Geschichtspodcast 3 Reenactment im Fokus

Die Themen unserer dritten Ausgabe: „Abenteuer Mittelalter" in Goslar, mittelalterlicher Schwertkampf, ungarische Reiterkrieger, ein schwarzes Musikportal und Brandan - Mittelalterfolk aus Leipzig.

Reenactment in Goslar

Die Veranstaltung „Abenteuer Mittelalter“ im niedersächischen Goslar dürfte das Top-Ereignis des Monats unter den Mittelalterveranstaltungen im September werden. Bis zu 450 Akteure wollen die Organisatoren der Werkstätten für lebendige Geschichte um Claus Meiritz in die Harzstadt holen. Dort werden das ganze Jahr über die Salier gefeiert. Die Herrscherdynastie ist mit Goslar eng verbunden und hatte hier eine ihrer wichtigsten Pfalzburgen. Kein Wunder: die Silberminen bei Goslar waren bis ins Spätmittelalter hinein ein heiß begehrtes Pfund, mit dem politisch gewuchert werden konnte. Berühmt ist auch der Streit zwischen Welfen und Staufern um den Einfluss in Goslar.
Was bei „Abenteuer Mittelalter“ am 23. und 24. September geboten wird, ist ein Zeitstrahl, der die Besucher auf eine Reise vom 11. bis zum 15. Jahrhundert mitnehmen soll. Die Akteure zeigen in sechs Zeitfenstern, was das Mittelalter prägte. Ort des Geschehens: der „Blaue Haufen“ – ein Landschaftsschutzgebiet östlich des geschichtsträchtigen Rammelsberges. Die Organisatoren wollen mit der Veranstaltung neue Maßstäbe in der historischen Darstellung setzen. Viele Darsteller waren schon im vergangenen Mai beim Reenactment in der niedersächsischen Kaiserpfalz Werla im Wolfenbütteler Land dabei. Nichts weniger als höchste Qualität in Sachen Authentizität ist der Anspruch der Macher.
Kinder unter Schwertmaß haben freien Eintritt, Schüler und Studenten zahlen 5 Euro, Erwachsene 7 Euro für die Tageskarte. Weitere Details finden Sie im Vorbericht im Magazin chronico sowie in unserem Veranstaltungskalender.

Talhoffers Geheimnisse

Mittelalterlicher Schwertkampf wird bei vielen Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zelebriert. Manchmal rein auf Schaukampf angelegt, oft aber auch mit streng historischem Anspruch, was den Stil und die Ausrüstung betrifft. André Schulze aus Schwabmünchen ist der Waffenmeister der Darstellergruppe „Das Drachenbanner“. Der Kampfsportler setzt auf gutes Training der Mitglieder, bloßes „Dengeln“ ist nicht sein Stil. Und er forscht in den mittelalterlichen Überlieferungen für ein möglichst authentisches Schwertkampfprojekt.
Gemeinsam mit der Historikerin Sandra Fortner hat sich André Schulze des Fechtbuches von Hans Talhoffer aus dem 15. Jahrhundert angenommen. Mit welchen Waffen wurde wie gekämpft? Dieser Frage ging das Duo unter anderem nach. Der Analyse folgte die Praxis: Die Nachstellung des Schwertampfes nach den Regeln von Talhoffer. Das Ergebnis liegt demnächst in Buchform mit dem Titel „Das lange Schwert“ vor. Der Band erscheint im Oktober im Mainzer Verlag Philipp von Zabern und bildet den Auftakt einer neuen Buchreihe mit dem Thema „Mittelalterliche Kampfesweisen“. Weitere 5 Bände plant der Verlag schon jetzt.
Wer hautnah einen Einblick in die Arbeit des Teams Schulze/Fortner bekommen möchte, sollte am 16. September ins Schloss Aulendorf in Baden-Württemberg kommen. Dort präsentiert der Verlag das neue Buch zusammen mit Kampfvorführungen, Musik und Vorträgen. Auch die Autoren sind natürlich dabei. Der Veranstaltungsort ist gut gewählt: Die Schlossherren sind Nachfahren eben jenes Hans Talhoffer. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen, samt Anfahrtsplan, in unserem Terminkalender.

