Ausstellung Der Barbarenschatz – Den Römern geraubt
Das MZM Museum Lebenswelt Weinviertel präsentiert in einem Gemeinschaftprojekt mit dem Urgeschichtemuseum Niederösterreich in Asparn/Zaya im Jahr 2010 eine internationale Spitzenausstellung: „Der Barbarenschatz – Den Römern geraubt“ zeigt den größten römerzeitlichen Metallfund weltweit. Der Schatz ist in Fachkreisen besser bekannt als der „Hortfund von Neupotz“. Die Ausstellung ist vom 20. März bis 30. November 2010 im MZM Museum Lebenswelt Weinviertel zu sehen. Ergänzt wird das Programm durch ein reichhaltiges Angebot an Begleitveranstaltungen.
Für die römische Bevölkerung war das zweite Drittel des dritten Jahrhunderts nach Christus turbulent. Die Germanen erkannten, dass die nördliche Grenze des Römischen Reiches, der Limes, ohne besondere Schwierigkeiten überwunden werden konnte. Von Habgier, aber auch von Armut und Not getrieben, drangen sie in römische Gebiete ein. Immer skrupelloser wurden ihre Einfälle, die Ende 259 n. Chr. ihren Höhepunkt erreichten. Zahlreiche Stämme der Germanen, Alamannen und Franken hinterließen weite Spuren der Verwüstungen in Siedlungen, Landgütern und Heiligtümern. „Auch in Niederösterreich zeigt sich ein ähnliches Bild: im Jahr 170 brechen Markomannen und Quaden in Noricum und Pannonien ein und dringen bis nach Aquileia, der wichtigsten römischen Handelsstadt an der oberen Adria, vor. Nur mühsam gelingt es, die Eindringlinge wieder nach Norden zurückzudrängen.
Im Laufe des Jahres 171 werden die Provinzen dann aber von den Eindringlingengesäubert und die Beute, die man ihnen wieder teilweise abgejagt hatte, an die Provinzbevölkerung zurückgegeben. In diesem Jahr richtete Kaiser Marc Aurel sein Hauptquartier in Carnuntum ein, in dem er dann für drei Jahre residieren sollte“, so Mag. Franz Humer, wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks Carnuntum.
Nicht alle kamen mit ihrer Beute wieder siegreich nach Hause, denn nach der Beuteteilung mussten sie den Rhein überqueren. Die Rheinflotte der Römer war jedoch schnell. Manch einer wird es nicht geschafft haben, ihnen mit der Beute oder überhaupt lebend zu entkommen. Auf einem ihrer Rückwege wurden Germanen von einer römischen Flotte überrascht. Bei den darauf folgenden Kampfhandlungen versank ein Teil der Beute. Anfang der 1980er Jahre wurde er bei Kiesabbauarbeiten in einem Altrheinarm entdeckt. Der Fundkomplex wird in direktem Zusammenhang mit den Plünderungszügen germanischer Gruppen in den gallisch-germanischen Raum in den Jahren 259-260 n. Chr. gestellt.
Der spektakuläre „Barbarenschatz“ besteht aus mehr als 1.000 Objekten aus Silber, Bronze, Messing, Eisen und sogar aus Holz. Mehr als 700 Kilogramm wiegen diese kultischen Geräte, Waffen, Münzen, Werkzeuge, Boots- und Wagenzubehör sowie Tafel- und Küchengeschirr. Eine derartige Vielfalt an Gegenständen aus einem einzigen Fund war vorher unvorstellbar. „Der Fund ist eine archäologische Sensation ersten Ranges und spiegelt den Reichtum der römischen Provinzen wider“, so Dr. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtemuseums Niederösterreich in Asparn/Zaya. Zur Beute der Germanen gehörten auch Lebensmittel, Kleidung, Hausgeräte, Fuhrwerke, Vieh und sogar Handwerker, die durch ihr technisches Know-how sehr begehrt waren. Aufgrund seiner Reichhaltigkeit illustriert der Schatz eindrucksvoll das Leben der römischen Provinzbevölkerung an der Wende zur Spätantike.
Ausführliche Informationen auf www.barbarenschatz.at