Archäobotanik

Des Kaisers Kräutergarten

Karl der Große verbrachte gewiss mehr Zeit auf Feldzügen als im Garten. Aber er hinterließ auch Vorschriften, die für Medizin und Küche bedeutend waren. Ein Autorenteam ging auf Spurensuche.

Fotos zum Thema

  • Buchcover <span class="copy">(Foto: Zabern Verlag)</span>

Details

Zum Buch
Karl Josef Strank und Jutta Meurers-Balke (Hrsg.): „dass man im Garten alle Kräuter habe…“ – Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Großen; Verlag Philipp von Zabern; Mainz; 2008; 416 Seiten mit 200 Farb- und 42 Schwarzweißabbildungen; ISBN 978-3-8053-3879-0; 44,90 Euro
Die Autorin
Sylvia Crumbach, Jahrgang 1969, kfm./techn. Angestellte im Glaserhandwerk, ist Vorsitzende des Vereins Projekte zur lebendigen Geschichte e.V. sowie Mitglied im Archäotechniker Forum Federseemuseum. Ihre Spezialität sind Rekonstruktionen historischer Textilien sowie die Ernährung in vorgeschichtlicher Zeit. Sie ist für Museen im In- und Ausland tätig.

Verordnung mit kulinarischen Folgen

Schon beim ersten Aufschlagen überzeugt das Buch durch die ruhige und angenehme Gestaltung. Die Beschreibung der einzelnen Pflanzen macht den Hauptanteil aus. Sehr stimmige, aber auch zur Identifikation der Pflanzen geeignete Fotos und in einigen Fällen Darstellungen der Pflanzen aus Handschriften lockern den informativen Textteil auf. Über 100 Kräuter, Gemüse und Bäume werden besprochen. Auf eine Übersicht der schlichten Fakten folgt eine botanische Beschreibung. Die Archäobotanik und die historische Nutzung und Bedeutung wird über die Verwendung im Karlsgarten hinaus dargestellt.

Die Nutzung im Mittelalter gemäß Schriftquellen wird ebenso behandelt wie der römerzeitliche Gebrauch. Ein weiterer Abschnitt zu jeder Art informiert die heutige Verwendung und Nutzung – nicht ohne Gefahrenhinweise bei falscher Anwendung der Kräuter. Die unterhaltsam und fachlich fundiert gehaltenen Texte machen die Auflistung der Pflanzen zu mehr als einem Nachschlagewerk – der Vergleich zu einem spannenden Magazin passt besser.

Die Einleitung zu den Pflanzenbeschreibungen bietet ein Kapitel zur „Capitulare des villes“, der Landgüterverordnung Karls des Großen. Auf 35 Seiten findet sich eine Beschreibung und Einordnung der Karlsverordnung sowie der Kontext zu anderen erhaltenen historischen Schriften.

Wer vom Lesen Hunger bekommen hat, findet in einem kleinen Rezeptteil Anregungen für die verschiedensten Gerichte unter Verwendung der zum Teil eher unbekannten, beschriebenen Pflanzen. Bei der Rezeptauswahl finden moderne, kreative Gerichte ebenso Beachtung wie die regionale Küche.

Eine Vorstellung des Karlsgartens in Aachen bildet den Abschluss. Die beiden Gärten werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Freundeskreises Botanischer Garten Aachen e. V. gepflegt und betreut. Gezeigt werden alle in der „Capitulare des villes“, aufgezeichneten Pflanzen; ein Plan erleichtert die Orientierung. Der Garten bietet eine attraktive Anlaufstelle bei einer Besichtigungstour in Aachen.

In den Anhängen finden sich ein Register der vorgestellten Pflanzen mit Speziesnennung sowie ausführliche Literaturangaben.

Einfach ein schönes Buch!

Mit den schönen Bildern, der ansprechenden Aufmachung und den zugänglich präsentierten Fakten nimmt man das Buch immer wieder gern in die Hand. Es bietet für den einschlägig interessierten Leser genauso viele Anreize wie für den Hobbygärtner. Oder vielleicht sollte ich sagen, ein „Anfüttern“ an den eher unbekannten Bereich der Archäobotanik ist in vollem Umfang gelungen. Wer ein schönes Geschenk für liebe Schwiegereltern mit Garten sucht, ist hier genauso gut beraten wie Geschichts- und Botanikinteressierte.

Einziger Kritikpunkt sind die fehlenden Beschreibungen zu den Abbildungen aus historischen Handschriften, die so nur einen dekorativen Charakter haben.

Zu den Herausgebern

Karl Josef Strank ist Biologe an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und Geschäftsführer des Freundeskreises Botanischer Garten Aachen e.V. Jutta Meurers-Balke ist Leiterin des Labors für Archäobotanik des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln und untersucht Pflanzenfunde aus Ausgrabungen

Sylvia Crumbach  |  Artikel vom 17. Juli 2008

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