Clemens-Sels-Museum Auf „Expedition ins Mittelalter“

Mit einem gelungenen Konzept sind die neusten Erkenntnisse der museumspädagogischen Vermittlung ebenso hervorragend umgesetzt wie die aktuellen Ergebnisse der Geschichtsforschung und Archäologie in Neuss.

Geschichte zum Greifen nah

Der Untertitel „Eine Mitmach-Ausstellung für alle“ ist bei dieser liebevoll gemachten Ausstellung im Neusser Clemens-Sels-Museum wirklich Programm. Der Rundgang beginnt mit einem verdunkelten Zeittunnel. Die Besucher werden mit einer Bildrückblende zurück ins späte Mittelalter geführt. Für die Kinder hängen vor dem Zeittunnel einfache Tuniken bereit – verkleidet ist es leichter, sich auf neue Eindrücke einzulassen. Und davon gibt es viele, besonders beim Verladen von Waren im Neusser Hafen oder beim Zuordnen der beliebtesten Rheinfische.

Schon bei den ersten Themen überzeugt das Konzept. Die Stationen zum Begreifen und Mitmachen sind Vitrinen mit Originalen zugeordnet – oft mit überraschenden und unterhaltsamen, immer aber fundierten Texten. Bei den folgenden Stationen wird kein Thema ausgelassen: Kleidung, Essen, Trinken, Feiern, Krieg, Tod und Latrinen.

Rekonstruktion und Original

Immer wieder zeigen Originale neben Rekonstruktionen, Modellen und Mitmachmöglichkeiten die Verbindung zum „realen Mittelalter“. Diese Mischung hat für jeden etwas, und auch Besucher mit Vorbildung finden spannende und unterhaltsame Überraschungen aus der Stadtgeschichte. Bei allen Mitmachstationen überzeugen die fundierte Grundlagennähe und die Qualität der Ausstattung. In der Umsetzung des Schwerpunkts „Pilgerzentrum Neuss“ ist es gelungen, die Verbindung zwischen Mensch, Kirche und Religion so aufzubereiten, dass das Thema für jeden spannend ist – für Christen, Angehörige anderer Religionsgemeinschaften und Außenstehende.

Mein persönlicher Liebling in der Ausstellung ist der Bienenkorb aus Stroh mit den Waben im Bereich Garten und Felder. Von den Besuchern „umlagert“ war der Bereich der Belagerung der Stadt. Der Standort des Museums im und beim Obertor lädt im Anschluss an die Besichtigung zu einer weiteren Spurensuche nach erhaltenen Mauern und Türmen in Neuss ein.

Wie bei der Eröffnung durch den stellvertretenden Museumsdirektor Thomas Ludewig und der Ersten Stellvertretenden Bürgermeisterin Angelika Quiring-Perl betont wurde, hat die Ausstellung das Ziel, die Jugend für das Museum zu begeistern und über Grenzen hinweg mit der Geschichte der Stadt Neuss zu verbinden. Große Worte, die aber voll und ganz durch die Kuratoren Ludewig und Carl Pause umgesetzt werden konnten.

Ein Ferienausflug nach Neuss ist, auch bei sommerlichen Temperaturen, wärmstens zu empfehlen. Die Mitmach-Ausstellung läuft noch bis 30. August dieses Jahres.

Artikel aus der Rubrik „Geschichtsszene“

  • Humpis-Quartier erwacht zu neuem Leben

    Das Ravensburger Museum Humpis-Quartier öffnet seine Pforten: Eine vor allem spätmittelalterliche Attraktion, die kulturhistorisch weit über Oberschwaben hinaus ausstrahlen dürfte.

  • Veranstalter erwarten 3000 Reenactors

    Es ist der 195. Jahrestag der für Napoleon so vernichtenden Schlacht von Waterloo: Rund 3000 -Living-History-Darsteller ziehen im Juni zum historischen Schlachtfeld am Mahnmal, dem Butte de Lion. Alle fünf Jahre schwillt das Reenactor-Lager…

  • Der Konzern der weißen Mönche

    Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ stellt in diesem Jahr 365 besondere Projekte vor. Lediglich eine Handvoll historischer Orte schaffte es in die Auswahl. Nur einer versetzt ins Mittelalter: Das Zisterzienserkloster Walkenried.…

  • Germanenkrieger formieren sich

    Unbeeindruckt vom Streit um Kalkriese als Ort der Varusschlacht bereitet sich die historische Darstellerszene auf den 2000. Jahrestag vor. Im Netzwerk „Comitatus“ sammeln sich erstmals ambitionierte Germanenakteure.

Ihr Kommentar zum Artikel „Auf „Expedition ins Mittelalter““


Sie sind angemeldet als

abmelden