Grundgesetz).
    Das hielte ich nämlich wiederum für undemokratisch, mit dem GG nicht vereinbar und huch politisch…

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Katrin Auer
    7
  8. Hallo Tobias,

    Also nochmal: Wir reden hier nicht von Mahnmalen, es ist niemand ermordet worden, und ich möchte auch nicht über die Wirkung von Lichterketten reden. Wenn Du diese als gut und sinnvoll erachtest, ist das deine Sache, ich habe meine Meinung. Ich wollte den Vergleich nur als Möglichkeit nutzen, klarzumachen, dass reine Symboliken keine nachhaltige Wirkung besitzen. Und das ist nicht der wesentliche Teil meiner Kritik.

    Den Persilschein hast Du aufgebracht. Ich stelle nur fest, dass eine Unterzeichnung keine Bindung besitzt.

    Zum Begriff des Living History verweise ich auf mein Zitat aus dem Artikel, das wiederrum ein Zitat der Initiatoren ist.
    Hier wird eine eigene Definition des Begriffes vorgenommen, die sehr weit gefächert ist, und die Unterzeichner nicht anhand derer gegengeprüft. Würde ich die Erklärung als solche der Allgemeinheit definieren, ohne Einschränkung auf “Living History”, dann bestünde dies nicht, dies wird aber nicht getan.
    Statt dessen kann jeder- egal was er tut- da hinklicken. Selbst wenn er sich nur Felle umbindet und um ein Feuer springt.

    Insofern nötige ich (die Wortwahl ist wirklich unnötig) niemanden, denn die Initiatoren haben selber Definitionen vorgenommen, die sie aber nicht gegenprüfen- übrigens ist exakt so etwas Ausgangsproblem der Thematik: mangelnde Prüfung.

    Dass die Erklärung sich nicht explizit gegen rechten Radikalismus (den ich von rein dem Begriff “rechts” unterschieden wissen möchte”!) richtet, schrieb ich nicht, dies ist aber der Auslöser.

    Mit Glaubensfrage ist deine Meinung zu den Lichterketten gemeint. Deine Formulierung, diese seien eine “Hochschätzung der demokratisch-freieheitlichen Grundordnung” finde ich aber wirklich realitätsfern, Entschuldigung. Aber jeder nach seiner Meinung.

    Rein zum Thema Qualitätssiegel verweise ich auf selbige Artikel und Diskussionen, das muss nicht hier erneut sein.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
  9. Übrigens verweise ich nachtragend auf den Kern meiner Kritik: wer von den Unterzeichnern kann von sich sagen, das verlinkte Dokument zur wissenschaftlichen Arbeitsweise wirklich zu erfüllen, dies ist ja nun 50% der Aussage der Erklärung? Und das hat sehr wohl etwas mit Qualität zu tun.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
  10. Jens, dann schalt ich mich hier eben ein, und setze den Link zum chronico-Beitrag Qualitätssiegel hierher.

    Ich denke, nicht jeder Leser / Quereinsteiger weiß sofort, was gemeint ist.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    10
  11. Wenn ich dort nicht unterschreibe, bin ich dann ein schlechter Mensch? Bin ich dann ein schlechter Darsteller? Stehe ich dann im Verdacht, nationalistisches Gedankengut in mir zu tragen? Oder den Leuten auf Veranstaltungen Blödsinn zu erzählen – weil ich nicht im Sinne dieser Erklärung wissenschaftlich arbeite?

    Ich verstehe diese ganze Aktion überhaupt nicht…

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Antje Stephan
    11
  12. Mal zur Erweiterung des Verständnisses ein netter Artikel, in dem die Initiatoren ihr Verständnis zu Living History im professionellen und “laienhaften” Umfeld zum Besten geben:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2171

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
  13. Ich bitte darum, hier nicht (wie an anderer Stelle geschehen) “wilde” Links anderswohin zu tätigen. Das zerfasert die Debatte zu sehr.

    @Jens
    Der genannte Beitrag ist ja an anderer Stelle hier im Magazin bereits erwähnt und auch (korrekt) verlinkt. Allerdings ist er inhaltlich nicht wirklich mit der Aachener Erklärung zusammen zu bringen, nach meinem Verständnis.