www.zabern.de

Ungarische Reiterkrieger

Und noch ein Ausstellungstipp, diesmal begeben wir uns in die Zeit der Ungarneinfälle um 900 nach Christus. „Heldengrab im Niemandsland“ betitelt das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz seine Sonderausstellung, die am 13. September startet und bis zum 19. November im Kurfürstlichen Schloss zu sehen ist.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das reiche Grab eines jungen ungarischen Reiters aus Gnadendorf in Niederösterreich, der fern der Heimat mit großem Prunk bestattet worden ist. Die prächtigen Funde bilden den Rahmen dieses Ausstellungsschwerpunktes. Zudem zeigt das Museum auch Funde aus Ungarn, Mähren und Deutschland und geht dabei auch folgenden Fragen nach: Wer herrschte damals im Niemandsland zwischen Ungarn und Bayern? Warum ist der Tote scheinbar mit den Waffen seines Großvaters bestattet worden? Warum ist er nicht in seiner Heimat bestattet worden, die doch nicht mehr weit war?
Die Ausstellung bietet auch etwas für Reenactment-Fans. Am 7. und 8. Oktober schlagen Ungarndarsteller ihre Filzjurten im Hof des kurfüstlichen Schlosses in Mainz auf. Sie präsentieren Kleidung und Wehr, wie sie für das 10. Jahrhundert typisch waren – samt Reitervorführung und der Nachstellung einer Grablege.

www.rgzm.de

Ein schwarzes Musikportal

Wir schauen bei chronico ja gern über den Tellerrand. In dieser Sendung passiert dies vor allem auf musikalischem Weg. Bevor wir aber zum schon angekündigten Debütalbum von Brandan aus Leipzig kommen, haben wir einen Linktipp der dunklen Sorte für Sie.
Dafür bleiben wir hier bei uns in Hannover und werfen mal einen Blick auf den Podcast „Nerotunes“ von Jörn Sieveneck. Jörn widmet sich seit über einem Jahr der schwarzen Musikszene um Gothic, Industrial und EBM in seinem regelmäßig erscheinenden Musikpodcast. Wir halten nichts von Verallgemeinerungen, aber unstrittig ist: Viele Gothic-Fans treiben sich gern auf Mittelaltermärkten herum und umgekehrt sind die Hobbyisten der Mittelalterszene auch gern bei Gothic-Konzerten dabei. Die Grenzen sind eben zuweilen sehr fließend, weshalb wir den Klick auf „Nerotunes“ durchaus empfehlen können. Zwar setzt Jörn seine Schwerpunkte mehr im elektronischen Bereich, aber bei ihm bekommt man auch Infos zu Festivals wie Mera Luna oder dem Wave Gotik Treffen in Leipzig. Bei „Nerotunes“ gibt es auch sehr gute Linktipps zu einschlägigen Konzertveranstaltungen in Deutschland. Einfach mal reinhören bei unserem Nachbar-Podcaster.

www.nerotunes.de

Mittelalter-Folk aus Leipzig

Lyrik und Prosa des frühmittelalterlichen Europa sind der Stoff, mit dem die sächsische Gruppe Brandan arbeitet. Althochdeutsche Zaubersprüche, galizische Liebeslyrik oder altirische Gedichte kommen in den Texten der Band vor, die mit dem hier besprochenen Album ihre erste Scheibe vorgelegt hat. Die Arrangements selbst sind nur zum Teil an wirklicher mittelalterlicher Spielweise angelehnt. Brandan bietet keine authentische Musizierpraxis, sondern geht sehr freigeistig mit den Originaltexten um. Das Ergebnis ist eine äußerst lebendige Mischung aus Rock, Pop oder Jazz. Und noch eine musikalische Wurzel können und wollen Brandan nicht verleugnen: den Folk.
Immerhin spielen drei der Bandmitglieder in der Irish-Folk-Gruppe „Dizzy Spell“. Folkig, unterlegt mit Saxophonsound, geht es etwa im Intro-Titel des Albums „Yggdrasil“ zu. Der Text ist eine Strophe aus der Edda, in der der Weltenbaum Yggdrasil beschrieben wird. Für den Rhythmus ließ sich Brandan von skandinavischer Tanzmusik inspirieren. Und so geht es frisch und unbekümmert weiter mit dem gesamten Instrumentarium, die handgemachte Musik bereithält. Die Brandan-Mitglieder sind Vollblutmusiker und lassen das auch hören. Sängerin Juliane Weigelt besticht durch ihre klare Stimme. Ihr Hintergrund ist typisch für das Ensemble: Sie ist ausgebildete Folksängerin und hat unter anderem altirische und altenglische Literatur studiert.
Zum Schluss das Falkenlied, aus dem der Titel des Debütalbums stammt. „Ich zôch mir einen valken“ ist ein frühmittelhochdeutscher Text des Minnedichters Der von Kürenberg. Der Kürenberger ist mit 15 Liedern im Codex Manesse vertreten und lebte im 12. Jahrhundert. Seine Ballade handelt von einer Adligen, die sich einen Falken zähmt – der ihr dann doch wieder entfliegt. Vermutlich ein Symbol für Liebesschmerz.

www.brandan-band.de

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