Tilleda

Freilichtmuseum strebt in die „Bundesliga“

Die Königspfalz Tilleda ist ein Freilichtmuseum am Fuße des Kyffhäusers an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Thüringen. Klein, aber die Anlage hat es in sich: Tilleda ist die einzige vollständig ergrabene Königspfalz Deutschlands.

Rekonstruktion des Zangentores in der Pfalz. (Foto: Torsten Kreutzfeldt)
Rekonstruktion des Zangentores in der Pfalz. (Foto: Torsten Kreutzfeldt)

Fotos zum Thema

  • Darstellerzelte vor dem Vorderwall. <span class="copy">(Foto: Torsten Kreutzfeldt)</span>
  • Frisch rekonstruiert: Das neue Bauernhaus vor der Kulisse des Kyffhäusers. <span class="copy">(Foto: Torsten Kreutzfeldt)</span>

Details

Der Autor
Torsten Kreutzfeldt ist Schulbibliothekar der Latina in Halle, der ältesten Schule der Franckeschen Stiftung. Seit 2001 arbeitet er ehrenamtlich für die Pfalz Tilleda und ist als Darsteller aktiv.

Stagnation wird zum Glücksfall

Wenn auch die wissenschaftliche Auswertung noch unvollständig ist, ergeben sich doch daraus zahlreiche neue Erkenntnisse in der Pfalzenforschung (siehe hier auch: Dapper, Michael: Die Neuinterpretation der Grabungsergebnisse auf der Pfalz Tilleda, in: Deutsche Königspfalzen, Bd. 7, Göttingen, 2007).

Fest steht, das Tilleda vom 7./8. bis weit in das 13. Jahrhundert besiedelt worden ist, die meiste Zeit davon als Königsgut. Eine besondere Bedeutung hatte Tilleda unter den Ottonen. Aber danach kam rasch der Niedergang. Vom 11. Jahrhundert an bis zum Verlassen der auf dem Pfingstberg über dem heutigen Dorf Tilleda befindlichen Anlage kann von einer Stagnation ausgegangen werden. Für die Archäologen sind solche Umstände Glücksfälle, „die interessante Einblicke in Baustrukturen einer Umbruchszeit im Burgenbau erlaubt“ (Dapper, s.o.). Ein bedeutendes Beispiel dafür ist auch die Wikingersiedlung ist Haithabu in Schleswig.

Nur Provinzklasse ?

Von der einst monumentalen Anlage aus einer Haupt- und zwei Vorburgen, Befestigungen und Hunderten von Repräsentations-, Wohn- sowie Wirtschaftsbauten waren nur Reste der Fundamente oder lediglich Verfärbungen im Boden übrig geblieben. Rekonstruktionsmaßnahmen seit den achtziger Jahren angedacht und seitdem nach Kassenlage und Förderungsbedingungen ausgeführt, befriedigen nicht hinreichend.

Dazu folgende Stellungnahme eines Fachmanns, die sehr ernüchtert: „Als Freilichtmuseum spielt Tilleda höchstens in der Provinzklasse.“ Diese Stellungnahme wurde noch dadurch ergänzt, dass die bestehenden Rekonstruktionen höchstens Annäherungen und Nachempfindungen wären. Für manche Besucher ist es auch unbefriedigend, wenn das reiche Fund- und Ausgrabungsgut der Pfalz (zuletzt teilweise in der Magdeburger Ausstellung zu sehen) aus sicherheits- und konservatorischen Gründen nicht am eigentlichen Ort ausgestellt werden kann. Viele kostbare Stücke waren zuletzt in der Magdeburger Ausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation – Von Otto den Großen bis zum Ausgang des Mittelalters“ (2006) nur auswärts zu sehen.

Alleinstellungsmerkmale herausstreichen!

Dabei gäbe es einige herausragende Alleinstellungsmerkmale der Pfalz: Wir haben hier die einzige Anlage dieser Art, die völlig ergraben und dokumentiert wurde. Und die Bedeutung unter den Ottonen sollte uns verführen, Tilleda zu einem Zentrum für die ottonische „lebendige“ Geschichte zu machen.

Als Leitfigur für diese Zeit und das Museum bietet sich ja geradezu die Kaiserin Theophanu (ca. 959 bis 991) an, die beides verkörpern kann: Ottonik im Austausch mit anderen Kulturen und höfisches Leben auf einer Pfalz. Theophanu als „ausländische“ Frau, als Kulturbringerin und erfolgreiche Politikerin hat alle Merkmale, die als Werbeträgerin für ein weltoffenes Museum taugen. Dazu ist die wichtigste Urkunde, die Tilleda erwähnt, eben die Hochzeitsurkunde dieser Herrscherin. Aber ist das kleine Museum bereit, eine griechische Kaiserin zu empfangen? Die passende Geschichtsinszenierung steht unmittelbar bevor.

Living history: Theophanus Fest

Einen ersten Besuch auf ihrer Pfalz Tilleda nach über einem Jahrtausend wird Theophanu in diesem Jahr unternehmen. Am 21. und 22. Juli 2007 wird das „Kaiserlager“ genannte alljährliche Museumsfest unter dem Motto „Theophanus Fest“ stattfinden.