    Es lohnt sicher ein Blick auf die Webseite der Initiatoren (Link ist beim Artikel angegeben), wer bereits unterzeichnet hat. Dort sieht man die Bandbreite derer, die für sich die Teilnahme entschieden haben. Insofern greifen vielleicht nicht zwingend alle hier genannten Argumente.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    13
  14. Katrin Auer:
    Habe ich das gesagt? Ich habe nur eine Unterscheidung zwischen Kritik die sich an dem Text orientiert und der Kritik die sich an mutmaßlichen Absichten und Unterstellungen in Richtung der Initiatoren oder Unterzeichnenden klammert getroffen.
    Und in der Tat ist der Schaden am Ansehen einer Szene oder Subkultur umso größer, je mehr sich diese untereinander (öffentlich) Anfeinden.

    Jens Börner: das hast du aber, nach eigener Aussage sind für die Lichterketten und die Erklärung gleich unsinnig. Das wirft wiederum die Frage nach dem Hintergrund der Lichterketten auf, und dem bin ich nachgegangen. Auch eine Handlung kann eine Erinnerung oder ein Mahnmal sein. Aber diese Diskussion verliert sich damit in Definitionen, die schon lange getroffen wurden und der Absau dieser Diskussion geht ins Endlose.

    Den Persilschein habe ich als Begriff aufgebracht, der Hintergrund der „Bescheinigung der eigenen Unschuld“ wurde bereits von Steve Lenz aufgebracht und von dir nach meinem Bezug aufgenommen. Nachzulesen im ersten, dritten und vierten Kommentar.

    „Selbst wenn er sich nur Felle umbindet“ oder eben auch nicht. Dazu habe ich mich bereits geäußert.

    Der Auslöser, ich weiß nicht wie es noch einfacher Ausdrücken kann, war nicht der (reale oder unterstellte) Rechtsradikalismus, sondern der wie gesagt der Transport einer Ideologie und die Behandlung dieser Tatsache in der Öffentlichkeit. Dazu müßten sich die Initiatoren aber denke ich nochmal selbst äußern.

    Auch ging es zu keinem Zeitpunkt in der Erklärung darum, dass die Menschen „sich zur eigenen Erfüllung der Anspruch der Wissenschaft“ bekennen, sondern diese „Werte der Wissenschaft“ anerkennen.
    Auch das ist m.E. eigentlich klar formuliert.

    Antje Stephan: steht das da drin? Haben die Initiatoren das behauptet? Ich lese davon nichts. In meiner persönlichen Einschätzung haben jene, die nur jammern und meckern aber nichts tun in der Tat eine gewisse Abwertung erfahren, aber nicht in der Bedeutung als Mensch. Ob andere das so sehen ist jedermanns eigene Sache.
    Das Thema ist aber nun wirklich ein ganz eigenes und komplett entfernt von den Inhalten der Erklärung, wie ich finde.

    Drei Antworten von mir sind für mich das absolute Limit in einer Kommentarfunktion.
    Bevor sich jemand wieder genötigt sieht nachzutreten und persönlich zu werden, so findet man mich in einigen Foren (!) als aktiv und kann dort gerne die Diskussion MIT mir fortsetzen.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Tobias Gabrys
    14
  15. Ich darf, zum besseren Verständnis, aus dem von Jens Börner zitierten und in diesem Medium aufgegriffenen Bericht zitieren:
    Zitat:
    “Der „Weg zu guter Living History“ beginne mit einer gründlich recherchierten und zusammengestellten Ausstattung, weshalb der Kosten- und Zeitaufwand für Recherche und originale Materialien bei professionellen Agenturen beträchtlich sei und sie daher oft nicht mit den „Billig-Angeboten“ von Laiengruppen konkurrieren könnten. Hierbei müssten die Museen allerdings bedenken, dass personale Geschichtsdarstellung nicht nur mehr Besucherzahlen auf einem konkurrenten Freizeitmarkt generieren soll, sondern dass sich Living History mit ihrer Vermittlungsarbeit am Bildungsauftrag der Museen beteilige und daher deren Qualität sorgsam geprüft werden müss”
    Zitat Ende

    Herr Gabrys, positioniert haben sich die Initiatoren selbst, wenn ich das nachtragen darf.

    Wer sich zu “den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis” bekennt, scheint diese in vollem Umfang erfassen zu können. Allerdings dürfte dies für den Nichtakademiker eine Hürde darstellen. (Wobei ich, einer 1988 erworbenen Allgemeinen Hochschulreife zum Trotz, aus eigener Erfahrung spreche.)

