Inquisition Verteidigung des Glaubens

Sie hat viele Umformungen erlebt, verschiedene Bezeichnungen bekommen, Menschen wie Galileo Galilei eingeschüchtert und solche wie Jeanne d’Arc auf den Scheiterhaufen gebracht. Und irgendwie existiert die Inquisition auch heute noch. Die gefürchtete, geheimnisvolle Einrichtung, die über die Reinheit des Glaubens im Auftrage des Vatikan zu wachen. Seit im Januar 1998 die bis dahin verschlossenen Akten der römischen Inquisition der Öffentlichkeit zum Teil zugänglich gemacht wurden, stürzten sich viel Historiker auf diese Dokumente. Sie zeichnen das Jahrhunderte dauernde Wirken eines machtvollen Instruments nach.

Ihren Ursprung hatte die Inquisition im Hochmittelalter – der Epoche der religiösen Inbrunst und besonders machtvoller Ketzerbewegungen (siehe Ketzer). In jener Zeit entstanden zahlreiche Mönchsorden, um der tief empfundenen Gläubigkeit eine Richtung zu geben. Doch nicht immer konnten Anhänger von Häresien (vom Kirchendogma abweichende Lehren) innerhalb der katholischen Kirche gehalten werden. Die Ketzer wandten sich gegen das verweltlichte Leben des Klerus.
Papst Innozenz IV. richtete zur Verfolgung solcher Bewegung 1252 die Inquisition ein. In ihrem Vorgehen konnten sich die Inquisitoren unter anderem auch auf die strengen Ketzergesetze von Friedrich II. von 1220 und 1224 berufen. Sie gingen vor allem in Deutschland, Italien und Frankreich hart gegen die häretischen Bewegungen vor. Nicht mehr private Klagen führten zum Inquisitionsverfahren, sondern das kirchliche Gericht nahm die Verfolgung von Amts wegen auf. Es erforschte bei den Angeklagten den Schuldbeweis, es „inquirierte“. Obwohl Innozenz III. noch 1215 die Folter offiziell verbot, verbreitete sie sich sehr schnell bei den Verfahren.
Zur hochoffiziellen Zentrale der Inquisition wurde Rom erst 1542 unter Papst Paul III. Von hier aus wollte er seine Kräfte gegen einen besonders stark gewordenen Feind bündeln: Die reformatorische Bewegung des Martin Luther und all jener Lehren, die daraus entstanden, etwa die der Wiedertäufer. Die Spanier indessen gründeten im letzten Drittel des 15. Jhs. eine eigene Inquisition. Treibende Kraft dahinter war der Dominikanermönch Alonso de Hojeda, der vor allem gegen zum Christentum übergetretene Juden vorgehen wollte. Das erste so genannte Autodafé, ein öffentlicher Hinrichtungsakt, wurde 1481 in Sevilla gegen sechs konvertierte Juden vollstreckt. Sie wurden verbrannt. Die dunkle Lust am Feuer durchzog zu jener Zeit bereits fest die Reihen der Inquisitoren. Und dies prägte auch das Bild, das die Gesellschaft heute von dieser Einrichtung hat.
Im zweiten Buch Mose im Alten Testament heißt es: „Die Zauberer aber sollst du nicht leben lassen.“ Ein Satz, verbunden mit Wahnvorstellungen von dunkler Magie und Aberglauben, der zur unheilvollen Massenverfolgungen von „Hexen“ – Männern wie Frauen – führte. Ausführende waren auch hier wieder die Inquisitoren. Die größten Hexenverfolgungen gab es in Deutschland, wo 1487 das Handbuch „Malleus Maleficarum“, der so genannte „Hexenhammer“ erschien. Die Inquisitoren Heinrich Institoris und Jakob Sprenger waren Autoren dieses Buches, das zu einer Art Standardwerk für Hexenverfolger avancierte. Verfolgungen, die sich bis in die Neuzeit zogen.
Bis 1908 existierte die „Heilige Kongregation der Römischen und Universalen Inquisition“ unter diesem Namen. Sie erlebte ein kurzes Zwischenspiel als „Heiliges Offizium“ und heißt seit 1965 „Kongregation für die Glaubenslehre“. Auch wenn die Zeiten der gewaltsamen Verfolgungen vorbei sind, ist diese Kirchenbehörde noch immer ein Symbol für den Anspruch des Vatikans auf die alleinige Wahrheit in Sachen Religion.

Quellen:
Reinhard Elze und Konrad Repgen (Hrsg.); Studienbuch Geschichte, Band I; Klett-Cotta; Stuttgart; 1994;
Uwe K. Paschke (Hrsg.), Holle Universalgeschichte; Karl Müller Verlag; Erlangen;1991
Gottes willige Vollstrecker; in: Der Spiegel 23/1998

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2 Kommentare

  1. Ich finde die Seite gut gestaltet ,aber der text ist immer viel zu lang kann man das nicht kürzen?

    24. Mai 2005, 15:05 Uhr • Melden?
    von Steffi
    1
  2. Ein Artikel ist so lang, wie lang er sein muss, um alle Informationen zu transportieren. Bücher sind indes viel länger, da stellt sich die Frage nach der Länge aber nicht.

    26. Mai 2005, 07:05 Uhr • Melden?
    von David Maciejewski
    chronico
    2

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