LVR-RömerMuseum Antike Piniencreme mit Klatsch

Szene im Badehaus des RömerMuseums: Römerinnen beim Klatsch. © Holger Rinke

Deftige Gerichte, tratschende Damen, stolzierende Soldaten und jede Menge Zaungäste. Das klingt nach modernem Kasernenspektakel? Denkste, im Archäologischen Park Xanten (APX) waren Römer unterwegs. Prima Living History.

Mahlzeit, Lucullus!

Eier mit Piniencreme, Datteln mit Ziegenkäse, gekochter Lauch mit Pflaumen … Man ließ es sich gut gehen in Colonia Ulpia Traiana. Davon konnten sich die Besucher am vergangenen Wochenende beim Museumsfest rund um das neu geschaffene, den Archäologischen Park ergänzende RömerMuseum überzeugen. Denn ihr Mittagsschmaus bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer dieser eher ungewöhnlichen Kombinationen direkt aus der Vergangenheit – so konsequent bis ins Detail wie diese wünschte man sich manche Museumsveranstaltung, bei der die Verantwortlichen allzu leicht das Schildchen „irgendwie schon richtig“ ans bestenfalls Historisierende heften.

Nicht nur kulinarisch konnten die zahlreichen Besucher (das Museum zählte an diesem Wochenende insgesamt 10.674 Gäste; Anm. d. Red.) an etwa 25 Ständen und Stationen in eine Zeit eintauchen, die sie sonst an diesem Ort nur in den Ruinen erahnen können. Auch jenseits der Magenfreuden gab es viel zu sehen und zu erleben. Akteure zum Beispiel, die in etlichen Rollen auftraten.

Sei es der überaus enthusiastische römische Brandmeister, der über seine Tätigkeit und die Unbill, die dabei geschehen konnte, berichtete. Oder sei es die lustwandelnde römische Bürgerin nebst Gefolge; die Sklavin, welche über die Schönheitspflege ihrer Herrin zu erzählen wusste oder auch das Getratsche der Weiber bei gestellten Szenen im Badehaus – nur auszugleichen durch eine umgehende Überdosis Testosteron bei der späteren Manövervorführung durch eine Kohorte Legionäre mit anschließender Modenschau –, überall wurde den Besuchern auf spielerische Art Wissen vermittelt.

Akteure mit Köpfchen

Jeder der Akteure war zu jeder Zeit willig – und fähig – auf Fragen zu seinem Gebiet zu antworten, und so hatte man auch wenig Scheu, diese zu stellen. So mancher Mittelalterliche, der sich in seinem Zoo-ähnlichen Lager vor den Besuchern verschanzt, könnte sich hier passende Anregungen holen, wie man es richtig macht. Apropos Lager: Abgesehen von einigen Strohballen und Dingen, die jedes Ordnungsamt erfreuen, suchte man an den einzelnen Stationen Gegenstände, die dort römerzeitlich nicht hingehörten, vergeblich.

Gerade für Kinder war das Angebot überbordend. Kaum ein Stand, an dem sie nicht mitmachen konnten, um eigenes Badesalz anzurühren, Mosaike zu legen, ein Legionärsleben zu führen oder auch ein Cornu selbst zu bauen – für Eltern war das sicherlich eine Wohltat und an mancher Station überkam mich der Neid, dass sich die Museumspädagogik durchweg nur an Kinder richtet. Aber nur kurz, zumindest an meinem Besuchstag, denn das Programm war so dicht, dass man kaum Zeit fand, sich das Dargebotene abseits davon in aller Ruhe anzuschauen … und wer dann immer noch nicht genug hatte, der konnte, so er noch über die Kondition und die Füße dazu verfüge, das Museum erkunden, in dem die Geschichte der Region von der frühen Besiedelung durch Germanenstämme über die römische Erschließung bis hin zur fränkischen Übernahme anhand zahlreicher Exponate auf moderne Art präsentiert wird.

Nach kurzer “Zwiesprache” mit meinen Füßen, die einfach nicht mehr wollten, beschränkte ich mich darauf, einmal durchzuschlendern und mich auf einen späteren Besuch zur näheren Beschäftigung mit diesem archäologischen Glücksgriff einer Hafenversandung und der damit einhergehenden Siedlungsverlagerung hin zum heutigen Xanten, zu vertrösten. Diese Verlagerung hatte dafür gesorgt, dass sich so zahlreiche Bodenfunde in moderner Zeit entdecken ließen.

Abgegolten war diese überaus gelungene Veranstaltung bereits mit dem normalen Eintritt in den Archäologischen Park, der, beinahe das gesamte Gebiet der alten Colonia Ulpia Traiana umfassend, auch sonst mit einer Reihe gelungener Veranstaltungen lockt. Er lädt außerdem mit seinen großzügigen Flächen im Sommer zum Verweilen ein, hat sich allerdings auch mit dem ergänzenden RömerMuseum zum Ziel einer ausgewachsenen Tagestour entwickelt.

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