    Bekenntnisse sind eine sehr komplexe Angelegenheit und auch immer ein Kind der Situation. Es ist meiner persönlichen Meinung nach nicht zu vermeiden, daß jede Erklärung auch die Initiatoren ins Licht der Öffentlichkeit stellt.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
  16. In der Erklärung steht Folgendes: “Deshalb bekennen wir uns ohne Einschränkung zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität, den Werten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis.”
    Zu den Grundsätzen wissenschaftlicher Praxis ist folgendes Dokument gelinkt: http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf
    Wenn man sich dazu bekennt, heißt das meinem Verständnis nach, daß man das Dokument gelesen hat und nach diesen Grundsätzen arbeitet.
    Und NICHT “Ich erkenne an, daß das gut und richtig ist”.

    Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, daß so gut wie niemand aus dem Unterzeichnerkreis dieses Dokument tatsächlich gelesen hat. Außerdem dürfte es auf die meisten Hobbyisten auch kaum anwendbar sein.

    Ich stimme völlig zu, daß persönliche politische wie auch religiöse Ansichten in der Darstellung nichts verloren haben. Aber diese Erklärung, wie sie dort steht, ist eine sinnlose Worthülse. Das bringt genausoviel Nutzen wie ein “gegen Rechts” Button an der Jacke.

    15. Juli 2008, 17:07 Uhr • Melden?
    von Claudia Groß
    16
  17. Diesmal ein persönlicher Einwurf von mir: Ich verstehe eine Erklärung auch so, dass man sich sehr wohl an ihr orientieren kann, ohne sie zu unterzeichnen. ZB, wenn ich Darstellung betreiben würde, aber (aus welchem Grund auch immer) weniger Wert auf wissenschaftliche Praxis halte.

    Ich glaube nicht, dass das Ziel einer Erklärung ist, einen kompletten Kreis von einer oder mehreren Zielgruppen abzudecken und einzubinden. Es mag vielleicht auch um einen gewissen Vorbildcharakter gehen. Und, ja, auch um Denkanstöße.

    Aber auch das ist freilich meine eigene Interpretation.

    15. Juli 2008, 18:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    17
  18. Ich sehe die Möglichkeit, Kommentare abgeben zu dürfen, durchaus als Form eines Diskussionsforums – Marcel ist diesbezüglich ein hervorragender Moderator und ich bin mir sicher, dass er sich seine Gedanken gemacht hat, als er diese Möglichkeit, Meinungen mitzuteilen, schuf.

    Tobias, wie Deine kleine Spitze – die Erklärung des Begriffs “Aktionismus” und meine Verwendung des Adjektives “blind” als Übersteigerung – so ist eben diese (meine) Verwendung ein Kniff aus der Rhetorik. Deine kleine Schulmeisterei sehe ich also lediglich einmal mehr als Maßnahme, mich nochmal auf die Matte zu bewegen. Auch ich habe diesbezüglich keinen Bock mehr auf ein Hick-Hack in anderer Leute Foren, ich stehe jederzeit gemäß meiner Archaeoforums-Signatur zur Verfügung.

    Zu den Faktoren, welche meine Meinung zur “Aachener Erklärung” gebildet haben:

    1. Ich bin generell kein Freund von Schnelllösungen.

    Nach eigener Erklärung von Andreas Sturm sah er sich gewungen, nach persönlichen Erlebnissen während der Podiumsdiskussion zu Paderborn (Grund allen bekannt, Erklärung irelevant), wie hier kommentiert zu verfahren. Ich habe seine Presseerklärung gelesen und kann dem Mann einen Hang zu dramatischer Formulierung nicht absprechen. Das liegt wohl an seiner mehrjährigen Theatererfahrung und somit erklärt sich für mich auch die Wahl der Worte. Sowas reisst mit und schafft doch schon mal eine Grundlage. Ich habe andere Berichte aus Paderborn vernommen, und da es sachlich und objektiv formuliert war kam bei mir eine ganz andere Meinung zu den Geschehnissen auf. Es kommt immer drauf an, wie man Bilder transportiert und dessen war sich Andreas Sturm meiner Meinung nach absolut bewusst.