Statt großer Schlacht werden eher weibliche Aspekte und friedliche Aktionen im Vordergrund stehen: Alexandra Dappers herrliche Küche wird in einem Schauessen unter Beweis gestellt, fremde Gesandtschaften werden der Kaiserin ihre Aufwartung machen und am Ende soll unter Anleitung eines erfahrenen Volkstanzlehrers sich die ganze Pfalz im (frühmittelalterlichen) Reigen drehen.

Natürlich wird es daneben auch Waffenvorführungen geben. Viele Mitglieder des franco-flämischen Contingents, die im Vorjahr auf der Pfalz für Hastings trainierten, kommen neben anderen frühmittelalterlichen und hochmittelalterlichen Gruppen gerne wieder. Besonders Gruppen mit Pferden schätzen den großen Platz, den das weitläufige Gelände bietet.

Standesgemäß wird Theophanu deswegen zu Pferde einreiten, begleitet von ottonischen Panzerreitern, die sie beschützen. Aber auch ein ehemaliger Feind der Ottonen wird kommen: Ein ungarischer Gesandter von der Vereinigung „Die Steppenreiter“ wird dieses Jahr erneut die Kunst des Bogenschießens zu Pferde vorführen. Dazu wird es eine möglichst authentische Handwerkerkurve geben sowie im abgetrennten Kommerzbereich Elemente eines herkömmlichen Mittelaltermarktes mit Versorgung durch Geschäfte aus dem Dorf Tilleda. Die Gruppen Okzitana und Nachtwindheim spielen auf einer Bühne in diesem von den Darstellerlagern örtlich abgetrennten Bereich.

Viele Aktive unterstützen mit ihrer Teilnahme in außergewöhnlicher Weise das Museum. Einige Enthusiasten haben sogar extra für das Fest in Tilleda ihre gesamte Darstellung umgestellt. Neben ihrer Teilnahme haben einige Darsteller auch Teile der Organisation übernommen.

Der Verein „Lebendige Geschichte der Pfalz Tilleda e.V.“

Möglich wurde das diesjährige Fest neben dem Einsatz von Gemeinde und Museumsleitung durch den noch in Gründung befindlichen Verein „Lebendige Geschichte der Pfalz Tilleda e.V.“ Darsteller und Enthusiasten von Braunschweig bis Leipzig (darunter auch die Wikingergruppe Huginn) fanden sich beim Nähen und Ausbessern ihrer Ausrüstungen zusammen und gründeten den als Förderverein gedachten Verein für das Museumsgelände, um Aktivitäten und Rekonstruktionen zu verbessern. Ein Restaurator im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie berät den Verein in archäotechnischen Angelegenheiten.

Sicher ist die Gründung eines Vereins nicht die Lösung, um Tilleda von der „Provinzklasse“ in die „Bundesliga“ der Freilichtmuseen aufsteigen zu lassen. Verantwortliche müssen sich auch überlegen, dass man das Ehrenamt zudem nicht endlos strapazieren kann. Was aber der Verein leisten kann, ist eine Vielfältigkeit der Stimmen dem verantwortlichen Landesamt und den Medien gegenüber. Inwiefern dazu Sponsoren eingeworben werden können, wird sich zeigen. Auch das Vordenken, wie es mit dem Museum weitergehen soll, und die Diskussion darüber, kann im Verein geschehen. Dazu betreibt der Verein auch die Internetseite für das Museum auf eigene Kosten.

Die Experimentierwochenenden

Neben dem „Kaiserlager“ bieten Museum und Verein noch eine weitere Möglichkeiten für Aktive, das Gelände zu beleben. Jeweils einmal im Frühjahr und einmal im Herbst treffen sich Vereinsmitglieder und Freunde zum Experimentieren in der Anlage. Diese Wochenenden stehen jedermann offen. Auch für Gruppen, die ein Wochenende lagern, die Gegend und das Gelände einmal kennen lernen wollen.

Wie diese Treffen in ein museumspädagogisches Konzept einzubauen sind, ist noch offen. Auch bestehen die Aktivitäten der Darsteller im Wesentlichen aus Nachempfindungen. Für experimentalarchäologische Fragestellungen, also wirkliche Experimente mit wissenschaftlicher Begleitung, müssen noch geeignete Voraussetzungen geschaffen werden. Fraglich ist, ob dies allein mit Ehrenamtlichen möglich ist. Das Landesamt könnte dabei wissenschaftliche Hilfestellung geben. Wer Interesse an einer Teilnahme an den Experimentierwochenenden hat, kann jederzeit mit dem Verein und der Pfalz Kontakt aufnehmen.

Wie es mit Tilleda weitergehen wird, kann im Moment niemand sagen. Zu wünschen wären dem Museum jedoch längerfristige Perspektiven und eine gesunde Mischung aus professioneller Arbeit und dem Enthusiasmus der ehrenamtlichen Helfer und Darsteller. Sicherlich war eine Pfalz nur ein kurzzeitiger Aufenthaltsort für eine Herrscherin, aber die Kaiserin Theophanu könnte sich doch auf dem landschaftlich wunderschön gelegenen Museumsgelände für längere Zeit niederlassen. Auch wenn man ihr dort vermutlich nicht jedes Jahr ein Fest ausrichten lassen kann.

Torsten Kreutzfeldt  |  Artikel vom 30. Juni 2007

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