    Abgesehen davon gibt es keinerlei Beweise für einen Generalbann seitens Wissenschaft und Museen gegen Betreiber von Living-History-Sparten. Jedenfalls sind mir keine annullierten Aufträge seitens des DAI oder der DFG bekannt – und ich würde es aus erster Hand erfahren.

    Somit sehe ich es als Panikmache. Und es stellt verallgemeinernd Wissenschaftlern und Museumsleuten ein schlechtes Zeugnis in Sachen Sozialkompetenz aus.

    Grundgesetz und DFG-Grundsatz in die Formulierung eingebunden verleihen der Aachener Erklärung zwar gewisses Gewicht, allerdings sehe ich die Verwendung hier lediglich als Stilmittel.

    “Zudem schadet es weiter dem Bild des Darstellers, wenn er ließt, dass jemand die Werte der BRD und der Bildung nicht unterzeichnet, weil er die Initiatoren nicht mag….”

    Also hat man bei bloßer Berufung auf diese Werte das Recht auf Infragestellung der Motivation verwirkt?

    Ich will Herrn Sturm die hehre Absicht aber keinesfalls absprechen – ich werde aber doch seine Mittel in Frage stellen dürfen, da sie u.a. auch mich und meine Arbeit diskreditieren.

    Und das auf der Aachener Erklärung ein Siegel (!) prangt, welches Unterzeichnenden “verliehen” wird, macht für mich den schalen Geschmack nicht bekömmlicher.

    15. Juli 2008, 21:07 Uhr • Melden?
  19. Kleiner Hinweis noch am Rande: mit keinem Wort möchte ich es so verstanden wissen, dass ich “die Initiatoren nicht mag”. Ich kenne Herrn Sturm nicht besonders gut, die wenigen Male, bei denen ich mit ihm Kontakt hatte, waren nicht negativ. Auch finde ich gemeinschaftliches Auftreten von Darstellung aus dem musealen Rahmen gut und sinnvoll- wie erwähnt.
    Nur diese Aktion kritisiere ich aus genannten Gründen als un-ja teils sogar kontraproduktiv, und ich stelle in gewisser Hinsicht die Motivation hinter dem Ganzen in Frage, wenn ich den größeren Zusammenhang- und der ist, dass ist mir klar, nicht allen Lesern sofort klar- betrachte.

    16. Juli 2008, 08:07 Uhr • Melden?
  20. Durch meine eigene Erfahrung auf der Podiumsdiskussion Paderborn, kann ich persönlich nur sagen, dass viele der dort anwesenden Museumsleute den Eindruck bei mir hinterließen, nicht so sehr mit dem Metier Living History, Reenactment, Archäotechnik etc. vertraut zu sein. In der offenen Diskussion kamen dann auch leider direkt die Klischees aus dem Publikum auf, die viele der Aktiven gerade nicht vertreten, als da wären pure Fixierung auf Schwertkampf und Militär, fehlende Handwerksvorführungen, fehlende Modenschauen und Frauen die nur als schmückendes Beiwerk fungieren.
    Die meisten engagierten Gruppen, die sich im Grunde schon vorher an die Grundsätze der „Aachener Erklärung“ gehalten haben, zeigen nämlich genau die Dinge, die in Paderborn so bemängelt wurden und werden dass sicherlich auch in Zukunft tun, auch wenn sie diese im Netz befindliche Erklärung nicht unterzeichnen sollten.

    Entweder man unterzeichnet dieses Dokument, weil man es eh schon für selbstverständlich hielt, sich in der Darstellung danach zu richten, oder man tut es eben nicht.

    Der Vorteil sich dieses Siegel auf die eigene Website zu packen, besteht jedenfalls darin, dass es der unerfahrenen Fraktion von Museumsmitarbeitern helfen kann sich einen ersten Überblick zu schaffen, was natürlich nicht von weiteren Recherchen entbindet und auch nicht als Freibrief genommen werden sollte, um sich von der Eigenverantwortung freizusprechen, die man für die Organisation einer Veranstaltung trägt.
    Diese Labelisierung darf definitiv nicht als Marketingveranstaltung gesehen werden, von wegen wer´ s hat ist automatisch super und wer´ s nicht unterschrieben hat ist schlecht. Allerdings kann ich mich nicht auf Grund der großen Resonanz hier und in vielen Foren, dem Eindruck erwehren, hier ginge es um szeneinterne Grabenkämpfe, die es mit aller Macht zu gewinnen gilt. Manchmal gibt es auch übergeordnete Interessen, die man vor die eigenen stellen sollte, dann könnte die lebendige Geschichte davon profitieren und nicht nur wenige Einzelkämpfer.
    Da man in Paderborn aber immer wieder den Ruf nach besserer Qualität vernommen hat, aber man aus der Fachwelt bis jetzt noch nichts weiter gehört hat, warum sollte man auf Darstellerseite nicht ein eindeutiges Zeichen setzen, damit gesehen wird, dass wenigstens auf dieser Seite das Problem der Belegnähe bei gesetzlich brisanten Dingen wie Hakenkreuzen, das auf der Seite der Aktiven auch schon seit Jahren diskutiert wurde, gesehen wird und es hier bei den meisten Aktiven Usus ist.
    Die Aachener Erklärung ist für mich kein Qualitätssiegel, im Sinne einer unabhängigen Stiftung Warentest, die die materielle Darstellung abprüfen könnte, sofern es sie gäbe.
    So gibt es ja auch „Siegel gegen Steckstühle“, was als Gag begann, aber auch zeigen soll, dass man versucht unhistorische Gegenstände auszusortieren.
    Des Weiteren gibt es auch Siegel von „Heiden gegen Nationalismus“ was auch mal gesagt werden sollte, damit nicht jeder „Heide“ undifferenziert als Nazi abgestempelt wird!
    Auch wenn das Design des Aachener Siegels, auf den ersten Blick, nicht für alle Zeiten zu passen scheint, ist es doch die „Sichtbarmachung“ der immateriellen Überzeugung, die sich schon lange vorher, in den meisten unserer Köpfe befand, nämlich das die überwiegende Mehrheit der Darsteller, wie sie sich selber auch bezeichnen mögen, nicht den, momentan in Funk, Fernsehen und Internetzeitungen, verbreiteten Klischees entsprechen und Sehrwohl eine differenzierte und fundierte Darstellung ohne rechtsradikale, oder sonst wie menschenfeindliche Tendenzen zu schaffen im Stande sind.

    16. Juli 2008, 11:07 Uhr • Melden?
  21. Nina, ehrlich gesagt empfinde ich deinen Beitrag etwas als Hin-und-Hergeiere. Einmal sagst Du, die Plakette der Aachener Erklärung sei ganz bestimmt kein Gütesiegel, dann sagst du wieder, Zitat

    “Der Vorteil sich dieses Siegel auf die eigene Website zu packen, besteht jedenfalls darin, dass es der unerfahrenen Fraktion von Museumsmitarbeitern helfen kann sich einen ersten Überblick zu schaffen, […]”

    Wenn dem so wäre, hiesse das, dass selbige Mitarbeiter darin dann eine Plakette “taugen was, kann ich engagieren” sehen.
    Was genau einem Siegel entspricht. Da aber keine Prüfung der Kriterien besteht, ist das wiederrum einfach nur ein Lippenbekenntnis. Was macht ihr, wenn Ulfhednar unterzeichnet, und das Logo auf die Seite nimmt? Was ist, wenn trotzdem wieder was passiert? Was ist, wenn einer der Gruppen trotzdem wissenschaftlich fragwürdiges Vorgehen zeigt? De fakto kann man schon jetzt an den Onlineauftritten einiger der Unterzeichnet ablesen, dass einige Grundsätze des – wohlgemerkt für darstellerische Zwecke noch nicht mal gut geeigneten- Dokumentes nicht gefolgt werden.

    16. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
  22. Kallemang konnte bekanntlich nicht nur nicht schreiben, sondern nicht mal unterschreiben. Er fügte seinem Signum lediglich das Vollzugszeichen hinzu. Solch ein Vollzugszeichen ist imho auch die Aachener Erklärung, nur haben die Unterzeichner vorher nicht persönlich kund und zu wissen getan, was dann schriftlich festgehalten wurde. Die Erklärung – so honorig und gut gemeint sie ist – führt meilenweit an dem vorbei, was wirklich nötig ist: Eine breit gefächerte Diskussion darüber, ob „Living History“ ein geeignetes Mittel zur Geschichtspräsentation ist und wenn ja, in welcher Form. Dazu sollte zeitnah, doch mit genügendem Vorlauf eine große Tagung (nach dem Vorbild der EXAR-Tagungen seit 1990) anberaumt werden, gerne nicht mitten in der Saison, damit die, um die es geht, die Akteure nämlich, auch Zeit haben, zu kommen. Ziel dieser Tagung könnte eine gut durchdachte Grundlagendiskussion zum Selbstverständnis, zur Ethik und zur Arbeitsweise der LH sein. Denn einen – sicherlich wichtigen – 47-seitigen Leitfaden der deutschen Forschungsgesellschaft zur „guten wissenschaftlichen Praxis“, der von einer Kommission erstellt wurde, in der kein (Prä)Historiker saß, wird nur ein ganz kleiner Teil derer, die an den Museen unterwegs sind, lesen (wollen). Und wenn er auch eventuell bei der wissenschaftlichen Vorbereitung vieler Darstellungen helfen könnte, sagt er doch nichts zur Umsetzung vor dem Publikum.
    Ich werde aus einem anderen, von Jens Börner schon angesprochenen Grund die Erklärung nicht unterzeichnen: Mir reicht ein unverbindliches Internetbekenntnis überhaupt nicht aus, denn unterschrieben ist es schnell, auch von Leuten, die vor gar nicht langer Zeit andernorts in Bezug auf die Verwendung von Swastiken ein recht eigenwilliges Verhältnis zum Gesetzgeber bekundet haben, nun aber ihr Bekenntnis zum Grundgesetz dokumentieren und sich dann für alle sichtbar ein großes PC auf den Schild malen…

    16. Juli 2008, 18:07 Uhr • Melden?
    von Wulf Hein
    22
  23. Was kommt als nächstes? Ein Siegel, dass unsere Speerschäfte ausschließlich aus artgerecht gefälltem Holz gefertigt wurde?

    Wenn ich jetzt anfange gebetsmühlenartig runterzubeten, dass ich kein Nazi bin, fragt sich noch jemand warum ich das nötig habe.

    Wir, eine große Alamannengruppe aus Südwestdeutschland, haben zum einen das übliche Sprüchlein sowie eine sehr große Abhandlung über genau diese Thema auf unserer Homepage. Und nach mehrjähriger erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit, sollte sich auch herumgesprochen haben, wessen Geistes Kind wir sind. DAS muß reichen. Alles andere sehe ich als hektischen Aktionismus von Berufsbetroffenen und hauptamtlichen Gutmenschen an. Ich möchte an dem gemessen werden, was ich bisher getan und von mir gegeben habe, und nicht welches Banner auf der HP steht.

    16. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von Stephan Bernau
    23
  24. Ein Siegel, damit nur heimisches Holz und nichts aus den Tropen verwendet wird? Das wär mal ne Idee… :-)

    Zurück zum Thema:
    Es ist etwas geschehen (u.a. Paderborn). Es ist das Gefühl entstanden, darauf zu reagieren. Diese Reaktionen passieren nun. Die Aachener Erklärung ist eine Möglichkeit davon. Bestehen schon ältere Äußerungen, um den eigenen Standpunkt hervorzuheben und vor allem dem Publikum deutlich zu machen – so ist das nur zu begrüßen (@Stephan Bernau). Insofern können sich verschiedene Wege ergänzen.

    Im Übrigen erachte ich die Diskussion für eine wichtige. Nicht nur hier, auch anderenorts. Aber sie verwickelt sich langsam in zu viele Details, fürchte ich. Im Augenblick drehen sich erneut viele Argumentationen im Kreis.

    Im Grunde geht es doch um zwei Dinge: Die Kommunikation zwischen Living-History-Akteuren sowie den Museen (darum dreht sich im Augenblick vieles). Und zum anderen um die Kommunikation zwischen Akteuren / Museen und dem Publikum. Dieses öffentliche Auftreten von Darstellern aller Couleur ist das zentrale Thema, so wie ich die Sache verstehe.

    Und tatsächlich waren öffentlich gezeigte Symbole die eigentlichen Auslöser der aktuellen Debatte. Folgerichtig kann es also auch darum gehen, öffentlich etwas dazu zu sagen.

    16. Juli 2008, 22:07 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    24
  25. @ Jens . Du hast Recht, die gesamte Sache gleicht mittlerweile einem Eiertanz mit aufgescheuchten Hühnern, die den Fuchs nicht sehen…

    wer meinen Kommentar richtig gelesen hätte würde da sehen, dass das Aachener Siegel kein Siegel im Sinne von darstellerischer Qualität ist, noch sein soll, sondern:

    „die „Sichtbarmachung“ der immateriellen Überzeugung, die sich schon lange vorher, in den meisten unserer Köpfe befand, nämlich das die überwiegende Mehrheit der Darsteller, wie sie sich selber auch bezeichnen mögen, nicht den, momentan in Funk, Fernsehen und Internetzeitungen, verbreiteten Klischees entsprechen und Sehrwohl eine differenzierte und fundierte Darstellung ohne rechtsradikale, oder sonst wie menschenfeindliche Tendenzen zu schaffen im Stande sind.“

    Heißt nix anderes als… erleichtert den Einblick, damit man sieht, dass das Hühnchen nicht in brauner Soße kocht ;O)

    Des Weiteren, wenn sich wirklich Leute versuchen sollten einzutragen, die eigentlich nur einen “Persilschein” wollen, dann sollte man mal die komplette Website der Aachener Erklärung lesen…

    da steht:
    „Der Besitzer der Domain behält sich das Recht vor, Einträge aus der Liste zu löschen, wenn ihm Hinweise darauf bekannt werden, dass ein Unterzeichner dem Sinn und Inhalt der Aachener Erklärung zuwiderhandelt.“

    Und wenn die Ulfhednar ihre Darstellung überprüft haben sollten und die z.B. in PB bemängelten Dinge ausgemerzt hätten, dann spräche ja wohl nichts dagegen, dass sie sich auch da drauf setzten… und sollten wieder bei ihnen eine “Nabelschau” stattfinden könnte man sie ja wieder runterschmeißen…

    denn wie heißt es so schön im Lukasevangelium:

    «Ich sage euch, es wird im Himmel mehr Freude sein über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte.»

    und ich kanns auch nur nochmal betonen:

    Entweder man unterzeichnet dieses Dokument, weil man es eh schon für selbstverständlich hielt, sich in der Darstellung danach zu richten, oder man tut es eben nicht.

    Ansonsten empfehle ich allen aufgescheuchten Hühnern sich wieder auf die eigenen Eier zu setzen, da mir die Podiumsdiskussion in PB gezeigt hat, dass man keine Sorgen haben muss, wenn man sich an gewisse Grundsätze hält, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, was die Darstellung angeht und alles bisher Besprochene.

    17. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
  26. Hallo Nina,

    Wenn Du die Beiträge aufmerksam liesst, wirst Du feststellen, dass sich die Diskussion nicht ausschliesslich um den anti-ideologischen Teil dreht, sondern eben um den restlichen. Ich finde es übrigens bemerkenswert, dass die Erklärung scheinbar so oberflächlich gelesen wird, dass die Tatsache, dass es nicht nur alleine darum geht, immer noch nicht bei allen angekommen ist.

    Ansonsten verweise ich auf mein Zitat: wenn das kein Siegel sein soll, warum soll das irgendein Museumsmenschen interessieren, warum eine Richtschnur sein? Entweder oder.
    Beides geht nicht, da wären wir wieder beim “Eiertanz”.

    17. Juli 2008, 12:07 Uhr • Melden?
  27. Was soll dieser Lärm um nichts? Wer nicht ohne eine solche Erklärung weiß, was Recht und Unrecht ist, ….
    Ich denke, mehr braucht man dazu nicht zu sagen.
    Guenther

    16. August 2008, 00:08 Uhr • Melden?
    von Guenther Krause
    27
  28. Diese Diskussion ist sowas von sinnlos.
    Wer die Erklärung unterzeichnen möchte, tut das und wer das nicht möchte, der läßt es.
    Der Absolutheitsanspruch einiger Personen, die offenbar der Auffassung sind, ihre eigene Meinung sei die einzig erlaubte, ist schon etwas befremdlich.

    Dabei ist es doch so einfach:
    dir gefällt die Erklärung und du willst unterschreiben? Tu es.
    Dir gefällt die Erklärung nicht und du möchtest nicht unterschreiben? Lass es.

    25. August 2008, 10:08 Uhr • Melden?
    von Georg Mackowiak
    28

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